Gleichgewichtsberechnungen und Reaktionsausbeute einfach erklärt
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Stell dir vor, du arbeitest in einer Fahrradfabrik. Du hast 10 Rahmen und 20 Reifen. Theoretisch könntest du genau 10 Fahrräder bauen. Doch in der Realität geht vielleicht ein Reifen kaputt oder die Schicht endet früher, sodass du am Ende nur 6 Fahrräder fertigstellst.

In der Chemie ist das bei Gleichgewichtsberechnungen und der Reaktionsausbeute ganz ähnlich! Bei Gleichgewichtsreaktionen werden die Ausgangsstoffe fast nie zu 100 % in Produkte umgewandelt. Die Reaktion stoppt an einem bestimmten Punkt – dem chemischen Gleichgewicht. In diesem Artikel lernst du eine clevere Schritt-für-Schritt-Methode kennen, mit der du genau berechnen kannst, wie viel Produkt am Ende wirklich entsteht und wie effizient (die „Ausbeute“) deine Reaktion war.
Vorwissen
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Stoffmengenkonzentration (): Gibt an, wie viele Teilchen (in Mol) in einem bestimmten Volumen (in Litern) gelöst sind. Formel:
Beispiel: Wenn Salz in Wasser gelöst sind, ist die Konzentration .
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Das Massenwirkungsgesetz (MWG): Beschreibt das Verhältnis von Produkten zu Edukten im Gleichgewicht. Formel:
Beispiel: Für die Reaktion lautet das MWG: .
Aufgabentyp 1: Berechnung von Gleichgewichtskonstanten und Konzentrationen
Um die Gleichgewichtskonstante zu berechnen, müssen wir genau wissen, wie hoch die Konzentrationen aller Stoffe sind, wenn die Reaktion zum Stillstand gekommen ist. Der größte Fehler, den man hier machen kann, ist, die falschen Zahlen in das Massenwirkungsgesetz (MWG) einzusetzen.
Wir müssen streng zwischen zwei Zuständen unterscheiden:
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Anfangsgrößen ( oder ): Das ist die Menge an Stoffen, die wir ganz zu Beginn in unser Gefäß füllen, bevor die Reaktion überhaupt startet.
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Gleichgewichtsgrößen ( oder ): Das ist die Menge, die am Ende übrig bleibt oder neu entstanden ist, wenn das Gleichgewicht erreicht wurde.

Der Trick mit der Stöchiometrie:
Oft kennen wir nur die Anfangswerte und vielleicht einen einzigen Gleichgewichtswert. Hier hilft uns die Reaktionsgleichung (die Stöchiometrie). Wenn die Gleichung zum Beispiel lautet, wissen wir: Für jedes Molekül A, das verschwindet, tauchen genau zwei Moleküle B auf. So können wir fehlende Werte logisch ableiten.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Schritt 1: Reaktionsgleichung aufstellen – Schreibe die chemische Gleichung auf und achte darauf, dass sie ausgeglichen ist.
- Schritt 2: MWG formulieren – Stelle das Massenwirkungsgesetz für diese spezifische Reaktion auf ().
- Schritt 3: Werte sortieren – Lies den Aufgabentext genau. Was ist am Anfang gegeben? Was ist im Gleichgewicht gegeben?
- Schritt 4: Fehlende Werte ableiten (Stöchiometrie) – Nutze das Verhältnis aus der Reaktionsgleichung, um unbekannte Gleichgewichtsmengen zu berechnen.
- Schritt 5: Konzentrationen berechnen – Rechne alle Stoffmengen () mit dem Volumen () in Konzentrationen () um: .
- Schritt 6: In das MWG einsetzen – Setze die berechneten Gleichgewichtskonzentrationen in die Formel aus Schritt 2 ein und berechne (inklusive der Einheiten!).
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
In einem Zylinder mit einem Volumen von findet bei die Ammoniaksynthese aus Wasserstoff () und Stickstoff () statt. Im Gleichgewicht befinden sich , und im Zylinder. Berechne die Gleichgewichtskonstante .
- Schritt 1Reaktionsgleichung aufstellen
- Schritt 2MWG formulieren
- Schritt 3 & 4Werte sortieren und ableiten
In dieser Aufgabe haben wir Glück: Alle Stoffmengen () sind bereits als Gleichgewichtswerte gegeben. Wir müssen also keine Werte mehr ableiten.
- Schritt 5Konzentrationen berechnen
Wir teilen jede Stoffmenge durch das Volumen ():
- Schritt 6 · ErgebnisIn das MWG einsetzen
Wir setzen die türkisfarbenen Werte in die Formel aus Schritt 2 ein:
Wir quadrieren oben und rechnen unten hoch 3:
Die Gleichgewichtskonstante beträgt .
Aufgabentyp 2: Berechnung der Reaktionsausbeute
Wie wir am Anfang bei der Fahrradfabrik gesehen haben, laufen Gleichgewichtsreaktionen nie zu 100 % ab. Oft wollen Chemiker aber wissen: „Wie gut hat meine Reaktion funktioniert? Wie viel Prozent des theoretisch Möglichen habe ich tatsächlich erhalten?“
Genau das beschreibt die Reaktionsausbeute.
Um sie zu berechnen, vergleichen wir zwei Werte:
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Die tatsächliche Gleichgewichtskonzentration: Das ist der Wert, den wir im Experiment wirklich messen (oder wie in Schritt 5 berechnen).
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Die theoretische Maximalkonzentration: Das ist ein fiktiver Wert. Wir tun für einen Moment so, als wäre die Reaktion keine Gleichgewichtsreaktion, sondern eine Einbahnstraße. Wir fragen uns: Wie viel Produkt würde entstehen, wenn der Ausgangsstoff komplett verbraucht werden würde?

Die Formel dafür ist sehr simpel:
Das Ergebnis ist eine Dezimalzahl (z. B. ), die man meistens in Prozent angibt (dann ).
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Bei einer Veresterung reagieren Essigsäure und Ethanol zu einem Ester und Wasser. Die Anfangskonzentrationen von Essigsäure und Ethanol betragen jeweils . Nachdem sich das Gleichgewicht eingestellt hat, misst man eine Konzentration des gebildeten Esters von . Berechne die prozentuale Ausbeute des Esters.
- Schritt 1Theoretisches Maximum bestimmen
Wir starten mit der Ausgangsstoffe. Wenn die Reaktion zu 100 % ablaufen würde (also alles verbraucht wird), würden genau des Esters entstehen.
Die theoretische Maximalkonzentration ist also .
- Schritt 2Tatsächlichen Wert identifizieren
Laut Aufgabentext beträgt die tatsächliche Konzentration im Gleichgewicht .
- Schritt 3 · ErgebnisAusbeute berechnen
Wir setzen die Werte in die Formel ein:
Um den Wert in Prozent zu erhalten, multiplizieren wir mit 100. Die Ausbeute der Reaktion beträgt . Das bedeutet, wir haben 67 % der theoretisch möglichen Menge an Ester hergestellt.
Wichtige Erkenntnisse
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Unterscheide immer strikt zwischen Anfangswerten (vor der Reaktion) und Gleichgewichtswerten (nach der Reaktion).
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In das Massenwirkungsgesetz (MWG) dürfen nur Gleichgewichtskonzentrationen eingesetzt werden.
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Rechne Stoffmengen () immer erst mit in Konzentrationen um, bevor du sie in das MWG einsetzt.
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Die Ausbeute zeigt die Effizienz der Reaktion: .
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Häufige Fragen
Was sind Gleichgewichtsberechnungen und die Reaktionsausbeute?
Bei Gleichgewichtsberechnungen ermittelst du die Konzentrationen von Stoffen, wenn eine chemische Reaktion zum Stillstand gekommen ist. Die Reaktionsausbeute gibt an, wie viel Prozent des theoretisch möglichen Produkts tatsächlich entstanden sind, da Gleichgewichtsreaktionen fast nie zu 100 % ablaufen.
Wie berechnest du die Gleichgewichtskonstante?
Um die Gleichgewichtskonstante K_c zu berechnen, stellst du zuerst das Massenwirkungsgesetz auf. Dann setzt du die Gleichgewichtskonzentrationen der Produkte und Edukte in die Formel ein. Wichtig: Verwende niemals die Anfangskonzentrationen, sondern nur die Werte im Gleichgewicht!
Wie berechnet man die Reaktionsausbeute?
Die Ausbeute berechnest du, indem du die tatsächliche Konzentration im Gleichgewicht durch die theoretische Maximalkonzentration teilst. Das Ergebnis ist eine Dezimalzahl, die du mit 100 multiplizierst, um die prozentuale Ausbeute zu erhalten.
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