Bedingte Wahrscheinlichkeit aus Vierfeldertafel erklärt

Bedingte Wahrscheinlichkeit aus einer Vierfeldertafel Schritt für Schritt berechnen – mit Formel, Beispielen und einer klaren Anleitung zum Erstellen eigener Tabellen.

📅 Aktualisiert 15. Juni 202621 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion

Die bedingte Wahrscheinlichkeit aus einer Vierfeldertafel zu berechnen ist eine der wichtigsten Fähigkeiten in der Stochastik – und gleichzeitig ein echter „Faktencheck" für Statistiken aus dem Alltag. Hast du dich jemals gefragt, wie Nachrichten Schlagzeilen wie „Studie zeigt: Kaffeetrinker leben länger!" machen? Klingt einfach, aber oft steckt mehr dahinter. Vielleicht trinken diese Leute auch weniger Alkohol oder treiben mehr Sport? Die eigentliche Frage ist: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, länger zu leben, unter der Bedingung, dass man Kaffee trinkt? Genau das ist bedingte Wahrscheinlichkeit. Mit diesem Werkzeug kannst du hinter die Kulissen von Statistiken schauen, irreführende Werbung entlarven und herausfinden, was wirklich zusammenhängt. Du lernst, die entscheidende Frage zu stellen: „Ja, aber unter welcher Bedingung?" Das ist keine trockene Mathe – das ist ein Skill, um die Welt kritischer zu sehen.

Vorwissen

Bevor wir starten, wiederholen wir kurz die Grundlagen:

  • Vierfeldertafel: Eine Tabelle, die zeigt, wie sich zwei Merkmale auf eine Gruppe verteilen. Die Zahlen in der Mitte zeigen die Kombinationen, die Ränder zeigen die Gesamtsummen.
    • Beispiel: Eine Tabelle, die zeigt, wie viele Schüler ein Haustier haben und wie viele nicht, aufgeteilt nach Jungen und Mädchen.
Vierfeldertafel mit Haustier-Beispiel für Jungen und Mädchen
Vierfeldertafel mit Haustier-Beispiel für Jungen und Mädchen
  • Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses P(A): Das Verhältnis der günstigen Ergebnisse zur Gesamtzahl aller möglichen Ergebnisse.

    • Formel: P(A)=Anzahl der gu¨nstigen ErgebnisseAnzahl aller mo¨glichen ErgebnisseP(A) = \frac{\text{Anzahl der günstigen Ergebnisse}}{\text{Anzahl aller möglichen Ergebnisse}}
    • Beispiel: Die Wahrscheinlichkeit, eine 6 mit einem normalen Würfel zu würfeln, ist P(6)=16P(6) = \frac{1}{6}.
  • Schnittmenge zweier Ereignisse (ABA \cap B): Das Ereignis, dass sowohl A als auch B eintreten.

    • Beispiel: Das Ereignis „eine rote Karte ziehen, die ein König ist" ist die Schnittmenge von A = „Karte ist rot" und B = „Karte ist ein König".

Aufgabentyp 1: Bedingte Wahrscheinlichkeit aus einer fertigen Vierfeldertafel berechnen

Die bedingte Wahrscheinlichkeit aus einer Vierfeldertafel berechnen – das ist der klassische Aufgabentyp, der in Klausuren immer wieder auftaucht. Die bedingte Wahrscheinlichkeit gibt an, wie wahrscheinlich ein Ereignis A ist, wenn wir bereits wissen, dass ein anderes Ereignis B eingetreten ist. Man schreibt das als PB(A)P_{\text{B}}(A) und liest es als „die Wahrscheinlichkeit von A unter der Bedingung B".

Die Bedingung B schränkt unsere Betrachtung ein. Wir schauen nicht mehr auf die Gesamtmenge, sondern nur noch auf die Fälle, in denen B wahr ist. Das ist unsere neue „Gesamtmenge".

Die Formel dafür lautet:

PB(A)=P(AB)P(B)P_{\text{B}}(A) = \frac{P(A \cap B)}{P(B)}

  • P(AB)P(A \cap B) ist die Wahrscheinlichkeit, dass A und B gemeinsam auftreten. Du findest diesen Wert im Inneren der Vierfeldertafel, wo sich die Zeile von A und die Spalte von B kreuzen.
  • P(B)P(B) ist die Wahrscheinlichkeit der Bedingung. Du findest diesen Wert am Rand der Tabelle, in der Summen-Zelle der Zeile oder Spalte von B.
Vierfeldertafel mit farblicher Markierung von Schnittmenge und Randwert
Vierfeldertafel mit farblicher Markierung von Schnittmenge und Randwert

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Schritt 1: Ereignisse und Bedingung identifizieren

Lies die Aufgabenstellung genau. Finde heraus, welches Ereignis gesucht ist (nennen wir es A) und was die gegebene Bedingung ist (nennen wir sie B). Die Bedingung erkennst du oft an Formulierungen wie „unter der Annahme, dass…", „von allen, die…" oder „wenn bekannt ist, dass…".

Schritt 2: Gesuchte Wahrscheinlichkeit als Formel notieren

Schreibe die bedingte Wahrscheinlichkeit in der Form PB(A)P_B(A) auf. Notiere dann die zugehörige Formel: PB(A)=P(AB)P(B)P_B(A) = \frac{P(A \cap B)}{P(B)}.

Schritt 3: Werte aus der Vierfeldertafel ablesen

  • Finde den Wert für die Schnittmenge P(AB)P(A \cap B) im Inneren der Tabelle.
  • Finde den Wert für die Bedingung P(B)P(B) in der entsprechenden Summen-Zelle am Rand.

Schritt 4: Wahrscheinlichkeit berechnen

Setze die beiden abgelesenen Werte in die Formel ein und berechne das Ergebnis.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Eine Umfrage unter 100 Schülern ergab, wie sie zur Schule kommen und ob sie in der Stadt wohnen. Die Ergebnisse sind in der folgenden Vierfeldertafel dargestellt. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schüler mit dem Fahrrad fährt, wenn bekannt ist, dass er in der Stadt wohnt?

Vierfeldertafel Schulweg und Wohnort von 100 Schülern
Vierfeldertafel Schulweg und Wohnort von 100 Schülern
Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ereignisse und Bedingung identifizieren
    • Ereignis A: „Ein Schüler fährt mit dem Fahrrad."
    • Bedingung B: „Ein Schüler wohnt in der Stadt."

    Wir suchen also PStadt(Rad)P_{Stadt}(Rad).

  2. Schritt 2
    Gesuchte Wahrscheinlichkeit als Formel notieren

    Die Formel lautet:

    PStadt(Rad)=P(RadStadt)P(Stadt)P_{Stadt}(Rad) = \frac{P(Rad \cap Stadt)}{P(Stadt)}

  3. Schritt 3
    Werte aus der Vierfeldertafel ablesen

    Aus der Tabelle lesen wir ab:

    • Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schüler mit dem Rad fährt UND in der Stadt wohnt, ist P(RadStadt)=30100=0,3P(Rad \cap Stadt) = \frac{30}{100} = 0{,}3.
    • Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schüler in der Stadt wohnt, ist P(Stadt)=50100=0,5P(Stadt) = \frac{50}{100} = 0{,}5.
  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Wahrscheinlichkeit berechnen

    Wir setzen die Werte in die Formel ein:

    PStadt(Rad)=0,30,5=0,6P_{Stadt}(Rad) = \frac{0{,}3}{0{,}5} = 0{,}6

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schüler mit dem Fahrrad fährt, wenn er in der Stadt wohnt, beträgt 60 %.

Beispiel 2

Aufgabe

In einem Fitnessstudio wurden die Mitglieder befragt, ob sie Cardio- oder Krafttraining bevorzugen. Die Ergebnisse sind nach Geschlecht aufgeteilt. Bestimme die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mitglied Krafttraining bevorzugt, wenn es weiblich ist.

Vierfeldertafel Trainingsart und Geschlecht im Fitnessstudio
Vierfeldertafel Trainingsart und Geschlecht im Fitnessstudio
Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ereignisse und Bedingung identifizieren
    • Ereignis A: „Ein Mitglied bevorzugt Krafttraining."
    • Bedingung B: „Ein Mitglied ist weiblich."

    Wir suchen Pweiblich(Kraft)P_{weiblich}(Kraft).

  2. Schritt 2
    Gesuchte Wahrscheinlichkeit als Formel notieren

    Pweiblich(Kraft)=P(Kraftweiblich)P(weiblich)P_{weiblich}(Kraft) = \frac{P(Kraft \cap weiblich)}{P(weiblich)}

  3. Schritt 3
    Werte aus der Vierfeldertafel ablesen
    • P(Kraftweiblich)=0,15P(Kraft \cap weiblich) = 0{,}15 (Zelle, wo sich „Weiblich" und „Kraft" kreuzen).
    • P(weiblich)=0,55P(weiblich) = 0{,}55 (Summe der Zeile „Weiblich").
  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Wahrscheinlichkeit berechnen

    Pweiblich(Kraft)=0,150,550,273P_{weiblich}(Kraft) = \frac{0{,}15}{0{,}55} \approx 0{,}273

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein weibliches Mitglied Krafttraining bevorzugt, liegt bei ca. 27,3 %.

Beispiel 3

Aufgabe

Eine Fluggesellschaft hat Daten über die Pünktlichkeit ihrer Flüge und die Wetterbedingungen gesammelt. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Flug pünktlich war, wenn das Wetter gut war?

Vierfeldertafel Flugpünktlichkeit und Wetterbedingungen
Vierfeldertafel Flugpünktlichkeit und Wetterbedingungen
Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ereignisse und Bedingung identifizieren
    • Ereignis A: „Der Flug war pünktlich."
    • Bedingung B: „Das Wetter war gut."

    Gesucht ist PGutesWetter(Pu¨nktlich)P_{Gutes Wetter}(Pünktlich).

  2. Schritt 2
    Gesuchte Wahrscheinlichkeit als Formel notieren

    PGutesWetter(Pu¨nktlich)=P(Pu¨nktlichGutesWetter)P(GutesWetter)P_{Gutes Wetter}(Pünktlich) = \frac{P(Pünktlich \cap Gutes Wetter)}{P(Gutes Wetter)}

  3. Schritt 3
    Werte aus der Vierfeldertafel ablesen
    • P(Pu¨nktlichGutesWetter)=0,75P(Pünktlich \cap Gutes Wetter) = 0{,}75
    • P(GutesWetter)=0,80P(Gutes Wetter) = 0{,}80
  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Wahrscheinlichkeit berechnen

    PGutesWetter(Pu¨nktlich)=0,750,80=0,9375P_{Gutes Wetter}(Pünktlich) = \frac{0{,}75}{0{,}80} = 0{,}9375

Ergebnis:

Wenn das Wetter gut war, lag die Wahrscheinlichkeit für einen pünktlichen Flug bei 93,75 %.

Beispiel 4

Aufgabe

In einer Bibliothek wird erfasst, welche Art von Büchern (Fiktion oder Sachbuch) von Erwachsenen und Jugendlichen ausgeliehen wird. Berechne die Wahrscheinlichkeit, dass ein ausgeliehenes Buch ein Sachbuch ist, vorausgesetzt, es wurde von einem Erwachsenen ausgeliehen.

Vierfeldertafel Bucharten und Altersgruppen in der Bibliothek
Vierfeldertafel Bucharten und Altersgruppen in der Bibliothek
Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ereignisse und Bedingung identifizieren
    • Ereignis A: „Das Buch ist ein Sachbuch."
    • Bedingung B: „Das Buch wurde von einem Erwachsenen ausgeliehen."

    Wir suchen PErwachsener(Sachbuch)P_{Erwachsener}(Sachbuch).

  2. Schritt 2
    Gesuchte Wahrscheinlichkeit als Formel notieren

    PErwachsener(Sachbuch)=P(SachbuchErwachsener)P(Erwachsener)P_{Erwachsener}(Sachbuch) = \frac{P(Sachbuch \cap Erwachsener)}{P(Erwachsener)}

  3. Schritt 3
    Werte aus der Vierfeldertafel ablesen

    Wir rechnen die absoluten Zahlen in Wahrscheinlichkeiten um (Gesamtzahl ist 400):

    • P(SachbuchErwachsener)=80400=0,2P(Sachbuch \cap Erwachsener) = \frac{80}{400} = 0{,}2
    • P(Erwachsener)=200400=0,5P(Erwachsener) = \frac{200}{400} = 0{,}5
  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Wahrscheinlichkeit berechnen

    PErwachsener(Sachbuch)=0,20,5=0,4P_{Erwachsener}(Sachbuch) = \frac{0{,}2}{0{,}5} = 0{,}4

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein von einem Erwachsenen ausgeliehenes Buch ein Sachbuch ist, beträgt 40 %.

Beispiel 5

Aufgabe

Ein Online-Shop analysiert das Kaufverhalten seiner Kunden. Die Tabelle zeigt, ob Kunden den Newsletter abonniert haben und ob sie im letzten Monat etwas gekauft haben. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kunde etwas gekauft hat, wenn er den Newsletter nicht abonniert hat?

Vierfeldertafel Newsletter-Abo und Kaufverhalten im Online-Shop
Vierfeldertafel Newsletter-Abo und Kaufverhalten im Online-Shop
Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Ereignisse und Bedingung identifizieren
    • Ereignis A: „Ein Kunde hat etwas gekauft."
    • Bedingung B: „Ein Kunde hat den Newsletter nicht abonniert." (Gegenereignis zu „abonniert")

    Wir suchen Pnichtabonniert(Gekauft)P_{nicht\,abonniert}(Gekauft).

  2. Schritt 2
    Gesuchte Wahrscheinlichkeit als Formel notieren

    Pnichtabonniert(Gekauft)=P(Gekauftnichtabonniert)P(nichtabonniert)P_{nicht\,abonniert}(Gekauft) = \frac{P(Gekauft \cap nicht\,abonniert)}{P(nicht\,abonniert)}

  3. Schritt 3
    Werte aus der Vierfeldertafel ablesen
    • P(Gekauftnichtabonniert)=0,05P(Gekauft \cap nicht\,abonniert) = 0{,}05
    • P(nichtabonniert)=0,40P(nicht\,abonniert) = 0{,}40
  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Wahrscheinlichkeit berechnen

    Pnichtabonniert(Gekauft)=0,050,40=0,125P_{nicht\,abonniert}(Gekauft) = \frac{0{,}05}{0{,}40} = 0{,}125

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kunde ohne Newsletter-Abo etwas kauft, liegt bei 12,5 %.

Aufgabentyp 2: Vierfeldertafel aus Textinformationen erstellen und anwenden

Manchmal ist die Vierfeldertafel nicht direkt gegeben – du musst sie aus Textinformationen selbst aufbauen, bevor du die bedingte Wahrscheinlichkeit berechnen kannst. Der Schlüssel dazu ist, die gegebenen Prozentsätze oder Anzahlen korrekt in die Tabelle einzuordnen.

Wichtige Unterscheidungen:

  • Gesamtwahrscheinlichkeit: „30 % aller Befragten sind Raucher." \to Das ist ein Randwert, z.B. P(Raucher)=0,3P(Raucher) = 0{,}3.
  • Schnittwahrscheinlichkeit: „20 % aller Befragten sind Raucher und männlich." \to Das ist ein Wert im Inneren der Tabelle, P(Raucherma¨nnlich)=0,2P(Raucher \cap männlich) = 0{,}2.
  • Bedingte Wahrscheinlichkeit: „60 % der Raucher sind männlich." \to Das ist eine bedingte Wahrscheinlichkeit, PRaucher(ma¨nnlich)=0,6P_{Raucher}(männlich) = 0{,}6. Diesen Wert kannst du nicht direkt eintragen! Du musst ihn erst in eine Schnittwahrscheinlichkeit umrechnen mit der Formel:

P(AB)=PB(A)P(B)P(A \cap B) = P_B(A) \cdot P(B)

Sobald du einige Felder gefüllt hast, kannst du den Rest durch einfaches Addieren und Subtrahieren vervollständigen, da die Zeilen und Spalten sich immer zu den Randwerten aufsummieren müssen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Schritt 1: Merkmale und Ereignisse definieren

Lies den Text und identifiziere die beiden Merkmale, um die es geht (z.B. Alter und Meinung). Definiere für jedes Merkmal die Ereignisse und ihre Gegenereignisse (z.B. A: „dafür", Aˉ\bar{A}: „dagegen").

Schritt 2: Leere Vierfeldertafel zeichnen

Zeichne eine leere 2x2-Tabelle mit Spalten und Zeilen für deine definierten Ereignisse sowie für die Summen.

Schritt 3: Gegebene Informationen eintragen

Übersetze die Informationen aus dem Text in Wahrscheinlichkeiten und trage sie an der richtigen Stelle in die Tabelle ein. Achte genau darauf, ob es sich um Randwerte, innere Werte oder bedingte Wahrscheinlichkeiten handelt.

Schritt 4: Tabelle vervollständigen

Nutze die Regel, dass sich Zeilen und Spalten zu den Summen addieren, um alle fehlenden Felder zu berechnen. Die Gesamtsumme unten rechts muss immer 1 (oder 100 %) sein.

Schritt 5: Bedingte Wahrscheinlichkeit berechnen

Sobald die Tabelle vollständig ist, wende das Schema aus Aufgabentyp 1 an: Identifiziere Bedingung und Ereignis, lies die Werte für P(AB)P(A \cap B) und P(B)P(B) ab und berechne PB(A)P_B(A).

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

In einer Schule haben 60 % der Schüler ein Smartphone. 70 % der Schüler, die ein Smartphone besitzen, nutzen auch soziale Medien. Insgesamt nutzen 50 % aller Schüler soziale Medien. Erstelle eine Vierfeldertafel und bestimme die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schüler ein Smartphone besitzt, wenn er soziale Medien nutzt.

Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Merkmale und Ereignisse definieren
    • S: „Schüler besitzt ein Smartphone"; Sˉ\bar{S}: „besitzt kein Smartphone"
    • M: „Schüler nutzt soziale Medien"; Mˉ\bar{M}: „nutzt keine sozialen Medien"
  2. Schritt 2
    Leere Vierfeldertafel zeichnen

    Wir erstellen eine Tabelle für S und M.

  3. Schritt 3
    Gegebene Informationen eintragen
    • P(S)=0,6P(S) = 0{,}6 (Randwert)
    • PS(M)=0,7P_S(M) = 0{,}7 (Bedingte Wahrscheinlichkeit! Muss umgerechnet werden)
    • P(M)=0,5P(M) = 0{,}5 (Randwert)

    Wir rechnen die bedingte Wahrscheinlichkeit um:

    P(SM)=PS(M)P(S)=0,70,6=0,42P(S \cap M) = P_S(M) \cdot P(S) = 0{,}7 \cdot 0{,}6 = 0{,}42 (Innerer Wert)

    Wir tragen P(S)=0,6P(S)=0{,}6, P(M)=0,5P(M)=0{,}5 und P(SM)=0,42P(S \cap M)=0{,}42 ein.

  4. Schritt 4
    Tabelle vervollständigen
    Vervollständigte Vierfeldertafel Smartphone und soziale Medien
    Vervollständigte Vierfeldertafel Smartphone und soziale Medien
    • P(SˉM)=P(M)P(SM)=0,50,42=0,08P(\bar{S} \cap M) = P(M) - P(S \cap M) = 0{,}5 - 0{,}42 = 0{,}08
    • P(SMˉ)=P(S)P(SM)=0,60,42=0,18P(S \cap \bar{M}) = P(S) - P(S \cap M) = 0{,}6 - 0{,}42 = 0{,}18
    • P(Sˉ)=1P(S)=10,6=0,4P(\bar{S}) = 1 - P(S) = 1 - 0{,}6 = 0{,}4
    • P(SˉMˉ)=P(Sˉ)P(SˉM)=0,40,08=0,32P(\bar{S} \cap \bar{M}) = P(\bar{S}) - P(\bar{S} \cap M) = 0{,}4 - 0{,}08 = 0{,}32
  5. Schritt 5 · Ergebnis
    Bedingte Wahrscheinlichkeit berechnen

    Gesucht ist PM(S)P_M(S) („Wahrscheinlichkeit für Smartphone, wenn soziale Medien genutzt werden").

    PM(S)=P(SM)P(M)=0,420,5=0,84P_M(S) = \frac{P(S \cap M)}{P(M)} = \frac{0{,}42}{0{,}5} = 0{,}84

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schüler, der soziale Medien nutzt, auch ein Smartphone besitzt, beträgt 84 %.

Beispiel 2

Aufgabe

Ein Arzt stellt fest, dass 5 % seiner Patienten eine bestimmte Krankheit haben. Ein Test für diese Krankheit ist bei 90 % der Kranken positiv. Bei 10 % der Gesunden ist der Test fälschlicherweise ebenfalls positiv. Erstelle eine Vierfeldertafel und berechne die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient tatsächlich krank ist, wenn sein Testergebnis positiv ist.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Merkmale und Ereignisse definieren
    • K: „Patient ist krank"; Kˉ\bar{K}: „Patient ist gesund"
    • T: „Test ist positiv"; Tˉ\bar{T}: „Test ist negativ"
  2. Schritt 2 & 3
    Tabelle erstellen und Informationen eintragen
    • P(K)=0,05P(K) = 0{,}05 (Randwert)
    • PK(T)=0,90P_K(T) = 0{,}90 (Bedingt) P(KT)=PK(T)P(K)=0,900,05=0,045\to P(K \cap T) = P_K(T) \cdot P(K) = 0{,}90 \cdot 0{,}05 = 0{,}045
    • PKˉ(T)=0,10P_{\bar{K}}(T) = 0{,}10 (Bedingt) \to Zuerst brauchen wir P(Kˉ)=1P(K)=10,05=0,95P(\bar{K}) = 1 - P(K) = 1 - 0{,}05 = 0{,}95. Dann: P(KˉT)=PKˉ(T)P(Kˉ)=0,100,95=0,095P(\bar{K} \cap T) = P_{\bar{K}}(T) \cdot P(\bar{K}) = 0{,}10 \cdot 0{,}95 = 0{,}095
  3. Schritt 4
    Tabelle vervollständigen
    Vervollständigte Vierfeldertafel Krankheit und Testergebnis
    Vervollständigte Vierfeldertafel Krankheit und Testergebnis
    • P(T)=P(KT)+P(KˉT)=0,045+0,095=0,14P(T) = P(K \cap T) + P(\bar{K} \cap T) = 0{,}045 + 0{,}095 = 0{,}14
  4. Schritt 5 · Ergebnis
    Bedingte Wahrscheinlichkeit berechnen

    Gesucht ist PT(K)P_T(K) („Wahrscheinlichkeit für krank, wenn Test positiv").

    PT(K)=P(KT)P(T)=0,0450,140,321P_T(K) = \frac{P(K \cap T)}{P(T)} = \frac{0{,}045}{0{,}14} \approx 0{,}321

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient mit positivem Test tatsächlich krank ist, beträgt nur ca. 32,1 %.

Beispiel 3

Aufgabe

Von den Autos in einer Stadt sind 80 % Benziner und 20 % Elektroautos. 5 % der Benziner sind neuer als 3 Jahre. Insgesamt sind 15 % aller Autos neuer als 3 Jahre. Wie hoch ist der Anteil der Elektroautos unter den Autos, die neuer als 3 Jahre sind?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Merkmale und Ereignisse definieren
    • B: „Auto ist Benziner"; E: „Auto ist Elektroauto"
    • N: „Auto ist neuer als 3 Jahre"; Nˉ\bar{N}: „Auto ist älter als 3 Jahre"
  2. Schritt 2 & 3
    Tabelle erstellen und Informationen eintragen
    • P(B)=0,80P(B) = 0{,}80 (Randwert)
    • P(E)=0,20P(E) = 0{,}20 (Randwert)
    • PB(N)=0,05P_B(N) = 0{,}05 (Bedingt) P(BN)=PB(N)P(B)=0,050,80=0,04\to P(B \cap N) = P_B(N) \cdot P(B) = 0{,}05 \cdot 0{,}80 = 0{,}04
    • P(N)=0,15P(N) = 0{,}15 (Randwert)
  3. Schritt 4
    Tabelle vervollständigen
    Vervollständigte Vierfeldertafel Autoart und Alter
    Vervollständigte Vierfeldertafel Autoart und Alter
    • P(EN)=P(N)P(BN)=0,150,04=0,11P(E \cap N) = P(N) - P(B \cap N) = 0{,}15 - 0{,}04 = 0{,}11
  4. Schritt 5 · Ergebnis
    Bedingte Wahrscheinlichkeit berechnen

    Gesucht ist PN(E)P_N(E) („Anteil der Elektroautos unter den neuen Autos").

    PN(E)=P(EN)P(N)=0,110,150,733P_N(E) = \frac{P(E \cap N)}{P(N)} = \frac{0{,}11}{0{,}15} \approx 0{,}733

Ergebnis:

Der Anteil der Elektroautos unter den Fahrzeugen, die neuer als 3 Jahre sind, beträgt ca. 73,3 %.

Beispiel 4

Aufgabe

Ein Unternehmen stellt zwei Arten von Produkten her, Typ A und Typ B. 40 % der Produkte sind vom Typ A. 2 % der Produkte vom Typ A sind defekt. Insgesamt sind 3 % aller Produkte defekt. Berechne die Wahrscheinlichkeit, dass ein Produkt vom Typ B ist, wenn es defekt ist.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Merkmale und Ereignisse definieren
    • A: „Produkt ist Typ A"; B: „Produkt ist Typ B"
    • D: „Produkt ist defekt"; Dˉ\bar{D}: „Produkt ist nicht defekt"
  2. Schritt 2 & 3
    Tabelle erstellen und Informationen eintragen
    • P(A)=0,40P(A) = 0{,}40 (Randwert)
    • PA(D)=0,02P_A(D) = 0{,}02 (Bedingt) P(AD)=PA(D)P(A)=0,020,40=0,008\to P(A \cap D) = P_A(D) \cdot P(A) = 0{,}02 \cdot 0{,}40 = 0{,}008
    • P(D)=0,03P(D) = 0{,}03 (Randwert)
  3. Schritt 4
    Tabelle vervollständigen
    Vervollständigte Vierfeldertafel Produkttyp und Defektrate
    Vervollständigte Vierfeldertafel Produkttyp und Defektrate
    • P(B)=1P(A)=10,40=0,60P(B) = 1 - P(A) = 1 - 0{,}40 = 0{,}60
    • P(BD)=P(D)P(AD)=0,030,008=0,022P(B \cap D) = P(D) - P(A \cap D) = 0{,}03 - 0{,}008 = 0{,}022
  4. Schritt 5 · Ergebnis
    Bedingte Wahrscheinlichkeit berechnen

    Gesucht ist PD(B)P_D(B) („Wahrscheinlichkeit für Typ B, wenn defekt").

    PD(B)=P(BD)P(D)=0,0220,030,733P_D(B) = \frac{P(B \cap D)}{P(D)} = \frac{0{,}022}{0{,}03} \approx 0{,}733

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein defektes Produkt vom Typ B ist, beträgt ca. 73,3 %.

Beispiel 5

Aufgabe

In einer Stadt lesen 30 % der Einwohner die Morgenzeitung und 50 % die Abendzeitung. 10 % lesen beide Zeitungen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person die Abendzeitung liest, wenn sie bereits die Morgenzeitung liest?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Merkmale und Ereignisse definieren
    • M: „Liest Morgenzeitung"; Mˉ\bar{M}: „Liest keine Morgenzeitung"
    • A: „Liest Abendzeitung"; Aˉ\bar{A}: „Liest keine Abendzeitung"
  2. Schritt 2 & 3
    Tabelle erstellen und Informationen eintragen
    • P(M)=0,30P(M) = 0{,}30 (Randwert)
    • P(A)=0,50P(A) = 0{,}50 (Randwert)
    • P(MA)=0,10P(M \cap A) = 0{,}10 (Innerer Wert, da „beide")
  3. Schritt 4
    Tabelle vervollständigen
    Vervollständigte Vierfeldertafel Morgen- und Abendzeitung
    Vervollständigte Vierfeldertafel Morgen- und Abendzeitung

    Die Tabelle kann vervollständigt werden, ist aber für die Frage nicht nötig.

  4. Schritt 5 · Ergebnis
    Bedingte Wahrscheinlichkeit berechnen

    Gesucht ist PM(A)P_M(A) („Wahrscheinlichkeit für Abendzeitung, wenn Morgenzeitung gelesen wird").

    PM(A)=P(MA)P(M)=0,100,300,333P_M(A) = \frac{P(M \cap A)}{P(M)} = \frac{0{,}10}{0{,}30} \approx 0{,}333

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Leser der Morgenzeitung auch die Abendzeitung liest, beträgt ca. 33,3 %.

Wichtige Erkenntnisse

  • Bedingte Wahrscheinlichkeit PB(A)P_B(A) fragt nach der Wahrscheinlichkeit von A, nachdem du weißt, dass B eingetreten ist.
  • Die Formel ist immer gleich: PB(A)=Wahrscheinlichkeit fu¨r beide (A und B)Wahrscheinlichkeit der Bedingung (B)P_B(A) = \frac{\text{Wahrscheinlichkeit für beide (A und B)}}{\text{Wahrscheinlichkeit der Bedingung (B)}}.
  • In der Vierfeldertafel findest du die Wahrscheinlichkeit für beide (P(AB)P(A \cap B)) im Inneren der Tabelle.
  • Die Wahrscheinlichkeit der Bedingung (P(B)P(B)) findest du immer am Rand (in der Summenzeile/-spalte).
  • Wenn die Tabelle fehlt, übersetze die Textinfos sorgfältig: „X % von Gruppe Y" ist eine bedingte Wahrscheinlichkeit, „X % von allen" ist ein Rand- oder Innenwert.

Häufige Fragen

Was ist bedingte Wahrscheinlichkeit?

Bedingte Wahrscheinlichkeit gibt an, wie wahrscheinlich ein Ereignis A ist, wenn bereits bekannt ist, dass ein anderes Ereignis B eingetreten ist. Man schreibt das als PB(A) und liest es als „Wahrscheinlichkeit von A unter der Bedingung B". Die Bedingung B schränkt die Betrachtung ein – statt der gesamten Gruppe schaut man nur noch auf die Fälle, in denen B gilt. Das ist besonders nützlich, um statistische Aussagen kritisch zu hinterfragen.

Wie berechnest du die bedingte Wahrscheinlichkeit aus einer Vierfeldertafel?

Du verwendest die Formel PB(A) = P(A ∩ B) / P(B) und gehst in vier Schritten vor:

  1. Ereignis A und Bedingung B aus der Aufgabenstellung identifizieren.
  2. Formel aufschreiben.
  3. P(A ∩ B) im Inneren der Tabelle ablesen und P(B) am Rand ablesen.
  4. Werte einsetzen und ausrechnen.
Was ist der Unterschied zwischen Randwert und innerem Wert in der Vierfeldertafel?

Der innere Wert steht in einer Zelle, wo sich eine Zeile und eine Spalte kreuzen – er beschreibt, wie viele Personen beide Merkmale gleichzeitig haben. Der Randwert steht am Rand der Tabelle in einer Summen-Zelle und beschreibt, wie viele Personen ein Merkmal insgesamt besitzen. Für die bedingte Wahrscheinlichkeit brauchst du stets einen inneren Wert im Zähler und den passenden Randwert im Nenner.

Wie erkennst du im Text, ob eine Angabe bedingt oder unbedingt ist?

Die Formulierung entscheidet alles: „X % von allen" ist ein Rand- oder innerer Wert und kann direkt in die Tabelle eingetragen werden. „X % der Gruppe Y" (z. B. „60 % der Raucher sind männlich") ist eine bedingte Wahrscheinlichkeit und muss erst mit P(A ∩ B) = PB(A) · P(B) in einen inneren Wert umgerechnet werden, bevor du ihn einträgst.

Wie erstellst du eine Vierfeldertafel aus einem Textaufgabe Schritt für Schritt?

Gehe in fünf Schritten vor:

  1. Merkmale definieren: Benenne die zwei Merkmale und ihre Gegenereignisse.
  2. Leere Tabelle zeichnen: 2×2-Felder plus Summenzeile und -spalte.
  3. Informationen eintragen: Randwerte direkt, bedingte Wahrscheinlichkeiten erst umrechnen.
  4. Tabelle vervollständigen: Fehlende Felder durch Addition und Subtraktion berechnen; Gesamtsumme muss 1 ergeben.
  5. Bedingte Wahrscheinlichkeit berechnen: Formel PB(A) = P(A ∩ B) / P(B) anwenden.

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