Einflüsse auf das chemische Gleichgewicht: So geht's
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Stell dir vor, du bist der Chef einer großen Chemiefabrik. Du mischst zwei Stoffe zusammen, um ein wertvolles Produkt herzustellen. Aber die Reaktion stoppt einfach auf halbem Weg – das chemische Gleichgewicht ist erreicht, und du hast nur 10 % deines Wunschprodukts erhalten. Was nun?

Chemiker geben sich damit nicht zufrieden. Sie nutzen Tricks, um Einflüsse auf das chemische Gleichgewicht zu steuern und die Ausbeute zu maximieren. In dieser Lektion lernst du, wie man durch einfache Temperaturänderungen oder den Einsatz von Katalysatoren das chemische Gleichgewicht steuern kann und was dabei genau mit der Gleichgewichtskonstante passiert.
Vorwissen
- Reaktionsenthalpie (): Gibt an, ob eine Reaktion Wärme abgibt oder aufnimmt.
- Exotherm: Wärme wird frei ( ist negativ). Beispiel: Ein Holzfeuer brennt.
- Endotherm: Wärme wird benötigt ( ist positiv). Beispiel: Ein Kühlpack wird kalt.
- Massenwirkungsgesetz (MWG): Die Formel zur Berechnung der Gleichgewichtskonstante .
- Regel:
- Beispiel für :
Aufgabentyp 1: Temperaturabhängigkeit der Gleichgewichtskonstante
Der Wert der Gleichgewichtskonstante ist nicht für immer festgeschrieben. Er hängt sehr stark von der Temperatur ab. Um zu verstehen, wie sich verändert, schauen wir uns ein berühmtes Experiment an:
Wir haben zwei Gase in einem geschlossenen Röhrchen. Das Stickstoffdioxid ist ein braunes Gas (Edukt). Es reagiert zu Distickstofftetraoxid, welches farblos ist (Produkt). Diese Reaktion ist exotherm, sie gibt also Wärme ab ().
Stell dir die Wärme einfach wie ein zusätzliches Produkt auf der rechten Seite vor. Was passiert nun, wenn wir das Röhrchen in heißes Wasser tauchen (die Temperatur erhöhen)?

Wenn wir das System erhitzen, fügen wir quasi 'Wärme' hinzu. Das System weicht diesem Zwang aus und verbraucht die zusätzliche Wärme, indem es die Reaktion rückwärts ablaufen lässt (von rechts nach links). Das Röhrchen wird dunkelbraun!
Das bedeutet für unsere Stoffe:
- Die Konzentration des braunen Edukts nimmt zu.
- Die Konzentration des farblosen Produkts nimmt ab.
Jetzt setzen wir diese Erkenntnis in das Massenwirkungsgesetz ein:
Da wir weniger Produkt haben, wird der Zähler kleiner. Da wir mehr Edukt haben, wird der Nenner größer. Wenn du in der Mathematik eine kleinere Zahl durch eine größere Zahl teilst, wird das Gesamtergebnis kleiner.

Fazit: Bei einer exothermen Reaktion führt eine Temperaturerhöhung dazu, dass der Zahlenwert von sinkt (z. B. von auf ). Kühlt man das System ab, passiert genau das Gegenteil: Die Reaktion läuft nach rechts, der Zähler wächst, und wird größer.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wenn du in einer Prüfung vorhersagen sollst, wie sich bei einer Temperaturänderung verhält, nutze diesen Plan:
- Reaktionsart bestimmen: Schau dir den Wert von an (negativ = exotherm, positiv = endotherm).
- Verschiebung vorhersagen: Überlege, wohin das System ausweicht (weg von der hinzugefügten Wärme oder hin zur fehlenden Wärme).
- Zähler und Nenner anpassen: Übertrage die Verschiebung auf das Massenwirkungsgesetz und bestimme, ob steigt oder sinkt.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Gegeben ist die folgende endotherme Reaktion zur Herstellung von Stickstoffmonoxid:
Erkläre Schritt für Schritt, wie sich eine Temperaturerhöhung auf den Wert der Gleichgewichtskonstante auswirkt.
- Schritt 1Reaktionsart bestimmen
Da positiv ist (), ist die Hinreaktion endotherm. Die Wärme wird also wie ein Edukt auf der linken Seite benötigt:
- Schritt 2Verschiebung vorhersagen
Bei einer Temperaturerhöhung führen wir dem System zusätzliche Wärme zu. Das System weicht diesem Zwang aus und verbraucht die Wärme, indem die Reaktion nach rechts (zu den Produkten) abläuft.
- Schritt 3 · ErgebnisZähler und Nenner anpassen
Durch die Verschiebung nach rechts entsteht mehr Produkt () und die Edukte ( und ) werden verbraucht.
Im Massenwirkungsgesetz () wird dadurch der Zähler größer und der Nenner kleiner.
Folglich steigt der Wert der Gleichgewichtskonstante bei einer Temperaturerhöhung an.
Aufgabentyp 2: Die Rolle von Katalysatoren im Gleichgewicht
Oft dauert es in der Industrie viel zu lange, bis sich ein chemisches Gleichgewicht von selbst einstellt. Hier kommen Katalysatoren ins Spiel. Ein Katalysator ist wie eine gut ausgebaute Autobahn: Er bietet der Reaktion einen schnelleren Weg.
Das Wichtigste, was du dir merken musst, ist:
- Ein Katalysator beschleunigt sowohl die Hinreaktion als auch die Rückreaktion im exakt gleichen Ausmaß.
- Dadurch wird der Zustand des Gleichgewichts viel schneller erreicht.
- Aber: Ein Katalysator verändert niemals die endgültige Zusammensetzung der Mischung!

Wie du im Diagramm siehst, enden die Konzentrationen der Stoffe auf genau derselben Höhe, egal ob ein Katalysator verwendet wurde oder nicht. Da die Konzentrationen im Gleichgewicht gleich bleiben, ändert sich auch der Bruch im Massenwirkungsgesetz nicht. Der Zahlenwert von bleibt durch einen Katalysator völlig unverändert.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Temperatur ist der einzige Faktor, der den Zahlenwert der Gleichgewichtskonstante verändern kann.
- Bei exothermen Reaktionen führt eine Temperaturerhöhung zu einem kleineren .
- Bei endothermen Reaktionen führt eine Temperaturerhöhung zu einem größeren .
- Ein Katalysator beschleunigt nur die Einstellung des Gleichgewichts. Er verändert weder die Endkonzentrationen noch den Wert von .
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Häufige Fragen
Was sind Einflüsse auf das chemische Gleichgewicht?
Einflüsse auf das chemische Gleichgewicht sind äußere Faktoren wie Temperatur, Druck oder Konzentration, die den Zustand einer umkehrbaren Reaktion verändern. Das System reagiert auf diesen Zwang, indem es das Gleichgewicht verschiebt, um den Zwang auszugleichen.
Wie beeinflusst die Temperatur das chemische Gleichgewicht?
Die Temperatur ist der einzige Faktor, der den Wert der Gleichgewichtskonstante K_c ändert. Bei einer exothermen Reaktion führt eine Temperaturerhöhung zu einer Verschiebung auf die Seite der Edukte (K_c sinkt). Bei einer endothermen Reaktion verschiebt sich das Gleichgewicht zu den Produkten (K_c steigt).
Welchen Einfluss hat ein Katalysator auf das Gleichgewicht?
Ein Katalysator beschleunigt die Hin- und Rückreaktion im exakt gleichen Ausmaß. Dadurch stellt sich das chemische Gleichgewicht schneller ein. Er verändert jedoch niemals die endgültige Zusammensetzung der Mischung oder den Wert der Gleichgewichtskonstante.
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