Lineare Abhängigkeit prüfen: Vektoren einfach erklärt

Lineare Abhängigkeit von Vektoren Schritt für Schritt prüfen: Gleichungssystem aufstellen, k berechnen und Ergebnis ablesen – mit vielen durchgerechneten Beispielen.

📅 Aktualisiert 30. Juni 202614 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion

Lineare Abhängigkeit prüfen ist ein zentrales Thema der Vektorrechnung und taucht in Klausuren der Oberstufe regelmäßig auf. Stell dir vor, du programmierst eine Spielfigur. Ihre Bewegung wird durch einen Vektor beschrieben, also einen Pfeil, der Richtung und Geschwindigkeit vorgibt. Wenn die Figur einfach nur schneller laufen, aber die Richtung beibehalten soll, nimmst du denselben Vektor und „streckst" ihn – du multiplizierst ihn mit einer Zahl. Der neue und der alte Vektor sind dann „linear abhängig". Soll die Figur aber abbiegen, brauchst du einen komplett neuen Vektor, der in eine andere Richtung zeigt. Dieser wäre dann „linear unabhängig". Dieses Konzept ist der Kern von Game-Physik und Animationen – und ein wichtiger Baustein, den du für die Schulmathematik sicher beherrschen solltest.

Schnellantwort

Zwei Vektoren sind linear abhängig, wenn einer ein Vielfaches des anderen ist – also wenn es eine Zahl kk gibt, sodass v=ku\vec{v} = k \cdot \vec{u} gilt. Das bedeutet geometrisch, dass die Vektoren in die gleiche oder genau entgegengesetzte Richtung zeigen. Gibt es kein solches kk, das für alle Komponenten gleichzeitig passt, sind die Vektoren linear unabhängig.

Vorwissen

Bevor wir starten, solltest du diese beiden Konzepte kennen:

  • Vektoren: Vektoren sind wie Wegbeschreibungen in der Mathematik. Sie werden oft als Spalte von Zahlen geschrieben.

    • Beispiel: Der Vektor v=(32)\vec{v} = \begin{pmatrix} 3 \\ -2 \end{pmatrix} bedeutet: Gehe 3 Schritte nach rechts und 2 Schritte nach unten.
  • Einfache Gleichungen lösen: Du solltest eine einfache Gleichung nach einer Unbekannten (z. B. k) umstellen können.

    • Beispiel: Um 20=k520 = k \cdot 5 zu lösen, teilst du durch 5 und erhältst k=4k = 4.

Aufgabentyp 1: Lineare Abhängigkeit von zwei Vektoren prüfen

Zwei Vektoren sind linear abhängig, wenn sie in die exakt gleiche oder die exakt entgegengesetzte Richtung zeigen. Man kann auch sagen: Sie liegen auf derselben Geraden. Ein Vektor ist dann nur eine gestreckte, gestauchte oder umgedrehte Version des anderen.

Mathematisch bedeutet das, dass ein Vektor ein Vielfaches des anderen ist. Es gibt also eine einzige Zahl kk (ein sogenannter Skalar), für die die folgende Gleichung gilt:

v=ku\vec{v} = k \cdot \vec{u}

Sind zwei Vektoren linear unabhängig, zeigen sie in unterschiedliche Richtungen. Es ist unmöglich, eine einzige Zahl kk zu finden, die die obige Gleichung für alle Komponenten (Zeilen) der Vektoren erfüllt.

Sonderfall: Der Nullvektor Eine Menge von Vektoren, die den Nullvektor (000)\begin{pmatrix} 0 \\ 0 \\ 0 \end{pmatrix} enthält, ist immer linear abhängig. Man kann den Nullvektor nämlich immer durch Multiplikation mit k=0k=0 aus jedem anderen Vektor erzeugen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Vektorgleichung aufstellen: Setze die beiden Vektoren mit einem Skalar kk in Beziehung: v=ku\vec{v} = k \cdot \vec{u}.
  2. Gleichungssystem bilden: Schreibe für jede Komponente (Zeile) eine eigene Gleichung auf.
  3. Nach k auflösen: Berechne den Wert von kk für jede einzelne Gleichung.
  4. Ergebnisse vergleichen: Sind alle Werte für kk identisch, sind die Vektoren linear abhängig. Gibt es unterschiedliche Werte, sind sie linear unabhängig.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Prüfe, ob die Vektoren u=(253)\vec{u} = \begin{pmatrix} 2 \\ 5 \\ -3 \end{pmatrix} und v=(6159)\vec{v} = \begin{pmatrix} 6 \\ 15 \\ -9 \end{pmatrix} linear abhängig sind.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Vektorgleichung aufstellen

    Wir setzen an: v=ku\vec{v} = k \cdot \vec{u}

    (6159)=k(253)\begin{pmatrix} 6 \\ 15 \\ -9 \end{pmatrix} = k \cdot \begin{pmatrix} 2 \\ 5 \\ -3 \end{pmatrix}

  2. Schritt 2
    Gleichungssystem bilden

    Wir schreiben für jede Zeile eine Gleichung:

    (I):6=k2\text{(I)}: 6 = k \cdot 2

    (II):15=k5\text{(II)}: 15 = k \cdot 5

    (III):9=k(3)\text{(III)}: -9 = k \cdot (-3)

  3. Schritt 3
    Jede Gleichung nach k auflösen

    Aus (I): k=62=3k = \frac{6}{2} = 3

    Aus (II): k=155=3k = \frac{15}{5} = 3

    Aus (III): k=93=3k = \frac{-9}{-3} = 3

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ergebnisse für k vergleichen

    Alle drei Gleichungen ergeben denselben Wert: k=3k=3.

Ergebnis:

Daher sind die Vektoren linear abhängig.

Beispiel 2

Aufgabe

Sind die Vektoren a=(417)\vec{a} = \begin{pmatrix} 4 \\ 1 \\ 7 \end{pmatrix} und b=(8215)\vec{b} = \begin{pmatrix} 8 \\ 2 \\ 15 \end{pmatrix} linear abhängig?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Vektorgleichung aufstellen

    Wir setzen an: b=ka\vec{b} = k \cdot \vec{a}

    (8215)=k(417)\begin{pmatrix} 8 \\ 2 \\ 15 \end{pmatrix} = k \cdot \begin{pmatrix} 4 \\ 1 \\ 7 \end{pmatrix}

  2. Schritt 2
    Gleichungssystem bilden

    (I):8=k4\text{(I)}: 8 = k \cdot 4

    (II):2=k1\text{(II)}: 2 = k \cdot 1

    (III):15=k7\text{(III)}: 15 = k \cdot 7

  3. Schritt 3
    Jede Gleichung nach k auflösen

    Aus (I): k=84=2k = \frac{8}{4} = 2

    Aus (II): k=21=2k = \frac{2}{1} = 2

    Aus (III): k=1572,14k = \frac{15}{7} \approx 2{,}14

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ergebnisse für k vergleichen

    Die Werte für kk sind unterschiedlich (21572 \neq \frac{15}{7}).

Ergebnis:

Daher sind die Vektoren linear unabhängig.

Beispiel 3

Aufgabe

Prüfe die Vektoren c=(124)\vec{c} = \begin{pmatrix} 12 \\ -4 \end{pmatrix} und d=(31)\vec{d} = \begin{pmatrix} -3 \\ 1 \end{pmatrix} auf lineare Abhängigkeit.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Vektorgleichung aufstellen

    Wir setzen an: c=kd\vec{c} = k \cdot \vec{d}

    (124)=k(31)\begin{pmatrix} 12 \\ -4 \end{pmatrix} = k \cdot \begin{pmatrix} -3 \\ 1 \end{pmatrix}

  2. Schritt 2
    Gleichungssystem bilden

    (I):12=k(3)\text{(I)}: 12 = k \cdot (-3)

    (II):4=k1\text{(II)}: -4 = k \cdot 1

  3. Schritt 3
    Jede Gleichung nach k auflösen

    Aus (I): k=123=4k = \frac{12}{-3} = -4

    Aus (II): k=41=4k = \frac{-4}{1} = -4

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ergebnisse für k vergleichen

    Beide Gleichungen ergeben k=4k=-4.

Ergebnis:

Die Vektoren sind linear abhängig.

Beispiel 4

Aufgabe

Sind die Vektoren e=(5010)\vec{e} = \begin{pmatrix} 5 \\ 0 \\ -10 \end{pmatrix} und f=(102)\vec{f} = \begin{pmatrix} -1 \\ 0 \\ 2 \end{pmatrix} linear abhängig?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Vektorgleichung aufstellen

    Wir setzen an: e=kf\vec{e} = k \cdot \vec{f}

    (5010)=k(102)\begin{pmatrix} 5 \\ 0 \\ -10 \end{pmatrix} = k \cdot \begin{pmatrix} -1 \\ 0 \\ 2 \end{pmatrix}

  2. Schritt 2
    Gleichungssystem bilden

    (I):5=k(1)\text{(I)}: 5 = k \cdot (-1)

    (II):0=k0\text{(II)}: 0 = k \cdot 0

    (III):10=k2\text{(III)}: -10 = k \cdot 2

  3. Schritt 3
    Jede Gleichung nach k auflösen

    Aus (I): k=51=5k = \frac{5}{-1} = -5

    Aus (II): 0=00 = 0. Diese Gleichung ist immer wahr, egal was kk ist. Sie hilft uns nicht bei der Bestimmung von kk, widerspricht aber auch keinem Wert.

    Aus (III): k=102=5k = \frac{-10}{2} = -5

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ergebnisse für k vergleichen

    Die relevanten Gleichungen (I) und (III) ergeben beide k=5k=-5. Die Gleichung (II) widerspricht dem nicht.

Ergebnis:

Daher sind die Vektoren linear abhängig.

Beispiel 5

Aufgabe

Untersuche die lineare Abhängigkeit der Vektoren g=(000)\vec{g} = \begin{pmatrix} 0 \\ 0 \\ 0 \end{pmatrix} und h=(123)\vec{h} = \begin{pmatrix} 1 \\ 2 \\ 3 \end{pmatrix}.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Vektorgleichung aufstellen

    Wir setzen an: g=kh\vec{g} = k \cdot \vec{h}

    (000)=k(123)\begin{pmatrix} 0 \\ 0 \\ 0 \end{pmatrix} = k \cdot \begin{pmatrix} 1 \\ 2 \\ 3 \end{pmatrix}

  2. Schritt 2
    Gleichungssystem bilden

    (I):0=k1\text{(I)}: 0 = k \cdot 1

    (II):0=k2\text{(II)}: 0 = k \cdot 2

    (III):0=k3\text{(III)}: 0 = k \cdot 3

  3. Schritt 3
    Jede Gleichung nach k auflösen

    Aus (I): k=0k = 0

    Aus (II): k=0k = 0

    Aus (III): k=0k = 0

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ergebnisse für k vergleichen

    Alle Gleichungen ergeben k=0k=0. Die Vektoren sind linear abhängig.

    Alternative Begründung: Da einer der Vektoren der Nullvektor ist, ist die Menge der Vektoren automatisch immer linear abhängig.

Ergebnis:

Die Vektoren sind linear abhängig.

Wichtige Erkenntnisse

  • Zwei Vektoren sind linear abhängig, wenn einer ein Vielfaches des anderen ist (v=ku\vec{v} = k \cdot \vec{u}).
  • Das bedeutet, sie zeigen in die gleiche oder genau entgegengesetzte Richtung.
  • Zum Prüfen stellst du für jede Zeile eine Gleichung auf und löst sie nach kk.
  • Sind alle Werte für kk gleich, sind sie linear abhängig. Ansonsten sind sie linear unabhängig.
  • Ist der Nullvektor dabei, sind die Vektoren immer linear abhängig.

Häufige Fragen

Was ist lineare Abhängigkeit bei Vektoren?

Zwei Vektoren sind linear abhängig, wenn einer ein Vielfaches des anderen ist. Das heißt, es gibt eine Zahl k, sodass v⃗ = k · u⃗ gilt. Geometrisch bedeutet das, dass beide Vektoren in die gleiche oder in die genau entgegengesetzte Richtung zeigen – sie liegen auf derselben Geraden. Gibt es kein solches k, das für alle Komponenten passt, sind die Vektoren linear unabhängig.

Wie prüfst du, ob zwei Vektoren linear abhängig sind?

Du gehst in vier Schritten vor:

  1. Stelle die Vektorgleichung v⃗ = k · u⃗ auf.
  2. Schreibe für jede Komponente eine eigene Gleichung.
  3. Löse jede Gleichung nach k auf.
  4. Vergleiche die Werte: Sind alle identisch, sind die Vektoren linear abhängig. Gibt es unterschiedliche Werte, sind sie linear unabhängig.
Was passiert, wenn einer der Vektoren der Nullvektor ist?

Enthält die Menge einen Nullvektor, sind die Vektoren immer linear abhängig. Der Grund: Man kann den Nullvektor aus jedem anderen Vektor erzeugen, indem man ihn mit k = 0 multipliziert. Das funktioniert unabhängig davon, wie der zweite Vektor aussieht.

Was ist der Unterschied zwischen linearer Abhängigkeit und linearer Unabhängigkeit?

Bei linearer Abhängigkeit zeigen die Vektoren in die gleiche oder entgegengesetzte Richtung – einer ist ein Vielfaches des anderen. Bei linearer Unabhängigkeit zeigen sie in verschiedene Richtungen, und es gibt kein einheitliches k, das die Gleichung v⃗ = k · u⃗ für alle Zeilen erfüllt. Linear unabhängige Vektoren lassen sich nicht ineinander umrechnen.

Warum reicht es nicht, nur eine Komponente zu prüfen?

Wenn ein Vektor mehrere Komponenten hat, muss k für alle Zeilen gleichzeitig passen. Es reicht nicht, nur die erste Zeile zu prüfen, weil verschiedene Zeilen unterschiedliche Werte für k liefern können. Erst wenn alle Gleichungen dasselbe k ergeben, ist die lineare Abhängigkeit gesichert – wie Beispiel 2 mit k = 2 und k ≈ 2,14 in der dritten Zeile zeigt.

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