Der Bleiakkumulator einfach erklärt: Aufbau & Reaktionen
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Stell dir vor, es ist ein eiskalter Wintermorgen. Du drehst den Zündschlüssel im Auto und der Motor springt sofort an. Wie ist das möglich? Die Antwort ist ein über 150 Jahre alter chemischer Kraftprotz: der Bleiakkumulator (die Autobatterie).

In dieser Lektion wirst du lernen, wie genau diese Batterie aus Blei und Säure Strom erzeugt, wie man durch einfaches Wiegen der Flüssigkeit herausfindet, ob sie voll ist, und warum man sie niemals überladen darf.
Vorwissen
- Oxidation und Reduktion: Oxidation ist die Abgabe von Elektronen, Reduktion ist die Aufnahme von Elektronen. Beispiel: Zink gibt Elektronen ab (Oxidation) und Kupferionen nehmen sie auf (Reduktion).
- Galvanische Zelle vs. Elektrolyse: Eine galvanische Zelle wandelt chemische Energie freiwillig in elektrischen Strom um. Die Elektrolyse erzwingt durch Strom eine chemische Reaktion. Beispiel: Eine Batterie entlädt sich (galvanische Zelle) und wird an der Steckdose wieder aufgeladen (Elektrolyse).
Aufgabentyp 1: Aufbau und Reaktionen des Bleiakkumulators
Ein Bleiakkumulator besteht aus drei Hauptteilen:
- Der Minuspol besteht aus reinem Blei ().
- Der Pluspol besteht aus Blei(IV)-oxid ().
- Der Elektrolyt (die leitfähige Flüssigkeit dazwischen) ist verdünnte Schwefelsäure (), auch Batteriesäure genannt.

Ein einzelner Block liefert eine Spannung von etwa . Da Autos benötigen, werden einfach 6 dieser Blöcke hintereinandergeschaltet (Reihenschaltung).
Beim Entladen (Strom wird geliefert) passieren folgende Reaktionen:
Am Minuspol gibt das Blei Elektronen ab (Oxidation). Am Pluspol nimmt das Blei(IV)-oxid Elektronen auf (Reduktion). Das Besondere daran: An beiden Polen entsteht am Ende genau derselbe Stoff, nämlich festes Bleisulfat ()!
Hier sind die genauen Reaktionsgleichungen für das Entladen (von links nach rechts gelesen). Beim Laden verlaufen sie genau umgekehrt (von rechts nach links), daher verwenden wir den Doppelpfeil:
- Minuspol (Oxidation):
- Pluspol (Reduktion):
- Gesamtreaktion:
Der Säuretrick (Ladezustand messen):
Schau dir die Gesamtreaktion an. Beim Entladen wird schwere Schwefelsäure verbraucht und leichtes Wasser () entsteht. Dadurch wird die Flüssigkeit „wässriger“ und ihre Dichte sinkt!
- Voll geladen (100 %): Dichte =
- Leer (0 %): Dichte =
Man kann also einfach die Dichte der Säure messen, um präzise zu wissen, wie voll die Batterie ist.

Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Dichte der Batteriesäure bewerten: Prüfe den Messwert. Liegt er nahe , ist der Akku voll. Liegt er nahe , ist er leer.
- Vorgang identifizieren: Überlege, was gerade passiert. Sinkt die Dichte, wird der Akku entladen. Steigt die Dichte, wird der Akku geladen.
- Gesamtreaktion aufstellen: Nutze die Standardgleichung. Beim Entladen verläuft sie nach rechts, beim Laden nach links.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Eine Autowerkstatt überprüft eine alte 12-V-Starterbatterie. Die Messung der Säuredichte ergibt einen Wert von . Beurteile den Ladezustand der Batterie und begründe anhand der chemischen Gesamtreaktion, warum die Dichte diesen Wert erreicht hat.
- Schritt 1Dichte der Batteriesäure bewerten
Die Dichte von ist der niedrigste Wert für Batteriesäure. Der Akku ist zu 0 % geladen (komplett entladen).
- Schritt 2Vorgang identifizieren
Da die Batterie leer ist, hat der Entladevorgang stattgefunden. Dabei wurde Säure verbraucht.
- Schritt 3 · ErgebnisGesamtreaktion aufstellen
Beim Entladen läuft folgende Gesamtreaktion ab:
Dabei wird schwere Schwefelsäure ( und ) verbraucht und leichtes Wasser () gebildet. Weil die Säure verdünnt wird, sinkt die Dichte der Flüssigkeit auf .
Quiz zu Der Bleiakkumulator: Teste dein Wissen
Löse eine kostenlose Quizfrage zu Der Bleiakkumulator und prüfe, ob du die wichtigsten Schritte verstanden hast.
Quizfrage 1 zu Der Bleiakkumulator
Was passiert bei einer Oxidation im chemischen Sinne?
Quizfrage 2 zu Der Bleiakkumulator
Nur mit AccountAus welchem Material besteht der Pluspol eines Bleiakkumulators?
Übungsaufgabe zu Der Bleiakkumulator
Nur mit AccountAufgabentyp 2: Betriebsgrenzen: Überladung und Degradation
Was passiert, wenn man einen Bleiakkumulator weiter auflädt, obwohl er schon zu 100 % voll ist? Dann gibt es kein Bleisulfat mehr, das umgewandelt werden könnte. Der Strom sucht sich einen anderen Weg und spaltet stattdessen das Wasser im Elektrolyten!
Das nennt man Überladen. Dabei entsteht am Minuspol Wasserstoffgas () und am Pluspol Sauerstoffgas (). Die Batterie fängt an zu „gasen“.
⚠️ Sicherheitshinweis: Das beim Überladen entstehende Knallgas (Wasserstoff und Sauerstoff) ist hochexplosiv. Funkenflug oder offenes Feuer in der Nähe einer ladenden Batterie müssen unbedingt vermieden werden.

Warum passiert das nicht schon beim normalen Laden?
Eigentlich ist Wasser sehr leicht zu spalten. Aber das Blei am Minuspol hat eine besondere Eigenschaft: Es wehrt sich gegen die Bildung von Wasserstoff. Man nennt das die Wasserstoffüberspannung. Das Blei baut eine Art unsichtbare Hürde auf, sodass der Strom lieber das Bleisulfat auflädt, anstatt das Wasser zu spalten. Erst wenn die Batterie komplett voll ist und die Spannung zu stark steigt, wird diese Hürde überwunden und das Wasser gast.
Degradation (Alterung):
Ein Bleiakku hält nicht ewig. Bei jedem Lade- und Entladezyklus verändern die Elektroden minimal ihre Form. Mit der Zeit bröckeln kleine Stückchen vom Blei und Blei(IV)-oxid ab und fallen auf den Boden der Batterie. Dieser Bodensatz wird Bleischlamm genannt.

Wenn der Schlammberg so hoch wächst, dass er den Plus- und Minuspol berührt, gibt es einen Kurzschluss und die Batterie ist sofort unbrauchbar.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Beobachtung identifizieren: Achte auf Anzeichen wie ein Zischen, das auf eine Gasentwicklung in der Batterie hindeutet.
- Chemische Ursache erklären: Erkläre, dass bei zu hoher Spannung die Wasserstoffüberspannung überwunden und Wasser gespalten wird.
- Gefahr benennen: Leite ab, dass die entstehenden Gase (Wasserstoff und Sauerstoff) hochexplosives Knallgas bilden.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 2
Ein Autobesitzer lädt seine Batterie mit einem defekten Ladegerät, das eine viel zu hohe Spannung liefert. Plötzlich hört er ein Zischen aus der Batterie. Erkläre chemisch, was hier passiert, warum die schützende „Wasserstoffüberspannung“ nicht mehr hilft und welche Gefahr besteht.
- Schritt 1Das Zischen identifizieren
Das Zischen bedeutet, dass die Batterie „gast“. Es entstehen Gase im Inneren der Flüssigkeit.
- Schritt 2Chemische Ursache erklären
Da das Ladegerät eine zu hohe Spannung liefert, wird die Batterie überladen. Die schützende Wasserstoffüberspannung am Blei wird durch die extrem hohe Spannung überwunden. Der Strom spaltet nun das Wasser im Elektrolyten.
- Schritt 3 · ErgebnisGefahr benennen
An der Kathode entsteht Wasserstoffgas und an der Anode Sauerstoffgas. Zusammen bilden sie hochexplosives Knallgas.
Ein kleiner Funke könnte die überladene Batterie durch das entstandene Knallgas zur Explosion bringen.
Wichtige Erkenntnisse
- Ein Bleiakku besteht aus Blei (Minuspol), Blei(IV)-oxid (Pluspol) und Schwefelsäure.
- Beim Entladen werden beide Pole zu Bleisulfat () und es entsteht Wasser, wodurch die Säuredichte sinkt.
- Überladen führt zur gefährlichen Knallgasbildung (Wasserstoff und Sauerstoff), was normalerweise durch die Wasserstoffüberspannung verhindert wird.
- Abbröckelndes Material bildet Bleischlamm, der zu einem Kurzschluss führen kann.
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Häufige Fragen
Was ist ein Bleiakkumulator?
Ein Bleiakkumulator (oft als Autobatterie bekannt) ist ein wiederaufladbarer Stromspeicher. Er besteht aus einem Minuspol aus Blei, einem Pluspol aus Blei(IV)-oxid und verdünnter Schwefelsäure als Elektrolyt. Er wandelt chemische Energie zuverlässig in elektrische Energie um.
Welche chemischen Reaktionen laufen beim Entladen ab?
Beim Entladen gibt das Blei am Minuspol Elektronen ab (Oxidation), während das Blei(IV)-oxid am Pluspol Elektronen aufnimmt (Reduktion). An beiden Polen entsteht dabei festes Bleisulfat. Gleichzeitig wird Schwefelsäure verbraucht und Wasser gebildet.
Wie kann man den Ladezustand eines Bleiakkumulators messen?
Der Ladezustand lässt sich über die Dichte der Schwefelsäure messen. Da beim Entladen schwere Säure verbraucht und leichtes Wasser gebildet wird, sinkt die Dichte von etwa 1,28 g/cm³ (voll) auf 1,10 g/cm³ (leer).
Was passiert beim Überladen eines Bleiakkumulators?
Beim Überladen wird das Wasser im Elektrolyten in Wasserstoff- und Sauerstoffgas gespalten, da kein Bleisulfat mehr zum Umwandeln vorhanden ist. Dieses sogenannte Knallgas ist hochexplosiv und stellt ein großes Sicherheitsrisiko dar.
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