Eindimensionaler unendlicher Potenzialtopf einfach erklärt

Lerne alles über das Modell des eindimensionalen unendlichen Potenzialtopfs. Verstehe stehende Wellen, Wahrscheinlichkeitsdichte und Energiequantelung.

📅 Aktualisiert 30. August 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Eindimensionaler unendlicher Potenzialtopf einfach erklärt

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Student thinking

Stell dir vor, du zupfst eine Gitarrensaite. Weil die Saite an beiden Enden fest eingespannt ist, kann sie nicht beliebig schwingen. Sie bildet ganz bestimmte, harmonische Schwingungen – sogenannte stehende Wellen.

Stehende Wellen einer Gitarrensaite
Stehende Wellen einer Gitarrensaite

In der Quantenphysik passiert etwas Erstaunliches, wenn wir ein Elektron in einen winzigen, undurchdringlichen Käfig einsperren: Das Modell des eindimensionalen unendlichen Potenzialtopfs beschreibt genau dieses Phänomen. Da sich Elektronen wie Wellen verhalten, benehmen sie sich genau wie die Gitarrensaite! In diesem Artikel entdecken wir, warum ein eingesperrtes Elektron nur ganz bestimmte Wellenformen annehmen kann und wie du berechnen kannst, wie viel Energie es dabei besitzt.

Vorwissen

  • De-Broglie-Wellenlänge: Bewegte Teilchen (wie Elektronen) haben eine Wellenlänge λ\lambda, die von ihrer Masse mm und Geschwindigkeit vv abhängt.

    Formel: λ=hmv\lambda = \frac{h}{m \cdot v} (wobei hh das Plancksche Wirkungsquantum ist).

    Beispiel: Ein schnelles Elektron hat eine kürzere Wellenlänge als ein langsames Elektron.

  • Kinetische Energie (EkinE_{\text{kin}}): Die Bewegungsenergie eines Objekts.

    Formel: Ekin=12mv2E_{\text{kin}} = \frac{1}{2} \cdot m \cdot v^2

    Beispiel: Ein Auto mit der Masse 1000 kg1000 \text{ kg}, das sich mit 10 m/s10 \text{ m/s} bewegt, hat eine kinetische Energie von 50000 J50000 \text{ J}.

Aufgabentyp 1: Energieniveaus im Potenzialtopf berechnen

Wir betrachten ein Modell, das eindimensionaler unendlicher Potenzialtopf genannt wird. Stell dir eine winzige Strecke der Länge aa vor. An den Rändern (x=0x=0 und x=ax=a) gibt es unendlich hohe Wände. Das bedeutet: Das Elektron kann diese Wände unmöglich durchdringen. Außerhalb des Topfes ist das Elektron niemals zu finden.

Weil das Elektron nicht entkommen kann, wird seine Materiewelle an den Wänden reflektiert. Es überlagern sich hin- und rücklaufende Wellen, und es entstehen stehende Wellen. Genau wie bei der Gitarrensaite passen nur bestimmte Wellen in den Topf: Es muss immer ein ganzzahliges Vielfaches der halben Wellenlänge hineinpassen.

Die erlaubten Wellenlängen berechnen sich so:

λn=2an(n=1,2,3,)\lambda_n = \frac{2 \cdot a}{n} \quad (n = 1, 2, 3, \dots)

Die Wellenfunktion und die Wahrscheinlichkeit

In der Quantenphysik beschreiben wir diese stehende Welle mit einer mathematischen Funktion, der Wellenfunktion ψ\psi (griechischer Buchstabe Psi). Außerhalb des Topfes ist ψ=0\psi = 0. Innerhalb des Topfes sieht sie aus wie eine Sinuswelle.

Aber was bedeutet diese Welle physikalisch? Die Welle selbst sagt uns noch nicht, wo das Elektron ist. Erst wenn wir die Wellenfunktion quadrieren (ψ2|\psi|^2), erhalten wir die Aufenthaltswahrscheinlichkeitsdichte. Sie verrät uns, wie wahrscheinlich es ist, das Elektron an einem bestimmten Ort zu finden.

Wahrscheinlichkeitsdichte im eindimensionalen Potenzialtopf
Wahrscheinlichkeitsdichte im eindimensionalen Potenzialtopf

Wenn du dir den Zustand n=2n=2 ansiehst, fällt etwas Verrücktes auf: In der Mitte der Box ist die Wahrscheinlichkeit exakt null! Solche Stellen nennt man Knotenpunkte. Das Elektron kann sich links oder rechts aufhalten, aber niemals genau in der Mitte.

Quantisierung der Energie im Potenzialtopf

Da das Elektron im Topf keine potenzielle Energie besitzt (es gibt keine Kräfte im Inneren), besteht seine gesamte Energie nur aus seiner kinetischen Energie (Bewegungsenergie).

Klassisch gilt: E=12mv2E = \frac{1}{2} \cdot m \cdot v^2

Wir wissen aus der De-Broglie-Gleichung, dass die Geschwindigkeit vv mit der Wellenlänge zusammenhängt: v=hmλv = \frac{h}{m \cdot \lambda}. Wenn wir das in die Energieformel einsetzen, erhalten wir:

E=12m(hmλ)2=h22mλ2E = \frac{1}{2} \cdot m \cdot \left(\frac{h}{m \cdot \lambda}\right)^2 = \frac{h^2}{2 \cdot m \cdot \lambda^2}

Jetzt kommt der entscheidende Schritt: Wir haben gelernt, dass nur ganz bestimmte Wellenlängen in den Topf passen (λn=2an\lambda_n = \frac{2 \cdot a}{n}). Wenn wir das für λ\lambda einsetzen, erhalten wir die Formel für die Energieniveaus:

En=h22m(2an)2=h28ma2n2\textcolor{#9570FF}{E_n} = \frac{h^2}{2 \cdot m \cdot \left(\frac{2 \cdot a}{n}\right)^2} = \textcolor{#9570FF}{\frac{h^2}{8 \cdot m \cdot a^2} \cdot n^2}

Weil nn nur ganze Zahlen (1,2,3,1, 2, 3, \dots) annehmen kann, kann das Elektron nicht jede beliebige Energie haben. Die Energie ist gequantelt. Das Elektron kann sich auf dem Energieniveau E1E_1 oder E2E_2 befinden, aber es kann niemals eine Energie dazwischen haben. Es ist wie auf einer Leiter: Du kannst auf der ersten oder zweiten Sprosse stehen, aber nicht in der Luft dazwischen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Gegebene Werte identifizieren: Notiere die Masse des Teilchens mm (für Elektronen meist 9,11031 kg9,1 \cdot 10^{-31} \text{ kg}), die Breite des Topfes aa (in Metern!) und die Quantenzahl nn.
  2. Werte in die Energieformel einsetzen: Nutze die Formel: En=h28ma2n2E_n = \frac{h^2}{8 \cdot m \cdot a^2} \cdot n^2. Setze das Plancksche Wirkungsquantum h=6,631034 J sh = 6,63 \cdot 10^{-34} \text{ J s} ein und berechne das Ergebnis. Das Ergebnis hat die Einheit Joule (J\text{J}).
  3. In Elektronenvolt (eV) umrechnen (falls gefordert): In der Quantenphysik sind Energien in Joule extrem klein. Daher nutzt man oft Elektronenvolt (eV\text{eV}). Teile dein Ergebnis in Joule durch die Elementarladung e=1,6021019 J/eVe = 1,602 \cdot 10^{-19} \text{ J/eV}.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Berechne die Energie des Niveaus n=2n=2 für ein Elektron (m=9,11031 kgm = 9,1 \cdot 10^{-31} \text{ kg}) in einem eindimensionalen unendlichen Potenzialtopf der Breite a=2 nma = 2 \text{ nm}. Gib das Ergebnis in Joule und in Elektronenvolt (eV) an. Verwende h=6,631034 J sh = 6,63 \cdot 10^{-34} \text{ J s}.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Gegebene Werte identifizieren

    Gegeben:

    • Masse m=9,11031 kgm = 9,1 \cdot 10^{-31} \text{ kg}
    • Breite a=2 nm=2109 ma = 2 \text{ nm} = 2 \cdot 10^{-9} \text{ m} (Wichtig: Umrechnung in Meter!)
    • Quantenzahl n=2n = 2
    • Plancksches Wirkungsquantum h=6,631034 J sh = 6,63 \cdot 10^{-34} \text{ J s}

    Gesucht: Energie E2E_2 in J\text{J} und eV\text{eV}.

  2. Schritt 2
    Werte in die Energieformel einsetzen

    Wir nutzen die Formel: En=h28ma2n2\textcolor{#9570FF}{E_n} = \frac{h^2}{8 \cdot m \cdot a^2} \cdot n^2

    Wir setzen die Werte für n=2n=2 ein: E2=(6,631034 J s)289,11031 kg(2109 m)222\textcolor{#9570FF}{E_2} = \frac{(6,63 \cdot 10^{-34} \text{ J s})^2}{8 \cdot 9,1 \cdot 10^{-31} \text{ kg} \cdot (2 \cdot 10^{-9} \text{ m})^2} \cdot 2^2

    Zuerst berechnen wir die Quadrate: E2=43,961068 J2 s289,11031 kg41018 m24\textcolor{#9570FF}{E_2} = \frac{43,96 \cdot 10^{-68} \text{ J}^2 \text{ s}^2}{8 \cdot 9,1 \cdot 10^{-31} \text{ kg} \cdot 4 \cdot 10^{-18} \text{ m}^2} \cdot 4

    Nun fassen wir den Nenner zusammen (89,14=291,28 \cdot 9,1 \cdot 4 = 291,2 und 10311018=104910^{-31} \cdot 10^{-18} = 10^{-49}): E2=43,961068291,210494 J\textcolor{#9570FF}{E_2} = \frac{43,96 \cdot 10^{-68}}{291,2 \cdot 10^{-49}} \cdot 4 \text{ J}

    E20,15110194 J\textcolor{#9570FF}{E_2} \approx 0,151 \cdot 10^{-19} \cdot 4 \text{ J}

    E20,6041019 J\textcolor{#9570FF}{E_2} \approx \textcolor{#9570FF}{0,604 \cdot 10^{-19} \text{ J}}

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    In Elektronenvolt (eV) umrechnen

    Um von Joule in eV umzurechnen, teilen wir durch 1,6021019 J/eV1,602 \cdot 10^{-19} \text{ J/eV}: E2 in eV=0,6041019 J1,6021019 J/eV\textcolor{#9570FF}{E_2 \text{ in eV}} = \frac{0,604 \cdot 10^{-19} \text{ J}}{1,602 \cdot 10^{-19} \text{ J/eV}}

    E2 in eV0,377 eV\textcolor{#9570FF}{E_2 \text{ in eV}} \approx \textcolor{#9570FF}{0,377 \text{ eV}}

Ergebnis:

Die Energie des Elektrons im Niveau n=2n=2 beträgt 0,6041019 J\textcolor{#9570FF}{0,604 \cdot 10^{-19} \text{ J}}, was etwa 0,38 eV\textcolor{#9570FF}{0,38 \text{ eV}} entspricht. (Realitätscheck: Energien von Elektronen in Nanometer-großen Töpfen liegen typischerweise im Bereich von wenigen Elektronenvolt. Das Ergebnis von 0,38 eV0,38 \text{ eV} ist physikalisch absolut sinnvoll.)

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Wichtige Erkenntnisse

  • Ein Elektron in einem unendlichen Potenzialtopf bildet stehende Materiewellen.
  • Das Quadrat der Wellenfunktion (ψ2|\psi|^2) gibt die Aufenthaltswahrscheinlichkeit an. An den Knotenpunkten der Welle ist die Wahrscheinlichkeit, das Elektron zu finden, gleich null.
  • Weil nur bestimmte Wellenlängen in den Topf passen, ist die Energie des Elektrons gequantelt. Es kann nur bestimmte, diskrete Energiewerte annehmen: En=h28ma2n2\textcolor{#9570FF}{E_n} = \textcolor{#9570FF}{\frac{h^2}{8 \cdot m \cdot a^2} \cdot n^2}.

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Häufige Fragen

Was ist der eindimensionale unendliche Potenzialtopf?

Der eindimensionale unendliche Potenzialtopf ist ein Modell der Quantenphysik. Es beschreibt ein Teilchen, wie ein Elektron, das in einem winzigen Bereich eingesperrt ist. An den Rändern gibt es unendlich hohe Wände, die das Teilchen nicht durchdringen kann. Dadurch verhält es sich wie eine stehende Welle.

Warum ist die Energie im Potenzialtopf gequantelt?

Weil das Elektron im Topf als Welle beschrieben wird, passen nur ganz bestimmte stehende Wellen hinein – ähnlich wie bei einer eingespannten Gitarrensaite. Jede dieser erlaubten Wellenlängen entspricht einem bestimmten Energiezustand. Energien zwischen diesen Zuständen sind nicht möglich, weshalb die Energie gequantelt ist.

Was sagt die Wellenfunktion über das Elektron aus?

Die Wellenfunktion selbst beschreibt den Zustand des Elektrons. Quadriert man sie, erhält man die Aufenthaltswahrscheinlichkeitsdichte. Diese gibt an, wie wahrscheinlich es ist, das Elektron an einem bestimmten Ort im Topf zu finden. An sogenannten Knotenpunkten ist diese Wahrscheinlichkeit exakt null.

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