Intervalle der Normalverteilung einfach erklärt

Lerne Schritt für Schritt, wie du Intervalle für eine Normalverteilung bestimmst – von einseitigen Grenzen über symmetrische Intervalle bis hin zu komplexen Bedingungen mit invNorm und solve.

📅 Aktualisiert 30. Juni 202635 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion

Intervalle für eine Normalverteilung zu finden ist eine der praxisrelevantesten Aufgaben in der Stochastik. Stell dir vor, du arbeitest in der Qualitätskontrolle für ein Hightech-Unternehmen, das Smartphone-Akkus herstellt. Die angegebene Akkulaufzeit beträgt 20 Stunden, aber natürlich gibt es winzige Abweichungen. Wenn die Abweichung zu groß ist, sind die Kunden unzufrieden. Wenn die Akkus zu gut sind, kostet das die Firma unnötig Geld. Deine Aufgabe: Finde den genauen Bereich (das Intervall), in dem 95 % aller Akkus liegen. Mit diesem Wissen kann das Unternehmen garantieren: „95 % unserer Akkus halten zwischen X und Y Stunden." Das ist keine Schätzung, sondern knallharte Mathematik. Die Normalverteilung gibt dir das Werkzeug, um solche kritischen Entscheidungen präzise und sicher zu treffen.

Vorwissen

Bevor wir starten, solltest du diese Konzepte kennen:

  • Normalverteilung (Glockenkurve): Eine symmetrische Verteilung, die viele natürliche Phänomene beschreibt. Sie wird durch den Erwartungswert (Mitte) und die Standardabweichung (Breite) bestimmt.
    • Beispiel: Die Körpergrößen von erwachsenen Männern sind ungefähr normalverteilt mit einem Mittelwert von 180 cm.
Glockenkurve der Normalverteilung
Glockenkurve der Normalverteilung
  • Wahrscheinlichkeit als Fläche: Bei der Normalverteilung entspricht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wert in einem bestimmten Intervall liegt, der Fläche unter der Kurve über diesem Intervall.
    • Beispiel: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person zwischen 175 cm und 185 cm groß ist, ist die gefärbte Fläche unter der Glockenkurve zwischen diesen beiden Werten.
Gefärbte Fläche zwischen 175 und 185 cm
Gefärbte Fläche zwischen 175 und 185 cm
  • Taschenrechner-Befehl normCdf: Berechnet die Wahrscheinlichkeit (Fläche) für ein gegebenes Intervall.
    • Syntax: normCdf(untere Grenze, obere Grenze, μ,σ)\text{normCdf}(\text{untere Grenze, obere Grenze, } \mu, \sigma)
    • Beispiel: normCdf(175, 185, 180, 7) berechnet die Wahrscheinlichkeit, dass eine Zufallsgröße mit µ = 180 und σ=7\sigma = 7 zwischen 175 und 185 liegt.

Aufgabentyp 1: Einseitiges Intervall aus Wahrscheinlichkeit bestimmen

Manchmal kennen wir die Wahrscheinlichkeit und wollen die dazugehörige Grenze finden. Wir fragen also: „Welchen Wert cc unterschreiten z. B. genau 25 % aller Werte?" Wir suchen also cc für eine gegebene Wahrscheinlichkeit P(X<c)=pP(X < c) = p.

Hierfür benutzen wir die Umkehrung von normCdf, den Befehl invNorm (Inverse Normalverteilung).

  • normCdf: Nimmt Grenzen (x-Werte) \to gibt Wahrscheinlichkeit (Fläche)
  • invNorm: Nimmt Wahrscheinlichkeit (Fläche) \to gibt Grenze (x-Wert)

Wichtig: Der invNorm-Befehl erwartet immer die gesamte Fläche links von der gesuchten Grenze cc.

invNorm Linksfläche zur gesuchten Grenze c
invNorm Linksfläche zur gesuchten Grenze c

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Werte identifizieren: Lies den Erwartungswert µ, die Standardabweichung σ und die gegebene Wahrscheinlichkeit p aus der Aufgabenstellung ab.
  2. invNorm-Befehl anwenden: Da die Wahrscheinlichkeit in der Form P(X<c)=pP(X < c) = p gegeben ist, kannst du direkt den invNorm-Befehl verwenden. Die Fläche links von cc ist genau pp. Syntax: invNorm(p, µ, σ).
  3. Ergebnis notieren: Gib den berechneten Wert für cc an und runde ihn auf die geforderte Anzahl von Nachkommastellen.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Eine Kaffeemaschine füllt Tassen mit einer normalverteilten Menge an Kaffee. Der Erwartungswert beträgt μ=200\mu = 200 ml und die Standardabweichung σ=5\sigma = 5 ml. Bestimme die Füllmenge cc, die in 25 % der Fälle unterschritten wird. Es gilt also P(X<c)=0,25P(X < c) = 0{,}25.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Werte identifizieren

    Aus dem Text entnehmen wir:

    • Erwartungswert: μ=200\mu = 200
    • Standardabweichung: σ=5\sigma = 5
    • Wahrscheinlichkeit: p=0,25p = 0{,}25
  2. Schritt 2
    `invNorm`-Befehl anwenden

    Wir suchen die Grenze cc für die gegebene linksseitige Wahrscheinlichkeit. Wir setzen die Werte in den invNorm-Befehl ein:

    c=invNorm(0,25, 200, 5)c = \text{invNorm}(0{,}25,\ 200,\ 5)

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Ergebnis notieren

    Der Taschenrechner liefert:

    c196,63c \approx 196{,}63

Ergebnis:

In 25 % der Fälle beträgt die Füllmenge weniger als 196,63 ml.

Beispiel 2

Aufgabe

Die Reaktionszeit von Autofahrern ist normalverteilt mit μ=0,8\mu = 0{,}8 Sekunden und σ=0,12\sigma = 0{,}12 Sekunden. Finde die Zeit cc, sodass 95 % der Fahrer eine schnellere (also kleinere) Reaktionszeit haben. Es gilt P(X<c)=0,95P(X < c) = 0{,}95.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Werte identifizieren
    • Erwartungswert: μ=0,8\mu = 0{,}8
    • Standardabweichung: σ=0,12\sigma = 0{,}12
    • Wahrscheinlichkeit: p=0,95p = 0{,}95
  2. Schritt 2
    `invNorm`-Befehl anwenden

    Wir setzen die Werte in den invNorm-Befehl ein:

    c=invNorm(0,95, 0,8, 0,12)c = \text{invNorm}(0{,}95,\ 0{,}8,\ 0{,}12)

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Ergebnis notieren

    Der Taschenrechner liefert:

    c0,997c \approx 0{,}997

Ergebnis:

95 % der Fahrer haben eine Reaktionszeit von weniger als 0,997 Sekunden.

Beispiel 3

Aufgabe

Das Gewicht von Eiern einer bestimmten Hühnerfarm ist normalverteilt mit μ=55\mu = 55 g und σ=4\sigma = 4 g. Die leichtesten 10 % der Eier werden aussortiert. Bestimme das maximale Gewicht cc, das ein Ei haben darf, um aussortiert zu werden. Es gilt P(X<c)=0,10P(X < c) = 0{,}10.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Werte identifizieren
    • Erwartungswert: μ=55\mu = 55
    • Standardabweichung: σ=4\sigma = 4
    • Wahrscheinlichkeit: p=0,10p = 0{,}10
  2. Schritt 2
    `invNorm`-Befehl anwenden

    Wir setzen die Werte in den invNorm-Befehl ein:

    c=invNorm(0,10, 55, 4)c = \text{invNorm}(0{,}10,\ 55,\ 4)

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Ergebnis notieren

    Der Taschenrechner liefert:

    c49,87c \approx 49{,}87

Ergebnis:

Eier, die leichter als 49,87 g sind, werden aussortiert.

Beispiel 4

Aufgabe

Die tägliche Sonnenscheindauer im Sommer an einem bestimmten Ort ist normalverteilt mit μ=7,5\mu = 7{,}5 Stunden und σ=1,5\sigma = 1{,}5 Stunden. Bestimme die Stundenzahl cc, die an 62 % der Tage nicht überschritten wird. Es gilt P(X<c)=0,62P(X < c) = 0{,}62.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Werte identifizieren
    • Erwartungswert: μ=7,5\mu = 7{,}5
    • Standardabweichung: σ=1,5\sigma = 1{,}5
    • Wahrscheinlichkeit: p=0,62p = 0{,}62
  2. Schritt 2
    `invNorm`-Befehl anwenden

    Wir setzen die Werte in den invNorm-Befehl ein:

    c=invNorm(0,62, 7,5, 1,5)c = \text{invNorm}(0{,}62,\ 7{,}5,\ 1{,}5)

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Ergebnis notieren

    Der Taschenrechner liefert:

    c7,96c \approx 7{,}96

Ergebnis:

An 62 % der Tage scheint die Sonne weniger als 7,96 Stunden.

Beispiel 5

Aufgabe

Eine Zufallsgröße X ist normalverteilt mit μ=100\mu = 100 und σ=10\sigma = 10. Finde den Wert cc, für den P(X<c)=0,5P(X < c) = 0{,}5 gilt.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Werte identifizieren
    • Erwartungswert: μ=100\mu = 100
    • Standardabweichung: σ=10\sigma = 10
    • Wahrscheinlichkeit: p=0,5p = 0{,}5
  2. Schritt 2
    `invNorm`-Befehl anwenden

    Wir setzen die Werte in den invNorm-Befehl ein:

    c=invNorm(0,5, 100, 10)c = \text{invNorm}(0{,}5,\ 100,\ 10)

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Ergebnis notieren

    Der Taschenrechner liefert:

    c=100c = 100

Ergebnis:

Der Wert ist c=100c = 100. Das ist logisch, denn aufgrund der Symmetrie der Normalverteilung liegen genau 50 % der Werte links vom Erwartungswert.

Aufgabentyp 2: Symmetrisches Intervall bestimmen

Beim symmetrischen Intervall der Normalverteilung sucht man einen Bereich, der symmetrisch um den Erwartungswert µ liegt. Dieses Intervall hat die Form [μc, μ+c][\mu - c,\ \mu + c]. Wir kennen die Wahrscheinlichkeit pp für diesen mittleren Bereich und wollen den Abstand cc herausfinden.

Der Trick besteht darin, die Symmetrie der Glockenkurve auszunutzen:

  1. Die Gesamtfläche unter der Kurve ist 1 (oder 100 %).
  2. Der mittlere Bereich hat die Fläche pp.
  3. Die beiden äußeren Bereiche (die „Schwänze") müssen sich also die restliche Fläche teilen. Ihre Gesamtfläche ist 1p1 - p.
  4. Wegen der Symmetrie ist jeder der beiden Schwänze genau gleich groß. Die Fläche des linken Schwanzes ist also 1p2\frac{1 - p}{2}.

Mit dieser linken Schwanzfläche können wir invNorm verwenden, um die untere Grenze des Intervalls, μc\mu - c, zu finden.

Symmetrisches Intervall mit linkem und rechtem Schwanz
Symmetrisches Intervall mit linkem und rechtem Schwanz

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Werte identifizieren: Lies den Erwartungswert µ, die Standardabweichung σ und die zentrale Wahrscheinlichkeit p aus der Aufgabe ab.
  2. Linke Randwahrscheinlichkeit berechnen: Berechne die Fläche des linken „Schwanzes": plinks=1p2p_{\text{links}} = \frac{1 - p}{2}.
  3. Untere Intervallgrenze finden: Verwende invNorm mit der berechneten linken Wahrscheinlichkeit: xunten=invNorm(plinks, μ, σ)x_{\text{unten}} = \text{invNorm}(p_{\text{links}},\ \mu,\ \sigma).
  4. Abstand c berechnen: Die untere Grenze ist xunten=μcx_{\text{unten}} = \mu - c. Umgestellt ergibt sich: c=μxuntenc = \mu - x_{\text{unten}}.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Die Körpergröße von Frauen ist normalverteilt mit μ=168\mu = 168 cm und σ=7\sigma = 7 cm. Bestimme den Abstand cc vom Mittelwert, sodass 90 % aller Frauen im symmetrischen Intervall [168c, 168+c][168 - c,\ 168 + c] liegen. Es gilt P(168c<X<168+c)=0,9P(168 - c < X < 168 + c) = 0{,}9.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Werte identifizieren
    • Erwartungswert: μ=168\mu = 168
    • Standardabweichung: σ=7\sigma = 7
    • Zentrale Wahrscheinlichkeit: p=0,9p = 0{,}9
  2. Schritt 2
    Linke Randwahrscheinlichkeit berechnen

    plinks=10,92=0,12=0,05p_{\text{links}} = \frac{1 - 0{,}9}{2} = \frac{0{,}1}{2} = 0{,}05

  3. Schritt 3
    Untere Intervallgrenze finden

    xunten=invNorm(0,05, 168, 7)x_{\text{unten}} = \text{invNorm}(0{,}05,\ 168,\ 7)

    xunten156,486x_{\text{unten}} \approx 156{,}486

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Abstand c berechnen

    c=168156,486c = 168 - 156{,}486

    c11,514c \approx 11{,}514

Ergebnis:

Der Abstand beträgt ca. 11,51 cm. Das Intervall ist also etwa [156,49 cm, 179,51 cm].

Beispiel 2

Aufgabe

Eine Maschine füllt Zuckertüten mit μ=1000\mu = 1000 g und σ=15\sigma = 15 g. Bestimme cc, sodass 95 % der Füllgewichte im Intervall [1000c, 1000+c][1000 - c,\ 1000 + c] liegen. Es gilt P(1000c<X<1000+c)=0,95P(1000 - c < X < 1000 + c) = 0{,}95.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Werte identifizieren
    • Erwartungswert: μ=1000\mu = 1000
    • Standardabweichung: σ=15\sigma = 15
    • Zentrale Wahrscheinlichkeit: p=0,95p = 0{,}95
  2. Schritt 2
    Linke Randwahrscheinlichkeit berechnen

    plinks=10,952=0,052=0,025p_{\text{links}} = \frac{1 - 0{,}95}{2} = \frac{0{,}05}{2} = 0{,}025

  3. Schritt 3
    Untere Intervallgrenze finden

    xunten=invNorm(0,025, 1000, 15)x_{\text{unten}} = \text{invNorm}(0{,}025,\ 1000,\ 15)

    xunten970,60x_{\text{unten}} \approx 970{,}60

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Abstand c berechnen

    c=1000970,60c = 1000 - 970{,}60

    c29,40c \approx 29{,}40

Ergebnis:

Der Abstand beträgt ca. 29,40 g.

Beispiel 3

Aufgabe

Der IQ ist normalverteilt mit μ=100\mu = 100 und σ=15\sigma = 15. In welchem symmetrischen Intervall um 100 liegen 50 % der Bevölkerung? Bestimme cc für P(100c<X<100+c)=0,5P(100 - c < X < 100 + c) = 0{,}5.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Werte identifizieren
    • Erwartungswert: μ=100\mu = 100
    • Standardabweichung: σ=15\sigma = 15
    • Zentrale Wahrscheinlichkeit: p=0,5p = 0{,}5
  2. Schritt 2
    Linke Randwahrscheinlichkeit berechnen

    plinks=10,52=0,52=0,25p_{\text{links}} = \frac{1 - 0{,}5}{2} = \frac{0{,}5}{2} = 0{,}25

  3. Schritt 3
    Untere Intervallgrenze finden

    xunten=invNorm(0,25, 100, 15)x_{\text{unten}} = \text{invNorm}(0{,}25,\ 100,\ 15)

    xunten89,88x_{\text{unten}} \approx 89{,}88

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Abstand c berechnen

    c=10089,88c = 100 - 89{,}88

    c10,12c \approx 10{,}12

Ergebnis:

Der Abstand beträgt ca. 10,12 IQ-Punkte.

Beispiel 4

Aufgabe

Die Lebensdauer einer Glühbirne sei normalverteilt mit μ=1200\mu = 1200 Stunden und σ=80\sigma = 80 Stunden. Bestimme cc, sodass 30 % der Glühbirnen eine Lebensdauer im Intervall [1200c, 1200+c][1200 - c,\ 1200 + c] haben. Es gilt P(1200c<X<1200+c)=0,3P(1200 - c < X < 1200 + c) = 0{,}3.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Werte identifizieren
    • Erwartungswert: μ=1200\mu = 1200
    • Standardabweichung: σ=80\sigma = 80
    • Zentrale Wahrscheinlichkeit: p=0,3p = 0{,}3
  2. Schritt 2
    Linke Randwahrscheinlichkeit berechnen

    plinks=10,32=0,72=0,35p_{\text{links}} = \frac{1 - 0{,}3}{2} = \frac{0{,}7}{2} = 0{,}35

  3. Schritt 3
    Untere Intervallgrenze finden

    xunten=invNorm(0,35, 1200, 80)x_{\text{unten}} = \text{invNorm}(0{,}35,\ 1200,\ 80)

    xunten1169,16x_{\text{unten}} \approx 1169{,}16

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Abstand c berechnen

    c=12001169,16c = 1200 - 1169{,}16

    c30,84c \approx 30{,}84

Ergebnis:

Der Abstand beträgt ca. 30,84 Stunden.

Beispiel 5

Aufgabe

Eine Zufallsgröße X ist normalverteilt mit μ=80\mu = 80 und σ=15\sigma = 15. Bestimme cc für P(80c<X<80+c)=0,6P(80 - c < X < 80 + c) = 0{,}6.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Werte identifizieren
    • Erwartungswert: μ=80\mu = 80
    • Standardabweichung: σ=15\sigma = 15
    • Zentrale Wahrscheinlichkeit: p=0,6p = 0{,}6
  2. Schritt 2
    Linke Randwahrscheinlichkeit berechnen

    plinks=10,62=0,42=0,2p_{\text{links}} = \frac{1 - 0{,}6}{2} = \frac{0{,}4}{2} = 0{,}2

  3. Schritt 3
    Untere Intervallgrenze finden

    xunten=invNorm(0,2, 80, 15)x_{\text{unten}} = \text{invNorm}(0{,}2,\ 80,\ 15)

    xunten67,38x_{\text{unten}} \approx 67{,}38

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Abstand c berechnen

    c=8067,38c = 80 - 67{,}38

    c12,62c \approx 12{,}62

Ergebnis:

Der gesuchte Wert ist c12,62c \approx 12{,}62.

Aufgabentyp 3: Gespiegeltes Intervall mit gleicher Wahrscheinlichkeit finden

Die Symmetrie der Normalverteilung hat eine interessante Konsequenz: Intervalle, die am Erwartungswert μ\mu „gespiegelt" werden, haben dieselbe Wahrscheinlichkeit (also dieselbe Fläche unter der Kurve).

Was bedeutet „spiegeln"? Wenn eine Intervallgrenze einen bestimmten Abstand links vom Erwartungswert hat, hat die gespiegelte Grenze denselben Abstand rechts vom Erwartungswert und umgekehrt.

Ein Intervall wird durch seine Grenzen aa und bb definiert. Wir können ihre Position relativ zu μ\mu beschreiben:

  • a=μd1a = \mu - d_1 (Abstand d1d_1 nach links)
  • b=μ+d2b = \mu + d_2 (Abstand d2d_2 nach rechts)

Das gespiegelte Intervall [a,b][a', b'] hat dieselbe Wahrscheinlichkeit. Wir erhalten es, indem wir die Abstände tauschen:

  • a=μd2a' = \mu - d_2 (Jetzt Abstand d2d_2 nach links)
  • b=μ+d1b' = \mu + d_1 (Jetzt Abstand d1d_1 nach rechts)
Gespiegeltes Intervall an der Normalverteilung
Gespiegeltes Intervall an der Normalverteilung

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Erwartungswert und Intervallgrenzen identifizieren: Notiere den Erwartungswert µ sowie die untere Grenze aa und die obere Grenze bb des gegebenen Intervalls.
  2. Abstände zum Erwartungswert berechnen: dunten=μad_{\text{unten}} = \mu - a und doben=bμd_{\text{oben}} = b - \mu.
  3. Gespiegeltes Intervall konstruieren: Tausche die Abstände: a=μdobena' = \mu - d_{\text{oben}} und b=μ+duntenb' = \mu + d_{\text{unten}}.
  4. Ergebnis im Sachzusammenhang formulieren: Gib das neue Intervall an und formuliere die Antwort als Ereignis im gegebenen Kontext.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Die Füllmenge von Tintenpatronen ist normalverteilt mit μ=8\mu = 8 ml und σ=0,04\sigma = 0{,}04 ml. Betrachtet wird das Ereignis, dass eine Patrone zwischen 7,98 ml und 8,04 ml Tinte enthält. Gib ein anderes Ereignis an, das dieselbe Wahrscheinlichkeit hat.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Erwartungswert und Intervallgrenzen identifizieren
    • Erwartungswert: μ=8\mu = 8
    • Untere Grenze: a=7,98a = 7{,}98
    • Obere Grenze: b=8,04b = 8{,}04
  2. Schritt 2
    Abstände zum Erwartungswert berechnen
    • Abstand unten: dunten=87,98=0,02d_{\text{unten}} = 8 - 7{,}98 = 0{,}02
    • Abstand oben: doben=8,048=0,04d_{\text{oben}} = 8{,}04 - 8 = 0{,}04
  3. Schritt 3
    Gespiegeltes Intervall konstruieren
    • Neue untere Grenze: a=8doben=80,04=7,96a' = 8 - d_{\text{oben}} = 8 - 0{,}04 = 7{,}96
    • Neue obere Grenze: b=8+dunten=8+0,02=8,02b' = 8 + d_{\text{unten}} = 8 + 0{,}02 = 8{,}02
  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ergebnis im Sachzusammenhang formulieren
Ergebnis:

Das Ereignis „Eine zufällig ausgewählte Patrone enthält zwischen 7,96 ml und 8,02 ml Tinte" hat dieselbe Wahrscheinlichkeit.

Beispiel 2

Aufgabe

Die Temperatur in einem Kühlhaus ist normalverteilt mit μ=4\mu = 4 °C und σ=0,5\sigma = 0{,}5 °C. Die Wahrscheinlichkeit für eine Temperatur zwischen 3,8 °C und 4,3 °C wird betrachtet. Finde ein anderes Temperaturintervall mit der gleichen Wahrscheinlichkeit.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Erwartungswert und Intervallgrenzen identifizieren
    • Erwartungswert: μ=4\mu = 4
    • Untere Grenze: a=3,8a = 3{,}8
    • Obere Grenze: b=4,3b = 4{,}3
  2. Schritt 2
    Abstände zum Erwartungswert berechnen
    • Abstand unten: dunten=43,8=0,2d_{\text{unten}} = 4 - 3{,}8 = 0{,}2
    • Abstand oben: doben=4,34=0,3d_{\text{oben}} = 4{,}3 - 4 = 0{,}3
  3. Schritt 3
    Gespiegeltes Intervall konstruieren
    • Neue untere Grenze: a=4doben=40,3=3,7a' = 4 - d_{\text{oben}} = 4 - 0{,}3 = 3{,}7
    • Neue obere Grenze: b=4+dunten=4+0,2=4,2b' = 4 + d_{\text{unten}} = 4 + 0{,}2 = 4{,}2
  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ergebnis im Sachzusammenhang formulieren
Ergebnis:

Das Intervall [3,7 °C, 4,2 °C] hat dieselbe Wahrscheinlichkeit.

Beispiel 3

Aufgabe

Die Laufzeit von 1500-m-Läufern ist normalverteilt mit μ=240\mu = 240 s und σ=10\sigma = 10 s. Finde ein Intervall, das die gleiche Wahrscheinlichkeit hat wie das Intervall [235 s, 255 s].

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Erwartungswert und Intervallgrenzen identifizieren
    • Erwartungswert: μ=240\mu = 240
    • Untere Grenze: a=235a = 235
    • Obere Grenze: b=255b = 255
  2. Schritt 2
    Abstände zum Erwartungswert berechnen
    • Abstand unten: dunten=240235=5d_{\text{unten}} = 240 - 235 = 5
    • Abstand oben: doben=255240=15d_{\text{oben}} = 255 - 240 = 15
  3. Schritt 3
    Gespiegeltes Intervall konstruieren
    • Neue untere Grenze: a=240doben=24015=225a' = 240 - d_{\text{oben}} = 240 - 15 = 225
    • Neue obere Grenze: b=240+dunten=240+5=245b' = 240 + d_{\text{unten}} = 240 + 5 = 245
  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ergebnis im Sachzusammenhang formulieren
Ergebnis:

Das Intervall [225 s, 245 s] hat dieselbe Wahrscheinlichkeit.

Beispiel 4

Aufgabe

Eine Zufallsgröße X ist normalverteilt mit μ=50\mu = 50. Das Intervall [50, 60][50,\ 60] wird betrachtet. Gib ein anderes Intervall mit gleicher Wahrscheinlichkeit an.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Erwartungswert und Intervallgrenzen identifizieren
    • Erwartungswert: μ=50\mu = 50
    • Untere Grenze: a=50a = 50
    • Obere Grenze: b=60b = 60
  2. Schritt 2
    Abstände zum Erwartungswert berechnen
    • Abstand unten: dunten=5050=0d_{\text{unten}} = 50 - 50 = 0
    • Abstand oben: doben=6050=10d_{\text{oben}} = 60 - 50 = 10
  3. Schritt 3
    Gespiegeltes Intervall konstruieren
    • Neue untere Grenze: a=50doben=5010=40a' = 50 - d_{\text{oben}} = 50 - 10 = 40
    • Neue obere Grenze: b=50+dunten=50+0=50b' = 50 + d_{\text{unten}} = 50 + 0 = 50
  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ergebnis im Sachzusammenhang formulieren
Ergebnis:

Das Intervall [40, 50] hat dieselbe Wahrscheinlichkeit.

Beispiel 5

Aufgabe

Das Gewicht von Äpfeln ist normalverteilt mit μ=150\mu = 150 g. Das Intervall [140, 160][140,\ 160] ist gegeben. Gib ein anderes Intervall mit der gleichen Wahrscheinlichkeit an.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Erwartungswert und Intervallgrenzen identifizieren
    • Erwartungswert: μ=150\mu = 150
    • Untere Grenze: a=140a = 140
    • Obere Grenze: b=160b = 160
  2. Schritt 2
    Abstände zum Erwartungswert berechnen
    • Abstand unten: dunten=150140=10d_{\text{unten}} = 150 - 140 = 10
    • Abstand oben: doben=160150=10d_{\text{oben}} = 160 - 150 = 10
  3. Schritt 3
    Gespiegeltes Intervall konstruieren
    • Neue untere Grenze: a=150doben=15010=140a' = 150 - d_{\text{oben}} = 150 - 10 = 140
    • Neue obere Grenze: b=150+dunten=150+10=160b' = 150 + d_{\text{unten}} = 150 + 10 = 160
  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ergebnis im Sachzusammenhang formulieren
Ergebnis:

Das gespiegelte Intervall ist [140, 160]. Da das ursprüngliche Intervall bereits symmetrisch zum Erwartungswert war, ist das gespiegelte Intervall identisch mit dem Ausgangsintervall.

Aufgabentyp 4: Intervall aus komplexen Bedingungen bestimmen

Manchmal sind die Intervallgrenzen aa und bb nicht direkt gegeben, sondern durch Bedingungen im Text beschrieben. Zum Beispiel: „Die obere Grenze ist doppelt so weit vom Mittelwert entfernt wie die untere Grenze."

In solchen Fällen müssen wir die Textbeschreibung in die Sprache der Mathematik übersetzen. Der Schlüssel ist, eine Hilfsvariable (nennen wir sie xx) einzuführen, die eine Eigenschaft wie z. B. einen Abstand beschreibt. Dann können wir beide Grenzen aa und bb mithilfe dieser einen Variable xx ausdrücken.

Dadurch erhalten wir eine Gleichung mit nur einer Unbekannten, die wir mit dem solve-Befehl (Löser) des Taschenrechners lösen können.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Informationen und Bedingungen analysieren: Lies µ, σ und die Zielwahrscheinlichkeit pp aus dem Text. Analysiere die Bedingungen, die die Intervallgrenzen aa und bb beschreiben.
  2. Grenzen mit einer Hilfsvariable ausdrücken: Führe eine Hilfsvariable xx ein (z. B. für einen Abstand). Formuliere aa und bb als Terme, die von xx abhängen.
  3. Gleichung für den Taschenrechner aufstellen: Setze die Terme für aa und bb in die Wahrscheinlichkeitsgleichung ein: normCdf(a(x), b(x), μ, σ)=p\text{normCdf}(a(x),\ b(x),\ \mu,\ \sigma) = p.
  4. Gleichung mit solve lösen: Gib die Gleichung in den solve-Befehl ein: solve(normCdf(...) = p, x).
  5. Gesuchte Größe berechnen: Setze die gefundenen Werte für xx wieder in die Terme aus Schritt 2 ein, um die finalen Werte für aa oder bb zu berechnen.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Eine Zufallsgröße XX ist normalverteilt mit μ=125\mu = 125 und σ=2\sigma = 2. Die Grenzen aa und bb eines Intervalls sind beide größer als der Erwartungswert. Der Abstand von bb zu μ\mu ist doppelt so groß wie der Abstand von aa zu μ\mu. Bestimme die Werte für aa, für die gilt: P(aXb)=0,1P(a \leq X \leq b) = 0{,}1.

Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Informationen und Bedingungen analysieren
    • μ=125\mu = 125, σ=2\sigma = 2, p=0,1p = 0{,}1
    • Bedingungen: a>125a > 125, b>125b > 125, (b125)=2(a125)(b - 125) = 2 \cdot (a - 125)
  2. Schritt 2
    Grenzen mit einer Hilfsvariable ausdrücken

    Wir definieren die Hilfsvariable xx als den Abstand von aa zu μ\mu: x=a125x = a - 125. Da a>125a > 125, ist x>0x > 0.

    • Untere Grenze: a=125+xa = 125 + x
    • Obere Grenze: Der Abstand von bb ist 2x2x. Also b=125+2xb = 125 + 2x.
  3. Schritt 3
    Gleichung für den Taschenrechner aufstellen

    P(125+xX125+2x)=0,1P(125+x \leq X \leq 125+2x) = 0{,}1

    normCdf(125+x, 125+2x, 125, 2)=0,1\text{normCdf}(125+x,\ 125+2x,\ 125,\ 2) = 0{,}1

  4. Schritt 4
    Gleichung mit `solve` lösen

    Wir geben in den Taschenrechner ein:

    solve(normCdf(125+x, 125+2x, 125, 2) = 0.1, x)

    Der Rechner liefert zwei Lösungen für xx: x10,504x_1 \approx 0{,}504 und x22,535x_2 \approx 2{,}535.

  5. Schritt 5 · Ergebnis
    Gesuchte Größe berechnen

    Wir suchen die Werte für aa. Wir setzen die gefundenen xx-Werte in unsere Definition für aa ein:

    • a1=125+x1125+0,504=125,504a_1 = 125 + x_1 \approx 125 + 0{,}504 = 125{,}504
    • a2=125+x2125+2,535=127,535a_2 = 125 + x_2 \approx 125 + 2{,}535 = 127{,}535
Ergebnis:

Die gesuchten Werte für aa sind ca. 125,50 und 127,54.

Beispiel 2

Aufgabe

Eine Zufallsgröße XX ist normalverteilt mit μ=50\mu = 50 und σ=5\sigma = 5. Die untere Grenze aa ist kleiner als μ\mu, die obere Grenze bb ist größer als μ\mu. Der Abstand von bb zu μ\mu ist dreimal so groß wie der Abstand von aa zu μ\mu. Bestimme aa und bb, wenn P(aXb)=0,8P(a \leq X \leq b) = 0{,}8.

Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Informationen und Bedingungen analysieren
    • μ=50\mu = 50, σ=5\sigma = 5, p=0,8p = 0{,}8
    • Bedingungen: a<50a < 50, b>50b > 50, (b50)=3(50a)(b - 50) = 3 \cdot (50 - a)
  2. Schritt 2
    Grenzen mit einer Hilfsvariable ausdrücken

    Sei xx der Abstand von aa zu μ\mu: x=50ax = 50 - a. Da a<50a < 50, ist x>0x > 0.

    • Untere Grenze: a=50xa = 50 - x
    • Obere Grenze: Der Abstand von bb ist 3x3x. Also b=50+3xb = 50 + 3x.
  3. Schritt 3
    Gleichung für den Taschenrechner aufstellen

    P(50xX50+3x)=0,8P(50-x \leq X \leq 50+3x) = 0{,}8

    normCdf(50x, 50+3x, 50, 5)=0,8\text{normCdf}(50-x,\ 50+3x,\ 50,\ 5) = 0{,}8

  4. Schritt 4
    Gleichung mit `solve` lösen

    solve(normCdf(50-x, 50+3x, 50, 5) = 0.8, x)

    Der Rechner liefert eine positive Lösung für xx: x4,456x \approx 4{,}456.

  5. Schritt 5 · Ergebnis
    Gesuchte Größe berechnen
    • a=50x504,456=45,544a = 50 - x \approx 50 - 4{,}456 = 45{,}544
    • b=50+3x50+34,456=63,368b = 50 + 3x \approx 50 + 3 \cdot 4{,}456 = 63{,}368
Ergebnis:

Die Grenzen sind a45,54a \approx 45{,}54 und b63,37b \approx 63{,}37.

Beispiel 3

Aufgabe

Eine Zufallsgröße XX ist normalverteilt mit μ=20\mu = 20 und σ=3\sigma = 3. Die obere Grenze bb eines Intervalls [a,b][a, b] ist fix bei b=25b = 25. Bestimme die untere Grenze aa, sodass P(aX25)=0,75P(a \leq X \leq 25) = 0{,}75.

Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Informationen und Bedingungen analysieren
    • μ=20\mu = 20, σ=3\sigma = 3, p=0,75p = 0{,}75
    • Bedingungen: b=25b = 25, aa ist gesucht.
  2. Schritt 2
    Grenzen mit einer Hilfsvariable ausdrücken

    Die gesuchte Größe ist direkt die untere Grenze. Wir können sie im Rechner als Variable aa verwenden.

    • Untere Grenze: aa
    • Obere Grenze: 2525
  3. Schritt 3
    Gleichung für den Taschenrechner aufstellen

    P(aX25)=0,75P(a \leq X \leq 25) = 0{,}75

    normCdf(a, 25, 20, 3)=0,75\text{normCdf}(a,\ 25,\ 20,\ 3) = 0{,}75

  4. Schritt 4
    Gleichung mit `solve` lösen

    solve(normCdf(a, 25, 20, 3)=0,75, a)\text{solve}(\text{normCdf}(a,\ 25,\ 20,\ 3) = 0{,}75,\ a)

    Der Rechner liefert die Lösung a16,95a \approx 16{,}95.

  5. Schritt 5 · Ergebnis
    Gesuchte Größe berechnen

    Die Lösung ist direkt der gesuchte Wert für aa.

Ergebnis:

Die untere Grenze ist a16,95a \approx 16{,}95.

Beispiel 4

Aufgabe

Eine Zufallsgröße XX ist normalverteilt mit μ=10\mu = 10 und σ=1\sigma = 1. Die Breite des Intervalls [a,b][a, b] beträgt 3, also ba=3b - a = 3. Bestimme die Grenzen aa und bb, wenn P(aXb)=0,95P(a \leq X \leq b) = 0{,}95.

Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Informationen und Bedingungen analysieren
    • μ=10\mu = 10, σ=1\sigma = 1, p=0,95p = 0{,}95
    • Bedingung: ba=3b - a = 3
  2. Schritt 2
    Grenzen mit einer Hilfsvariable ausdrücken

    Wir können bb durch aa ausdrücken: b=a+3b = a + 3. Unsere Hilfsvariable ist aa selbst.

    • Untere Grenze: aa
    • Obere Grenze: a+3a + 3
  3. Schritt 3
    Gleichung für den Taschenrechner aufstellen

    P(aXa+3)=0,95P(a \leq X \leq a+3) = 0{,}95

    normCdf(a, a+3, 10, 1)=0,95\text{normCdf}(a,\ a+3,\ 10,\ 1) = 0{,}95

  4. Schritt 4
    Gleichung mit `solve` lösen

    solve(normCdf(a, a+3, 10, 1) = 0.95, a)

    Der Rechner liefert die Lösung a8,805a \approx 8{,}805.

  5. Schritt 5 · Ergebnis
    Gesuchte Größe berechnen
    • a8,805a \approx 8{,}805
    • b=a+38,805+3=11,805b = a + 3 \approx 8{,}805 + 3 = 11{,}805
Ergebnis:

Die Grenzen sind a8,81a \approx 8{,}81 und b11,81b \approx 11{,}81.

Beispiel 5

Aufgabe

Eine Zufallsgröße XX ist normalverteilt mit μ=200\mu = 200 und σ=10\sigma = 10. Die untere Grenze aa ist um 5 größer als der Erwartungswert. Die obere Grenze bb ist variabel. Bestimme bb, sodass P(aXb)=0,15P(a \leq X \leq b) = 0{,}15.

Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Informationen und Bedingungen analysieren
    • μ=200\mu = 200, σ=10\sigma = 10, p=0,15p = 0{,}15
    • Bedingung: a=200+5=205a = 200 + 5 = 205
  2. Schritt 2
    Grenzen mit einer Hilfsvariable ausdrücken

    Die untere Grenze ist fix. Die gesuchte Größe ist die obere Grenze bb. Wir können sie im Rechner als Variable bb verwenden.

    • Untere Grenze: 205205
    • Obere Grenze: bb
  3. Schritt 3
    Gleichung für den Taschenrechner aufstellen

    P(205Xb)=0,15P(205 \leq X \leq b) = 0{,}15

    normCdf(205, b, 200, 10)=0,15\text{normCdf}(205,\ b,\ 200,\ 10) = 0{,}15

  4. Schritt 4
    Gleichung mit `solve` lösen

    solve(normCdf(205, b, 200, 10)=0,15, b)\text{solve}(\text{normCdf}(205,\ b,\ 200,\ 10) = 0{,}15,\ b)

    Der Rechner liefert die Lösung b213,25b \approx 213{,}25.

  5. Schritt 5 · Ergebnis
    Gesuchte Größe berechnen

    Die Lösung ist direkt der gesuchte Wert für bb.

Ergebnis:

Die obere Grenze ist b213,25b \approx 213{,}25.

Wichtige Erkenntnisse

  • Von Wahrscheinlichkeit zu Wert: Verwende den invNorm(Fla¨chelinks, μ, σ)\text{invNorm}(\text{Fläche}_{\text{links}},\ \mu,\ \sigma)-Befehl. Er ist die Umkehrung von normCdf.
  • Einseitiges Intervall P(X<c)=pP(X < c) = p: Dies ist der einfachste Fall. Du kannst direkt c=invNorm(p, μ, σ)c = \text{invNorm}(p,\ \mu,\ \sigma) verwenden.
  • Symmetrisches Intervall P(μc<X<μ+c)=pP(\mu - c < X < \mu + c) = p: Der Schlüssel ist die Berechnung der linken Randwahrscheinlichkeit plinks=1p2p_{\text{links}} = \frac{1 - p}{2}. Damit findest du die untere Grenze und daraus cc.
  • Gespiegeltes Intervall: Ein Intervall [μd1, μ+d2][\mu - d_1,\ \mu + d_2] hat dieselbe Wahrscheinlichkeit wie das gespiegelte Intervall [μd2, μ+d1][\mu - d_2,\ \mu + d_1].
  • Komplexe Bedingungen: Übersetze die Textbeschreibung in Formeln für die Grenzen aa und bb (oft mit einer Hilfsvariable xx) und löse die Gleichung normCdf()=p\text{normCdf}(\ldots) = p mit dem solve-Befehl deines Taschenrechners.

Häufige Fragen

Was sind Intervalle bei der Normalverteilung?

Bei der Normalverteilung gibt ein Intervall den Wertebereich an, in dem ein bestimmter Anteil aller Werte liegt. Die Wahrscheinlichkeit entspricht der Fläche unter der Glockenkurve über diesem Intervall. Je nach Aufgabe suchst du entweder eine einseitige Grenze c mit P(X < c) = p, ein symmetrisches Intervall um den Erwartungswert oder ein gespiegeltes Intervall mit gleicher Wahrscheinlichkeit.

Wie verwendest du den invNorm-Befehl, um eine Intervallgrenze zu berechnen?

Der invNorm-Befehl ist die Umkehrung von normCdf: Er nimmt eine Wahrscheinlichkeit (Fläche links von der gesuchten Grenze) und gibt den zugehörigen x-Wert zurück. Die Syntax lautet invNorm(p, µ, σ). Für P(X < c) = 0,25 mit µ = 200 und σ = 5 gibst du invNorm(0,25, 200, 5) ein und erhältst c ≈ 196,63.

Wie bestimmst du ein symmetrisches Intervall bei der Normalverteilung?

Für ein symmetrisches Intervall [µ − c, µ + c] mit zentraler Wahrscheinlichkeit p berechnest du zunächst die linke Randwahrscheinlichkeit: p_links = (1 − p) / 2. Dann findest du die untere Grenze mit x_unten = invNorm(p_links, µ, σ). Der gesuchte Abstand ergibt sich als c = µ − x_unten.

Was ist ein gespiegeltes Intervall bei der Normalverteilung?

Ein gespiegeltes Intervall entsteht, wenn du die Abstände der Grenzen zum Erwartungswert µ vertauschst. Hat das ursprüngliche Intervall die Grenzen a = µ − d₁ und b = µ + d₂, dann ist das gespiegelte Intervall [µ − d₂, µ + d₁]. Dank der Symmetrie der Glockenkurve haben beide Intervalle exakt dieselbe Wahrscheinlichkeit.

Wie löst du komplexe Intervallbedingungen mit dem solve-Befehl?

Bei komplexen Bedingungen führst du eine Hilfsvariable x ein, die z. B. einen Abstand beschreibt, und drückst beide Grenzen a und b damit aus. Dann stellst du die Gleichung normCdf(a(x), b(x), µ, σ) = p auf und löst sie mit dem solve-Befehl des Taschenrechners: solve(normCdf(...) = p, x). Die Lösung für x setzt du abschließend in die Terme für a und b ein.

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