Lasersysteme, Anwendungen und Berechnungen einfach erklärt

Lerne, wie ein Helium-Neon-Laser funktioniert, wo Laser im Alltag angewendet werden und wie du die Energie und Photonenanzahl eines Laserpulses berechnest.

📅 Aktualisiert 30. August 20265 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
RocketTutor Logo

Lasersysteme, Anwendungen und Berechnungen einfach erklärt

Erklärvideo – jetzt freischalten

Student thinking

Stell dir vor, du könntest mit reinem Licht Metall durchschneiden, die Atmosphäre nach Schadstoffen absuchen oder sogar die Sehkraft eines menschlichen Auges korrigieren. All das ist keine Science-Fiction, sondern der alltägliche Einsatz von Lasern!

Laser im alltäglichen Einsatz
Laser im alltäglichen Einsatz

In dieser Lektion schauen wir uns an, wie ein echter Laser (der Helium-Neon-Laser) im Detail funktioniert und in welchen spannenden Berufsfeldern Laser heute unverzichtbar sind. Außerdem wirst du lernen, wie man genau berechnet, wie viel Energie und wie viele winzige Lichtteilchen (Photonen) in einem einzigen, kurzen Laserblitz stecken.

Vorwissen

  • Besetzungsinversion: Ein unnatürlicher Zustand, bei dem sich mehr Atome in einem hohen Energieniveau befinden als in einem niedrigeren. Dies ist die Grundvoraussetzung für jeden Laser. Beispiel: In einem angeregten Gas sind mehr Elektronen im Zustand E2E_2 als im Zustand E1E_1.
  • Energie eines Photons: Die Energie eines einzelnen Lichtteilchens hängt von seiner Wellenlänge (λ\lambda) ab. Formel: EPhoton=hcλE_{Photon} = \frac{h \cdot c}{\lambda} (mit Planckschem Wirkungsquantum hh und Lichtgeschwindigkeit cc). Beispiel: Rotes Licht hat eine größere Wellenlänge und damit weniger Energie pro Photon als blaues Licht.
  • Leistung und Energie: Leistung (PP) ist die Energie (EE), die pro Zeitspanne (tt) abgegeben wird. Formel: E=PtE = P \cdot t Beispiel: Eine 10 W10 \text{ W} Lampe, die 2 s2 \text{ s} lang leuchtet, verbraucht 20 J20 \text{ J} Energie.

Aufgabentyp 1: Der Helium-Neon-Laser-Mechanismus

Um in einem Gas eine Besetzungsinversion zu erzeugen, reicht es oft nicht aus, die Atome einfach nur unter Strom zu setzen. Der Helium-Neon-Laser nutzt dafür einen cleveren Umweg: Er verwendet Helium als "Helfer" und Neon als das eigentliche Material, das leuchtet.

Der Prozess läuft in vier klaren Schritten ab:

  1. Anregung des Helfers: In der Glasröhre des Lasers fliegen freie Elektronen umher. Diese stoßen mit den Heliumatomen zusammen und geben ihre Energie an sie ab. Das Helium ist nun angeregt.
  2. Energieübertragung durch Stoß: Die angeregten Heliumatome prallen nun gegen die Neonatome. Dabei übertragen sie ihre Energie perfekt auf das Neon. Dadurch sammeln sich extrem viele Neonatome im oberen Energieniveau (wir nennen es E2\textcolor{#9570FF}{E_2}).
  3. Der Laserübergang (Stimulierte Emission): Da nun das obere Niveau E2\textcolor{#9570FF}{E_2} viel stärker besetzt ist als das Zwischenniveau E1\textcolor{#9570FF}{E_1}, haben wir unsere Besetzungsinversion erreicht! Wenn nun ein Photon vorbeifliegt, löst es die stimulierte Emission aus. Die Neonatome fallen von E2\textcolor{#9570FF}{E_2} auf E1\textcolor{#9570FF}{E_1} und senden dabei das typische rote Laserlicht mit einer Wellenlänge von λ=633 nm\lambda = 633 \text{ nm} aus.
Energieniveauschema Helium Neon Laser
Energieniveauschema Helium Neon Laser
  1. Der schnelle Zerfall: Damit sich das Zwischenniveau E1\textcolor{#9570FF}{E_1} nicht verstopft (was die Besetzungsinversion zerstören würde), entleert es sich extrem schnell. Die Atome fallen durch spontane Emission sofort weiter in den Grundzustand E0\textcolor{#9570FF}{E_0} und sind bereit für eine neue Runde.

Aufgabentyp 2: Anwendungen von Lasern

Weil Laserlicht extrem intensiv ist und nur aus einer einzigen, reinen Farbe (Monochromasie) besteht, ist es das perfekte Werkzeug für viele Branchen:

  • Materialbearbeitung: Hochintensive Laser bündeln so viel Energie auf einen winzigen Punkt, dass sie mühelos dicke Metallplatten schneiden, präzise Löcher bohren oder Oberflächen härten können.
  • Umwelttechnologie (Lidar-Verfahren): Lidar steht für "Light Detection and Ranging". Hierbei schießt man kurze Laserpulse in den Himmel. Staub- und Gasmoleküle in der Luft werfen einen Teil des Lichts zurück (Rückstreuung). Forscher fangen dieses Licht auf und können so genau berechnen, welche Schadstoffe in welcher Konzentration in der Atmosphäre schweben.
  • Medizin (Ophthalmologie & Haut): In der Augenheilkunde sind Laser unverzichtbar. Sie können eine abgelöste Netzhaut durch winzige, gezielte Verbrennungen wieder am Augapfel "festschweißen". Außerdem können sie die Hornhaut millimetergenau abtragen, um Kurzsichtigkeit oder Hornhautverkrümmungen zu heilen. Auch in der Hautmedizin werden Laser genutzt, um Farbpigmente von Tätowierungen unter der Haut zu zertrümmern, sodass der Körper sie abbauen kann.

Aufgabentyp 3: Energie- und Photonenberechnungen für Laserpulse

Viele Laser leuchten nicht dauerhaft, sondern feuern extrem kurze, aber heftige Lichtblitze ab – sogenannte Laserpulse.

Um zu verstehen, was in so einem Puls steckt, betrachten wir zwei Ebenen:

  1. Die makroskopische Ebene (Gesamtenergie): Wenn wir die durchschnittliche Leistung (PP) des Lasers und die Dauer des Pulses (tt) kennen, können wir die gesamte transportierte Energie berechnen. Die Formel lautet: Egesamt=Pt\textcolor{#08BFFF}{E_{gesamt}} = P \cdot t.
  2. Die mikroskopische Ebene (Photonen): Dieser gesamte Energiepuls besteht aus unzähligen winzigen Lichtteilchen, den Photonen. Jedes Photon trägt eine winzige Portion Energie (EPhoton\textcolor{#9570FF}{E_{Photon}}), die von der Wellenlänge abhängt.

Wenn du wissen willst, wie viele Photonen (NN) in einem Puls stecken, kannst du dir das wie einen Eimer Wasser vorstellen: Wenn du weißt, wie viel Wasser insgesamt im Eimer ist (Egesamt\textcolor{#08BFFF}{E_{gesamt}}) und wie groß ein einzelner Wassertropfen ist (EPhoton\textcolor{#9570FF}{E_{Photon}}), musst du nur die Gesamtmenge durch die Tropfengröße teilen.

Die Formel lautet also: N=EgesamtEPhotonN = \frac{\textcolor{#08BFFF}{E_{gesamt}}}{\textcolor{#9570FF}{E_{Photon}}}

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Gesamtenergie des Pulses berechnen: Wandle die Leistung in Watt (W\text{W}) und die Zeit in Sekunden (s\text{s}) um. Berechne dann die Gesamtenergie mit der Formel Egesamt=Pt\textcolor{#08BFFF}{E_{gesamt}} = P \cdot t.
  2. Energie eines einzelnen Photons berechnen: Wandle die Wellenlänge in Meter (m\text{m}) um. Nutze die Formel EPhoton=hcλ\textcolor{#9570FF}{E_{Photon}} = \frac{h \cdot c}{\lambda}. (Du benötigst das Plancksche Wirkungsquantum h=6.6261034 Jsh = 6.626 \cdot 10^{-34} \text{ Js} und die Lichtgeschwindigkeit c=3108 m/sc = 3 \cdot 10^8 \text{ m/s}).
  3. Anzahl der Photonen berechnen: Teile die Gesamtenergie durch die Energie eines einzelnen Photons: N=EgesamtEPhotonN = \frac{\textcolor{#08BFFF}{E_{gesamt}}}{\textcolor{#9570FF}{E_{Photon}}}.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 0

Aufgabe

Ein von einem Rubinlaser emittierter Impuls hat eine Wellenlänge von λ=604 nm\lambda = 604 \text{ nm}. Der Impuls hat eine durchschnittliche Leistung von 10 MW10 \text{ MW} und eine Dauer von 12 ns12 \text{ ns}.

a) Berechne die im Laserimpuls transportierte Gesamtenergie. b) Schätze die Anzahl der Photonen in diesem Impuls ab.

(Nutze h=6.6261034 Jsh = 6.626 \cdot 10^{-34} \text{ Js} und c=3108 m/sc = 3 \cdot 10^8 \text{ m/s})

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Gesamtenergie des Pulses berechnen

    Gegeben: Leistung P=10 MW=10106 WP = 10 \text{ MW} = 10 \cdot 10^6 \text{ W} Zeit t=12 ns=12109 st = 12 \text{ ns} = 12 \cdot 10^{-9} \text{ s}

    Wir setzen die Werte in die Formel ein: Egesamt=Pt\textcolor{#08BFFF}{E_{gesamt}} = P \cdot t Egesamt=10106 W12109 s\textcolor{#08BFFF}{E_{gesamt}} = 10 \cdot 10^6 \text{ W} \cdot 12 \cdot 10^{-9} \text{ s} Egesamt=120103 J=0.12 J\textcolor{#08BFFF}{E_{gesamt}} = 120 \cdot 10^{-3} \text{ J} = \textcolor{#08BFFF}{0.12 \text{ J}}

  2. Schritt 2
    Energie eines einzelnen Photons berechnen

    Gegeben: Wellenlänge λ=604 nm=604109 m\lambda = 604 \text{ nm} = 604 \cdot 10^{-9} \text{ m}

    Wir setzen die Werte in die Photonen-Formel ein: EPhoton=hcλ\textcolor{#9570FF}{E_{Photon}} = \frac{h \cdot c}{\lambda} EPhoton=6.6261034 Js3108 m/s604109 m\textcolor{#9570FF}{E_{Photon}} = \frac{6.626 \cdot 10^{-34} \text{ Js} \cdot 3 \cdot 10^8 \text{ m/s}}{604 \cdot 10^{-9} \text{ m}} EPhoton=19.8781026 Jm604109 m\textcolor{#9570FF}{E_{Photon}} = \frac{19.878 \cdot 10^{-26} \text{ Jm}}{604 \cdot 10^{-9} \text{ m}} EPhoton3.291019 J\textcolor{#9570FF}{E_{Photon}} \approx \textcolor{#9570FF}{3.29 \cdot 10^{-19} \text{ J}}

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Anzahl der Photonen berechnen

    Nun teilen wir die Gesamtenergie durch die Energie eines einzelnen Photons: N=EgesamtEPhotonN = \frac{\textcolor{#08BFFF}{E_{gesamt}}}{\textcolor{#9570FF}{E_{Photon}}} N=0.12 J3.291019 JN = \frac{\textcolor{#08BFFF}{0.12 \text{ J}}}{\textcolor{#9570FF}{3.29 \cdot 10^{-19} \text{ J}}} N3.651017N \approx 3.65 \cdot 10^{17}

Ergebnis:

a) Die im Laserimpuls transportierte Gesamtenergie beträgt 0.12 J\textcolor{#08BFFF}{0.12 \text{ J}}. b) In diesem Impuls sind etwa 3.6510173.65 \cdot 10^{17} Photonen enthalten. Reality Check: Die Energie von 0.12 J0.12 \text{ J} klingt klein, wird aber in extrem kurzer Zeit (12 ns12 \text{ ns}) freigesetzt, was die enorme Leistung von 10 MW10 \text{ MW} erklärt. Die Anzahl der Photonen ist gigantisch groß (eine Zahl mit 17 Nullen), was physikalisch absolut Sinn macht, da einzelne Photonen winzige Energiemengen tragen.

Quiz zu Lasersysteme, Anwendungen und Berechnungen: Teste dein Wissen

Löse eine kostenlose Quizfrage zu Lasersysteme, Anwendungen und Berechnungen und prüfe, ob du die wichtigsten Schritte verstanden hast.

Quizfrage 1 zu Lasersysteme, Anwendungen und Berechnungen

Was ist die Grundvoraussetzung für jeden Laser, die als Besetzungsinversion bezeichnet wird?

Quizfrage 2 zu Lasersysteme, Anwendungen und Berechnungen

Nur mit Account

Welche Funktion erfüllt das Helium im Helium-Neon-Laser?

Quizfrage 2 zu Lasersysteme, Anwendungen und Berechnungen ist nur mit einem kostenlosen Account verfügbar.

Übungsaufgabe zu Lasersysteme, Anwendungen und Berechnungen

Nur mit Account
Kostenlos freischalten Die Übungsaufgabe zu Lasersysteme, Anwendungen und Berechnungen ist nur mit einem kostenlosen Account verfügbar.

Wichtige Erkenntnisse

  • Helium-Neon-Laser: Helium wird durch Elektronen angeregt und überträgt diese Energie durch Stöße auf Neon. Das Neon erzeugt dann durch stimulierte Emission das rote Laserlicht.
  • Vielseitigkeit: Laser werden zum Schneiden von Metall, zur Schadstoffmessung in der Luft (Lidar) und für präzise medizinische Eingriffe (z.B. Augen-OPs) genutzt.
  • Photonen zählen: Um die Anzahl der Photonen in einem Laserpuls zu finden, berechnet man zuerst die Gesamtenergie (Egesamt=Pt\textcolor{#08BFFF}{E_{gesamt}} = P \cdot t) und teilt diese dann durch die Energie eines einzelnen Photons (EPhoton=hcλ\textcolor{#9570FF}{E_{Photon}} = \frac{h \cdot c}{\lambda}).

Stell deine eigene Aufgabe zu „Lasersysteme, Anwendungen und Berechnungen einfach erklärt

Aufgabe eintippen oder fotografieren – der KI-Tutor löst sie Schritt für Schritt und erklärt dir jeden Rechenweg.

Aufgabe lösen lassen

Häufige Fragen

Was sind Lasersysteme und wie funktionieren sie?

Ein Lasersystem erzeugt extrem gebündeltes, einfarbiges Licht. Die Grundlage dafür ist die sogenannte Besetzungsinversion, bei der sich mehr Atome in einem hohen Energieniveau befinden als in einem niedrigeren. Durch stimulierte Emission wird dann ein intensiver Lichtstrahl freigesetzt.

Wo werden Laser im Alltag angewendet?

Laser haben viele praktische Anwendungen. In der Industrie schneiden sie dicke Metallplatten, in der Umwelttechnik messen sie Schadstoffe in der Luft (Lidar-Verfahren) und in der Medizin werden sie für präzise Augenoperationen oder zur Entfernung von Tätowierungen genutzt.

Wie berechnet man die Energie eines Laserpulses?

Die Gesamtenergie eines Laserpulses berechnest du, indem du die Leistung P mit der Dauer des Pulses t multiplizierst. Die Formel lautet: E = P · t. Die Energie eines einzelnen Photons hängt hingegen von der Wellenlänge ab und wird mit E = (h · c) / λ berechnet.

Verwandte Themen

Themen aus demselben Kapitel deines Lehrplans.

Als Nächstes lernen

Passende Themen rund um Lasersysteme, Anwendungen und Berechnungen, die dein Wissen vertiefen.

Weiter lernen

Lasersysteme, Anwendungen und Berechnungen einfach erklärt“ kommt in Physik Klasse 5 dran – im Kapitel Laser. Alle Themen der Klassenstufe: Physik Klasse 5.

Lasersysteme, Anwendungen und Berechnungen einfach erklärt“ kommt in Physik Klasse 6 dran – im Kapitel Laser. Alle Themen der Klassenstufe: Physik Klasse 6.

Lasersysteme, Anwendungen und Berechnungen einfach erklärt“ kommt in Physik Klasse 7 dran – im Kapitel Laser. Alle Themen der Klassenstufe: Physik Klasse 7.

Lasersysteme, Anwendungen und Berechnungen einfach erklärt“ kommt in Physik Klasse 8 dran – im Kapitel Laser. Alle Themen der Klassenstufe: Physik Klasse 8.

Physik nach Klassen:Klasse 5Klasse 6Klasse 7Klasse 8Klasse 9Klasse 10Klasse 11Klasse 12Klasse 13Alle Physik-Themen

4.62 / 5.0 · 100.000+ Schüler verbessern bereits ihre Noten mit uns

Schneller zu besseren Mathe-Noten — starte heute kostenlos.

Kostenlos testen. Keine Kreditkarte. In wenigen Klicks bist du dabei.