Baumdiagramm Wahrscheinlichkeit einfach erklärt

Wahrscheinlichkeiten mit dem Baumdiagramm berechnen – mit der 1. und 2. Pfadregel, Ziehen mit und ohne Zurücklegen sowie dem Gegenereignis. Mit vielen Beispielen erklärt.

📅 Aktualisiert 14. Juni 202621 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion

Hast du dich jemals gefragt, wie hoch deine Chance ist, bei einem Videospiel eine seltene Belohnung zu bekommen, wenn du drei Kisten hintereinander öffnest? Oder ob es sich lohnt, bei einem Gewinnspiel mitzumachen? Das ist keine reine Glückssache – das ist Mathematik! Baumdiagramme sind wie ein Cheat-Code für die Wahrscheinlichkeit. Sie geben dir eine Landkarte aller möglichen Ausgänge, sodass du deine Chancen beim Baumdiagramm Wahrscheinlichkeit berechnen genau bestimmen kannst. Statt zu raten, kannst du fundierte Entscheidungen treffen. Mit diesem Tool siehst du, wie wahrscheinlich bestimmte Ereignisketten sind, und kannst so deine Strategie in Spielen und sogar im echten Leben verbessern.

Vorwissen

Bevor wir in die Baumdiagramme eintauchen, frischen wir schnell ein paar Grundlagen auf:

  • Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses: Das ist das Verhältnis der günstigen Ergebnisse zur Gesamtzahl aller möglichen Ergebnisse.

    • Formel: P(Ereignis)=Anzahl der gu¨nstigen ErgebnisseAnzahl aller mo¨glichen ErgebnisseP(\text{Ereignis}) = \frac{\text{Anzahl der günstigen Ergebnisse}}{\text{Anzahl aller möglichen Ergebnisse}}
    • Beispiel: Die Wahrscheinlichkeit, eine 6 mit einem normalen Würfel zu würfeln, ist 16\frac{1}{6}, da es nur eine günstige Seite (die 6) von insgesamt sechs möglichen Seiten gibt.
  • Multiplikation von Brüchen und Dezimalzahlen: Um die Wahrscheinlichkeiten entlang eines Pfades zu berechnen, musst du sie multiplizieren können.

    • Beispiel (Brüche): 1234=1324=38\frac{1}{2} \cdot \frac{3}{4} = \frac{1 \cdot 3}{2 \cdot 4} = \frac{3}{8}
    • Beispiel (Dezimalzahlen): 0,50,75=0,3750{,}5 \cdot 0{,}75 = 0{,}375

Aufgabentyp 1: Wahrscheinlichkeit mit Zurücklegen berechnen

Ein Baumdiagramm hilft uns, mehrstufige Zufallsexperimente darzustellen. Jede Stufe des Experiments ist eine Verzweigung im Baum.

Ziehen mit Zurücklegen bedeutet, dass nach jedem Zug alles wieder so ist wie am Anfang. Wenn du eine Kugel aus einer Urne ziehst und sie dir ansiehst, legst du sie wieder zurück, bevor du die nächste ziehst. Deshalb bleiben die Wahrscheinlichkeiten auf jeder Stufe gleich.

Um die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Ergebnisses zu berechnen, verwenden wir zwei wichtige Regeln:

  1. 1. Pfadregel (Produktregel): Die Wahrscheinlichkeit für ein bestimmtes Ergebnis (einen kompletten Pfad von der Wurzel bis zur Spitze) erhält man, indem man alle Wahrscheinlichkeiten entlang dieses Pfades multipliziert.

  2. 2. Pfadregel (Summenregel): Wenn ein Ereignis durch mehrere verschiedene Pfade eintreten kann, erhält man die Gesamtwahrscheinlichkeit, indem man die Wahrscheinlichkeiten der einzelnen Pfade addiert.

Baumdiagramm mit zwei Stufen und Pfadregeln
Baumdiagramm mit zwei Stufen und Pfadregeln

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Baumdiagramm zeichnen: Bestimme die Anzahl der Stufen (z. B. wie oft gezogen wird). Zeichne für jede Stufe die möglichen Ausgänge als Äste. Schreibe die Wahrscheinlichkeiten an die jeweiligen Äste. Bei „mit Zurücklegen" sind die Wahrscheinlichkeiten auf jeder Stufe identisch.
  2. Relevante Pfade identifizieren: Finde alle Pfade im Baumdiagramm, die zu dem gesuchten Ereignis gehören. Markiere sie farbig, um den Überblick zu behalten.
  3. Pfadwahrscheinlichkeiten berechnen (1. Pfadregel): Multipliziere für jeden markierten Pfad die Wahrscheinlichkeiten entlang der Äste. Das Ergebnis ist die Wahrscheinlichkeit für genau diesen einen Pfad.
  4. Gesamtwahrscheinlichkeit berechnen (2. Pfadregel): Addiere die Wahrscheinlichkeiten aller relevanten Pfade, die du in Schritt 3 berechnet hast. Das Ergebnis ist die Wahrscheinlichkeit für das gesuchte Ereignis.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

In einer Urne sind 3 rote und 7 blaue Kugeln. Es wird zweimal mit Zurücklegen gezogen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, genau eine rote und eine blaue Kugel zu ziehen?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Baumdiagramm zeichnen

    Zuerst berechnen wir die Wahrscheinlichkeiten für den ersten Zug: Insgesamt gibt es 3+7=103+7=10 Kugeln. P(rot)=310=0,3P(\text{rot}) = \frac{3}{10} = 0{,}3 P(blau)=710=0,7P(\text{blau}) = \frac{7}{10} = 0{,}7

    Da mit Zurücklegen gezogen wird, bleiben diese Wahrscheinlichkeiten für den zweiten Zug gleich. Das Baumdiagramm hat zwei Stufen:

    Baumdiagramm mit roten und blauen Kugeln zwei Stufen
    Baumdiagramm mit roten und blauen Kugeln zwei Stufen
  2. Schritt 2
    Relevante Pfade identifizieren

    Das Ereignis „genau eine rote und eine blaue Kugel" tritt bei zwei Pfaden ein:

    1. Zuerst rot, dann blau (R, B)
    2. Zuerst blau, dann rot (B, R)
    Baumdiagramm mit markierten Pfaden rot blau
    Baumdiagramm mit markierten Pfaden rot blau
  3. Schritt 3
    Pfadwahrscheinlichkeiten berechnen (1. Pfadregel)

    Wir berechnen die Wahrscheinlichkeit für jeden der beiden Pfade: P(R, B)=P(rot)P(blau)=0,30,7=0,21P(\text{R, B}) = P(\text{rot}) \cdot P(\text{blau}) = 0{,}3 \cdot 0{,}7 = 0{,}21

    P(B, R)=P(blau)P(rot)=0,70,3=0,21P(\text{B, R}) = P(\text{blau}) \cdot P(\text{rot}) = 0{,}7 \cdot 0{,}3 = 0{,}21

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Gesamtwahrscheinlichkeit berechnen (2. Pfadregel)

    Wir addieren die Wahrscheinlichkeiten der beiden Pfade: P(eine rote, eine blaue)=P(R, B)+P(B, R)P(\text{eine rote, eine blaue}) = P(\text{R, B}) + P(\text{B, R})

    =0,21+0,21=0,42= 0{,}21 + 0{,}21 = 0{,}42

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, genau eine rote und eine blaue Kugel zu ziehen, beträgt 42 %.

Beispiel 2

Aufgabe

Ein Glücksrad ist in 4 gleich große Sektoren unterteilt: 1x rot, 3x grün. Das Rad wird zweimal gedreht. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, zweimal hintereinander grün zu drehen?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Baumdiagramm zeichnen

    Die Wahrscheinlichkeiten für eine Drehung sind: P(rot)=14=0,25P(\text{rot}) = \frac{1}{4} = 0{,}25 P(gru¨n)=34=0,75P(\text{grün}) = \frac{3}{4} = 0{,}75

    Da jede Drehung unabhängig ist, ist dies wie „Ziehen mit Zurücklegen".

    Baumdiagramm Glücksrad rot und grün
    Baumdiagramm Glücksrad rot und grün
  2. Schritt 2
    Relevante Pfade identifizieren

    Wir suchen das Ereignis „zweimal grün". Es gibt nur einen Pfad dafür: grün, dann grün (G, G).

    Baumdiagramm Glücksrad markierter Pfad grün grün
    Baumdiagramm Glücksrad markierter Pfad grün grün
  3. Schritt 3
    Pfadwahrscheinlichkeit berechnen (1. Pfadregel)

    Wir multiplizieren die Wahrscheinlichkeiten entlang dieses Pfades: P(G, G)=P(gru¨n)P(gru¨n)P(\text{G, G}) = P(\text{grün}) \cdot P(\text{grün})

    =0,750,75=0,5625= 0{,}75 \cdot 0{,}75 = 0{,}5625

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Gesamtwahrscheinlichkeit berechnen (2. Pfadregel)

    Da es nur einen relevanten Pfad gibt, ist die Berechnung einfach. Die Gesamtwahrscheinlichkeit ist die Wahrscheinlichkeit dieses einen Pfades.

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, zweimal grün zu drehen, beträgt 56,25 %.

Beispiel 3

Aufgabe

Ein fairer Würfel wird zweimal geworfen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Augensumme genau 4 beträgt?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Baumdiagramm zeichnen

    Jeder Wurf hat 6 mögliche Ausgänge (1, 2, 3, 4, 5, 6), jeder mit einer Wahrscheinlichkeit von 16\frac{1}{6}. Ein vollständiges Baumdiagramm wäre riesig (6x6=36 Äste). Wir denken uns das Diagramm und konzentrieren uns auf die relevanten Ergebnisse.

  2. Schritt 2
    Relevante Pfade identifizieren

    Welche Wurfkombinationen ergeben die Summe 4?

    1. Erster Wurf 1, zweiter Wurf 3
    2. Erster Wurf 2, zweiter Wurf 2
    3. Erster Wurf 3, zweiter Wurf 1

    Das sind unsere drei „Gewinnerpfade".

  3. Schritt 3
    Pfadwahrscheinlichkeiten berechnen (1. Pfadregel)

    Jeder einzelne Wurf hat die Wahrscheinlichkeit 16\frac{1}{6}. P(1,3)=1616=136P(1, 3) = \frac{1}{6} \cdot \frac{1}{6} = \frac{1}{36}

    P(2,2)=1616=136P(2, 2) = \frac{1}{6} \cdot \frac{1}{6} = \frac{1}{36}

    P(3,1)=1616=136P(3, 1) = \frac{1}{6} \cdot \frac{1}{6} = \frac{1}{36}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Gesamtwahrscheinlichkeit berechnen (2. Pfadregel)

    Wir addieren die Wahrscheinlichkeiten der drei Pfade: P(Summe 4)=P(1,3)+P(2,2)+P(3,1)P(\text{Summe 4}) = P(1, 3) + P(2, 2) + P(3, 1)

    =136+136+136=336=112= \frac{1}{36} + \frac{1}{36} + \frac{1}{36} = \frac{3}{36} = \frac{1}{12}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, die Augensumme 4 zu würfeln, beträgt 112\frac{1}{12}.

Beispiel 4

Aufgabe

Bei einer Quizshow gibt es bei einer Frage drei Antwortmöglichkeiten (A, B, C), von denen nur eine richtig ist. Ein Kandidat rät bei zwei solchen Fragen rein zufällig. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er genau eine Frage richtig beantwortet?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Baumdiagramm zeichnen

    Für jede Frage gibt es zwei Ausgänge: „richtig" (R) oder „falsch" (F). Die Wahrscheinlichkeit für „richtig" ist 13\frac{1}{3}. Die Wahrscheinlichkeit für „falsch" ist 23\frac{2}{3}. Da die Fragen unabhängig sind, ist dies ein Experiment „mit Zurücklegen".

    Baumdiagramm Quizshow richtig und falsch
    Baumdiagramm Quizshow richtig und falsch
  2. Schritt 2
    Relevante Pfade identifizieren

    Das Ereignis „genau eine richtige Antwort" hat zwei Pfade:

    1. Erste Frage richtig, zweite falsch (R, F)
    2. Erste Frage falsch, zweite richtig (F, R)
    Baumdiagramm Quizshow markierte Pfade
    Baumdiagramm Quizshow markierte Pfade
  3. Schritt 3
    Pfadwahrscheinlichkeiten berechnen (1. Pfadregel)

    P(R, F)=P(R)P(F)=1323=29P(\text{R, F}) = P(R) \cdot P(F) = \frac{1}{3} \cdot \frac{2}{3} = \frac{2}{9}

    P(F, R)=P(F)P(R)=2313=29P(\text{F, R}) = P(F) \cdot P(R) = \frac{2}{3} \cdot \frac{1}{3} = \frac{2}{9}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Gesamtwahrscheinlichkeit berechnen (2. Pfadregel)

    P(genau eine richtig)=P(R, F)+P(F, R)P(\text{genau eine richtig}) = P(\text{R, F}) + P(\text{F, R})

    =29+29=49= \frac{2}{9} + \frac{2}{9} = \frac{4}{9}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, genau eine Frage richtig zu raten, liegt bei 49\frac{4}{9}.

Beispiel 5

Aufgabe

Ein Basketballspieler hat eine Freiwurfquote von 80 %. Er wirft zweimal. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er beide Male nicht trifft?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Baumdiagramm zeichnen

    Für jeden Wurf gibt es zwei Ausgänge: „Treffer" (T) oder „Fehlwurf" (F). P(T)=80%=0,8P(T) = 80\% = 0{,}8 P(F)=10,8=0,2P(F) = 1 - 0{,}8 = 0{,}2 Die Würfe sind voneinander unabhängig.

    Baumdiagramm Basketball Treffer und Fehlwurf
    Baumdiagramm Basketball Treffer und Fehlwurf
  2. Schritt 2
    Relevante Pfade identifizieren

    Wir suchen das Ereignis „beide Male nicht treffen". Dafür gibt es nur einen Pfad: Fehlwurf, dann Fehlwurf (F, F).

    Baumdiagramm Basketball markierter Pfad Fehlwurf
    Baumdiagramm Basketball markierter Pfad Fehlwurf
  3. Schritt 3
    Pfadwahrscheinlichkeit berechnen (1. Pfadregel)

    Wir multiplizieren die Wahrscheinlichkeiten entlang dieses Pfades: P(F, F)=P(F)P(F)P(\text{F, F}) = P(F) \cdot P(F)

    =0,20,2=0,04= 0{,}2 \cdot 0{,}2 = 0{,}04

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Gesamtwahrscheinlichkeit berechnen (2. Pfadregel)

    Da es nur einen relevanten Pfad gibt, ist die Gesamtwahrscheinlichkeit gleich der Pfadwahrscheinlichkeit.

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass er beide Freiwürfe nicht trifft, beträgt 4 %.

Aufgabentyp 2: Wahrscheinlichkeit mit Gegenereignis berechnen

Manchmal ist es viel einfacher, die Wahrscheinlichkeit von dem zu berechnen, was wir nicht wollen. Diese Methode ist besonders nützlich, wenn du Wahrscheinlichkeiten mit Baumdiagramm und dem Gegenereignis kombinierst.

Ziehen ohne Zurücklegen bedeutet, dass sich die Situation nach jedem Zug ändert. Wenn du eine Kugel aus einer Urne ziehst und sie nicht zurücklegst, gibt es danach eine Kugel weniger. Das verändert die Wahrscheinlichkeiten für den nächsten Zug.

Das Gegenereignis ist das genaue Gegenteil von dem Ereignis, das uns interessiert. Zum Beispiel:

  • Ereignis: „Mindestens eine 6 würfeln"
  • Gegenereignis: „Keine 6 würfeln"

Der Trick dabei ist eine simple Regel: Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses und seines Gegenereignisses ergeben zusammen immer 1 (oder 100 %).

P(Ereignis)+P(Gegenereignis)=1P(\text{Ereignis}) + P(\text{Gegenereignis}) = 1

Das können wir umstellen:

P(Ereignis)=1P(Gegenereignis)P(\text{Ereignis}) = 1 - P(\text{Gegenereignis})

Besonders bei Aufgaben mit dem Schlüsselwort „mindestens einmal" ist dieser Weg oft ein riesiger Shortcut. Anstatt viele Pfade zu addieren, berechnest du nur den einen „negativen" Pfad und ziehst das Ergebnis von 1 ab.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Ereignis und Gegenereignis formulieren: Lies die Aufgabe genau. Wenn du „mindestens ein …" liest, ist das ein Signal. Schreibe das Ereignis (z. B. „mindestens eine weiße Kugel") und das Gegenereignis (z. B. „keine weiße Kugel" → „alle Kugeln sind schwarz") auf.
  2. Baumdiagramm für das Gegenereignis zeichnen: Zeichne das Baumdiagramm. Achte bei „ohne Zurücklegen" darauf, dass sich die Wahrscheinlichkeiten auf der zweiten Stufe ändern! (Sowohl der Zähler als auch der Nenner werden kleiner.)
  3. Wahrscheinlichkeit des Gegenereignisses berechnen: Identifiziere den Pfad (oder die Pfade), der zum Gegenereignis führt. Berechne seine Wahrscheinlichkeit mit der 1. Pfadregel (Multiplikation).
  4. Wahrscheinlichkeit des ursprünglichen Ereignisses berechnen: Nutze die Formel P(Ereignis)=1P(Gegenereignis)P(\text{Ereignis}) = 1 - P(\text{Gegenereignis}). Ziehe die in Schritt 3 berechnete Wahrscheinlichkeit von 1 ab. Das Ergebnis ist deine Antwort.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

In einer Urne sind 5 rote und 3 blaue Kugeln. Es wird zweimal ohne Zurücklegen gezogen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, mindestens eine blaue Kugel zu ziehen?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ereignis und Gegenereignis formulieren
    • Ereignis: „Mindestens eine blaue Kugel ziehen"
    • Gegenereignis: „Keine blaue Kugel ziehen", was bedeutet „beide Kugeln sind rot".
  2. Schritt 2
    Baumdiagramm zeichnen

    Am Anfang (8 Kugeln gesamt): P(R)=58P(R) = \frac{5}{8}, P(B)=38P(B) = \frac{3}{8}. Nachdem eine rote Kugel gezogen wurde (7 Kugeln gesamt): P(R)=47P(R) = \frac{4}{7}, P(B)=37P(B) = \frac{3}{7}.

    Baumdiagramm ohne Zurücklegen rote und blaue Kugeln
    Baumdiagramm ohne Zurücklegen rote und blaue Kugeln
  3. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeit des Gegenereignisses berechnen

    Der Pfad für das Gegenereignis ist Rot → Rot. P(beide rot)=P(1. rot)P(2. rot nach 1. rot)P(\text{beide rot}) = P(\text{1. rot}) \cdot P(\text{2. rot nach 1. rot})

    P(beide rot)=5847=2056=514P(\text{beide rot}) = \frac{5}{8} \cdot \frac{4}{7} = \frac{20}{56} = \frac{5}{14}

    Baumdiagramm Gegenereignis beide rot markiert
    Baumdiagramm Gegenereignis beide rot markiert
  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Wahrscheinlichkeit des ursprünglichen Ereignisses berechnen

    P(mindestens eine blau)=1P(beide rot)P(\text{mindestens eine blau}) = 1 - P(\text{beide rot})

    =1514=1414514=914= 1 - \frac{5}{14} = \frac{14}{14} - \frac{5}{14} = \frac{9}{14}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, mindestens eine blaue Kugel zu ziehen, beträgt 914\frac{9}{14}.

Beispiel 2

Aufgabe

Aus einem Standard-Skatblatt (32 Karten) werden zwei Karten ohne Zurücklegen gezogen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, mindestens einen König zu ziehen? (Es gibt 4 Könige im Spiel.)

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ereignis und Gegenereignis formulieren
    • Ereignis: „Mindestens einen König ziehen"
    • Gegenereignis: „Keinen König ziehen".
  2. Schritt 2
    Baumdiagramm zeichnen (vereinfacht)

    Wir unterscheiden nur zwischen „König" (K) und „kein König" (KK). Es gibt 4 Könige und 28 andere Karten.

    1. Zug (32 Karten): P(K)=432P(K) = \frac{4}{32}, P(KK)=2832P(KK) = \frac{28}{32}.
    2. Zug nach „kein König" (31 Karten): P(KK)=2731P(KK) = \frac{27}{31}.
  3. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeit des Gegenereignisses berechnen

    Der Pfad für das Gegenereignis ist Kein König → Kein König. P(kein Ko¨nig, kein Ko¨nig)=P(1. kein Ko¨nig)P(2. kein Ko¨nig)P(\text{kein König, kein König}) = P(\text{1. kein König}) \cdot P(\text{2. kein König})

    P(kein Ko¨nig)=28322731=782731=189248P(\text{kein König}) = \frac{28}{32} \cdot \frac{27}{31} = \frac{7}{8} \cdot \frac{27}{31} = \frac{189}{248}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Wahrscheinlichkeit des ursprünglichen Ereignisses berechnen

    P(mindestens ein Ko¨nig)=1P(kein Ko¨nig)P(\text{mindestens ein König}) = 1 - P(\text{kein König})

    =1189248=248248189248=59248= 1 - \frac{189}{248} = \frac{248}{248} - \frac{189}{248} = \frac{59}{248}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, mindestens einen König zu ziehen, beträgt 59248\frac{59}{248} (ca. 23,8 %).

Beispiel 3

Aufgabe

In einer Klasse sind 10 Mädchen und 15 Jungen. Zwei Schüler werden zufällig für den Tafeldienst ausgewählt. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens ein Mädchen ausgewählt wird?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ereignis und Gegenereignis formulieren
    • Ereignis: „Mindestens ein Mädchen wird ausgewählt"
    • Gegenereignis: „Kein Mädchen wird ausgewählt", also „zwei Jungen werden ausgewählt".
  2. Schritt 2
    Baumdiagramm zeichnen (vereinfacht)

    Insgesamt sind 25 Schüler in der Klasse.

    1. Auswahl (25 Schüler): P(J)=1525P(J) = \frac{15}{25}.
    2. Auswahl nach einem Jungen (24 Schüler): P(J)=1424P(J) = \frac{14}{24}.
  3. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeit des Gegenereignisses berechnen

    Der Pfad ist Junge → Junge. P(Junge, Junge)=15251424P(\text{Junge, Junge}) = \frac{15}{25} \cdot \frac{14}{24}

    P(zwei Jungen)=35712=2160=720P(\text{zwei Jungen}) = \frac{3}{5} \cdot \frac{7}{12} = \frac{21}{60} = \frac{7}{20}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Wahrscheinlichkeit des ursprünglichen Ereignisses berechnen

    P(mindestens ein Ma¨dchen)=1P(zwei Jungen)P(\text{mindestens ein Mädchen}) = 1 - P(\text{zwei Jungen})

    =1720=2020720=1320= 1 - \frac{7}{20} = \frac{20}{20} - \frac{7}{20} = \frac{13}{20}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens ein Mädchen ausgewählt wird, beträgt 1320\frac{13}{20} oder 65 %.

Beispiel 4

Aufgabe

Eine Kiste enthält 10 Glühbirnen, von denen 3 defekt sind. Du nimmst zwei Glühbirnen ohne Zurücklegen heraus. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens eine davon funktioniert?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ereignis und Gegenereignis formulieren
    • Ereignis: „Mindestens eine Glühbirne funktioniert"
    • Gegenereignis: „Keine Glühbirne funktioniert", also „beide sind defekt".
  2. Schritt 2
    Baumdiagramm zeichnen (vereinfacht)

    Es gibt 7 funktionierende (F) und 3 defekte (D) Glühbirnen.

    1. Griff (10 Birnen): P(D)=310P(D) = \frac{3}{10}.
    2. Griff nach einer defekten (9 Birnen): P(D)=29P(D) = \frac{2}{9}.
  3. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeit des Gegenereignisses berechnen

    Der Pfad ist Defekt → Defekt. P(Defekt, Defekt)=31029P(\text{Defekt, Defekt}) = \frac{3}{10} \cdot \frac{2}{9}

    P(beide defekt)=690=115P(\text{beide defekt}) = \frac{6}{90} = \frac{1}{15}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Wahrscheinlichkeit des ursprünglichen Ereignisses berechnen

    P(mindestens eine funktioniert)=1P(beide defekt)P(\text{mindestens eine funktioniert}) = 1 - P(\text{beide defekt})

    =1115=1515115=1415= 1 - \frac{1}{15} = \frac{15}{15} - \frac{1}{15} = \frac{14}{15}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens eine Glühbirne funktioniert, beträgt 1415\frac{14}{15}.

Beispiel 5

Aufgabe

Auf einer Playlist sind 20 Songs, davon 5 von deiner Lieblingsband. Die Zufallswiedergabe spielt zwei Songs nacheinander, ohne einen Song zu wiederholen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens einer der beiden Songs von deiner Lieblingsband ist?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ereignis und Gegenereignis formulieren
    • Ereignis: „Mindestens ein Song von der Lieblingsband" (L)
    • Gegenereignis: „Kein Song von der Lieblingsband", also „beide Songs sind von anderen Bands" (A).
  2. Schritt 2
    Baumdiagramm zeichnen (vereinfacht)

    Es gibt 5 Lieblingssongs (L) und 15 andere Songs (A).

    1. Song (20 Songs): P(A)=1520P(A) = \frac{15}{20}.
    2. Song nach einem anderen (19 Songs): P(A)=1419P(A) = \frac{14}{19}.
  3. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeit des Gegenereignisses berechnen

    Der Pfad ist Anderer → Anderer. P(A, A)=15201419P(\text{A, A}) = \frac{15}{20} \cdot \frac{14}{19}

    P(beide andere)=341419=4276=2138P(\text{beide andere}) = \frac{3}{4} \cdot \frac{14}{19} = \frac{42}{76} = \frac{21}{38}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Wahrscheinlichkeit des ursprünglichen Ereignisses berechnen

    P(mindestens ein Lieblingssong)=1P(beide andere)P(\text{mindestens ein Lieblingssong}) = 1 - P(\text{beide andere})

    =12138=38382138=1738= 1 - \frac{21}{38} = \frac{38}{38} - \frac{21}{38} = \frac{17}{38}

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens einer der ersten beiden Songs von deiner Lieblingsband ist, beträgt 1738\frac{17}{38}.

Wichtige Erkenntnisse

  • Baumdiagramme sind Landkarten für mehrstufige Zufallsexperimente.
  • 1. Pfadregel (Produktregel): Multipliziere die Wahrscheinlichkeiten entlang eines Pfades, um die Wahrscheinlichkeit für genau diese Abfolge zu erhalten.
  • 2. Pfadregel (Summenregel): Addiere die Wahrscheinlichkeiten mehrerer Pfade, wenn das Ereignis auf verschiedene Weisen eintreten kann.
  • Mit Zurücklegen: Die Wahrscheinlichkeiten auf jeder Stufe bleiben gleich.
  • Ohne Zurücklegen: Die Wahrscheinlichkeiten ändern sich nach jedem Zug (Zähler und Nenner werden kleiner).
  • „Mindestens einmal" ist ein starkes Signal, das Gegenereignis zu verwenden: P(Ereignis)=1P(Gegenereignis)P(\text{Ereignis}) = 1 - P(\text{Gegenereignis}).

Häufige Fragen

Was ist ein Baumdiagramm in der Wahrscheinlichkeitsrechnung?

Ein Baumdiagramm ist eine grafische Darstellung aller möglichen Ausgänge eines mehrstufigen Zufallsexperiments. Jede Stufe (z. B. jeder Zug oder Wurf) entspricht einer Verzweigung im Baum. An die Äste werden die jeweiligen Wahrscheinlichkeiten geschrieben. So hast du eine vollständige Übersicht aller Pfade und kannst gezielt die gesuchten Ereignisse identifizieren und berechnen.

Wie wendet man die 1. und 2. Pfadregel beim Baumdiagramm an?

Die 1. Pfadregel (Produktregel) besagt: Multipliziere alle Wahrscheinlichkeiten entlang eines Pfades, um die Wahrscheinlichkeit für genau diese Abfolge zu erhalten. Die 2. Pfadregel (Summenregel) besagt: Wenn ein Ereignis durch mehrere Pfade eintreten kann, addierst du die Pfadwahrscheinlichkeiten. Beide Regeln zusammen erlauben dir, jede Aufgabe zum Baumdiagramm systematisch zu lösen.

Was ist der Unterschied zwischen Ziehen mit und ohne Zurücklegen?

Beim Ziehen mit Zurücklegen wird jedes gezogene Objekt vor dem nächsten Zug zurückgelegt. Die Wahrscheinlichkeiten bleiben auf allen Stufen gleich. Beim Ziehen ohne Zurücklegen verbleibt das gezogene Objekt außerhalb – die Gesamtzahl sinkt, und die Wahrscheinlichkeiten auf der nächsten Stufe ändern sich entsprechend. Das erkennst du daran, dass Zähler und Nenner im Baumdiagramm kleiner werden.

Wann benutzt du das Gegenereignis beim Baumdiagramm?

Das Gegenereignis ist besonders nützlich, wenn die Aufgabe das Wort „mindestens einmal" enthält. Statt viele günstige Pfade zu addieren, berechnest du nur die Wahrscheinlichkeit des Gegenteils (z. B. „kein einziges Mal") und ziehst diesen Wert von 1 ab: P(Ereignis) = 1 − P(Gegenereignis). Das spart erheblich Rechenaufwand.

Wie berechnest du die Wahrscheinlichkeit für mindestens einmal ein bestimmtes Ergebnis?

Nutze die Formel P(Ereignis) = 1 − P(Gegenereignis). Das Gegenereignis zu „mindestens einmal" ist „kein einziges Mal". Berechne mit der 1. Pfadregel die Wahrscheinlichkeit des Gegenereignisses (Multiplikation entlang des Pfades) und ziehe das Ergebnis von 1 ab. So erhältst du die gesuchte Wahrscheinlichkeit mit nur einem einzigen Pfad statt vieler.

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