Beim Analysieren von Funktionsscharen musst du nicht jedes Mal aufwendige Gleichungen lösen, um Nullstellen zu finden. Wenn eine Funktion in ihrer faktorisierten Form vorliegt, kannst du die Nullstellen direkt ablesen – und sogar sofort erkennen, ob der Graph die x-Achse schneidet oder nur berührt. Das ist ein echter „Cheat Code" für die Kurvendiskussion: Anstatt komplizierte Formeln zu wälzen, liest du die entscheidenden Informationen direkt aus der Funktionsgleichung ab. Du wirst nicht nur sehen, wo der Graph die x-Achse trifft, sondern auch wie – ob er sie durchschneidet oder nur sanft berührt. Das spart Unmengen an Zeit in Klausuren und lässt dich viel schneller zum richtigen Ergebnis kommen.
Schnellantwort
Eine Funktionsschar ist eine Familie von Funktionen, die durch einen Parameter (z. B. oder ) verbunden sind. Alle Funktionen der Schar haben ähnliche Eigenschaften. Beim Analysieren von Funktionsscharen bestimmst du Nullstellen und ihr Verhalten direkt aus der faktorisierten Form: Der Exponent eines Linearfaktors gibt die Vielfachheit der Nullstelle an – und die Vielfachheit entscheidet, ob der Graph die x-Achse schneidet oder berührt.
Vorwissen
Bevor wir starten, wiederholen wir kurz ein paar Grundlagen:
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Nullstelle: Eine Nullstelle ist ein x-Wert, für den der Funktionswert y null wird, also . An diesen Stellen schneidet oder berührt der Graph die x-Achse.
- Beispiel: Die Funktion hat eine Nullstelle bei , denn .
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Satz vom Nullprodukt: Ein Produkt ist genau dann null, wenn mindestens einer seiner Faktoren null ist.
- Beispiel: Wenn ist, muss entweder oder gelten. Die Lösungen sind also und .
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Funktionsschar: Das ist eine Familie von Funktionen, die durch einen Parameter (z. B. oder ) verbunden sind. Alle Funktionen der Schar haben ähnliche Eigenschaften.
- Beispiel: . Für ist es die Normalparabel, für eine gestreckte Parabel, für eine nach unten geöffnete Parabel. Alle haben aber die gleiche Nullstelle bei .
Aufgabentyp 1: Nullstellen und ihr Verhalten aus der faktorisierten Form ablesen
Wenn eine ganzrationale Funktion in ihrer faktorisierten Form gegeben ist, können wir ihre Nullstellen direkt ablesen. Die faktorisierte Form besteht aus sogenannten Linearfaktoren.
Ein Linearfaktor hat die Form . Der Wert ist dann eine Nullstelle der Funktion. Man muss nur das Vorzeichen in der Klammer umdrehen!
Beispiel: Bei ist die Nullstelle . Bei ist das dasselbe wie , also ist die Nullstelle .
Das Wichtigste: Die Vielfachheit der Nullstelle
Die Vielfachheit gibt an, wie oft ein Linearfaktor in der Funktion vorkommt. Sie bestimmt, wie sich der Graph an der Nullstelle verhält.
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Einfache Nullstelle (Vielfachheit 1): Der Faktor kommt nur einmal vor, z. B. . Der Graph schneidet die x-Achse an dieser Stelle (mit Vorzeichenwechsel).
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Doppelte Nullstelle (Vielfachheit 2): Der Faktor kommt zweimal vor, z. B. . Der Graph berührt die x-Achse an dieser Stelle nur (ohne Vorzeichenwechsel). Er verhält sich hier wie eine Parabel.
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Dreifache Nullstelle (Vielfachheit 3): Der Faktor kommt dreimal vor, z. B. . Der Graph schneidet die x-Achse, schmiegt sich aber flacher an als bei einer einfachen Nullstelle (Sattelpunkt auf der x-Achse).
Die Regel lautet:
- Bei ungerader Vielfachheit (1, 3, 5, ...) wird die x-Achse geschnitten.
- Bei gerader Vielfachheit (2, 4, 6, ...) wird die x-Achse berührt.

Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Schritt 1: Funktion prüfen – Stelle sicher, dass die Funktion in der faktorisierten Form vorliegt, also als Produkt von Klammerausdrücken (Linearfaktoren).
- Schritt 2: Nullstellen ablesen – Gehe jeden Klammerausdruck der Form durch. Die Nullstelle ist der Wert . Denk daran, das Vorzeichen umzudrehen! Ein Faktor wie allein bedeutet eine Nullstelle bei .
- Schritt 3: Vielfachheit bestimmen – Zähle für jede Nullstelle, wie oft der zugehörige Linearfaktor vorkommt. Der Exponent an der Klammer gibt die Vielfachheit an. Zum Beispiel bedeutet eine Vielfachheit von 2.
- Schritt 4: Verhalten an der Nullstelle beschreiben – Wende die Regel an: Ungerade Vielfachheit (1, 3, …) → Graph schneidet die x-Achse. Gerade Vielfachheit (2, 4, …) → Graph berührt die x-Achse.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Gegeben ist die Funktionenschar mit . Begründen Sie, dass jeder Graph von die x-Achse einmal schneidet und einmal berührt.
- Schritt 1Funktion prüfen
Die Funktion liegt bereits in der faktorisierten Form vor.
- Schritt 2Nullstellen ablesen
Wir identifizieren die Linearfaktoren:
- Der Faktor wird zu , was die Nullstelle ergibt.
- Der Faktor wird zu , was die Nullstelle ergibt.
- Schritt 3Vielfachheit bestimmen
- Der Faktor hat den Exponenten . Also ist eine Nullstelle mit der Vielfachheit 2 (doppelte Nullstelle).
- Der Faktor hat den Exponenten (der unsichtbar ist). Also ist eine Nullstelle mit der Vielfachheit 1 (einfache Nullstelle).
- Schritt 4 · ErgebnisVerhalten an der Nullstelle beschreiben
- Bei ist die Vielfachheit (gerade). Daher berührt der Graph die x-Achse an dieser Stelle.
- Bei ist die Vielfachheit (ungerade). Daher schneidet der Graph die x-Achse an dieser Stelle.
Der Graph berührt die x-Achse bei und schneidet sie bei . Dies gilt für jeden Wert von , da der Parameter die Lage der Nullstellen nicht verändert.

Beispiel 2
Beschreiben Sie das Verhalten des Graphen der Funktion an seinen Nullstellen.
- Schritt 1Funktion prüfen
Die Funktion liegt in faktorisierter Form vor.
- Schritt 2Nullstellen ablesen
- Aus folgt die Nullstelle .
- Aus folgt die Nullstelle .
- Aus folgt die Nullstelle .
- Schritt 3Vielfachheit bestimmen
Jeder Faktor kommt nur einmal vor. Alle Nullstellen haben also die Vielfachheit 1.
- Schritt 4 · ErgebnisVerhalten an der Nullstelle beschreiben
Da alle Nullstellen eine ungerade Vielfachheit (1) haben, schneidet der Graph die x-Achse an allen drei Stellen: bei , und .
Der Graph schneidet die x-Achse dreimal, jeweils bei , und .
Beispiel 3
Gegeben ist . Analysieren Sie die Nullstellen und ihr Verhalten.
- Schritt 1Funktion prüfen
Die Funktion ist in faktorisierter Form. Der Faktor ist eine Kurzschreibweise für .
- Schritt 2Nullstellen ablesen
- Aus dem Faktor folgt die Nullstelle .
- Aus dem Faktor folgt die Nullstelle .
- Schritt 3Vielfachheit bestimmen
- Der Faktor kommt dreimal vor (Exponent ). Die Nullstelle hat also die Vielfachheit 3.
- Der Faktor kommt einmal vor. Die Nullstelle hat die Vielfachheit 1.
- Schritt 4 · ErgebnisVerhalten an der Nullstelle beschreiben
- Bei ist die Vielfachheit (ungerade). Der Graph schneidet die x-Achse hier (in Form eines Sattelpunktes).
- Bei ist die Vielfachheit 1 (ungerade). Der Graph schneidet die x-Achse hier ebenfalls.
Der Graph schneidet die x-Achse bei (Sattelpunkt) und bei .
Beispiel 4
Eine Funktion hat die Form . Was können Sie über den Graphen an der Nullstelle sagen?
- Schritt 1Funktion prüfen
Die Funktion ist in faktorisierter Form.
- Schritt 2Nullstellen ablesen
- Aus folgt die Nullstelle .
- Schritt 3Vielfachheit bestimmen
- Der Faktor hat den Exponenten . Die Nullstelle hat also die Vielfachheit 4.
- Schritt 4 · ErgebnisVerhalten an der Nullstelle beschreiben
- Die Vielfachheit ist gerade. Daher berührt der Graph die x-Achse an der Stelle .
Der Graph berührt die x-Achse bei und wechselt das Vorzeichen nicht.
Beispiel 5
Für welche Werte des Parameters berührt der Graph der Funktionsschar die x-Achse an genau einer Stelle?
- Schritt 1Funktion prüfen
Die Funktion ist in faktorisierter Form.
- Schritt 2 & 3Nullstellen und Vielfachheit analysieren
- Der Faktor erzeugt immer eine doppelte Nullstelle bei . Da die Vielfachheit 2 gerade ist, berührt der Graph hier immer die x-Achse.
- Der Faktor erzeugt eine einfache Nullstelle bei . Da die Vielfachheit 1 ungerade ist, schneidet der Graph hier die x-Achse.
- Schritt 4 · ErgebnisBedingung formulieren
Die Aufgabe lautet, dass der Graph die x-Achse an genau einer Stelle berühren soll. Das tut er bereits bei . Wir müssen also sicherstellen, dass die zweite Nullstelle bei keinen zusätzlichen Schnittpunkt erzeugt.
Das passiert, wenn die beiden Nullstellen zusammenfallen, also wenn die einfache Nullstelle auf die doppelte Nullstelle trifft.
Bedingung: , also .
Wenn ist, lautet die Funktion . Sie hat dann nur noch eine dreifache Nullstelle bei , an der der Graph die x-Achse schneidet.
Für alle Werte hat die Funktion eine doppelte Nullstelle bei (Berührpunkt) und eine einfache Nullstelle bei (Schnittpunkt). Die Bedingung, dass der Graph die x-Achse an genau einer Stelle berührt, ist also für alle erfüllt.
Wichtige Erkenntnisse
- Aus einem Linearfaktor liest du direkt die Nullstelle ab (Vorzeichen umdrehen!).
- Die Vielfachheit einer Nullstelle ist der Exponent des zugehörigen Linearfaktors.
- Ungerade Vielfachheit (1, 3, …): Der Graph schneidet die x-Achse.
- Gerade Vielfachheit (2, 4, …): Der Graph berührt die x-Achse.
Häufige Fragen
Was ist eine Funktionsschar?
Eine Funktionsschar ist eine Familie von Funktionen, die durch einen Parameter (z. B. a oder t) verbunden sind. Alle Funktionen der Schar haben ähnliche Eigenschaften. Ein Beispiel ist f_a(x) = a · x²: Für verschiedene Werte von a entstehen unterschiedliche Parabeln, doch alle haben die gleiche Nullstelle bei x = 0. Beim Analysieren von Funktionsscharen untersucht man, wie der Parameter das Verhalten der Graphen beeinflusst.
Wie liest du Nullstellen aus der faktorisierten Form ab?
Liegt die Funktion in der faktorisierten Form vor, liest du jede Nullstelle direkt aus einem Linearfaktor (x − x_N) ab: Die Nullstelle ist der Wert x_N – du musst nur das Vorzeichen in der Klammer umdrehen. Aus (x − 3) folgt x = 3, aus (x + 5) folgt x = −5. Ein einzelner Faktor x ohne Klammer bedeutet eine Nullstelle bei x = 0.
Wann schneidet und wann berührt ein Graph die x-Achse?
Das hängt von der Vielfachheit der Nullstelle ab. Bei ungerader Vielfachheit (1, 3, 5, …) schneidet der Graph die x-Achse – es gibt einen Vorzeichenwechsel. Bei gerader Vielfachheit (2, 4, 6, …) berührt der Graph die x-Achse nur, ohne das Vorzeichen zu wechseln. Die Vielfachheit erkennst du am Exponenten des zugehörigen Linearfaktors.
Was ist die Vielfachheit einer Nullstelle?
Die Vielfachheit einer Nullstelle gibt an, wie oft der zugehörige Linearfaktor in der Funktion vorkommt. Sie entspricht dem Exponenten des Faktors: (x − 2)² bedeutet Vielfachheit 2, (x + 1)³ bedeutet Vielfachheit 3. Die Vielfachheit entscheidet, ob der Graph die x-Achse schneidet (ungerade) oder berührt (gerade) – und wie flach oder steil er dabei verläuft.
Wie beeinflusst der Parameter einer Funktionsschar die Nullstellen?
Der Parameter einer Funktionsschar (z. B. a oder t) verändert in der Regel nicht die Lage der Nullstellen, solange er nur als Vorfaktor auftritt. Beispiel: Bei f_a(x) = a · (x+3)² · (x−3) bleiben die Nullstellen x = −3 und x = 3 für alle a > 0 gleich. Anders ist es, wenn der Parameter direkt in einem Linearfaktor steht, wie bei (x − t) – dann verschiebt sich die Nullstelle mit dem Wert von t.