Formeln und Nomenklatur der Koordinationsverbindungen erklärt

Erfahre, wie du die Formeln und Nomenklatur der Koordinationsverbindungen (Komplexe) meisterst. IUPAC-Regeln einfach und verständlich erklärt.

📅 Aktualisiert 6. September 20265 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Formeln und Nomenklatur der Koordinationsverbindungen erklärt

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Stell dir vor, du bestellst online ein rotes Fahrrad, aber weil das Bestellformular unklar war, liefert man dir ein blaues Dreirad. In der Chemie kann ein solcher Fehler viel gefährlicher sein als eine falsche Lieferung. Wenn Chemiker weltweit über komplexe Moleküle sprechen, müssen sie genau wissen, wer was meint.

Fahrrad und Dreirad Vergleich
Fahrrad und Dreirad Vergleich

Um Chaos zu vermeiden und die Formeln und Nomenklatur der Koordinationsverbindungen fehlerfrei anzuwenden, hat die IUPAC (die internationale Organisation der Chemiker) ein striktes Regelwerk erfunden – quasi eine Grammatik für die Chemie. In diesem Artikel lernst du, wie man diese Regeln anwendet, um die chemischen Formeln von Komplexverbindungen aufzustellen und ihnen ihre exakten, systematischen Namen zu geben.

Vorwissen

  • Aufbau eines Komplexes: Ein Komplex besteht immer aus einem Zentralteilchen (meist ein Metallion) und mehreren Liganden (Moleküle oder Ionen), die daran gebunden sind.

    Beispiel: In Cu(H2O)42+\text{Cu(H}_2\text{O)}_4^{2+} ist Kupfer das Zentralteilchen und Wasser der Ligand.

  • Oxidationszahlen und Ladungen: Die Summe der Oxidationszahlen aller Atome in einem Ion entspricht der Ladung des Ions.

    Beispiel: Wenn ein Zentralteilchen die Ladung 2+2+ hat und vier neutrale Liganden (Ladung 00) bindet, bleibt die Gesamtladung des Komplexes 2+2+.

Aufgabentyp 1: Aufstellen von Formeln für Komplexverbindungen

Wenn wir die chemische Formel einer Komplexverbindung aufschreiben, folgen wir einem festen Bauplan. Das Wichtigste zuerst: Der eigentliche Komplex wird immer in eckige Klammern gesetzt: [ ]\text{[ ]}. Alles, was sich innerhalb dieser Klammern befindet, bildet eine feste Einheit.

Hier sind die Regeln für die Reihenfolge:

  1. Innerhalb der Klammer: Das Zentralteilchen (das Metall) steht immer an erster Stelle. Danach folgen die Liganden. Wenn es verschiedene Liganden gibt, werden sie in alphabetischer Reihenfolge ihrer chemischen Symbole aufgeschrieben.

  2. Außerhalb der Klammer: Oft ist der Komplex selbst ein geladenes Ion. Um ein neutrales Salz zu bilden, braucht er Gegenionen. Wie bei allen Salzen (z. B. NaCl\text{NaCl}) wird in der Formel immer zuerst das Kation (positiv) und dann das Anion (negativ) geschrieben – unabhängig davon, welches von beiden der Komplex ist.

Aufbau einer Komplexverbindung
Aufbau einer Komplexverbindung

Die Gesamtladung des Komplexes berechnet sich ganz einfach: Sie ist die Summe aus der Ladung (Oxidationszahl) des Zentralteilchens und den Ladungen aller Liganden.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Zentralteilchen und Liganden identifizieren.
  2. Komplex in eckige Klammern setzen.
  3. Gesamtladung des Komplexes berechnen.
  4. Gegenionen und Kristallwasser ergänzen.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Stelle die chemische Formel für Tetraaquakupfer(II)-sulfat-Monohydrat auf.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Zentralteilchen und Liganden identifizieren

    Das Zentralteilchen ist Kupfer mit der Oxidationszahl +II\text{+II} (also Cu2+\text{Cu}^{2+}). Der Ligand ist „Aqua“ (Wasser, H2O\text{H}_2\text{O}). Das Präfix „Tetra“ bedeutet, dass es 44 Wasser-Liganden gibt.

  2. Schritt 2
    Komplex in eckige Klammern setzen

    Wir schreiben das Metall zuerst, dann die Liganden: [Cu(H2O)4]\text{[Cu(H}_2\text{O)}_4\text{]}

  3. Schritt 3
    Gesamtladung des Komplexes berechnen

    Kupfer hat die Ladung +2\text{+2}. Wasser ist ein neutrales Molekül (Ladung 0\text{0}).

    Gesamtladung=(+2)+40=+2\text{Gesamtladung} = (+2) + 4 \cdot 0 = +2

    Der Komplex ist also ein Kation: [Cu(H2O)4]2+\text{[Cu(H}_2\text{O)}_4\text{]}^{2+}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Gegenionen und Kristallwasser ergänzen

    Das Gegenion ist Sulfat (SO42\text{SO}_4^{2-}). Da der Komplex +2\text{+2} und das Sulfat -2\text{-2} geladen ist, gleichen sie sich im Verhältnis 1:1 aus. „Monohydrat“ bedeutet, dass noch ein Molekül Kristallwasser im Gitter sitzt.

Ergebnis:

Die fertige Formel lautet: [Cu(H2O)4]SO4H2O\text{[Cu(H}_2\text{O)}_4\text{]SO}_4 \cdot \text{H}_2\text{O}

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Quizfrage 1 zu Formeln und Nomenklatur der Koordinationsverbindungen erklärt

Wie berechnet sich die Gesamtladung eines Komplexes?

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In welcher Reihenfolge werden die Bestandteile innerhalb der eckigen Klammern einer Komplexformel aufgeschrieben?

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Aufgabentyp 2: Systematische Nomenklatur der Komplexverbindungen

Beim Benennen (der Nomenklatur) eines Komplexes drehen wir die Reihenfolge im Vergleich zur Formel um: Im Namen werden immer zuerst die Liganden und erst danach das Zentralteilchen genannt.

Um die Anzahl der Liganden anzugeben, verwenden wir griechische Zahlwörter: Mono (11), Di (22), Tri (33), Tetra (44), Penta (55), Hexa (66).

Hier sind die wichtigsten Liganden-Namen, die du auswendig wissen musst:

Neutrale LigandenNegativ geladene LigandenH2OAquaFFluoridoNH3AmminClChloridoCOCarbonylOHHydroxidoCNCyanidoSCNThiocyanato\begin{array}{l|l} \textbf{Neutrale Liganden} & \textbf{Negativ geladene Liganden} \\ \hline \text{H}_2\text{O} \to \text{Aqua} & \text{F}^- \to \text{Fluorido} \\ \text{NH}_3 \to \text{Ammin} & \text{Cl}^- \to \text{Chlorido} \\ \text{CO} \to \text{Carbonyl} & \text{OH}^- \to \text{Hydroxido} \\ & \text{CN}^- \to \text{Cyanido} \\ & \text{SCN}^- \to \text{Thiocyanato} \end{array}

Die Endung des Zentralteilchens hängt von der Gesamtladung ab:

  • Kationische (positive) und neutrale Komplexe: Das Zentralmetall behält seinen ganz normalen deutschen Namen. Dahinter wird die Oxidationszahl in römischen Ziffern in Klammern gesetzt (z. B. Eisen(III) oder Cobalt(II)).

  • Anionische (negative) Komplexe: Hier ändert sich der Name des Metalls! Es erhält seinen lateinischen Stammnamen und die Endung „-at“. Auch hier folgt die Oxidationszahl in Klammern.

    Wichtige Beispiele für anionische Komplexe: Eisen wird zu Ferrat, Kupfer wird zu Cuprat, Silber wird zu Argentat und Gold zu Aurat.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Komplexladung bestimmen.
  2. Oxidationszahl des Zentralmetalls berechnen.
  3. Namen des Komplexes zusammenbauen.
  4. Gesamten Namen des Salzes bilden.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Benenne die folgende Komplexverbindung: [Co(NH3)6]Cl2\text{[Co(NH}_3\text{)}_6\text{]Cl}_2

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Komplexladung bestimmen

    Das Gegenion ist Chlorid (Cl\text{Cl}^-). Da es zwei Chlorid-Ionen gibt (Gesamtladung -2\text{-2}), muss der Komplex in der eckigen Klammer die Ladung +2\text{+2} haben: [Co(NH3)6]2+\text{[Co(NH}_3\text{)}_6\text{]}^{2+}.

  2. Schritt 2
    Oxidationszahl des Zentralmetalls berechnen

    Der Ligand Ammin (NH3\text{NH}_3) ist neutral (Ladung 0\text{0}).

    +2=OxidationszahlCo+60\text{+2} = \text{Oxidationszahl}_{Co} + 6 \cdot 0

    Die Oxidationszahl von Cobalt ist also +II\text{+II}.

  3. Schritt 3
    Namen des Komplexes zusammenbauen

    Es gibt 66 Ammin-Liganden \to Hexaammin.

    Das Zentralmetall ist Cobalt(II). Da der Komplex positiv ist, bleibt der normale Name erhalten: Hexaammincobalt(II).

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Gesamten Namen des Salzes bilden

    Das Kation (der Komplex) wird zuerst genannt, dann das Anion (Chlorid).

Ergebnis:

Der vollständige Name lautet: Hexaammincobalt(II)-chlorid

Beispiel 2

Aufgabe

Benenne die folgende Komplexverbindung: K3[Fe(CN)6]\text{K}_3\text{[Fe(CN)}_6\text{]}

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Komplexladung bestimmen

    Das Gegenion ist Kalium (K+\text{K}^+). Es gibt drei davon (Gesamtladung +3\text{+3}). Der Komplex in der eckigen Klammer muss also die Ladung -3\text{-3} haben: [Fe(CN)6]3\text{[Fe(CN)}_6\text{]}^{3-}.

  2. Schritt 2
    Oxidationszahl des Zentralmetalls berechnen

    Der Ligand Cyanido (CN\text{CN}^-) hat die Ladung -1\text{-1}.

    -3=OxidationszahlFe+6(1)\text{-3} = \text{Oxidationszahl}_{Fe} + 6 \cdot (-1)

    -3=OxidationszahlFe6\text{-3} = \text{Oxidationszahl}_{Fe} - 6

    Die Oxidationszahl von Eisen ist somit +III\text{+III}.

  3. Schritt 3
    Namen des Komplexes zusammenbauen

    Es gibt 66 Cyanido-Liganden \to Hexacyanido.

    Da der Komplex negativ geladen ist (Anion), verwenden wir den lateinischen Namen für Eisen (Ferrum) und hängen „-at“ an: Ferrat(III).

    Der Komplexteil heißt also: Hexacyanidoferrat(III).

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Gesamten Namen des Salzes bilden

    Das Kation (Kalium) wird zuerst genannt, dann das Anion (der Komplex).

Ergebnis:

Der vollständige Name lautet: Kaliumhexacyanidoferrat(III)

Wichtige Erkenntnisse

  • In der Formel: Das Zentralteilchen steht in der eckigen Klammer [ ]\text{[ ]} immer an erster Stelle, danach folgen die Liganden.
  • Im Namen: Die Liganden werden immer zuerst genannt (mit griechischen Zahlwörtern wie Di, Tri, Tetra), danach folgt das Zentralteilchen.
  • Anionische Komplexe: Wenn der gesamte Komplex negativ geladen ist, endet der Name des Zentralmetalls auf „-at“ (z. B. Ferrat statt Eisen).
  • Oxidationszahl: Sie wird immer in römischen Ziffern in Klammern hinter das Zentralmetall geschrieben.

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Häufige Fragen

Was sind Koordinationsverbindungen?

Koordinationsverbindungen (auch Komplexe genannt) bestehen aus einem zentralen Metallion, an das mehrere Moleküle oder Ionen, die sogenannten Liganden, gebunden sind. Sie bilden eine feste Einheit, die in der chemischen Formel in eckigen Klammern geschrieben wird.

Wie berechnet man die Gesamtladung eines Komplexes?

Die Gesamtladung eines Komplexes ist die Summe aus der Oxidationszahl des Zentralmetalls und den Ladungen aller Liganden. Wenn das Zentralmetall beispielsweise die Ladung +2 hat und vier neutrale Liganden bindet, bleibt die Gesamtladung des Komplexes bei +2.

Was ist der Unterschied zwischen kationischen und anionischen Komplexen bei der Nomenklatur?

Bei kationischen (positiven) oder neutralen Komplexen behält das Zentralmetall seinen normalen deutschen Namen (z. B. Eisen). Ist der Komplex jedoch anionisch (negativ) geladen, erhält das Metall seinen lateinischen Stammnamen mit der Endung „-at“ (z. B. Ferrat statt Eisen).

In welcher Reihenfolge werden Liganden in der Formel und im Namen angegeben?

In der chemischen Formel steht das Zentralteilchen zuerst, gefolgt von den Liganden in alphabetischer Reihenfolge. Im Namen der Verbindung ist es genau umgekehrt: Hier werden zuerst die Liganden (inklusive Anzahl als griechisches Präfix) und erst danach das Zentralteilchen genannt.

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