Industrielle Anwendungen und Wasseraufbereitung einfach erklärt
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Wusstest du, dass in einer Tonne alter Smartphones mehr Gold steckt als in einer Tonne Golderz? Um dieses Gold herauszulösen, nutzen Chemiker bei der industriellen Anwendungen und Wasseraufbereitung einen cleveren Trick mit Komplexverbindungen.

Gleichzeitig retten ganz ähnliche chemische Tricks jeden Tag unsere Kaffeemaschinen und Waschmaschinen vor dem Verkalken. In diesem Artikel lernst du, wie Komplexverbindungen in der Industrie Metalle gewinnen und formen, und wie sie bei uns zu Hause das Wasser weich machen – aber auch, welche Probleme sie für die Umwelt mit sich bringen können.
Vorwissen
- Komplexionen: Ein zentrales Metallion ist von Molekülen oder Ionen (Liganden) umgeben.
- Beispiel: Kupferionen bilden mit Wasser den blauen Hexaaquakupfer-Komplex.
- Redoxreaktionen: Reaktionen, bei denen Elektronen übertragen werden.
- Beispiel: Ein unedles Metall gibt Elektronen an ein edleres Metall ab.
- Wasserhärte: Entsteht durch gelöste Calcium- und Magnesiumionen im Wasser.
- Beispiel: Je mehr dieser Ionen im Wasser sind, desto „härter“ ist es und desto mehr Kalk entsteht beim Erhitzen.
Aufgabentyp 1: Komplexe bei der Metallgewinnung und beim Galvanisieren
Gold ist ein sehr edles Metall und reagiert fast nie. Um es trotzdem aus Gestein zu lösen, nutzt man die Cyanidlaugerei. Dabei wird gemahlenes Erz mit Sauerstoff und einer Natriumcyanid-Lösung gemischt. Die Cyanid-Ionen () wirken als Liganden und „zwingen“ das Gold in eine wasserlösliche Komplexverbindung.
⚠️ Sicherheitshinweis: Natriumcyanid ist extrem giftig. Der Prozess muss in geschlossenen, streng kontrollierten Anlagen stattfinden, damit keine Blausäure in die Umwelt gelangt.
Um das feste Gold zurückzugewinnen, gibt man unedles Zink () hinzu. Das Zink gibt Elektronen an das Gold ab (Redoxreaktion) und nimmt dessen Platz im Komplex ein. Das Gold fällt als festes Pulver aus.
Galvanotechnik (Metallbeschichtung): Wenn man Gegenstände mit Metall überziehen will (z. B. einen Löffel verchromen), nutzt man ein Strombad. Gibt man Komplexbildner in das Bad, fangen diese einen Großteil der Metallionen ein. Es entsteht ein chemisches Gleichgewicht, bei dem immer nur sehr wenige freie Metallionen im Wasser schwimmen.

Warum ist das gut? Weil sich das Metall dadurch sehr langsam auf dem Gegenstand absetzt. Ohne Komplexbildner würde es zu schnell gehen und die Schicht wäre bröckelig. So entsteht ein gleichmäßiger, fest haftender Überzug.
Aluminiumgewinnung: Auch hier helfen Komplexe. Bauxit (Aluminiumerz) wird in Natronlauge gelöst, wobei der Komplex Tetrahydroxidoaluminat () entsteht. Später, bei der Schmelzflusselektrolyse, wird Aluminiumoxid in Kryolith (Natriumhexafluoroaluminat, ) gelöst. Das senkt die Schmelztemperatur enorm und spart extrem viel Energie.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Erkläre anhand der Reaktionsgleichung, warum Zink bei der Cyanidlaugerei hinzugegeben wird, um Gold zu gewinnen.
- Schritt 1Die Rolle von Zink identifizieren
Zink ist ein unedleres Metall als Gold. Es fungiert in dieser Reaktion als Reduktionsmittel.
- Schritt 2 · ErgebnisDie Elektronenübertragung und Komplexbildung erklären
Das Zink gibt Elektronen an die Goldionen im Komplex ab. Dadurch wird das Goldion zu festem, elementarem Gold reduziert. Gleichzeitig nimmt das Zink den Platz des Goldes ein und bildet einen neuen, stabileren Zink-Cyanid-Komplex:

Reaktionsgleichung der Cyanidlaugerei
Zink reduziert das Goldion zu elementarem Gold und bildet selbst einen stabileren Komplex.
Quiz zu Industrielle Anwendungen und Wasseraufbereitung: Teste dein Wissen
Löse eine kostenlose Quizfrage zu Industrielle Anwendungen und Wasseraufbereitung und prüfe, ob du die wichtigsten Schritte verstanden hast.
Quizfrage 1 zu Industrielle Anwendungen und Wasseraufbereitung
Welche Ionen verursachen hauptsächlich die sogenannte Wasserhärte?
Quizfrage 2 zu Industrielle Anwendungen und Wasseraufbereitung
Nur mit AccountWarum gibt man bei der Rückgewinnung von Gold aus der Cyanidlösung unedles Zink hinzu?
Übungsaufgabe zu Industrielle Anwendungen und Wasseraufbereitung
Nur mit AccountAufgabentyp 2: Wirkungsweisen und Umweltauswirkungen von Wasserenthärtern
Hartes Wasser enthält viele Calciumionen () und Magnesiumionen (). Diese Ionen sind problematisch: Sie bilden beim Erhitzen harten Kesselstein (Kalkablagerungen) und reagieren mit Seife zu unlöslichen Kalkseifen (graue Schlieren, die die Waschkraft senken).
Um das zu verhindern, setzt man Waschmitteln Wasserenthärter (Komplexbildner) zu. Sie fangen die Calcium- und Magnesiumionen ein. Hier sind die wichtigsten im Vergleich:
- Pentanatriumtriphosphat:
- Wirkung: Bildet sehr stabile, wasserlösliche Chelatkomplexe mit .
- Nachteil: Gelangt es in Seen, wird es zu Phosphat gespalten und wirkt als Dünger. Das führt zu einer massiven Algenblüte (Eutrophierung), die dem Wasser Sauerstoff entzieht.
- EDTA und NTA:
- Wirkung: Extrem starke Komplexbildner.
- Nachteil: Sie sind so stark, dass sie giftige Schwermetalle (wie Blei oder Cadmium) aus dem Schlamm von Flüssen lösen (mobilisieren) und im Wasser verteilen.
- Zeolithe (Natriumaluminiumsilicate):
- Wirkung: Das ist der moderne Standard in Waschmitteln. Sie sind wie winzige Schwämme mit Poren. Die -Ionen rutschen in die Poren und werden dort eingesperrt.
- Vorteil: Sehr umweltfreundlich.

- Citrate (Salze der Zitronensäure):
- Wirkung: Gute Komplexbildner für umweltfreundliche Reiniger.
- Nachteil: Sie zerfallen bei hohen Temperaturen und sind daher für Kochwäsche ungeeignet.
Entkalken mit Zitronensäure (Zweistufiger Prozess): Wenn die Kaffeemaschine bereits verkalkt ist (festes Calciumcarbonat, ), hilft Zitronensäure in zwei Schritten:
- Säure-Base-Reaktion: Die Säure reagiert mit dem festen Kalk und verwandelt ihn in wasserlösliches Calciumhydrogencarbonat.
- Komplexbildung: Die übrig gebliebenen Citrat-Ionen fangen die freigewordenen Calciumionen als Komplex ein, sodass sie einfach mit dem Wasser weggespült werden können.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 2
Ein Hersteller von Waschmitteln möchte EDTA als Wasserenthärter verwenden. Erkläre, welches Umweltproblem dadurch entstehen könnte.
- Schritt 1Die chemische Eigenschaft von EDTA benennen
EDTA ist ein extrem starker Komplexbildner, der Metallionen sehr fest an sich bindet.
- Schritt 2 · ErgebnisDie ökologischen Folgen ableiten
Wenn EDTA über das Abwasser in Flüsse und Seen gelangt, kann es giftige Schwermetallionen (wie Blei oder Cadmium), die eigentlich sicher im Schlamm am Grund gebunden waren, herauslösen (mobilisieren). Diese giftigen Komplexe schwimmen dann frei im Wasser und gefährden Tiere und Pflanzen.
EDTA kann giftige Schwermetalle aus dem Schlamm von Gewässern lösen und so die Umwelt gefährden.
Wichtige Erkenntnisse
- Bei der Cyanidlaugerei zwingen -Liganden das edle Gold in einen wasserlöslichen Komplex, aus dem es mit Zink zurückgewonnen wird.
- In der Galvanotechnik sorgen Komplexbildner für eine niedrige Konzentration freier Metallionen, was eine glatte und feste Beschichtung ermöglicht.
- Hartes Wasser enthält - und -Ionen, die Kesselstein und Kalkseifen verursachen.
- Wasserenthärter fangen diese Ionen ein. Moderne Zeolithe sperren sie in Poren ein, während ältere Mittel wie Phosphate (Eutrophierung) oder EDTA (Schwermetallmobilisierung) der Umwelt schaden.
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Häufige Fragen
Was sind industrielle Anwendungen und Wasseraufbereitung in der Chemie?
In der Chemie umfassen industrielle Anwendungen und Wasseraufbereitung Prozesse, bei denen Komplexverbindungen gezielt genutzt werden. Dazu gehört die Gewinnung von Edelmetallen wie Gold aus Erzen, die Beschichtung von Metallen (Galvanotechnik) und das Enthärten von Wasser in Waschmitteln, um Kalkablagerungen zu verhindern.
Wie funktioniert die Cyanidlaugerei bei der Goldgewinnung?
Bei der Cyanidlaugerei wird gemahlenes Gestein mit einer Natriumcyanid-Lösung gemischt. Die Cyanid-Ionen wirken als Liganden und zwingen das Gold in einen wasserlöslichen Komplex. Anschließend wird unedles Zink hinzugegeben, welches Elektronen abgibt und das Gold als festes Pulver ausfallen lässt.
Warum sind Wasserenthärter wie EDTA problematisch für die Umwelt?
EDTA ist ein extrem starker Komplexbildner. Wenn er in Flüsse und Seen gelangt, kann er giftige Schwermetalle wie Blei oder Cadmium aus dem Schlamm am Gewässergrund herauslösen. Diese mobilisierten Schwermetalle schwimmen dann frei im Wasser und gefährden Tiere und Pflanzen.
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