Instrumentelle Titrationsverfahren einfach erklärt

Lerne, wie instrumentelle Titrationsverfahren funktionieren. Berechne Konzentrationen mit potentiometrischer und konduktometrischer Titration Schritt für Schritt.

📅 Aktualisiert 1. September 20265 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Instrumentelle Titrationsverfahren einfach erklärt

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Student thinking

Um die genaue Menge an Säure in Alltagsprodukten zu bestimmen, nutzen Chemiker instrumentelle Titrationsverfahren. Hast du dich jemals gefragt, wie viel Säure wirklich in deiner Cola oder in der Essigessenz aus der Küche steckt? Schmecken allein reicht im Labor natürlich nicht aus!

Laborgeräte für Titration
Laborgeräte für Titration

Anstatt sich auf Farbwechsel zu verlassen, verwenden wir digitale Messgeräte, die uns exakte Daten liefern. In dieser Lektion lernst du, wie man mit Hilfe von pH-Werten und elektrischem Strom den Säuregehalt misst, Graphen richtig liest und die Konzentration Schritt für Schritt berechnet.

Vorwissen

  • Neutralisation: Eine Säure und eine Base reagieren zu Wasser und einem Salz.
    • Beispiel: HCl+NaOHNaCl+H2O\text{HCl} + \text{NaOH} \to \text{NaCl} + \text{H}_2\text{O}
  • Äquivalenzpunkt: Der Moment in der Titration, an dem die zugegebene Base die vorhandene Säure exakt und vollständig neutralisiert hat.
    • Beispiel: Wenn du 1 mol1 \text{ mol} Säure hast, ist der Äquivalenzpunkt erreicht, sobald du genau 1 mol1 \text{ mol} Base hinzugegeben hast.
  • Stoffmenge und Masse:
    • Formel: n=cVn = c \cdot V (Stoffmenge = Konzentration mal Volumen)
    • Formel: m=nMm = n \cdot M (Masse = Stoffmenge mal molare Masse)

Aufgabentyp 1: Potentiometrische Titration von Phosphorsäure

Bei der potentiometrischen Titration messen wir kontinuierlich den pH-Wert einer sauren Lösung, während wir langsam eine Base (die Maßlösung) hinzugeben.

[Alltagsbezug] Cola untersuchen: Cola enthält Phosphorsäure (H3PO4\text{H}_3\text{PO}_4). Wenn wir herausfinden wollen, wie viel davon in der Cola ist, titrieren wir sie mit Natronlauge (NaOH\text{NaOH}).

Es gibt jedoch ein Problem: Cola sprudelt! Sie enthält auch Kohlensäure (H2CO3\text{H}_2\text{CO}_3). Da Kohlensäure ebenfalls eine Säure ist, würde sie mit der Natronlauge reagieren und unser Ergebnis verfälschen. Daher müssen wir die Kohlensäure vor der Titration unbedingt entfernen, zum Beispiel indem wir die Cola kräftig rühren oder in einem Mixer entgasen.

Den Graphen auswerten: Trägt man den gemessenen pH-Wert gegen das zugegebene Volumen der Base auf, erhält man eine S-förmige Kurve.

S-förmige Titrationskurve mit Äquivalenzpunkt
S-förmige Titrationskurve mit Äquivalenzpunkt

Der wichtigste Punkt in diesem Graphen ist der Äquivalenzpunkt. Das ist der Punkt, an dem die Kurve am steilsten ansteigt. Wenn du von diesem Punkt senkrecht nach unten zur x-Achse gehst, kannst du genau ablesen, welches Volumen an Base nötig war, um die Säure zu neutralisieren. Mit diesem Volumen können wir dann die Massenkonzentration (β\beta) berechnen, also wie viel Gramm Säure in einem Liter Lösung stecken.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Volumen ablesen: Lies das Volumen der Base (VV) am Äquivalenzpunkt aus dem Graphen ab und wandle es in Liter (l\text{l}) um.
  2. Stoffmenge der Base berechnen: Berechne die Stoffmenge der zugegebenen Base mit der Formel: n(Base)=c(Base)V(Base)n(\text{Base}) = c(\text{Base}) \cdot V(\text{Base}).
  3. Stoffmenge der Säure bestimmen: Nutze das Reaktionsverhältnis. Bei der Titration bis zum ersten Äquivalenzpunkt reagiert ein Teilchen H3PO4\text{H}_3\text{PO}_4 mit einem Teilchen NaOH\text{NaOH} (Verhältnis 1:1). Also ist n(Sa¨ure)=n(Base)n(\text{Säure}) = n(\text{Base}).
  4. Masse der Säure berechnen: Berechne die Masse der Säure mit der molaren Masse (MM): m(Sa¨ure)=n(Sa¨ure)M(Sa¨ure)m(\text{Säure}) = n(\text{Säure}) \cdot M(\text{Säure}).
  5. Massenkonzentration berechnen: Teile die berechnete Masse durch das ursprüngliche Volumen deiner Cola-Probe (VProbeV_{\text{Probe}} in Liter): β=m(Sa¨ure)VProbe\beta = \frac{m(\text{Säure})}{V_{\text{Probe}}}.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Du hast 100 ml100 \text{ ml} entgaste Cola titriert. Als Maßlösung wurde Natronlauge mit einer Konzentration von c(NaOH)=0,25 mol/lc(\text{NaOH}) = 0,25 \text{ mol/l} verwendet. Aus dem Graphen liest du ab, dass der erste Äquivalenzpunkt bei einem Volumen von 4,0 ml4,0 \text{ ml} Natronlauge erreicht wurde. Berechne die Massenkonzentration β\beta der Phosphorsäure (H3PO4\text{H}_3\text{PO}_4) in der Cola. Die molare Masse von Phosphorsäure beträgt M=98 g/molM = 98 \text{ g/mol}.

Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Volumen ablesen

    Das abgelesene Volumen ist V(NaOH)=4,0 mlV(\text{NaOH}) = 4,0 \text{ ml}. Umgerechnet in Liter sind das 0,004 l0,004 \text{ l}.

  2. Schritt 2
    Stoffmenge der Base berechnen

    n(NaOH)=cVn(\text{NaOH}) = c \cdot V =0,25 mol/l0,004 l= 0,25 \text{ mol/l} \cdot 0,004 \text{ l} =0,001 mol= 0,001 \text{ mol}

  3. Schritt 3
    Stoffmenge der Säure bestimmen

    Da das Verhältnis 1:1 ist, gilt: n(H3PO4)=0,001 moln(\text{H}_3\text{PO}_4) = 0,001 \text{ mol}

  4. Schritt 4
    Masse der Säure berechnen

    m(H3PO4)=nMm(\text{H}_3\text{PO}_4) = n \cdot M =0,001 mol98 g/mol= 0,001 \text{ mol} \cdot 98 \text{ g/mol} =0,098 g= 0,098 \text{ g}

  5. Schritt 5 · Ergebnis
    Massenkonzentration berechnen

    Das Volumen der Cola-Probe war 100 ml100 \text{ ml}, also 0,1 l0,1 \text{ l}. β=0,098 g0,1 l=0,98 g/l\beta = \frac{0,098 \text{ g}}{0,1 \text{ l}} = 0,98 \text{ g/l}

Ergebnis:

Die Massenkonzentration der Phosphorsäure in der Cola beträgt 0,98 g/l0,98 \text{ g/l}.


Aufgabentyp 2: Konduktometrische Titration von Essigsäure

Bei der konduktometrischen Titration messen wir nicht den pH-Wert, sondern die elektrische Stromstärke (II) in der Lösung. Strom wird in Flüssigkeiten durch Ionen (geladene Teilchen) transportiert. Je mehr Ionen da sind und je schneller sie sich bewegen, desto höher ist die Stromstärke.

Warum verändert sich der Strom? Wenn wir Essigsäure mit Natronlauge titrieren, passieren zwei Dinge:

  1. Zu Beginn haben wir schnelle Wasserstoff-Ionen (H+\text{H}^+) in der Lösung. Wenn wir Natronlauge hinzugeben, werden diese schnellen Ionen zu Wasser neutralisiert und durch langsamere Natrium-Ionen ersetzt. Die Stromstärke sinkt.
  2. Sobald die gesamte Säure neutralisiert ist, geben wir mit jedem weiteren Tropfen Natronlauge zusätzliche Hydroxid-Ionen (OH\text{OH}^-) in die Lösung. Da diese nicht mehr neutralisiert werden, sammeln sie sich an und die Stromstärke steigt wieder.
V-förmige Titrationskurve mit Knickpunkt
V-förmige Titrationskurve mit Knickpunkt

Trägt man die Stromstärke gegen das Volumen auf, entsteht ein Graph mit einem deutlichen Minimum oder Knickpunkt. Genau an diesem tiefsten Punkt liegt der Äquivalenzpunkt.

[Alltagsbezug] Essigessenz: Wenn wir Essigessenz untersuchen, wollen wir oft den Massenanteil (ww) wissen (z.B. „25% Säure“). Der Massenanteil gibt an, wie viel Prozent der Gesamtmasse der Lösung aus reiner Säure bestehen. Da wir im Labor meistens ein Volumen (in ml) abmessen, müssen wir dieses Volumen mit Hilfe der Dichte (ρ\rho) in eine Masse umrechnen, bevor wir den Prozentwert berechnen können.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Volumen am Knickpunkt ablesen: Lies das Volumen der Base am tiefsten Punkt des Graphen ab und wandle es in Liter (l\text{l}) um.
  2. Stoffmenge und Masse der Säure berechnen: Berechne n(Base)=cVn(\text{Base}) = c \cdot V. Da das Verhältnis bei Essigsäure und Natronlauge 1:1 ist, gilt n(Sa¨ure)=n(Base)n(\text{Säure}) = n(\text{Base}). Berechne dann die Masse der reinen Säure: m(Sa¨ure)=nMm(\text{Säure}) = n \cdot M.
  3. Gesamtmasse der Lösung berechnen: Nutze das Volumen deiner untersuchten Probe (VProbeV_{\text{Probe}} in ml) und die Dichte (ρ\rho in g/ml), um die Masse der gesamten Flüssigkeit zu berechnen: m(Lo¨sung)=VProbeρm(\text{Lösung}) = V_{\text{Probe}} \cdot \rho
  4. Massenanteil (w) berechnen: Teile die Masse der reinen Säure durch die Gesamtmasse der Lösung und multipliziere mit 100, um den Prozentwert zu erhalten: w=m(Sa¨ure)m(Lo¨sung)100%w = \frac{m(\text{Säure})}{m(\text{Lösung})} \cdot 100\%

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 2

Aufgabe

Du untersuchst 10 ml10 \text{ ml} handelsübliche Essigessenz. Die Dichte der Essigessenz beträgt ρ=1,03 g/ml\rho = 1,03 \text{ g/ml}. Du titrierst mit Natronlauge (c=1 mol/lc = 1 \text{ mol/l}). Im Leitfähigkeitsdiagramm liegt der Knickpunkt bei einem Volumen von 42 ml42 \text{ ml} Natronlauge. Berechne den Massenanteil (ww) der Essigsäure (CH3COOH\text{CH}_3\text{COOH}) in Prozent. Die molare Masse von Essigsäure ist M=60 g/molM = 60 \text{ g/mol}.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Volumen am Knickpunkt ablesen

    Das Volumen der Base ist V=42 ml=0,042 lV = 42 \text{ ml} = 0,042 \text{ l}.

  2. Schritt 2
    Stoffmenge und Masse der Säure berechnen

    Stoffmenge der Base: n(NaOH)=1 mol/l0,042 l=0,042 moln(\text{NaOH}) = 1 \text{ mol/l} \cdot 0,042 \text{ l} = 0,042 \text{ mol}

    Stoffmenge der Säure (1:1 Verhältnis): n(CH3COOH)=0,042 moln(\text{CH}_3\text{COOH}) = 0,042 \text{ mol}

    Masse der reinen Säure: m(Sa¨ure)=0,042 mol60 g/mol=2,52 gm(\text{Säure}) = 0,042 \text{ mol} \cdot 60 \text{ g/mol} = 2,52 \text{ g}

  3. Schritt 3
    Gesamtmasse der Lösung berechnen

    m(Lo¨sung)=VProbeρm(\text{Lösung}) = V_{\text{Probe}} \cdot \rho =10 ml1,03 g/ml= 10 \text{ ml} \cdot 1,03 \text{ g/ml} =10,3 g= 10,3 \text{ g}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Massenanteil (w) berechnen

    w=2,52 g10,3 g100%w = \frac{2,52 \text{ g}}{10,3 \text{ g}} \cdot 100\% w24,47%w \approx 24,47\%

Ergebnis:

Der Massenanteil der Essigsäure in der Essigessenz beträgt rund 24,5%24,5\%.


Wichtige Erkenntnisse

  • Potentiometrie (pH-Wert): Der Äquivalenzpunkt liegt am steilsten Punkt der S-förmigen Kurve.
  • Störfaktoren: Flüchtige Säuren wie Kohlensäure müssen vor der Titration entfernt werden, da sie das Ergebnis verfälschen.
  • Konduktometrie (Stromstärke): Der Äquivalenzpunkt liegt am Minimum (Knickpunkt) der V-förmigen Kurve, weil schnelle Ionen durch langsame ersetzt werden.
  • Massenanteil: Um den prozentualen Massenanteil (ww) zu berechnen, muss das Volumen der Probe mithilfe der Dichte (ρ\rho) in die Gesamtmasse umgerechnet werden.

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Häufige Fragen

Was sind instrumentelle Titrationsverfahren?

Instrumentelle Titrationsverfahren sind Analysemethoden in der Chemie, bei denen der Endpunkt einer Titration nicht durch einen Farbumschlag, sondern durch digitale Messgeräte bestimmt wird. Dazu gehören die Messung des pH-Werts (Potentiometrie) oder der elektrischen Leitfähigkeit (Konduktometrie).

Wie unterscheidet sich die potentiometrische von der konduktometrischen Titration?

Bei der potentiometrischen Titration misst du kontinuierlich den pH-Wert der Lösung, wodurch eine S-förmige Kurve entsteht. Bei der konduktometrischen Titration wird hingegen die elektrische Stromstärke gemessen, was zu einer V-förmigen Kurve mit einem deutlichen Knickpunkt am Äquivalenzpunkt führt.

Wie liest man den Äquivalenzpunkt aus einer Titrationskurve ab?

Das hängt vom Verfahren ab: Bei einer pH-Kurve (Potentiometrie) liegt der Äquivalenzpunkt am steilsten Punkt der S-Kurve. Bei einer Leitfähigkeitskurve (Konduktometrie) findest du ihn am tiefsten Punkt, dem sogenannten Knickpunkt der V-Kurve.

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