Bernoulli-Prozesse einfach erklärt: Kette, n und p

Bernoulli-Prozesse und Bernoulli-Ketten verständlich erklärt: Lerne die drei Bedingungen kennen, bestimme n und p und berechne Wahrscheinlichkeiten mit dem Baumdiagramm – Schritt für Schritt mit vielen Beispielen.

📅 Aktualisiert 28. Juni 202621 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion

Hast du dich jemals gefragt, wie wahrscheinlich es ist, in einem Videospiel 5-mal hintereinander einen kritischen Treffer zu landen? Oder ob dein Lieblings-Basketballspieler, der 70 % seiner Freiwürfe trifft, wirklich 3 Würfe in Folge verfehlen kann? Das ist keine reine Glückssache – das ist Mathematik! Die Bernoulli-Kette ist wie ein „Cheat Code" für die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Sie hilft dir, die Chancen bei wiederholten Zufallsexperimenten zu berechnen, bei denen es nur zwei Ausgänge gibt: Erfolg oder Misserfolg, Treffer oder Niete, Sieg oder Niederlage. Wenn du dieses Prinzip verstehst, kannst du die Wahrscheinlichkeit von Glückssträhnen (und Pechsträhnen) in Spielen, Sport und vielen anderen Bereichen vorhersagen.

Vorwissen

Bevor wir in die Bernoulli-Ketten eintauchen, frischen wir kurz ein paar Grundlagen auf:

  • Baumdiagramm: Eine grafische Darstellung von mehrstufigen Zufallsexperimenten. Jeder Pfad von der Wurzel bis zu einem Endpunkt repräsentiert ein mögliches Ergebnis.

    • Beispiel: Eine Münze wird zweimal geworfen. Das Baumdiagramm hat zwei Stufen mit jeweils zwei Ästen (Kopf/Zahl).
  • Pfadregeln:

    • 1. Pfadregel (Produktregel): Die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Ergebnisses (eines Pfades) erhält man, indem man die Wahrscheinlichkeiten entlang dieses Pfades multipliziert.
    • 2. Pfadregel (Summenregel): Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses (das aus mehreren Ergebnissen besteht) erhält man, indem man die Wahrscheinlichkeiten der zugehörigen Pfade addiert.
  • Gegenereignis: Das Ereignis, das eintritt, wenn ein anderes Ereignis nicht eintritt. Die Summe ihrer Wahrscheinlichkeiten ist immer 1 (oder 100 %).

    • Formel: P(Ereignis)+P(Gegenereignis)=1P(\text{Ereignis}) + P(\text{Gegenereignis}) = 1
    • Beispiel: Die Wahrscheinlichkeit, eine 6 zu würfeln, ist 1/61/6. Die Wahrscheinlichkeit, keine 6 zu würfeln, ist 11/6=5/61 - 1/6 = 5/6.

Aufgabentyp 1: Erkennen einer Bernoulli-Kette

Ein Zufallsexperiment wird Bernoulli-Kette genannt, wenn es drei ganz bestimmte Bedingungen erfüllt. Stell es dir wie eine Checkliste vor, die du abhakst.

Die drei Bedingungen für eine Bernoulli-Kette:

  1. Nur zwei Ausgänge: Jeder einzelne Versuch darf nur zwei mögliche Ergebnisse haben. Wir nennen sie Treffer (Erfolg) und Niete (Misserfolg).

  2. Gleichbleibende Wahrscheinlichkeit: Die Wahrscheinlichkeit für einen Treffer, genannt pp, muss bei jeder Wiederholung des Versuchs exakt gleich sein.

  3. Unabhängigkeit: Das Ergebnis eines Versuchs darf die Ergebnisse der anderen Versuche nicht beeinflussen. Jeder Versuch ist für sich allein.

Wenn alle drei Bedingungen erfüllt sind, haben wir eine Bernoulli-Kette. Wir können sie dann mit zwei Kennzahlen beschreiben:

  • nn: Die Länge der Kette, also wie oft der Versuch wiederholt wird.
  • pp: Die Trefferwahrscheinlichkeit für einen einzelnen Versuch.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Prüfe die Ausgänge: Lies die Aufgabenstellung. Gibt es bei einem einzelnen Versuch nur zwei mögliche Ergebnisse? Definiere klar, was ein „Treffer" ist.
  2. Prüfe die Wahrscheinlichkeit: Überlege, ob die Wahrscheinlichkeit für den von dir definierten Treffer bei jeder Wiederholung gleich bleibt. Achtung bei Aufgaben wie „Ziehen ohne Zurücklegen" – hier ändert sich die Wahrscheinlichkeit!
  3. Prüfe die Unabhängigkeit: Stelle sicher, dass die einzelnen Versuche sich nicht gegenseitig beeinflussen. Das Ergebnis des ersten Wurfs darf die Chance für den zweiten Wurf nicht verändern.
  4. Bestimme die Parameter: Wenn alle drei Bedingungen erfüllt sind, ist es eine Bernoulli-Kette. Bestimme dann die Länge nn (Anzahl der Wiederholungen) und die Trefferwahrscheinlichkeit pp.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Ein fairer Würfel wird 10-mal geworfen. Es wird gezählt, wie oft die Augenzahl 6 fällt. Handelt es sich um eine Bernoulli-Kette? Wenn ja, gib nn und pp an.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ausgänge prüfen

    Bei jedem Wurf gibt es zwei relevante Ausgänge: Entweder fällt eine 6 (Treffer) oder keine 6 (Niete). Die Bedingung ist erfüllt.

  2. Schritt 2
    Wahrscheinlichkeit prüfen

    Der Würfel ist fair. Die Wahrscheinlichkeit, eine 6 zu würfeln, ist bei jedem Wurf p=16p = \frac{1}{6}. Sie bleibt konstant. Die Bedingung ist erfüllt.

  3. Schritt 3
    Unabhängigkeit prüfen

    Das Ergebnis eines Wurfs hat keinen Einfluss auf den nächsten Wurf. Die Würfe sind unabhängig. Die Bedingung ist erfüllt.

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Parameter bestimmen

    Da alle Bedingungen erfüllt sind, handelt es sich um eine Bernoulli-Kette. Der Würfel wird 10-mal geworfen, also ist die Länge n=10n = 10. Die Wahrscheinlichkeit für einen Treffer (eine 6) ist p=16p = \frac{1}{6}.

Ergebnis:

Es handelt sich um eine Bernoulli-Kette mit n=10n = 10 und p=16p = \frac{1}{6}.

Beispiel 2

Aufgabe

Aus einer Urne mit 5 roten und 3 blauen Kugeln wird 4-mal eine Kugel gezogen und ihre Farbe notiert. Nach jedem Zug wird die Kugel zurückgelegt. Ist das Ziehen einer roten Kugel eine Bernoulli-Kette? Wenn ja, gib nn und pp an.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ausgänge prüfen

    Bei jedem Zug gibt es zwei Ausgänge: Die Kugel ist rot (Treffer) oder sie ist blau (Niete). Die Bedingung ist erfüllt.

  2. Schritt 2
    Wahrscheinlichkeit prüfen

    Insgesamt sind 8 Kugeln in der Urne. Die Wahrscheinlichkeit, eine rote Kugel zu ziehen, ist p=58p = \frac{5}{8}. Da die Kugel zurückgelegt wird, ist die Situation vor jedem Zug identisch. Die Wahrscheinlichkeit bleibt konstant. Die Bedingung ist erfüllt.

  3. Schritt 3
    Unabhängigkeit prüfen

    Weil die Kugel zurückgelegt wird, beeinflusst ein Zug den nächsten nicht. Die Züge sind unabhängig. Die Bedingung ist erfüllt.

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Parameter bestimmen

    Es handelt sich um eine Bernoulli-Kette. Es wird 4-mal gezogen, also ist die Länge n=4n = 4. Die Wahrscheinlichkeit für einen Treffer (rot) ist p=58p = \frac{5}{8}.

Ergebnis:

Es handelt sich um eine Bernoulli-Kette mit n=4n = 4 und p=58p = \frac{5}{8}.

Beispiel 3

Aufgabe

Aus einer Urne mit 5 roten und 3 blauen Kugeln wird 4-mal eine Kugel gezogen, aber nicht zurückgelegt. Ist das Ziehen einer roten Kugel eine Bernoulli-Kette?

Fortschritt
2 / 2
  1. Schritt 1
    Ausgänge prüfen

    Bei jedem Zug gibt es zwei Ausgänge: Die Kugel ist rot (Treffer) oder sie ist blau (Niete). Die Bedingung ist erfüllt.

  2. Schritt 2 · Ergebnis
    Wahrscheinlichkeit prüfen

    Die Wahrscheinlichkeit für den ersten Treffer ist p1=58p_1 = \frac{5}{8}. Wenn die erste gezogene Kugel rot war, sind nur noch 4 rote und 3 blaue Kugeln (insgesamt 7) in der Urne. Die Wahrscheinlichkeit für einen zweiten roten Treffer wäre dann p2=47p_2 = \frac{4}{7}.

    Da p1p2p_1 \neq p_2, ist die Wahrscheinlichkeit nicht konstant. Die Bedingung ist nicht erfüllt.

Ergebnis:

Da eine Bedingung verletzt ist, handelt es sich nicht um eine Bernoulli-Kette.

Beispiel 4

Aufgabe

Ein Glücksrad mit 3 gleich großen Sektoren (rot, grün, blau) wird 5-mal gedreht. Wir interessieren uns für das Ereignis „blau". Handelt es sich um eine Bernoulli-Kette? Wenn ja, gib nn und pp an.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ausgänge prüfen

    Bei jeder Drehung gibt es zwei relevante Ausgänge: Das Rad landet auf blau (Treffer) oder nicht blau (Niete). Die Bedingung ist erfüllt.

  2. Schritt 2
    Wahrscheinlichkeit prüfen

    Da die Sektoren gleich groß sind, ist die Wahrscheinlichkeit für „blau" bei jeder Drehung p=13p = \frac{1}{3}. Sie bleibt konstant. Die Bedingung ist erfüllt.

  3. Schritt 3
    Unabhängigkeit prüfen

    Eine Drehung beeinflusst die nächste nicht. Die Drehungen sind unabhängig. Die Bedingung ist erfüllt.

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Parameter bestimmen

    Es handelt sich um eine Bernoulli-Kette. Das Rad wird 5-mal gedreht, also ist die Länge n=5n = 5. Die Wahrscheinlichkeit für einen Treffer (blau) ist p=13p = \frac{1}{3}.

Ergebnis:

Es handelt sich um eine Bernoulli-Kette mit n=5n = 5 und p=13p = \frac{1}{3}.

Beispiel 5

Aufgabe

Bei einer Qualitätskontrolle werden 100 Schrauben aus einer großen Produktion entnommen. Aus Erfahrung weiß man, dass 5 % aller Schrauben defekt sind. Ist die Entnahme einer defekten Schraube eine Bernoulli-Kette? Wenn ja, gib nn und pp an.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ausgänge prüfen

    Jede geprüfte Schraube hat zwei mögliche Zustände: Sie ist defekt (Treffer) oder in Ordnung (Niete). Die Bedingung ist erfüllt.

  2. Schritt 2
    Wahrscheinlichkeit prüfen

    Die Wahrscheinlichkeit, eine defekte Schraube zu ziehen, ist mit p=0,05p = 0{,}05 (also 5 %) angegeben. Da die Produktion „groß" ist, gehen wir davon aus, dass die Entnahme von 100 Schrauben die Gesamtwahrscheinlichkeit nicht merklich verändert. Die Wahrscheinlichkeit bleibt also praktisch konstant. Die Bedingung ist erfüllt.

  3. Schritt 3
    Unabhängigkeit prüfen

    Der Zustand einer Schraube ist unabhängig vom Zustand der anderen. Die Bedingung ist erfüllt.

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Parameter bestimmen

    Es handelt sich um eine Bernoulli-Kette. Es werden 100 Schrauben geprüft, also ist die Länge n=100n = 100. Die Wahrscheinlichkeit für einen Treffer (defekt) ist p=0,05p = 0{,}05.

Ergebnis:

Es handelt sich um eine Bernoulli-Kette mit n=100n = 100 und p=0,05p = 0{,}05.

Aufgabentyp 2: Wahrscheinlichkeit mit Baumdiagramm berechnen

Wenn die Länge nn einer Bernoulli-Kette klein ist (z. B. 2, 3 oder 4), können wir die Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Anzahl von Treffern sehr gut mit einem Baumdiagramm berechnen.

Ein Baumdiagramm für eine Bernoulli-Kette hat eine einfache Struktur:

  • Jede Stufe des Diagramms entspricht einer Wiederholung des Versuchs.
  • An jedem Knoten gehen immer zwei Äste ab: einer für Treffer (T) mit der Wahrscheinlichkeit pp und einer für Niete (N) mit der Wahrscheinlichkeit 1p1-p.

Ein Pfad im Baumdiagramm ist eine Abfolge von Treffern und Nieten, z. B. T-N-T. Um die Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Anzahl von Treffern zu finden, suchen wir alle Pfade, die diese Bedingung erfüllen, und addieren ihre Wahrscheinlichkeiten.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Zeichne das Baumdiagramm: Zeichne ein Baumdiagramm mit nn Stufen. Beschrifte die Äste für Treffer mit der Wahrscheinlichkeit pp und die Äste für Niete mit der Gegenwahrscheinlichkeit 1p1-p.
  2. Finde die relevanten Pfade: Suche alle Pfade im Baumdiagramm, die genau die in der Aufgabe geforderte Anzahl an Treffern enthalten. Markiere diese Pfade farbig.
  3. Berechne die Wahrscheinlichkeit eines Pfades: Wähle einen der markierten Pfade aus. Multipliziere die Wahrscheinlichkeiten entlang dieses Pfades (1. Pfadregel). Da die Wahrscheinlichkeiten pp und 1p1-p auf jeder Stufe gleich sind, haben alle relevanten Pfade dieselbe Wahrscheinlichkeit.
  4. Berechne die Gesamt-Wahrscheinlichkeit: Zähle, wie viele Pfade du in Schritt 2 markiert hast. Multipliziere diese Anzahl der Pfade mit der in Schritt 3 berechneten Wahrscheinlichkeit eines einzelnen Pfades. Das Ergebnis ist die gesuchte Gesamtwahrscheinlichkeit.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Eine Münze wird 3-mal geworfen. Berechne mit einem Baumdiagramm die Wahrscheinlichkeit, dass genau 2-mal „Kopf" fällt.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1 & 2
    Baumdiagramm zeichnen und Pfade finden

    Dies ist eine Bernoulli-Kette mit n=3n=3. Ein Treffer ist „Kopf" mit der Wahrscheinlichkeit p=0,5p=0{,}5. Eine Niete ist „Zahl" mit der Wahrscheinlichkeit 1p=0,51-p = 0{,}5. Wir suchen Pfade mit genau zwei „K" (Kopf). Es gibt drei solche Pfade: K-K-Z, K-Z-K, Z-K-K.

    Baumdiagramm: drei Pfade mit genau zwei Kopf
    Baumdiagramm: drei Pfade mit genau zwei Kopf
  2. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeit eines Pfades berechnen

    Wir berechnen die Wahrscheinlichkeit für den Pfad K-K-Z:

    P(K-K-Z)=0,50,50,5=0,125P(\text{K-K-Z}) = 0{,}5 \cdot 0{,}5 \cdot 0{,}5 = 0{,}125

    Alle drei relevanten Pfade haben dieselbe Wahrscheinlichkeit.

  3. Schritt 4 · Ergebnis
    Gesamt-Wahrscheinlichkeit berechnen

    Es gibt 3 relevante Pfade. Die Gesamtwahrscheinlichkeit ist:

    P(genau 2-mal Kopf)=3P(K-K-Z)P(\text{genau 2-mal Kopf}) = 3 \cdot P(\text{K-K-Z})

    =30,125=0,375= 3 \cdot 0{,}125 = 0{,}375

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt 37,5 %.

Beispiel 2

Aufgabe

Ein Basketballspieler trifft Freiwürfe mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 %. Er wirft 3-mal. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er genau einmal nicht trifft?

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1 & 2
    Baumdiagramm zeichnen und Pfade finden

    Dies ist eine Bernoulli-Kette mit n=3n=3. Ein Treffer (T) ist ein getroffener Wurf mit p=0,8p=0{,}8. Eine Niete (N) ist ein Fehlwurf mit 1p=0,21-p = 0{,}2. „Genau einmal nicht treffen" bedeutet das Gleiche wie „genau zweimal treffen". Wir suchen Pfade mit genau zwei T und einem N. Es gibt drei solche Pfade: T-T-N, T-N-T, N-T-T.

    Baumdiagramm Freiwurf: Pfade mit genau zwei Treffern
    Baumdiagramm Freiwurf: Pfade mit genau zwei Treffern
  2. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeit eines Pfades berechnen

    Wir berechnen die Wahrscheinlichkeit für den Pfad T-T-N:

    P(T-T-N)=0,80,80,2=0,128P(\text{T-T-N}) = 0{,}8 \cdot 0{,}8 \cdot 0{,}2 = 0{,}128

  3. Schritt 4 · Ergebnis
    Gesamt-Wahrscheinlichkeit berechnen

    Es gibt 3 relevante Pfade. Die Gesamtwahrscheinlichkeit ist:

    P(genau 2 Treffer)=3P(T-T-N)P(\text{genau 2 Treffer}) = 3 \cdot P(\text{T-T-N})

    =30,128=0,384= 3 \cdot 0{,}128 = 0{,}384

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt 38,4 %.

Beispiel 3

Aufgabe

Bei einem Multiple-Choice-Test gibt es 3 Fragen mit je 4 Antwortmöglichkeiten, von denen nur eine richtig ist. Ein Schüler rät bei allen Fragen. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass er genau eine Frage richtig beantwortet?

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1 & 2
    Baumdiagramm zeichnen und Pfade finden

    Dies ist eine Bernoulli-Kette mit n=3n=3. Ein Treffer (R) ist eine richtige Antwort. Da es 4 Möglichkeiten gibt, ist die Wahrscheinlichkeit p=14=0,25p = \frac{1}{4} = 0{,}25. Eine Niete (F) ist eine falsche Antwort mit 1p=34=0,751-p = \frac{3}{4} = 0{,}75. Wir suchen Pfade mit genau einem R. Es gibt drei solche Pfade: R-F-F, F-R-F, F-F-R.

    Baumdiagramm Multiple-Choice: Pfad mit genau einer richtigen Antwort
    Baumdiagramm Multiple-Choice: Pfad mit genau einer richtigen Antwort
  2. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeit eines Pfades berechnen

    Wir berechnen die Wahrscheinlichkeit für den Pfad R-F-F:

    P(R-F-F)=0,250,750,75=0,140625P(\text{R-F-F}) = 0{,}25 \cdot 0{,}75 \cdot 0{,}75 = 0{,}140625

  3. Schritt 4 · Ergebnis
    Gesamt-Wahrscheinlichkeit berechnen

    Es gibt 3 relevante Pfade. Die Gesamtwahrscheinlichkeit ist:

    P(genau 1 richtige)=3P(R-F-F)P(\text{genau 1 richtige}) = 3 \cdot P(\text{R-F-F})

    =30,140625=0,421875= 3 \cdot 0{,}140625 = 0{,}421875

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt ca. 42,2 %.

Beispiel 4

Aufgabe

Ein Radfahrer hat auf einer Strecke von 4 km an jeder Kilometer-Markierung eine Ampel. Jede Ampel ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 % rot. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er keine einzige rote Ampel hat?

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1 & 2
    Baumdiagramm zeichnen und Pfade finden

    Dies ist eine Bernoulli-Kette mit n=4n=4. Ein Treffer (R) ist eine rote Ampel mit p=0,4p=0{,}4. Eine Niete (G) ist eine grüne Ampel mit 1p=0,61-p = 0{,}6. Wir suchen die Wahrscheinlichkeit für 0 Treffer. Es gibt nur einen Pfad, der dieser Bedingung entspricht: G-G-G-G.

    Baumdiagramm Ampel: einziger Pfad ohne rote Ampel
    Baumdiagramm Ampel: einziger Pfad ohne rote Ampel
  2. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeit eines Pfades berechnen

    Wir berechnen die Wahrscheinlichkeit für den Pfad G-G-G-G:

    P(G-G-G-G)=0,60,60,60,6=0,64P(\text{G-G-G-G}) = 0{,}6 \cdot 0{,}6 \cdot 0{,}6 \cdot 0{,}6 = 0{,}6^4

    =0,1296= 0{,}1296

  3. Schritt 4 · Ergebnis
    Gesamt-Wahrscheinlichkeit berechnen

    Da es nur einen relevanten Pfad gibt, ist die Wahrscheinlichkeit aus Schritt 3 bereits das Endergebnis.

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, keine rote Ampel zu haben, beträgt 12,96 %.

Beispiel 5

Aufgabe

Ein Jäger trifft sein Ziel mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 %. Er schießt 2-mal. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er mindestens einmal trifft?

Fortschritt
2 / 2
  1. Schritt 1 & 2
    Baumdiagramm zeichnen und Pfade finden

    Dies ist eine Bernoulli-Kette mit n=2n=2. Ein Treffer (T) hat die Wahrscheinlichkeit p=0,9p=0{,}9. Eine Niete (N) hat die Wahrscheinlichkeit 1p=0,11-p = 0{,}1. „Mindestens einmal treffen" bedeutet „genau einmal treffen" ODER „genau zweimal treffen". Pfade für „genau 1 Treffer": T-N, N-T. Pfad für „genau 2 Treffer": T-T.

    Baumdiagramm Jäger: Pfade mit mindestens einem Treffer
    Baumdiagramm Jäger: Pfade mit mindestens einem Treffer
  2. Schritt 3 & 4 · Ergebnis
    Wahrscheinlichkeiten berechnen und addieren

    Ansatz 1: Direkte Berechnung

    P(T-N)=0,90,1=0,09P(\text{T-N}) = 0{,}9 \cdot 0{,}1 = 0{,}09

    P(N-T)=0,10,9=0,09P(\text{N-T}) = 0{,}1 \cdot 0{,}9 = 0{,}09

    P(T-T)=0,90,9=0,81P(\text{T-T}) = 0{,}9 \cdot 0{,}9 = 0{,}81

    P(mind. 1 Treffer)=P(T-N)+P(N-T)+P(T-T)P(\text{mind. 1 Treffer}) = P(\text{T-N}) + P(\text{N-T}) + P(\text{T-T})

    =0,09+0,09+0,81=0,99= 0{,}09 + 0{,}09 + 0{,}81 = 0{,}99

    Ansatz 2: Über das Gegenereignis (oft schneller!)

    Das Gegenereignis von „mindestens einmal treffen" ist „keinmal treffen" (also der Pfad N-N).

    P(N-N)=0,10,1=0,01P(\text{N-N}) = 0{,}1 \cdot 0{,}1 = 0{,}01

    Die gesuchte Wahrscheinlichkeit ist dann:

    P(mind. 1 Treffer)=1P(kein Treffer)P(\text{mind. 1 Treffer}) = 1 - P(\text{kein Treffer})

    =10,01=0,99= 1 - 0{,}01 = 0{,}99

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt 99 %.

Wichtige Erkenntnisse

  • Eine Bernoulli-Kette ist ein Zufallsexperiment, das drei Bedingungen erfüllt: (1) Nur zwei Ausgänge (Treffer / Niete), (2) die Trefferwahrscheinlichkeit pp ist immer gleich, (3) die Versuche sind voneinander unabhängig.
  • Die wichtigsten Kennzahlen sind die Länge nn und die Trefferwahrscheinlichkeit pp.
  • Für kleine nn kannst du Wahrscheinlichkeiten mit einem Baumdiagramm berechnen.
  • Der Trick: Alle Pfade mit der gleichen Anzahl an Treffern haben die exakt gleiche Wahrscheinlichkeit. Du musst also nur die Anzahl der Pfade mit der Wahrscheinlichkeit eines Pfades multiplizieren.
  • Bei „mindestens"-Aufgaben lohnt sich oft der Umweg über das Gegenereignis – das spart Rechenzeit.

Häufige Fragen

Was ist ein Bernoulli-Prozess?

Ein Bernoulli-Prozess (auch Bernoulli-Kette) ist eine Folge von Zufallsexperimenten, bei der jeder einzelne Versuch nur zwei mögliche Ausgänge hat – Treffer oder Niete – und die Trefferwahrscheinlichkeit bei jeder Wiederholung konstant bleibt. Außerdem sind alle Versuche voneinander unabhängig. Typische Beispiele sind das wiederholte Würfeln auf eine bestimmte Augenzahl, das Werfen einer Münze oder die Qualitätskontrolle in der Produktion.

Wie erkennst du eine Bernoulli-Kette?

Du prüfst drei Bedingungen: (1) Hat jeder einzelne Versuch genau zwei Ausgänge (Treffer/Niete)? (2) Bleibt die Trefferwahrscheinlichkeit p bei jeder Wiederholung konstant? (3) Sind die Versuche unabhängig voneinander? Wenn alle drei Bedingungen erfüllt sind, hast du eine Bernoulli-Kette. Ist auch nur eine Bedingung verletzt – zum Beispiel wechselnde Wahrscheinlichkeiten – handelt es sich nicht um eine Bernoulli-Kette.

Was sind die Parameter n und p bei einer Bernoulli-Kette?

Eine Bernoulli-Kette wird durch zwei Kennzahlen beschrieben: n ist die Länge der Kette, also die Anzahl der Wiederholungen des Versuchs. p ist die Trefferwahrscheinlichkeit für einen einzelnen Versuch. Aus diesen beiden Werten lässt sich jede Wahrscheinlichkeitsfrage zur Kette beantworten, zum Beispiel mit dem Baumdiagramm oder der Binomialformel.

Wie berechnest du Wahrscheinlichkeiten mit dem Baumdiagramm bei Bernoulli-Ketten?

Zeichne ein Baumdiagramm mit n Stufen. Beschrifte jeden Ast mit p (Treffer) oder 1−p (Niete). Dann:

  1. Markiere alle Pfade, die genau die gesuchte Anzahl an Treffern enthalten.
  2. Berechne die Wahrscheinlichkeit eines Pfades durch Multiplizieren der Astwahrscheinlichkeiten (1. Pfadregel).
  3. Multipliziere diese Wahrscheinlichkeit mit der Anzahl der markierten Pfade (2. Pfadregel).
Wann ist Ziehen ohne Zurücklegen keine Bernoulli-Kette?

Beim Ziehen ohne Zurücklegen verändert sich nach jedem Zug die Zusammensetzung der Urne – und damit die Wahrscheinlichkeit für den nächsten Treffer. Weil die Trefferwahrscheinlichkeit p nicht konstant bleibt, ist die zweite Bedingung der Bernoulli-Kette verletzt. Ein Beispiel: Bei 5 roten und 3 blauen Kugeln ist p₁ = 5/8, nach dem Ziehen einer roten Kugel aber p₂ = 4/7 – das ist keine Bernoulli-Kette.

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