Industrielle Anwendungen von Wasserstoff einfach erklärt

Erfahre, wie Wasserstoff als Energieträger in der Industrie genutzt wird. Lerne den Unterschied zwischen Heizwert und Brennwert und die Direktreduktion kennen.

📅 Aktualisiert 2. September 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Industrielle Anwendungen von Wasserstoff einfach erklärt

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Wusstest du, dass die traditionelle Stahlherstellung für fast 7 % der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich ist? Stell dir vor, wir könnten riesige Mengen Stahl herstellen und als einziges „Abgas“ entstünde reines Wasser!

Stahlwerk mit Wasserstoff
Stahlwerk mit Wasserstoff

Genau das ist mit Wasserstoff möglich. In diesem Artikel schauen wir uns an, warum industrielle Anwendungen von Wasserstoff so wichtig sind, wie er als mächtiger Energieträger fungiert und wie er in der Industrie genutzt wird, um die schmutzige Kohle zu ersetzen und unseren Planeten zu schützen.

Vorwissen

  • Exotherme Reaktionen: Chemische Reaktionen, bei denen Energie (meist als Wärme) an die Umgebung abgegeben wird. Die Reaktionsenthalpie (ΔrH\Delta_r H^\circ) hat dabei ein negatives Vorzeichen. Beispiel: Beim Verbrennen von Holz wird Wärme frei (ΔrH<0\Delta_r H^\circ < 0).
  • Reduktion: Eine chemische Reaktion, bei der ein Stoff Sauerstoff abgibt (oder Elektronen aufnimmt). Beispiel: Wenn Eisenoxid seinen Sauerstoff verliert, wird es zu reinem Eisen reduziert.

Aufgabentyp 1: Energetik von Wasserstoff als Energieträger

Wasserstoff ist ein hervorragender Energieträger, der in Verbrennungsmotoren oder Brennstoffzellen genutzt werden kann. Wenn Wasserstoff verbrennt, reagiert er mit Sauerstoff zu Wasser. Diese Reaktion ist stark exotherm, das heißt, sie setzt sehr viel Energie frei.

Die Reaktionsgleichung lautet:

2 H2(g)+O2(g)2 H2O2 \text{ H}_2(g) + \text{O}_2(g) \to 2 \text{ H}_2\text{O}

Hierbei müssen wir zwei wichtige Begriffe unterscheiden: den Heizwert (HiH_i) und den Brennwert (HsH_s). Beide geben als positiven Wert an, wie viel Energie nutzbar wird. Der Unterschied liegt im Aggregatzustand des entstehenden Wassers.

  • Heizwert (HiH_i): Bei der Verbrennung entsteht zunächst sehr heißer, gasförmiger Wasserdampf. Wenn dieser Dampf einfach als Abgas entweicht, erhalten wir den Heizwert. Die Standardreaktionsenthalpie beträgt hierbei ΔrH=484 kJ\Delta_r H^\circ = -484 \text{ kJ}. Der Heizwert ist der positive Betrag davon: Hi=484 kJH_i = 484 \text{ kJ}.
  • Brennwert (HsH_s): Wenn wir das Abgas abkühlen, kondensiert der Wasserdampf zu flüssigem Wasser. Bei dieser Kondensation wird zusätzliche Wärme freigesetzt (die sogenannte Kondensationswärme). Die gesamte nutzbare Energie ist nun größer. Die Enthalpie sinkt weiter auf ΔrH=572 kJ\Delta_r H^\circ = -572 \text{ kJ}. Der Brennwert ist also höher: Hs=572 kJH_s = 572 \text{ kJ}.
Enthalpiediagramm Heizwert Brennwert
Enthalpiediagramm Heizwert Brennwert

Merke dir die einfache Regel: Der Brennwert ist immer größer als der Heizwert (Hs>HiH_s > H_i), weil die zusätzliche Energie aus der Kondensation des Wassers mitgenutzt wird.

Aufgabentyp 2: Direkte Reduktion von Eisenoxid mit Wasserstoff

Die traditionelle Stahlherstellung im Hochofen ist ein großes Problem für das Klima. Dort wird Kohlenstoff (Koks) genutzt, um dem Eisenoxid (dem Eisenerz) den Sauerstoff zu entziehen. Dabei entsteht massenhaft das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2\text{CO}_2).

Die moderne Lösung heißt Direktreduktion mit grünem Wasserstoff. Hierbei übernimmt der Wasserstoff die Rolle des kohlenstofffreien Reduktionsmittels. Er „klaut“ dem Eisenoxid den Sauerstoff. Das Geniale daran: Anstelle von CO2\text{CO}_2 entsteht als Abgas nur reines Wasser!

Die Reaktionsgleichung lautet:

Fe2O3+3H22 Fe+3H2O\text{Fe}_2\textcolor{#53E5D6}{\text{O}_3} + 3 \textcolor{#08BFFF}{\text{H}_2} \to 2 \text{ Fe} + 3 \textcolor{#08BFFF}{\text{H}_2}\textcolor{#53E5D6}{\text{O}}

Praxisbezug: Dieser Prozess findet in einer speziellen Direktreduktionsanlage statt. Da die Temperaturen hier niedriger sind als im klassischen Hochofen, schmilzt das Eisen nicht. Es bleibt fest und bildet eine poröse, schwammartige Struktur – den sogenannten Eisenschwamm.

Eisenschwamm aus der Direktreduktion
Eisenschwamm aus der Direktreduktion

Um aus diesem Eisenschwamm flüssigen Stahl zu machen, wird er anschließend in einem Elektro-Schmelzofen (Lichtbogenofen) eingeschmolzen. Wenn sowohl für die Herstellung des Wasserstoffs als auch für den Schmelzofen Strom aus erneuerbaren Energien genutzt wird, ist der gesamte Prozess komplett CO2\text{CO}_2-frei.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Wenn du in einer Prüfung die Gleichung für die Reduktion von Eisenoxid aufstellen musst, gehe systematisch vor:

  1. Edukte und Produkte notieren: Schreibe das Eisenoxid und den Wasserstoff auf die linke Seite. Auf die rechte Seite kommen reines Eisen und Wasser.
  2. Sauerstoffatome ausgleichen: Zähle die Sauerstoffatome im Eisenoxid. Setze genau diese Zahl als Faktor vor das Wasser (H2O\text{H}_2\text{O}) auf der rechten Seite.
  3. Wasserstoff- und Eisenatome ausgleichen: Zähle nun die Wasserstoffatome im Wasser auf der rechten Seite und gleiche sie auf der linken Seite beim H2\text{H}_2 an. Gleiche zum Schluss die Eisenatome (Fe\text{Fe}) ab.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Bei der Verbrennung von Wasserstoff entsteht Wasser. Berechne die Kondensationswärme, die freigesetzt wird, wenn 2 Mol gasförmiges Wasser zu flüssigem Wasser kondensieren. Nutze die Werte: Heizwert Hi=484 kJH_i = 484 \text{ kJ} und Brennwert Hs=572 kJH_s = 572 \text{ kJ}.

Fortschritt
2 / 2
  1. Schritt 1
    Werte zuordnen

    Der Heizwert (HiH_i) beschreibt die Energie bei gasförmigem Wasser. Der Brennwert (HsH_s) beschreibt die Energie bei flüssigem Wasser.

  2. Schritt 2 · Ergebnis
    Differenz berechnen

    Die Kondensationswärme ist genau die Differenz zwischen dem Brennwert und dem Heizwert:

    Kondensationswa¨rme=HsHi\text{Kondensationswärme} = H_s - H_i

    Kondensationswa¨rme=572 kJ484 kJ\text{Kondensationswärme} = 572 \text{ kJ} - 484 \text{ kJ}

    Kondensationswa¨rme=88 kJ\text{Kondensationswärme} = 88 \text{ kJ}

Ergebnis:

Es werden also 88 kJ88 \text{ kJ} zusätzliche Energie durch die Kondensation freigesetzt.

Quiz zu Industrielle Anwendungen von Wasserstoff: Teste dein Wissen

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Quizfrage 1 zu Industrielle Anwendungen von Wasserstoff

Was gilt für die Reaktionsenthalpie (ΔrH\Delta_r H^\circ) bei einer exothermen Reaktion?

Quizfrage 2 zu Industrielle Anwendungen von Wasserstoff

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Welcher Stoff entsteht als Abgas bei der Direktreduktion von Eisenoxid mit Wasserstoff anstelle des klimaschädlichen Treibhausgases?

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Übungsaufgabe zu Industrielle Anwendungen von Wasserstoff

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Beispiel 2

Aufgabe

Formuliere die ausgeglichene Reaktionsgleichung für die Direktreduktion von Eisen(III)-oxid (Fe2O3\text{Fe}_2\text{O}_3) mit Wasserstoff.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Edukte und Produkte notieren

    Wir starten mit dem unfertigen Gerüst:

    Fe2O3+H2Fe+H2O\text{Fe}_2\text{O}_3 + \text{H}_2 \to \text{Fe} + \text{H}_2\text{O}

  2. Schritt 2
    Sauerstoffatome ausgleichen

    Links haben wir 3 Sauerstoffatome (in Fe2O3\text{Fe}_2\text{O}_3). Wir brauchen also rechts 3 Wassermoleküle:

    Fe2O3+H2Fe+3 H2O\text{Fe}_2\text{O}_3 + \text{H}_2 \to \text{Fe} + 3 \text{ H}_2\text{O}

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Wasserstoff- und Eisenatome ausgleichen

    Rechts haben wir nun 3×2=63 \times 2 = 6 Wasserstoffatome. Also brauchen wir links 3 H23 \text{ H}_2. Links haben wir 2 Eisenatome, also brauchen wir rechts 2 Fe2 \text{ Fe}. Die fertige Gleichung lautet:

    Fe2O3+3 H22 Fe+3 H2O\text{Fe}_2\text{O}_3 + 3 \text{ H}_2 \to 2 \text{ Fe} + 3 \text{ H}_2\text{O}

Ergebnis:

Die fertige Gleichung lautet Fe2O3+3 H22 Fe+3 H2O\text{Fe}_2\text{O}_3 + 3 \text{ H}_2 \to 2 \text{ Fe} + 3 \text{ H}_2\text{O}.

Wichtige Erkenntnisse

  • Brennwert vs. Heizwert: Der Brennwert (HsH_s) ist immer größer als der Heizwert (HiH_i), da er die zusätzliche Kondensationswärme des flüssigen Wassers beinhaltet.
  • Direktreduktion: Wasserstoff ersetzt Kohlenstoff als Reduktionsmittel in der Stahlproduktion. Es entsteht Wasser statt CO2\text{CO}_2.
  • Eisenschwamm: Da die Direktreduktion bei niedrigeren Temperaturen abläuft, schmilzt das Eisen nicht, sondern bildet einen porösen Eisenschwamm, der später mit Ökostrom geschmolzen wird.

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Häufige Fragen

Was sind industrielle Anwendungen von Wasserstoff?

Zu den wichtigsten industriellen Anwendungen von Wasserstoff gehört die Nutzung als sauberer Energieträger und als Reduktionsmittel. Besonders in der Stahlindustrie kann grüner Wasserstoff die klimaschädliche Kohle ersetzen, sodass als Abgas nur reines Wasser statt Kohlenstoffdioxid entsteht.

Was ist der Unterschied zwischen Heizwert und Brennwert bei Wasserstoff?

Der Heizwert gibt die nutzbare Energie an, wenn das bei der Verbrennung entstehende Wasser als gasförmiger Dampf entweicht. Beim Brennwert wird das Abgas abgekühlt, sodass der Wasserdampf kondensiert. Die dabei frei werdende Kondensationswärme wird mitgenutzt, weshalb der Brennwert immer größer ist als der Heizwert.

Wie funktioniert die Direktreduktion von Eisenoxid mit Wasserstoff?

Bei der Direktreduktion wird Wasserstoff genutzt, um dem Eisenoxid (Eisenerz) den Sauerstoff zu entziehen. Der Wasserstoff reagiert mit dem Sauerstoff zu Wasser, während das Eisenoxid zu reinem Eisen reduziert wird. Dieser Prozess ist mit grünem Wasserstoff komplett CO₂-frei.

Was ist Eisenschwamm und wie wird er weiterverarbeitet?

Eisenschwamm entsteht bei der Direktreduktion von Eisenerz mit Wasserstoff. Da die Temperaturen in der Direktreduktionsanlage niedriger sind als in einem klassischen Hochofen, schmilzt das Eisen nicht. Es bildet eine feste, poröse Struktur. Um daraus Stahl zu machen, wird der Eisenschwamm in einem Elektro-Schmelzofen eingeschmolzen.

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