Hast du dich jemals gefragt, wie Spotify oder YouTube genau wissen, was du als Nächstes hören oder sehen willst? Das ist keine Magie, sondern clevere Mathematik! Stell dir vor, dein Musikgeschmack ist eine Funktion und die Eigenschaften eines Songs (z. B. Tempo, Genre) sind eine andere Funktion . Algorithmen kombinieren diese beiden Funktionen – zum Beispiel durch Addition () – um eine neue „Empfehlungs-Funktion" zu erstellen. Ein hoher Wert bedeutet: „Das wird dir gefallen!" Wenn du verstehst, wie man Funktionen zusammensetzt und ihre Graphen zusammengesetzter Funktionen zuordnet, knackst du den Code hinter vielen digitalen Tools, die du täglich nutzt.
Schnellantwort
Eine zusammengesetzte Funktion ist eine neue Funktion, die durch Rechnen mit zwei oder mehr anderen Funktionen entsteht. Die Schreibweise ist dabei ganz einfach: für die Addition und für die Subtraktion. Um den y-Wert der neuen Funktion an einer Stelle zu finden, nimmst du einfach die y-Werte der ursprünglichen Funktionen an dieser Stelle und addierst oder subtrahierst sie.
Vorwissen
Bevor wir starten, wiederholen wir kurz zwei wichtige Grundlagen:
-
Funktionswert berechnen: Das bedeutet, einen x-Wert in eine Funktion einzusetzen, um den zugehörigen y-Wert zu erhalten.
- Beispiel: Gegeben ist . Für ist der Funktionswert .
-
Terme mit Klammern addieren und subtrahieren: Achte besonders beim Subtrahieren darauf, die Vorzeichen in der Klammer zu ändern.
- Addition:
(x^2 + 2) + (3x - 1) = x^2 + 3x + 1 - Subtraktion:
(x^2 + 2) - (3x - 1) = x^2 + 2 - 3x + 1 = x^2 - 3x + 3
- Addition:
Aufgabentyp 1: Graphen zusammengesetzter Funktionen zuordnen
Wenn wir zwei Funktionen f(x) und g(x) haben, können wir sie durch Addition oder Subtraktion zu einer neuen Funktion zusammensetzen. Die Schreibweise dafür ist ganz einfach:
- Addition:
(f+g)(x) = f(x) + g(x) - Subtraktion:
(f-g)(x) = f(x) - g(x)
Das bedeutet: Um den y-Wert der neuen Funktion an einer Stelle zu finden, nimmst du einfach die y-Werte der ursprünglichen Funktionen an dieser Stelle und addierst oder subtrahierst sie.
Um einen Graphen einer solchen neuen Funktion zuzuordnen, verwenden wir die Testpunkt-Methode. Wir suchen uns einen x-Wert, berechnen den y-Wert für die neue Funktion und schauen, welcher Graph durch diesen Punkt verläuft.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Stelle die neuen Funktionsterme auf: Bilde die Funktionsterme für die zusammengesetzten Funktionen, z. B. und , indem du die gegebenen Terme für und einsetzt.
- Wähle einen geeigneten Test-x-Wert: Suche dir einen x-Wert aus, an dem du die y-Werte der Graphen gut ablesen kannst. Am besten ist eine Stelle, an der alle Graphen unterschiedliche Höhen haben.
- Berechne die y-Werte für den Testpunkt: Setze den gewählten x-Wert in die neuen Funktionsterme ein und berechne die zugehörigen y-Werte. Du erhältst für jede zusammengesetzte Funktion einen konkreten Punkt (x|y).
- Lies die Graphen am Testpunkt ab: Schau dir die Graphen an. Welchen y-Wert hat jeder Graph an deinem Test-x-Wert?
- Ordne Graphen und Funktionen zu: Vergleiche deine berechneten y-Werte mit den abgelesenen. Jeder berechnete Wert passt nur zu einem der Graphen. So kannst du sie eindeutig zuordnen.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Gegeben sind die Funktionen und . Ordne die Graphen (1), (2) und (3) den Funktionen , und zu.

- Schritt 1Neue Funktionsterme aufstellen
(f+g)(x) = f(x) + g(x) = x^2 + (x - 2) = x^2 + x - 2(f-g)(x) = f(x) - g(x) = x^2 - (x - 2) = x^2 - x + 2(g-f)(x) = g(x) - f(x) = (x - 2) - x^2 = -x^2 + x - 2
- Schritt 2Einen geeigneten Test-x-Wert wählen
Bei
x=2sind die Graphen gut getrennt und leicht abzulesen. Wir wählen alsox=2als unseren Testpunkt. - Schritt 3y-Werte für den Testpunkt berechnen
- Für
f+g:(f+g)(2) = 2^2 + 2 - 2 = 4Punkt(2|4) - Für
f-g:(f-g)(2) = 2^2 - 2 + 2 = 4Punkt(2|4). Oh, hier gibt es eine Überschneidung. Wählen wir einen anderen Punkt, z. B.x=0.
Neuer Versuch mit x=0:
- Für
f+g:(f+g)(0) = 0^2 + 0 - 2 = -2Punkt(0|-2) - Für
f-g:(f-g)(0) = 0^2 - 0 + 2 = 2Punkt(0|2) - Für
g-f:(g-f)(0) = -0^2 + 0 - 2 = -2Punkt(0|-2). Wieder eine Überschneidung. Nehmen wirx=1.
Letzter Versuch mit x=1:
- Für
f+g:(f+g)(1) = 1^2 + 1 - 2 = 0Punkt(1|0) - Für
f-g:(f-g)(1) = 1^2 - 1 + 2 = 2Punkt(1|2) - Für
g-f:(g-f)(1) = -1^2 + 1 - 2 = -2Punkt(1|-2)
- Für
- Schritt 4Graphen am Testpunkt ablesen
Wir schauen bei
x=1:- Graph (1) geht durch
(1|0). - Graph (2) geht durch
(1|-2). - Graph (3) geht durch
(1|2).
- Graph (1) geht durch
- Schritt 5 · ErgebnisGraphen und Funktionen zuordnen
(f+g)gehört zu Punkt(1|0)Graph (1).(g-f)gehört zu Punkt(1|-2)Graph (2).(f-g)gehört zu Punkt(1|2)Graph (3).
Graph (1) = , Graph (2) = , Graph (3) = .
Beispiel 2
Gegeben sind die Funktionen und . Ordne die Graphen den Funktionen und zu.

- Schritt 1Neue Funktionsterme aufstellen
- Schritt 2Einen geeigneten Test-x-Wert wählen
Der y-Achsenabschnitt bei ist immer einfach zu berechnen und abzulesen.
- Schritt 3y-Werte für den Testpunkt berechnen
- Für : Punkt
- Für : Punkt
- Schritt 4Graphen am Testpunkt ablesen
Wir schauen bei :
- Graph (1) schneidet die y-Achse bei .
- Graph (2) schneidet die y-Achse bei .
- Schritt 5 · ErgebnisGraphen und Funktionen zuordnen
- gehört zu Punkt Graph (1).
- gehört zu Punkt Graph (2).
Graph (1) = , Graph (2) = .
Beispiel 3
Gegeben sind die Funktionen und . Ordne die Graphen den Funktionen und zu.

- Schritt 1Neue Funktionsterme aufstellen
(f+g)(x) = (x^2 - 3) + (-x^2 + 1) = x^2 - 3 - x^2 + 1 = -2(f-g)(x) = (x^2 - 3) - (-x^2 + 1) = x^2 - 3 + x^2 - 1 = 2x^2 - 4
- Schritt 2Einen geeigneten Test-x-Wert wählen
Wir wählen wieder .
- Schritt 3y-Werte für den Testpunkt berechnen
- Für :
(f+g)(0) = -2(dies ist eine konstante Funktion) Punkt(0|-2) - Für : Punkt
(0|-4)
- Für :
- Schritt 4Graphen am Testpunkt ablesen
Wir schauen bei :
- Graph (1) ist eine horizontale Linie bei .
- Graph (2) hat seinen Scheitelpunkt bei
(0|-4).
- Schritt 5 · ErgebnisGraphen und Funktionen zuordnen
(f+g)gehört zu Punkt(0|-2)Graph (1).(f-g)gehört zu Punkt(0|-4)Graph (2).
Graph (1) = , Graph (2) = .
Beispiel 4
Gegeben sind die Funktionen und . Ordne die Graphen den Funktionen und zu.

- Schritt 1Neue Funktionsterme aufstellen
(f+g)(x) = 2x + (-x+3) = x+3(g-f)(x) = (-x+3) - 2x = -3x+3
- Schritt 2Einen geeigneten Test-x-Wert wählen
Wir wählen .
- Schritt 3y-Werte für den Testpunkt berechnen
- Für :
(f+g)(1) = 1+3 = 4Punkt(1|4) - Für : Punkt
(1|0)
- Für :
- Schritt 4Graphen am Testpunkt ablesen
Wir schauen bei :
- Graph (1) geht durch den Punkt
(1|4)(nicht im Bild, aber Steigung passt). - Graph (2) geht durch den Punkt
(1|0).
- Graph (1) geht durch den Punkt
- Schritt 5 · ErgebnisGraphen und Funktionen zuordnen
(f+g)gehört zu Punkt(1|4)Graph (1).(g-f)gehört zu Punkt(1|0)Graph (2).
Graph (1) = , Graph (2) = .
Beispiel 5
Gegeben sind die Funktionen und . Ordne die Graphen den Funktionen und zu.

- Schritt 1Neue Funktionsterme aufstellen
(f+g)(x) = 4 + x^2 = x^2 + 4(f-g)(x) = 4 - x^2 = -x^2 + 4
- Schritt 2Einen geeigneten Test-x-Wert wählen
Bei haben beide Graphen den gleichen y-Wert. Wir müssen einen anderen Wert wählen, z. B. .
- Schritt 3y-Werte für den Testpunkt berechnen
- Für :
(f+g)(2) = 2^2 + 4 = 8Punkt(2|8) - Für :
(f-g)(2) = -2^2 + 4 = 0Punkt(2|0)
- Für :
- Schritt 4Graphen am Testpunkt ablesen
Wir schauen bei :
- Graph (1) geht durch den Punkt
(2|8). - Graph (2) geht durch den Punkt
(2|0).
- Graph (1) geht durch den Punkt
- Schritt 5 · ErgebnisGraphen und Funktionen zuordnen
(f+g)gehört zu Punkt(2|8)Graph (1).(f-g)gehört zu Punkt(2|0)Graph (2).
Graph (1) = , Graph (2) = .
Aufgabentyp 2: Zusammengesetzte Graphen im Sachkontext interpretieren
In Anwendungsaufgaben stehen Funktionen für reale Größen, z. B. Umsatz, Kosten oder Gewinn. Oft ergibt sich eine Größe aus der Kombination der anderen.
Der Schlüssel zum Lösen solcher Aufgaben ist, zuerst die logische Beziehung zwischen den Größen zu verstehen und sie als Formel aufzuschreiben. Ein klassisches Beispiel ist:
Gewinn = Umsatz - Kosten
Oder mathematisch: .
Mit dieser Formel können wir die Graphen analysieren. Zum Beispiel: Wo der Gewinngraph unter der x-Achse liegt (also negativ ist), muss der Kostengraph über dem Umsatzgraphen liegen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Analysiere den Sachzusammenhang: Lies die Aufgabe genau. Wofür stehen die verschiedenen Graphen? (z. B. Geburten, Sterbefälle, Bevölkerungsänderung).
- Stelle die mathematische Beziehung auf: Überlege, wie die Größen voneinander abhängen. Schreibe dies als Formel auf. (z. B.
Änderung = Geburten - Sterbefälle). - Leite logische Bedingungen für die Graphen ab: Übersetze die Formel in visuelle Regeln für die Graphen. Frage dich: Kann eine Größe negativ werden? Was bedeutet es, wenn ein Graph über/unter einem anderen liegt? Was bedeutet ein Schnittpunkt?
- Überprüfe die Bedingungen an den Graphen: Suche nach markanten Stellen in der Abbildung (z. B. wo ein Graph negativ ist oder wo sich zwei Graphen schneiden) und überprüfe, ob deine logischen Bedingungen dort zutreffen.
- Ordne die Graphen begründet zu: Nutze deine Beobachtungen, um jeden Graphen eindeutig einer Größe zuzuordnen und deine Entscheidung zu begründen.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Ein Unternehmen produziert T-Shirts. Die Graphen zeigen den Umsatz (U), die Kosten (K) und den Gewinn (G) in Abhängigkeit von der produzierten Stückzahl. Ordne die Graphen (rot, grün, blau) den Begriffen zu und begründe deine Wahl.

- Schritt 1Sachzusammenhang analysieren
Die Graphen zeigen Umsatz, Kosten und Gewinn.
- Schritt 2Mathematische Beziehung aufstellen
Die grundlegende betriebswirtschaftliche Formel lautet: oder .
- Schritt 3Logische Bedingungen für die Graphen ableiten
- Die Kosten sind nie null, da es Fixkosten gibt (Miete, etc.). Der Kostengraph sollte also auf der y-Achse einen positiven Wert haben.
- Der Umsatz ist null, wenn nichts verkauft wird. Der Umsatzgraph sollte also bei durch den Ursprung gehen.
- Der Gewinn kann negativ sein (Verlust), wenn die Kosten höher als der Umsatz sind. Der Gewinngraph kann also unter der x-Achse beginnen.
- Schritt 4Bedingungen an den Graphen überprüfen
- Der rote Graph (1) startet bei
(0|200). Das passt zu den Kosten mit Fixkosten von 200 €. - Der grüne Graph (2) startet bei
(0|0). Das passt zum Umsatz. - Der blaue Graph (3) startet bei
(0|-200). Das passt zum Gewinn, der am Anfang dem negativen Wert der Fixkosten entspricht. - Überprüfung: Wo sich der rote und grüne Graph schneiden (ca. bei x=40), müsste der Gewinn null sein. Der blaue Graph schneidet dort tatsächlich die x-Achse. Das passt!
- Der rote Graph (1) startet bei
- Schritt 5 · ErgebnisGraphen begründet zuordnen
- Roter Graph (1) sind die Kosten, da er mit positiven Fixkosten startet.
- Grüner Graph (2) ist der Umsatz, da er bei 0 Stück bei 0 € startet.
- Blauer Graph (3) ist der Gewinn, da er als Differenz von Umsatz und Kosten auch negativ sein kann.
Rot = Kosten, Grün = Umsatz, Blau = Gewinn.
Beispiel 2
Ein Stausee wird durch einen Fluss gefüllt, gleichzeitig wird Wasser zur Stromerzeugung abgelassen. Die Graphen zeigen den Zufluss (Z), den Abfluss (A) und die Änderungsrate des Wasserstands (Ä) über einen Tag. Ordne die Graphen zu.

- Schritt 1Sachzusammenhang analysieren
Die Graphen zeigen Zufluss, Abfluss und Änderungsrate des Wasserstands.
- Schritt 2Mathematische Beziehung aufstellen
Die Änderungsrate des Wasserstands ergibt sich aus der Differenz von Zufluss und Abfluss:
Änderung = Zufluss - AbflussoderÄ(t) = Z(t) - A(t). - Schritt 3Logische Bedingungen für die Graphen ableiten
- Zufluss und Abfluss können nicht negativ sein. Wasser kann nur zu- oder abfließen. Ihre Graphen müssen also immer über oder auf der x-Achse liegen.
- Die Änderungsrate kann negativ sein, wenn mehr Wasser abfließt als zufließt. Der Wasserstand sinkt dann. Ihr Graph kann also unter der x-Achse verlaufen.
- Wenn der Wasserstand steigt (
Ä > 0), muss der Zufluss größer als der Abfluss sein (Z > A).
- Schritt 4Bedingungen an den Graphen überprüfen
- Der blaue Graph ist der einzige, der negative Werte annimmt. Er muss also die Änderungsrate (Ä) sein.
- In der Zeit, in der der blaue Graph positiv ist (der Wasserstand steigt), muss der Graph des Zuflusses über dem des Abflusses liegen.
- Der rote Graph ist in dieser Zeit über dem grünen Graphen. Das passt zur Bedingung
Z > A.
- Schritt 5 · ErgebnisGraphen begründet zuordnen
- Blauer Graph ist die Änderungsrate (Ä), da er als einziger negativ werden kann.
- Roter Graph ist der Zufluss (Z), da er in der Zeit des positiven Anstiegs über dem grünen Graphen liegt.
- Grüner Graph ist der Abfluss (A).
Blau = Änderungsrate, Rot = Zufluss, Grün = Abfluss.
Beispiel 3
Ein Auto beschleunigt und bremst. Die Graphen zeigen die Antriebskraft (), die Reibungskraft () und die resultierende Kraft (), die das Auto beschleunigt. Ordne die Graphen zu.

- Schritt 1Sachzusammenhang analysieren
Die Graphen zeigen Antriebskraft, Reibungskraft und resultierende Kraft.
- Schritt 2Mathematische Beziehung aufstellen
Die resultierende Kraft, die für die Beschleunigung sorgt, ist die Antriebskraft abzüglich der entgegenwirkenden Reibungskraft: .
- Schritt 3Logische Bedingungen für die Graphen ableiten
- Die Antriebskraft wird vom Motor erzeugt. Sie ist hoch, wenn man Gas gibt, und null, wenn nicht. Sie ist immer positiv (schiebt vorwärts).
- Die Reibungskraft (Luftwiderstand, Rollreibung) ist immer vorhanden, wenn sich das Auto bewegt, und wirkt der Bewegung entgegen. Sie ist hier als positiver Betrag dargestellt.
- Die resultierende Kraft ist die Differenz. Sie muss immer kleiner als die Antriebskraft sein (solange Reibung existiert). Wenn das Auto beschleunigt, ist .
- Schritt 4Bedingungen an den Graphen überprüfen
- Der rote Graph zeigt einen starken Anstieg und dann ein Plateau. Das passt zur Antriebskraft, wenn der Fahrer Gas gibt.
- Der grüne Graph ist immer positiv, aber deutlich kleiner als der rote Graph. Das passt zur Reibungskraft.
- Der blaue Graph hat eine ähnliche Form wie der rote, liegt aber immer darunter. Das passt zur resultierenden Kraft, die ja ist.
- Schritt 5 · ErgebnisGraphen begründet zuordnen
- Roter Graph ist die Antriebskraft (), da sie die größte Kraft ist, die aktiv gesteuert wird.
- Grüner Graph ist die Reibungskraft (), da sie eine kleinere, entgegenwirkende Kraft ist.
- Blauer Graph ist die resultierende Kraft (), da sie die Differenz der beiden anderen ist und daher immer unterhalb der Antriebskraft liegt.
Rot = Antriebskraft, Grün = Reibungskraft, Blau = resultierende Kraft.
Beispiel 4
Die Graphen zeigen die Anzahl der neuen Follower (F) und der verlorenen Follower (Unfollows, U) eines Social-Media-Kanals pro Tag, sowie die Netto-Änderung der Followerzahl (N). Ordne die Graphen zu.

- Schritt 1Sachzusammenhang analysieren
Die Graphen zeigen neue Follower, verlorene Follower und die Netto-Änderung.
- Schritt 2Mathematische Beziehung aufstellen
Die Netto-Änderung ist die Zahl der neuen Follower minus die Zahl der verlorenen Follower: oder .
- Schritt 3Logische Bedingungen für die Graphen ableiten
- Die Anzahl der neuen Follower und verlorenen Follower kann an einem Tag nicht negativ sein. Die Graphen müssen also auf oder über der x-Achse liegen.
- Die Netto-Änderung kann negativ sein, wenn an einem Tag mehr Leute entfolgen als neu dazukommen.
- Normalerweise gewinnt ein Kanal mehr Follower als er verliert. Der Graph für sollte also meistens über dem Graphen für liegen.
- Schritt 4Bedingungen an den Graphen überprüfen
- Der blaue Graph ist der einzige, der negative Werte annimmt. Er muss also die Netto-Änderung (N) sein.
- Der rote und der grüne Graph sind immer positiv. Das passt zu und .
- Der rote Graph liegt fast immer über dem grünen Graphen. Das passt zur Annahme, dass mehr Follower dazukommen als gehen.
- An den Stellen, wo der blaue Graph (Netto) positiv ist, liegt der rote Graph über dem grünen. Das bestätigt .
- Schritt 5 · ErgebnisGraphen begründet zuordnen
- Blauer Graph ist die Netto-Änderung (N), da er als einziger negativ werden kann.
- Roter Graph sind die neuen Follower (F), da er der höhere der beiden positiven Graphen ist.
- Grüner Graph sind die verlorenen Follower (U).
Blau = Netto-Änderung, Rot = neue Follower, Grün = verlorene Follower.
Beispiel 5
Ein Akku wird geladen und gleichzeitig durch eine App entladen. Die Graphen zeigen die Ladeleistung (L), die Entladeleistung (E) und die Netto-Ladegeschwindigkeit (N). Ordne die Graphen zu.

- Schritt 1Sachzusammenhang analysieren
Die Graphen zeigen Ladeleistung, Entladeleistung und Netto-Ladegeschwindigkeit.
- Schritt 2Mathematische Beziehung aufstellen
Die Netto-Geschwindigkeit, mit der der Akku voller wird, ist die Ladeleistung minus die Entladeleistung: oder .
- Schritt 3Logische Bedingungen für die Graphen ableiten
- Die Ladeleistung (vom Ladegerät) ist typischerweise konstant und hoch. Der Graph sollte eine horizontale Linie sein.
- Die Entladeleistung (durch die App) schwankt je nach Nutzung, ist aber immer positiv (verbraucht Strom).
- Die Netto-Ladegeschwindigkeit ist die Differenz. Sie kann theoretisch negativ sein, wenn der Verbrauch höher als die Ladeleistung ist (passiert bei schwachen Ladegeräten).
- Schritt 4Bedingungen an den Graphen überprüfen
- Der rote Graph ist eine konstante, hohe Linie. Das passt perfekt zur Ladeleistung eines Netzteils.
- Der grüne Graph ist eine schwankende, niedrigere Kurve. Das passt zur Entladeleistung durch eine App.
- Der blaue Graph schwankt und liegt immer unter dem roten Graphen. Seine Form ergibt sich aus , was zu einer umgekehrten schwankenden Kurve führt. Das passt zur Netto-Ladegeschwindigkeit.
- Schritt 5 · ErgebnisGraphen begründet zuordnen
- Roter Graph ist die Ladeleistung (L), da sie konstant ist.
- Grüner Graph ist die Entladeleistung (E), da sie variabel ist und den Verbrauch darstellt.
- Blauer Graph ist die Netto-Ladegeschwindigkeit (N), da sie die Differenz der beiden anderen ist.
Rot = Ladeleistung, Grün = Entladeleistung, Blau = Netto-Ladegeschwindigkeit.
Wichtige Erkenntnisse
- Zusammengesetzte Funktion: Eine neue Funktion, die durch Rechnen mit zwei oder mehr anderen Funktionen entsteht, z. B.
(f+g)(x) = f(x) + g(x). - Testpunkt-Methode: Der sicherste Weg, Graphen zuzuordnen. Wähle einen x-Wert, berechne den y-Wert für jede Funktion und vergleiche ihn mit den Graphen.
- Sachkontext: Übersetze zuerst die reale Situation in eine mathematische Formel (z. B. ). Leite daraus logische Regeln für die Graphen ab (z. B. „Wo der Gewinn negativ ist, müssen die Kosten über dem Umsatz liegen").
Häufige Fragen
Was sind zusammengesetzte Funktionen?
Eine zusammengesetzte Funktion entsteht, wenn du zwei Funktionen durch eine Rechenoperation miteinander verknüpfst. Zum Beispiel ergibt die Addition von f(x) und g(x) eine neue Funktion: (f+g)(x) = f(x) + g(x). Der y-Wert der neuen Funktion an einer Stelle x ist einfach die Summe (oder Differenz) der y-Werte der beiden Ausgangsfunktionen an dieser Stelle. So entstehen ganz neue Graphen, die Eigenschaften beider Ausgangsfunktionen kombinieren.
Wie funktioniert die Testpunkt-Methode beim Zuordnen von Graphen?
Bei der Testpunkt-Methode wählst du einen konkreten x-Wert, an dem sich die Graphen gut unterscheiden lassen. Dann berechnest du den y-Wert jeder zusammengesetzten Funktion für diesen x-Wert. Anschließend liest du ab, welcher Graph im Koordinatensystem genau durch den berechneten Punkt verläuft. Stimmen berechneter und abgelesener y-Wert überein, hast du den richtigen Graphen gefunden. Wähle einen anderen x-Wert, wenn mehrere Graphen denselben y-Wert liefern.
Wann kann der Graph einer zusammengesetzten Funktion negative Werte annehmen?
Der Graph einer zusammengesetzten Funktion kann negative Werte annehmen, wenn die subtrahierte Funktion größer ist als die andere. Bei (f-g)(x) wird der y-Wert negativ, sobald g(x) > f(x) gilt. Im Sachkontext bedeutet das zum Beispiel: Der Gewinngraph liegt unter der x-Achse, wenn die Kosten höher als der Umsatz sind. Dagegen sind Größen wie Zufluss oder Follower-Anzahl immer nicht-negativ, weil sie reale Mengen darstellen.
Wie gehst du bei Sachkontextaufgaben mit zusammengesetzten Funktionen vor?
Lies zuerst die Aufgabe genau und überlege, welche mathematische Beziehung zwischen den dargestellten Größen besteht – zum Beispiel Gewinn = Umsatz − Kosten. Leite daraus logische Regeln für die Graphen ab: Welche Größe kann negativ werden? Was bedeutet ein Schnittpunkt zweier Graphen? Überprüfe diese Regeln dann an markanten Stellen im Diagramm und ordne jeden Graphen begründet einer Größe zu.
Was ist der Unterschied zwischen f+g und f-g?
f+g addiert die y-Werte beider Funktionen: (f+g)(x) = f(x) + g(x). Der Graph liegt dadurch höher als beide Ausgangsgraphen. Bei f-g wird die zweite Funktion abgezogen: (f-g)(x) = f(x) − g(x). Der Graph liegt tiefer als f allein und kann negativ werden, wenn g(x) > f(x). Der entscheidende Unterschied liegt also darin, ob du die y-Werte addierst oder subtrahierst – und damit, wie der resultierende Graph im Vergleich zu den Ausgangsfunktionen verläuft.