Diskrete Zufallsgrößen und Wahrscheinlichkeitsverteilungen begegnen dir überall dort, wo der Zufall eine Rolle spielt – vom Würfelspiel bis zur Lootbox im Online-Game. Eine Wahrscheinlichkeitsverteilung ist wie ein „Cheat Code" für den Zufall: Sie verrät dir die genauen Chancen für jeden möglichen Ausgang. Wenn du sie verstehst, kannst du vorhersagen, ob ein Spiel fair ist, welche Züge sich am meisten lohnen und wo vielleicht getrickst wurde. Dieses Wissen ist dein Vorteil – nicht nur im Spiel, sondern auch bei echten Entscheidungen.
Schnellantwort
Eine Zufallsgröße (meist mit einem Großbuchstaben wie bezeichnet) ist eine Regel, die jedem Ergebnis eines Zufallsexperiments eine Zahl zuordnet. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung gibt dann an, mit welcher Wahrscheinlichkeit jeder dieser Zahlenwerte auftritt. Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten in einer Verteilung ist dabei immer genau 1.
Vorwissen
Bevor wir starten, wiederholen wir kurz ein paar Grundlagen:
-
Laplace-Experiment: Ein Zufallsexperiment, bei dem jedes Ergebnis die gleiche Wahrscheinlichkeit hat.
- Beispiel: Das Werfen eines fairen, sechsseitigen Würfels. Die Wahrscheinlichkeit für jede Zahl von 1 bis 6 ist genau .
-
Baumdiagramm: Eine grafische Darstellung für mehrstufige Zufallsexperimente. Jeder Pfad zeigt einen möglichen Ausgang.
- Beispiel: Zweimaliges Werfen einer Münze. Es gibt 4 mögliche Pfade: Kopf-Kopf, Kopf-Zahl, Zahl-Kopf, Zahl-Zahl.

- Pfadregeln für Baumdiagramme:
- 1. Pfadregel (Produktregel): Die Wahrscheinlichkeit eines Pfades erhältst du, indem du die Wahrscheinlichkeiten entlang dieses Pfades multiplizierst.
- Beispiel: Die Wahrscheinlichkeit für Kopf-Kopf ist .
- 2. Pfadregel (Summenregel): Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses, das aus mehreren Pfaden besteht, ist die Summe der Wahrscheinlichkeiten dieser einzelnen Pfade.
- Beispiel: Das Ereignis „genau einmal Kopf" besteht aus den Pfaden KZ und ZK. Die Wahrscheinlichkeit ist .
- 1. Pfadregel (Produktregel): Die Wahrscheinlichkeit eines Pfades erhältst du, indem du die Wahrscheinlichkeiten entlang dieses Pfades multiplizierst.
Aufgabentyp 1: Was ist eine Zufallsgröße und ihr Wertebereich?
Stell dir ein Zufallsexperiment vor, z. B. das Werfen von zwei Würfeln. Die Ergebnisse sind Paare wie (1, 1), (1, 2) usw. Das ist oft unhandlich.
Eine Zufallsgröße (oft mit einem Großbuchstaben wie bezeichnet) ist eine Regel, die jedem Ergebnis eines Zufallsexperiments eine Zahl zuordnet. Sie übersetzt das Ergebnis in etwas, mit dem wir rechnen können.
- Experiment: Werfen von zwei Würfeln.
- Ergebnis: Ein Würfel zeigt eine 3, der andere eine 5.
- Zufallsgröße : „Die Summe der Augenzahlen".
- Wert der Zufallsgröße: .
Der Wertebereich (auch Ergebnisraum der Zufallsgröße genannt) ist die Menge aller möglichen Zahlen, die die Zufallsgröße annehmen kann.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Experiment und Zufallsgröße verstehen: Lies die Aufgabenstellung genau. Was ist das Zufallsexperiment (z. B. zwei Würfel werfen)? Was ist die Regel der Zufallsgröße (z. B. „die Summe der Augenzahlen")?
- Alle möglichen Ergebnisse des Experiments auflisten: Schreibe systematisch alle möglichen Ausgänge des Experiments auf. Bei zwei Würfeln wären das (1,1), (1,2), (1,3), ..., (6,6).
- Die Regel der Zufallsgröße auf jedes Ergebnis anwenden: Gehe deine Liste durch und berechne für jedes Ergebnis den Wert der Zufallsgröße. Für (1,1) ist die Summe 2, für (1,2) ist die Summe 3, usw.
- Alle einzigartigen Werte sammeln: Sammle alle verschiedenen Zahlen, die du berechnet hast. Doppelte Werte zählst du nur einmal. Diese Sammlung ist der gesuchte Wertebereich.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Es werden zwei normale sechsseitige Würfel geworfen. Bestimme den Wertebereich der Zufallsgröße : Die Summe der Augenzahlen.
- Schritt 1Experiment und Zufallsgröße verstehen
- Experiment: Zwei Würfel werfen.
- Zufallsgröße : Summe der Augenzahlen.
- Schritt 2 & 3Ergebnisse auflisten und Regel anwenden
Wir finden die kleinste und die größte mögliche Summe:
- Kleinste Summe:
- Größte Summe:
Alle ganzen Zahlen dazwischen sind ebenfalls möglich (z. B. , , usw.).
- Schritt 4 · ErgebnisAlle einzigartigen Werte sammeln
Die Zufallsgröße kann alle ganzen Zahlen von 2 bis 12 annehmen.
Der Wertebereich ist .
Beispiel 2
Eine Münze wird dreimal geworfen. Bestimme den Wertebereich der Zufallsgröße : Die Anzahl der Würfe, die „Kopf" zeigen.
- Schritt 1Experiment und Zufallsgröße verstehen
- Experiment: Eine Münze dreimal werfen.
- Zufallsgröße : Anzahl von „Kopf".
- Schritt 2 & 3Ergebnisse auflisten und Regel anwenden
Wir listen alle 8 möglichen Ausgänge auf und zählen die Köpfe:
- (Z, Z, Z) 0 Köpfe
- (K, Z, Z), (Z, K, Z), (Z, Z, K) 1 Kopf
- (K, K, Z), (K, Z, K), (Z, K, K) 2 Köpfe
- (K, K, K) 3 Köpfe
- Schritt 4 · ErgebnisAlle einzigartigen Werte sammeln
Die möglichen Anzahlen für „Kopf" sind 0, 1, 2 und 3.
Der Wertebereich ist .
Beispiel 3
Aus einer Urne mit 3 roten und 2 blauen Kugeln werden zwei Kugeln ohne Zurücklegen gezogen. Bestimme den Wertebereich der Zufallsgröße : Die Anzahl der gezogenen roten Kugeln.
- Schritt 1Experiment und Zufallsgröße verstehen
- Experiment: Zwei Kugeln ohne Zurücklegen ziehen.
- Zufallsgröße : Anzahl der roten Kugeln.
- Schritt 2 & 3Ergebnisse auflisten und Regel anwenden
Wir überlegen, welche Kombinationen möglich sind:
- Man könnte zwei blaue Kugeln ziehen (B, B). Dann ist die Anzahl der roten Kugeln .
- Man könnte eine rote und eine blaue Kugel ziehen (R, B) oder (B, R). Dann ist die Anzahl der roten Kugeln .
- Man könnte zwei rote Kugeln ziehen (R, R). Dann ist die Anzahl der roten Kugeln .
- Schritt 4 · ErgebnisAlle einzigartigen Werte sammeln
Die Anzahl der gezogenen roten Kugeln kann 0, 1 oder 2 sein.
Der Wertebereich ist .
Beispiel 4
Zwei sechsseitige Würfel werden geworfen. Bestimme den Wertebereich der Zufallsgröße : Die absolute Differenz der Augenzahlen (größerer Wert minus kleinerer Wert).
- Schritt 1Experiment und Zufallsgröße verstehen
- Experiment: Zwei Würfel werfen.
- Zufallsgröße : Absolute Differenz der Augenzahlen.
- Schritt 2 & 3Ergebnisse auflisten und Regel anwenden
Wir finden die kleinste und größte mögliche Differenz:
- Kleinste Differenz: z. B. bei (3, 3)
- Größte Differenz: bei (6, 1)
Andere mögliche Differenzen sind:
- Schritt 4 · ErgebnisAlle einzigartigen Werte sammeln
Die möglichen Differenzen sind die ganzen Zahlen von 0 bis 5.
Der Wertebereich ist .
Beispiel 5
Ein Glücksrad hat drei Sektoren mit den Zahlen 1, 2 und 5. Das Rad wird zweimal gedreht. Bestimme den Wertebereich der Zufallsgröße : Das Produkt der beiden gedrehten Zahlen.
- Schritt 1Experiment und Zufallsgröße verstehen
- Experiment: Glücksrad zweimal drehen.
- Zufallsgröße : Produkt der Zahlen.
- Schritt 2 & 3Ergebnisse auflisten und Regel anwenden
Wir listen alle möglichen Produkte systematisch auf:
- Schritt 4 · ErgebnisAlle einzigartigen Werte sammeln
Wir sammeln alle unterschiedlichen Ergebnisse.
Der Wertebereich ist .
Aufgabentyp 2: Die Wahrscheinlichkeitsverteilung erstellen (Tabelle)
Der Wertebereich sagt uns, welche Werte eine Zufallsgröße annehmen kann. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung sagt uns, wie wahrscheinlich jeder dieser Werte ist.
Man stellt sie meistens als Tabelle dar. In der ersten Zeile stehen die möglichen Werte der Zufallsgröße , und in der zweiten Zeile die zugehörigen Wahrscheinlichkeiten .
Ein wichtiges Gesetz lautet: Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten in der zweiten Zeile muss immer genau 1 ergeben (also 100%).
Beispiel für einen Würfelwurf: Die Zufallsgröße ist die Augenzahl.

Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Wertebereich bestimmen: Finde zuerst alle möglichen Werte , die die Zufallsgröße annehmen kann (wie in Aufgabentyp 1).
- Gesamtzahl aller Ergebnisse ermitteln: Zähle, wie viele mögliche Ausgänge das Experiment insgesamt hat. Bei zwei Würfeln sind das z. B. Ausgänge.
- Günstige Ergebnisse für jeden Wert zählen: Gehe jeden Wert aus dem Wertebereich durch und zähle, wie viele der Gesamtergebnisse zu diesem Wert führen. Beispiel: Für die Augensumme 4 bei zwei Würfeln gibt es 3 günstige Ergebnisse: (1,3), (2,2), (3,1).
- Wahrscheinlichkeiten berechnen: Berechne für jeden Wert die Wahrscheinlichkeit mit der Formel für Laplace-Experimente:
- Tabelle erstellen: Zeichne eine Tabelle. In die erste Zeile schreibst du die Werte und in die zweite Zeile die berechneten Wahrscheinlichkeiten .
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Das abgebildete Glücksrad mit drei gleich großen Sektoren (1, 2, 3) wird zweimal gedreht. Die Zufallsgröße beschreibt das Produkt der beiden gedrehten Zahlen. Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung von in Form einer Tabelle.

- Schritt 1Wertebereich bestimmen
Die möglichen Produkte sind: , , , , , . Die Reihenfolge (z. B. und ) führt zu denselben Werten. Der Wertebereich ist .
- Schritt 2Gesamtzahl aller Ergebnisse ermitteln
Es gibt Möglichkeiten bei der ersten Drehung und bei der zweiten. Insgesamt also mögliche Ergebnispaare.
- Schritt 3 & 4Günstige Ergebnisse zählen und Wahrscheinlichkeiten berechnen
- : nur (1,1) 1 Ergebnis
- : (1,2), (2,1) 2 Ergebnisse
- : (1,3), (3,1) 2 Ergebnisse
- : nur (2,2) 1 Ergebnis
- : (2,3), (3,2) 2 Ergebnisse
- : nur (3,3) 1 Ergebnis
- Schritt 5 · ErgebnisTabelle erstellen

Beispiel 2
Eine faire Münze wird dreimal geworfen. Die Zufallsgröße ist die Anzahl der Würfe, die „Kopf" zeigen. Erstelle die Wahrscheinlichkeitsverteilung von .
- Schritt 1Wertebereich bestimmen
Wie in einem früheren Beispiel ist der Wertebereich .
- Schritt 2Gesamtzahl aller Ergebnisse ermitteln
Es gibt Möglichkeiten pro Wurf, also Gesamtergebnisse (ZZZ, ZZK, ...).
- Schritt 3 & 4Günstige Ergebnisse zählen und Wahrscheinlichkeiten berechnen
- : nur (Z,Z,Z) 1 Ergebnis
- : (K,Z,Z), (Z,K,Z), (Z,Z,K) 3 Ergebnisse
- : (K,K,Z), (K,Z,K), (Z,K,K) 3 Ergebnisse
- : nur (K,K,K) 1 Ergebnis
- Schritt 5 · ErgebnisTabelle erstellen

Beispiel 3
Aus einem Skatspiel (32 Karten) wird eine Karte gezogen. Die Zufallsgröße ordnet den Farben einen Wert zu: Herz = 10 Punkte, alle anderen Farben = 0 Punkte. Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung von .
- Schritt 1Wertebereich bestimmen
Die Zufallsgröße kann nur zwei Werte annehmen: 10 (wenn Herz gezogen wird) oder 0 (wenn nicht). Der Wertebereich ist .
- Schritt 2Gesamtzahl aller Ergebnisse ermitteln
Es gibt 32 Karten, also 32 mögliche Ergebnisse.
- Schritt 3 & 4Günstige Ergebnisse zählen und Wahrscheinlichkeiten berechnen
Ein Skatspiel hat 4 Farben, jede kommt 8-mal vor (7, 8, 9, 10, Bube, Dame, König, Ass).
- : Dies passiert, wenn eine Herz-Karte gezogen wird. Es gibt 8 Herz-Karten.
- : Dies passiert, wenn eine der anderen drei Farben gezogen wird. Es gibt solche Karten.
- Schritt 5 · ErgebnisTabelle erstellen

Beispiel 4
In einer Schale liegen 5 Kugeln mit den Nummern 1, 1, 2, 3, 3. Es wird eine Kugel gezogen. Die Zufallsgröße ist die Nummer auf der Kugel. Gib die Wahrscheinlichkeitsverteilung an.
- Schritt 1Wertebereich bestimmen
Die möglichen Nummern auf den Kugeln sind 1, 2 und 3. Der Wertebereich ist .
- Schritt 2Gesamtzahl aller Ergebnisse ermitteln
Es sind insgesamt 5 Kugeln in der Schale.
- Schritt 3 & 4Günstige Ergebnisse zählen und Wahrscheinlichkeiten berechnen
- : Es gibt 2 Kugeln mit der Nummer 1.
- : Es gibt 1 Kugel mit der Nummer 2.
- : Es gibt 2 Kugeln mit der Nummer 3.
- Schritt 5 · ErgebnisTabelle erstellen

Beispiel 5
Zwei Würfel werden geworfen. Die Zufallsgröße ist das Maximum der beiden Augenzahlen. Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung von .
- Schritt 1Wertebereich bestimmen
Das Maximum kann jede Zahl von 1 bis 6 sein. (z. B. bei (1,1) ist das Maximum 1, bei (1,2) ist es 2, ... bei (6,6) ist es 6). Der Wertebereich ist .
- Schritt 2Gesamtzahl aller Ergebnisse ermitteln
Es gibt mögliche Ergebnispaare.
- Schritt 3 & 4Günstige Ergebnisse zählen und Wahrscheinlichkeiten berechnen
- : nur (1,1) 1 Ergebnis
- : (1,2), (2,1), (2,2) 3 Ergebnisse
- : (1,3), (3,1), (2,3), (3,2), (3,3) 5 Ergebnisse
- : (1,4), (4,1), (2,4), (4,2), (3,4), (4,3), (4,4) 7 Ergebnisse
- : 9 Ergebnisse
- : 11 Ergebnisse
- Schritt 5 · ErgebnisTabelle erstellen

Aufgabentyp 3: Wahrscheinlichkeitsverteilung mit dem Baumdiagramm
Manchmal ist es zu kompliziert, alle Ergebnisse aufzuzählen, besonders bei mehrstufigen Experimenten oder wenn die Wahrscheinlichkeiten nicht gleich sind (kein Laplace-Experiment).
In diesen Fällen ist ein Baumdiagramm das beste Werkzeug. Es hilft dir, den Überblick zu behalten und die Wahrscheinlichkeiten mit den Pfadregeln korrekt zu berechnen.
Besonders wichtig ist das bei Experimenten „ohne Zurücklegen", da sich die Wahrscheinlichkeiten in jeder Stufe ändern.
- 1. Pfadregel (Produktregel): Multipliziere die Wahrscheinlichkeiten entlang eines Pfades, um die Wahrscheinlichkeit dieses speziellen Ausgangs zu erhalten.
- 2. Pfadregel (Summenregel): Addiere die Wahrscheinlichkeiten verschiedener Pfade, die zum selben Wert der Zufallsgröße führen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Wertebereich bestimmen: Überlege dir, welche Werte die Zufallsgröße annehmen kann.
- Baumdiagramm zeichnen: Zeichne das Baumdiagramm für das Experiment. Jede Stufe des Experiments ist eine Ebene im Baum. Beschrifte jeden Ast mit der entsprechenden Wahrscheinlichkeit. Achte darauf, ob sich die Wahrscheinlichkeiten von Stufe zu Stufe ändern (z. B. bei Ziehen ohne Zurücklegen).
- Relevante Pfade identifizieren: Gehe jeden Wert aus dem Wertebereich durch. Markiere alle Pfade im Baumdiagramm, die zu diesem Wert führen.
- Pfadwahrscheinlichkeiten berechnen (1. Pfadregel): Berechne für jeden markierten Pfad die Wahrscheinlichkeit, indem du die Werte entlang der Äste multiplizierst.
- Wahrscheinlichkeiten addieren (2. Pfadregel): Wenn mehrere Pfade zum selben Wert führen, addiere ihre Wahrscheinlichkeiten, um die Gesamtwahrscheinlichkeit zu erhalten.
- Tabelle erstellen: Fasse die Ergebnisse in einer Wahrscheinlichkeitsverteilungstabelle zusammen.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Ein Lostopf enthält 3 Lose mit den Nummern 1, 2 und 3. Es wird nacheinander ohne Zurücklegen gezogen. Die Zufallsgröße beschreibt die Anzahl der Züge, bis das Los mit der Nummer 3 gezogen wird. Erstelle ein Baumdiagramm und ermittle die Wahrscheinlichkeitsverteilung.
- Schritt 1Wertebereich bestimmen
Das Los mit der Nummer 3 kann im 1., 2. oder 3. Zug gezogen werden. Der Wertebereich ist also .
- Schritt 2Baumdiagramm zeichnen
Wir zeichnen den Baum. Im ersten Zug gibt es 3 Lose, die Wahrscheinlichkeit für jedes ist . Im zweiten Zug sind nur noch 2 Lose da, die Wahrscheinlichkeit ist . Im dritten Zug ist nur noch 1 Los übrig, die Wahrscheinlichkeit ist .

Baumdiagramm Lostopf ohne Zurücklegen drei Lose - Schritt 3 & 4Pfade identifizieren und Wahrscheinlichkeiten berechnen
- : Das Los 3 wird im ersten Zug gezogen. Es gibt nur einen Pfad dafür.
- : Das Los 3 wird im zweiten Zug gezogen. Das passiert auf den Pfaden (1,3) und (2,3).
- : Das Los 3 wird im dritten Zug gezogen. Das passiert auf den Pfaden (1,2,3) und (2,1,3).
- Schritt 6 · ErgebnisTabelle erstellen

Beispiel 2
In einer Urne sind 3 rote und 2 blaue Kugeln. Es werden zwei Kugeln ohne Zurücklegen gezogen. Die Zufallsgröße ist die Anzahl der gezogenen roten Kugeln. Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung.
- Schritt 1Wertebereich bestimmen
Man kann 0, 1 oder 2 rote Kugeln ziehen. Der Wertebereich ist .
- Schritt 2Baumdiagramm zeichnen
Anfangs sind 5 Kugeln da. , . Nach dem ersten Zug sind nur noch 4 Kugeln da.

Baumdiagramm Urne rote blaue Kugeln ohne Zurücklegen - Schritt 3 & 4Pfade identifizieren und Wahrscheinlichkeiten berechnen
- : Pfad (B, B). Anzahl roter Kugeln ist 0.
- : Pfade (R, B) und (B, R). Anzahl roter Kugeln ist 1.
- : Pfad (R, R). Anzahl roter Kugeln ist 2.
- Schritt 6 · ErgebnisTabelle erstellen

Beispiel 3
Eine Schützin trifft mit 80% Wahrscheinlichkeit ins Ziel. Sie schießt zweimal. Die Zufallsgröße zählt die Anzahl der Treffer. Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung von .
- Schritt 1Wertebereich bestimmen
Sie kann 0, 1 oder 2 Treffer landen. Der Wertebereich ist .
- Schritt 2Baumdiagramm zeichnen
Die Wahrscheinlichkeit für einen Treffer (T) ist 0,8. Die für einen Fehlschuss (F) ist . Die Wahrscheinlichkeiten bleiben bei jedem Schuss gleich.

Baumdiagramm Schützin Treffer und Fehlschuss zweimal - Schritt 3 & 4Pfade identifizieren und Wahrscheinlichkeiten berechnen
- : Pfad (F, F).
- : Pfade (T, F) und (F, T).
- : Pfad (T, T).
- Schritt 6 · ErgebnisTabelle erstellen

Beispiel 4
In einer Kiste sind 10 Glühbirnen, davon sind 3 defekt. Man entnimmt nacheinander zwei Birnen ohne Zurücklegen. Die Zufallsgröße ist die Anzahl der defekten Birnen. Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung.
- Schritt 1Wertebereich bestimmen
Man kann 0, 1 oder 2 defekte Birnen ziehen. Der Wertebereich ist .
- Schritt 2Baumdiagramm zeichnen
Es gibt 3 defekte (D) und 7 intakte (I) Birnen. Anfangs: , . Nach dem ersten Zug sind nur noch 9 Birnen da.

Baumdiagramm defekte Glühbirnen ohne Zurücklegen - Schritt 3 & 4Pfade identifizieren und Wahrscheinlichkeiten berechnen
- : Pfad (I, I).
- : Pfade (D, I) und (I, D).
- : Pfad (D, D).
- Schritt 6 · ErgebnisTabelle erstellen

Beispiel 5
Ein Multiple-Choice-Test hat 2 Fragen mit je 3 Antworten, von denen nur eine richtig ist. Ein Schüler rät bei beiden. Die Zufallsgröße ist die Anzahl der richtigen Antworten. Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung.
- Schritt 1Wertebereich bestimmen
Der Schüler kann 0, 1 oder 2 Fragen richtig beantworten. Der Wertebereich ist .
- Schritt 2Baumdiagramm zeichnen
Die Wahrscheinlichkeit, eine Frage richtig (R) zu beantworten, ist . Die für eine falsche (F) Antwort ist .

Baumdiagramm Multiple-Choice-Test zwei Fragen drei Antworten - Schritt 3 & 4Pfade identifizieren und Wahrscheinlichkeiten berechnen
- : Pfad (F, F).
- : Pfade (R, F) und (F, R).
- : Pfad (R, R).
- Schritt 6 · ErgebnisTabelle erstellen

Aufgabentyp 4: Fehlende Wahrscheinlichkeiten berechnen
Eine der wichtigsten Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung ist ganz einfach:
Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten in einer Wahrscheinlichkeitsverteilung ist immer genau 1.
Das bedeutet, wenn du alle Werte aus der zweiten Zeile der Tabelle zusammenzählst, muss das Ergebnis 1 (oder 100%) sein. Warum? Weil irgendeines der Ereignisse ja auf jeden Fall eintreten muss.
Diese Regel ist extrem nützlich, um eine fehlende Wahrscheinlichkeit oder einen unbekannten Parameter (wie ) zu berechnen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Alle Wahrscheinlichkeiten identifizieren: Schau dir die gegebene Wahrscheinlichkeitsverteilung (als Tabelle oder Diagramm) an und schreibe alle Wahrscheinlichkeiten für die einzelnen Ergebnisse auf. Manche davon können von einer Variablen wie abhängen.
- Die Summen-Gleichung aufstellen: Stelle die Gleichung auf, die besagt, dass die Summe aller Wahrscheinlichkeiten gleich 1 ist:
- Werte einsetzen: Setze die gegebenen Wahrscheinlichkeiten (auch die mit ) in die Gleichung aus Schritt 2 ein.
- Gleichung auflösen: Löse die Gleichung nach der unbekannten Variablen auf. Das ist meistens einfache Algebra.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Zufallsgröße ist in der Abbildung dargestellt. Zeigen Sie, dass den Wert hat.

- Schritt 1Alle Wahrscheinlichkeiten identifizieren
Aus dem Diagramm lesen wir ab:
- Schritt 2Die Summen-Gleichung aufstellen
Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten muss 1 sein:
- Schritt 3Werte einsetzen
Wir setzen die Terme mit in die Gleichung ein:
- Schritt 4 · ErgebnisGleichung auflösen
Wir fassen die Terme zusammen und lösen nach auf.
Wir haben gezeigt, dass den Wert haben muss.
Beispiel 2
Eine Zufallsgröße kann die Werte 1, 2 und 3 annehmen. Es gilt und . Bestimme .
- Schritt 1Alle Wahrscheinlichkeiten identifizieren
- (unbekannt)
- Schritt 2 & 3Gleichung aufstellen und Werte einsetzen
Die Summe muss 1 sein:
- Schritt 4 · ErgebnisGleichung auflösen
Die Wahrscheinlichkeit für ist 0,3.
Beispiel 3
Die Wahrscheinlichkeitsverteilung einer Zufallsgröße ist durch die folgende Tabelle gegeben. Bestimme den Wert von .

- Schritt 1Alle Wahrscheinlichkeiten identifizieren
- Schritt 2 & 3Gleichung aufstellen und Werte einsetzen
- Schritt 4 · ErgebnisGleichung auflösen
Wir bringen die Brüche auf einen gemeinsamen Nenner (12):
Der Wert von ist .
Beispiel 4
Ein Spiel hat vier Ausgänge mit den Wahrscheinlichkeiten , , und . Bestimme den Wert von .
- Schritt 1Alle Wahrscheinlichkeiten identifizieren
Die Wahrscheinlichkeiten sind .
- Schritt 2 & 3Gleichung aufstellen und Werte einsetzen
Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten muss 1 sein:
- Schritt 4 · ErgebnisGleichung auflösen
Wir addieren alle Terme mit :
Der Wert von ist oder 0,1.
Beispiel 5
Bei einem Glücksrad gibt es drei Sektoren: Rot, Grün und Blau. Die Wahrscheinlichkeit für Rot ist doppelt so hoch wie für Grün. Die Wahrscheinlichkeit für Blau ist 0,5. Sei . Bestimme .
- Schritt 1Alle Wahrscheinlichkeiten identifizieren
- ist doppelt so hoch wie , also
- Schritt 2 & 3Gleichung aufstellen und Werte einsetzen
Die Summe muss 1 sein:
- Schritt 4 · ErgebnisGleichung auflösen
Die Wahrscheinlichkeit für Grün, , ist .
Wichtige Erkenntnisse
- Eine Zufallsgröße ordnet den Ergebnissen eines Zufallsexperiments Zahlen zu.
- Die Wahrscheinlichkeitsverteilung gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit jeder dieser Zahlenwerte auftritt.
- Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten in einer Verteilung ist immer genau 1.
- Für einfache Experimente (wie Würfeln) kannst du alle Fälle auflisten, um die Verteilung zu finden.
- Für mehrstufige Experimente (besonders ohne Zurücklegen) ist ein Baumdiagramm mit den Pfadregeln das beste Werkzeug.
Häufige Fragen
Was ist eine diskrete Zufallsgröße?
Eine diskrete Zufallsgröße ist eine Regel, die jedem Ergebnis eines Zufallsexperiments eine Zahl zuordnet. Sie wird meist mit einem Großbuchstaben wie X bezeichnet. Beispiel: Beim Werfen zweier Würfel kann X die Summe der Augenzahlen sein. Der Wertebereich ist dann die Menge aller Zahlen, die X annehmen kann, also {2, 3, 4, …, 12}. Diskret bedeutet, dass nur abzählbar viele Werte möglich sind.
Wie erstellst du eine Wahrscheinlichkeitsverteilung als Tabelle?
Gehe in fünf Schritten vor:
- Bestimme den Wertebereich – alle möglichen Werte k der Zufallsgröße.
- Zähle alle möglichen Ergebnisse des Experiments (z. B. 36 bei zwei Würfeln).
- Zähle für jeden Wert k die günstigen Ergebnisse.
- Berechne P(X=k) als Quotient aus günstigen und möglichen Ergebnissen.
- Trage alle Werte und Wahrscheinlichkeiten in eine Tabelle ein – die Summe in der zweiten Zeile muss stets 1 ergeben.
Wann benutzt du ein Baumdiagramm für die Wahrscheinlichkeitsverteilung?
Ein Baumdiagramm ist das richtige Werkzeug, wenn das Experiment mehrstufig ist oder wenn die Wahrscheinlichkeiten sich von Stufe zu Stufe ändern – besonders beim Ziehen ohne Zurücklegen. Mit der 1. Pfadregel (Produktregel) multiplizierst du die Wahrscheinlichkeiten entlang eines Pfades. Mit der 2. Pfadregel (Summenregel) addierst du die Wahrscheinlichkeiten aller Pfade, die zum selben Wert führen.
Wie berechnest du eine fehlende Wahrscheinlichkeit in einer Verteilung?
Nutze die Regel, dass die Summe aller Wahrscheinlichkeiten in jeder Wahrscheinlichkeitsverteilung genau 1 ergibt. Stelle die Gleichung P(X=k₁) + P(X=k₂) + … = 1 auf, setze alle bekannten Werte ein und löse nach der unbekannten Variablen (oft p) auf. Beispiel: Aus 0,2 + 0,5 + p = 1 folgt sofort p = 0,3.
Was ist der Unterschied zwischen Wertebereich und Wahrscheinlichkeitsverteilung?
Der Wertebereich listet nur auf, welche Zahlen die Zufallsgröße annehmen kann – zum Beispiel {0, 1, 2, 3}. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung geht einen Schritt weiter: Sie sagt zusätzlich, wie wahrscheinlich jeder dieser Werte ist. Ohne den Wertebereich zu kennen, kann man keine Verteilungstabelle erstellen – er ist also der erste Schritt.