Modellierung mit Exponentialfunktionen einfach erklärt

Modellierung mit Exponentialfunktionen verständlich erklärt: Anfangswert, Halbwertszeit und Asymptote Schritt für Schritt berechnen – mit vielen Beispielen aus dem Alltag.

📅 Aktualisiert 28. Juni 202625 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion

Hast du dich jemals gefragt, wie Ärzte die genaue Dosis eines Medikaments bestimmen? Wenn du eine Tablette nimmst, steigt die Konzentration im Blut schnell an und nimmt dann langsam wieder ab. Wenn sie zu schnell abfällt, wirkt sie nicht. Wenn sie zu langsam abfällt, kann sie gefährlich werden. Genau dieser Prozess – das Abklingen – wird mit e-Funktionen beschrieben. Sie sind das „Betriebssystem" für natürliche Prozesse wie Abkühlung, Wachstum oder eben den Abbau von Stoffen im Körper. Wenn du die Modellierung mit Exponentialfunktionen verstehst, verstehst du die unsichtbaren Regeln, die unsere Welt steuern. Das ist kein reiner Schulstoff, das ist ein Einblick in den Code der Natur.

Vorwissen

Bevor wir starten, wiederholen wir kurz ein paar Grundlagen:

  • Exponentialfunktion: Eine Funktion, bei der die Variable im Exponenten steht. Sie beschreibt prozentuales Wachstum oder Zerfall.

    • Formel: f(x)=abxf(x) = a \cdot b^x
    • Beispiel: Eine Bakterienkultur verdoppelt sich jede Stunde: f(t)=1002tf(t) = 100 \cdot 2^t (startet mit 100 Bakterien).
  • Die Eulersche Zahl e: Eine besondere Zahl in der Mathematik, ungefähr 2,7182{,}718. Sie wird für die Beschreibung von stetigen, natürlichen Wachstums- und Zerfallsprozessen verwendet.

    • Beispiel: e12,718e^1 \approx 2{,}718, e0=1e^0 = 1, e10,368e^{-1} \approx 0{,}368.
  • Natürlicher Logarithmus (ln): Die Umkehroperation zur e-Funktion. Er hilft uns, Gleichungen zu lösen, bei denen die Unbekannte im Exponenten steht.

    • Regel: ln(ex)=xln(e^x) = x und eln(x)=xe^{ln(x)} = x.
    • Beispiel: Um et=5e^t = 5 zu lösen, rechnet man t=ln(5)1,61t = ln(5) \approx 1{,}61.
  • Asymptote: Eine Linie, der sich der Graph einer Funktion immer weiter annähert, sie aber nie berührt oder schneidet.

    • Beispiel: Die Funktion f(x)=(12)xf(x) = (\frac{1}{2})^x nähert sich für große x-Werte immer mehr der x-Achse (y=0y=0) an. Die x-Achse ist die Asymptote.

Aufgabentyp 1: Modelle mit e-Funktionen analysieren und vergleichen

Viele reale Prozesse, wie das Abkühlen eines heißen Objekts, folgen nicht dem einfachen exponentiellen Zerfall bis auf Null. Stattdessen nähern sie sich einem Endwert an, z. B. der Raumtemperatur. Solche Prozesse werden durch eine verschobene e-Funktion beschrieben.

Die allgemeine Form lautet:

f(t)=Cekt+Df(t) = C \cdot e^{kt} + D

Jeder Teil hat eine klare Bedeutung im Sachzusammenhang:

  • DD ist die horizontale Asymptote. Das ist der Wert, dem sich die Funktion langfristig annähert (z. B. die Umgebungstemperatur oder ein stabiler Endzustand).
  • Der Anfangswert zum Zeitpunkt t=0t=0 ist nicht nur CC, sondern f(0)=Ce0+D=C+Df(0) = C \cdot e^0 + D = C + D.
  • kk ist die Wachstums- oder Zerfallskonstante.
    • Wenn k>0k > 0, beschreibt die Funktion einen Wachstumsprozess (z. B. Erwärmung).
    • Wenn k<0k < 0, beschreibt die Funktion einen Zerfallsprozess (z. B. Abkühlung).

Um solche Modelle zu analysieren, berechnen wir Schlüsselwerte und interpretieren die Parameter.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Anfangswert bestimmen: Setze t=0t=0 in die Funktionsgleichung ein. Da e0=1e^0=1 ist, vereinfacht sich der Term oft schnell. Dieser Wert ist der Startpunkt des Prozesses auf der y-Achse.
  2. Langzeitverhalten und Asymptote bestimmen: Überlege, was passiert, wenn die Zeit tt sehr groß wird (tt \to \infty). Bei Zerfallsprozessen (k<0k<0) wird der Term ekte^{kt} zu Null – der Funktionswert nähert sich dem Wert DD an. Die Asymptote ist die Gerade y=Dy = D. Bei Wachstumsprozessen (k>0k>0) wächst der Term ekte^{kt} ins Unendliche.
  3. Spezifische Werte berechnen: Setze den gegebenen Zeitwert für tt in die Funktion ein und berechne das Ergebnis mit dem Taschenrechner.
  4. Parameter im Kontext deuten und Modelle vergleichen: Erkläre die Bedeutung der Zahlen im realen Kontext. Was bedeutet der Anfangswert? Was ist der Grenzwert DD? Welches Modell ist realistischer, basierend auf diesen Werten? Ein Objekt kann z. B. nicht kälter werden als seine Umgebung.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Ein heißer Kaffee kühlt in einem Raum ab. Die Temperatur TT in °C nach tt Minuten wird durch das Modell T(t)=70e0,05t+20T(t) = 70 \cdot e^{-0{,}05t} + 20 beschrieben.

a) Was ist die Anfangstemperatur des Kaffees? b) Was ist die Raumtemperatur? Begründe deine Antwort. c) Berechne die Temperatur nach 10 Minuten.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Anfangswert bestimmen

    Wir setzen t=0t=0 in die Gleichung ein:

    T(0)=70e0,050+20T(0) = 70 \cdot e^{-0{,}05 \cdot 0} + 20

    T(0)=70e0+20T(0) = 70 \cdot e^0 + 20

    T(0)=701+20=90T(0) = 70 \cdot 1 + 20 = 90

    Die Anfangstemperatur des Kaffees beträgt 90 °C.

  2. Schritt 2
    Langzeitverhalten und Asymptote bestimmen

    Für sehr große tt nähert sich der Term e0,05te^{-0{,}05t} dem Wert 0. Die Temperatur nähert sich also dem Wert 2020 an.

    T(t)700+20=20T(t) \to 70 \cdot 0 + 20 = 20

    Die Raumtemperatur beträgt 20 °C, da dies der Grenzwert ist, dem sich der Kaffee beim Abkühlen annähert.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Spezifische Werte berechnen

    Wir setzen t=10t=10 in die Gleichung ein:

    T(10)=70e0,0510+20T(10) = 70 \cdot e^{-0{,}05 \cdot 10} + 20

    T(10)=70e0,5+20T(10) = 70 \cdot e^{-0{,}5} + 20

    T(10)700,6065+20T(10) \approx 70 \cdot 0{,}6065 + 20

    T(10)42,46+20=62,46T(10) \approx 42{,}46 + 20 = 62{,}46

Ergebnis:

Nach 10 Minuten beträgt die Temperatur des Kaffees ca. 62,5 °C.

Beispiel 2

Aufgabe

Das Wachstum einer Fischpopulation in einem Teich wird durch N(t)=500450e0,1tN(t) = 500 - 450 \cdot e^{-0{,}1t} modelliert, wobei NN die Anzahl der Fische und tt die Zeit in Monaten ist.

a) Wie viele Fische wurden anfangs ausgesetzt? b) Was ist die maximale Anzahl an Fischen, die der Teich langfristig ernähren kann (die Kapazitätsgrenze)? c) Wie viele Fische gibt es nach einem Jahr?

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Anfangswert bestimmen

    Wir setzen t=0t=0 ein:

    N(0)=500450e0,10N(0) = 500 - 450 \cdot e^{-0{,}1 \cdot 0}

    N(0)=500450e0N(0) = 500 - 450 \cdot e^0

    N(0)=5004501=50N(0) = 500 - 450 \cdot 1 = 50

    Anfangs wurden 50 Fische ausgesetzt.

  2. Schritt 2
    Langzeitverhalten und Asymptote bestimmen

    Für sehr große tt wird e0,1te^{-0{,}1t} zu 0. Die Anzahl der Fische nähert sich also dem Wert 500500 an.

    N(t)5004500=500N(t) \to 500 - 450 \cdot 0 = 500

    Die Kapazitätsgrenze des Teiches liegt bei 500 Fischen.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Spezifische Werte berechnen

    Ein Jahr hat 12 Monate, also setzen wir t=12t=12 ein:

    N(12)=500450e0,112N(12) = 500 - 450 \cdot e^{-0{,}1 \cdot 12}

    N(12)=500450e1,2N(12) = 500 - 450 \cdot e^{-1{,}2}

    N(12)5004500,3012N(12) \approx 500 - 450 \cdot 0{,}3012

    N(12)500135,54=364,46N(12) \approx 500 - 135{,}54 = 364{,}46

Ergebnis:

Nach einem Jahr gibt es ungefähr 364 Fische im Teich.

Beispiel 3

Aufgabe

Ein kalter Gegenstand mit 5 °C wird in einen 180 °C heißen Ofen gelegt. Seine Temperatur TT nach tt Minuten wird durch T(t)=180175e0,2tT(t) = 180 - 175 \cdot e^{-0{,}2t} beschrieben.

a) Zeige, dass die Anfangstemperatur des Modells mit der Angabe übereinstimmt. b) Was ist die Ofentemperatur laut Modell? c) Nach welcher Zeit erreicht der Gegenstand 100 °C?

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Anfangswert bestimmen

    Wir setzen t=0t=0 ein:

    T(0)=180175e0,20T(0) = 180 - 175 \cdot e^{-0{,}2 \cdot 0}

    T(0)=1801751=5T(0) = 180 - 175 \cdot 1 = 5

    Die Anfangstemperatur im Modell ist 5 °C, was mit der Angabe übereinstimmt.

  2. Schritt 2
    Langzeitverhalten und Asymptote bestimmen

    Für große tt wird e0,2te^{-0{,}2t} zu 0. Die Temperatur nähert sich dem Wert 180180 an.

    T(t)1801750=180T(t) \to 180 - 175 \cdot 0 = 180

    Die Ofentemperatur beträgt 180 °C.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Zeit für einen spezifischen Wert berechnen

    Wir setzen T(t)=100T(t) = 100 und lösen nach tt auf:

    100=180175e0,2t100 = 180 - 175 \cdot e^{-0{,}2t}

    80=175e0,2t-80 = -175 \cdot e^{-0{,}2t}

    80175=e0,2t\frac{-80}{-175} = e^{-0{,}2t}

    1635=e0,2t\frac{16}{35} = e^{-0{,}2t}

    Jetzt verwenden wir den natürlichen Logarithmus (ln):

    ln ⁣(1635)=0,2tln\!\left(\frac{16}{35}\right) = -0{,}2t

    0,7830,2t-0{,}783 \approx -0{,}2t

    t=0,7830,23,915t = \frac{-0{,}783}{-0{,}2} \approx 3{,}915

Ergebnis:

Der Gegenstand erreicht nach ca. 3,9 Minuten eine Temperatur von 100 °C.

Beispiel 4

Aufgabe

Zwei Bakterienkulturen A und B wachsen exponentiell. Ihre Populationen werden beschrieben durch:

Modell A: PA(t)=1000e0,02tP_A(t) = 1000 \cdot e^{0{,}02t}

Modell B: PB(t)=800e0,025tP_B(t) = 800 \cdot e^{0{,}025t}

a) Welche Kultur hatte zu Beginn mehr Bakterien? b) Welche Kultur wächst prozentual schneller? Begründe. c) Berechne die Population beider Kulturen nach 24 Stunden.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Anfangswert bestimmen

    Für Modell A (t=0t=0): PA(0)=1000e0=1000P_A(0) = 1000 \cdot e^0 = 1000. Startpopulation ist 1000.

    Für Modell B (t=0t=0): PB(0)=800e0=800P_B(0) = 800 \cdot e^0 = 800. Startpopulation ist 800.

    Kultur A hatte zu Beginn mehr Bakterien.

  2. Schritt 4
    Parameter im Kontext deuten (Wachstumsrate)

    Die Wachstumsrate wird durch den Faktor kk im Exponenten bestimmt.

    Für Modell A: kA=0,02k_A = 0{,}02

    Für Modell B: kB=0,025k_B = 0{,}025

    Da 0,025>0,020{,}025 > 0{,}02, wächst Kultur B prozentual schneller.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Spezifische Werte berechnen

    Wir setzen t=24t=24 in beide Modelle ein:

    Für Modell A:

    PA(24)=1000e0,0224=1000e0,4810001,6161616P_A(24) = 1000 \cdot e^{0{,}02 \cdot 24} = 1000 \cdot e^{0{,}48} \approx 1000 \cdot 1{,}616 \approx 1616

    Für Modell B:

    PB(24)=800e0,02524=800e0,68001,8221458P_B(24) = 800 \cdot e^{0{,}025 \cdot 24} = 800 \cdot e^{0{,}6} \approx 800 \cdot 1{,}822 \approx 1458

Ergebnis:

Nach 24 Stunden hat Kultur A ca. 1616 Bakterien und Kultur B ca. 1458 Bakterien.

Beispiel 5

Aufgabe

Der Wert eines Autos WW in Euro nach tt Jahren wird durch zwei Modelle beschrieben:

Modell 1: W1(t)=25000e0,15t+1000W_1(t) = 25000 \cdot e^{-0{,}15t} + 1000

Modell 2: W2(t)=26000e0,18tW_2(t) = 26000 \cdot e^{-0{,}18t}

a) Was ist der Neupreis des Autos laut beiden Modellen? b) Welchen Restwert sagen die Modelle langfristig voraus? c) Welches Modell ist realistischer und warum?

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Anfangswert bestimmen (Neupreis)

    Modell 1 (t=0t=0): W1(0)=25000e0+1000=25000+1000=26000W_1(0) = 25000 \cdot e^0 + 1000 = 25000 + 1000 = 26000 €.

    Modell 2 (t=0t=0): W2(0)=26000e0=26000W_2(0) = 26000 \cdot e^0 = 26000 €.

    Beide Modelle gehen von einem Neupreis von 26.000 € aus.

  2. Schritt 2
    Langzeitverhalten und Asymptote bestimmen (Restwert)

    Modell 1 (tt \to \infty): e0,15t0e^{-0{,}15t} \to 0, also W1(t)250000+1000=1000W_1(t) \to 25000 \cdot 0 + 1000 = 1000 €.

    Modell 2 (tt \to \infty): e0,18t0e^{-0{,}18t} \to 0, also W2(t)260000=0W_2(t) \to 26000 \cdot 0 = 0 €.

    Modell 1 sagt einen langfristigen Restwert von 1000 € voraus, Modell 2 einen Restwert von 0 €.

  3. Schritt 4 · Ergebnis
    Modelle vergleichen

    Modell 1 ist realistischer. Ein Auto verliert zwar an Wert, wird aber fast immer einen gewissen Restwert (z. B. Schrottwert oder Wert für Ersatzteile) behalten und nicht komplett wertlos (0 €) werden. Der Term +1000+1000 in Modell 1 repräsentiert diesen minimalen Restwert.

Ergebnis:

Modell 1 liefert die realistischere Prognose, da es einen Mindestrestwert von 1000 € berücksichtigt.

Aufgabentyp 2: Halbwertszeit und Anfangswert bestimmen

Bei vielen Zerfallsprozessen, insbesondere beim radioaktiven Zerfall, ist die Halbwertszeit eine zentrale Größe bei der Modellierung mit Exponentialfunktionen. Sie gibt an, wie lange es dauert, bis nur noch die Hälfte der ursprünglichen Menge vorhanden ist.

Die Funktionsgleichung für solche Prozesse hat oft die Form:

M(t)=M0ektM(t) = M_0 \cdot e^{kt}

Hierbei gilt:

  • M0M_0 ist die Anfangsmenge zum Zeitpunkt t=0t=0.
  • kk ist die Zerfallskonstante (bei Zerfall ist kk immer negativ).

Die Halbwertszeit tHt_H ist die Zeit, für die gilt:

M(tH)=12M0M(t_H) = \frac{1}{2} \cdot M_0

Um die Halbwertszeit zu berechnen, setzt man diese Bedingung in die Funktionsgleichung ein und löst nach tHt_H auf. Das erfordert den natürlichen Logarithmus.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Anfangsmenge identifizieren: Lies die Anfangsmenge M0M_0 direkt aus der Funktionsgleichung M(t)=M0ektM(t) = M_0 \cdot e^{kt} ab. Es ist der Faktor vor der e-Funktion.
  2. Gleichung für die Halbwertszeit aufstellen: Setze die Funktionsgleichung gleich der Hälfte der Anfangsmenge: 12M0=M0ekt\frac{1}{2} M_0 = M_0 \cdot e^{kt}.
  3. Gleichung nach der Zeit t auflösen: Teile beide Seiten durch M0M_0 – übrig bleibt 12=ekt\frac{1}{2} = e^{kt}. Wende den natürlichen Logarithmus (ln) an: ln ⁣(12)=ln(ekt)ln\!\left(\frac{1}{2}\right) = ln(e^{kt}). Vereinfache mit der Regel ln(ex)=xln(e^x)=x: ln ⁣(12)=ktln\!\left(\frac{1}{2}\right) = kt. Teile durch kk: tH=ln(0,5)kt_H = \frac{ln(0{,}5)}{k}.
  4. Menge zu einem bestimmten Zeitpunkt berechnen: Setze den gegebenen Wert für die Zeit tt in die ursprüngliche Funktionsgleichung ein und berechne das Ergebnis.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Die Menge eines radioaktiven Stoffes wird durch N(t)=200e0,01tN(t) = 200 \cdot e^{-0{,}01t} beschrieben, wobei NN die Masse in Gramm und tt die Zeit in Jahren ist.

a) Was ist die Anfangsmasse des Stoffes? b) Berechne die Halbwertszeit des Stoffes auf eine Dezimalstelle genau.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Anfangsmenge identifizieren

    Die Anfangsmenge M0M_0 ist der Faktor vor der e-Funktion. Hier ist M0=200M_0 = 200 g.

  2. Schritt 2
    Gleichung für die Halbwertszeit aufstellen

    Die Hälfte der Anfangsmenge ist 12200=100\frac{1}{2} \cdot 200 = 100 g. Wir setzen N(t)=100N(t) = 100:

    100=200e0,01t100 = 200 \cdot e^{-0{,}01t}

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Gleichung nach der Zeit t auflösen

    Wir teilen durch 200:

    100200=e0,01t\frac{100}{200} = e^{-0{,}01t}

    0,5=e0,01t0{,}5 = e^{-0{,}01t}

    Wir wenden den natürlichen Logarithmus an:

    ln(0,5)=0,01tln(0{,}5) = -0{,}01t

    0,6930,01t-0{,}693 \approx -0{,}01t

    Wir teilen durch 0,01-0{,}01:

    t=0,6930,0169,3t = \frac{-0{,}693}{-0{,}01} \approx 69{,}3

Ergebnis:

Die Halbwertszeit beträgt ca. 69,3 Jahre.

Beispiel 2

Aufgabe

Die Konzentration eines Medikaments im Blut (in mg/L) folgt der Funktion K(t)=15e0,25tK(t) = 15 \cdot e^{-0{,}25t}, wobei tt die Zeit in Stunden ist.

a) Was war die höchste Konzentration des Medikaments? b) Berechne die Halbwertszeit des Medikaments. c) Wie hoch ist die Konzentration nach 6 Stunden?

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Anfangsmenge identifizieren

    Die höchste Konzentration ist die Anfangskonzentration bei t=0t=0. M0=15M_0 = 15 mg/L.

  2. Schritt 2 & 3
    Halbwertszeit berechnen

    Wir suchen die Zeit tt, für die K(t)=1215=7,5K(t) = \frac{1}{2} \cdot 15 = 7{,}5 ist.

    7,5=15e0,25t7{,}5 = 15 \cdot e^{-0{,}25t}

    0,5=e0,25t0{,}5 = e^{-0{,}25t}

    ln(0,5)=0,25tln(0{,}5) = -0{,}25t

    0,6930,25t-0{,}693 \approx -0{,}25t

    t=0,6930,252,77t = \frac{-0{,}693}{-0{,}25} \approx 2{,}77

    Die Halbwertszeit beträgt ca. 2,8 Stunden.

  3. Schritt 4 · Ergebnis
    Menge zu einem bestimmten Zeitpunkt berechnen

    Wir setzen t=6t=6 in die Funktion ein:

    K(6)=15e0,256K(6) = 15 \cdot e^{-0{,}25 \cdot 6}

    K(6)=15e1,5K(6) = 15 \cdot e^{-1{,}5}

    K(6)150,223=3,345K(6) \approx 15 \cdot 0{,}223 = 3{,}345

Ergebnis:

Nach 6 Stunden beträgt die Konzentration ca. 3,35 mg/L.

Beispiel 3

Aufgabe

Der Wert eines Gebrauchtwagens sinkt exponentiell nach der Formel W(t)=18000ektW(t) = 18000 \cdot e^{kt}. Nach 3 Jahren ist das Auto noch 12000 € wert.

a) Bestimme die Zerfallskonstante kk. b) Was ist die Halbwertszeit des Werts dieses Autos?

Fortschritt
1 / 1
  1. Schritt 2 & 3 · Ergebnis
    Halbwertszeit berechnen

    Wir verwenden die Formel tH=ln(0,5)kt_H = \frac{ln(0{,}5)}{k} mit unserem berechneten kk.

    tH=ln(0,5)0,135t_H = \frac{ln(0{,}5)}{-0{,}135}

    tH=0,6930,1355,13t_H = \frac{-0{,}693}{-0{,}135} \approx 5{,}13

Ergebnis:

Die Halbwertszeit des Werts beträgt ca. 5,1 Jahre.

Beispiel 4

Aufgabe

Die Anzahl der Follower eines auslaufenden Social-Media-Kanals sinkt gemäß F(t)=50000e0,05tF(t) = 50000 \cdot e^{-0{,}05t}, mit tt in Wochen.

a) Wie viele Follower hatte der Kanal zu Beginn des Rückgangs? b) Nach wie vielen Wochen hat der Kanal die Hälfte seiner Follower verloren? c) Wie viele Follower sind nach einem halben Jahr (26 Wochen) noch übrig?

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Anfangsmenge identifizieren

    Die anfängliche Followerzahl war M0=50000M_0 = 50000.

  2. Schritt 2 & 3
    Halbwertszeit berechnen

    Wir suchen die Zeit, bis nur noch 25000 Follower da sind.

    25000=50000e0,05t25000 = 50000 \cdot e^{-0{,}05t}

    0,5=e0,05t0{,}5 = e^{-0{,}05t}

    ln(0,5)=0,05tln(0{,}5) = -0{,}05t

    0,6930,05t-0{,}693 \approx -0{,}05t

    t=0,6930,0513,86t = \frac{-0{,}693}{-0{,}05} \approx 13{,}86

    Nach ca. 13,9 Wochen hat der Kanal die Hälfte der Follower verloren.

  3. Schritt 4 · Ergebnis
    Menge zu einem bestimmten Zeitpunkt berechnen

    Wir setzen t=26t=26 ein:

    F(26)=50000e0,0526F(26) = 50000 \cdot e^{-0{,}05 \cdot 26}

    F(26)=50000e1,3F(26) = 50000 \cdot e^{-1{,}3}

    F(26)500000,272513627F(26) \approx 50000 \cdot 0{,}2725 \approx 13627

Ergebnis:

Nach 26 Wochen sind noch ca. 13.627 Follower übrig.

Beispiel 5

Aufgabe

Die Intensität von Licht II nimmt ab, je tiefer es in einen See eindringt. Die Formel lautet I(x)=I0e0,4xI(x) = I_0 \cdot e^{-0{,}4x}, wobei xx die Tiefe in Metern ist und I0I_0 die Intensität an der Oberfläche.

a) In welcher Tiefe hat sich die Lichtintensität halbiert? b) Wenn die Intensität an der Oberfläche 100% ist, wie viel Prozent der Intensität erreicht eine Tiefe von 5 Metern?

Fortschritt
2 / 2
  1. Schritt 2 & 3
    Halbwertszeit (hier Tiefe) berechnen

    Wir suchen die Tiefe xx, bei der I(x)=0,5I0I(x) = 0{,}5 \cdot I_0 ist.

    0,5I0=I0e0,4x0{,}5 I_0 = I_0 \cdot e^{-0{,}4x}

    0,5=e0,4x0{,}5 = e^{-0{,}4x}

    ln(0,5)=0,4xln(0{,}5) = -0{,}4x

    0,6930,4x-0{,}693 \approx -0{,}4x

    x=0,6930,41,73x = \frac{-0{,}693}{-0{,}4} \approx 1{,}73

    In einer Tiefe von ca. 1,73 Metern hat sich die Lichtintensität halbiert.

    b) Intensität in 5 Metern Tiefe

  2. Schritt 4 · Ergebnis
    Menge zu einem bestimmten Zeitpunkt (hier Tiefe) berechnen

    Wir setzen I0=1I_0 = 1 (für 100%) und x=5x=5.

    I(5)=1e0,45I(5) = 1 \cdot e^{-0{,}4 \cdot 5}

    I(5)=e2I(5) = e^{-2}

    I(5)0,1353I(5) \approx 0{,}1353

Ergebnis:

In 5 Metern Tiefe kommen nur noch ca. 13,5% der Lichtintensität an.

Wichtige Erkenntnisse

  • Die allgemeine Form für exponentielle Modelle mit Grenzwert ist f(t)=Cekt+Df(t) = C \cdot e^{kt} + D.
  • Der Anfangswert bei t=0t=0 ist immer C+DC + D.
  • Der Grenzwert (Asymptote) für Zerfallsprozesse ist DD. Dies ist oft die Umgebungsbedingung (z. B. Raumtemperatur).
  • Bei Zerfall ist die Konstante kk negativ, bei Wachstum ist sie positiv.
  • Die Halbwertszeit tHt_H ist die Zeit, nach der nur noch die Hälfte der Anfangsmenge übrig ist. Man berechnet sie mit tH=ln(0,5)kt_H = \frac{ln(0{,}5)}{k}.
  • Um eine Gleichung nach einer Variablen im Exponenten aufzulösen, verwendet man den natürlichen Logarithmus (ln).

Häufige Fragen

Was ist die Modellierung mit Exponentialfunktionen?

Die Modellierung mit Exponentialfunktionen beschreibt reale Wachstums- und Zerfallsprozesse mithilfe von Funktionen der Form f(t) = C · e^(kt) + D. Typische Anwendungen sind das Abkühlen von Objekten, der Abbau von Medikamenten im Blut, radioaktiver Zerfall oder das Wachstum von Populationen. Der Vorteil: Alle diese Prozesse folgen denselben mathematischen Regeln, sodass du mit einem einzigen Funktionstyp sehr viele verschiedene Situationen beschreiben kannst.

Wie berechnest du die Halbwertszeit bei einer Exponentialfunktion?

Die Halbwertszeit t_H berechnest du in drei Schritten. Zuerst setzt du M(t) = ½ · M₀ in die Gleichung M(t) = M₀ · e^(kt) ein. Dann teilst du beide Seiten durch M₀, sodass 0,5 = e^(kt) übrig bleibt. Schließlich wendest du den natürlichen Logarithmus an und erhältst t_H = ln(0,5) / k. Bei bekannter Zerfallskonstante k reicht eine einfache Division.

Was bedeutet die Asymptote bei einem Exponentialmodell?

Die Asymptote y = D ist der Wert, dem sich die Funktion langfristig annähert, ohne ihn je zu erreichen. Im Sachzusammenhang steht sie oft für eine physikalische Grenze – zum Beispiel die Raumtemperatur beim Abkühlen eines Gegenstands oder die Kapazitätsgrenze eines Ökosystems. Du erkennst sie am konstanten Term D in der Funktionsgleichung f(t) = C · e^(kt) + D.

Wann ist die Zerfallskonstante k negativ oder positiv?

Die Zerfallskonstante k bestimmt die Richtung des Prozesses. Wenn k < 0 ist, handelt es sich um einen Zerfalls- oder Abkühlungsprozess – die Funktion fällt mit der Zeit. Wenn k > 0 ist, liegt ein Wachstumsprozess vor – die Funktion steigt. Je größer der Betrag von k, desto schneller verläuft der Prozess. Beim Vergleich zweier Modelle wächst dasjenige mit dem größeren k-Wert prozentual schneller.

Wie löst du eine Gleichung, bei der die Unbekannte im Exponenten steht?

Wenn die Unbekannte im Exponenten steht, verwendest du den natürlichen Logarithmus (ln). Das Grundprinzip: Isoliere zunächst den e-Term auf einer Seite der Gleichung. Dann wendest du ln auf beide Seiten an und nutzt die Regel ln(e^x) = x, um den Exponenten herunterzuholen. Danach ist die Gleichung eine gewöhnliche lineare Gleichung, die du durch einfaches Umstellen lösen kannst.

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