Normalverteilung: Wahrscheinlichkeiten mit Sigma-Regeln berechnen

Lerne, wie du Wahrscheinlichkeiten bei der Normalverteilung mit den Sigma-Regeln (68-95-99,7) ganz einfach und ohne Taschenrechner berechnest.

📅 Aktualisiert 9. September 2026⏱ 11 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Normalverteilung: Wahrscheinlichkeiten mit Sigma-Regeln berechnen

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Wenn du Wahrscheinlichkeiten bei einer Normalverteilung berechnen musst, gibt es einen genialen Trick: die Sigma-Regeln. Stell dir vor, du bist in einer Prüfung und sollst schnell eine Wahrscheinlichkeit schätzen. Während alle anderen mühsam den Taschenrechner quälen oder in Tabellen nachschlagen, kennst du diese Geheimwaffe. Mit drei einfachen Zahlen (68, 95 und 99,7) kannst du viele Aufgaben in Sekunden lösen und beeindruckst damit alle. Lerne hier, wie du Wahrscheinlichkeiten bei Normalverteilung mit Sigma-Regeln berechnen kannst und sei immer einen Schritt voraus.

Vorwissen

Bevor wir loslegen, frischen wir kurz ein paar Grundlagen auf:

  • Normalverteilung (Glockenkurve): Dies ist eine sehr häufige Art der Datenverteilung, bei der die meisten Werte in der Mitte liegen und die Werte nach außen hin seltener werden. Die grafische Darstellung sieht aus wie eine Glocke.
    • Beispiel: Die Körpergrößen von erwachsenen Männern in Deutschland sind ungefähr normalverteilt.
Glockenkurve der Normalverteilung
Glockenkurve der Normalverteilung
  • Erwartungswert μ\mu (My): Das ist der Durchschnittswert und gleichzeitig der höchste Punkt der Glockenkurve. Er gibt an, wo das Zentrum der Verteilung liegt.

    • Beispiel: Wenn die durchschnittliche Körpergröße 180 cm beträgt, ist der Erwartungswert μ=180 cm\textcolor{#08BFFF}{\mu = 180 \text{ cm}}.
  • Standardabweichung σ\sigma (Sigma): Dieses Maß gibt an, wie stark die Werte um den Erwartungswert streuen. Eine kleine Standardabweichung bedeutet, die Werte liegen sehr nah am Durchschnitt. Eine große bedeutet, sie sind weit verteilt.

    • Beispiel: Eine Standardabweichung von σ=5 cm\textcolor{#53E5D6}{\sigma = 5 \text{ cm}} bedeutet, dass die meisten Körpergrößen in einem Bereich von 175 cm bis 185 cm liegen.
  • Notation Nμ;σN_{\mu; \sigma}: Dies ist eine Kurzschreibweise für eine Normalverteilung. Sie gibt dir direkt den Erwartungswert μ\textcolor{#08BFFF}{\mu} und die Standardabweichung σ\textcolor{#53E5D6}{\sigma}.

    • Beispiel: N180;5N_{180; 5} bedeutet, wir haben eine Normalverteilung mit μ=180\textcolor{#08BFFF}{\mu = 180} und σ=5\textcolor{#53E5D6}{\sigma = 5}.

Aufgabentyp 1: Wahrscheinlichkeiten mit den Sigma-Regeln berechnen

Die Sigma-Regeln (auch empirische Regeln genannt) sind Faustregeln, um schnell Wahrscheinlichkeiten für normalverteilte Daten zu schätzen. Sie geben an, wie viel Prozent der Daten innerhalb einer bestimmten Anzahl von Standardabweichungen vom Erwartungswert liegen.

Es gibt drei Hauptregeln:

  1. 1σ1\sigma-Regel: Ungefähr 68 % aller Werte liegen im Intervall [μ−1⋅σ,μ+1⋅σ][\textcolor{#08BFFF}{\mu} - 1 \cdot \textcolor{#53E5D6}{\sigma}, \textcolor{#08BFFF}{\mu} + 1 \cdot \textcolor{#53E5D6}{\sigma}].
  2. 2σ2\sigma-Regel: Ungefähr 95 % aller Werte liegen im Intervall [μ−2⋅σ,μ+2⋅σ][\textcolor{#08BFFF}{\mu} - 2 \cdot \textcolor{#53E5D6}{\sigma}, \textcolor{#08BFFF}{\mu} + 2 \cdot \textcolor{#53E5D6}{\sigma}].
  3. 3σ3\sigma-Regel: Ungefähr 99,7 % aller Werte liegen im Intervall [μ−3⋅σ,μ+3⋅σ][\textcolor{#08BFFF}{\mu} - 3 \cdot \textcolor{#53E5D6}{\sigma}, \textcolor{#08BFFF}{\mu} + 3 \cdot \textcolor{#53E5D6}{\sigma}].
Sigma-Regeln der Normalverteilung
Sigma-Regeln der Normalverteilung

Wichtig: Die Symmetrie nutzen!

Die Glockenkurve ist perfekt symmetrisch zum Erwartungswert μ\textcolor{#08BFFF}{\text{Erwartungswert } \mu}. Das bedeutet, die linke und die rechte Hälfte sind spiegelbildlich. Das hilft uns bei Berechnungen:

  • Die Wahrscheinlichkeit für das Intervall [μ,μ+1⋅σ][\textcolor{#08BFFF}{\mu}, \textcolor{#08BFFF}{\mu} + 1 \cdot \textcolor{#53E5D6}{\sigma}] ist genau die Hälfte von 68 %, also 34 %.
  • Die Wahrscheinlichkeit für das Intervall [μ,μ+2⋅σ][\textcolor{#08BFFF}{\mu}, \textcolor{#08BFFF}{\mu} + 2 \cdot \textcolor{#53E5D6}{\sigma}] ist genau die Hälfte von 95 %, also 47,5 %.

So können wir auch Wahrscheinlichkeiten für unsymmetrische Intervalle berechnen, indem wir sie am Erwartungswert μ\mu aufteilen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Identifiziere Erwartungswert und Standardabweichung: Lies μ\mu und σ\sigma aus der Angabe ab.
  2. Rechne Intervallgrenzen in Sigma-Einheiten um: Drücke die Grenzen als μ±k⋅σ\mu \pm k \cdot \sigma aus.
  3. Wende die passende Sigma-Regel an: Lies bei symmetrischen Intervallen den Wert direkt ab oder teile asymmetrische Intervalle am Erwartungswert auf.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 0

Aufgabe

Die Füllmenge von Kaffeepackungen ist normalverteilt mit N500;10N_{500; 10} (in Gramm). Berechne die Wahrscheinlichkeit, dass eine zufällig ausgewählte Packung zwischen 490 g und 510 g wiegt.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Erwartungswert und Standardabweichung identifizieren

    Aus der Angabe N500;10N_{500; 10} lesen wir ab:

    • Erwartungswert μ=500\textcolor{#08BFFF}{\mu = 500} g
    • Standardabweichung σ=10\textcolor{#53E5D6}{\sigma = 10} g
  2. Schritt 2
    Intervallgrenzen in Sigma-Einheiten umrechnen

    Das gesuchte Intervall ist [490,510][490, 510].

    • Untere Grenze: 490=500−10=μ−1⋅σ490 = 500 - 10 = \textcolor{#08BFFF}{\mu} - 1 \cdot \textcolor{#53E5D6}{\sigma}
    • Obere Grenze: 510=500+10=μ+1⋅σ510 = 500 + 10 = \textcolor{#08BFFF}{\mu} + 1 \cdot \textcolor{#53E5D6}{\sigma}

    Das Intervall entspricht also genau der 1σ\textcolor{#9570FF}{1\sigma}-Umgebung.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Passende Sigma-Regel anwenden

    Das Intervall ist symmetrisch um den Erwartungswert. Wir wenden die 1σ1\sigma-Regel an:

    P(490≤X≤510)=P(μ−1σ≤X≤μ+1σ)≈0,68P(490 \le X \le 510) = P(\mu - 1\sigma \le X \le \mu + 1\sigma) \approx \textcolor{#9570FF}{0,68}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt ca. 68 %.

Quiz zu Normalverteilung: Teste dein Wissen

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Quizfrage 1 zu Normalverteilung

Was bedeutet die Schreibweise N180;5N_{180; 5} für eine Normalverteilung?

Quizfrage 2 zu Normalverteilung

Nur mit Account

Wie viel Prozent der Werte liegen laut den Sigma-Regeln ungefähr im Intervall [μ−2⋅σ,μ+2⋅σ][\mu - 2 \cdot \sigma, \mu + 2 \cdot \sigma]?

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Übungsaufgabe zu Normalverteilung

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Beispiel 1

Aufgabe

Die Lebensdauer von LED-Lampen sei normalverteilt mit N15000;2000N_{15000; 2000} (in Stunden). Berechne die Wahrscheinlichkeit, dass eine Lampe eine Lebensdauer zwischen 9000 und 21000 Stunden hat.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Erwartungswert und Standardabweichung identifizieren

    Aus N15000;2000N_{15000; 2000} folgt:

    • Erwartungswert μ=15000\textcolor{#08BFFF}{\mu = 15000} Stunden
    • Standardabweichung σ=2000\textcolor{#53E5D6}{\sigma = 2000} Stunden
  2. Schritt 2
    Intervallgrenzen in Sigma-Einheiten umrechnen

    Das gesuchte Intervall ist [9000,21000][9000, 21000].

    • Untere Grenze: 9000=15000−6000=μ−3⋅2000=μ−3σ9000 = 15000 - 6000 = \textcolor{#08BFFF}{\mu} - 3 \cdot \textcolor{#53E5D6}{2000} = \mu - 3\sigma
    • Obere Grenze: 21000=15000+6000=μ+3⋅2000=μ+3σ21000 = 15000 + 6000 = \textcolor{#08BFFF}{\mu} + 3 \cdot \textcolor{#53E5D6}{2000} = \mu + 3\sigma

    Das Intervall entspricht der 3σ\textcolor{#9570FF}{3\sigma}-Umgebung.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Passende Sigma-Regel anwenden

    Das Intervall ist symmetrisch. Wir wenden die 3σ3\sigma-Regel an:

    P(9000≤X≤21000)=P(μ−3σ≤X≤μ+3σ)≈0,997P(9000 \le X \le 21000) = P(\mu - 3\sigma \le X \le \mu + 3\sigma) \approx \textcolor{#9570FF}{0,997}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt ca. 99,7 %.

Beispiel 2

Aufgabe

Der IQ-Wert in einer Population ist normalverteilt mit N100;15N_{100; 15}. Berechne die Wahrscheinlichkeit, dass eine zufällig ausgewählte Person einen IQ zwischen 70 und 115 hat.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Erwartungswert und Standardabweichung identifizieren

    Aus N100;15N_{100; 15} folgt:

    • Erwartungswert μ=100\textcolor{#08BFFF}{\mu = 100}
    • Standardabweichung σ=15\textcolor{#53E5D6}{\sigma = 15}
  2. Schritt 2
    Intervallgrenzen in Sigma-Einheiten umrechnen

    Das gesuchte Intervall ist [70,115][70, 115].

    • Untere Grenze: 70=100−30=μ−2⋅15=μ−2σ70 = 100 - 30 = \textcolor{#08BFFF}{\mu} - 2 \cdot \textcolor{#53E5D6}{15} = \mu - 2\sigma
    • Obere Grenze: 115=100+15=μ+1⋅15=μ+1σ115 = 100 + 15 = \textcolor{#08BFFF}{\mu} + 1 \cdot \textcolor{#53E5D6}{15} = \mu + 1\sigma

    Das Intervall ist [μ−2σ,μ+1σ][\mu - 2\sigma, \mu + 1\sigma] und damit asymmetrisch.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Passende Sigma-Regel anwenden (asymmetrischer Fall)

    Wir teilen das Intervall am Erwartungswert μ=100\mu=100 auf: P(70≤X≤115)=P(70≤X≤100)+P(100≤X≤115)P(70 \le X \le 115) = P(70 \le X \le 100) + P(100 \le X \le 115)

    Nun berechnen wir die Wahrscheinlichkeit für jeden Teil:

    • Teil 1: P(70≤X≤100)=P(μ−2σ≤X≤μ)P(70 \le X \le 100) = P(\mu - 2\sigma \le X \le \mu) Das ist die Hälfte der 2σ2\sigma-Umgebung: 12⋅P(μ−2σ≤X≤μ+2σ)≈0,952=0,475\frac{1}{2} \cdot P(\mu - 2\sigma \le X \le \mu + 2\sigma) \approx \frac{0,95}{2} = 0,475

    • Teil 2: P(100≤X≤115)=P(μ≤X≤μ+1σ)P(100 \le X \le 115) = P(\mu \le X \le \mu + 1\sigma) Das ist die Hälfte der 1σ1\sigma-Umgebung: 12⋅P(μ−1σ≤X≤μ+1σ)≈0,682=0,34\frac{1}{2} \cdot P(\mu - 1\sigma \le X \le \mu + 1\sigma) \approx \frac{0,68}{2} = 0,34

    Jetzt addieren wir beide Teile: P(70≤X≤115)≈0,475+0,34=0,815P(70 \le X \le 115) \approx 0,475 + 0,34 = \textcolor{#9570FF}{0,815}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt ca. 81,5 %.

Beispiel 3

Aufgabe

Eine Maschine füllt Zuckertüten. Das Gewicht ist normalverteilt mit N1000;4N_{1000; 4} (in Gramm). Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Tüte mehr als 1008 g enthält?

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Erwartungswert und Standardabweichung identifizieren

    Aus N1000;4N_{1000; 4} folgt:

    • Erwartungswert μ=1000\textcolor{#08BFFF}{\mu = 1000} g
    • Standardabweichung σ=4\textcolor{#53E5D6}{\sigma = 4} g
  2. Schritt 2
    Intervallgrenzen in Sigma-Einheiten umrechnen

    Wir suchen die Wahrscheinlichkeit für X>1008X > 1008. Die Grenze ist 1008. 1008=1000+8=μ+2⋅4=μ+2σ1008 = 1000 + 8 = \textcolor{#08BFFF}{\mu} + 2 \cdot \textcolor{#53E5D6}{4} = \mu + 2\sigma

    Wir suchen also P(X>μ+2σ)P(X > \mu + 2\sigma). Dies ist der rechte "Schwanz" der Verteilung.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Passende Sigma-Regel anwenden (Symmetrie nutzen)

    Die Gesamtfläche unter der Kurve ist 1 (oder 100 %). Die Fläche links vom Erwartungswert μ\mu ist 0,5 (oder 50 %).

    Wir wissen, dass das Intervall [μ−2σ,μ+2σ][\mu - 2\sigma, \mu + 2\sigma] eine Wahrscheinlichkeit von ca. 95 % hat. Wegen der Symmetrie hat das Intervall [μ,μ+2σ][\mu, \mu + 2\sigma] die halbe Wahrscheinlichkeit, also 0,95/2=0,4750,95 / 2 = 0,475.

    Die Wahrscheinlichkeit, links von μ+2σ\mu + 2\sigma zu sein, ist die Summe der linken Hälfte und diesem Teilintervall: P(X≤μ+2σ)=P(X≤μ)+P(μ≤X≤μ+2σ)≈0,5+0,475=0,975P(X \le \mu + 2\sigma) = P(X \le \mu) + P(\mu \le X \le \mu + 2\sigma) \approx 0,5 + 0,475 = 0,975

    Die gesuchte Wahrscheinlichkeit ist der Rest: P(X>μ+2σ)=1−P(X≤μ+2σ)≈1−0,975=0,025P(X > \mu + 2\sigma) = 1 - P(X \le \mu + 2\sigma) \approx 1 - 0,975 = \textcolor{#9570FF}{0,025}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt ca. 2,5 %.

Beispiel 4

Aufgabe

Die Reaktionszeit eines Autofahrers sei normalverteilt mit N0,8;0,1N_{0,8; 0,1} (in Sekunden). Berechne die Wahrscheinlichkeit, dass die Reaktionszeit zwischen 0,7 s und 0,9 s liegt.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Erwartungswert und Standardabweichung identifizieren

    Aus N0,8;0,1N_{0,8; 0,1} folgt:

    • Erwartungswert μ=0,8\textcolor{#08BFFF}{\mu = 0,8} s
    • Standardabweichung σ=0,1\textcolor{#53E5D6}{\sigma = 0,1} s
  2. Schritt 2
    Intervallgrenzen in Sigma-Einheiten umrechnen

    Das gesuchte Intervall ist [0,7,0,9][0,7, 0,9].

    • Untere Grenze: 0,7=0,8−0,1=μ−1⋅σ0,7 = 0,8 - 0,1 = \textcolor{#08BFFF}{\mu} - 1 \cdot \textcolor{#53E5D6}{\sigma}
    • Obere Grenze: 0,9=0,8+0,1=μ+1⋅σ0,9 = 0,8 + 0,1 = \textcolor{#08BFFF}{\mu} + 1 \cdot \textcolor{#53E5D6}{\sigma}

    Das Intervall entspricht genau der 1σ\textcolor{#9570FF}{1\sigma}-Umgebung.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Passende Sigma-Regel anwenden

    Das Intervall ist symmetrisch. Wir wenden die 1σ1\sigma-Regel an:

    P(0,7≤X≤0,9)=P(μ−1σ≤X≤μ+1σ)≈0,68P(0,7 \le X \le 0,9) = P(\mu - 1\sigma \le X \le \mu + 1\sigma) \approx \textcolor{#9570FF}{0,68}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt ca. 68 %.


Aufgabentyp 2: Intervall aus Wahrscheinlichkeit bestimmen

Manchmal ist es genau andersherum: Du hast eine Wahrscheinlichkeit gegeben und sollst das passende symmetrische Intervall um den Erwartungswert finden.

Auch hier helfen die Sigma-Regeln, nur dass du sie jetzt rückwärts anwendest:

  • Wenn die Wahrscheinlichkeit ca. 68 % (oder 0,68) beträgt, suchst du die 1σ1\sigma-Umgebung: [μ−1σ,μ+1σ][\textcolor{#08BFFF}{\mu} - 1\textcolor{#53E5D6}{\sigma}, \textcolor{#08BFFF}{\mu} + 1\textcolor{#53E5D6}{\sigma}].
  • Wenn die Wahrscheinlichkeit ca. 95 % (oder 0,95) beträgt, suchst du die 2σ2\sigma-Umgebung: [μ−2σ,μ+2σ][\textcolor{#08BFFF}{\mu} - 2\textcolor{#53E5D6}{\sigma}, \textcolor{#08BFFF}{\mu} + 2\textcolor{#53E5D6}{\sigma}].
  • Wenn die Wahrscheinlichkeit ca. 99,7 % (oder 0,997) beträgt, suchst du die 3σ3\sigma-Umgebung: [μ−3σ,μ+3σ][\textcolor{#08BFFF}{\mu} - 3\textcolor{#53E5D6}{\sigma}, \textcolor{#08BFFF}{\mu} + 3\textcolor{#53E5D6}{\sigma}].

Hinweis: Manchmal werden präzisere Werte wie 68,3 % oder 95,4 % verwendet. Das Prinzip bleibt aber dasselbe.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Identifiziere Erwartungswert und Standardabweichung: Lies μ\mu und σ\sigma aus der Aufgabenstellung ab.
  2. Ordne die Wahrscheinlichkeit zu: Finde heraus, ob die gegebene Wahrscheinlichkeit zur 1σ1\sigma-, 2σ2\sigma- oder 3σ3\sigma-Regel gehört.
  3. Berechne die Intervallgrenzen: Setze μ\mu und σ\sigma in die Formel μ±k⋅σ\mu \pm k \cdot \sigma ein und gib das Intervall an.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 0

Aufgabe

Eine Zufallsgröße X ist normalverteilt mit N150;5N_{150; 5}. Bestimme das symmetrische Intervall, in dem die Werte von X mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 95 % liegen.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Erwartungswert und Standardabweichung identifizieren

    Aus N150;5N_{150; 5} lesen wir ab:

    • Erwartungswert μ=150\textcolor{#08BFFF}{\mu = 150}
    • Standardabweichung σ=5\textcolor{#53E5D6}{\sigma = 5}
  2. Schritt 2
    Wahrscheinlichkeit der passenden Sigma-Regel zuordnen

    Die gegebene Wahrscheinlichkeit ist 95 %. Das entspricht der 2σ2\sigma-Regel.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Intervallgrenzen berechnen

    Wir verwenden die Formel für die 2σ2\sigma-Umgebung: [μ−2σ,μ+2σ][\textcolor{#08BFFF}{\mu} - 2\textcolor{#53E5D6}{\sigma}, \textcolor{#08BFFF}{\mu} + 2\textcolor{#53E5D6}{\sigma}].

    • Untere Grenze: 150−2⋅5=150−10=140150 - 2 \cdot 5 = 150 - 10 = 140
    • Obere Grenze: 150+2⋅5=150+10=160150 + 2 \cdot 5 = 150 + 10 = 160
Ergebnis:

Das gesuchte Intervall ist [140,160][140, 160].

Beispiel 1

Aufgabe

Die Körpergröße von Frauen einer bestimmten Altersgruppe ist normalverteilt mit N165;6N_{165; 6} (in cm). In welchem symmetrischen Bereich liegen die Körpergrößen von ca. 68 % dieser Frauen?

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Erwartungswert und Standardabweichung identifizieren

    Aus N165;6N_{165; 6} folgt:

    • Erwartungswert μ=165\textcolor{#08BFFF}{\mu = 165} cm
    • Standardabweichung σ=6\textcolor{#53E5D6}{\sigma = 6} cm
  2. Schritt 2
    Wahrscheinlichkeit der passenden Sigma-Regel zuordnen

    Die gegebene Wahrscheinlichkeit ist 68 %. Das entspricht der 1σ1\sigma-Regel.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Intervallgrenzen berechnen

    Wir verwenden die Formel für die 1σ1\sigma-Umgebung: [μ−1σ,μ+1σ][\textcolor{#08BFFF}{\mu} - 1\textcolor{#53E5D6}{\sigma}, \textcolor{#08BFFF}{\mu} + 1\textcolor{#53E5D6}{\sigma}].

    • Untere Grenze: 165−1⋅6=159165 - 1 \cdot 6 = 159
    • Obere Grenze: 165+1⋅6=171165 + 1 \cdot 6 = 171
Ergebnis:

Der gesuchte Bereich ist [159 cm,171 cm][159 \text{ cm}, 171 \text{ cm}].

Beispiel 2

Aufgabe

Die Schraubenlänge aus einer Produktion ist normalverteilt mit N50;0,2N_{50; 0,2} (in mm). Der Hersteller garantiert, dass 99,7 % der Schrauben innerhalb eines bestimmten Toleranzbereichs liegen. Wie lautet dieses symmetrische Intervall?

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Erwartungswert und Standardabweichung identifizieren

    Aus N50;0,2N_{50; 0,2} folgt:

    • Erwartungswert μ=50\textcolor{#08BFFF}{\mu = 50} mm
    • Standardabweichung σ=0,2\textcolor{#53E5D6}{\sigma = 0,2} mm
  2. Schritt 2
    Wahrscheinlichkeit der passenden Sigma-Regel zuordnen

    Die gegebene Wahrscheinlichkeit ist 99,7 %. Das entspricht der 3σ3\sigma-Regel.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Intervallgrenzen berechnen

    Wir verwenden die Formel für die 3σ3\sigma-Umgebung: [μ−3σ,μ+3σ][\textcolor{#08BFFF}{\mu} - 3\textcolor{#53E5D6}{\sigma}, \textcolor{#08BFFF}{\mu} + 3\textcolor{#53E5D6}{\sigma}].

    • Untere Grenze: 50−3⋅0,2=50−0,6=49,450 - 3 \cdot 0,2 = 50 - 0,6 = 49,4
    • Obere Grenze: 50+3⋅0,2=50+0,6=50,650 + 3 \cdot 0,2 = 50 + 0,6 = 50,6
Ergebnis:

Das Toleranzintervall ist [49,4 mm,50,6 mm][49,4 \text{ mm}, 50,6 \text{ mm}].

Beispiel 3

Aufgabe

Eine Zufallsgröße Y ist normalverteilt mit N200;25N_{200; 25}. Bestimme das symmetrische Intervall, in dem die Werte von Y mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 68,3 % liegen.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Erwartungswert und Standardabweichung identifizieren

    Aus N200;25N_{200; 25} folgt:

    • Erwartungswert μ=200\textcolor{#08BFFF}{\mu = 200}
    • Standardabweichung σ=25\textcolor{#53E5D6}{\sigma = 25}
  2. Schritt 2
    Wahrscheinlichkeit der passenden Sigma-Regel zuordnen

    Die gegebene Wahrscheinlichkeit ist 68,3 %. Dies ist eine genauere Angabe für die 1σ1\sigma-Regel.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Intervallgrenzen berechnen

    Wir verwenden die Formel für die 1σ1\sigma-Umgebung: [μ−1σ,μ+1σ][\textcolor{#08BFFF}{\mu} - 1\textcolor{#53E5D6}{\sigma}, \textcolor{#08BFFF}{\mu} + 1\textcolor{#53E5D6}{\sigma}].

    • Untere Grenze: 200−1⋅25=175200 - 1 \cdot 25 = 175
    • Obere Grenze: 200+1⋅25=225200 + 1 \cdot 25 = 225
Ergebnis:

Das gesuchte Intervall ist [175,225][175, 225].

Beispiel 4

Aufgabe

Das Gewicht von neugeborenen Babys sei normalverteilt mit N3400;500N_{3400; 500} (in Gramm). In welchem symmetrischen Intervall liegt das Gewicht von ca. 95,4 % aller Neugeborenen?

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Erwartungswert und Standardabweichung identifizieren

    Aus N3400;500N_{3400; 500} folgt:

    • Erwartungswert μ=3400\textcolor{#08BFFF}{\mu = 3400} g
    • Standardabweichung σ=500\textcolor{#53E5D6}{\sigma = 500} g
  2. Schritt 2
    Wahrscheinlichkeit der passenden Sigma-Regel zuordnen

    Die gegebene Wahrscheinlichkeit ist 95,4 %. Dies ist eine genauere Angabe für die 2σ2\sigma-Regel.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Intervallgrenzen berechnen

    Wir verwenden die Formel für die 2σ2\sigma-Umgebung: [μ−2σ,μ+2σ][\textcolor{#08BFFF}{\mu} - 2\textcolor{#53E5D6}{\sigma}, \textcolor{#08BFFF}{\mu} + 2\textcolor{#53E5D6}{\sigma}].

    • Untere Grenze: 3400−2⋅500=3400−1000=24003400 - 2 \cdot 500 = 3400 - 1000 = 2400
    • Obere Grenze: 3400+2⋅500=3400+1000=44003400 + 2 \cdot 500 = 3400 + 1000 = 4400
Ergebnis:

Das gesuchte Intervall ist [2400 g,4400 g][2400 \text{ g}, 4400 \text{ g}].


Wichtige Erkenntnisse

  • Die Sigma-Regeln sind schnelle Faustregeln für Normalverteilungen.
  • 1σ1\sigma-Regel: ca. 68 % der Werte liegen im Intervall [μ±σ][\mu \pm \sigma].
  • 2σ2\sigma-Regel: ca. 95 % der Werte liegen im Intervall [μ±2σ][\mu \pm 2\sigma].
  • 3σ3\sigma-Regel: ca. 99,7 % der Werte liegen im Intervall [μ±3σ][\mu \pm 3\sigma].
  • Die Symmetrie der Glockenkurve ist dein wichtigstes Werkzeug. Die Wahrscheinlichkeit für die halben Intervalle (z. B. [μ,μ+σ][\mu, \mu+\sigma]) ist genau die Hälfte der Wahrscheinlichkeit des ganzen Intervalls.
  • Bei asymmetrischen Intervallen zerlegst du sie am Erwartungswert μ\mu und addierst die Wahrscheinlichkeiten der beiden Teile.

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Häufige Fragen

Was sind die Sigma-Regeln bei der Normalverteilung?

Die Sigma-Regeln (auch empirische Regeln genannt) sind Faustregeln für die Normalverteilung. Sie besagen, dass ca. 68 % der Werte innerhalb einer Standardabweichung vom Erwartungswert liegen, 95 % innerhalb von zwei und 99,7 % innerhalb von drei Standardabweichungen.

Wie wende ich die 1-Sigma-Regel an?

Bei der 1-Sigma-Regel rechnest du den Erwartungswert plus und minus eine Standardabweichung. In diesem symmetrischen Intervall befinden sich ungefähr 68 % aller Daten einer normalverteilten Größe.

Was mache ich bei asymmetrischen Intervallen?

Bei asymmetrischen Intervallen nutzt du die Symmetrie der Glockenkurve. Du teilst das Intervall am Erwartungswert in zwei Hälften auf, berechnest die Wahrscheinlichkeit für jede Seite einzeln (indem du die Hauptregel halbierst) und addierst die Ergebnisse.

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