Funktionsscharen analysieren: Nullstellen einfach erklärt

Lerne, wie du Nullstellen und ihr Verhalten bei Funktionsscharen direkt aus der faktorisierten Form abliest – ohne lange Rechnung, mit klaren Schritt-für-Schritt-Beispielen.

📅 Aktualisiert 29. Juni 202613 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion

Beim Analysieren von Funktionsscharen musst du nicht jedes Mal aufwendige Gleichungen lösen, um Nullstellen zu finden. Wenn eine Funktion in ihrer faktorisierten Form vorliegt, kannst du die Nullstellen direkt ablesen – und sogar sofort erkennen, ob der Graph die x-Achse schneidet oder nur berührt. Das ist ein echter „Cheat Code" für die Kurvendiskussion: Anstatt komplizierte Formeln zu wälzen, liest du die entscheidenden Informationen direkt aus der Funktionsgleichung ab. Du wirst nicht nur sehen, wo der Graph die x-Achse trifft, sondern auch wie – ob er sie durchschneidet oder nur sanft berührt. Das spart Unmengen an Zeit in Klausuren und lässt dich viel schneller zum richtigen Ergebnis kommen.

Schnellantwort

Eine Funktionsschar ist eine Familie von Funktionen, die durch einen Parameter (z. B. aa oder tt) verbunden sind. Alle Funktionen der Schar haben ähnliche Eigenschaften. Beim Analysieren von Funktionsscharen bestimmst du Nullstellen und ihr Verhalten direkt aus der faktorisierten Form: Der Exponent eines Linearfaktors gibt die Vielfachheit der Nullstelle an – und die Vielfachheit entscheidet, ob der Graph die x-Achse schneidet oder berührt.

Vorwissen

Bevor wir starten, wiederholen wir kurz ein paar Grundlagen:

  • Nullstelle: Eine Nullstelle ist ein x-Wert, für den der Funktionswert y null wird, also f(x)=0f(x) = 0. An diesen Stellen schneidet oder berührt der Graph die x-Achse.

    • Beispiel: Die Funktion f(x)=x5f(x) = x - 5 hat eine Nullstelle bei x=5x=5, denn f(5)=55=0f(5) = 5 - 5 = 0.
  • Satz vom Nullprodukt: Ein Produkt ist genau dann null, wenn mindestens einer seiner Faktoren null ist.

    • Beispiel: Wenn (x2)(x+3)=0(x-2) \cdot (x+3) = 0 ist, muss entweder (x2)=0(x-2)=0 oder (x+3)=0(x+3)=0 gelten. Die Lösungen sind also x=2x=2 und x=3x=-3.
  • Funktionsschar: Das ist eine Familie von Funktionen, die durch einen Parameter (z. B. aa oder tt) verbunden sind. Alle Funktionen der Schar haben ähnliche Eigenschaften.

    • Beispiel: fa(x)=ax2f_a(x) = a \cdot x^2. Für a=1a=1 ist es die Normalparabel, für a=2a=2 eine gestreckte Parabel, für a=1a=-1 eine nach unten geöffnete Parabel. Alle haben aber die gleiche Nullstelle bei x=0x=0.

Aufgabentyp 1: Nullstellen und ihr Verhalten aus der faktorisierten Form ablesen

Wenn eine ganzrationale Funktion in ihrer faktorisierten Form gegeben ist, können wir ihre Nullstellen direkt ablesen. Die faktorisierte Form besteht aus sogenannten Linearfaktoren.

Ein Linearfaktor hat die Form (xxN)(x - x_N). Der Wert xNx_N ist dann eine Nullstelle der Funktion. Man muss nur das Vorzeichen in der Klammer umdrehen!

Beispiel: Bei f(x)=(x3)f(x) = (x - 3) ist die Nullstelle xN=3x_N = 3. Bei f(x)=(x+5)f(x) = (x + 5) ist das dasselbe wie (x(5))(x - (-5)), also ist die Nullstelle xN=5x_N = -5.

Das Wichtigste: Die Vielfachheit der Nullstelle

Die Vielfachheit gibt an, wie oft ein Linearfaktor in der Funktion vorkommt. Sie bestimmt, wie sich der Graph an der Nullstelle verhält.

  • Einfache Nullstelle (Vielfachheit 1): Der Faktor kommt nur einmal vor, z. B. (x2)(x-2). Der Graph schneidet die x-Achse an dieser Stelle (mit Vorzeichenwechsel).

  • Doppelte Nullstelle (Vielfachheit 2): Der Faktor kommt zweimal vor, z. B. (x3)2(x-3)^2. Der Graph berührt die x-Achse an dieser Stelle nur (ohne Vorzeichenwechsel). Er verhält sich hier wie eine Parabel.

  • Dreifache Nullstelle (Vielfachheit 3): Der Faktor kommt dreimal vor, z. B. (x+1)3(x+1)^3. Der Graph schneidet die x-Achse, schmiegt sich aber flacher an als bei einer einfachen Nullstelle (Sattelpunkt auf der x-Achse).

Die Regel lautet:

  • Bei ungerader Vielfachheit (1, 3, 5, ...) wird die x-Achse geschnitten.
  • Bei gerader Vielfachheit (2, 4, 6, ...) wird die x-Achse berührt.
Übersicht Vielfachheit und Verhalten an Nullstellen
Übersicht Vielfachheit und Verhalten an Nullstellen

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Schritt 1: Funktion prüfen – Stelle sicher, dass die Funktion in der faktorisierten Form vorliegt, also als Produkt von Klammerausdrücken (Linearfaktoren).
  2. Schritt 2: Nullstellen ablesen – Gehe jeden Klammerausdruck der Form (xxN)(x - x_N) durch. Die Nullstelle ist der Wert xNx_N. Denk daran, das Vorzeichen umzudrehen! Ein Faktor wie xx allein bedeutet eine Nullstelle bei x=0x=0.
  3. Schritt 3: Vielfachheit bestimmen – Zähle für jede Nullstelle, wie oft der zugehörige Linearfaktor vorkommt. Der Exponent an der Klammer gibt die Vielfachheit an. Zum Beispiel bedeutet (x5)2(x-5)^2 eine Vielfachheit von 2.
  4. Schritt 4: Verhalten an der Nullstelle beschreiben – Wende die Regel an: Ungerade Vielfachheit (1, 3, …) → Graph schneidet die x-Achse. Gerade Vielfachheit (2, 4, …) → Graph berührt die x-Achse.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Gegeben ist die Funktionenschar fa(x)=a(x+3)2(x3)f_a(x) = a \cdot (x+3)^2 \cdot (x-3) mit a>0a > 0. Begründen Sie, dass jeder Graph von faf_a die x-Achse einmal schneidet und einmal berührt.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Funktion prüfen

    Die Funktion fa(x)=a(x+3)2(x3)f_a(x) = a \cdot (x+3)^2 \cdot (x-3) liegt bereits in der faktorisierten Form vor.

  2. Schritt 2
    Nullstellen ablesen

    Wir identifizieren die Linearfaktoren:

    • Der Faktor (x+3)(x+3) wird zu x+3=0x+3=0, was die Nullstelle x1=3x_1 = -3 ergibt.
    • Der Faktor (x3)(x-3) wird zu x3=0x-3=0, was die Nullstelle x2=3x_2 = 3 ergibt.
  3. Schritt 3
    Vielfachheit bestimmen
    • Der Faktor (x+3)(x+3) hat den Exponenten 22. Also ist x1=3x_1 = -3 eine Nullstelle mit der Vielfachheit 2 (doppelte Nullstelle).
    • Der Faktor (x3)(x-3) hat den Exponenten 11 (der unsichtbar ist). Also ist x2=3x_2 = 3 eine Nullstelle mit der Vielfachheit 1 (einfache Nullstelle).
  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Verhalten an der Nullstelle beschreiben
    • Bei x1=3x_1 = -3 ist die Vielfachheit 22 (gerade). Daher berührt der Graph die x-Achse an dieser Stelle.
    • Bei x2=3x_2 = 3 ist die Vielfachheit 11 (ungerade). Daher schneidet der Graph die x-Achse an dieser Stelle.
Ergebnis:

Der Graph berührt die x-Achse bei x=3x=-3 und schneidet sie bei x=3x=3. Dies gilt für jeden Wert von a>0a>0, da der Parameter aa die Lage der Nullstellen nicht verändert.

Funktionsschar mit doppelter Nullstelle bei x gleich minus 3
Funktionsschar mit doppelter Nullstelle bei x gleich minus 3

Beispiel 2

Aufgabe

Beschreiben Sie das Verhalten des Graphen der Funktion f(x)=(x1)(x4)(x+2)f(x) = (x-1)(x-4)(x+2) an seinen Nullstellen.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Funktion prüfen

    Die Funktion liegt in faktorisierter Form vor.

  2. Schritt 2
    Nullstellen ablesen
    • Aus (x1)(x-1) folgt die Nullstelle x1=1x_1 = 1.
    • Aus (x4)(x-4) folgt die Nullstelle x2=4x_2 = 4.
    • Aus (x+2)(x+2) folgt die Nullstelle x3=2x_3 = -2.
  3. Schritt 3
    Vielfachheit bestimmen

    Jeder Faktor kommt nur einmal vor. Alle Nullstellen haben also die Vielfachheit 1.

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Verhalten an der Nullstelle beschreiben

    Da alle Nullstellen eine ungerade Vielfachheit (1) haben, schneidet der Graph die x-Achse an allen drei Stellen: bei x=1x=1, x=4x=4 und x=2x=-2.

Ergebnis:

Der Graph schneidet die x-Achse dreimal, jeweils bei x=2x=-2, x=1x=1 und x=4x=4.

Beispiel 3

Aufgabe

Gegeben ist f(x)=0,5x3(x5)f(x) = -0{,}5x^3(x-5). Analysieren Sie die Nullstellen und ihr Verhalten.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Funktion prüfen

    Die Funktion f(x)=0,5x3(x5)f(x) = -0{,}5 \cdot x^3 \cdot (x-5) ist in faktorisierter Form. Der Faktor x3x^3 ist eine Kurzschreibweise für xxxx \cdot x \cdot x.

  2. Schritt 2
    Nullstellen ablesen
    • Aus dem Faktor x3x^3 folgt die Nullstelle x1=0x_1 = 0.
    • Aus dem Faktor (x5)(x-5) folgt die Nullstelle x2=5x_2 = 5.
  3. Schritt 3
    Vielfachheit bestimmen
    • Der Faktor xx kommt dreimal vor (Exponent 33). Die Nullstelle x1=0x_1=0 hat also die Vielfachheit 3.
    • Der Faktor (x5)(x-5) kommt einmal vor. Die Nullstelle x2=5x_2=5 hat die Vielfachheit 1.
  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Verhalten an der Nullstelle beschreiben
    • Bei x1=0x_1=0 ist die Vielfachheit 33 (ungerade). Der Graph schneidet die x-Achse hier (in Form eines Sattelpunktes).
    • Bei x2=5x_2=5 ist die Vielfachheit 1 (ungerade). Der Graph schneidet die x-Achse hier ebenfalls.
Ergebnis:

Der Graph schneidet die x-Achse bei x=0x=0 (Sattelpunkt) und bei x=5x=5.

Beispiel 4

Aufgabe

Eine Funktion hat die Form f(x)=(x+4)4f(x) = (x+4)^4. Was können Sie über den Graphen an der Nullstelle sagen?

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Funktion prüfen

    Die Funktion ist in faktorisierter Form.

  2. Schritt 2
    Nullstellen ablesen
    • Aus (x+4)(x+4) folgt die Nullstelle x1=4x_1 = -4.
  3. Schritt 3
    Vielfachheit bestimmen
    • Der Faktor (x+4)(x+4) hat den Exponenten 44. Die Nullstelle hat also die Vielfachheit 4.
  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Verhalten an der Nullstelle beschreiben
    • Die Vielfachheit 44 ist gerade. Daher berührt der Graph die x-Achse an der Stelle x=4x=-4.
Ergebnis:

Der Graph berührt die x-Achse bei x=4x=-4 und wechselt das Vorzeichen nicht.

Beispiel 5

Aufgabe

Für welche Werte des Parameters tt berührt der Graph der Funktionsschar ft(x)=(xt)(x2)2f_t(x) = (x-t)(x-2)^2 die x-Achse an genau einer Stelle?

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Funktion prüfen

    Die Funktion ist in faktorisierter Form.

  2. Schritt 2 & 3
    Nullstellen und Vielfachheit analysieren
    • Der Faktor (x2)2(x-2)^2 erzeugt immer eine doppelte Nullstelle bei x1=2x_1 = 2. Da die Vielfachheit 2 gerade ist, berührt der Graph hier immer die x-Achse.
    • Der Faktor (xt)(x-t) erzeugt eine einfache Nullstelle bei x2=tx_2 = t. Da die Vielfachheit 1 ungerade ist, schneidet der Graph hier die x-Achse.
  3. Schritt 4 · Ergebnis
    Bedingung formulieren

    Die Aufgabe lautet, dass der Graph die x-Achse an genau einer Stelle berühren soll. Das tut er bereits bei x=2x=2. Wir müssen also sicherstellen, dass die zweite Nullstelle bei x=tx=t keinen zusätzlichen Schnittpunkt erzeugt.

    Das passiert, wenn die beiden Nullstellen zusammenfallen, also wenn die einfache Nullstelle auf die doppelte Nullstelle trifft.

    Bedingung: x2=x1x_2 = x_1, also t=2t = 2.

    Wenn t=2t=2 ist, lautet die Funktion f2(x)=(x2)(x2)2=(x2)3f_2(x) = (x-2)(x-2)^2 = (x-2)^3. Sie hat dann nur noch eine dreifache Nullstelle bei x=2x=2, an der der Graph die x-Achse schneidet.

Ergebnis:

Für alle Werte t2t \neq 2 hat die Funktion eine doppelte Nullstelle bei x=2x=2 (Berührpunkt) und eine einfache Nullstelle bei x=tx=t (Schnittpunkt). Die Bedingung, dass der Graph die x-Achse an genau einer Stelle berührt, ist also für alle t2t \neq 2 erfüllt.

Wichtige Erkenntnisse

  • Aus einem Linearfaktor (xxN)(x - x_N) liest du direkt die Nullstelle xNx_N ab (Vorzeichen umdrehen!).
  • Die Vielfachheit einer Nullstelle ist der Exponent des zugehörigen Linearfaktors.
  • Ungerade Vielfachheit (1, 3, …): Der Graph schneidet die x-Achse.
  • Gerade Vielfachheit (2, 4, …): Der Graph berührt die x-Achse.

Häufige Fragen

Was ist eine Funktionsschar?

Eine Funktionsschar ist eine Familie von Funktionen, die durch einen Parameter (z. B. a oder t) verbunden sind. Alle Funktionen der Schar haben ähnliche Eigenschaften. Ein Beispiel ist f_a(x) = a · x²: Für verschiedene Werte von a entstehen unterschiedliche Parabeln, doch alle haben die gleiche Nullstelle bei x = 0. Beim Analysieren von Funktionsscharen untersucht man, wie der Parameter das Verhalten der Graphen beeinflusst.

Wie liest du Nullstellen aus der faktorisierten Form ab?

Liegt die Funktion in der faktorisierten Form vor, liest du jede Nullstelle direkt aus einem Linearfaktor (x − x_N) ab: Die Nullstelle ist der Wert x_N – du musst nur das Vorzeichen in der Klammer umdrehen. Aus (x − 3) folgt x = 3, aus (x + 5) folgt x = −5. Ein einzelner Faktor x ohne Klammer bedeutet eine Nullstelle bei x = 0.

Wann schneidet und wann berührt ein Graph die x-Achse?

Das hängt von der Vielfachheit der Nullstelle ab. Bei ungerader Vielfachheit (1, 3, 5, …) schneidet der Graph die x-Achse – es gibt einen Vorzeichenwechsel. Bei gerader Vielfachheit (2, 4, 6, …) berührt der Graph die x-Achse nur, ohne das Vorzeichen zu wechseln. Die Vielfachheit erkennst du am Exponenten des zugehörigen Linearfaktors.

Was ist die Vielfachheit einer Nullstelle?

Die Vielfachheit einer Nullstelle gibt an, wie oft der zugehörige Linearfaktor in der Funktion vorkommt. Sie entspricht dem Exponenten des Faktors: (x − 2)² bedeutet Vielfachheit 2, (x + 1)³ bedeutet Vielfachheit 3. Die Vielfachheit entscheidet, ob der Graph die x-Achse schneidet (ungerade) oder berührt (gerade) – und wie flach oder steil er dabei verläuft.

Wie beeinflusst der Parameter einer Funktionsschar die Nullstellen?

Der Parameter einer Funktionsschar (z. B. a oder t) verändert in der Regel nicht die Lage der Nullstellen, solange er nur als Vorfaktor auftritt. Beispiel: Bei f_a(x) = a · (x+3)² · (x−3) bleiben die Nullstellen x = −3 und x = 3 für alle a > 0 gleich. Anders ist es, wenn der Parameter direkt in einem Linearfaktor steht, wie bei (x − t) – dann verschiebt sich die Nullstelle mit dem Wert von t.

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