Pfadregeln einfach erklärt: Produkt- und Summenregel

Lerne die Produkt- und Summenregel der Wahrscheinlichkeitsrechnung: Mit und ohne Baumdiagramm sowie mit dem Gegenereignis Wahrscheinlichkeiten sicher berechnen – viele Beispiele inklusive.

📅 Aktualisiert 28. Juni 202621 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion

Hast du dich jemals gefragt, wie fair Lootboxen in deinem Lieblingsspiel wirklich sind? Oder wie hoch die Chance ist, bei einem Gewinnspiel tatsächlich etwas zu gewinnen? Die Mathematik dahinter basiert auf zwei einfachen Regeln: der Produktregel und der Summenregel – auch Pfadregeln genannt. Wenn du diese Regeln kennst, kannst du Wahrscheinlichkeiten selbst berechnen, Gewinnchancen einschätzen und manipulative Versprechen durchschauen. In diesem Artikel lernst du, wie du Ereigniswahrscheinlichkeiten mit Baumdiagramm, ohne Baumdiagramm und mithilfe des Gegenereignisses berechnest.

Vorwissen

Bevor wir starten, wiederholen wir kurz ein paar Grundlagen:

  • Zufallsexperiment: Ein Vorgang mit ungewissem Ausgang.

    • Beispiel: Das Werfen einer Münze ist ein Zufallsexperiment. Du weißt vorher nicht, ob Kopf oder Zahl kommt.
  • Ergebnis: Ein möglicher Ausgang eines Zufallsexperiments.

    • Beispiel: Beim Würfeln ist das Werfen einer 4 ein Ergebnis.
  • Ereignis: Eine Zusammenfassung von einem oder mehreren Ergebnissen.

    • Beispiel: Das Ereignis „eine gerade Zahl würfeln" fasst die Ergebnisse {2, 4, 6} zusammen.
  • Wahrscheinlichkeit (Laplace): Das Verhältnis der günstigen Ergebnisse zur Gesamtzahl aller möglichen Ergebnisse.

    • Formel: P(Ereignis)=Anzahl der gu¨nstigen ErgebnisseAnzahl aller mo¨glichen ErgebnisseP(\text{Ereignis}) = \frac{\text{Anzahl der günstigen Ergebnisse}}{\text{Anzahl aller möglichen Ergebnisse}}
    • Beispiel: Die Wahrscheinlichkeit, eine gerade Zahl zu würfeln, ist 36=0,5\frac{3}{6} = 0{,}5.

Aufgabentyp 1: Wahrscheinlichkeit mit Baumdiagramm berechnen (mit Zurücklegen)

Das Baumdiagramm hilft uns, mehrstufige Zufallsexperimente darzustellen. „Mit Zurücklegen" bedeutet, dass sich die Ausgangssituation nach jedem Durchgang wiederherstellt. Die Wahrscheinlichkeiten auf jeder Stufe bleiben also gleich.

Um die Wahrscheinlichkeit für ein bestimmtes Ereignis zu finden, benutzen wir zwei simple Regeln:

  1. Die 1. Pfadregel (Produktregel) Die Wahrscheinlichkeit für ein bestimmtes Ergebnis (einen Pfad im Baum) erhältst du, indem du alle Wahrscheinlichkeiten entlang dieses Pfades multiplizierst.

  2. Die 2. Pfadregel (Summenregel) Wenn ein Ereignis aus mehreren Ergebnissen (Pfaden) besteht, erhältst du die Gesamtwahrscheinlichkeit, indem du die Wahrscheinlichkeiten der einzelnen Pfade addierst.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Experiment verstehen: Lies die Aufgabe genau. Was sind die Stufen des Experiments? Was sind die möglichen Ergebnisse pro Stufe? Findet das Experiment mit oder ohne Zurücklegen statt?
  2. Baumdiagramm zeichnen: Zeichne für jede Stufe die entsprechenden Äste. Die Anzahl der Stufen entspricht der Anzahl der Durchführungen.
  3. Wahrscheinlichkeiten eintragen: Schreibe an jeden Ast die zugehörige Wahrscheinlichkeit. Die Summe aller Äste von einem Punkt muss 1 ergeben.
  4. Relevante Pfade markieren: Finde alle Pfade, die zum gesuchten Ereignis gehören.
  5. Pfadwahrscheinlichkeiten berechnen (Produktregel): Multipliziere die Wahrscheinlichkeiten entlang jedes markierten Pfades.
  6. Gesamtwahrscheinlichkeit berechnen (Summenregel): Addiere die Wahrscheinlichkeiten aller markierten Pfade.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

In einer Urne befinden sich blaue, weiße und schwarze Kugeln. Die Wahrscheinlichkeit für eine blaue Kugel ist 0,60{,}6, für eine weiße Kugel 0,30{,}3 und für eine schwarze Kugel 0,10{,}1. Lukas zieht nacheinander 2 Kugeln und legt sie nach jedem Zug zurück. Erstelle ein Baumdiagramm und berechne die Wahrscheinlichkeit, dass Lukas genau eine weiße und eine blaue Kugel zieht.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1 & 2 & 3
    Baumdiagramm erstellen und Wahrscheinlichkeiten eintragen

    Das Experiment hat zwei Stufen (zweimal ziehen). Da die Kugeln zurückgelegt werden, sind die Wahrscheinlichkeiten in beiden Stufen gleich.

    Baumdiagramm mit blauen, weißen und schwarzen Kugeln
    Baumdiagramm mit blauen, weißen und schwarzen Kugeln
  2. Schritt 4
    Relevante Pfade markieren

    Das Ereignis „eine weiße und eine blaue Kugel" tritt bei zwei Pfaden ein:

    1. Zuerst blau, dann weiß (Pfad B-W)
    2. Zuerst weiß, dann blau (Pfad W-B)
    Markierte Pfade im Baumdiagramm für blau-weiß
    Markierte Pfade im Baumdiagramm für blau-weiß
  3. Schritt 5
    Pfadwahrscheinlichkeiten berechnen (Produktregel)

    Wir multiplizieren die Wahrscheinlichkeiten entlang der beiden Pfade:

    P(erst B, dann W)=P(B)P(W)=0,60,3=0,18P(\text{erst B, dann W}) = P(B) \cdot P(W) = 0{,}6 \cdot 0{,}3 = 0{,}18

    P(erst W, dann B)=P(W)P(B)=0,30,6=0,18P(\text{erst W, dann B}) = P(W) \cdot P(B) = 0{,}3 \cdot 0{,}6 = 0{,}18

  4. Schritt 6 · Ergebnis
    Gesamtwahrscheinlichkeit berechnen (Summenregel)

    Wir addieren die Wahrscheinlichkeiten der beiden Pfade:

    P(eine B und eine W)=P(erst B, dann W)+P(erst W, dann B)P(\text{eine B und eine W}) = P(\text{erst B, dann W}) + P(\text{erst W, dann B})

    =0,18+0,18=0,36= 0{,}18 + 0{,}18 = 0{,}36

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, eine weiße und eine blaue Kugel zu ziehen, beträgt 36%36\%.

Beispiel 2

Aufgabe

Eine Münze ist manipuliert, sodass die Wahrscheinlichkeit für „Kopf" 0,40{,}4 beträgt. Die Münze wird zweimal geworfen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, genau einmal „Kopf" zu werfen?

Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Experiment verstehen
    • Zwei Stufen (zweimal werfen).
    • Ergebnisse: Kopf (K) oder Zahl (Z).
    • Wahrscheinlichkeiten: P(K)=0,4P(K) = 0{,}4. Da es nur zwei Möglichkeiten gibt, ist P(Z)=10,4=0,6P(Z) = 1 - 0{,}4 = 0{,}6.
    • Die Würfe sind unabhängig (wie „mit Zurücklegen").
  2. Schritt 2 & 3
    Baumdiagramm
    Baumdiagramm manipulierte Münze Kopf und Zahl
    Baumdiagramm manipulierte Münze Kopf und Zahl
  3. Schritt 4
    Relevante Pfade markieren

    Das Ereignis „genau einmal Kopf" hat zwei Pfade:

    1. Kopf, dann Zahl (K-Z)
    2. Zahl, dann Kopf (Z-K)
  4. Schritt 5
    Pfadwahrscheinlichkeiten berechnen (Produktregel)

    P(K,Z)=P(K)P(Z)=0,40,6=0,24P(K, Z) = P(K) \cdot P(Z) = 0{,}4 \cdot 0{,}6 = 0{,}24

    P(Z,K)=P(Z)P(K)=0,60,4=0,24P(Z, K) = P(Z) \cdot P(K) = 0{,}6 \cdot 0{,}4 = 0{,}24

  5. Schritt 6 · Ergebnis
    Gesamtwahrscheinlichkeit berechnen (Summenregel)

    P(genau einmal Kopf)=P(K,Z)+P(Z,K)P(\text{genau einmal Kopf}) = P(K, Z) + P(Z, K)

    =0,24+0,24=0,48= 0{,}24 + 0{,}24 = 0{,}48

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit für genau einmal Kopf beträgt 48%48\%.

Beispiel 3

Aufgabe

Ein Glücksrad hat drei Sektoren: Rot (50%), Grün (30%) und Blau (20%). Das Rad wird zweimal gedreht. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, zwei unterschiedliche Farben zu erhalten?

Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Experiment verstehen
    • Zwei Stufen (zweimal drehen).
    • Ergebnisse: Rot (R), Grün (G), Blau (B).
    • Wahrscheinlichkeiten: P(R)=0,5P(R)=0{,}5, P(G)=0,3P(G)=0{,}3, P(B)=0,2P(B)=0{,}2.
    • Die Drehungen sind unabhängig.
  2. Schritt 2 & 3
    Baumdiagramm
    Baumdiagramm Glücksrad mit Rot, Grün und Blau
    Baumdiagramm Glücksrad mit Rot, Grün und Blau
  3. Schritt 4
    Relevante Pfade markieren

    „Zwei unterschiedliche Farben" bedeutet alle Pfade außer R-R, G-G und B-B. Das sind:

    • R-G, R-B
    • G-R, G-B
    • B-R, B-G
  4. Schritt 5
    Pfadwahrscheinlichkeiten berechnen (Produktregel)

    P(R,G)=0,50,3=0,15P(R,G) = 0{,}5 \cdot 0{,}3 = 0{,}15

    P(R,B)=0,50,2=0,10P(R,B) = 0{,}5 \cdot 0{,}2 = 0{,}10

    P(G,R)=0,30,5=0,15P(G,R) = 0{,}3 \cdot 0{,}5 = 0{,}15

    P(G,B)=0,30,2=0,06P(G,B) = 0{,}3 \cdot 0{,}2 = 0{,}06

    P(B,R)=0,20,5=0,10P(B,R) = 0{,}2 \cdot 0{,}5 = 0{,}10

    P(B,G)=0,20,3=0,06P(B,G) = 0{,}2 \cdot 0{,}3 = 0{,}06

  5. Schritt 6 · Ergebnis
    Gesamtwahrscheinlichkeit berechnen (Summenregel)

    P(unterschiedliche Farben)=0,15+0,10+0,15+0,06+0,10+0,06P(\text{unterschiedliche Farben}) = 0{,}15 + 0{,}10 + 0{,}15 + 0{,}06 + 0{,}10 + 0{,}06

    =0,62= 0{,}62

    (Alternativer Weg: Über das Gegenereignis „gleiche Farben" rechnen: P(R,R)=0,25P(R,R)=0{,}25, P(G,G)=0,09P(G,G)=0{,}09, P(B,B)=0,04P(B,B)=0{,}04. Summe ist 0,380{,}38. Dann 10,38=0,621 - 0{,}38 = 0{,}62)

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit für zwei unterschiedliche Farben beträgt 62%62\%.

Beispiel 4

Aufgabe

Ein Basketballspieler trifft Freiwürfe mit einer Wahrscheinlichkeit von 80%. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er bei zwei Versuchen genau einen trifft?

Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Experiment verstehen
    • Zwei Stufen (zwei Würfe).
    • Ergebnisse: Treffer (T) oder Fehlwurf (F).
    • Wahrscheinlichkeiten: P(T)=0,8P(T) = 0{,}8, also P(F)=10,8=0,2P(F) = 1 - 0{,}8 = 0{,}2.
    • Die Würfe sind unabhängig.
  2. Schritt 2 & 3
    Baumdiagramm
    Baumdiagramm Basketballwürfe Treffer und Fehlwurf
    Baumdiagramm Basketballwürfe Treffer und Fehlwurf
  3. Schritt 4
    Relevante Pfade markieren

    Das Ereignis „genau einen Treffer" hat zwei Pfade:

    1. Treffer, dann Fehlwurf (T-F)
    2. Fehlwurf, dann Treffer (F-T)
  4. Schritt 5
    Pfadwahrscheinlichkeiten berechnen (Produktregel)

    P(T,F)=P(T)P(F)=0,80,2=0,16P(T, F) = P(T) \cdot P(F) = 0{,}8 \cdot 0{,}2 = 0{,}16

    P(F,T)=P(F)P(T)=0,20,8=0,16P(F, T) = P(F) \cdot P(T) = 0{,}2 \cdot 0{,}8 = 0{,}16

  5. Schritt 6 · Ergebnis
    Gesamtwahrscheinlichkeit berechnen (Summenregel)

    P(genau ein Treffer)=P(T,F)+P(F,T)P(\text{genau ein Treffer}) = P(T, F) + P(F, T)

    =0,16+0,16=0,32= 0{,}16 + 0{,}16 = 0{,}32

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit für genau einen Treffer beträgt 32%32\%.

Beispiel 5

Aufgabe

Ein Würfel wird zweimal geworfen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Augensumme genau 5 beträgt?

Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Experiment verstehen
    • Zwei Stufen (zwei Würfe).
    • Ergebnisse: Zahlen von 1 bis 6. Jeder Wurf hat die Wahrscheinlichkeit 16\frac{1}{6}.
    • Die Würfe sind unabhängig.
  2. Schritt 2 & 3
    Baumdiagramm

    Ein vollständiges Baumdiagramm hätte 66=366 \cdot 6 = 36 Äste. Wir können es uns aber vorstellen.

  3. Schritt 4
    Relevante Pfade markieren

    Welche Würfe ergeben die Summe 5?

    • 1 im ersten Wurf, 4 im zweiten Wurf (1, 4)
    • 2 im ersten Wurf, 3 im zweiten Wurf (2, 3)
    • 3 im ersten Wurf, 2 im zweiten Wurf (3, 2)
    • 4 im ersten Wurf, 1 im zweiten Wurf (4, 1)

    Es gibt 4 relevante Pfade.

  4. Schritt 5
    Pfadwahrscheinlichkeiten berechnen (Produktregel)

    Jeder einzelne Wurf hat die Wahrscheinlichkeit 16\frac{1}{6}. Daher hat jeder der vier Pfade die gleiche Wahrscheinlichkeit:

    P(ein Pfad)=1616=136P(\text{ein Pfad}) = \frac{1}{6} \cdot \frac{1}{6} = \frac{1}{36}

  5. Schritt 6 · Ergebnis
    Gesamtwahrscheinlichkeit berechnen (Summenregel)

    Wir addieren die Wahrscheinlichkeiten der vier Pfade:

    P(Summe 5)=P(1,4)+P(2,3)+P(3,2)+P(4,1)P(\text{Summe 5}) = P(1,4) + P(2,3) + P(3,2) + P(4,1)

    =136+136+136+136=436=19= \frac{1}{36} + \frac{1}{36} + \frac{1}{36} + \frac{1}{36} = \frac{4}{36} = \frac{1}{9}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit für die Augensumme 5 beträgt 19\frac{1}{9} oder ca. 11,1%11{,}1\%.

Aufgabentyp 2: Wahrscheinlichkeiten ohne Baumdiagramm berechnen

Manchmal ist ein Experiment zu groß, um ein komplettes Baumdiagramm zu zeichnen (z. B. achtmal ziehen). In solchen Fällen konzentrieren wir uns auf die logische Struktur der Aufgabe, indem wir auf Schlüsselwörter achten:

  • Das Wort UND bedeutet, dass mehrere Dinge nacheinander oder gleichzeitig passieren müssen. Es verbindet Äste entlang eines Pfades. Hier benutzt du die Produktregel (multiplizieren).

    • Beispiel: „Die erste Kugel ist rot UND die zweite ist rot." P(R)P(R)\to P(R) \cdot P(R)
  • Das Wort ODER bedeutet, dass es verschiedene Möglichkeiten (Pfade) gibt, wie das Ereignis eintreten kann. Hier benutzt du die Summenregel (addieren).

    • Beispiel: „Drei rote Kugeln ODER drei blaue Kugeln." P(3R)+P(3B)\to P(\text{3R}) + P(\text{3B})

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Ereignis in Worte fassen: Übersetze die Frage in einen Satz mit den Wörtern „UND" und „ODER". Beispiel: „Die ersten drei Kugeln haben dieselbe Farbe" wird zu „(erste Kugel rot UND zweite rot UND dritte rot) ODER (erste Kugel weiß UND …) ODER (…)".
  2. Einzelwahrscheinlichkeiten bestimmen: Berechne die Wahrscheinlichkeit für jedes einzelne Ergebnis, das in deinem Satz vorkommt (z. B. P(rot), P(weiß)).
  3. UND-Teile berechnen (Produktregel): Für jeden Klammerausdruck (jeden ODER-Teil) multiplizierst du die Einzelwahrscheinlichkeiten.
  4. ODER-Teile verbinden (Summenregel): Addiere die Ergebnisse aus Schritt 3. Das ist deine finale Antwort.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

In einer Urne befinden sich drei rote, eine weiße und sechs schwarze Kugeln (insgesamt 10 Kugeln). Es werden nacheinander acht Kugeln mit Zurücklegen gezogen. Bestimme die Wahrscheinlichkeit, dass die ersten drei gezogenen Kugeln dieselbe Farbe haben.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ereignis in Worte fassen

    Das Ereignis „die ersten drei Kugeln haben dieselbe Farbe" bedeutet: (erste rot UND zweite rot UND dritte rot) ODER (erste weiß UND zweite weiß UND dritte weiß) ODER (erste schwarz UND zweite schwarz UND dritte schwarz).

    Hinweis: Die Tatsache, dass 8 Kugeln gezogen werden, ist für die Frage irrelevant. Nur die ersten drei Züge zählen.

  2. Schritt 2
    Einzelwahrscheinlichkeiten bestimmen

    Insgesamt sind 10 Kugeln in der Urne.

    P(rot)=310P(\text{rot}) = \frac{3}{10}

    P(weiß)=110P(\text{weiß}) = \frac{1}{10}

    P(schwarz)=610P(\text{schwarz}) = \frac{6}{10}

    Da mit Zurücklegen gezogen wird, bleiben diese Wahrscheinlichkeiten immer gleich.

  3. Schritt 3
    UND-Teile berechnen (Produktregel)

    P(3 rote)=P(rot)P(rot)P(rot)=(310)3=271000P(\text{3 rote}) = P(\text{rot}) \cdot P(\text{rot}) \cdot P(\text{rot}) = \left(\frac{3}{10}\right)^3 = \frac{27}{1000}

    P(3 weiße)=P(weiß)P(weiß)P(weiß)=(110)3=11000P(\text{3 weiße}) = P(\text{weiß}) \cdot P(\text{weiß}) \cdot P(\text{weiß}) = \left(\frac{1}{10}\right)^3 = \frac{1}{1000}

    P(3 schwarze)=P(schwarz)P(schwarz)P(schwarz)=(610)3=2161000P(\text{3 schwarze}) = P(\text{schwarz}) \cdot P(\text{schwarz}) \cdot P(\text{schwarz}) = \left(\frac{6}{10}\right)^3 = \frac{216}{1000}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    ODER-Teile verbinden (Summenregel)

    P(erste 3 gleiche Farbe)=P(3 rote)+P(3 weiße)+P(3 schwarze)P(\text{erste 3 gleiche Farbe}) = P(\text{3 rote}) + P(\text{3 weiße}) + P(\text{3 schwarze})

    =271000+11000+2161000=2441000=0,244= \frac{27}{1000} + \frac{1}{1000} + \frac{216}{1000} = \frac{244}{1000} = 0{,}244

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass die ersten drei Kugeln dieselbe Farbe haben, beträgt 24,4%24{,}4\%.

Beispiel 2

Aufgabe

Bei einem Multiple-Choice-Test gibt es 4 Fragen mit je 3 Antwortmöglichkeiten (A, B, C), von denen immer nur eine richtig ist. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, durch reines Raten die erste Frage richtig UND die zweite falsch zu beantworten?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ereignis in Worte fassen

    Das Ereignis ist bereits formuliert: „Erste Frage richtig UND zweite Frage falsch".

  2. Schritt 2
    Einzelwahrscheinlichkeiten bestimmen

    Pro Frage gibt es 3 Möglichkeiten. Die Wahrscheinlichkeit, richtig zu raten, ist 13\frac{1}{3}.

    P(richtig)=13P(\text{richtig}) = \frac{1}{3}

    Die Wahrscheinlichkeit, falsch zu raten, ist die Gegenwahrscheinlichkeit. Es gibt 2 falsche Antworten von 3.

    P(falsch)=23P(\text{falsch}) = \frac{2}{3} (oder 113=231 - \frac{1}{3} = \frac{2}{3})

  3. Schritt 3
    UND-Teile berechnen (Produktregel)

    Wir multiplizieren die Wahrscheinlichkeiten der beiden unabhängigen Ereignisse:

    P(1. richtig UND 2. falsch)=P(richtig)P(falsch)P(\text{1. richtig UND 2. falsch}) = P(\text{richtig}) \cdot P(\text{falsch})

    =1323=29= \frac{1}{3} \cdot \frac{2}{3} = \frac{2}{9}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    ODER-Teile verbinden (Summenregel)

    Es gibt keine ODER-Verbindung, also sind wir fertig.

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt 29\frac{2}{9} oder ca. 22,2%22{,}2\%.

Beispiel 3

Aufgabe

Aus einem Standard-Kartenspiel mit 52 Karten wird dreimal eine Karte gezogen und wieder zurückgelegt. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, zuerst ein Herz, dann ein Pik und dann wieder ein Herz zu ziehen?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ereignis in Worte fassen

    Das Ereignis ist: „Erste Karte Herz UND zweite Karte Pik UND dritte Karte Herz".

  2. Schritt 2
    Einzelwahrscheinlichkeiten bestimmen

    Ein Kartenspiel hat 4 Farben (Herz, Pik, Karo, Kreuz) mit je 13 Karten. Insgesamt 52 Karten.

    P(Herz)=1352=14P(\text{Herz}) = \frac{13}{52} = \frac{1}{4}

    P(Pik)=1352=14P(\text{Pik}) = \frac{13}{52} = \frac{1}{4}

    Da die Karten zurückgelegt werden, bleiben die Wahrscheinlichkeiten konstant.

  3. Schritt 3
    UND-Teile berechnen (Produktregel)

    P(Herz, dann Pik, dann Herz)=P(Herz)P(Pik)P(Herz)P(\text{Herz, dann Pik, dann Herz}) = P(\text{Herz}) \cdot P(\text{Pik}) \cdot P(\text{Herz})

    =141414=164= \frac{1}{4} \cdot \frac{1}{4} \cdot \frac{1}{4} = \frac{1}{64}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    ODER-Teile verbinden (Summenregel)

    Es gibt keine ODER-Verbindung, also sind wir fertig.

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt 164\frac{1}{64} oder ca. 1,56%1{,}56\%.

Beispiel 4

Aufgabe

Die Wettervorhersage sagt für die nächsten drei Tage (Fr, Sa, So) jeweils eine Regenwahrscheinlichkeit von 20%. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es nur am Sonntag regnet?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ereignis in Worte fassen

    „Nur am Sonntag regnet es" bedeutet: „Am Freitag regnet es NICHT UND am Samstag regnet es NICHT UND am Sonntag regnet es".

  2. Schritt 2
    Einzelwahrscheinlichkeiten bestimmen

    P(Regen)=0,2P(\text{Regen}) = 0{,}2

    Die Gegenwahrscheinlichkeit ist:

    P(kein Regen)=1P(Regen)=10,2=0,8P(\text{kein Regen}) = 1 - P(\text{Regen}) = 1 - 0{,}2 = 0{,}8

  3. Schritt 3
    UND-Teile berechnen (Produktregel)

    P(kein Regen, kein Regen, Regen)=P(kein Regen)P(kein Regen)P(Regen)P(\text{kein Regen, kein Regen, Regen}) = P(\text{kein Regen}) \cdot P(\text{kein Regen}) \cdot P(\text{Regen})

    =0,80,80,2=0,128= 0{,}8 \cdot 0{,}8 \cdot 0{,}2 = 0{,}128

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    ODER-Teile verbinden (Summenregel)

    Es gibt keine ODER-Verbindung, da der Tag genau festgelegt ist.

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass es nur am Sonntag regnet, beträgt 12,8%12{,}8\%.

Beispiel 5

Aufgabe

Ein Würfel wird viermal geworfen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die ersten beiden Würfe eine 6 sind und die letzten beiden Würfe keine 6 sind?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ereignis in Worte fassen

    Das Ereignis ist: „Erster Wurf 6 UND zweiter Wurf 6 UND dritter Wurf keine 6 UND vierter Wurf keine 6".

  2. Schritt 2
    Einzelwahrscheinlichkeiten bestimmen

    P(6)=16P(6) = \frac{1}{6}

    P(keine 6)=1P(6)=116=56P(\text{keine } 6) = 1 - P(6) = 1 - \frac{1}{6} = \frac{5}{6}

  3. Schritt 3
    UND-Teile berechnen (Produktregel)

    P(6, 6, keine 6, keine 6)=P(6)P(6)P(keine 6)P(keine 6)P(\text{6, 6, keine 6, keine 6}) = P(6) \cdot P(6) \cdot P(\text{keine } 6) \cdot P(\text{keine } 6)

    =16165656=251296= \frac{1}{6} \cdot \frac{1}{6} \cdot \frac{5}{6} \cdot \frac{5}{6} = \frac{25}{1296}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    ODER-Teile verbinden (Summenregel)

    Es gibt keine ODER-Verbindung.

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt 251296\frac{25}{1296} oder ca. 1,93%1{,}93\%.

Aufgabentyp 3: Wahrscheinlichkeit mit dem Gegenereignis berechnen

Manchmal ist es viel einfacher, die Wahrscheinlichkeit für das genaue Gegenteil eines Ereignisses zu berechnen. Das nennt man das Gegenereignis.

Schlüsselwörter, die auf diesen Trick hindeuten, sind:

  • „mindestens einmal"
  • „wenigstens einmal"
  • „nicht nur"

Die Regel lautet: P(Ereignis)=1P(Gegenereignis)P(\text{Ereignis}) = 1 - P(\text{Gegenereignis})

Beispiel: Die Wahrscheinlichkeit, „mindestens eine 6" bei zwei Würfen zu würfeln, ist kompliziert (1-6, 6-1, 6-6). Das Gegenereignis ist einfach: „keine 6" bei beiden Würfen. Man berechnet also P(keine 6, keine 6)P(\text{keine 6, keine 6}) und zieht das Ergebnis von 1 ab.

Wichtig: Bei Aufgaben „ohne Zurücklegen" ändern sich die Wahrscheinlichkeiten nach jedem Zug, da sich die Gesamtzahl der Objekte verringert!

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Schlüsselwort erkennen: Suche in der Aufgabenstellung nach Signalwörtern wie „mindestens", „wenigstens" oder „nicht alle". Das ist dein Hinweis, das Gegenereignis zu verwenden.
  2. Gegenereignis formulieren: Formuliere das exakte Gegenteil des gesuchten Ereignisses. „Mindestens eine weiße Kugel" wird zu „Keine weiße Kugel" (also: alle Kugeln sind schwarz).
  3. Wahrscheinlichkeit des Gegenereignisses berechnen: Berechne die Wahrscheinlichkeit für das (meist einfachere) Gegenereignis. Nutze dafür die Produktregel. Achte darauf, ob es sich um ein Experiment mit oder ohne Zurücklegen handelt!
  4. Endergebnis berechnen: Ziehe die in Schritt 3 berechnete Wahrscheinlichkeit von 1 ab: P(Ereignis)=1P(Gegenereignis)P(\text{Ereignis}) = 1 - P(\text{Gegenereignis})

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

In einer Urne befinden sich schwarze (s) und weiße (w) Kugeln. Ohne Zurücklegen wird zweimal gezogen. Das unvollständige Baumdiagramm zeigt die Wahrscheinlichkeiten. Berechne die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens eine weiße Kugel gezogen wird.

Unvollständiges Baumdiagramm schwarze und weiße Kugeln
Unvollständiges Baumdiagramm schwarze und weiße Kugeln
Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Schlüsselwort erkennen

    Das Schlüsselwort ist „mindestens eine weiße Kugel". Wir verwenden das Gegenereignis.

  2. Schritt 2
    Gegenereignis formulieren

    Das Gegenereignis zu „mindestens eine weiße Kugel" ist „keine weiße Kugel". Das bedeutet, beide gezogenen Kugeln sind schwarz.

  3. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeit des Gegenereignisses berechnen

    Wir suchen die Wahrscheinlichkeit für den Pfad (schwarz, schwarz). Die Wahrscheinlichkeiten dafür können wir direkt aus dem Baumdiagramm ablesen.

    P(Gegenereignis)=P(erste Kugel schwarz UND zweite Kugel schwarz)P(\text{Gegenereignis}) = P(\text{erste Kugel schwarz UND zweite Kugel schwarz})

    Wir nutzen die Produktregel entlang des Pfades s-s:

    P(beide schwarz)=P(1. ist s)P(2. ist s, nachdem s gezogen wurde)P(\text{beide schwarz}) = P(\text{1. ist s}) \cdot P(\text{2. ist s, nachdem s gezogen wurde})

    =1617=142= \frac{1}{6} \cdot \frac{1}{7} = \frac{1}{42}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Endergebnis berechnen

    P(mindestens eine weiße Kugel)=1P(beide schwarz)P(\text{mindestens eine weiße Kugel}) = 1 - P(\text{beide schwarz})

    =1142=4242142=4142= 1 - \frac{1}{42} = \frac{42}{42} - \frac{1}{42} = \frac{41}{42}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, mindestens eine weiße Kugel zu ziehen, beträgt 4142\frac{41}{42}.

Beispiel 2

Aufgabe

In einer Klasse sind 10 Jungen und 15 Mädchen (insgesamt 25 Schüler). Zwei Schüler werden zufällig für einen Vortrag ausgewählt. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens ein Mädchen ausgewählt wird?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Schlüsselwort erkennen

    Das Schlüsselwort ist „mindestens ein Mädchen".

  2. Schritt 2
    Gegenereignis formulieren

    Das Gegenereignis ist „kein Mädchen wird ausgewählt", was bedeutet „beide ausgewählten Schüler sind Jungen".

  3. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeit des Gegenereignisses berechnen

    Wir berechnen P(1. ist Junge UND 2. ist Junge)P(\text{1. ist Junge UND 2. ist Junge}). Dies ist ein Experiment ohne Zurücklegen, da eine Person nicht zweimal ausgewählt werden kann.

    Wahrscheinlichkeit für den ersten Schüler:

    P(1. ist Junge)=1025P(\text{1. ist Junge}) = \frac{10}{25}

    Nachdem ein Junge ausgewählt wurde, sind nur noch 9 Jungen und insgesamt 24 Schüler übrig.

    P(2. ist Junge)=924P(\text{2. ist Junge}) = \frac{9}{24}

    Jetzt die Produktregel anwenden:

    P(beide Jungen)=1025924=90600=320P(\text{beide Jungen}) = \frac{10}{25} \cdot \frac{9}{24} = \frac{90}{600} = \frac{3}{20}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Endergebnis berechnen

    P(mindestens ein Ma¨dchen)=1P(beide Jungen)P(\text{mindestens ein Mädchen}) = 1 - P(\text{beide Jungen})

    =1320=1720= 1 - \frac{3}{20} = \frac{17}{20}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt 1720\frac{17}{20} oder 85%85\%.

Beispiel 3

Aufgabe

Aus einem Skatspiel (32 Karten) werden zwei Karten ohne Zurücklegen gezogen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, mindestens einen König zu ziehen? (Es gibt 4 Könige im Spiel).

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Schlüsselwort erkennen

    Das Schlüsselwort ist „mindestens einen König".

  2. Schritt 2
    Gegenereignis formulieren

    Das Gegenereignis ist „keinen König ziehen".

  3. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeit des Gegenereignisses berechnen

    Wir berechnen P(1. kein Ko¨nig UND 2. kein Ko¨nig)P(\text{1. kein König UND 2. kein König}). Es gibt 324=2832 - 4 = 28 Nicht-Könige.

    P(1. kein Ko¨nig)=2832P(\text{1. kein König}) = \frac{28}{32}

    Nachdem eine Nicht-König-Karte gezogen wurde, sind noch 27 Nicht-Könige und 31 Karten übrig.

    P(2. kein Ko¨nig)=2731P(\text{2. kein König}) = \frac{27}{31}

    Produktregel:

    P(kein Ko¨nig)=28322731=782731=189248P(\text{kein König}) = \frac{28}{32} \cdot \frac{27}{31} = \frac{7}{8} \cdot \frac{27}{31} = \frac{189}{248}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Endergebnis berechnen

    P(mindestens ein Ko¨nig)=1P(kein Ko¨nig)P(\text{mindestens ein König}) = 1 - P(\text{kein König})

    =1189248=59248= 1 - \frac{189}{248} = \frac{59}{248}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt 59248\frac{59}{248} oder ca. 23,8%23{,}8\%.

Beispiel 4

Aufgabe

In einer Box sind 10 Glühbirnen, davon sind 3 defekt. Du nimmst nacheinander zwei Glühbirnen heraus. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens eine davon funktioniert?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Schlüsselwort erkennen

    Das Schlüsselwort ist „mindestens eine funktioniert".

  2. Schritt 2
    Gegenereignis formulieren

    Das Gegenereignis ist „keine funktioniert", was bedeutet „beide sind defekt".

  3. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeit des Gegenereignisses berechnen

    Wir berechnen P(1. defekt UND 2. defekt)P(\text{1. defekt UND 2. defekt}). Es gibt 3 defekte und 7 funktionierende Birnen.

    P(1. defekt)=310P(\text{1. defekt}) = \frac{3}{10}

    Danach sind noch 2 defekte und 9 Birnen insgesamt übrig.

    P(2. defekt)=29P(\text{2. defekt}) = \frac{2}{9}

    Produktregel:

    P(beide defekt)=31029=690=115P(\text{beide defekt}) = \frac{3}{10} \cdot \frac{2}{9} = \frac{6}{90} = \frac{1}{15}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Endergebnis berechnen

    P(mindestens eine funktioniert)=1P(beide defekt)P(\text{mindestens eine funktioniert}) = 1 - P(\text{beide defekt})

    =1115=1415= 1 - \frac{1}{15} = \frac{14}{15}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt 1415\frac{14}{15} oder ca. 93,3%93{,}3\%.

Beispiel 5

Aufgabe

Du wirfst einen normalen Würfel dreimal. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, mindestens einmal eine Zahl kleiner als 3 zu würfeln?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Schlüsselwort erkennen

    Das Schlüsselwort ist „mindestens einmal eine Zahl kleiner als 3".

  2. Schritt 2
    Gegenereignis formulieren

    Das Gegenereignis ist „keinmal eine Zahl kleiner als 3 würfeln". Die Zahlen kleiner als 3 sind {1, 2}. Das Gegenereignis ist also, bei allen drei Würfen eine Zahl aus {3, 4, 5, 6} zu würfeln.

  3. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeit des Gegenereignisses berechnen

    Dies ist ein Experiment mit Zurücklegen, da jeder Wurf unabhängig ist.

    Die Wahrscheinlichkeit für eine Zahl kleiner als 3 ist P(<3)=26=13P(<3) = \frac{2}{6} = \frac{1}{3}.

    Die Wahrscheinlichkeit für das Gegenereignis (eine Zahl 3\ge 3) ist P(3)=46=23P(\ge 3) = \frac{4}{6} = \frac{2}{3}.

    Wir berechnen P(1. 3 UND 2. 3 UND 3. 3)P(\text{1. } \ge 3 \text{ UND 2. } \ge 3 \text{ UND 3. } \ge 3).

    P(dreimal 3)=232323=(23)3=827P(\text{dreimal } \ge 3) = \frac{2}{3} \cdot \frac{2}{3} \cdot \frac{2}{3} = \left(\frac{2}{3}\right)^3 = \frac{8}{27}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Endergebnis berechnen

    P(mindestens einmal <3)=1P(dreimal 3)P(\text{mindestens einmal } < 3) = 1 - P(\text{dreimal } \ge 3)

    =1827=1927= 1 - \frac{8}{27} = \frac{19}{27}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt 1927\frac{19}{27} oder ca. 70,4%70{,}4\%.

Wichtige Erkenntnisse

  • 1. Pfadregel (Produktregel): Multipliziere Wahrscheinlichkeiten entlang eines Pfades. Gilt für UND-Verknüpfungen.
  • 2. Pfadregel (Summenregel): Addiere die Wahrscheinlichkeiten mehrerer Pfade. Gilt für ODER-Verknüpfungen.
  • Mit Zurücklegen: Die Wahrscheinlichkeiten auf jeder Stufe des Baumdiagramms bleiben gleich.
  • Ohne Zurücklegen: Die Wahrscheinlichkeiten ändern sich nach jedem Zug, da sich die Gesamtmenge verringert.
  • Gegenereignis: Bei Schlüsselwörtern wie „mindestens" oder „wenigstens" ist es oft einfacher, die Gegenwahrscheinlichkeit zu berechnen und von 1 abzuziehen: P(A)=1P(nicht A)P(A) = 1 - P(\text{nicht } A).

Häufige Fragen

Was sind die Pfadregeln in der Wahrscheinlichkeitsrechnung?

Die Pfadregeln sind zwei grundlegende Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Die 1. Pfadregel (Produktregel) besagt: Um die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Pfades im Baumdiagramm zu berechnen, multiplizierst du alle Wahrscheinlichkeiten entlang dieses Pfades. Die 2. Pfadregel (Summenregel) besagt: Wenn ein Ereignis aus mehreren Pfaden besteht, addierst du deren Einzelwahrscheinlichkeiten. Beide Regeln zusammen erlauben es dir, jede Art von mehrstufigem Zufallsexperiment zu berechnen.

Wie berechnest du Wahrscheinlichkeiten mit dem Baumdiagramm?

Beim Baumdiagramm gehst du in sechs Schritten vor: Erst das Experiment verstehen, dann den Baum zeichnen und Wahrscheinlichkeiten an die Äste schreiben. Anschließend markierst du alle relevanten Pfade, die zum gesuchten Ereignis gehören. Dann multiplizierst du die Wahrscheinlichkeiten entlang jedes Pfades (Produktregel) und addierst die Ergebnisse der einzelnen Pfade (Summenregel). Wichtig: Die Summe aller Äste, die von einem Knoten ausgehen, muss immer 1 ergeben.

Wann verwendest du die Produktregel und wann die Summenregel?

Die Produktregel verwendest du immer dann, wenn mehrere Ereignisse gleichzeitig oder nacheinander eintreten müssen – das Schlüsselwort ist UND. Die Summenregel verwendest du, wenn es mehrere verschiedene Möglichkeiten gibt, wie ein Ergebnis zustande kommen kann – das Schlüsselwort ist ODER. Kurz gesagt: UND bedeutet multiplizieren, ODER bedeutet addieren.

Was ist der Unterschied zwischen mit und ohne Zurücklegen?

Mit Zurücklegen bedeutet, dass nach jedem Zug das gezogene Objekt wieder in die Urne zurückgelegt wird. Die Wahrscheinlichkeiten bleiben auf jeder Stufe des Baumdiagramms gleich. Ohne Zurücklegen bedeutet, dass das gezogene Objekt nicht zurückkommt. Dadurch verringert sich die Gesamtanzahl, und die Wahrscheinlichkeiten ändern sich nach jedem Zug – du musst dies beim Eintragen der Äste berücksichtigen.

Wann lohnt es sich, das Gegenereignis zu berechnen?

Das Gegenereignis lohnt sich immer dann, wenn die Aufgabe Schlüsselwörter wie „mindestens einmal" oder „wenigstens einmal" enthält. Statt alle günstigen Pfade aufzuzählen, berechnest du das einfachere Gegenereignis (z. B. „kein Treffer") und ziehst es von 1 ab: P(Ereignis) = 1 − P(Gegenereignis). Das spart oft erheblich Rechenaufwand, weil das Gegenereignis aus weniger Pfaden besteht.

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