Hast du dich jemals gefragt, wie Spieleentwickler die Beute in einer Schatzkiste (Lootbox) festlegen? Oder warum bei einem Glücksrad der Hauptgewinn so selten ist? Das ist keine Magie, sondern reine Mathematik! Dahinter stecken diskrete Zufallsgrößen und Wahrscheinlichkeitsverteilungen. Sie sind das Geheimrezept, um die Regeln von Zufall und Glück zu verstehen und sogar vorherzusagen. Wenn du dieses Wissen kennst, kannst du nicht nur die Fairness von Spielen durchschauen, sondern auch verstehen, wie Versicherungen Risiken berechnen oder wie man in der Wissenschaft Daten analysiert.
Schnellantwort
Eine diskrete Zufallsgröße ist eine Funktion, die jedem Ergebnis eines Zufallsexperiments eine Zahl zuordnet. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung zeigt, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Zufallsgröße jeden ihrer möglichen Werte annimmt. Die wichtigste Regel: Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten in einer Wahrscheinlichkeitsverteilung ist immer 1.
Vorwissen
Bevor wir starten, wiederholen wir kurz ein paar Grundlagen:
-
Zufallsexperiment: Ein Vorgang mit einem unvorhersehbaren Ergebnis.
- Beispiel: Das Werfen einer Münze.
-
Ergebnismenge : Die Menge aller möglichen Ergebnisse eines Zufallsexperiments.
- Beispiel: Beim Würfeln eines normalen Würfels ist die Ergebnismenge .
-
Laplace-Wahrscheinlichkeit: Wenn alle Ergebnisse gleich wahrscheinlich sind, berechnet sich die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses E so:
- Formel:
- Beispiel: Die Wahrscheinlichkeit, eine 6 zu würfeln, ist .
-
Baumdiagramm und Pfadregeln: Ein Baumdiagramm hilft bei mehrstufigen Zufallsexperimenten.
- 1. Pfadregel (Produktregel): Die Wahrscheinlichkeit eines Ergebnisses erhältst du, indem du die Wahrscheinlichkeiten entlang des Pfades multiplizierst.
- 2. Pfadregel (Summenregel): Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses, das durch mehrere Pfade dargestellt wird, ist die Summe der Wahrscheinlichkeiten dieser einzelnen Pfade.
Aufgabentyp 1: Bestimmen des Ergebnisraums einer Zufallsgröße
Stell dir ein Zufallsexperiment vor, wie das Werfen von zwei Würfeln. Die Ergebnisse sind Paare wie (1, 1), (1, 2) usw. Das ist oft unhandlich.
Eine Zufallsgröße (oft mit einem Großbuchstaben wie bezeichnet) ist eine Art „Übersetzer". Sie ordnet jedem Ergebnis eines Zufallsexperiments eine bestimmte Zahl zu.
Die Menge aller Zahlen, die die Zufallsgröße annehmen kann, nennt man ihren Wertebereich oder Ergebnisraum.
Beispiel:
- Zufallsexperiment: Werfen von zwei Münzen. Ergebnisse sind {KK, KZ, ZK, ZZ}.
- Zufallsgröße X: „Anzahl der Köpfe".
- Übersetzung:
- KK 2
- KZ 1
- ZK 1
- ZZ 0
- Der Wertebereich von ist also die Menge aller möglichen Zahlen: .
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Alle Ergebnisse des Experiments auflisten: Notiere alle möglichen Ergebnisse des beschriebenen Zufallsexperiments. Bei zwei Würfeln sind das zum Beispiel alle Zahlenpaare von (1,1) bis (6,6).
- Die Regel der Zufallsgröße verstehen: Lies genau, was die Zufallsgröße beschreibt. Ist es die Summe, die Differenz, das Produkt oder etwas anderes?
- Die Regel auf jedes Ergebnis anwenden: Gehe deine Liste der Ergebnisse durch und berechne für jedes Ergebnis den Wert, den die Zufallsgröße ihm zuordnet.
- Alle einzigartigen Werte sammeln: Schreibe alle berechneten Zahlenwerte auf. Jede Zahl, die mehrfach vorkommt, wird nur einmal notiert. Diese Sammlung ist der gesuchte Wertebereich (Ergebnisraum) der Zufallsgröße.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Es werden zwei normale sechsseitige Würfel geworfen. Bestimme, welche Werte die Zufallsgröße : „Die Summe der Augenzahlen" annehmen kann.
- Schritt 1Alle Ergebnisse des Experiments auflisten
Die möglichen Ergebnisse sind alle Zahlenpaare. Der erste Würfel kann die Zahlen 1 bis 6 zeigen, der zweite ebenfalls. Beispiele für Ergebnisse sind (1,1), (1,2), (2,1), ..., (6,6).
- Schritt 2Die Regel der Zufallsgröße verstehen
Die Zufallsgröße ist als die Summe der beiden Augenzahlen definiert.
- Schritt 3Die Regel auf jedes Ergebnis anwenden
Wir berechnen die Summe für die extremsten Fälle, um den Bereich zu finden:
- Kleinste mögliche Summe:
- Größte mögliche Summe:
Alle anderen Summen liegen dazwischen. Zum Beispiel: , , usw.
- Schritt 4 · ErgebnisAlle einzigartigen Werte sammeln
Wir sammeln alle möglichen Summen, die auftreten können. Das sind alle ganzen Zahlen von der kleinsten bis zur größten Summe.
Der Wertebereich von ist also .
Beispiel 2
Eine Münze wird dreimal geworfen. Bestimme den Wertebereich der Zufallsgröße : „Anzahl der Würfe, die ‚Kopf' zeigen".
- Schritt 1Alle Ergebnisse des Experiments auflisten
Die möglichen Ergebnisse bei drei Würfen sind (K=Kopf, Z=Zahl): KKK, KKZ, KZK, ZKK, KZZ, ZKZ, ZZK, ZZZ
- Schritt 2Die Regel der Zufallsgröße verstehen
Die Zufallsgröße zählt, wie oft ‚Kopf' in einem Ergebnis vorkommt.
- Schritt 3Die Regel auf jedes Ergebnis anwenden
- KKK 3
- KKZ, KZK, ZKK 2
- KZZ, ZKZ, ZZK 1
- ZZZ 0
- Schritt 4 · ErgebnisAlle einzigartigen Werte sammeln
Die möglichen Anzahlen für ‚Kopf' sind 0, 1, 2 und 3.
Der Wertebereich von ist also .
Beispiel 3
Aus einer Urne mit 2 roten und 3 blauen Kugeln werden zwei Kugeln ohne Zurücklegen gezogen. Bestimme den Wertebereich der Zufallsgröße : „Anzahl der gezogenen roten Kugeln".
- Schritt 1Alle Ergebnisse des Experiments auflisten
Die möglichen Ergebnisse sind Paare von Farben (r=rot, b=blau): (r, r), (r, b), (b, r), (b, b)
- Schritt 2Die Regel der Zufallsgröße verstehen
Die Zufallsgröße zählt die Anzahl der roten Kugeln in einem Ergebnis.
- Schritt 3Die Regel auf jedes Ergebnis anwenden
- (r, r) 2 rote Kugeln
- (r, b) 1 rote Kugel
- (b, r) 1 rote Kugel
- (b, b) 0 rote Kugeln
- Schritt 4 · ErgebnisAlle einzigartigen Werte sammeln
Die möglichen Anzahlen für rote Kugeln sind 0, 1 und 2.
Der Wertebereich von ist also .
Beispiel 4
Ein Glücksrad hat drei gleich große Sektoren mit den Zahlen 1, 2 und 5. Das Rad wird zweimal gedreht. Bestimme den Wertebereich der Zufallsgröße : „Das Produkt der beiden gedrehten Zahlen".
- Schritt 1Alle Ergebnisse des Experiments auflisten
Die möglichen Zahlenpaare sind: (1,1), (1,2), (1,5) (2,1), (2,2), (2,5) (5,1), (5,2), (5,5)
- Schritt 2Die Regel der Zufallsgröße verstehen
Die Zufallsgröße ist das Produkt der beiden Zahlen.
- Schritt 3Die Regel auf jedes Ergebnis anwenden
- Schritt 4 · ErgebnisAlle einzigartigen Werte sammeln
Wir sammeln alle unterschiedlichen Produkte: 1, 2, 4, 5, 10, 25
Der Wertebereich von ist also .
Beispiel 5
Zwei Tetraeder-Würfel (vier Seiten, beschriftet mit 1, 2, 3, 4) werden geworfen. Bestimme den Wertebereich der Zufallsgröße : „Die positive Differenz der beiden Augenzahlen".
- Schritt 1Alle Ergebnisse des Experiments auflisten
Die Ergebnisse sind Zahlenpaare von (1,1) bis (4,4).
- Schritt 2Die Regel der Zufallsgröße verstehen
Die Zufallsgröße ist die positive Differenz, also der Betrag der Differenz .
- Schritt 3Die Regel auf jedes Ergebnis anwenden
Wir suchen die kleinste und größte mögliche Differenz:
- Kleinste Differenz: z.B. bei (1,1)
- Größte Differenz: z.B. bei (4,1)
Andere mögliche Differenzen sind:
- z.B. bei (2,1)
- z.B. bei (3,1)
- Schritt 4 · ErgebnisAlle einzigartigen Werte sammeln
Die möglichen positiven Differenzen sind 0, 1, 2 und 3.
Der Wertebereich von ist also .
Aufgabentyp 2: Bestimmen der Wahrscheinlichkeitsverteilung im Sachkontext
Nachdem wir wissen, welche Werte eine Zufallsgröße annehmen kann, wollen wir nun wissen: Wie wahrscheinlich ist jeder dieser Werte?
Die Wahrscheinlichkeitsverteilung einer Zufallsgröße ist eine Tabelle oder ein Diagramm, das jedem möglichen Wert von seine genaue Wahrscheinlichkeit zuordnet.
Eine wichtige Regel dabei ist: Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten in einer Verteilung muss immer 1 (oder 100%) ergeben.
Beispiel-Tabelle für eine Zufallsgröße X:
Kontrolle: . Die Verteilung ist gültig.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Wertebereich der Zufallsgröße bestimmen: Finde zuerst alle möglichen Werte , die die Zufallsgröße annehmen kann. Das wird die erste Zeile deiner Tabelle.
- Alle Ergebnisse des Experiments auflisten: Schreibe alle möglichen Ergebnisse des zugrundeliegenden Zufallsexperiments auf (z.B. alle Würfelpaare, alle Münzwurfkombinationen).
- Wahrscheinlichkeit für jeden Wert berechnen: Gehe jeden Wert aus Schritt 1 durch. Finde alle Ergebnisse, die zu diesem Wert führen, zähle sie und berechne .
- Wahrscheinlichkeitstabelle erstellen: Trage die Werte und die zugehörigen Wahrscheinlichkeiten in eine zweizeilige Tabelle ein.
- Probe durchführen: Addiere alle Wahrscheinlichkeiten in der zweiten Zeile. Das Ergebnis muss 1 sein. Wenn nicht, hast du dich irgendwo verrechnet.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Das abgebildete Glücksrad mit drei gleich großen Sektoren (1, 2, 3) wird zweimal gedreht. Die Zufallsgröße beschreibt das Produkt der beiden gedrehten Zahlen. Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung von in Form einer Tabelle.

- Schritt 1Wertebereich der Zufallsgröße bestimmen
Die möglichen Produkte sind: , , , , , . Wir müssen auch die umgekehrten Reihenfolgen betrachten, die aber zu denselben Produkten führen (z.B. ). Der Wertebereich von ist also .
- Schritt 2Alle Ergebnisse des Experiments auflisten
Es gibt mögliche Ergebnispaare, die alle gleich wahrscheinlich sind (Wahrscheinlichkeit je ): (1,1), (1,2), (1,3) (2,1), (2,2), (2,3) (3,1), (3,2), (3,3)
- Schritt 3Wahrscheinlichkeit für jeden Wert berechnen
- Für N=1: Nur das Ergebnis (1,1) führt zu 1.
- Für N=2: Die Ergebnisse (1,2) und (2,1) führen zu 2.
- Für N=3: Die Ergebnisse (1,3) und (3,1) führen zu 3.
- Für N=4: Nur das Ergebnis (2,2) führt zu 4.
- Für N=6: Die Ergebnisse (2,3) und (3,2) führen zu 6.
- Für N=9: Nur das Ergebnis (3,3) führt zu 9.
- Schritt 4 · ErgebnisWahrscheinlichkeitstabelle erstellen
. Die Berechnung stimmt.
Beispiel 2
Zwei faire Würfel werden geworfen. Die Zufallsgröße ist die Summe der Augenzahlen. Erstelle die Wahrscheinlichkeitsverteilung von .
- Schritt 1Wertebereich der Zufallsgröße bestimmen
Wie im ersten Aufgabentyp gesehen, ist der Wertebereich von die Menge .
- Schritt 2Alle Ergebnisse des Experiments auflisten
Es gibt mögliche Würfelpaare, von (1,1) bis (6,6).
- Schritt 3Wahrscheinlichkeit für jeden Wert berechnen
- Für S=2: Nur (1,1) 1 Fall
- Für S=3: (1,2), (2,1) 2 Fälle
- Für S=4: (1,3), (2,2), (3,1) 3 Fälle
- Für S=5: (1,4), (2,3), (3,2), (4,1) 4 Fälle
- Für S=6: (1,5), (2,4), (3,3), (4,2), (5,1) 5 Fälle
- Für S=7: (1,6), (2,5), (3,4), (4,3), (5,2), (6,1) 6 Fälle
- Für S=8: (2,6), (3,5), (4,4), (5,3), (6,2) 5 Fälle
- Für S=9: (3,6), (4,5), (5,4), (6,3) 4 Fälle
- Für S=10: (4,6), (5,5), (6,4) 3 Fälle
- Für S=11: (5,6), (6,5) 2 Fälle
- Für S=12: Nur (6,6) 1 Fall
- Schritt 4 · ErgebnisWahrscheinlichkeitstabelle erstellen
Die Summe der Zähler ist . Die Gesamtwahrscheinlichkeit ist .
Beispiel 3
Eine faire Münze wird dreimal geworfen. Die Zufallsgröße zählt die Anzahl der Köpfe. Erstelle die Wahrscheinlichkeitsverteilung von .
- Schritt 1Wertebereich der Zufallsgröße bestimmen
Der Wertebereich ist .
- Schritt 2Alle Ergebnisse des Experiments auflisten
Es gibt mögliche Ergebnisse: KKK, KKZ, KZK, ZKK, KZZ, ZKZ, ZZK, ZZZ.
- Schritt 3Wahrscheinlichkeit für jeden Wert berechnen
- Für K=0: Nur ZZZ 1 Fall
- Für K=1: KZZ, ZKZ, ZZK 3 Fälle
- Für K=2: KKZ, KZK, ZKK 3 Fälle
- Für K=3: Nur KKK 1 Fall
- Schritt 4 · ErgebnisWahrscheinlichkeitstabelle erstellen
. Die Berechnung stimmt.
Beispiel 4
In einem Hut sind 5 Karten, nummeriert von 1 bis 5. Es werden zwei Karten mit Zurücklegen gezogen. Die Zufallsgröße sei die größere der beiden gezogenen Zahlen (sind die Zahlen gleich, ist es diese Zahl). Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung von .
- Schritt 1Wertebereich der Zufallsgröße bestimmen
Die größte gezogene Zahl kann jede der Zahlen auf den Karten sein. Der Wertebereich ist also .
- Schritt 2Alle Ergebnisse des Experiments auflisten
Es gibt mögliche Zahlenpaare, da mit Zurücklegen gezogen wird.
- Schritt 3Wahrscheinlichkeit für jeden Wert berechnen
- Für X=1: Nur (1,1) 1 Fall
- Für X=2: (1,2), (2,1), (2,2) 3 Fälle
- Für X=3: (1,3), (2,3), (3,1), (3,2), (3,3) 5 Fälle
- Für X=4: (1,4), (2,4), (3,4), (4,1), (4,2), (4,3), (4,4) 7 Fälle
- Für X=5: (1,5), (2,5), (3,5), (4,5), (5,1), (5,2), (5,3), (5,4), (5,5) 9 Fälle
- Schritt 4 · ErgebnisWahrscheinlichkeitstabelle erstellen
. Die Berechnung stimmt.
Beispiel 5
Ein Geschäft hat 4 Überraschungstüten. 1 Tüte enthält einen Hauptpreis (H), 3 Tüten enthalten eine Niete (N). Du kaufst zwei Tüten. Die Zufallsgröße beschreibt die Anzahl der Hauptpreise. Erstelle die Wahrscheinlichkeitsverteilung von .
- Schritt 1Wertebereich der Zufallsgröße bestimmen
Du kannst entweder keinen Hauptpreis (0) oder einen Hauptpreis (1) bekommen. Es ist unmöglich, zwei Hauptpreise zu ziehen, da es nur einen gibt. Der Wertebereich ist also .
- Schritt 2Alle Ergebnisse des Experiments auflisten
Dies ist ein Ziehen ohne Zurücklegen. Die Gesamtzahl der Möglichkeiten, 2 aus 4 Tüten zu wählen, ist .
- Schritt 3Wahrscheinlichkeit für jeden Wert berechnen
-
Für G=1 (ein Hauptpreis): Du musst die eine Hauptpreis-Tüte und eine der drei Nieten-Tüten ziehen. Dafür gibt es Möglichkeiten.
-
Für G=0 (kein Hauptpreis): Du musst zwei der drei Nieten-Tüten ziehen. Dafür gibt es Möglichkeiten.
-
- Schritt 4 · ErgebnisWahrscheinlichkeitstabelle erstellen
. Die Berechnung stimmt.
Aufgabentyp 3: Bestimmen der Wahrscheinlichkeitsverteilung mit einem Baumdiagramm
Bei mehrstufigen Zufallsexperimenten, besonders wenn sie ohne Zurücklegen stattfinden, ist ein Baumdiagramm das beste Werkzeug. Die Wahrscheinlichkeiten ändern sich nämlich nach jedem Zug.
So gehst du vor:
- Zeichne das Baumdiagramm: Jede Stufe des Experiments ist eine Ebene im Baum. Jeder Ast stellt ein mögliches Ergebnis dar und wird mit seiner Wahrscheinlichkeit beschriftet.
- Identifiziere die relevanten Pfade: Finde alle Pfade (Wege von der Wurzel bis zum Ende), die zu einem bestimmten Wert der Zufallsgröße führen.
- Wende die Pfadregeln an:
- 1. Pfadregel (Produktregel): Die Wahrscheinlichkeit eines einzelnen Pfades ist das Produkt der Wahrscheinlichkeiten entlang der Äste.
- 2. Pfadregel (Summenregel): Wenn mehrere Pfade zum selben Wert der Zufallsgröße führen, addierst du ihre einzelnen Wahrscheinlichkeiten.
Das Ergebnis ist die Wahrscheinlichkeit für diesen Wert der Zufallsgröße.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Werte der Zufallsgröße und Experiment verstehen: Lies die Aufgabe genau. Was beschreibt die Zufallsgröße ? Wie viele Stufen hat das Experiment? Wird mit oder ohne Zurücklegen gezogen?
- Baumdiagramm erstellen: Zeichne das Baumdiagramm für das Experiment. Beschrifte jeden Ast mit der korrekten Wahrscheinlichkeit. Achte darauf, ob sich die Wahrscheinlichkeiten in den nächsten Stufen ändern (ohne Zurücklegen).
- Relevante Pfade für jeden Wert von Z finden: Gehe jeden möglichen Wert der Zufallsgröße durch. Markiere alle Pfade im Baumdiagramm, die zu diesem Wert führen.
- Wahrscheinlichkeiten berechnen: Berechne die Wahrscheinlichkeit für jeden markierten Pfad, indem du die Wahrscheinlichkeiten entlang des Pfades multiplizierst (Produktregel). Addiere die Wahrscheinlichkeiten der Pfade, die zum selben Wert gehören (Summenregel). Das Ergebnis ist .
- Wahrscheinlichkeitstabelle erstellen und prüfen: Trage die Werte und die berechneten Wahrscheinlichkeiten in eine Tabelle ein. Prüfe am Ende, ob die Summe der Wahrscheinlichkeiten 1 ergibt.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Ein Lostopf enthält 3 Lose, nummeriert von 1 bis 3. Es wird nacheinander jeweils ein Los blind gezogen und nicht wieder zurückgelegt. Die Zufallsgröße beschreibt die Anzahl der Versuche, bis das Los mit der Nummer 3 gezogen wird. Erstelle ein Baumdiagramm und ermittle die Wahrscheinlichkeitsverteilung von .
- Schritt 1Werte der Zufallsgröße und Experiment verstehen
Die Zufallsgröße ist die Anzahl der Züge, bis die ‚3' kommt. Da es 3 Lose gibt, kann die ‚3' im 1., 2. oder 3. Zug kommen. Der Wertebereich von ist also . Es wird ohne Zurücklegen gezogen.
- Schritt 2Baumdiagramm erstellen
Wir zeichnen das Baumdiagramm. Wir können die Ereignisse ‚3' und ‚nicht 3' (N3) betrachten.
-
- Zug: ,
-
- Zug (nach N3): Es sind noch 2 Lose übrig, eines davon ist die ‚3'. ,
-
- Zug (nach N3, N3): Es ist nur noch die ‚3' übrig.

Baumdiagramm Lostopf mit drei Losen -
- Schritt 3 & 4Relevante Pfade finden und Wahrscheinlichkeiten berechnen
-
Für Z=1: Die ‚3' wird im ersten Zug gezogen. Es gibt nur einen Pfad: (3).
-
Für Z=2: Die ‚3' wird im zweiten Zug gezogen. Der Pfad ist (N3, 3).
-
Für Z=3: Die ‚3' wird im dritten Zug gezogen. Der Pfad ist (N3, N3, 3).
-
- Schritt 5 · ErgebnisWahrscheinlichkeitstabelle erstellen und prüfen
. Die Berechnung stimmt.
Beispiel 2
In einer Urne sind 3 rote und 2 blaue Kugeln. Es werden zwei Kugeln ohne Zurücklegen gezogen. Die Zufallsgröße ist die Anzahl der gezogenen roten Kugeln. Ermittle die Wahrscheinlichkeitsverteilung von mit einem Baumdiagramm.
- Schritt 1Werte der Zufallsgröße und Experiment verstehen
Die Zufallsgröße zählt die roten Kugeln. Man kann 0, 1 oder 2 rote Kugeln ziehen. Wertebereich: .
- Schritt 2Baumdiagramm erstellen
-
- Zug: ,
-
- Zug (nach rot): Noch 4 Kugeln (2r, 2b). ,
-
- Zug (nach blau): Noch 4 Kugeln (3r, 1b). ,

Baumdiagramm Urne rote und blaue Kugeln -
- Schritt 3 & 4Relevante Pfade finden und Wahrscheinlichkeiten berechnen
-
Für R=2: Pfad (rot, rot).
-
Für R=1: Pfade (rot, blau) und (blau, rot).
-
Für R=0: Pfad (blau, blau).
-
- Schritt 5 · ErgebnisWahrscheinlichkeitstabelle erstellen und prüfen
.
Beispiel 3
Ein Basketballspieler hat eine Trefferquote von 70% bei Freiwürfen. Er wirft zweimal. Die Zufallsgröße zählt die Anzahl der Treffer. Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung von .
- Schritt 1Werte der Zufallsgröße und Experiment verstehen
Er kann 0, 1 oder 2 Treffer erzielen. Wertebereich: . Die Wahrscheinlichkeit ist bei jedem Wurf gleich (mit Zurücklegen).
- Schritt 2Baumdiagramm erstellen
-
- Wurf: ,
-
- Wurf: Die Wahrscheinlichkeiten bleiben gleich.

Baumdiagramm Basketballspieler Freiwürfe -
- Schritt 3 & 4Relevante Pfade finden und Wahrscheinlichkeiten berechnen
-
Für X=2: Pfad (Treffer, Treffer).
-
Für X=1: Pfade (Treffer, Fehlwurf) und (Fehlwurf, Treffer).
-
Für X=0: Pfad (Fehlwurf, Fehlwurf).
-
- Schritt 5 · ErgebnisWahrscheinlichkeitstabelle erstellen und prüfen
.
Beispiel 4
Aus dem Wort ‚ANNA' wird zweimal nacheinander ein Buchstabe zufällig gezogen, ohne ihn zurückzulegen. Die Zufallsgröße zählt die Anzahl der gezogenen Vokale (‚A'). Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung von .
- Schritt 1Werte der Zufallsgröße und Experiment verstehen
Das Wort hat 2 ‚A' (Vokale) und 2 ‚N' (Konsonanten). Man kann 0, 1 oder 2 Vokale ziehen. Wertebereich: .
- Schritt 2Baumdiagramm erstellen
-
- Zug: ,
-
- Zug (nach A): Noch 3 Buchstaben (1 A, 2 N). ,
-
- Zug (nach N): Noch 3 Buchstaben (2 A, 1 N). ,

Baumdiagramm Buchstaben ziehen aus ANNA -
- Schritt 3 & 4Relevante Pfade finden und Wahrscheinlichkeiten berechnen
-
Für V=2: Pfad (A, A).
-
Für V=1: Pfade (A, N) und (N, A).
-
Für V=0: Pfad (N, N).
-
- Schritt 5 · ErgebnisWahrscheinlichkeitstabelle erstellen und prüfen
.
Beispiel 5
Ein Test besteht aus 2 Multiple-Choice-Fragen mit je 3 Antwortmöglichkeiten, von denen nur eine richtig ist. Ein Schüler rät bei beiden Fragen. Die Zufallsgröße gibt die Anzahl der richtigen Antworten an. Bestimme die Wahrscheinlichkeitsverteilung von .
- Schritt 1Werte der Zufallsgröße und Experiment verstehen
Der Schüler kann 0, 1 oder 2 Fragen richtig beantworten. Wertebereich: .
- Schritt 2Baumdiagramm erstellen
Bei jeder Frage ist die Wahrscheinlichkeit für ‚richtig' (R) und für ‚falsch' (F) .

Baumdiagramm Multiple-Choice zwei Fragen - Schritt 3 & 4Relevante Pfade finden und Wahrscheinlichkeiten berechnen
-
Für X=2: Pfad (R, R).
-
Für X=1: Pfade (R, F) und (F, R).
-
Für X=0: Pfad (F, F).
-
- Schritt 5 · ErgebnisWahrscheinlichkeitstabelle erstellen und prüfen
.
Aufgabentyp 4: Bestimmen der Wahrscheinlichkeit von einzelnen Ergebnissen
Manchmal ist eine Wahrscheinlichkeitsverteilung nicht vollständig gegeben. Es könnte zum Beispiel eine unbekannte Wahrscheinlichkeit enthalten sein.
Hier kommt die wichtigste Eigenschaft einer Wahrscheinlichkeitsverteilung ins Spiel:
Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten ist immer 1.
Mit dieser Regel kannst du eine Gleichung aufstellen und die fehlende Wahrscheinlichkeit berechnen. Das ist ein sehr häufiger Aufgabentyp, der prüft, ob du diese grundlegende Eigenschaft verstanden hast.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Alle Wahrscheinlichkeiten identifizieren: Lies alle gegebenen Wahrscheinlichkeiten aus der Tabelle oder dem Diagramm ab. Schreibe sie auf, auch die, die von einer Variablen wie abhängen.
- Die Summen-Gleichung aufstellen: Setze die Summe aller Wahrscheinlichkeiten gleich 1. Du erhältst eine Gleichung. Beispiel:
- Die Gleichung lösen: Setze die Terme aus Schritt 1 in die Gleichung ein und löse sie nach der unbekannten Variablen (z.B. ) auf. Dies ist meist eine einfache lineare Gleichung.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Die Wahrscheinlichkeitsverteilung einer Zufallsgröße ist durch das abgebildete Säulendiagramm gegeben. Die möglichen Werte für sind 0, 3 und 6. Die Wahrscheinlichkeiten sind , und . Zeigen Sie, dass den Wert hat.

- Schritt 1Alle Wahrscheinlichkeiten identifizieren
Aus dem Diagramm lesen wir die Wahrscheinlichkeiten für die drei möglichen Werte von ab:
- Schritt 2Die Summen-Gleichung aufstellen
Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten muss 1 sein. Also gilt:
- Schritt 3 · ErgebnisDie Gleichung lösen
Wir setzen die Terme aus Schritt 1 in die Gleichung ein:
Jetzt fassen wir die Terme mit zusammen:
Wir teilen durch 6, um zu isolieren:
Damit ist gezeigt, dass den Wert hat.
Beispiel 2
Eine Zufallsgröße kann die Werte 1, 2 und 3 annehmen. Es gilt: und . Bestimme .
- Schritt 1Alle Wahrscheinlichkeiten identifizieren
- ist unbekannt, wir nennen es .
- Schritt 2Die Summen-Gleichung aufstellen
- Schritt 3 · ErgebnisDie Gleichung lösen
Wir subtrahieren 0,65 auf beiden Seiten:
Die gesuchte Wahrscheinlichkeit ist .
Beispiel 3
Die Wahrscheinlichkeitsverteilung einer Zufallsgröße ist in der Tabelle gegeben. Bestimme den Wert von .
- Schritt 1Alle Wahrscheinlichkeiten identifizieren
- Schritt 2Die Summen-Gleichung aufstellen
- Schritt 3 · ErgebnisDie Gleichung lösen
Wir fassen die Zahlen und die Terme mit zusammen:
Wir subtrahieren 0,4:
Wir teilen durch 3:
Der Wert von ist 0,2.
Beispiel 4
Ein Glücksrad hat vier Sektoren. Die Zufallsgröße beschreibt die Zahl, die gedreht wird. Es gilt: , , . Bestimme .
- Schritt 1Alle Wahrscheinlichkeiten identifizieren
- (da die Wahrscheinlichkeiten gleich sind)
- Schritt 2Die Summen-Gleichung aufstellen
- Schritt 3 · ErgebnisDie Gleichung lösen
Wir bringen die Brüche auf den gleichen Nenner:
Wir subtrahieren :
Wir teilen durch 2 (multiplizieren mit ):
Die gesuchte Wahrscheinlichkeit ist .
Beispiel 5
Bei einem Spiel kann man 0, 1 oder 5 Punkte erhalten. Die Wahrscheinlichkeit, 0 Punkte zu erhalten, ist doppelt so hoch wie die, 1 Punkt zu erhalten. Die Wahrscheinlichkeit, 5 Punkte zu erhalten, ist 0,5. Bestimme die Wahrscheinlichkeit, 1 Punkt zu erhalten.
- Schritt 1Alle Wahrscheinlichkeiten identifizieren
Sei .
- (doppelt so hoch)
- Schritt 2Die Summen-Gleichung aufstellen
- Schritt 3 · ErgebnisDie Gleichung lösen
Wir subtrahieren 0,5:
Wir teilen durch 3:
Die Wahrscheinlichkeit, 1 Punkt zu erhalten, ist .
Wichtige Erkenntnisse
- Eine Zufallsgröße ordnet den Ergebnissen eines Zufallsexperiments Zahlen zu.
- Die Wahrscheinlichkeitsverteilung zeigt, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Zufallsgröße jeden ihrer möglichen Werte annimmt.
- Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten in einer Wahrscheinlichkeitsverteilung ist immer 1.
- Bei mehrstufigen Experimenten (besonders ohne Zurücklegen) ist ein Baumdiagramm dein bester Freund, um die Wahrscheinlichkeiten zu berechnen.
Häufige Fragen
Was sind diskrete Zufallsgrößen und Wahrscheinlichkeitsverteilungen?
Eine diskrete Zufallsgröße ist eine Funktion, die jedem Ergebnis eines Zufallsexperiments eine Zahl zuordnet – zum Beispiel die Augensumme beim Würfeln. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung zeigt dann, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Zufallsgröße jeden ihrer möglichen Werte annimmt. Das Ergebnis ist meist eine Tabelle mit Werten und zugehörigen Wahrscheinlichkeiten. Die wichtigste Regel: Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten ist immer genau 1.
Wie bestimmst du den Wertebereich einer Zufallsgröße?
Du gehst in vier Schritten vor: Zuerst listest du alle Ergebnisse des Zufallsexperiments auf. Dann verstehst du die Regel der Zufallsgröße (Summe, Differenz, Produkt usw.). Danach wendest du die Regel auf jedes Ergebnis an und berechnest den zugehörigen Zahlenwert. Abschließend sammelst du alle einzigartigen Werte – das ist dein Wertebereich. Mehrfach auftretende Werte werden nur einmal notiert.
Wie erstellst du eine Wahrscheinlichkeitsverteilung Schritt für Schritt?
Bestimme zuerst den Wertebereich der Zufallsgröße. Liste dann alle möglichen Ergebnisse des Experiments auf. Zähle für jeden Wert, wie viele Ergebnisse dazu führen, und berechne die Wahrscheinlichkeit als Quotient aus günstigen und allen Ergebnissen. Trage alles in eine zweizeilige Tabelle ein. Zum Schluss addierst du alle Wahrscheinlichkeiten – die Summe muss 1 ergeben, sonst liegt ein Rechenfehler vor.
Wann brauchst du ein Baumdiagramm für die Wahrscheinlichkeitsverteilung?
Ein Baumdiagramm brauchst du vor allem bei mehrstufigen Zufallsexperimenten ohne Zurücklegen, weil sich die Wahrscheinlichkeiten nach jedem Zug ändern. Du beschriftest jeden Ast mit der richtigen Wahrscheinlichkeit, multiplizierst die Werte entlang eines Pfades (Produktregel) und addierst die Pfadwahrscheinlichkeiten, die zum gleichen Wert der Zufallsgröße führen (Summenregel).
Wie berechnest du eine fehlende Wahrscheinlichkeit in einer Verteilungstabelle?
Nutze die Grundregel: Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten ist immer 1. Lies alle bekannten Wahrscheinlichkeiten aus der Tabelle ab – auch solche, die von einer Variablen wie p abhängen. Stelle dann die Gleichung auf, z. B. p + 3p + 2p = 1, und löse sie nach der unbekannten Variablen auf. So findest du die fehlende Wahrscheinlichkeit mit einer einfachen linearen Gleichung.