Diskrete Zufallsgrößen und Wahrscheinlichkeitsverteilungen

Diskrete Zufallsgrößen und Wahrscheinlichkeitsverteilungen einfach erklärt: Wertebereich bestimmen, Verteilungstabellen erstellen und fehlende Wahrscheinlichkeiten berechnen – mit vielen Beispielen.

📅 Aktualisiert 29. Juni 202633 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion

Diskrete Zufallsgrößen und Wahrscheinlichkeitsverteilungen begegnen dir überall dort, wo der Zufall eine Rolle spielt – vom Würfelspiel bis zur Lootbox im Online-Game. Eine Wahrscheinlichkeitsverteilung ist wie ein „Cheat Code" für den Zufall: Sie verrät dir die genauen Chancen für jeden möglichen Ausgang. Wenn du sie verstehst, kannst du vorhersagen, ob ein Spiel fair ist, welche Züge sich am meisten lohnen und wo vielleicht getrickst wurde. Dieses Wissen ist dein Vorteil – nicht nur im Spiel, sondern auch bei echten Entscheidungen.

Schnellantwort

Eine Zufallsgröße (meist mit einem Großbuchstaben wie XX bezeichnet) ist eine Regel, die jedem Ergebnis eines Zufallsexperiments eine Zahl zuordnet. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung gibt dann an, mit welcher Wahrscheinlichkeit jeder dieser Zahlenwerte auftritt. Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten in einer Verteilung ist dabei immer genau 1.

Vorwissen

Bevor wir starten, wiederholen wir kurz ein paar Grundlagen:

  • Laplace-Experiment: Ein Zufallsexperiment, bei dem jedes Ergebnis die gleiche Wahrscheinlichkeit hat.

    • Beispiel: Das Werfen eines fairen, sechsseitigen Würfels. Die Wahrscheinlichkeit für jede Zahl von 1 bis 6 ist genau 16\frac{1}{6}.
  • Baumdiagramm: Eine grafische Darstellung für mehrstufige Zufallsexperimente. Jeder Pfad zeigt einen möglichen Ausgang.

    • Beispiel: Zweimaliges Werfen einer Münze. Es gibt 4 mögliche Pfade: Kopf-Kopf, Kopf-Zahl, Zahl-Kopf, Zahl-Zahl.
Baumdiagramm zweimaliger Münzwurf mit vier Pfaden
Baumdiagramm zweimaliger Münzwurf mit vier Pfaden
  • Pfadregeln für Baumdiagramme:
    • 1. Pfadregel (Produktregel): Die Wahrscheinlichkeit eines Pfades erhältst du, indem du die Wahrscheinlichkeiten entlang dieses Pfades multiplizierst.
      • Beispiel: Die Wahrscheinlichkeit für Kopf-Kopf ist P(KK)=1212=14P(KK) = \frac{1}{2} \cdot \frac{1}{2} = \frac{1}{4}.
    • 2. Pfadregel (Summenregel): Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses, das aus mehreren Pfaden besteht, ist die Summe der Wahrscheinlichkeiten dieser einzelnen Pfade.
      • Beispiel: Das Ereignis „genau einmal Kopf" besteht aus den Pfaden KZ und ZK. Die Wahrscheinlichkeit ist P(„einmal Kopf")=P(KZ)+P(ZK)=14+14=12P(\text{„einmal Kopf"}) = P(KZ) + P(ZK) = \frac{1}{4} + \frac{1}{4} = \frac{1}{2}.

Aufgabentyp 1: Was ist eine Zufallsgröße und ihr Wertebereich?

Stell dir ein Zufallsexperiment vor, z. B. das Werfen von zwei Würfeln. Die Ergebnisse sind Paare wie (1, 1), (1, 2) usw. Das ist oft unhandlich.

Eine Zufallsgröße (oft mit einem Großbuchstaben wie XX bezeichnet) ist eine Regel, die jedem Ergebnis eines Zufallsexperiments eine Zahl zuordnet. Sie übersetzt das Ergebnis in etwas, mit dem wir rechnen können.

  • Experiment: Werfen von zwei Würfeln.
  • Ergebnis: Ein Würfel zeigt eine 3, der andere eine 5.
  • Zufallsgröße XX: „Die Summe der Augenzahlen".
  • Wert der Zufallsgröße: X=3+5=8X = 3 + 5 = 8.

Der Wertebereich (auch Ergebnisraum der Zufallsgröße genannt) ist die Menge aller möglichen Zahlen, die die Zufallsgröße annehmen kann.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Experiment und Zufallsgröße verstehen: Lies die Aufgabenstellung genau. Was ist das Zufallsexperiment (z. B. zwei Würfel werfen)? Was ist die Regel der Zufallsgröße (z. B. „die Summe der Augenzahlen")?
  2. Alle möglichen Ergebnisse des Experiments auflisten: Schreibe systematisch alle möglichen Ausgänge des Experiments auf. Bei zwei Würfeln wären das (1,1), (1,2), (1,3), ..., (6,6).
  3. Die Regel der Zufallsgröße auf jedes Ergebnis anwenden: Gehe deine Liste durch und berechne für jedes Ergebnis den Wert der Zufallsgröße. Für (1,1) ist die Summe 2, für (1,2) ist die Summe 3, usw.
  4. Alle einzigartigen Werte sammeln: Sammle alle verschiedenen Zahlen, die du berechnet hast. Doppelte Werte zählst du nur einmal. Diese Sammlung ist der gesuchte Wertebereich.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Es werden zwei normale sechsseitige Würfel geworfen. Bestimme den Wertebereich der Zufallsgröße AA: Die Summe der Augenzahlen.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Experiment und Zufallsgröße verstehen
    • Experiment: Zwei Würfel werfen.
    • Zufallsgröße AA: Summe der Augenzahlen.
  2. Schritt 2 & 3
    Ergebnisse auflisten und Regel anwenden

    Wir finden die kleinste und die größte mögliche Summe:

    • Kleinste Summe: 1+1=21 + 1 = 2
    • Größte Summe: 6+6=126 + 6 = 12

    Alle ganzen Zahlen dazwischen sind ebenfalls möglich (z. B. 1+2=31+2=3, 1+3=41+3=4, usw.).

  3. Schritt 4 · Ergebnis
    Alle einzigartigen Werte sammeln

    Die Zufallsgröße AA kann alle ganzen Zahlen von 2 bis 12 annehmen.

Ergebnis:

Der Wertebereich ist {2,3,4,5,6,7,8,9,10,11,12}\{2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12\}.

Beispiel 2

Aufgabe

Eine Münze wird dreimal geworfen. Bestimme den Wertebereich der Zufallsgröße KK: Die Anzahl der Würfe, die „Kopf" zeigen.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Experiment und Zufallsgröße verstehen
    • Experiment: Eine Münze dreimal werfen.
    • Zufallsgröße KK: Anzahl von „Kopf".
  2. Schritt 2 & 3
    Ergebnisse auflisten und Regel anwenden

    Wir listen alle 8 möglichen Ausgänge auf und zählen die Köpfe:

    • (Z, Z, Z) \to 0 Köpfe
    • (K, Z, Z), (Z, K, Z), (Z, Z, K) \to 1 Kopf
    • (K, K, Z), (K, Z, K), (Z, K, K) \to 2 Köpfe
    • (K, K, K) \to 3 Köpfe
  3. Schritt 4 · Ergebnis
    Alle einzigartigen Werte sammeln

    Die möglichen Anzahlen für „Kopf" sind 0, 1, 2 und 3.

Ergebnis:

Der Wertebereich ist {0,1,2,3}\{0, 1, 2, 3\}.

Beispiel 3

Aufgabe

Aus einer Urne mit 3 roten und 2 blauen Kugeln werden zwei Kugeln ohne Zurücklegen gezogen. Bestimme den Wertebereich der Zufallsgröße RR: Die Anzahl der gezogenen roten Kugeln.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Experiment und Zufallsgröße verstehen
    • Experiment: Zwei Kugeln ohne Zurücklegen ziehen.
    • Zufallsgröße RR: Anzahl der roten Kugeln.
  2. Schritt 2 & 3
    Ergebnisse auflisten und Regel anwenden

    Wir überlegen, welche Kombinationen möglich sind:

    • Man könnte zwei blaue Kugeln ziehen (B, B). Dann ist die Anzahl der roten Kugeln 00.
    • Man könnte eine rote und eine blaue Kugel ziehen (R, B) oder (B, R). Dann ist die Anzahl der roten Kugeln 11.
    • Man könnte zwei rote Kugeln ziehen (R, R). Dann ist die Anzahl der roten Kugeln 22.
  3. Schritt 4 · Ergebnis
    Alle einzigartigen Werte sammeln

    Die Anzahl der gezogenen roten Kugeln kann 0, 1 oder 2 sein.

Ergebnis:

Der Wertebereich ist {0,1,2}\{0, 1, 2\}.

Beispiel 4

Aufgabe

Zwei sechsseitige Würfel werden geworfen. Bestimme den Wertebereich der Zufallsgröße DD: Die absolute Differenz der Augenzahlen (größerer Wert minus kleinerer Wert).

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Experiment und Zufallsgröße verstehen
    • Experiment: Zwei Würfel werfen.
    • Zufallsgröße DD: Absolute Differenz der Augenzahlen.
  2. Schritt 2 & 3
    Ergebnisse auflisten und Regel anwenden

    Wir finden die kleinste und größte mögliche Differenz:

    • Kleinste Differenz: z. B. bei (3, 3) 33=0\to |3 - 3| = 0
    • Größte Differenz: bei (6, 1) 61=5\to |6 - 1| = 5

    Andere mögliche Differenzen sind:

    • 21=1|2 - 1| = 1
    • 31=2|3 - 1| = 2
    • 41=3|4 - 1| = 3
    • 51=4|5 - 1| = 4
  3. Schritt 4 · Ergebnis
    Alle einzigartigen Werte sammeln

    Die möglichen Differenzen sind die ganzen Zahlen von 0 bis 5.

Ergebnis:

Der Wertebereich ist {0,1,2,3,4,5}\{0, 1, 2, 3, 4, 5\}.

Beispiel 5

Aufgabe

Ein Glücksrad hat drei Sektoren mit den Zahlen 1, 2 und 5. Das Rad wird zweimal gedreht. Bestimme den Wertebereich der Zufallsgröße PP: Das Produkt der beiden gedrehten Zahlen.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Experiment und Zufallsgröße verstehen
    • Experiment: Glücksrad zweimal drehen.
    • Zufallsgröße PP: Produkt der Zahlen.
  2. Schritt 2 & 3
    Ergebnisse auflisten und Regel anwenden

    Wir listen alle möglichen Produkte systematisch auf:

    • 11=11 \cdot 1 = 1
    • 12=21 \cdot 2 = 2
    • 15=51 \cdot 5 = 5
    • 21=22 \cdot 1 = 2
    • 22=42 \cdot 2 = 4
    • 25=102 \cdot 5 = 10
    • 51=55 \cdot 1 = 5
    • 52=105 \cdot 2 = 10
    • 55=255 \cdot 5 = 25
  3. Schritt 4 · Ergebnis
    Alle einzigartigen Werte sammeln

    Wir sammeln alle unterschiedlichen Ergebnisse.

Ergebnis:

Der Wertebereich ist {1,2,4,5,10,25}\{1, 2, 4, 5, 10, 25\}.

Aufgabentyp 2: Die Wahrscheinlichkeitsverteilung erstellen (Tabelle)

Der Wertebereich sagt uns, welche Werte eine Zufallsgröße annehmen kann. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung sagt uns, wie wahrscheinlich jeder dieser Werte ist.

Man stellt sie meistens als Tabelle dar. In der ersten Zeile stehen die möglichen Werte kk der Zufallsgröße XX, und in der zweiten Zeile die zugehörigen Wahrscheinlichkeiten P(X=k)P(X=k).

Ein wichtiges Gesetz lautet: Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten in der zweiten Zeile muss immer genau 1 ergeben (also 100%).

Beispiel für einen Würfelwurf: Die Zufallsgröße XX ist die Augenzahl.

Wahrscheinlichkeitsverteilung eines fairen Würfels als Tabelle
Wahrscheinlichkeitsverteilung eines fairen Würfels als Tabelle

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Wertebereich bestimmen: Finde zuerst alle möglichen Werte kk, die die Zufallsgröße annehmen kann (wie in Aufgabentyp 1).
  2. Gesamtzahl aller Ergebnisse ermitteln: Zähle, wie viele mögliche Ausgänge das Experiment insgesamt hat. Bei zwei Würfeln sind das z. B. 66=366 \cdot 6 = 36 Ausgänge.
  3. Günstige Ergebnisse für jeden Wert zählen: Gehe jeden Wert kk aus dem Wertebereich durch und zähle, wie viele der Gesamtergebnisse zu diesem Wert führen. Beispiel: Für die Augensumme 4 bei zwei Würfeln gibt es 3 günstige Ergebnisse: (1,3), (2,2), (3,1).
  4. Wahrscheinlichkeiten berechnen: Berechne für jeden Wert kk die Wahrscheinlichkeit P(X=k)P(X=k) mit der Formel für Laplace-Experimente: P(X=k)=Anzahl der gu¨nstigen ErgebnisseAnzahl aller mo¨glichen ErgebnisseP(X=k) = \frac{\text{Anzahl der günstigen Ergebnisse}}{\text{Anzahl aller möglichen Ergebnisse}}
  5. Tabelle erstellen: Zeichne eine Tabelle. In die erste Zeile schreibst du die Werte kk und in die zweite Zeile die berechneten Wahrscheinlichkeiten P(X=k)P(X=k).

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Das abgebildete Glücksrad mit drei gleich großen Sektoren (1, 2, 3) wird zweimal gedreht. Die Zufallsgröße NN beschreibt das Produkt der beiden gedrehten Zahlen. Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung von NN in Form einer Tabelle.

Glücksrad mit drei gleich großen Sektoren 1, 2, 3
Glücksrad mit drei gleich großen Sektoren 1, 2, 3
Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Wertebereich bestimmen

    Die möglichen Produkte sind: 11=11\cdot1=1, 12=21\cdot2=2, 13=31\cdot3=3, 22=42\cdot2=4, 23=62\cdot3=6, 33=93\cdot3=9. Die Reihenfolge (z. B. 121\cdot2 und 212\cdot1) führt zu denselben Werten. Der Wertebereich ist k{1,2,3,4,6,9}k \in \{1, 2, 3, 4, 6, 9\}.

  2. Schritt 2
    Gesamtzahl aller Ergebnisse ermitteln

    Es gibt 33 Möglichkeiten bei der ersten Drehung und 33 bei der zweiten. Insgesamt also 33=93 \cdot 3 = 9 mögliche Ergebnispaare.

  3. Schritt 3 & 4
    Günstige Ergebnisse zählen und Wahrscheinlichkeiten berechnen
    • N=1N=1: nur (1,1) \to 1 Ergebnis P(N=1)=19\to P(N=1) = \frac{1}{9}
    • N=2N=2: (1,2), (2,1) \to 2 Ergebnisse P(N=2)=29\to P(N=2) = \frac{2}{9}
    • N=3N=3: (1,3), (3,1) \to 2 Ergebnisse P(N=3)=29\to P(N=3) = \frac{2}{9}
    • N=4N=4: nur (2,2) \to 1 Ergebnis P(N=4)=19\to P(N=4) = \frac{1}{9}
    • N=6N=6: (2,3), (3,2) \to 2 Ergebnisse P(N=6)=29\to P(N=6) = \frac{2}{9}
    • N=9N=9: nur (3,3) \to 1 Ergebnis P(N=9)=19\to P(N=9) = \frac{1}{9}
  4. Schritt 5 · Ergebnis
    Tabelle erstellen
Ergebnis:
Wahrscheinlichkeitsverteilung von N als Tabelle
Wahrscheinlichkeitsverteilung von N als Tabelle

Beispiel 2

Aufgabe

Eine faire Münze wird dreimal geworfen. Die Zufallsgröße KK ist die Anzahl der Würfe, die „Kopf" zeigen. Erstelle die Wahrscheinlichkeitsverteilung von KK.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Wertebereich bestimmen

    Wie in einem früheren Beispiel ist der Wertebereich k{0,1,2,3}k \in \{0, 1, 2, 3\}.

  2. Schritt 2
    Gesamtzahl aller Ergebnisse ermitteln

    Es gibt 22 Möglichkeiten pro Wurf, also 222=82 \cdot 2 \cdot 2 = 8 Gesamtergebnisse (ZZZ, ZZK, ...).

  3. Schritt 3 & 4
    Günstige Ergebnisse zählen und Wahrscheinlichkeiten berechnen
    • K=0K=0: nur (Z,Z,Z) \to 1 Ergebnis P(K=0)=18\to P(K=0) = \frac{1}{8}
    • K=1K=1: (K,Z,Z), (Z,K,Z), (Z,Z,K) \to 3 Ergebnisse P(K=1)=38\to P(K=1) = \frac{3}{8}
    • K=2K=2: (K,K,Z), (K,Z,K), (Z,K,K) \to 3 Ergebnisse P(K=2)=38\to P(K=2) = \frac{3}{8}
    • K=3K=3: nur (K,K,K) \to 1 Ergebnis P(K=3)=18\to P(K=3) = \frac{1}{8}
  4. Schritt 5 · Ergebnis
    Tabelle erstellen
Ergebnis:
Wahrscheinlichkeitsverteilung von K als Tabelle
Wahrscheinlichkeitsverteilung von K als Tabelle

Beispiel 3

Aufgabe

Aus einem Skatspiel (32 Karten) wird eine Karte gezogen. Die Zufallsgröße WW ordnet den Farben einen Wert zu: Herz = 10 Punkte, alle anderen Farben = 0 Punkte. Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung von WW.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Wertebereich bestimmen

    Die Zufallsgröße kann nur zwei Werte annehmen: 10 (wenn Herz gezogen wird) oder 0 (wenn nicht). Der Wertebereich ist k{0,10}k \in \{0, 10\}.

  2. Schritt 2
    Gesamtzahl aller Ergebnisse ermitteln

    Es gibt 32 Karten, also 32 mögliche Ergebnisse.

  3. Schritt 3 & 4
    Günstige Ergebnisse zählen und Wahrscheinlichkeiten berechnen

    Ein Skatspiel hat 4 Farben, jede kommt 8-mal vor (7, 8, 9, 10, Bube, Dame, König, Ass).

    • W=10W=10: Dies passiert, wenn eine Herz-Karte gezogen wird. Es gibt 8 Herz-Karten. P(W=10)=832=14P(W=10) = \frac{8}{32} = \frac{1}{4}
    • W=0W=0: Dies passiert, wenn eine der anderen drei Farben gezogen wird. Es gibt 38=243 \cdot 8 = 24 solche Karten. P(W=0)=2432=34P(W=0) = \frac{24}{32} = \frac{3}{4}
  4. Schritt 5 · Ergebnis
    Tabelle erstellen
Ergebnis:
Wahrscheinlichkeitsverteilung von W Skatspiel als Tabelle
Wahrscheinlichkeitsverteilung von W Skatspiel als Tabelle

Beispiel 4

Aufgabe

In einer Schale liegen 5 Kugeln mit den Nummern 1, 1, 2, 3, 3. Es wird eine Kugel gezogen. Die Zufallsgröße XX ist die Nummer auf der Kugel. Gib die Wahrscheinlichkeitsverteilung an.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Wertebereich bestimmen

    Die möglichen Nummern auf den Kugeln sind 1, 2 und 3. Der Wertebereich ist k{1,2,3}k \in \{1, 2, 3\}.

  2. Schritt 2
    Gesamtzahl aller Ergebnisse ermitteln

    Es sind insgesamt 5 Kugeln in der Schale.

  3. Schritt 3 & 4
    Günstige Ergebnisse zählen und Wahrscheinlichkeiten berechnen
    • X=1X=1: Es gibt 2 Kugeln mit der Nummer 1. P(X=1)=25P(X=1) = \frac{2}{5}
    • X=2X=2: Es gibt 1 Kugel mit der Nummer 2. P(X=2)=15P(X=2) = \frac{1}{5}
    • X=3X=3: Es gibt 2 Kugeln mit der Nummer 3. P(X=3)=25P(X=3) = \frac{2}{5}
  4. Schritt 5 · Ergebnis
    Tabelle erstellen
Ergebnis:
Wahrscheinlichkeitsverteilung von X Kugeln als Tabelle
Wahrscheinlichkeitsverteilung von X Kugeln als Tabelle

Beispiel 5

Aufgabe

Zwei Würfel werden geworfen. Die Zufallsgröße MM ist das Maximum der beiden Augenzahlen. Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung von MM.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Wertebereich bestimmen

    Das Maximum kann jede Zahl von 1 bis 6 sein. (z. B. bei (1,1) ist das Maximum 1, bei (1,2) ist es 2, ... bei (6,6) ist es 6). Der Wertebereich ist k{1,2,3,4,5,6}k \in \{1, 2, 3, 4, 5, 6\}.

  2. Schritt 2
    Gesamtzahl aller Ergebnisse ermitteln

    Es gibt 66=366 \cdot 6 = 36 mögliche Ergebnispaare.

  3. Schritt 3 & 4
    Günstige Ergebnisse zählen und Wahrscheinlichkeiten berechnen
    • M=1M=1: nur (1,1) \to 1 Ergebnis P(M=1)=136\to P(M=1) = \frac{1}{36}
    • M=2M=2: (1,2), (2,1), (2,2) \to 3 Ergebnisse P(M=2)=336\to P(M=2) = \frac{3}{36}
    • M=3M=3: (1,3), (3,1), (2,3), (3,2), (3,3) \to 5 Ergebnisse P(M=3)=536\to P(M=3) = \frac{5}{36}
    • M=4M=4: (1,4), (4,1), (2,4), (4,2), (3,4), (4,3), (4,4) \to 7 Ergebnisse P(M=4)=736\to P(M=4) = \frac{7}{36}
    • M=5M=5: 9 Ergebnisse P(M=5)=936\to P(M=5) = \frac{9}{36}
    • M=6M=6: 11 Ergebnisse P(M=6)=1136\to P(M=6) = \frac{11}{36}
  4. Schritt 5 · Ergebnis
    Tabelle erstellen
Ergebnis:
Wahrscheinlichkeitsverteilung von M Maximum zweier Würfel
Wahrscheinlichkeitsverteilung von M Maximum zweier Würfel

Aufgabentyp 3: Wahrscheinlichkeitsverteilung mit dem Baumdiagramm

Manchmal ist es zu kompliziert, alle Ergebnisse aufzuzählen, besonders bei mehrstufigen Experimenten oder wenn die Wahrscheinlichkeiten nicht gleich sind (kein Laplace-Experiment).

In diesen Fällen ist ein Baumdiagramm das beste Werkzeug. Es hilft dir, den Überblick zu behalten und die Wahrscheinlichkeiten mit den Pfadregeln korrekt zu berechnen.

Besonders wichtig ist das bei Experimenten „ohne Zurücklegen", da sich die Wahrscheinlichkeiten in jeder Stufe ändern.

  • 1. Pfadregel (Produktregel): Multipliziere die Wahrscheinlichkeiten entlang eines Pfades, um die Wahrscheinlichkeit dieses speziellen Ausgangs zu erhalten.
  • 2. Pfadregel (Summenregel): Addiere die Wahrscheinlichkeiten verschiedener Pfade, die zum selben Wert der Zufallsgröße führen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Wertebereich bestimmen: Überlege dir, welche Werte die Zufallsgröße annehmen kann.
  2. Baumdiagramm zeichnen: Zeichne das Baumdiagramm für das Experiment. Jede Stufe des Experiments ist eine Ebene im Baum. Beschrifte jeden Ast mit der entsprechenden Wahrscheinlichkeit. Achte darauf, ob sich die Wahrscheinlichkeiten von Stufe zu Stufe ändern (z. B. bei Ziehen ohne Zurücklegen).
  3. Relevante Pfade identifizieren: Gehe jeden Wert kk aus dem Wertebereich durch. Markiere alle Pfade im Baumdiagramm, die zu diesem Wert führen.
  4. Pfadwahrscheinlichkeiten berechnen (1. Pfadregel): Berechne für jeden markierten Pfad die Wahrscheinlichkeit, indem du die Werte entlang der Äste multiplizierst.
  5. Wahrscheinlichkeiten addieren (2. Pfadregel): Wenn mehrere Pfade zum selben Wert kk führen, addiere ihre Wahrscheinlichkeiten, um die Gesamtwahrscheinlichkeit P(X=k)P(X=k) zu erhalten.
  6. Tabelle erstellen: Fasse die Ergebnisse in einer Wahrscheinlichkeitsverteilungstabelle zusammen.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Ein Lostopf enthält 3 Lose mit den Nummern 1, 2 und 3. Es wird nacheinander ohne Zurücklegen gezogen. Die Zufallsgröße ZZ beschreibt die Anzahl der Züge, bis das Los mit der Nummer 3 gezogen wird. Erstelle ein Baumdiagramm und ermittle die Wahrscheinlichkeitsverteilung.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Wertebereich bestimmen

    Das Los mit der Nummer 3 kann im 1., 2. oder 3. Zug gezogen werden. Der Wertebereich ist also k{1,2,3}k \in \{1, 2, 3\}.

  2. Schritt 2
    Baumdiagramm zeichnen

    Wir zeichnen den Baum. Im ersten Zug gibt es 3 Lose, die Wahrscheinlichkeit für jedes ist 13\frac{1}{3}. Im zweiten Zug sind nur noch 2 Lose da, die Wahrscheinlichkeit ist 12\frac{1}{2}. Im dritten Zug ist nur noch 1 Los übrig, die Wahrscheinlichkeit ist 11.

    Baumdiagramm Lostopf ohne Zurücklegen drei Lose
    Baumdiagramm Lostopf ohne Zurücklegen drei Lose
  3. Schritt 3 & 4
    Pfade identifizieren und Wahrscheinlichkeiten berechnen
    • Z=1Z=1: Das Los 3 wird im ersten Zug gezogen. Es gibt nur einen Pfad dafür. P(Z=1)=13P(Z=1) = \frac{1}{3}
    • Z=2Z=2: Das Los 3 wird im zweiten Zug gezogen. Das passiert auf den Pfaden (1,3) und (2,3). P(1,3)=1312=16P(1,3) = \frac{1}{3} \cdot \frac{1}{2} = \frac{1}{6} P(2,3)=1312=16P(2,3) = \frac{1}{3} \cdot \frac{1}{2} = \frac{1}{6} P(Z=2)=16+16=26=13P(Z=2) = \frac{1}{6} + \frac{1}{6} = \frac{2}{6} = \frac{1}{3}
    • Z=3Z=3: Das Los 3 wird im dritten Zug gezogen. Das passiert auf den Pfaden (1,2,3) und (2,1,3). P(1,2,3)=13121=16P(1,2,3) = \frac{1}{3} \cdot \frac{1}{2} \cdot 1 = \frac{1}{6} P(2,1,3)=13121=16P(2,1,3) = \frac{1}{3} \cdot \frac{1}{2} \cdot 1 = \frac{1}{6} P(Z=3)=16+16=26=13P(Z=3) = \frac{1}{6} + \frac{1}{6} = \frac{2}{6} = \frac{1}{3}
  4. Schritt 6 · Ergebnis
    Tabelle erstellen
Ergebnis:
Wahrscheinlichkeitsverteilung von Z Lostopf als Tabelle
Wahrscheinlichkeitsverteilung von Z Lostopf als Tabelle

Beispiel 2

Aufgabe

In einer Urne sind 3 rote und 2 blaue Kugeln. Es werden zwei Kugeln ohne Zurücklegen gezogen. Die Zufallsgröße RR ist die Anzahl der gezogenen roten Kugeln. Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Wertebereich bestimmen

    Man kann 0, 1 oder 2 rote Kugeln ziehen. Der Wertebereich ist k{0,1,2}k \in \{0, 1, 2\}.

  2. Schritt 2
    Baumdiagramm zeichnen

    Anfangs sind 5 Kugeln da. P(R)=35P(R) = \frac{3}{5}, P(B)=25P(B) = \frac{2}{5}. Nach dem ersten Zug sind nur noch 4 Kugeln da.

    Baumdiagramm Urne rote blaue Kugeln ohne Zurücklegen
    Baumdiagramm Urne rote blaue Kugeln ohne Zurücklegen
  3. Schritt 3 & 4
    Pfade identifizieren und Wahrscheinlichkeiten berechnen
    • R=0R=0: Pfad (B, B). Anzahl roter Kugeln ist 0. P(B,B)=2514=220=110P(B,B) = \frac{2}{5} \cdot \frac{1}{4} = \frac{2}{20} = \frac{1}{10} P(R=0)=110P(R=0) = \frac{1}{10}
    • R=1R=1: Pfade (R, B) und (B, R). Anzahl roter Kugeln ist 1. P(R,B)=3524=620P(R,B) = \frac{3}{5} \cdot \frac{2}{4} = \frac{6}{20} P(B,R)=2534=620P(B,R) = \frac{2}{5} \cdot \frac{3}{4} = \frac{6}{20} P(R=1)=620+620=1220=35P(R=1) = \frac{6}{20} + \frac{6}{20} = \frac{12}{20} = \frac{3}{5}
    • R=2R=2: Pfad (R, R). Anzahl roter Kugeln ist 2. P(R,R)=3524=620=310P(R,R) = \frac{3}{5} \cdot \frac{2}{4} = \frac{6}{20} = \frac{3}{10} P(R=2)=310P(R=2) = \frac{3}{10}
  4. Schritt 6 · Ergebnis
    Tabelle erstellen
Ergebnis:
Wahrscheinlichkeitsverteilung von R rote Kugeln als Tabelle
Wahrscheinlichkeitsverteilung von R rote Kugeln als Tabelle

Beispiel 3

Aufgabe

Eine Schützin trifft mit 80% Wahrscheinlichkeit ins Ziel. Sie schießt zweimal. Die Zufallsgröße TT zählt die Anzahl der Treffer. Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung von TT.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Wertebereich bestimmen

    Sie kann 0, 1 oder 2 Treffer landen. Der Wertebereich ist k{0,1,2}k \in \{0, 1, 2\}.

  2. Schritt 2
    Baumdiagramm zeichnen

    Die Wahrscheinlichkeit für einen Treffer (T) ist 0,8. Die für einen Fehlschuss (F) ist 10,8=0,21 - 0,8 = 0,2. Die Wahrscheinlichkeiten bleiben bei jedem Schuss gleich.

    Baumdiagramm Schützin Treffer und Fehlschuss zweimal
    Baumdiagramm Schützin Treffer und Fehlschuss zweimal
  3. Schritt 3 & 4
    Pfade identifizieren und Wahrscheinlichkeiten berechnen
    • T=0T=0: Pfad (F, F). P(F,F)=0,20,2=0,04P(F,F) = 0{,}2 \cdot 0{,}2 = 0{,}04 P(T=0)=0,04P(T=0) = 0{,}04
    • T=1T=1: Pfade (T, F) und (F, T). P(T,F)=0,80,2=0,16P(T,F) = 0{,}8 \cdot 0{,}2 = 0{,}16 P(F,T)=0,20,8=0,16P(F,T) = 0{,}2 \cdot 0{,}8 = 0{,}16 P(T=1)=0,16+0,16=0,32P(T=1) = 0{,}16 + 0{,}16 = 0{,}32
    • T=2T=2: Pfad (T, T). P(T,T)=0,80,8=0,64P(T,T) = 0{,}8 \cdot 0{,}8 = 0{,}64 P(T=2)=0,64P(T=2) = 0{,}64
  4. Schritt 6 · Ergebnis
    Tabelle erstellen
Ergebnis:
Wahrscheinlichkeitsverteilung von T Treffer Schützin als Tabelle
Wahrscheinlichkeitsverteilung von T Treffer Schützin als Tabelle

Beispiel 4

Aufgabe

In einer Kiste sind 10 Glühbirnen, davon sind 3 defekt. Man entnimmt nacheinander zwei Birnen ohne Zurücklegen. Die Zufallsgröße DD ist die Anzahl der defekten Birnen. Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Wertebereich bestimmen

    Man kann 0, 1 oder 2 defekte Birnen ziehen. Der Wertebereich ist k{0,1,2}k \in \{0, 1, 2\}.

  2. Schritt 2
    Baumdiagramm zeichnen

    Es gibt 3 defekte (D) und 7 intakte (I) Birnen. Anfangs: P(D)=310P(D) = \frac{3}{10}, P(I)=710P(I) = \frac{7}{10}. Nach dem ersten Zug sind nur noch 9 Birnen da.

    Baumdiagramm defekte Glühbirnen ohne Zurücklegen
    Baumdiagramm defekte Glühbirnen ohne Zurücklegen
  3. Schritt 3 & 4
    Pfade identifizieren und Wahrscheinlichkeiten berechnen
    • D=0D=0: Pfad (I, I). P(I,I)=71069=4290=715P(I,I) = \frac{7}{10} \cdot \frac{6}{9} = \frac{42}{90} = \frac{7}{15} P(D=0)=715P(D=0) = \frac{7}{15}
    • D=1D=1: Pfade (D, I) und (I, D). P(D,I)=31079=2190P(D,I) = \frac{3}{10} \cdot \frac{7}{9} = \frac{21}{90} P(I,D)=71039=2190P(I,D) = \frac{7}{10} \cdot \frac{3}{9} = \frac{21}{90} P(D=1)=2190+2190=4290=715P(D=1) = \frac{21}{90} + \frac{21}{90} = \frac{42}{90} = \frac{7}{15}
    • D=2D=2: Pfad (D, D). P(D,D)=31029=690=115P(D,D) = \frac{3}{10} \cdot \frac{2}{9} = \frac{6}{90} = \frac{1}{15} P(D=2)=115P(D=2) = \frac{1}{15}
  4. Schritt 6 · Ergebnis
    Tabelle erstellen
Ergebnis:
Wahrscheinlichkeitsverteilung von D defekte Birnen als Tabelle
Wahrscheinlichkeitsverteilung von D defekte Birnen als Tabelle

Beispiel 5

Aufgabe

Ein Multiple-Choice-Test hat 2 Fragen mit je 3 Antworten, von denen nur eine richtig ist. Ein Schüler rät bei beiden. Die Zufallsgröße CC ist die Anzahl der richtigen Antworten. Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Wertebereich bestimmen

    Der Schüler kann 0, 1 oder 2 Fragen richtig beantworten. Der Wertebereich ist k{0,1,2}k \in \{0, 1, 2\}.

  2. Schritt 2
    Baumdiagramm zeichnen

    Die Wahrscheinlichkeit, eine Frage richtig (R) zu beantworten, ist 13\frac{1}{3}. Die für eine falsche (F) Antwort ist 23\frac{2}{3}.

    Baumdiagramm Multiple-Choice-Test zwei Fragen drei Antworten
    Baumdiagramm Multiple-Choice-Test zwei Fragen drei Antworten
  3. Schritt 3 & 4
    Pfade identifizieren und Wahrscheinlichkeiten berechnen
    • C=0C=0: Pfad (F, F). P(F,F)=2323=49P(F,F) = \frac{2}{3} \cdot \frac{2}{3} = \frac{4}{9} P(C=0)=49P(C=0) = \frac{4}{9}
    • C=1C=1: Pfade (R, F) und (F, R). P(R,F)=1323=29P(R,F) = \frac{1}{3} \cdot \frac{2}{3} = \frac{2}{9} P(F,R)=2313=29P(F,R) = \frac{2}{3} \cdot \frac{1}{3} = \frac{2}{9} P(C=1)=29+29=49P(C=1) = \frac{2}{9} + \frac{2}{9} = \frac{4}{9}
    • C=2C=2: Pfad (R, R). P(R,R)=1313=19P(R,R) = \frac{1}{3} \cdot \frac{1}{3} = \frac{1}{9} P(C=2)=19P(C=2) = \frac{1}{9}
  4. Schritt 6 · Ergebnis
    Tabelle erstellen
Ergebnis:
Wahrscheinlichkeitsverteilung von C Multiple-Choice-Test als Tabelle
Wahrscheinlichkeitsverteilung von C Multiple-Choice-Test als Tabelle

Aufgabentyp 4: Fehlende Wahrscheinlichkeiten berechnen

Eine der wichtigsten Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung ist ganz einfach:

Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten in einer Wahrscheinlichkeitsverteilung ist immer genau 1.

Das bedeutet, wenn du alle Werte aus der zweiten Zeile der Tabelle zusammenzählst, muss das Ergebnis 1 (oder 100%) sein. Warum? Weil irgendeines der Ereignisse ja auf jeden Fall eintreten muss.

Diese Regel ist extrem nützlich, um eine fehlende Wahrscheinlichkeit oder einen unbekannten Parameter (wie pp) zu berechnen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Alle Wahrscheinlichkeiten identifizieren: Schau dir die gegebene Wahrscheinlichkeitsverteilung (als Tabelle oder Diagramm) an und schreibe alle Wahrscheinlichkeiten für die einzelnen Ergebnisse auf. Manche davon können von einer Variablen wie pp abhängen.
  2. Die Summen-Gleichung aufstellen: Stelle die Gleichung auf, die besagt, dass die Summe aller Wahrscheinlichkeiten gleich 1 ist: P(X=k1)+P(X=k2)+=1P(X=k_1) + P(X=k_2) + \ldots = 1
  3. Werte einsetzen: Setze die gegebenen Wahrscheinlichkeiten (auch die mit pp) in die Gleichung aus Schritt 2 ein.
  4. Gleichung auflösen: Löse die Gleichung nach der unbekannten Variablen auf. Das ist meistens einfache Algebra.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Zufallsgröße AA ist in der Abbildung dargestellt. Zeigen Sie, dass pp den Wert 16\frac{1}{6} hat.

Wahrscheinlichkeitsverteilung mit unbekanntem Parameter p
Wahrscheinlichkeitsverteilung mit unbekanntem Parameter p
Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Alle Wahrscheinlichkeiten identifizieren

    Aus dem Diagramm lesen wir ab:

    • P(A=0)=pP(A=0) = p
    • P(A=b)=3pP(A=b) = 3p
    • P(A=6)=2pP(A=6) = 2p
  2. Schritt 2
    Die Summen-Gleichung aufstellen

    Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten muss 1 sein: P(A=0)+P(A=b)+P(A=6)=1P(A=0) + P(A=b) + P(A=6) = 1

  3. Schritt 3
    Werte einsetzen

    Wir setzen die Terme mit pp in die Gleichung ein: p+3p+2p=1p + 3p + 2p = 1

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Gleichung auflösen

    Wir fassen die Terme zusammen und lösen nach pp auf. 6p=16p = 1 p=16p = \frac{1}{6}

Ergebnis:

Wir haben gezeigt, dass pp den Wert 16\frac{1}{6} haben muss.

Beispiel 2

Aufgabe

Eine Zufallsgröße XX kann die Werte 1, 2 und 3 annehmen. Es gilt P(X=1)=0,2P(X=1) = 0{,}2 und P(X=2)=0,5P(X=2) = 0{,}5. Bestimme P(X=3)P(X=3).

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Alle Wahrscheinlichkeiten identifizieren
    • P(X=1)=0,2P(X=1) = 0{,}2
    • P(X=2)=0,5P(X=2) = 0{,}5
    • P(X=3)=pP(X=3) = p (unbekannt)
  2. Schritt 2 & 3
    Gleichung aufstellen und Werte einsetzen

    Die Summe muss 1 sein: 0,2+0,5+p=10{,}2 + 0{,}5 + p = 1

  3. Schritt 4 · Ergebnis
    Gleichung auflösen

    0,7+p=10{,}7 + p = 1 p=10,7p = 1 - 0{,}7 p=0,3p = 0{,}3

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit für P(X=3)P(X=3) ist 0,3.

Beispiel 3

Aufgabe

Die Wahrscheinlichkeitsverteilung einer Zufallsgröße YY ist durch die folgende Tabelle gegeben. Bestimme den Wert von pp.

Wahrscheinlichkeitsverteilung von Y mit unbekanntem p als Tabelle
Wahrscheinlichkeitsverteilung von Y mit unbekanntem p als Tabelle
Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Alle Wahrscheinlichkeiten identifizieren
    • P(Y=0)=13P(Y=0) = \frac{1}{3}
    • P(Y=5)=pP(Y=5) = p
    • P(Y=10)=14P(Y=10) = \frac{1}{4}
  2. Schritt 2 & 3
    Gleichung aufstellen und Werte einsetzen

    13+p+14=1\frac{1}{3} + p + \frac{1}{4} = 1

  3. Schritt 4 · Ergebnis
    Gleichung auflösen

    Wir bringen die Brüche auf einen gemeinsamen Nenner (12): 412+p+312=1\frac{4}{12} + p + \frac{3}{12} = 1 712+p=1\frac{7}{12} + p = 1 p=1712p = 1 - \frac{7}{12} p=1212712=512p = \frac{12}{12} - \frac{7}{12} = \frac{5}{12}

Ergebnis:

Der Wert von pp ist 512\frac{5}{12}.

Beispiel 4

Aufgabe

Ein Spiel hat vier Ausgänge mit den Wahrscheinlichkeiten pp, 2p2p, 3p3p und 4p4p. Bestimme den Wert von pp.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Alle Wahrscheinlichkeiten identifizieren

    Die Wahrscheinlichkeiten sind p,2p,3p,4pp, 2p, 3p, 4p.

  2. Schritt 2 & 3
    Gleichung aufstellen und Werte einsetzen

    Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten muss 1 sein: p+2p+3p+4p=1p + 2p + 3p + 4p = 1

  3. Schritt 4 · Ergebnis
    Gleichung auflösen

    Wir addieren alle Terme mit pp: 10p=110p = 1 p=110p = \frac{1}{10}

Ergebnis:

Der Wert von pp ist 110\frac{1}{10} oder 0,1.

Beispiel 5

Aufgabe

Bei einem Glücksrad gibt es drei Sektoren: Rot, Grün und Blau. Die Wahrscheinlichkeit für Rot ist doppelt so hoch wie für Grün. Die Wahrscheinlichkeit für Blau ist 0,5. Sei P(Gru¨n)=pP(\text{Grün}) = p. Bestimme pp.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Alle Wahrscheinlichkeiten identifizieren
    • P(Gru¨n)=pP(\text{Grün}) = p
    • P(Rot)P(\text{Rot}) ist doppelt so hoch wie P(Gru¨n)P(\text{Grün}), also P(Rot)=2pP(\text{Rot}) = 2p
    • P(Blau)=0,5P(\text{Blau}) = 0{,}5
  2. Schritt 2 & 3
    Gleichung aufstellen und Werte einsetzen

    Die Summe muss 1 sein: P(Gru¨n)+P(Rot)+P(Blau)=1P(\text{Grün}) + P(\text{Rot}) + P(\text{Blau}) = 1 p+2p+0,5=1p + 2p + 0{,}5 = 1

  3. Schritt 4 · Ergebnis
    Gleichung auflösen

    3p+0,5=13p + 0{,}5 = 1 3p=0,53p = 0{,}5 p=0,53=16p = \frac{0{,}5}{3} = \frac{1}{6}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit für Grün, pp, ist 16\frac{1}{6}.

Wichtige Erkenntnisse

  • Eine Zufallsgröße ordnet den Ergebnissen eines Zufallsexperiments Zahlen zu.
  • Die Wahrscheinlichkeitsverteilung gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit jeder dieser Zahlenwerte auftritt.
  • Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten in einer Verteilung ist immer genau 1.
  • Für einfache Experimente (wie Würfeln) kannst du alle Fälle auflisten, um die Verteilung zu finden.
  • Für mehrstufige Experimente (besonders ohne Zurücklegen) ist ein Baumdiagramm mit den Pfadregeln das beste Werkzeug.

Häufige Fragen

Was ist eine diskrete Zufallsgröße?

Eine diskrete Zufallsgröße ist eine Regel, die jedem Ergebnis eines Zufallsexperiments eine Zahl zuordnet. Sie wird meist mit einem Großbuchstaben wie X bezeichnet. Beispiel: Beim Werfen zweier Würfel kann X die Summe der Augenzahlen sein. Der Wertebereich ist dann die Menge aller Zahlen, die X annehmen kann, also {2, 3, 4, …, 12}. Diskret bedeutet, dass nur abzählbar viele Werte möglich sind.

Wie erstellst du eine Wahrscheinlichkeitsverteilung als Tabelle?

Gehe in fünf Schritten vor:

  1. Bestimme den Wertebereich – alle möglichen Werte k der Zufallsgröße.
  2. Zähle alle möglichen Ergebnisse des Experiments (z. B. 36 bei zwei Würfeln).
  3. Zähle für jeden Wert k die günstigen Ergebnisse.
  4. Berechne P(X=k) als Quotient aus günstigen und möglichen Ergebnissen.
  5. Trage alle Werte und Wahrscheinlichkeiten in eine Tabelle ein – die Summe in der zweiten Zeile muss stets 1 ergeben.
Wann benutzt du ein Baumdiagramm für die Wahrscheinlichkeitsverteilung?

Ein Baumdiagramm ist das richtige Werkzeug, wenn das Experiment mehrstufig ist oder wenn die Wahrscheinlichkeiten sich von Stufe zu Stufe ändern – besonders beim Ziehen ohne Zurücklegen. Mit der 1. Pfadregel (Produktregel) multiplizierst du die Wahrscheinlichkeiten entlang eines Pfades. Mit der 2. Pfadregel (Summenregel) addierst du die Wahrscheinlichkeiten aller Pfade, die zum selben Wert führen.

Wie berechnest du eine fehlende Wahrscheinlichkeit in einer Verteilung?

Nutze die Regel, dass die Summe aller Wahrscheinlichkeiten in jeder Wahrscheinlichkeitsverteilung genau 1 ergibt. Stelle die Gleichung P(X=k₁) + P(X=k₂) + … = 1 auf, setze alle bekannten Werte ein und löse nach der unbekannten Variablen (oft p) auf. Beispiel: Aus 0,2 + 0,5 + p = 1 folgt sofort p = 0,3.

Was ist der Unterschied zwischen Wertebereich und Wahrscheinlichkeitsverteilung?

Der Wertebereich listet nur auf, welche Zahlen die Zufallsgröße annehmen kann – zum Beispiel {0, 1, 2, 3}. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung geht einen Schritt weiter: Sie sagt zusätzlich, wie wahrscheinlich jeder dieser Werte ist. Ohne den Wertebereich zu kennen, kann man keine Verteilungstabelle erstellen – er ist also der erste Schritt.

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