Hast du dich jemals gefragt, wie Wissenschaftler das Alter von Fossilien bestimmen oder wie eine Bank Zinsen berechnet, die sich ständig vermehren? Die Antwort liegt oft in der Natur selbst, und die Mathematik hat dafür eine spezielle Funktion: den natürlichen Logarithmus, kurz . Diese Funktion ist wie der geheime Bauplan für Wachstum und Zerfall in der Natur. Sie zu verstehen, ist wie einen Blick hinter die Kulissen der Welt zu werfen. Wir werden heute nicht nur ihren Graphen zeichnen, sondern auch ihr erstaunlich einfaches Geheimnis lüften: die Regel für ihre Steigung. Das ist ein mächtiges Werkzeug, das dir in vielen Bereichen der Mathematik und darüber hinaus begegnen wird.
Schnellantwort
Die natürliche Logarithmusfunktion ist eine der wichtigsten Funktionen in der Mathematik. Ihr Graph hat eine charakteristische, langsam ansteigende Form und ist nur für positive x-Werte () definiert. Die überraschend einfache Ableitungsregel lautet: – die Steigung an jeder Stelle ist also genau der Kehrwert von .
Vorwissen
Bevor wir starten, wiederholen wir kurz drei wichtige Grundlagen:
-
Funktionsgraph zeichnen: Um den Graphen einer Funktion zu zeichnen, erstellst du eine Wertetabelle, trägst die Punkte in ein Koordinatensystem ein und verbindest sie.
- Beispiel: Für berechnest du Punkte wie , , und zeichnest die Parabel.
-
Tangente: Eine Tangente ist eine Gerade, die eine Kurve an einem bestimmten Punkt berührt und dort dieselbe Steigung hat wie die Kurve.

- Steigung einer Geraden: Die Steigung gibt an, wie steil eine Gerade ist. Du kannst sie mit zwei Punkten und auf der Geraden berechnen.
- Formel:
- Beispiel: Eine Gerade durch die Punkte und hat die Steigung .
Aufgabentyp 1: Graph der ln-Funktion und ihre Ableitung
Die natürliche Logarithmusfunktion ist eine der wichtigsten Funktionen in der Mathematik. Ihr Graph hat eine charakteristische, langsam ansteigende Form. Eine besondere Eigenschaft ist ihre Ableitung (also die Funktion, die ihre Steigung an jeder Stelle beschreibt), die eine überraschend einfache Regel befolgt.
Um diese Regel zu entdecken, gehen wir wie Detektive vor:
- Wir zeichnen den Graphen der Funktion präzise.
- Wir legen an verschiedenen Stellen Tangenten an den Graphen an.
- Wir berechnen die Steigung dieser Tangenten.
- Wir vergleichen die x-Werte mit den berechneten Steigungen und suchen nach einem Muster.
Dieses Vorgehen hilft uns, die Ableitungsregel von grafisch herzuleiten und zu verstehen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Wertetabelle erstellen
Um den Graphen von zu zeichnen, erstelle eine Tabelle mit x-Werten und den zugehörigen y-Werten. Benutze dafür die „ln"-Taste auf deinem Taschenrechner.
Schritt 2: Graph zeichnen
Zeichne ein Koordinatensystem. Trage die Punkte aus deiner Wertetabelle ein und verbinde sie zu einer glatten Kurve.
Schritt 3: Tangenten einzeichnen
Gehe zu den geforderten x-Werten auf der x-Achse. Finde den entsprechenden Punkt auf dem Graphen und zeichne mit einem Lineal eine Tangente an die Kurve. Die Tangente sollte die Kurve nur in diesem einen Punkt berühren.
Schritt 4: Steigung der Tangenten bestimmen
Bestimme die Steigung jeder Tangente. Wähle dafür zwei gut ablesbare Punkte und auf der Tangente und setze sie in die Steigungsformel ein:
Schritt 5: Muster erkennen und Schlussfolgerung ziehen
Liste die x-Werte und die dazugehörigen Steigungen auf. Vergleiche die Wertepaare. Formuliere eine Regel, die den Zusammenhang zwischen dem x-Wert und der Steigung des Graphen an dieser Stelle beschreibt.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
a) Zeichne den Graphen der Funktion im Intervall . b) Zeichne Tangenten an den Graphen an den Stellen und . Bestimme näherungsweise die Steigung dieser Tangenten. c) Die Steigungen an weiteren Stellen sind bekannt: Bei ist die Steigung , bei ist sie . Welche Regel für die Steigung der Funktion kannst du aus deinen Ergebnissen ableiten?
- Schritt 1Wertetabelle erstellen
Wir berechnen die y-Werte für einige x-Werte im Intervall mit dem Taschenrechner (auf zwei Nachkommastellen gerundet):
- Schritt 2Graph zeichnen
Wir tragen die Punkte ein und verbinden sie.

Graph der natürlichen Logarithmusfunktion im Koordinatensystem - Schritt 3Tangenten einzeichnen
Wir zeichnen die Tangenten an den Stellen und .

Tangenten an den ln-Graphen bei x=2 und x=5 - Schritt 4Steigung der Tangenten bestimmen
Wir bestimmen die Steigung für jede Tangente durch Ablesen von zwei Punkten.
- Tangente bei : Die Tangente geht ungefähr durch die Punkte und .
- Tangente bei : Die Tangente geht ungefähr durch die Punkte und .
- Schritt 5 · ErgebnisMuster erkennen und Schlussfolgerung ziehen
Wir sammeln alle bekannten Steigungen:
- Bei : Steigung
- Bei : Steigung
- Bei : Steigung
- Bei : Steigung
Wir sehen ein klares Muster, wenn wir die Steigungen als Brüche schreiben: , , ,
Die Steigung des Graphen von an einer Stelle ist immer .
Beispiel 2
Bestimme grafisch die Steigung der Funktion an der Stelle . Vergleiche dein Ergebnis mit dem exakten Wert.
- Schritt 1 & 2Wertetabelle und Graph
Wir zeichnen den Graphen von , wie im ersten Beispiel. Der Punkt bei ist .

ln-Graph mit markiertem Punkt bei x=4 - Schritt 3Tangente einzeichnen
Wir zeichnen eine Tangente an den Graphen im Punkt .

Tangente an den ln-Graphen bei x=4 - Schritt 4Steigung der Tangente bestimmen
Die Tangente scheint durch den Punkt zu gehen. Wir verwenden diesen und den Punkt zur Berechnung der Steigung:
- Schritt 5 · ErgebnisSchlussfolgerung
Unsere grafische Messung ergibt eine Steigung von . Die Regel besagt, dass die Steigung sein sollte. Für ist die exakte Steigung . Unser Ergebnis stimmt exakt mit dem erwarteten Wert überein.
Die grafisch bestimmte Steigung stimmt exakt mit dem Wert aus der Ableitungsregel überein.
Beispiel 3
An welcher Stelle hat der Graph der Funktion die Steigung ?
- Schritt 1-4 entfallen, da wir die Regel bereits kennen.
- Schritt 5 · ErgebnisRegel anwenden
Wir haben die Regel hergeleitet, dass die Steigung an einer Stelle durch die Formel gegeben ist.
Wir kennen die Steigung und suchen den zugehörigen x-Wert.
Wir setzen den Wert für in die Formel ein:
Jetzt lösen wir die Gleichung nach auf, indem wir mit multiplizieren und durch dividieren:
An der Stelle hat der Graph die Steigung .
Beispiel 4
Erkläre, warum man an den Graphen von keine Tangente an der Stelle oder anlegen kann.
- Schritt 1Wertetabelle (gedanklich)
Wir prüfen, ob wir für und einen y-Wert berechnen können.
- Für : Der Ausdruck ist mathematisch nicht definiert. Der Taschenrechner gibt einen Fehler aus.
- Für : Der Ausdruck ist ebenfalls nicht definiert. Der Logarithmus ist nur für positive Zahlen definiert.
- Schritt 2 · ErgebnisSchlussfolgerung
Da die Funktion nur für definiert ist, existieren keine Punkte auf dem Graphen bei oder . Wo kein Punkt ist, kann auch keine Tangente angelegt werden.
Der Definitionsbereich der Funktion ist . An den Stellen und existiert kein Punkt auf dem Graphen, daher ist das Anlegen einer Tangente nicht möglich.
Beispiel 5
Zeichne den Graphen von und bestimme grafisch die Steigung an der Stelle .
- Schritt 1 & 2Wertetabelle und Graph
Wir zeichnen den Graphen von . Der Punkt bei ist .

ln-Graph mit markiertem Punkt bei x=0,5 - Schritt 3Tangente einzeichnen
Wir zeichnen eine Tangente an den Graphen im Punkt . Diese Tangente ist deutlich steiler als die in den vorherigen Beispielen.

Steile Tangente an den ln-Graphen bei x=0,5 - Schritt 4Steigung der Tangente bestimmen
Die Tangente scheint durch den Punkt zu gehen. Wir verwenden diesen und den Punkt zur Berechnung der Steigung:
- Schritt 5 · ErgebnisSchlussfolgerung
Unsere grafische Messung ergibt eine Steigung von . Die Regel bestätigt dies: Für ist die exakte Steigung . Das Ergebnis stimmt.
An der Stelle beträgt die Steigung des ln-Graphen , was die Ableitungsregel exakt bestätigt.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Graph der Funktion ist nur für positive x-Werte () definiert.
- Der Graph schneidet die x-Achse bei , da .
- Die Steigung des Graphen von an einer beliebigen Stelle folgt einer einfachen Regel. Sie ist die Ableitung der Funktion.
- Die Ableitungsregel lautet: .
- Je kleiner der x-Wert, desto steiler ist der Graph. Je größer der x-Wert, desto flacher wird er.
Häufige Fragen
Was ist die natürliche Logarithmusfunktion?
Die natürliche Logarithmusfunktion f(x) = ln(x) ist die Umkehrfunktion der Exponentialfunktion ex. Ihr Graph steigt langsam und gleichmäßig an, schneidet die x-Achse bei x = 1 (da ln(1) = 0) und ist nur für positive x-Werte definiert. Sie beschreibt natürliche Wachstums- und Zerfallsprozesse und ist eine der zentralen Funktionen in der höheren Mathematik.
Wie leitest du die Funktion ln(x) ab?
Die Ableitung der natürlichen Logarithmusfunktion folgt einer besonders einfachen Regel: f'(x) = 1/x. Das bedeutet, die Steigung des Graphen an jeder Stelle x ist genau der Kehrwert dieses x-Werts. Bei x = 2 beträgt die Steigung also 1/2 = 0,5, bei x = 5 beträgt sie 1/5 = 0,2. Diese Regel lässt sich grafisch durch Anlegen von Tangenten herleiten und bestätigen.
Warum ist ln(x) für negative x-Werte nicht definiert?
Der Logarithmus ist nur für positive Zahlen definiert, weil die Frage ln(x) = y gleichbedeutend ist mit ey = x. Da ey für alle reellen y immer positiv ist, kann x niemals null oder negativ sein. Für x = 0 oder negative Werte existiert kein Punkt auf dem Graphen, weshalb dort auch keine Tangente angelegt werden kann.
Wie bestimmst du die Steigung des ln-Graphen an einer bestimmten Stelle?
Verwende die Ableitungsregel m = 1/x: Setze einfach den gesuchten x-Wert ein. Willst du zum Beispiel die Steigung bei x = 4 wissen, rechnest du m = 1/4 = 0,25. Umgekehrt: Wenn du eine Steigung m kennst und den zugehörigen x-Wert suchst, löse m = 1/x nach x auf und erhalte x = 1/m.
Was ist der Unterschied zwischen dem natürlichen Logarithmus und anderen Logarithmen?
Der natürliche Logarithmus ln(x) verwendet die Basis e ≈ 2,718, die eulersche Zahl. Andere Logarithmen verwenden abweichende Basen – zum Beispiel der dekadische Logarithmus log(x) die Basis 10. Der natürliche Logarithmus ist in der Analysis besonders praktisch, weil seine Ableitung 1/x so einfach ist. In der Natur und Technik tritt er deshalb besonders häufig auf.