Analytische Chemie mit Komplexverbindungen einfach erklärt
Erklärvideo – jetzt freischalten
Stell dir vor, du bist Kriminaltechniker und bekommst eine Wasserprobe von einem Tatort. Wie findest du heraus, ob giftige Schwermetalle darin enthalten sind? Und noch wichtiger: Wie stellst du fest, wie viel davon im Wasser ist? In der analytischen Chemie unter Verwendung von Komplexverbindungen lernst du genau das!

Viele Metallionen sind in Wasser unsichtbar. Wenn wir jedoch bestimmte Chemikalien hinzugeben, bilden sie sogenannte Komplexverbindungen, die in leuchtenden Farben erstrahlen. In dieser Lektion lernst du, wie Chemiker diese Farben nutzen, um Metalle wie einen Fingerabdruck zu identifizieren (qualitative Analyse) und ihre genaue Menge zu berechnen (quantitative Analyse).
Vorwissen
- Komplexverbindungen: Ein zentrales Metallion ist von Molekülen oder Ionen (Liganden) umgeben. Diese Verbindungen haben oft sehr intensive Farben. Beispiel: Wenn sich Kupfersulfat in Wasser löst, bilden die Kupferionen mit dem Wasser einen hellblauen Komplex.
- Titration: Ein Verfahren, um die unbekannte Konzentration eines Stoffes zu bestimmen, indem man tropfenweise eine Lösung mit bekannter Konzentration (Maßlösung) hinzugibt, bis eine Reaktion vollständig abgelaufen ist. Beispiel: Bei der Säure-Base-Titration zeigt ein Farbumschlag an, dass die Säure neutralisiert wurde.
Qualitativer Nachweis: Welche Metalle sind in der Probe?
Die qualitative Analyse beantwortet die Frage: Was ist in meiner Probe? Viele Übergangsmetalle bilden Komplexe mit sehr charakteristischen Farben. Wenn wir ein bestimmtes Nachweisreagenz zu unserer Probe geben und eine bestimmte Farbe entsteht, haben wir das Metallion entlarvt.
Hier sind die wichtigsten Nachweise, die du für Prüfungen kennen musst:
- Kupfer(II)-Ionen (): Gibt man Ammoniak hinzu, entsteht der Tetraamminkupfer(II)-Komplex. Die Lösung färbt sich tiefblau.
- Nickel(II)-Ionen (): Gibt man Dimethylglyoxim hinzu, entsteht ein schwerlöslicher Komplex. Es bildet sich ein himbeerroter Niederschlag.
- Eisen(II)-Ionen (): Reagieren mit Kaliumhexacyanidoferrat(III). Es entsteht ein intensiv blauer Farbstoff, das sogenannte Berliner Blau.
- Eisen(III)-Ionen (): Hier gibt es zwei bekannte Nachweise:
- Mit Kaliumhexacyanidoferrat(II) entsteht ebenfalls Berliner Blau.
- Mit Thiocyanat-Ionen () entsteht ein tiefroter Komplex.

Indem du dir diese Kombinationen aus Metall, Reagenz und Farbe merkst, kannst du diese Ionen im Labor zweifelsfrei identifizieren.
Der „Blut“-Nachweis für Eisen
Zweck: Sichtbarmachung der Komplexbildung zur Identifikation von Eisen(III)-Ionen.
Materialien: 50 mL einer verdünnten Eisen(III)-chlorid-Lösung (blassgelb), 10 mL einer Kaliumthiocyanat-Lösung (farblos), Becherglas, Pipette.
⚠️ Sicherheitshinweis: Schutzbrille tragen. Die Lösungen nicht verschlucken. Thiocyanate können bei Kontakt mit starken Säuren giftige Gase entwickeln.
Durchführung:
- Fülle die Eisen(III)-chlorid-Lösung in das Becherglas.
- Tropfe mit der Pipette langsam die Kaliumthiocyanat-Lösung hinzu.

Beobachtung: Sobald die farblosen Tropfen die blassgelbe Lösung berühren, färbt sich die Flüssigkeit sofort tiefrot, fast wie Blut.
Erklärung: Die Eisen(III)-Ionen verbinden sich mit den Thiocyanat-Ionen zu einem neuen Komplex. Diese tiefrote Farbe ist der eindeutige Beweis (Nachweis), dass Eisen(III) in der Probe vorhanden war.
Aufgabentyp 1: Quantitative Analyse durch komplexometrische Titration
Wenn wir wissen, welches Metall in der Probe ist, wollen wir oft auch wissen, wie viel davon vorhanden ist (z. B. bei der Überprüfung von Trinkwasser). Dafür nutzen wir zwei Methoden:
Methode A: Komplexometrische Titration Dies ist ein Verfahren, um die genaue Menge an Metallionen zu zählen. Wir verwenden dafür eine Maßlösung namens EDTA. EDTA ist wie ein chemischer Krake: Es greift sich genau ein Metallion und hält es extrem fest. Es bildet sich immer ein Komplex im Verhältnis 1:1.
Um zu sehen, wann alle Metallionen von EDTA eingefangen wurden, brauchen wir einen Metallindikator. Das funktioniert wie ein Partnerwechsel beim Tanzen:
- Der Start: Wir geben den Indikator zur Probe. Der Indikator verbindet sich mit dem Metallion zu einem farbigen Komplex (z. B. rot).
- Die Titration: Wir tropfen langsam EDTA hinzu. Weil EDTA viel stärker ist als der Indikator, reißt es das Metallion an sich.
- Der Äquivalenzpunkt: An diesem Punkt hat das EDTA jedes einzelne Metallion eingefangen. Der Indikator ist nun komplett arbeitslos und schwimmt frei in der Lösung herum.

Wenn der Indikator frei ist, ändert er schlagartig seine Farbe (z. B. von rot nach blau). Dieser Farbumschlag sagt uns: Stopp! Die Reaktion ist fertig. Weil wir wissen, wie viel EDTA wir verbraucht haben, wissen wir exakt, wie viel Metall in der Probe war.
Methode B: Photometrie (Kolorimetrie) Manchmal ist die Titration zu aufwendig. Wenn ein Komplex farbig ist (wie der rote Blei-Komplex bei der Wasseruntersuchung), können wir eine Maschine namens Photometer nutzen.
Die Regel ist sehr einfach: Je mehr Metallionen in der Lösung sind, desto mehr farbige Komplexe bilden sich und desto dunkler ist die Lösung. Ein Photometer schickt Licht durch die Probe und misst, wie viel Licht verschluckt (absorbiert) wird. Viel verschlucktes Licht bedeutet eine hohe Konzentration des Metalls.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Da EDTA und das Metallion immer im Verhältnis 1:1 reagieren, ist die Berechnung sehr geradlinig.
- Gegebene Werte notieren: Finde das Volumen der Probe , die Konzentration der EDTA-Lösung und das verbrauchte Volumen an EDTA . Wandle alle Volumina in Liter () um.
- Stoffmenge von EDTA berechnen: Nutze die Formel: . Weil das Verhältnis 1:1 ist, gilt am Äquivalenzpunkt: Die Stoffmenge des Metalls ist exakt gleich der Stoffmenge des EDTA ().
- Konzentration des Metalls berechnen: Teile die gefundene Stoffmenge durch das Volumen der ursprünglichen Probe: .
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 0
Eine Wasserprobe von wird auf Bleiionen () untersucht. Für die komplexometrische Titration wird eine EDTA-Lösung mit einer Konzentration von verwendet. Der Farbumschlag des Indikators tritt ein, nachdem genau der EDTA-Lösung hinzugegeben wurden. Berechne die Konzentration der Bleiionen in der Wasserprobe in .
- Schritt 1Gegebene Werte notieren
- Schritt 2Stoffmenge von EDTA berechnen
Da EDTA und Blei im Verhältnis 1:1 reagieren, wissen wir nun, dass auch genau Bleiionen in der Probe waren ().
- Schritt 3 · ErgebnisKonzentration des Metalls berechnen
Die Konzentration der Bleiionen in der Wasserprobe beträgt .
Quiz zu Analytische Chemie mit Komplexverbindungen: Teste dein Wissen
Löse eine kostenlose Quizfrage zu Analytische Chemie mit Komplexverbindungen und prüfe, ob du die wichtigsten Schritte verstanden hast.
Quizfrage 1 zu Analytische Chemie mit Komplexverbindungen
Welche Farbe hat der Niederschlag, der beim Nachweis von Nickel(II)-Ionen mit Dimethylglyoxim entsteht?
Quizfrage 2 zu Analytische Chemie mit Komplexverbindungen
Nur mit AccountWelche Ionen verbinden sich beim „Blut“-Nachweis mit den Eisen(III)-Ionen zu einem tiefroten Komplex?
Übungsaufgabe zu Analytische Chemie mit Komplexverbindungen
Nur mit AccountWichtige Erkenntnisse
- Qualitative Nachweise:
- + Ammoniak tiefblau
- + Dimethylglyoxim himbeerrot
- / + Hexacyanidoferrat Berliner Blau
- + Thiocyanat tiefrot
- Komplexometrische Titration: EDTA bildet mit Metallionen 1:1-Komplexe. Am Äquivalenzpunkt wird der Indikator freigesetzt und ändert seine Farbe.
- Photometrie: Je höher die Konzentration eines farbigen Komplexes, desto mehr Licht wird absorbiert (die Lösung ist dunkler).
Stell deine eigene Aufgabe zu „Analytische Chemie mit Komplexverbindungen einfach erklärt“
Aufgabe eintippen oder fotografieren – der KI-Tutor löst sie Schritt für Schritt und erklärt dir jeden Rechenweg.
Häufige Fragen
Was ist die analytische Chemie unter Verwendung von Komplexverbindungen?
In der analytischen Chemie unter Verwendung von Komplexverbindungen nutzt man die Eigenschaft von Metallionen, mit bestimmten Liganden farbige Komplexe zu bilden. So lassen sich Metalle in einer Probe identifizieren (qualitative Analyse) und ihre genaue Konzentration bestimmen (quantitative Analyse).
Wie funktioniert der qualitative Nachweis von Metallionen?
Bei der qualitativen Analyse gibt man ein spezifisches Nachweisreagenz zur Probe. Wenn das gesuchte Metallion vorhanden ist, bildet sich ein Komplex mit einer charakteristischen Farbe. Eisen(III)-Ionen reagieren beispielsweise mit Thiocyanat zu einem tiefroten Komplex, der wie Blut aussieht.
Was ist eine komplexometrische Titration?
Die komplexometrische Titration ist ein Verfahren der quantitativen Analyse. Man tropft eine Maßlösung wie EDTA zu der Probe, die sich im Verhältnis 1:1 mit den Metallionen verbindet. Ein Farbumschlag des Indikators zeigt an, wann alle Ionen gebunden sind, sodass man die Konzentration berechnen kann.
Wofür wird ein Photometer in der Komplexchemie verwendet?
Ein Photometer misst, wie viel Licht von einer farbigen Lösung absorbiert wird. Da die Farbintensität eines Komplexes von seiner Konzentration abhängt, gilt: Je mehr Metallionen in der Lösung sind, desto dunkler ist sie und desto mehr Licht wird verschluckt. So lässt sich die Menge des Metalls exakt bestimmen.
Verwandte Themen
Themen aus demselben Kapitel deines Lehrplans.
Als Nächstes lernen
Passende Themen rund um Analytische Chemie mit Komplexverbindungen, die dein Wissen vertiefen.
Weiter lernen
„Analytische Chemie mit Komplexverbindungen einfach erklärt“ kommt in Chemie Klasse 5 dran – im Kapitel Komplexverbindungen in Labor und Technik. Alle Themen der Klassenstufe: Chemie Klasse 5.
„Analytische Chemie mit Komplexverbindungen einfach erklärt“ kommt in Chemie Klasse 6 dran – im Kapitel Komplexverbindungen in Labor und Technik. Alle Themen der Klassenstufe: Chemie Klasse 6.
„Analytische Chemie mit Komplexverbindungen einfach erklärt“ kommt in Chemie Klasse 7 dran – im Kapitel Komplexverbindungen in Labor und Technik. Alle Themen der Klassenstufe: Chemie Klasse 7.
„Analytische Chemie mit Komplexverbindungen einfach erklärt“ kommt in Chemie Klasse 8 dran – im Kapitel Komplexverbindungen in Labor und Technik. Alle Themen der Klassenstufe: Chemie Klasse 8.
Chemie nach Klassen:Klasse 5Klasse 6Klasse 7Klasse 8Klasse 9Klasse 10Klasse 11Klasse 12Klasse 13Alle Chemie-Themen