Vereinfachte Baumdiagramme einfach erklärt

Vereinfachte Baumdiagramme helfen dir, riesige Zufallsexperimente schnell und übersichtlich zu berechnen – mit Potenzen und dem Gegenereignis. Schritt für Schritt erklärt mit Beispielen.

📅 Aktualisiert 14. Juni 202626 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion

Vereinfachte Baumdiagramme sind dein Werkzeug, wenn ein Zufallsexperiment so viele Stufen oder so viele Äste hat, dass ein vollständiges Baumdiagramm schlicht nicht mehr praktikabel ist. Stell dir vor, du sollst die Wahrscheinlichkeit für 20 Münzwürfe berechnen – willst du wirklich ein Diagramm zeichnen, das über drei Seiten geht und wertvolle Klausurzeit kostet? Auf keinen Fall! Es gibt zwei simple Tricks, um riesige Baumdiagramme zu zähmen. Wenn du die draufhast, löst du diese Aufgaben in Rekordzeit, während andere noch am Zeichnen sind. Das ist dein unfairer Vorteil für eine bessere Note.

Vorwissen

Bevor wir die Abkürzungen lernen, wiederholen wir kurz die Grundlagen:

  • Baumdiagramm: Eine grafische Darstellung eines Zufallsexperiments. Jede Stufe ist eine Durchführung (z. B. ein Wurf), jeder Ast ein mögliches Ergebnis.

    • Beispiel: Ein zweimaliger Münzwurf. Das Diagramm hat 2 Stufen mit je 2 Ästen (Kopf/Zahl).
  • 1. Pfadregel (Produktregel): Die Wahrscheinlichkeit für ein bestimmtes Ergebnis (einen Pfad) erhält man, indem man die Wahrscheinlichkeiten entlang der Äste multipliziert.

    • Formel: P(Pfad)=P(Ast 1)P(Ast 2)...P(\text{Pfad}) = P(\text{Ast 1}) \cdot P(\text{Ast 2}) \cdot ...
    • Beispiel: Die Wahrscheinlichkeit, zweimal Kopf zu werfen (bei P(Kopf)=0,5P(\text{Kopf})=0,5), ist 0,50,5=0,250,5 \cdot 0,5 = 0,25.
  • Gegenereignis: Das Gegenereignis Eˉ\bar{E} tritt genau dann ein, wenn das Ereignis EE nicht eintritt. Die Summe ihrer Wahrscheinlichkeiten ist immer 1.

    • Formel: P(E)+P(Eˉ)=1P(E) + P(\bar{E}) = 1
    • Beispiel: Die Wahrscheinlichkeit, eine 6 zu würfeln, ist P(6)=16P(6) = \frac{1}{6}. Die Wahrscheinlichkeit, keine 6 zu würfeln, ist P(6ˉ)=116=56P(\bar{6}) = 1 - \frac{1}{6} = \frac{5}{6}.

Aufgabentyp 1: Baumdiagramm mit zu vielen Stufen (zu lang)

Manchmal wird ein Experiment sehr oft wiederholt, zum Beispiel 20 Elfmeterschüsse oder 10 Münzwürfe. Ein vollständiges Baumdiagramm hätte dann 20 oder 10 Stufen und wäre unmöglich zu zeichnen.

Der Trick: Wenn wir uns nur für einen bestimmten Pfad interessieren (z. B. „trifft immer" oder „immer Kopf"), zeichnen wir nur diesen einen Pfad für die ersten paar Stufen und deuten den Rest mit Punkten an.

Die Berechnung wird dann super einfach: Statt die Wahrscheinlichkeit ganz oft mit sich selbst zu multiplizieren, benutzen wir eine Potenz.

Wenn ein Ereignis mit der Wahrscheinlichkeit pp insgesamt nn-mal hintereinander eintreten soll, lautet die Wahrscheinlichkeit dafür:

P(n-mal das gleiche Ereignis)=(p)nP(\text{n-mal das gleiche Ereignis}) = (p)^{n}

Vereinfachtes Baumdiagramm mit Potenzformel
Vereinfachtes Baumdiagramm mit Potenzformel

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Schritt 1: Problem analysieren – Identifiziere, wie oft das Experiment wiederholt wird (Anzahl der Stufen) und welche Wahrscheinlichkeit pro Stufe gilt.
  2. Schritt 2: Vereinfachtes Diagramm skizzieren – Zeichne nur den gesuchten Pfad, skizziere die ersten 2–3 Stufen und deute den Rest mit „..." und der letzten Stufennummer an.
  3. Schritt 3: Pfadwahrscheinlichkeit berechnen – Wende die 1. Pfadregel an und schreibe die wiederholte Multiplikation als Potenz: P(gesuchter Pfad)=pp...pn-mal=(p)nP(\text{gesuchter Pfad}) = \underbrace{p \cdot p \cdot ... \cdot p}_{n\text{-mal}} = (p)^{n}.
  4. Schritt 4: Ergebnis formulieren – Berechne den Wert der Potenz und schreibe einen Antwortsatz.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Justin hat beim Elfmeterschießen eine Trefferquote von 80%. In einem Training schießt er 20 Mal. Berechne die Wahrscheinlichkeit, dass Justin dabei immer trifft. Erstelle dafür ein geeignetes, vereinfachtes Baumdiagramm.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Problem analysieren
    • Anzahl der Stufen: Justin schießt 20 Mal.
    • Ergebnisse: Treffer (T) oder Nicht-Treffer (Tˉ\bar{T}).
    • Wahrscheinlichkeit pro Stufe: P(T)=80%=0,8P(T) = 80\% = 0{,}8.
  2. Schritt 2
    Vereinfachtes Diagramm skizzieren

    Wir interessieren uns nur für den Pfad, bei dem Justin immer trifft. Wir zeichnen also nur den Pfad T-T-T-...

    Vereinfachtes Baumdiagramm Elfmeter immer Treffer
    Vereinfachtes Baumdiagramm Elfmeter immer Treffer
  3. Schritt 3
    Pfadwahrscheinlichkeit berechnen

    Wir multiplizieren die Wahrscheinlichkeiten entlang des Pfades. Da es 20 Stufen sind, multiplizieren wir 0,8 zwanzigmal mit sich selbst.

    P(immer Treffer)=0,80,8...0,820-malP(\text{immer Treffer}) = \underbrace{0{,}8 \cdot 0{,}8 \cdot ... \cdot 0{,}8}_{20\text{-mal}}

    Das schreiben wir als Potenz:

    P(immer Treffer)=(0,8)20P(\text{immer Treffer}) = (0{,}8)^{20}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ergebnis formulieren

    P(immer Treffer)0,0115P(\text{immer Treffer}) \approx 0{,}0115

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass Justin alle 20 Elfmeter trifft, liegt bei ca. 1,15%.

Beispiel 2

Aufgabe

Eine faire Münze wird 10 Mal geworfen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass immer „Kopf" fällt? Skizziere ein vereinfachtes Baumdiagramm.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Problem analysieren
    • Anzahl der Stufen: Die Münze wird 10 Mal geworfen.
    • Ergebnisse: Kopf (K) oder Zahl (Z).
    • Wahrscheinlichkeit pro Stufe: P(K)=50%=0,5P(K) = 50\% = 0{,}5.
  2. Schritt 2
    Vereinfachtes Diagramm skizzieren

    Wir zeichnen nur den Pfad für „immer Kopf".

    Vereinfachtes Baumdiagramm Münzwurf immer Kopf
    Vereinfachtes Baumdiagramm Münzwurf immer Kopf
  3. Schritt 3
    Pfadwahrscheinlichkeit berechnen

    Wir multiplizieren die Wahrscheinlichkeit 0,5 insgesamt 10 Mal mit sich selbst.

    P(immer Kopf)=(0,5)10P(\text{immer Kopf}) = (0{,}5)^{10}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ergebnis formulieren

    P(immer Kopf)0,000977P(\text{immer Kopf}) \approx 0{,}000977

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit für 10-mal Kopf in Folge beträgt ungefähr 0,1%.

Beispiel 3

Aufgabe

Ein Glücksrad hat 5 gleich große Sektoren, von denen einer rot ist. Das Rad wird 8 Mal gedreht. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass es jedes Mal auf Rot stehen bleibt?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Problem analysieren
    • Anzahl der Stufen: Das Rad wird 8 Mal gedreht.
    • Ergebnisse: Rot (R) oder Nicht-Rot (Rˉ\bar{R}).
    • Wahrscheinlichkeit pro Stufe: Es gibt 5 Sektoren, einer davon ist rot. P(R)=15=0,2P(R) = \frac{1}{5} = 0{,}2.
  2. Schritt 2
    Vereinfachtes Diagramm skizzieren

    Wir zeichnen den Pfad für „immer Rot".

    Vereinfachtes Baumdiagramm Glücksrad immer Rot
    Vereinfachtes Baumdiagramm Glücksrad immer Rot
  3. Schritt 3
    Pfadwahrscheinlichkeit berechnen

    Wir multiplizieren die Wahrscheinlichkeit 0,2 insgesamt 8 Mal mit sich selbst.

    P(immer Rot)=(0,2)8P(\text{immer Rot}) = (0{,}2)^{8}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ergebnis formulieren

    P(immer Rot)=0,00000256P(\text{immer Rot}) = 0{,}00000256

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, 8-mal hintereinander Rot zu drehen, ist extrem gering.

Beispiel 4

Aufgabe

Eine Maschine produziert Schrauben mit einer Fehlerwahrscheinlichkeit von 10%. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die ersten 15 geprüften Schrauben alle in Ordnung sind?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Problem analysieren
    • Anzahl der Stufen: Es werden 15 Schrauben geprüft.
    • Ergebnisse: In Ordnung (O) oder Fehlerhaft (F).
    • Wahrscheinlichkeit pro Stufe: P(F)=10%=0,1P(F) = 10\% = 0{,}1. Wir brauchen aber die Wahrscheinlichkeit für „in Ordnung". Das ist das Gegenereignis: P(O)=1P(F)=10,1=0,9P(O) = 1 - P(F) = 1 - 0{,}1 = 0{,}9.
  2. Schritt 2
    Vereinfachtes Diagramm skizzieren

    Wir zeichnen den Pfad für „immer in Ordnung".

    Vereinfachtes Baumdiagramm Schrauben fehlerfrei
    Vereinfachtes Baumdiagramm Schrauben fehlerfrei
  3. Schritt 3
    Pfadwahrscheinlichkeit berechnen

    Wir multiplizieren die Wahrscheinlichkeit 0,9 insgesamt 15 Mal mit sich selbst.

    P(15x in Ordnung)=(0,9)15P(\text{15x in Ordnung}) = (0{,}9)^{15}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ergebnis formulieren

    P(15x in Ordnung)0,2059P(\text{15x in Ordnung}) \approx 0{,}2059

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass die ersten 15 Schrauben fehlerfrei sind, liegt bei ca. 20,6%.

Beispiel 5

Aufgabe

Bei einem Multiple-Choice-Test gibt es bei jeder Frage 4 Antwortmöglichkeiten, von denen nur eine richtig ist. Ein Schüler rät bei 5 Fragen komplett. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er alle 5 Fragen richtig beantwortet?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Problem analysieren
    • Anzahl der Stufen: Es gibt 5 Fragen.
    • Ergebnisse: Richtig (R) oder Falsch (F).
    • Wahrscheinlichkeit pro Stufe: Bei 4 Optionen ist die Wahrscheinlichkeit, richtig zu raten, P(R)=14=0,25P(R) = \frac{1}{4} = 0{,}25.
  2. Schritt 2
    Vereinfachtes Diagramm skizzieren

    Wir zeichnen den Pfad für „immer richtig".

    Vereinfachtes Baumdiagramm Multiple Choice alle richtig
    Vereinfachtes Baumdiagramm Multiple Choice alle richtig
  3. Schritt 3
    Pfadwahrscheinlichkeit berechnen

    Wir multiplizieren die Wahrscheinlichkeit 0,25 insgesamt 5 Mal mit sich selbst.

    P(5x richtig)=(0,25)5P(\text{5x richtig}) = (0{,}25)^{5}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ergebnis formulieren

    P(5x richtig)0,000977P(\text{5x richtig}) \approx 0{,}000977

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, durch Raten 5-mal richtig zu liegen, ist sehr gering (ca. 0,1%).

Aufgabentyp 2: Baumdiagramm mit zu vielen Ästen (zu breit)

Manchmal hat jede Stufe eines Experiments sehr viele mögliche Ergebnisse. Ein Würfel hat 6 Seiten, ein Kartenspiel 32 Karten. Ein Baumdiagramm mit 6 oder 32 Ästen pro Stufe wäre viel zu unübersichtlich.

Der Trick: Wir fassen die Ergebnisse in zwei Gruppen zusammen:

  1. Das Ereignis, das uns interessiert (z. B. „eine 1 würfeln").
  2. Das Gegenereignis, also „alles andere" (z. B. „keine 1 würfeln").

So reduzieren wir die Anzahl der Äste pro Stufe auf nur noch zwei. Die Wahrscheinlichkeit für das Gegenereignis berechnen wir ganz einfach:

P(Gegenereignis)=1P(Ereignis)P(\text{Gegenereignis}) = 1 - P(\text{Ereignis})

Danach können wir ein übersichtliches Baumdiagramm zeichnen und den gesuchten Pfad berechnen.

Vereinfachtes Baumdiagramm mit Gegenereignis zwei Äste
Vereinfachtes Baumdiagramm mit Gegenereignis zwei Äste

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Schritt 1: Problem analysieren – Erkenne, dass es pro Stufe sehr viele Ergebnisse gibt, und identifiziere das eine relevante Ergebnis.
  2. Schritt 2: Ereignisse zusammenfassen – Definiere das interessante Ereignis E und das Gegenereignis Eˉ\bar{E}.
  3. Schritt 3: Wahrscheinlichkeiten berechnen – Berechne P(E)P(E) und daraus P(Eˉ)=1P(E)P(\bar{E}) = 1 - P(E).
  4. Schritt 4: Vereinfachtes Diagramm zeichnen – Zeichne das Baumdiagramm mit nur den beiden Ästen für E und Eˉ\bar{E} pro Stufe.
  5. Schritt 5: Pfad finden und berechnen – Markiere den gesuchten Pfad und berechne seine Wahrscheinlichkeit mit der Produktregel.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Ein fairer sechsseitiger Würfel wird viermal geworfen. Berechne die Wahrscheinlichkeit, dass nur der dritte Wurf eine Eins zeigt. Nutze ein vereinfachtes Baumdiagramm.

Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Problem analysieren

    Ein Würfel hat 6 Seiten. Ein Baumdiagramm mit 6 Ästen pro Stufe wäre zu unübersichtlich. Das relevante Ergebnis ist „eine 1 würfeln".

  2. Schritt 2
    Ereignisse zusammenfassen
    • Ereignis E: „Eine 1 wird gewürfelt" (kurz: 1)
    • Gegenereignis Eˉ\bar{E}: „Keine 1 wird gewürfelt" (kurz: 1ˉ\bar{1})
  3. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeiten berechnen
    • P(1)=16P(1) = \frac{1}{6}
    • P(1ˉ)=1P(1)=116=56P(\bar{1}) = 1 - P(1) = 1 - \frac{1}{6} = \frac{5}{6}
  4. Schritt 4
    Vereinfachtes Diagramm zeichnen

    Wir zeichnen ein 4-stufiges Baumdiagramm mit den Ästen „1" und „1ˉ\bar{1}".

    Vereinfachtes Baumdiagramm Würfel nur dritter Wurf eine Eins
    Vereinfachtes Baumdiagramm Würfel nur dritter Wurf eine Eins
  5. Schritt 5 · Ergebnis
    Pfad finden und berechnen

    Der gesuchte Pfad ist: 1ˉ\bar{1} - 1ˉ\bar{1} - 1 - 1ˉ\bar{1}. Wir multiplizieren die Wahrscheinlichkeiten entlang dieses Pfades:

    P(nur im 3. Wurf eine 1)=P(1ˉ)P(1ˉ)P(1)P(1ˉ)P(\text{nur im 3. Wurf eine 1}) = P(\bar{1}) \cdot P(\bar{1}) \cdot P(1) \cdot P(\bar{1})

    P=56561656P = \frac{5}{6} \cdot \frac{5}{6} \cdot \frac{1}{6} \cdot \frac{5}{6}

    P=12512960,096P = \frac{125}{1296} \approx 0{,}096

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt ca. 9,6%.

Beispiel 2

Aufgabe

In einer Urne liegen 10 Kugeln: 1 rote, 3 blaue und 6 grüne. Es wird dreimal eine Kugel mit Zurücklegen gezogen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass genau die erste gezogene Kugel rot ist?

Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Problem analysieren

    Es gibt 3 verschiedene Farben, aber die Frage bezieht sich nur auf „rot" oder „nicht rot".

  2. Schritt 2
    Ereignisse zusammenfassen
    • Ereignis E: „Kugel ist rot" (R)
    • Gegenereignis Eˉ\bar{E}: „Kugel ist nicht rot" (Rˉ\bar{R})
  3. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeiten berechnen
    • Es gibt 1 rote Kugel von insgesamt 10. P(R)=110P(R) = \frac{1}{10}
    • P(Rˉ)=1P(R)=1110=910P(\bar{R}) = 1 - P(R) = 1 - \frac{1}{10} = \frac{9}{10}
  4. Schritt 4
    Vereinfachtes Diagramm zeichnen

    Wir zeichnen ein 3-stufiges Baumdiagramm.

    Vereinfachtes Baumdiagramm Urne erste Kugel rot
    Vereinfachtes Baumdiagramm Urne erste Kugel rot
  5. Schritt 5 · Ergebnis
    Pfad finden und berechnen

    Der gesuchte Pfad ist: R - Rˉ\bar{R} - Rˉ\bar{R}.

    P(nur erste rot)=P(R)P(Rˉ)P(Rˉ)P(\text{nur erste rot}) = P(R) \cdot P(\bar{R}) \cdot P(\bar{R})

    P=110910910P = \frac{1}{10} \cdot \frac{9}{10} \cdot \frac{9}{10}

    P=811000=0,081P = \frac{81}{1000} = 0{,}081

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt 8,1%.

Beispiel 3

Aufgabe

Aus einem Skatspiel (32 Karten) wird zweimal mit Zurücklegen eine Karte gezogen. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass keine der beiden Karten ein Ass ist? (Es gibt 4 Asse im Spiel.)

Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Problem analysieren

    Ein Deck hat 32 Karten. Wir interessieren uns nur dafür, ob eine Karte ein Ass ist oder nicht.

  2. Schritt 2
    Ereignisse zusammenfassen
    • Ereignis E: „Karte ist ein Ass" (A)
    • Gegenereignis Eˉ\bar{E}: „Karte ist kein Ass" (Aˉ\bar{A})
  3. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeiten berechnen
    • Es gibt 4 Asse in 32 Karten. P(A)=432=18P(A) = \frac{4}{32} = \frac{1}{8}
    • P(Aˉ)=1P(A)=118=78P(\bar{A}) = 1 - P(A) = 1 - \frac{1}{8} = \frac{7}{8}
  4. Schritt 4
    Vereinfachtes Diagramm zeichnen

    Wir zeichnen ein 2-stufiges Baumdiagramm.

    Vereinfachtes Baumdiagramm Skatspiel kein Ass
    Vereinfachtes Baumdiagramm Skatspiel kein Ass
  5. Schritt 5 · Ergebnis
    Pfad finden und berechnen

    Der gesuchte Pfad ist: Aˉ\bar{A} - Aˉ\bar{A}.

    P(kein Ass)=P(Aˉ)P(Aˉ)P(\text{kein Ass}) = P(\bar{A}) \cdot P(\bar{A})

    P=7878P = \frac{7}{8} \cdot \frac{7}{8}

    P=49640,766P = \frac{49}{64} \approx 0{,}766

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, kein Ass zu ziehen, liegt bei ca. 76,6%.

Beispiel 4

Aufgabe

Ein Wetterdienst sagt für die nächsten 3 Tage die Regenwahrscheinlichkeit voraus. Für Freitag liegt sie bei 20%, für Samstag bei 60% und für Sonntag bei 30%. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es nur am Samstag regnet?

Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Problem analysieren

    Wir haben 3 Tage (Stufen) und für jeden Tag zwei Möglichkeiten: Regen oder kein Regen.

  2. Schritt 2
    Ereignisse zusammenfassen
    • Ereignis E: „Es regnet" (R)
    • Gegenereignis Eˉ\bar{E}: „Es regnet nicht" (Rˉ\bar{R})
  3. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeiten berechnen

    Die Wahrscheinlichkeiten sind hier für jede Stufe unterschiedlich!

    • Freitag: P(RFr)=0,2P(RˉFr)=10,2=0,8P(R_{Fr}) = 0{,}2 \quad \to \quad P(\bar{R}_{Fr}) = 1 - 0{,}2 = 0{,}8
    • Samstag: P(RSa)=0,6P(RˉSa)=10,6=0,4P(R_{Sa}) = 0{,}6 \quad \to \quad P(\bar{R}_{Sa}) = 1 - 0{,}6 = 0{,}4
    • Sonntag: P(RSo)=0,3P(RˉSo)=10,3=0,7P(R_{So}) = 0{,}3 \quad \to \quad P(\bar{R}_{So}) = 1 - 0{,}3 = 0{,}7
  4. Schritt 4
    Vereinfachtes Diagramm zeichnen

    Wir zeichnen ein 3-stufiges Baumdiagramm.

    Vereinfachtes Baumdiagramm Wettervorhersage nur Samstag Regen
    Vereinfachtes Baumdiagramm Wettervorhersage nur Samstag Regen
  5. Schritt 5 · Ergebnis
    Pfad finden und berechnen

    Der gesuchte Pfad ist: RˉFr\bar{R}_{Fr} - RSaR_{Sa} - RˉSo\bar{R}_{So}.

    P(nur Sa Regen)=P(RˉFr)P(RSa)P(RˉSo)P(\text{nur Sa Regen}) = P(\bar{R}_{Fr}) \cdot P(R_{Sa}) \cdot P(\bar{R}_{So})

    P=0,80,60,7P = 0{,}8 \cdot 0{,}6 \cdot 0{,}7

    P=0,336P = 0{,}336

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass es nur am Samstag regnet, beträgt 33,6%.

Beispiel 5

Aufgabe

In einer Klasse sind 25 Schüler, davon 10 Jungen. Für ein Referat werden nacheinander 2 Schüler zufällig ausgewählt (eine Person kann nicht zweimal gewählt werden). Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass zuerst ein Junge und dann ein Mädchen ausgewählt wird?

Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Problem analysieren

    Dies ist ein Ziehen ohne Zurücklegen. Die Wahrscheinlichkeiten ändern sich nach der ersten Ziehung. Wir interessieren uns nur für Junge/Mädchen.

  2. Schritt 2
    Ereignisse zusammenfassen
    • Ereignis E: „Schüler ist ein Junge" (J)
    • Gegenereignis Eˉ\bar{E}: „Schüler ist ein Mädchen" (M)
  3. Schritt 3
    Wahrscheinlichkeiten berechnen
    • 1. Ziehung: 10 Jungen, 15 Mädchen, 25 Schüler gesamt. P(J1)=1025P(J_1) = \frac{10}{25} P(M1)=1525P(M_1) = \frac{15}{25}
    • 2. Ziehung (nachdem ein Junge gezogen wurde): 9 Jungen, 15 Mädchen, 24 Schüler gesamt. P(J2 nach J1)=924P(J_2 \text{ nach } J_1) = \frac{9}{24} P(M2 nach J1)=1524P(M_2 \text{ nach } J_1) = \frac{15}{24}
  4. Schritt 4
    Vereinfachtes Diagramm zeichnen

    Wir zeichnen ein 2-stufiges Baumdiagramm.

    Vereinfachtes Baumdiagramm Schülerziehung Junge dann Mädchen
    Vereinfachtes Baumdiagramm Schülerziehung Junge dann Mädchen
  5. Schritt 5 · Ergebnis
    Pfad finden und berechnen

    Der gesuchte Pfad ist: J1J_1 - M2M_2.

    P(J1 dann M2)=P(J1)P(M2 nach J1)P(J_1 \text{ dann } M_2) = P(J_1) \cdot P(M_2 \text{ nach } J_1)

    P=10251524P = \frac{10}{25} \cdot \frac{15}{24}

    P=150600=14=0,25P = \frac{150}{600} = \frac{1}{4} = 0{,}25

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit beträgt 25%.

Wichtige Erkenntnisse

  • Zu viele Stufen (zu lang): Zeichne nur den relevanten Pfad für 2–3 Stufen, deute den Rest mit „..." an. Berechne die Wahrscheinlichkeit mit einer Potenz: pnp^n.
  • Zu viele Äste (zu breit): Fasse die Ergebnisse in zwei Gruppen zusammen: Ereignis und Gegenereignis. Zeichne ein einfaches Baumdiagramm mit nur zwei Ästen pro Stufe.
  • Gegenereignis berechnen: Die Wahrscheinlichkeit für „alles andere" ist immer 1P(Ereignis)1 - P(\text{Ereignis}).
  • Pfadregel gilt immer: Egal wie du vereinfachst, die Wahrscheinlichkeit eines Pfades ist immer das Produkt der Wahrscheinlichkeiten entlang der Äste.

Häufige Fragen

Was sind vereinfachte Baumdiagramme?

Vereinfachte Baumdiagramme sind eine Methode, um Zufallsexperimente mit sehr vielen Stufen oder sehr vielen Ergebnissen pro Stufe handhabbar zu machen. Statt ein vollständiges Diagramm zu zeichnen, zeigst du entweder nur den gesuchten Pfad (bei zu vielen Stufen) oder fasst alle Ergebnisse in zwei Gruppen – Ereignis und Gegenereignis – zusammen (bei zu vielen Ästen). So sparst du Zeit und behältst den Überblick.

Wie berechne ich die Wahrscheinlichkeit bei einem vereinfachten Baumdiagramm mit vielen Stufen?

Wenn ein Ereignis mit der Wahrscheinlichkeit p genau n-mal hintereinander eintreten soll, multiplizierst du p nicht mühsam n-mal, sondern schreibst es als Potenz: P = pn. Zeichne dazu nur die ersten 2–3 Stufen des gesuchten Pfades und deute den Rest mit „..." an. Die 1. Pfadregel liefert dann direkt das Ergebnis – schnell und fehlerfrei.

Wann nutze ich das Gegenereignis beim Baumdiagramm vereinfachen?

Das Gegenereignis kommt ins Spiel, wenn es pro Stufe sehr viele verschiedene Ergebnisse gibt (z. B. 6 Würfelseiten oder 32 Spielkarten). Du definierst dann nur zwei Gruppen: das eine relevante Ereignis E und alles andere als Ē. Die Wahrscheinlichkeit dafür berechnest du mit P(Ē) = 1 − P(E). So reduzierst du jede Verzweigung auf zwei Äste und das Diagramm bleibt übersichtlich.

Was ist der Unterschied zwischen zu vielen Stufen und zu vielen Ästen beim Baumdiagramm?

Bei zu vielen Stufen (z. B. 20 Münzwürfe) ist das Diagramm zu lang – du zeichnest deshalb nur den gesuchten Pfad und berechnest mit einer Potenz. Bei zu vielen Ästen (z. B. ein 6-seitiger Würfel) ist das Diagramm zu breit – du fasst alle Ergebnisse in Ereignis und Gegenereignis zusammen und zeichnest nur zwei Äste pro Stufe. Beide Tricks können auch kombiniert auftreten.

Warum gilt die Pfadregel auch bei vereinfachten Baumdiagrammen?

Die 1. Pfadregel (Produktregel) besagt, dass die Wahrscheinlichkeit eines Pfades immer gleich dem Produkt der Einzelwahrscheinlichkeiten entlang seiner Äste ist. Das gilt unabhängig davon, wie du das Diagramm vereinfacht hast – ob du Äste zusammengefasst oder Stufen mit einer Potenz abgekürzt hast. Solange die Wahrscheinlichkeiten an den Ästen korrekt angegeben sind, liefert die Pfadregel das richtige Ergebnis.

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