Grundlagen der Nernst-Gleichung erklärt: Zellspannung

Lerne die Grundlagen der Nernst-Gleichung kennen. Erfahre, wie du das Potential von Halbzellen und die Zellspannung bei beliebigen Konzentrationen berechnest.

📅 Aktualisiert 1. September 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Grundlagen der Nernst-Gleichung erklärt: Zellspannung

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Kennst du das? Dein Handy-Akku ist fast leer und plötzlich schaltet sich das Gerät ab, obwohl noch 2 % angezeigt wurden. Warum liefert eine Batterie nicht immer die gleiche Spannung, bis sie komplett leer ist? Genau hier kommen die Grundlagen der Nernst-Gleichung ins Spiel.

Handy Akku Entladung
Handy Akku Entladung

Bisher hast du gelernt, dass jede galvanische Zelle eine feste Spannung liefert, die man aus den Standardpotentialen berechnet. Diese Standardwerte gelten aber nur, wenn die Konzentration der Ionen genau 1 mol/L1 \text{ mol/L} beträgt. In einer echten Batterie wird diese Konzentration beim Entladen immer geringer, und dadurch sinkt auch die Spannung. In diesem Artikel lernst du die Nernst-Gleichung kennen. Mit ihr kannst du genau berechnen, wie stark die Spannung bei jeder beliebigen Konzentration ist.

Vorwissen

  • Standardpotential (EE^\circ): Das Redoxpotential einer Halbzelle unter Standardbedingungen (Konzentration 1 mol/L1 \text{ mol/L}, 25 C25 \text{ }^\circ\text{C}).

    Beispiel: Das Standardpotential von Kupfer ist E=+0,34 VE^\circ = +0,34 \text{ V}.

  • Galvanische Zelle: Besteht aus zwei Halbzellen. Die Spannung entsteht durch die Differenz der Potentiale.

    Beispiel: Die Zink-Kupfer-Zelle liefert unter Standardbedingungen 1,10 V1,10 \text{ V}.

  • Zehnerlogarithmus (lg\lg): Beantwortet die Frage: „10 hoch wie viel ergibt diese Zahl?“

    Beispiel: lg(100)=2\lg(100) = 2 (weil 102=10010^2 = 100) und lg(0,1)=1\lg(0,1) = -1 (weil 101=0,110^{-1} = 0,1).

Aufgabentyp 1: Aufstellen der Nernst-Gleichung für Halbzellen

Um die Grundlagen der Nernst-Gleichung anzuwenden und das tatsächliche Potential (EE) einer Halbzelle zu berechnen, wenn die Konzentration nicht 1 mol/L1 \text{ mol/L} ist, verwenden wir die allgemeine Nernst-Gleichung:

E=E+0,059 Vzlg(c(Ox)c(Red))E = E^\circ + \frac{0,059 \text{ V}}{\textcolor{#53E5D6}{z}} \cdot \lg\left(\frac{\textcolor{#08BFFF}{c(\text{Ox})}}{c(\text{Red})}\right)

Lass uns die Variablen entschlüsseln:

  • EE^\circ ist das Standardpotential aus der Tabelle.

  • z\textcolor{#53E5D6}{z} ist die Anzahl der übertragenen Elektronen (z. B. bei Cu2+\text{Cu}^{2+} ist z=2\textcolor{#53E5D6}{z = 2}).

  • c(Ox)\textcolor{#08BFFF}{c(\text{Ox})} ist die Konzentration der oxidierten Form (meist die gelösten Ionen im Wasser).

  • c(Red)c(\text{Red}) ist die Konzentration der reduzierten Form (meist das feste Metall).

Der geniale Trick für Metallelektroden:

In den meisten Aufgaben hast du ein festes Metall (wie ein Stück Kupfer oder Zink), das in eine Lösung taucht. Für feste Stoffe und ungelöste Gase ist die Konzentration immer konstant. Wir setzen sie in der Formel einfach auf den Wert 11.

Metall in Lösung
Metall in Lösung

Wenn wir c(Red)=1c(\text{Red}) = 1 setzen, verschwindet der Bruch im Logarithmus. Die Gleichung wird dadurch viel einfacher. Für eine normale Metall-Halbzelle (Metall/Metallion) lautet die vereinfachte Nernst-Gleichung:

E=E+0,059 Vzlg(c(Metallion))E = E^\circ + \frac{0,059 \text{ V}}{\textcolor{#53E5D6}{z}} \cdot \lg(\textcolor{#08BFFF}{c(\text{Metallion})})

Eine wichtige Regel für die Stöchiometrie:

Manchmal steht in einer Reaktionsgleichung eine Zahl vor dem Ion, zum Beispiel 2 Ag+2 \text{ Ag}^+. Genau wie beim Massenwirkungsgesetz wird diese Zahl in der Nernst-Gleichung zu einer Hochzahl (Exponent). Du müsstest dann lg(c2)\lg(\textcolor{#08BFFF}{c}^2) rechnen.

Aufgabentyp 2: Berechnung von Zellspannungen und unbekannten Konzentrationen

Wenn du zwei Halbzellen miteinander verbindest, erhältst du eine galvanische Zelle (eine Batterie). Die Gesamtspannung dieser Zelle nennt man Zellspannung (UU). Sie ist einfach der Unterschied zwischen den beiden Halbzellenpotentialen.

Galvanische Zelle Aufbau
Galvanische Zelle Aufbau

Die Formel dafür lautet:

U=E(Kathode)E(Anode)U = E(\text{Kathode}) - E(\text{Anode})

Wie findest du heraus, was Kathode und was Anode ist?

Das ist ganz einfach: Du berechnest zuerst das Potential (EE) für beide Halbzellen mit der Nernst-Gleichung.

  • Die Halbzelle mit dem größeren (positiveren) Wert ist immer die Kathode (Pluspol).

  • Die Halbzelle mit dem kleineren (negativeren) Wert ist immer die Anode (Minuspol).

Unbekannte Konzentrationen berechnen:

Manchmal ist in einer Aufgabe die Zellspannung (UU) bereits vorgegeben, aber die Konzentration einer Lösung fehlt. In diesem Fall setzt du die bekannte Spannung in die Formel ein und formst die Gleichung Schritt für Schritt um, bis das c\textcolor{#08BFFF}{c} alleine auf einer Seite steht. Dafür musst du am Ende den Logarithmus auflösen, indem du 10Zahl10^{\text{Zahl}} rechnest.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Nutze diesen Plan, wenn du die Spannung einer Zelle bei beliebigen Konzentrationen berechnen sollst:

  1. Suche die Standardpotentiale (EE^\circ) der beiden Metalle in der elektrochemischen Spannungsreihe. Notiere dir auch, wie viele Elektronen (z\textcolor{#53E5D6}{z}) jeweils übertragen werden.
  2. Setze die Werte für beide Halbzellen getrennt in die vereinfachte Nernst-Gleichung ein: E=E+0,059 Vzlg(c)E = E^\circ + \frac{0,059 \text{ V}}{\textcolor{#53E5D6}{z}} \cdot \lg(\textcolor{#08BFFF}{c}).
  3. Vergleiche die beiden berechneten Ergebnisse aus Schritt 2. Der größere Wert ist die Kathode, der kleinere Wert ist die Anode.
  4. Ziehe das Potential der Anode vom Potential der Kathode ab: U=E(Kathode)E(Anode)U = E(\text{Kathode}) - E(\text{Anode}).

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 0

Aufgabe

Berechne die Zellspannung einer Zink-Kupfer-Zelle. Die Konzentration der Zinkionen beträgt 0,1 mol/L\textcolor{#08BFFF}{0,1 \text{ mol/L}} und die der Kupferionen 0,01 mol/L\textcolor{#08BFFF}{0,01 \text{ mol/L}}. (Gegeben: E(Zn/Zn2+)=0,76 VE^\circ(\text{Zn/Zn}^{2+}) = -0,76 \text{ V}, E(Cu/Cu2+)=+0,34 VE^\circ(\text{Cu/Cu}^{2+}) = +0,34 \text{ V})

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Standardpotentiale und Elektronen ablesen

    Zink: E=0,76 VE^\circ = -0,76 \text{ V}, z=2\textcolor{#53E5D6}{z = 2} (wegen Zn2+\text{Zn}^{2+})

    Kupfer: E=+0,34 VE^\circ = +0,34 \text{ V}, z=2\textcolor{#53E5D6}{z = 2} (wegen Cu2+\text{Cu}^{2+})

  2. Schritt 2
    Potentiale einzeln berechnen

    Für die Zink-Halbzelle:

    E(Zn)=0,76 V+0,059 V2lg(0,1)E(\text{Zn}) = -0,76 \text{ V} + \frac{0,059 \text{ V}}{\textcolor{#53E5D6}{2}} \cdot \lg(\textcolor{#08BFFF}{0,1})

    E(Zn)=0,76 V+0,0295 V(1)E(\text{Zn}) = -0,76 \text{ V} + 0,0295 \text{ V} \cdot (-1)

    E(Zn)=0,7895 VE(\text{Zn}) = -0,7895 \text{ V}

    Für die Kupfer-Halbzelle:

    E(Cu)=+0,34 V+0,059 V2lg(0,01)E(\text{Cu}) = +0,34 \text{ V} + \frac{0,059 \text{ V}}{\textcolor{#53E5D6}{2}} \cdot \lg(\textcolor{#08BFFF}{0,01})

    E(Cu)=+0,34 V+0,0295 V(2)E(\text{Cu}) = +0,34 \text{ V} + 0,0295 \text{ V} \cdot (-2)

    E(Cu)=+0,281 VE(\text{Cu}) = +0,281 \text{ V}

  3. Schritt 3
    Kathode und Anode bestimmen

    +0,281 V+0,281 \text{ V} ist größer als 0,7895 V-0,7895 \text{ V}. Also ist Kupfer die Kathode und Zink die Anode.

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Zellspannung berechnen

    U=E(Kathode)E(Anode)U = E(\text{Kathode}) - E(\text{Anode})

    U=0,281 V(0,7895 V)U = 0,281 \text{ V} - (-0,7895 \text{ V})

    U=1,0705 VU = 1,0705 \text{ V}

Ergebnis:

Die Zellspannung beträgt 1,0705 V1,0705 \text{ V}.

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Quizfrage 1 zu Grundlagen der Nernst

Welche Konzentration der Ionen liegt den Standardpotentialen (EE^\circ) zugrunde?

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Welchen Wert setzt man in der Nernst-Gleichung für die Konzentration des festen Metalls (c(Red)c(\text{Red})) ein?

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Beispiel 1

Aufgabe

Eine Zink-Kupfer-Zelle liefert eine gemessene Spannung von U=1,041 VU = 1,041 \text{ V}. Die Zink-Halbzelle hat Standardbedingungen (c=1 mol/Lc = 1 \text{ mol/L}). Berechne die unbekannte Konzentration der Kupferionen c(Cu2+)\textcolor{#08BFFF}{c(\text{Cu}^{2+})}.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Bekannte Potentiale bestimmen

    Da Zink unter Standardbedingungen vorliegt, ist der Logarithmus von 1 gleich 0. Das Potential entspricht genau dem Standardpotential:

    E(Zn)=0,76 VE(\text{Zn}) = -0,76 \text{ V}

  2. Schritt 2
    Potential der Kupfer-Halbzelle berechnen

    Wir wissen, dass Kupfer die Kathode (der positivere Partner) ist. Wir stellen die Spannungsformel um:

    U=E(Cu)E(Zn)U = E(\text{Cu}) - E(\text{Zn})

    1,041 V=E(Cu)(0,76 V)1,041 \text{ V} = E(\text{Cu}) - (-0,76 \text{ V})

    1,041 V=E(Cu)+0,76 V1,041 \text{ V} = E(\text{Cu}) + 0,76 \text{ V}

    E(Cu)=1,041 V0,76 V=0,281 VE(\text{Cu}) = 1,041 \text{ V} - 0,76 \text{ V} = 0,281 \text{ V}

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Nernst-Gleichung nach der Konzentration auflösen

    Nun setzen wir das berechnete Potential in die Nernst-Gleichung für Kupfer ein:

    0,281 V=0,34 V+0,059 V2lg(c)0,281 \text{ V} = 0,34 \text{ V} + \frac{0,059 \text{ V}}{2} \cdot \lg(\textcolor{#08BFFF}{c})

    Wir ziehen 0,34 V0,34 \text{ V} auf beiden Seiten ab:

    0,059 V=0,0295 Vlg(c)-0,059 \text{ V} = 0,0295 \text{ V} \cdot \lg(\textcolor{#08BFFF}{c})

    Wir teilen durch 0,0295 V0,0295 \text{ V}:

    2=lg(c)-2 = \lg(\textcolor{#08BFFF}{c})

    Um den Logarithmus aufzulösen, rechnen wir 1010 hoch das Ergebnis:

    c=102=0,01 mol/L\textcolor{#08BFFF}{c} = 10^{-2} = 0,01 \text{ mol/L}

Ergebnis:

Die Konzentration der Kupferionen beträgt 0,01 mol/L0,01 \text{ mol/L}.

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Nernst-Gleichung berechnet das Potential einer Halbzelle bei beliebigen Konzentrationen.

  • Für feste Metalle wird die Konzentration in der Formel immer auf 11 gesetzt.

  • Die Zellspannung berechnet sich immer aus: U=E(Kathode)E(Anode)U = E(\text{Kathode}) - E(\text{Anode}).

  • Die Kathode ist immer die Halbzelle mit dem größeren (positiveren) Potentialwert.

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Häufige Fragen

Was sind die Grundlagen der Nernst-Gleichung?

Die Grundlagen der Nernst-Gleichung beschreiben, wie sich das Redoxpotential einer Halbzelle ändert, wenn die Konzentration der Ionen nicht den Standardbedingungen (1 mol/L) entspricht. Mit ihr kannst du die tatsächliche Spannung einer Batterie beim Entladen berechnen, da die Ionenkonzentration dabei stetig abnimmt.

Wie berechnest du die Zellspannung mit der Nernst-Gleichung?

Zuerst berechnest du die Potentiale beider Halbzellen einzeln mit der Nernst-Gleichung. Die Halbzelle mit dem größeren Wert ist die Kathode (Pluspol), die mit dem kleineren Wert die Anode (Minuspol). Die Zellspannung U berechnest du dann mit der Formel: U = E(Kathode) - E(Anode).

Warum setzt man die Konzentration von festen Metallen in der Nernst-Gleichung auf 1?

Für feste Stoffe wie Metallelektroden und ungelöste Gase ist die Konzentration konstant. In der Nernst-Gleichung wird ihr Wert daher einfach als 1 definiert. Dadurch verschwindet der Bruch im Logarithmus, und die Berechnung für eine normale Metall-Halbzelle wird deutlich einfacher.

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