Gauß-Funktion einfach erklärt: Normalverteilung verstehen

Die Gauß-Funktion und die Normalverteilung Schritt für Schritt erklärt: Glockenkurve skizzieren, Symmetrie nutzen, Integrale deuten und Sigma-Regeln anwenden – mit vielen Beispielen.

📅 Aktualisiert 30. Juni 202626 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion

Die Gauß-Funktion – auch Gaußsche Glockenkurve oder Normalverteilung genannt – begegnet dir überall: bei Schulnoten, Körpergrößen, Aktienkursen oder Qualitätskontrollen. Hast du dich jemals gefragt, warum die meisten Leute bei einem Test eine durchschnittliche Note bekommen, während nur wenige super gut oder super schlecht sind? Die Antwort steckt in dieser Kurve. Wenn du verstehst, wie die Gauß-Funktion funktioniert, bekommst du einen eingebauten „BS-Detektor" für Statistiken – und kannst sofort erkennen, ob Daten in den Nachrichten Sinn ergeben oder ob jemand versucht, dich zu täuschen.

Vorwissen

Bevor wir in die Details der Gauß-Funktion eintauchen, solltest du diese Grundlagen kennen:

  • Funktionsgraph: Eine visuelle Darstellung einer Funktion in einem Koordinatensystem.

    • Beispiel: Der Graph der Funktion f(x)=x2f(x) = x^2 ist eine Parabel, die nach oben geöffnet ist.
  • Maximum (Hochpunkt): Der höchste Punkt auf einem Funktionsgraphen in einem bestimmten Bereich.

    • Beispiel: Die Funktion f(x)=x2+2f(x) = -x^2 + 2 hat ihr Maximum bei (02)(0|2).
  • Wendepunkt: Ein Punkt auf einem Graphen, an dem sich die Krümmung ändert (z.B. von einer Rechts- zu einer Linkskurve).

    • Beispiel: Die Funktion f(x)=x3f(x) = x^3 hat einen Wendepunkt im Ursprung (00)(0|0).
  • Achsensymmetrie: Eine Eigenschaft eines Graphen, bei der er an einer senkrechten Achse gespiegelt werden kann und dabei auf sich selbst abgebildet wird.

    • Beispiel: Der Graph von f(x)=x2f(x) = x^2 ist achsensymmetrisch zur y-Achse.
  • Bestimmtes Integral als Fläche: Das bestimmte Integral abf(x)dx\int_{a}^{b} f(x) dx berechnet die Fläche zwischen dem Graphen der Funktion f(x)f(x) und der x-Achse im Intervall von aa bis bb.

    • Beispiel: 02xdx\int_{0}^{2} x dx berechnet die Fläche eines Dreiecks unter der Geraden y=xy=x zwischen x=0x=0 und x=2x=2.

Aufgabentyp 1: Dichtefunktion der Normalverteilung skizzieren

Die Gaußsche Glockenkurve ist der Graph der Dichtefunktion einer Normalverteilung. Ihr Aussehen wird durch zwei Parameter bestimmt:

  1. Erwartungswert μ\mu (My): Das ist die x-Koordinate des höchsten Punktes der Kurve. Er gibt an, wo das Zentrum der Verteilung liegt.
  2. Standardabweichung σ\sigma (Sigma): Diese Zahl beschreibt, wie breit oder schmal die Glocke ist. Ein kleines σ\sigma bedeutet eine schmale, hohe Glocke, ein großes σ\sigma eine breite, flache Glocke.

Um die Kurve schnell und präzise zu skizzieren, brauchen wir nur drei Schlüsselpunkte:

  • Das Maximum (Hochpunkt): Liegt immer bei x=μx = \mu.
  • Die zwei Wendepunkte: Liegen immer bei x=μσx = \mu - \sigma und x=μ+σx = \mu + \sigma.

Die y-Werte dieser Punkte berechnet man mit der Funktionsgleichung:

ϕμ;σ(x)=1σ2πe12(xμσ)2\phi_{\mu;\sigma}(x) = \frac{1}{\sigma\sqrt{2\pi}} e^{-\frac{1}{2}\left(\frac{x-\mu}{\sigma}\right)^2}

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Identifiziere die Parameter: Lies den Erwartungswert μ\mu und die Standardabweichung σ\sigma aus der Notation ϕμ;σ\phi_{\mu; \sigma} ab.
  2. Berechne das Maximum: Die x-Koordinate ist xmax=μx_{max} = \mu. Setze μ\mu in die Formel ein – der e-Term wird dabei immer zu e0=1e^0 = 1.
  3. Berechne die Wendepunkte: Die x-Koordinaten sind xW1=μσx_{W1} = \mu - \sigma und xW2=μ+σx_{W2} = \mu + \sigma. Setze einen der Werte in die Formel ein – der e-Term wird hier immer zu e0,5e^{-0{,}5}.
  4. Skizziere den Graphen: Zeichne ein Koordinatensystem, trage die drei Punkte ein und verbinde sie zu einer glatten Glockenkurve.
  5. Schraffiere die Wahrscheinlichkeitsfläche: Falls gefordert, wähle zwei x-Werte xax_a und xbx_b und schraffiere die Fläche unter der Kurve – diese stellt P(xaXxb)P(x_a \le X \le x_b) dar.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Skizziere den Graphen der Dichtefunktion ϕ10;2\phi_{10; 2} und markiere die Wahrscheinlichkeit P(8X12)P(8 \le X \le 12).

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Parameter identifizieren

    Aus ϕ10;2\phi_{10; 2} lesen wir ab: μ=10\mu = 10 und σ=2\sigma = 2.

  2. Schritt 2
    Koordinaten des Maximums berechnen

    Die x-Koordinate ist xmax=10x_{max} = 10. Die y-Koordinate ist: ymax=ϕ(10)=122πe12(10102)2=122πe00,1995y_{max} = \phi(10) = \frac{1}{2\sqrt{2\pi}} e^{-\frac{1}{2}\left(\frac{10-10}{2}\right)^2} = \frac{1}{2\sqrt{2\pi}} e^0 \approx 0{,}1995 Der Hochpunkt ist H(100,20)H(10|0{,}20).

  3. Schritt 3
    Koordinaten der Wendepunkte berechnen

    Die x-Koordinaten sind: xW1=102=8x_{W1} = 10 - 2 = 8 xW2=10+2=12x_{W2} = 10 + 2 = 12 Die y-Koordinate ist: yW=ϕ(8)=122πe12(8102)2=122πe0,50,1210y_W = \phi(8) = \frac{1}{2\sqrt{2\pi}} e^{-\frac{1}{2}\left(\frac{8-10}{2}\right)^2} = \frac{1}{2\sqrt{2\pi}} e^{-0{,}5} \approx 0{,}1210 Die Wendepunkte sind W1(80,12)W_1(8|0{,}12) und W2(120,12)W_2(12|0{,}12).

  4. Schritt 4 & 5 · Ergebnis
    Graph skizzieren und Fläche schraffieren

    Wir zeichnen die Glockenkurve durch die Punkte W1W_1, HH und W2W_2 und schraffieren die Fläche zwischen x=8x=8 und x=12x=12.

    Glockenkurve mit Hochpunkt bei x=10 und schraffierter Fläche
    Glockenkurve mit Hochpunkt bei x=10 und schraffierter Fläche
Ergebnis:

Hochpunkt H(100,20)H(10|0{,}20), Wendepunkte W1(80,12)W_1(8|0{,}12) und W2(120,12)W_2(12|0{,}12). Die schraffierte Fläche zeigt P(8X12)P(8 \le X \le 12).

Beispiel 2

Aufgabe

Skizziere den Graphen der Dichtefunktion ϕ0;1\phi_{0; 1} und markiere die Wahrscheinlichkeit P(1X0)P(-1 \le X \le 0).

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Parameter identifizieren

    Aus ϕ0;1\phi_{0; 1} lesen wir ab: μ=0\mu = 0 und σ=1\sigma = 1. Dies ist die Standardnormalverteilung.

  2. Schritt 2
    Koordinaten des Maximums berechnen

    xmax=0x_{max} = 0. ymax=ϕ(0)=112πe00,3989y_{max} = \phi(0) = \frac{1}{1\sqrt{2\pi}} e^0 \approx 0{,}3989 Der Hochpunkt ist H(00,40)H(0|0{,}40).

  3. Schritt 3
    Koordinaten der Wendepunkte berechnen

    xW1=01=1x_{W1} = 0 - 1 = -1 xW2=0+1=1x_{W2} = 0 + 1 = 1 yW=ϕ(1)=12πe0,50,2420y_W = \phi(-1) = \frac{1}{\sqrt{2\pi}} e^{-0{,}5} \approx 0{,}2420 Die Wendepunkte sind W1(10,24)W_1(-1|0{,}24) und W2(10,24)W_2(1|0{,}24).

  4. Schritt 4 & 5 · Ergebnis
    Graph skizzieren und Fläche schraffieren

    Wir zeichnen die Kurve durch die Punkte und schraffieren die Fläche zwischen x=1x=-1 und x=0x=0.

    Standardnormalverteilung mit schraffierter Fläche links vom Zentrum
    Standardnormalverteilung mit schraffierter Fläche links vom Zentrum
Ergebnis:

Hochpunkt H(00,40)H(0|0{,}40), Wendepunkte W1(10,24)W_1(-1|0{,}24) und W2(10,24)W_2(1|0{,}24). Die schraffierte Fläche zeigt P(1X0)P(-1 \le X \le 0).

Beispiel 3

Aufgabe

Skizziere den Graphen der Dichtefunktion ϕ5;0,5\phi_{5; 0,5} und markiere die Wahrscheinlichkeit P(5X6)P(5 \le X \le 6).

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Parameter identifizieren

    Aus ϕ5;0,5\phi_{5; 0,5} lesen wir ab: μ=5\mu = 5 und σ=0,5\sigma = 0{,}5.

  2. Schritt 2
    Koordinaten des Maximums berechnen

    xmax=5x_{max} = 5. ymax=ϕ(5)=10,52πe00,7979y_{max} = \phi(5) = \frac{1}{0{,}5\sqrt{2\pi}} e^0 \approx 0{,}7979 Der Hochpunkt ist H(50,80)H(5|0{,}80).

  3. Schritt 3
    Koordinaten der Wendepunkte berechnen

    xW1=50,5=4,5x_{W1} = 5 - 0{,}5 = 4{,}5 xW2=5+0,5=5,5x_{W2} = 5 + 0{,}5 = 5{,}5 yW=ϕ(4,5)=10,52πe0,50,4839y_W = \phi(4{,}5) = \frac{1}{0{,}5\sqrt{2\pi}} e^{-0{,}5} \approx 0{,}4839 Die Wendepunkte sind W1(4,50,48)W_1(4{,}5|0{,}48) und W2(5,50,48)W_2(5{,}5|0{,}48).

  4. Schritt 4 & 5 · Ergebnis
    Graph skizzieren und Fläche schraffieren

    Wir zeichnen die schmale, hohe Kurve und schraffieren die Fläche zwischen x=5x=5 und x=6x=6.

    Schmale hohe Glockenkurve mit Hochpunkt bei x=5
    Schmale hohe Glockenkurve mit Hochpunkt bei x=5
Ergebnis:

Hochpunkt H(50,80)H(5|0{,}80), Wendepunkte W1(4,50,48)W_1(4{,}5|0{,}48) und W2(5,50,48)W_2(5{,}5|0{,}48). Die schraffierte Fläche zeigt P(5X6)P(5 \le X \le 6).

Aufgabentyp 2: Symmetrie der Glockenkurve nutzen

Die Gaußsche Glockenkurve ist perfekt achsensymmetrisch zu der senkrechten Geraden x=μx = \mu.

Stell dir vor, du faltest den Graphen entlang dieser Linie. Die linke und die rechte Hälfte der Kurve würden exakt aufeinander liegen.

Was bedeutet das für die Funktionswerte? Es bedeutet, dass zwei x-Werte, die den gleichen Abstand vom Mittelwert μ\mu haben, auch den gleichen Funktionswert (also die gleiche Höhe auf dem Graphen) haben.

Die Regel lautet: Wenn x1μ=x2μ|x_1 - \mu| = |x_2 - \mu|, dann gilt ϕ(x1)=ϕ(x2)\phi(x_1) = \phi(x_2).

Symmetrische Glockenkurve mit Achse bei mu
Symmetrische Glockenkurve mit Achse bei mu

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Identifiziere den Mittelwert μ\mu: Lies den Wert für μ\mu aus der gegebenen Funktion ϕμ;σ\phi_{\mu;\sigma} ab.
  2. Berechne die Abstände zum Mittelwert: Nimm jeden der angegebenen x-Werte und berechne seinen Abstand xμ|x - \mu| – der Abstand ist immer positiv.
  3. Vergleiche die Abstände: Suche in deiner Liste der berechneten Abstände nach Werten, die gleich sind.
  4. Formuliere die Gleichheit: Die x-Werte mit gleichen Abständen haben identische Funktionswerte. Schreibe die Gleichheit auf, z.B. ϕ(x1)=ϕ(x2)\phi(x_1) = \phi(x_2).

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Gegeben ist die Funktion ϕ100;10\phi_{100; 10}. Welche der folgenden Funktionswerte sind identisch? ϕ(80)\phi(80), ϕ(110)\phi(110), ϕ(90)\phi(90), ϕ(120)\phi(120)

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Mittelwert $\mu$ identifizieren

    Für ϕ100;10\phi_{100; 10} ist der Mittelwert μ=100\mu = 100.

  2. Schritt 2
    Abstände zum Mittelwert berechnen
    • Für x=80x=80: 80100=20=20|80 - 100| = |-20| = 20
    • Für x=110x=110: 110100=10=10|110 - 100| = |10| = 10
    • Für x=90x=90: 90100=10=10|90 - 100| = |-10| = 10
    • Für x=120x=120: 120100=20=20|120 - 100| = |20| = 20
  3. Schritt 3
    Abstände vergleichen

    Wir sehen zwei Paare mit gleichen Abständen:

    • Der Abstand für 80 und 120 ist 2020.
    • Der Abstand für 110 und 90 ist 10.
  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Gleichheit formulieren

    Die gesuchten Gleichheiten sind: ϕ(80)=ϕ(120)\phi(80) = \phi(120) ϕ(110)=ϕ(90)\phi(110) = \phi(90)

Ergebnis:

ϕ(80)=ϕ(120)\phi(80) = \phi(120) und ϕ(110)=ϕ(90)\phi(110) = \phi(90).

Beispiel 2

Aufgabe

Gegeben ist die Funktion ϕ25;5\phi_{25; 5}. Welche der folgenden Funktionswerte sind identisch? ϕ(25)\phi(25), ϕ(15)\phi(15), ϕ(30)\phi(30), ϕ(35)\phi(35)

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Mittelwert $\mu$ identifizieren

    Für ϕ25;5\phi_{25; 5} ist der Mittelwert μ=25\mu = 25.

  2. Schritt 2
    Abstände zum Mittelwert berechnen
    • Für x=25x=25: 2525=0=0|25 - 25| = |0| = 0
    • Für x=15x=15: 1525=10=10|15 - 25| = |-10| = 10
    • Für x=30x=30: 3025=5=5|30 - 25| = |5| = 5
    • Für x=35x=35: 3525=10=10|35 - 25| = |10| = 10
  3. Schritt 3
    Abstände vergleichen

    Die Werte 15 und 35 haben beide den Abstand 10 zum Mittelwert.

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Gleichheit formulieren

    Die gesuchte Gleichheit ist: ϕ(15)=ϕ(35)\phi(15) = \phi(35)

Ergebnis:

ϕ(15)=ϕ(35)\phi(15) = \phi(35).

Beispiel 3

Aufgabe

Gegeben ist die Funktion ϕ10;4\phi_{-10; 4}. Welche der folgenden Funktionswerte sind identisch? ϕ(12)\phi(-12), ϕ(8)\phi(-8), ϕ(14)\phi(-14), ϕ(6)\phi(-6)

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Mittelwert $\mu$ identifizieren

    Für ϕ10;4\phi_{-10; 4} ist der Mittelwert μ=10\mu = -10.

  2. Schritt 2
    Abstände zum Mittelwert berechnen
    • Für x=12x=-12: 12(10)=2=2|-12 - (-10)| = |-2| = 2
    • Für x=8x=-8: 8(10)=2=2|-8 - (-10)| = |2| = 2
    • Für x=14x=-14: 14(10)=4=4|-14 - (-10)| = |-4| = 4
    • Für x=6x=-6: 6(10)=4=4|-6 - (-10)| = |4| = 4
  3. Schritt 3
    Abstände vergleichen

    Wir sehen zwei Paare mit gleichen Abständen:

    • Der Abstand für -12 und -8 ist 22.
    • Der Abstand für -14 und -6 ist 4.
  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Gleichheit formulieren

    Die gesuchten Gleichheiten sind: ϕ(12)=ϕ(8)\phi(-12) = \phi(-8) ϕ(14)=ϕ(6)\phi(-14) = \phi(-6)

Ergebnis:

ϕ(12)=ϕ(8)\phi(-12) = \phi(-8) und ϕ(14)=ϕ(6)\phi(-14) = \phi(-6).

Aufgabentyp 3: Integral im Sachzusammenhang deuten

In der Wahrscheinlichkeitsrechnung hat die Fläche unter der Glockenkurve eine besondere Bedeutung. Die Gesamtfläche unter der Kurve ist immer exakt 1, was 100% aller möglichen Ergebnisse entspricht.

Wenn wir nur einen Teil dieser Fläche betrachten, also die Fläche zwischen zwei Werten xax_a und xbx_b, berechnen wir die Wahrscheinlichkeit, dass ein zufälliges Ergebnis genau in diesem Bereich liegt. Diese Fläche wird mathematisch durch ein bestimmtes Integral ausgedrückt:

P(xaXxb)=xaxbϕ(x)dxP(x_a \le X \le x_b) = \int_{x_a}^{x_b} \phi(x) dx

  • P(xaXxb)P(x_a \le X \le x_b): Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zufallsgröße XX einen Wert zwischen xax_a und xbx_b annimmt.
  • xax_a: Die untere Grenze des Intervalls.
  • xbx_b: Die obere Grenze des Intervalls.
  • ϕ(x)dx\phi(x) dx: Die Dichtefunktion, die die Form der Kurve beschreibt.

Deine Aufgabe ist es, diesen mathematischen Ausdruck in einen verständlichen Satz über den gegebenen Sachzusammenhang zu übersetzen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Verstehe den Sachzusammenhang: Lies die Aufgabenstellung und identifiziere, was die Zufallsgröße XX misst (z.B. Körpergröße, Gewicht, Niederschlagsmenge) und welche Einheiten verwendet werden.
  2. Lies Grenzen und Wert des Integrals ab: Identifiziere die untere Grenze aa, die obere Grenze bb und den Wert des Integrals (die Wahrscheinlichkeit pp) aus dem gegebenen Ausdruck abϕ(x)dx=p\int_{a}^{b} \phi(x) dx = p.
  3. Formuliere die Bedeutung: Setze die Informationen zu einem Satz zusammen: „Die Wahrscheinlichkeit, dass [Beschreibung von X] zwischen aa [Einheit] und bb [Einheit] liegt, beträgt pp."
  4. Rechne die Wahrscheinlichkeit in Prozent um: Wandle den Dezimalwert pp in eine Prozentzahl um (multipliziere mit 100), um die Aussage noch verständlicher zu machen.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Die Lebensdauer von LED-Lampen einer bestimmten Marke ist normalverteilt. Der Ausdruck 1800022000ϕ(t)dt0,68\int_{18000}^{22000} \phi(t) dt \approx 0{,}68 beschreibt einen Sachverhalt. Erläutere seine Bedeutung.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Sachzusammenhang verstehen

    Die Zufallsgröße tt misst die Lebensdauer von LED-Lampen in Stunden.

  2. Schritt 2
    Grenzen und Wert des Integrals ablesen

    Untere Grenze a=18000a = 18000. Obere Grenze b=22000b = 22000. Wert des Integrals p0,68p \approx 0{,}68.

  3. Schritt 3
    Bedeutung formulieren

    „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Lebensdauer einer zufällig ausgewählten LED-Lampe zwischen 1800018000 Stunden und 2200022000 Stunden liegt, beträgt ungefähr 0,680{,}68."

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Wahrscheinlichkeit in Prozent umrechnen

    0,68=68%0{,}68 = 68\%.

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine LED-Lampe zwischen 18.000 und 22.000 Stunden brennt, liegt bei ca. 68%.

Beispiel 2

Aufgabe

Das Gewicht von Kaffeepackungen, die maschinell abgefüllt werden, ist normalverteilt. Der Ausdruck 495505ϕ(g)dg0,954\int_{495}^{505} \phi(g) dg \approx 0{,}954 beschreibt einen Sachverhalt. Erläutere seine Bedeutung.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Sachzusammenhang verstehen

    Die Zufallsgröße gg misst das Gewicht einer Kaffeepackung in Gramm.

  2. Schritt 2
    Grenzen und Wert des Integrals ablesen

    Untere Grenze a=495a = 495. Obere Grenze b=505b = 505. Wert des Integrals p0,954p \approx 0{,}954.

  3. Schritt 3
    Bedeutung formulieren

    „Die Wahrscheinlichkeit, dass das Gewicht einer zufällig ausgewählten Kaffeepackung zwischen 495495 Gramm und 505505 Gramm liegt, beträgt ungefähr 0,9540{,}954."

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Wahrscheinlichkeit in Prozent umrechnen

    0,954=95,4%0{,}954 = 95{,}4\%.

Ergebnis:

Mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 95,4% wiegt eine Kaffeepackung zwischen 495 g und 505 g.

Beispiel 3

Aufgabe

Die Körpergröße von erwachsenen Männern in Deutschland ist normalverteilt. Der Ausdruck 190ϕ(h)dh0,025\int_{190}^{\infty} \phi(h) dh \approx 0{,}025 beschreibt einen Sachverhalt. Erläutere seine Bedeutung.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Sachzusammenhang verstehen

    Die Zufallsgröße hh misst die Körpergröße von erwachsenen Männern in Zentimetern.

  2. Schritt 2
    Grenzen und Wert des Integrals ablesen

    Untere Grenze a=190a = 190. Obere Grenze b=b = \infty (unendlich), was „größer als" bedeutet. Wert des Integrals p0,025p \approx 0{,}025.

  3. Schritt 3
    Bedeutung formulieren

    „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Körpergröße eines zufällig ausgewählten Mannes zwischen 190190 cm und \infty cm (also größer als 190 cm) liegt, beträgt ungefähr 0,0250{,}025."

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Wahrscheinlichkeit in Prozent umrechnen

    0,025=2,5%0{,}025 = 2{,}5\%.

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein erwachsener Mann in Deutschland größer als 190 cm ist, beträgt ca. 2,5%.

Aufgabentyp 4: Vollständige Kurvendiskussion

Eine vollständige Analyse der Gauß-Funktion kombiniert die bisherigen Schritte und fügt eine wichtige Fähigkeit hinzu: das Schätzen von Wahrscheinlichkeiten (Integralen) ohne Taschenrechner.

Dafür nutzen wir die Sigma-Regeln (auch empirische Regeln genannt). Sie sind extrem nützliche Faustregeln:

  • 1σ1\sigma-Regel: Ungefähr 68,3%68{,}3\% aller Werte liegen im Intervall [μσ,μ+σ][\mu - \sigma, \mu + \sigma].
  • 2σ2\sigma-Regel: Ungefähr 95,4%95{,}4\% aller Werte liegen im Intervall [μ2σ,μ+2σ][\mu - 2\sigma, \mu + 2\sigma].
  • 3σ3\sigma-Regel: Ungefähr 99,7%99{,}7\% aller Werte liegen im Intervall [μ3σ,μ+3σ][\mu - 3\sigma, \mu + 3\sigma].

Indem du das gegebene Intervall eines Integrals mit diesen Sigma-Intervallen vergleichst, kannst du eine sehr gute Schätzung für die gesuchte Wahrscheinlichkeit abgeben. Die exakte Berechnung erfolgt dann mit dem Taschenrechner, meist mit einer Funktion wie normalcdf oder Normale V-DichteNormale\ V\text{-}Dichte.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Teil (a) Analyse und Schätzung

  1. Bestimme Maximum und Wendepunkte: Berechne die Koordinaten des Hochpunkts H(μymax)H(\mu|y_{max}) und der Wendepunkte W1,2(μ±σyW)W_{1,2}(\mu \pm \sigma|y_W) wie in Aufgabentyp 1.
  2. Berechne die Sigma-Intervalle: Berechne die Grenzen für das 1σ1\sigma-Intervall [μσ,μ+σ][\mu - \sigma, \mu + \sigma] und das 2σ2\sigma-Intervall [μ2σ,μ+2σ][\mu - 2\sigma, \mu + 2\sigma].
  3. Vergleiche das gegebene Intervall: Vergleiche das Intervall [a,b][a, b] aus dem Integral abϕ(x)dx\int_{a}^{b} \phi(x) dx mit den Sigma-Intervallen. Ist es schmaler, breiter oder fast gleich groß?
  4. Gib eine Schätzung ab: Basierend auf dem Vergleich, gib eine begründete Schätzung ab. Beispiel: „Das Intervall ist etwas breiter als der 1σ1\sigma-Bereich, also erwarte ich einen Wert etwas über 68%."

Teil (b) Zeichnung und exakte Berechnung

  1. Zeichne den Graphen: Skizziere den Graphen der Funktion mithilfe der in Schritt 1 berechneten Punkte.
  2. Berechne das Integral exakt: Nutze die entsprechende Funktion deines Taschenrechners, um den Wert von abϕ(x)dx\int_{a}^{b} \phi(x) dx zu berechnen. Der Befehl lautet oft normalcdf(a, b, μ, σ).
  3. Überprüfe die Schätzung: Vergleiche dein exaktes Ergebnis mit der Schätzung und formuliere einen Satz, ob deine Schätzung gut war.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Gegeben ist die Funktion ϕ50;10\phi_{50;10}. a) Bestimme Maximum und Wendepunkte. Schätze den Wert des Integrals 4060ϕ50;10(x)dx\int_{40}^{60} \phi_{50;10}(x) dx. b) Zeichne den Graphen und berechne das Integral exakt.

Fortschritt
7 / 7
  1. Schritt 1
    Maximum und Wendepunkte
    • μ=50,σ=10\mu=50, \sigma=10
    • Maximum: H(50ϕ(50))H(500,0399)H(50 | \phi(50)) \approx H(50 | 0{,}0399)
    • Wendepunkte: xW1=5010=40x_{W1}=50-10=40, xW2=50+10=60x_{W2}=50+10=60. W1(400,0242)W_1(40 | 0{,}0242), W2(600,0242)W_2(60 | 0{,}0242).
  2. Schritt 2
    Sigma-Intervalle
    • 1σ1\sigma-Intervall: [5010,50+10]=[40,60][50-10, 50+10] = [40, 60]
    • 2σ2\sigma-Intervall: [5020,50+20]=[30,70][50-20, 50+20] = [30, 70]
  3. Schritt 3
    Gegebenes Intervall vergleichen

    Das gegebene Intervall [40,60][40, 60] ist exakt das 1σ1\sigma-Intervall.

  4. Schritt 4
    Schätzung abgeben

    Da das Intervall genau dem 1σ1\sigma-Bereich entspricht, schätze ich den Wert des Integrals auf ca. 68%68\% oder 0,68.

  5. Schritt 5
    Graph zeichnen
    Glockenkurve mit mu=50 und schraffiertem 1-Sigma-Bereich
    Glockenkurve mit mu=50 und schraffiertem 1-Sigma-Bereich
  6. Schritt 6
    Integral exakt berechnen

    Mit dem Taschenrechner: normalcdf(40, 60, 50, 10) 4060ϕ50;10(x)dx0,6827\int_{40}^{60} \phi_{50;10}(x) dx \approx 0{,}6827

  7. Schritt 7 · Ergebnis
    Schätzung überprüfen

    Der exakte Wert von ca. 0,6827 liegt sehr nah an unserer Schätzung von 0,68. Die Schätzung war also sehr gut.

Ergebnis:

4060ϕ50;10(x)dx0,682768%\int_{40}^{60} \phi_{50;10}(x) dx \approx 0{,}6827 \approx 68\%.

Beispiel 2

Aufgabe

Gegeben ist die Funktion ϕ12;2\phi_{12;2}. a) Bestimme Maximum und Wendepunkte. Schätze den Wert des Integrals 1016ϕ12;2(x)dx\int_{10}^{16} \phi_{12;2}(x) dx. b) Zeichne den Graphen und berechne das Integral exakt.

Fortschritt
7 / 7
  1. Schritt 1
    Maximum und Wendepunkte
    • μ=12,σ=2\mu=12, \sigma=2
    • Maximum: H(12ϕ(12))H(120,1995)H(12 | \phi(12)) \approx H(12 | 0{,}1995)
    • Wendepunkte: xW1=10x_{W1}=10, xW2=14x_{W2}=14. W1(100,1210)W_1(10 | 0{,}1210), W2(140,1210)W_2(14 | 0{,}1210).
  2. Schritt 2
    Sigma-Intervalle
    • 1σ1\sigma-Intervall: [122,12+2]=[10,14][12-2, 12+2] = [10, 14]
    • 2σ2\sigma-Intervall: [124,12+4]=[8,16][12-4, 12+4] = [8, 16]
  3. Schritt 3
    Gegebenes Intervall vergleichen

    Das gegebene Intervall [10,16][10, 16] beginnt an der linken Grenze des 1σ1\sigma-Intervalls und endet an der rechten Grenze des 2σ2\sigma-Intervalls. Es ist also breiter als der 1σ1\sigma-Bereich (68%) aber schmaler als der 2σ2\sigma-Bereich (95%).

  4. Schritt 4
    Schätzung abgeben

    Das Intervall ist asymmetrisch um μ\mu. Es deckt die rechte Hälfte des 1σ1\sigma-Bereichs (ca. 34%) und die rechte Hälfte des 2σ2\sigma-Bereichs (ca. 47,5%) ab. Eine einfachere Schätzung: Es ist mehr als 68%, aber nicht ganz 95%. Ich schätze ca. 80% oder 0,8.

  5. Schritt 5
    Graph zeichnen
    Glockenkurve mit mu=12 und asymmetrisch schraffierter Fläche
    Glockenkurve mit mu=12 und asymmetrisch schraffierter Fläche
  6. Schritt 6
    Integral exakt berechnen

    Mit dem Taschenrechner: normalcdf(10, 16, 12, 2) 1016ϕ12;2(x)dx0,8186\int_{10}^{16} \phi_{12;2}(x) dx \approx 0{,}8186

  7. Schritt 7 · Ergebnis
    Schätzung überprüfen

    Der exakte Wert von ca. 0,8186 bestätigt unsere Schätzung von ca. 0,8. Die Schätzung war gut.

Ergebnis:

1016ϕ12;2(x)dx0,818682%\int_{10}^{16} \phi_{12;2}(x) dx \approx 0{,}8186 \approx 82\%.

Beispiel 3

Aufgabe

Gegeben ist die Funktion ϕ0;1\phi_{0;1}. a) Bestimme Maximum und Wendepunkte. Schätze den Wert des Integrals 22ϕ0;1(x)dx\int_{-2}^{2} \phi_{0;1}(x) dx. b) Zeichne den Graphen und berechne das Integral exakt.

Fortschritt
7 / 7
  1. Schritt 1
    Maximum und Wendepunkte
    • μ=0,σ=1\mu=0, \sigma=1
    • Maximum: H(0ϕ(0))H(00,3989)H(0 | \phi(0)) \approx H(0 | 0{,}3989)
    • Wendepunkte: xW1=1x_{W1}=-1, xW2=1x_{W2}=1. W1(10,2420)W_1(-1 | 0{,}2420), W2(10,2420)W_2(1 | 0{,}2420).
  2. Schritt 2
    Sigma-Intervalle
    • 1σ1\sigma-Intervall: [01,0+1]=[1,1][0-1, 0+1] = [-1, 1]
    • 2σ2\sigma-Intervall: [02,0+2]=[2,2][0-2, 0+2] = [-2, 2]
  3. Schritt 3
    Gegebenes Intervall vergleichen

    Das gegebene Intervall [2,2][-2, 2] ist exakt das 2σ2\sigma-Intervall.

  4. Schritt 4
    Schätzung abgeben

    Da das Intervall genau dem 2σ2\sigma-Bereich entspricht, schätze ich den Wert des Integrals auf ca. 95,4%95{,}4\% oder 0,954.

  5. Schritt 5
    Graph zeichnen
    Standardnormalverteilung mit schraffiertem 2-Sigma-Bereich
    Standardnormalverteilung mit schraffiertem 2-Sigma-Bereich
  6. Schritt 6
    Integral exakt berechnen

    Mit dem Taschenrechner: normalcdf(-2, 2, 0, 1) 22ϕ0;1(x)dx0,9545\int_{-2}^{2} \phi_{0;1}(x) dx \approx 0{,}9545

  7. Schritt 7 · Ergebnis
    Schätzung überprüfen

    Der exakte Wert von ca. 0,9545 ist fast identisch mit unserer Schätzung von 0,954. Die Schätzung war exzellent.

Ergebnis:

22ϕ0;1(x)dx0,954595%\int_{-2}^{2} \phi_{0;1}(x) dx \approx 0{,}9545 \approx 95\%.

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Form der Gauß-Kurve wird durch den Erwartungswert μ\mu (Position des Gipfels) und die Standardabweichung σ\sigma (Breite der Glocke) bestimmt.
  • Zum Skizzieren reichen drei Punkte: das Maximum bei x=μx=\mu und die Wendepunkte bei x=μ±σx=\mu \pm \sigma.
  • Die Kurve ist perfekt symmetrisch zur Achse x=μx=\mu. Punkte mit gleichem Abstand zu μ\mu haben den gleichen y-Wert.
  • Die Fläche unter der Kurve entspricht einer Wahrscheinlichkeit. Die Gesamtfläche ist immer 1 (oder 100%).
  • Die Sigma-Regeln sind mächtige Werkzeuge zur Schätzung: ca. 68%68\% der Fläche liegt im 1σ1\sigma-Intervall, ca. 95%95\% im 2σ2\sigma-Intervall.

Häufige Fragen

Was ist die Gauß-Funktion?

Die Gauß-Funktion ist die Dichtefunktion der Normalverteilung. Ihr Graph ist die bekannte Gaußsche Glockenkurve. Sie wird durch zwei Parameter bestimmt: den Erwartungswert μ, der die Lage des Maximums angibt, und die Standardabweichung σ, die die Breite der Glocke beschreibt. Ein kleines σ ergibt eine schmale, hohe Kurve; ein großes σ eine breite, flache. Die Gauß-Funktion taucht überall auf, wo Zufallsgrößen wie Noten, Körpergrößen oder Messfehler normalverteilt sind.

Wie skizzierst du die Glockenkurve einer Normalverteilung?

Du brauchst nur drei Punkte: das Maximum bei $x = μ$ und die zwei Wendepunkte bei $x = μ - σ$ und $x = μ + σ$. Berechne die y-Werte mit der Formel der Dichtefunktion – beim Maximum vereinfacht sich der e-Term zu $e^0 = 1$, bei den Wendepunkten zu $e^{-0{,}5}$. Trage die drei Punkte in ein Koordinatensystem ein und verbinde sie zu einer glatten Glockenkurve.

Was sagen die Sigma-Regeln bei der Normalverteilung aus?

Die Sigma-Regeln sind Faustregeln für den Flächenanteil unter der Glockenkurve: Im 1σ-Intervall $[μ-σ, μ+σ]$ liegen ca. 68,3 % aller Werte, im 2σ-Intervall ca. 95,4 % und im 3σ-Intervall ca. 99,7 %. Mit diesen Regeln kannst du Wahrscheinlichkeiten ohne Taschenrechner schätzen, indem du das gesuchte Intervall mit den Sigma-Grenzen vergleichst.

Wie nutzt du die Symmetrie der Gauß-Funktion?

Die Gauß-Kurve ist achsensymmetrisch zur Geraden $x = μ$. Das bedeutet: Zwei x-Werte, die den gleichen Abstand zum Erwartungswert μ haben, liefern identische Funktionswerte. Die Regel lautet: Wenn $|x_1 - μ| = |x_2 - μ|$, dann gilt $φ(x_1) = φ(x_2)$. Berechne einfach den Abstand $|x - μ|$ für jeden Wert und suche nach gleichen Abständen – die zugehörigen Funktionswerte sind dann gleich.

Was bedeutet das Integral unter der Gauß-Kurve?

Die Fläche unter der gesamten Gauß-Kurve beträgt immer genau 1 (= 100 %). Die Fläche zwischen zwei Werten $x_a$ und $x_b$ entspricht der Wahrscheinlichkeit $P(x_a \le X \le x_b)$. Mathematisch wird sie durch das bestimmte Integral $\int_{x_a}^{x_b} φ(x)\,dx$ berechnet. Im Sachzusammenhang gibt dieser Wert an, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Zufallsgröße – zum Beispiel eine Körpergröße oder Lebensdauer – in das gegebene Intervall fällt.

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