Das erste Faradaysche Gesetz einfach erklärt: Elektrolyse

Lerne, wie du mit dem ersten Faradayschen Gesetz die Masse bei der Elektrolyse berechnest. Schritt-für-Schritt-Anleitung und durchgerechnete Beispiele.

📅 Aktualisiert 2. September 20265 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Das erste Faradaysche Gesetz einfach erklärt: Elektrolyse

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Student thinking

Stell dir vor, du arbeitest in einer Schmuckwerkstatt und sollst einen Ring vergolden. Du tauchst den Ring in ein Elektrolysebad und schaltest den Strom ein. Aber woher weißt du, wann genau 1 g1 \text{ g} Gold auf dem Ring gelandet ist? Wenn du ihn zu früh herausnimmst, ist die Schicht zu dünn. Wartest du zu lange, verschwendest du teures Gold.

Ring vergolden im Elektrolysebad
Ring vergolden im Elektrolysebad

Genau hier hilft uns die Chemie und das erste Faradaysche Gesetz! In dieser Lektion lernst du, wie man den genauen Zusammenhang zwischen der Stromstärke, der Zeit und der Menge des hergestellten Stoffes bei der quantitativen Elektrolyse berechnet. So kannst du am Ende exakt vorhersagen, wie viel Gramm eines Metalls entstehen.

Vorwissen

  • Elektrische Ladung (QQ): Berechnet sich aus Stromstärke (II) mal Zeit (tt). Die Formel lautet Q=ItQ = I \cdot t. Die Einheit ist Amperesekunde (As\text{A}\cdot\text{s}).

    Beispiel: Fließt ein Strom von 2 A2 \text{ A} für 10 s10 \text{ s}, beträgt die Ladung Q=20 AsQ = 20 \text{ A}\cdot\text{s}.

  • Stoffmenge (nn) und Molare Masse (MM): Ein Mol ist eine feste Anzahl von Teilchen. Die Masse eines Stoffes berechnet sich mit m=nMm = n \cdot M.

    Beispiel: 2 mol2 \text{ mol} Kohlenstoff (M=12 gmol1M = 12 \text{ g}\cdot\text{mol}^{-1}) haben eine Masse von 24 g24 \text{ g}.

  • Ionen: Geladene Teilchen, die bei der Elektrolyse zu den Elektroden wandern und dort Elektronen aufnehmen oder abgeben, um wieder neutral zu werden.

Aufgabentyp 1: Berechnung der Abscheidungsmasse

Um das erste Faradaysche Gesetz anzuwenden, müssen wir zunächst die Elektrolysekonstanten und Ladungsproportionalitäten verstehen. Bei der Elektrolyse fließen Elektronen durch die Kabel. Um genau rechnen zu können, müssen wir wissen, wie viel Ladung diese Elektronen transportieren. Dafür nutzen Chemiker drei wichtige Konstanten:

  1. Die Elementarladung (ee): Das ist die winzige Ladung eines einzigen Elektrons. Sie beträgt e=1.6021761019 Ase = 1.602\,176 \cdot 10^{-19} \text{ A}\cdot\text{s}.

  2. Die Avogadro-Konstante (NAN_A): Sie gibt an, wie viele Teilchen in einem Mol stecken. NA=6.0221421023 mol1N_A = 6.022\,142 \cdot 10^{23} \text{ mol}^{-1}.

  3. Die Faraday-Konstante (FF): Wenn wir die Ladung eines einzelnen Elektrons (ee) mit der riesigen Anzahl an Elektronen in einem Mol (NAN_A) multiplizieren, erhalten wir die Ladung für genau ein Mol Elektronen.

Formel zur Faraday-Konstante
Formel zur Faraday-Konstante

Die Formel dafür lautet F=NAeF = N_A \cdot e. Der Wert ist F=96485 Asmol1F = 96485 \text{ A}\cdot\text{s}\cdot\text{mol}^{-1}. Merke dir: Die Faraday-Konstante ist einfach die Gesamtladung von einem Mol Elektronen.

Je länger der Strom fließt und je stärker er ist, desto mehr Elektronen werden transportiert. Das bedeutet: Die Menge des hergestellten Stoffes (Stoffmenge nn oder Volumen VV) ist direkt proportional zur geflossenen elektrischen Gesamtladung (QQ).

  • VtV \sim t (bei konstanter Stromstärke)
  • VIV \sim I (bei konstanter Zeit)
  • Daraus folgt: VItV \sim I \cdot t oder VQV \sim Q

Ein gutes Beispiel ist die Elektrolyse von verdünnter Schwefelsäure. Hierbei entstehen Gase an den Elektroden:

  • Anode (Pluspol): 4 OH(aq)O2(g)+2 H2O(l)+4 e4 \text{ OH}^-(aq) \to \text{O}_2(g) + 2 \text{ H}_2\text{O}(l) + 4 \text{ e}^-
  • Kathode (Minuspol): 4 H3O+(aq)+4 e2 H2(g)+4 H2O(l)4 \text{ H}_3\text{O}^+(aq) + 4 \text{ e}^- \to 2 \text{ H}_2(g) + 4 \text{ H}_2\text{O}(l)

Wenn du die Elektrolyse doppelt so lange laufen lässt, entsteht exakt doppelt so viel Wasserstoff- und Sauerstoffgas, weil doppelt so viele Elektronen geflossen sind.

Wie berechnen wir nun genau, wie viel Stoff entsteht? Das hängt davon ab, wie viele Elektronen ein einzelnes Ion benötigt, um neutral zu werden. Diese Anzahl nennen wir die Ladungszahl (zz).

Ein Kupfer-Ion (Cu2+\text{Cu}^{2+}) benötigt zum Beispiel genau 22 Elektronen, um zu neutralem Kupfer zu werden.

Kupfer-Ion nimmt Elektronen auf
Kupfer-Ion nimmt Elektronen auf

Wenn ein einzelnes Ion zz Elektronen braucht, dann braucht 1 mol1 \text{ mol} dieser Ionen genau zz Mol Elektronen. Da wir wissen, dass 1 mol1 \text{ mol} Elektronen die Ladung FF besitzt, lautet die Formel für die benötigte Gesamtladung (QQ):

Q=nzFQ = n \cdot \textcolor{#08BFFF}{z} \cdot F

Wir wissen aus unserem Vorwissen auch, dass die Ladung durch den Strom und die Zeit bestimmt wird (Q=ItQ = I \cdot t). Wenn wir das einsetzen, erhalten wir:

It=nzFI \cdot t = n \cdot \textcolor{#08BFFF}{z} \cdot F

Wenn wir diese Gleichung nun nach der Stoffmenge (nn) umstellen, erhalten wir das erste Faradaysche Gesetz:

n=ItzFn = \frac{I \cdot t}{\textcolor{#08BFFF}{z} \cdot F}

Mit dieser Stoffmenge (nn) kannst du nun alles Weitere berechnen:

  • Willst du die Masse eines festen Metalls wissen, rechnest du: m=nMm = n \cdot M (Molare Masse).
  • Willst du das Volumen eines Gases wissen, rechnest du: V=nVmV = n \cdot V_m (Molares Volumen).

In Prüfungen wird oft direkt nach der Masse (mm) eines Metalls gefragt, das sich an einer Elektrode ablagert (abscheidet). Anstatt in zwei Schritten zu rechnen, können wir die Formel für die Stoffmenge (nn) direkt in die Massenformel (m=nMm = n \cdot M) einsetzen.

Die komplette Formel lautet dann:

m=ItzFMm = \frac{I \cdot t}{\textcolor{#08BFFF}{z} \cdot F} \cdot M

Um diese Formel erfolgreich anzuwenden, musst du auf zwei typische Stolperfallen achten:

  1. Die Ladungszahl (z\textcolor{#08BFFF}{z}): Du musst wissen, welches Ion vorliegt. Bei Silber (Ag+\text{Ag}^+) ist z=1\textcolor{#08BFFF}{z=1}. Bei Kupfer(II) (Cu2+\text{Cu}^{2+}) ist z=2\textcolor{#08BFFF}{z=2}.
  2. Die Zeit (tt): Die Faraday-Konstante hat die Einheit Amperesekunde (As\text{A}\cdot\text{s}). Daher muss die Zeit in der Formel immer in Sekunden eingesetzt werden! Wenn die Zeit in Minuten gegeben ist, musst du sie zwingend mit 6060 multiplizieren.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Notiere alle Werte: Schreibe Stromstärke, Zeit und Molare Masse auf und wandle die Zeit sofort in Sekunden um.
  2. Bestimme die Ladungszahl: Finde heraus, welche Ladung das Metallion hat, um den Wert z festzulegen.
  3. Setze die Werte ein: Setze alle Werte in die kombinierte Formel für die Masse ein.
  4. Berechne das Ergebnis: Rechne den Wert aus und prüfe, ob sich die Einheiten korrekt zu Gramm wegkürzen.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Eine Kupfer(II)-sulfatlösung wird an Kupferelektroden elektrolysiert. Die Stromstärke beträgt 0.400 A0.400 \text{ A} und der Strom fließt für genau 30 min30 \text{ min}. Berechne die Masse des an der Kathode abgeschiedenen Kupfers. (Molare Masse von Kupfer: M=63.55 gmol1M = 63.55 \text{ g}\cdot\text{mol}^{-1}).

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Werte notieren und Einheiten anpassen
    • I=0.400 AI = 0.400 \text{ A}
    • t=30 mint = 30 \text{ min}. Wir rechnen um: 3060 s=1800 s30 \cdot 60 \text{ s} = 1800 \text{ s}.
    • M=63.55 gmol1M = 63.55 \text{ g}\cdot\text{mol}^{-1}
    • F=96485 Asmol1F = 96485 \text{ A}\cdot\text{s}\cdot\text{mol}^{-1} (Konstante)
  2. Schritt 2
    Ladungszahl bestimmen

    Es handelt sich um Kupfer(II)-sulfat. Das römische (II) verrät uns, dass Kupfer als Cu2+\text{Cu}^{2+} Ion vorliegt. Daher ist die Ladungszahl z=2\textcolor{#08BFFF}{z = 2}.

  3. Schritt 3
    Werte in die Formel einsetzen

    Wir nutzen die Formel m=ItzFMm = \frac{I \cdot t}{\textcolor{#08BFFF}{z} \cdot F} \cdot M und setzen ein:

    m=0.400 A1800 s296485 Asmol163.55 gmol1m = \frac{0.400 \text{ A} \cdot 1800 \text{ s}}{\textcolor{#08BFFF}{2} \cdot 96485 \text{ A}\cdot\text{s}\cdot\text{mol}^{-1}} \cdot 63.55 \text{ g}\cdot\text{mol}^{-1}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ausrechnen und Einheit prüfen

    Wir tippen die Werte in den Taschenrechner ein. Die Einheiten A\text{A}, s\text{s} und mol1\text{mol}^{-1} kürzen sich komplett weg, sodass nur g\text{g} übrig bleibt.

    m=0.237 gm = 0.237 \text{ g}

Ergebnis:

Es scheiden sich 0.237 g0.237 \text{ g} Kupfer an der Kathode ab. Das Ergebnis ist eine kleine, realistische Menge für ein kurzes Laborexperiment.

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Quizfrage 1 zu Das erste Faradaysche Gesetz

Wie groß ist die elektrische Ladung, wenn ein Strom von 2 A2 \text{ A} für 10 s10 \text{ s} fließt?

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Was gibt die Faraday-Konstante an?

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Wichtige Erkenntnisse

  • Die Faraday-Konstante (F=96485 Asmol1F = 96485 \text{ A}\cdot\text{s}\cdot\text{mol}^{-1}) entspricht der elektrischen Ladung von genau einem Mol Elektronen.
  • Das erste Faradaysche Gesetz lautet: n=ItzFn = \frac{I \cdot t}{z \cdot F}.
  • Die Ladungszahl (zz) gibt an, wie viele Elektronen ein Ion aufnehmen oder abgeben muss (z. B. z=2z=2 für Cu2+\text{Cu}^{2+}).
  • Achtung: Rechne die Zeit (tt) für diese Formeln immer in Sekunden um!

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Häufige Fragen

Was ist das erste Faradaysche Gesetz?

Das erste Faradaysche Gesetz beschreibt den Zusammenhang zwischen der elektrischen Ladung, die bei einer Elektrolyse fließt, und der Stoffmenge, die an den Elektroden abgeschieden wird. Es besagt, dass die abgeschiedene Stoffmenge direkt proportional zur geflossenen elektrischen Ladung ist. Die Formel lautet n = (I · t) / (z · F).

Was ist die Faraday-Konstante?

Die Faraday-Konstante (F) gibt die elektrische Gesamtladung von genau einem Mol Elektronen an. Sie wird berechnet, indem man die Elementarladung eines Elektrons mit der Avogadro-Konstante multipliziert. Ihr Wert beträgt 96485 A·s·mol⁻¹ und sie ist zentral für alle Berechnungen der quantitativen Elektrolyse.

Wie berechne ich die Masse bei der Elektrolyse?

Um die Abscheidungsmasse zu berechnen, nutzt du die erweiterte Formel des ersten Faradayschen Gesetzes: m = (I · t · M) / (z · F). Setze die Stromstärke I, die Zeit t in Sekunden, die Molare Masse M und die Ladungszahl z des Ions ein. Achte immer darauf, die Zeit in Sekunden umzurechnen!

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