Die Gauß-Funktion – auch Gaußsche Glockenkurve oder Normalverteilung genannt – begegnet dir überall: bei Schulnoten, Körpergrößen, Aktienkursen oder Qualitätskontrollen. Hast du dich jemals gefragt, warum die meisten Leute bei einem Test eine durchschnittliche Note bekommen, während nur wenige super gut oder super schlecht sind? Die Antwort steckt in dieser Kurve. Wenn du verstehst, wie die Gauß-Funktion funktioniert, bekommst du einen eingebauten „BS-Detektor" für Statistiken – und kannst sofort erkennen, ob Daten in den Nachrichten Sinn ergeben oder ob jemand versucht, dich zu täuschen.
Vorwissen
Bevor wir in die Details der Gauß-Funktion eintauchen, solltest du diese Grundlagen kennen:
-
Funktionsgraph: Eine visuelle Darstellung einer Funktion in einem Koordinatensystem.
- Beispiel: Der Graph der Funktion ist eine Parabel, die nach oben geöffnet ist.
-
Maximum (Hochpunkt): Der höchste Punkt auf einem Funktionsgraphen in einem bestimmten Bereich.
- Beispiel: Die Funktion hat ihr Maximum bei .
-
Wendepunkt: Ein Punkt auf einem Graphen, an dem sich die Krümmung ändert (z.B. von einer Rechts- zu einer Linkskurve).
- Beispiel: Die Funktion hat einen Wendepunkt im Ursprung .
-
Achsensymmetrie: Eine Eigenschaft eines Graphen, bei der er an einer senkrechten Achse gespiegelt werden kann und dabei auf sich selbst abgebildet wird.
- Beispiel: Der Graph von ist achsensymmetrisch zur y-Achse.
-
Bestimmtes Integral als Fläche: Das bestimmte Integral berechnet die Fläche zwischen dem Graphen der Funktion und der x-Achse im Intervall von bis .
- Beispiel: berechnet die Fläche eines Dreiecks unter der Geraden zwischen und .
Aufgabentyp 1: Dichtefunktion der Normalverteilung skizzieren
Die Gaußsche Glockenkurve ist der Graph der Dichtefunktion einer Normalverteilung. Ihr Aussehen wird durch zwei Parameter bestimmt:
- Erwartungswert (My): Das ist die x-Koordinate des höchsten Punktes der Kurve. Er gibt an, wo das Zentrum der Verteilung liegt.
- Standardabweichung (Sigma): Diese Zahl beschreibt, wie breit oder schmal die Glocke ist. Ein kleines bedeutet eine schmale, hohe Glocke, ein großes eine breite, flache Glocke.
Um die Kurve schnell und präzise zu skizzieren, brauchen wir nur drei Schlüsselpunkte:
- Das Maximum (Hochpunkt): Liegt immer bei .
- Die zwei Wendepunkte: Liegen immer bei und .
Die y-Werte dieser Punkte berechnet man mit der Funktionsgleichung:
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Identifiziere die Parameter: Lies den Erwartungswert und die Standardabweichung aus der Notation ab.
- Berechne das Maximum: Die x-Koordinate ist . Setze in die Formel ein – der e-Term wird dabei immer zu .
- Berechne die Wendepunkte: Die x-Koordinaten sind und . Setze einen der Werte in die Formel ein – der e-Term wird hier immer zu .
- Skizziere den Graphen: Zeichne ein Koordinatensystem, trage die drei Punkte ein und verbinde sie zu einer glatten Glockenkurve.
- Schraffiere die Wahrscheinlichkeitsfläche: Falls gefordert, wähle zwei x-Werte und und schraffiere die Fläche unter der Kurve – diese stellt dar.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Skizziere den Graphen der Dichtefunktion und markiere die Wahrscheinlichkeit .
- Schritt 1Parameter identifizieren
Aus lesen wir ab: und .
- Schritt 2Koordinaten des Maximums berechnen
Die x-Koordinate ist . Die y-Koordinate ist: Der Hochpunkt ist .
- Schritt 3Koordinaten der Wendepunkte berechnen
Die x-Koordinaten sind: Die y-Koordinate ist: Die Wendepunkte sind und .
- Schritt 4 & 5 · ErgebnisGraph skizzieren und Fläche schraffieren
Wir zeichnen die Glockenkurve durch die Punkte , und und schraffieren die Fläche zwischen und .

Glockenkurve mit Hochpunkt bei x=10 und schraffierter Fläche
Hochpunkt , Wendepunkte und . Die schraffierte Fläche zeigt .
Beispiel 2
Skizziere den Graphen der Dichtefunktion und markiere die Wahrscheinlichkeit .
- Schritt 1Parameter identifizieren
Aus lesen wir ab: und . Dies ist die Standardnormalverteilung.
- Schritt 2Koordinaten des Maximums berechnen
. Der Hochpunkt ist .
- Schritt 3Koordinaten der Wendepunkte berechnen
Die Wendepunkte sind und .
- Schritt 4 & 5 · ErgebnisGraph skizzieren und Fläche schraffieren
Wir zeichnen die Kurve durch die Punkte und schraffieren die Fläche zwischen und .

Standardnormalverteilung mit schraffierter Fläche links vom Zentrum
Hochpunkt , Wendepunkte und . Die schraffierte Fläche zeigt .
Beispiel 3
Skizziere den Graphen der Dichtefunktion und markiere die Wahrscheinlichkeit .
- Schritt 1Parameter identifizieren
Aus lesen wir ab: und .
- Schritt 2Koordinaten des Maximums berechnen
. Der Hochpunkt ist .
- Schritt 3Koordinaten der Wendepunkte berechnen
Die Wendepunkte sind und .
- Schritt 4 & 5 · ErgebnisGraph skizzieren und Fläche schraffieren
Wir zeichnen die schmale, hohe Kurve und schraffieren die Fläche zwischen und .

Schmale hohe Glockenkurve mit Hochpunkt bei x=5
Hochpunkt , Wendepunkte und . Die schraffierte Fläche zeigt .
Aufgabentyp 2: Symmetrie der Glockenkurve nutzen
Die Gaußsche Glockenkurve ist perfekt achsensymmetrisch zu der senkrechten Geraden .
Stell dir vor, du faltest den Graphen entlang dieser Linie. Die linke und die rechte Hälfte der Kurve würden exakt aufeinander liegen.
Was bedeutet das für die Funktionswerte? Es bedeutet, dass zwei x-Werte, die den gleichen Abstand vom Mittelwert haben, auch den gleichen Funktionswert (also die gleiche Höhe auf dem Graphen) haben.
Die Regel lautet: Wenn , dann gilt .

Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Identifiziere den Mittelwert : Lies den Wert für aus der gegebenen Funktion ab.
- Berechne die Abstände zum Mittelwert: Nimm jeden der angegebenen x-Werte und berechne seinen Abstand – der Abstand ist immer positiv.
- Vergleiche die Abstände: Suche in deiner Liste der berechneten Abstände nach Werten, die gleich sind.
- Formuliere die Gleichheit: Die x-Werte mit gleichen Abständen haben identische Funktionswerte. Schreibe die Gleichheit auf, z.B. .
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Gegeben ist die Funktion . Welche der folgenden Funktionswerte sind identisch? , , ,
- Schritt 1Mittelwert $\mu$ identifizieren
Für ist der Mittelwert .
- Schritt 2Abstände zum Mittelwert berechnen
- Für :
- Für :
- Für :
- Für :
- Schritt 3Abstände vergleichen
Wir sehen zwei Paare mit gleichen Abständen:
- Der Abstand für 80 und 120 ist .
- Der Abstand für 110 und 90 ist 10.
- Schritt 4 · ErgebnisGleichheit formulieren
Die gesuchten Gleichheiten sind:
und .
Beispiel 2
Gegeben ist die Funktion . Welche der folgenden Funktionswerte sind identisch? , , ,
- Schritt 1Mittelwert $\mu$ identifizieren
Für ist der Mittelwert .
- Schritt 2Abstände zum Mittelwert berechnen
- Für :
- Für :
- Für :
- Für :
- Schritt 3Abstände vergleichen
Die Werte 15 und 35 haben beide den Abstand 10 zum Mittelwert.
- Schritt 4 · ErgebnisGleichheit formulieren
Die gesuchte Gleichheit ist:
.
Beispiel 3
Gegeben ist die Funktion . Welche der folgenden Funktionswerte sind identisch? , , ,
- Schritt 1Mittelwert $\mu$ identifizieren
Für ist der Mittelwert .
- Schritt 2Abstände zum Mittelwert berechnen
- Für :
- Für :
- Für :
- Für :
- Schritt 3Abstände vergleichen
Wir sehen zwei Paare mit gleichen Abständen:
- Der Abstand für -12 und -8 ist .
- Der Abstand für -14 und -6 ist 4.
- Schritt 4 · ErgebnisGleichheit formulieren
Die gesuchten Gleichheiten sind:
und .
Aufgabentyp 3: Integral im Sachzusammenhang deuten
In der Wahrscheinlichkeitsrechnung hat die Fläche unter der Glockenkurve eine besondere Bedeutung. Die Gesamtfläche unter der Kurve ist immer exakt 1, was 100% aller möglichen Ergebnisse entspricht.
Wenn wir nur einen Teil dieser Fläche betrachten, also die Fläche zwischen zwei Werten und , berechnen wir die Wahrscheinlichkeit, dass ein zufälliges Ergebnis genau in diesem Bereich liegt. Diese Fläche wird mathematisch durch ein bestimmtes Integral ausgedrückt:
- : Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zufallsgröße einen Wert zwischen und annimmt.
- : Die untere Grenze des Intervalls.
- : Die obere Grenze des Intervalls.
- : Die Dichtefunktion, die die Form der Kurve beschreibt.
Deine Aufgabe ist es, diesen mathematischen Ausdruck in einen verständlichen Satz über den gegebenen Sachzusammenhang zu übersetzen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Verstehe den Sachzusammenhang: Lies die Aufgabenstellung und identifiziere, was die Zufallsgröße misst (z.B. Körpergröße, Gewicht, Niederschlagsmenge) und welche Einheiten verwendet werden.
- Lies Grenzen und Wert des Integrals ab: Identifiziere die untere Grenze , die obere Grenze und den Wert des Integrals (die Wahrscheinlichkeit ) aus dem gegebenen Ausdruck .
- Formuliere die Bedeutung: Setze die Informationen zu einem Satz zusammen: „Die Wahrscheinlichkeit, dass [Beschreibung von X] zwischen [Einheit] und [Einheit] liegt, beträgt ."
- Rechne die Wahrscheinlichkeit in Prozent um: Wandle den Dezimalwert in eine Prozentzahl um (multipliziere mit 100), um die Aussage noch verständlicher zu machen.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Die Lebensdauer von LED-Lampen einer bestimmten Marke ist normalverteilt. Der Ausdruck beschreibt einen Sachverhalt. Erläutere seine Bedeutung.
- Schritt 1Sachzusammenhang verstehen
Die Zufallsgröße misst die Lebensdauer von LED-Lampen in Stunden.
- Schritt 2Grenzen und Wert des Integrals ablesen
Untere Grenze . Obere Grenze . Wert des Integrals .
- Schritt 3Bedeutung formulieren
„Die Wahrscheinlichkeit, dass die Lebensdauer einer zufällig ausgewählten LED-Lampe zwischen Stunden und Stunden liegt, beträgt ungefähr ."
- Schritt 4 · ErgebnisWahrscheinlichkeit in Prozent umrechnen
.
Die Wahrscheinlichkeit, dass eine LED-Lampe zwischen 18.000 und 22.000 Stunden brennt, liegt bei ca. 68%.
Beispiel 2
Das Gewicht von Kaffeepackungen, die maschinell abgefüllt werden, ist normalverteilt. Der Ausdruck beschreibt einen Sachverhalt. Erläutere seine Bedeutung.
- Schritt 1Sachzusammenhang verstehen
Die Zufallsgröße misst das Gewicht einer Kaffeepackung in Gramm.
- Schritt 2Grenzen und Wert des Integrals ablesen
Untere Grenze . Obere Grenze . Wert des Integrals .
- Schritt 3Bedeutung formulieren
„Die Wahrscheinlichkeit, dass das Gewicht einer zufällig ausgewählten Kaffeepackung zwischen Gramm und Gramm liegt, beträgt ungefähr ."
- Schritt 4 · ErgebnisWahrscheinlichkeit in Prozent umrechnen
.
Mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 95,4% wiegt eine Kaffeepackung zwischen 495 g und 505 g.
Beispiel 3
Die Körpergröße von erwachsenen Männern in Deutschland ist normalverteilt. Der Ausdruck beschreibt einen Sachverhalt. Erläutere seine Bedeutung.
- Schritt 1Sachzusammenhang verstehen
Die Zufallsgröße misst die Körpergröße von erwachsenen Männern in Zentimetern.
- Schritt 2Grenzen und Wert des Integrals ablesen
Untere Grenze . Obere Grenze (unendlich), was „größer als" bedeutet. Wert des Integrals .
- Schritt 3Bedeutung formulieren
„Die Wahrscheinlichkeit, dass die Körpergröße eines zufällig ausgewählten Mannes zwischen cm und cm (also größer als 190 cm) liegt, beträgt ungefähr ."
- Schritt 4 · ErgebnisWahrscheinlichkeit in Prozent umrechnen
.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein erwachsener Mann in Deutschland größer als 190 cm ist, beträgt ca. 2,5%.
Aufgabentyp 4: Vollständige Kurvendiskussion
Eine vollständige Analyse der Gauß-Funktion kombiniert die bisherigen Schritte und fügt eine wichtige Fähigkeit hinzu: das Schätzen von Wahrscheinlichkeiten (Integralen) ohne Taschenrechner.
Dafür nutzen wir die Sigma-Regeln (auch empirische Regeln genannt). Sie sind extrem nützliche Faustregeln:
- -Regel: Ungefähr aller Werte liegen im Intervall .
- -Regel: Ungefähr aller Werte liegen im Intervall .
- -Regel: Ungefähr aller Werte liegen im Intervall .
Indem du das gegebene Intervall eines Integrals mit diesen Sigma-Intervallen vergleichst, kannst du eine sehr gute Schätzung für die gesuchte Wahrscheinlichkeit abgeben. Die exakte Berechnung erfolgt dann mit dem Taschenrechner, meist mit einer Funktion wie normalcdf oder .
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Teil (a) Analyse und Schätzung
- Bestimme Maximum und Wendepunkte: Berechne die Koordinaten des Hochpunkts und der Wendepunkte wie in Aufgabentyp 1.
- Berechne die Sigma-Intervalle: Berechne die Grenzen für das -Intervall und das -Intervall .
- Vergleiche das gegebene Intervall: Vergleiche das Intervall aus dem Integral mit den Sigma-Intervallen. Ist es schmaler, breiter oder fast gleich groß?
- Gib eine Schätzung ab: Basierend auf dem Vergleich, gib eine begründete Schätzung ab. Beispiel: „Das Intervall ist etwas breiter als der -Bereich, also erwarte ich einen Wert etwas über 68%."
Teil (b) Zeichnung und exakte Berechnung
- Zeichne den Graphen: Skizziere den Graphen der Funktion mithilfe der in Schritt 1 berechneten Punkte.
- Berechne das Integral exakt: Nutze die entsprechende Funktion deines Taschenrechners, um den Wert von zu berechnen. Der Befehl lautet oft
normalcdf(a, b, μ, σ). - Überprüfe die Schätzung: Vergleiche dein exaktes Ergebnis mit der Schätzung und formuliere einen Satz, ob deine Schätzung gut war.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Gegeben ist die Funktion . a) Bestimme Maximum und Wendepunkte. Schätze den Wert des Integrals . b) Zeichne den Graphen und berechne das Integral exakt.
- Schritt 1Maximum und Wendepunkte
- Maximum:
- Wendepunkte: , . , .
- Schritt 2Sigma-Intervalle
- -Intervall:
- -Intervall:
- Schritt 3Gegebenes Intervall vergleichen
Das gegebene Intervall ist exakt das -Intervall.
- Schritt 4Schätzung abgeben
Da das Intervall genau dem -Bereich entspricht, schätze ich den Wert des Integrals auf ca. oder 0,68.
- Schritt 5Graph zeichnen

Glockenkurve mit mu=50 und schraffiertem 1-Sigma-Bereich - Schritt 6Integral exakt berechnen
Mit dem Taschenrechner:
normalcdf(40, 60, 50, 10) - Schritt 7 · ErgebnisSchätzung überprüfen
Der exakte Wert von ca. 0,6827 liegt sehr nah an unserer Schätzung von 0,68. Die Schätzung war also sehr gut.
.
Beispiel 2
Gegeben ist die Funktion . a) Bestimme Maximum und Wendepunkte. Schätze den Wert des Integrals . b) Zeichne den Graphen und berechne das Integral exakt.
- Schritt 1Maximum und Wendepunkte
- Maximum:
- Wendepunkte: , . , .
- Schritt 2Sigma-Intervalle
- -Intervall:
- -Intervall:
- Schritt 3Gegebenes Intervall vergleichen
Das gegebene Intervall beginnt an der linken Grenze des -Intervalls und endet an der rechten Grenze des -Intervalls. Es ist also breiter als der -Bereich (68%) aber schmaler als der -Bereich (95%).
- Schritt 4Schätzung abgeben
Das Intervall ist asymmetrisch um . Es deckt die rechte Hälfte des -Bereichs (ca. 34%) und die rechte Hälfte des -Bereichs (ca. 47,5%) ab. Eine einfachere Schätzung: Es ist mehr als 68%, aber nicht ganz 95%. Ich schätze ca. 80% oder 0,8.
- Schritt 5Graph zeichnen

Glockenkurve mit mu=12 und asymmetrisch schraffierter Fläche - Schritt 6Integral exakt berechnen
Mit dem Taschenrechner:
normalcdf(10, 16, 12, 2) - Schritt 7 · ErgebnisSchätzung überprüfen
Der exakte Wert von ca. 0,8186 bestätigt unsere Schätzung von ca. 0,8. Die Schätzung war gut.
.
Beispiel 3
Gegeben ist die Funktion . a) Bestimme Maximum und Wendepunkte. Schätze den Wert des Integrals . b) Zeichne den Graphen und berechne das Integral exakt.
- Schritt 1Maximum und Wendepunkte
- Maximum:
- Wendepunkte: , . , .
- Schritt 2Sigma-Intervalle
- -Intervall:
- -Intervall:
- Schritt 3Gegebenes Intervall vergleichen
Das gegebene Intervall ist exakt das -Intervall.
- Schritt 4Schätzung abgeben
Da das Intervall genau dem -Bereich entspricht, schätze ich den Wert des Integrals auf ca. oder 0,954.
- Schritt 5Graph zeichnen

Standardnormalverteilung mit schraffiertem 2-Sigma-Bereich - Schritt 6Integral exakt berechnen
Mit dem Taschenrechner:
normalcdf(-2, 2, 0, 1) - Schritt 7 · ErgebnisSchätzung überprüfen
Der exakte Wert von ca. 0,9545 ist fast identisch mit unserer Schätzung von 0,954. Die Schätzung war exzellent.
.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Form der Gauß-Kurve wird durch den Erwartungswert (Position des Gipfels) und die Standardabweichung (Breite der Glocke) bestimmt.
- Zum Skizzieren reichen drei Punkte: das Maximum bei und die Wendepunkte bei .
- Die Kurve ist perfekt symmetrisch zur Achse . Punkte mit gleichem Abstand zu haben den gleichen y-Wert.
- Die Fläche unter der Kurve entspricht einer Wahrscheinlichkeit. Die Gesamtfläche ist immer 1 (oder 100%).
- Die Sigma-Regeln sind mächtige Werkzeuge zur Schätzung: ca. der Fläche liegt im -Intervall, ca. im -Intervall.
Häufige Fragen
Was ist die Gauß-Funktion?
Die Gauß-Funktion ist die Dichtefunktion der Normalverteilung. Ihr Graph ist die bekannte Gaußsche Glockenkurve. Sie wird durch zwei Parameter bestimmt: den Erwartungswert μ, der die Lage des Maximums angibt, und die Standardabweichung σ, die die Breite der Glocke beschreibt. Ein kleines σ ergibt eine schmale, hohe Kurve; ein großes σ eine breite, flache. Die Gauß-Funktion taucht überall auf, wo Zufallsgrößen wie Noten, Körpergrößen oder Messfehler normalverteilt sind.
Wie skizzierst du die Glockenkurve einer Normalverteilung?
Du brauchst nur drei Punkte: das Maximum bei $x = μ$ und die zwei Wendepunkte bei $x = μ - σ$ und $x = μ + σ$. Berechne die y-Werte mit der Formel der Dichtefunktion – beim Maximum vereinfacht sich der e-Term zu $e^0 = 1$, bei den Wendepunkten zu $e^{-0{,}5}$. Trage die drei Punkte in ein Koordinatensystem ein und verbinde sie zu einer glatten Glockenkurve.
Was sagen die Sigma-Regeln bei der Normalverteilung aus?
Die Sigma-Regeln sind Faustregeln für den Flächenanteil unter der Glockenkurve: Im 1σ-Intervall $[μ-σ, μ+σ]$ liegen ca. 68,3 % aller Werte, im 2σ-Intervall ca. 95,4 % und im 3σ-Intervall ca. 99,7 %. Mit diesen Regeln kannst du Wahrscheinlichkeiten ohne Taschenrechner schätzen, indem du das gesuchte Intervall mit den Sigma-Grenzen vergleichst.
Wie nutzt du die Symmetrie der Gauß-Funktion?
Die Gauß-Kurve ist achsensymmetrisch zur Geraden $x = μ$. Das bedeutet: Zwei x-Werte, die den gleichen Abstand zum Erwartungswert μ haben, liefern identische Funktionswerte. Die Regel lautet: Wenn $|x_1 - μ| = |x_2 - μ|$, dann gilt $φ(x_1) = φ(x_2)$. Berechne einfach den Abstand $|x - μ|$ für jeden Wert und suche nach gleichen Abständen – die zugehörigen Funktionswerte sind dann gleich.
Was bedeutet das Integral unter der Gauß-Kurve?
Die Fläche unter der gesamten Gauß-Kurve beträgt immer genau 1 (= 100 %). Die Fläche zwischen zwei Werten $x_a$ und $x_b$ entspricht der Wahrscheinlichkeit $P(x_a \le X \le x_b)$. Mathematisch wird sie durch das bestimmte Integral $\int_{x_a}^{x_b} φ(x)\,dx$ berechnet. Im Sachzusammenhang gibt dieser Wert an, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Zufallsgröße – zum Beispiel eine Körpergröße oder Lebensdauer – in das gegebene Intervall fällt.