Biokunststoffe und biologisch abbaubare Kunststoffe erklärt

Was sind biologisch abbaubare Kunststoffe und Biokunststoffe? Lerne den Unterschied, die Synthese von PLA und wie der Abbau funktioniert.

📅 Aktualisiert 5. September 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Biokunststoffe und biologisch abbaubare Kunststoffe erklärt

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Hast du schon einmal einen Smoothie in einem Plastikbecher gekauft, auf dem groß „100 % kompostierbar“ stand? Oder eine kleine grüne Tüte für den Biomüll verwendet? Oft denken wir, dass alles, was das Wort „Bio“ trägt, automatisch gut für die Umwelt ist und sich in der Natur in Luft auflöst. Wenn wir uns biologisch abbaubare Kunststoffe und Biokunststoffe genauer ansehen, wird es jedoch richtig spannend.

Plastikbecher mit Bio-Aufdruck
Plastikbecher mit Bio-Aufdruck

Aber die Welt der Kunststoffe ist etwas komplizierter. In diesem Artikel werden wir das Geheimnis hinter dem Begriff „Biokunststoff“ lüften. Du wirst lernen, warum manche Kunststoffe aus Pflanzen gemacht sind, aber trotzdem ewig in der Umwelt bleiben, und wie clevere chemische Reaktionen Materialien wie Polymilchsäure (PLA) erschaffen, die sich tatsächlich wieder in natürliche Bestandteile zersetzen lassen.

Vorwissen

  • Polykondensation: Eine chemische Reaktion, bei der sich viele kleine Moleküle (Monomere) zu einem großen Makromolekül (Polymer) verbinden, wobei ein kleines Nebenprodukt (meist Wasser) abgespalten wird.

    Beispiel: Die Herstellung von PET aus Dicarbonsäuren und Diolen unter Abspaltung von H2O\text{H}_2\text{O}.

  • Esterbindung: Die funktionelle Gruppe, die entsteht, wenn eine Carboxylgruppe (-COOH\text{-COOH}) mit einer Hydroxylgruppe (-OH\text{-OH}) reagiert.

    Beispiel: Essigsäure und Ethanol reagieren zu Essigsäureethylester und Wasser.

Aufgabentyp 1: Eigenschaften und Reaktionsgleichung der PLA-Synthese

Um biologisch abbaubare Kunststoffe und Biokunststoffe richtig zu verstehen, müssen wir zunächst die Begriffe klären und uns dann die Synthese ansehen.

Der Begriff „Biokunststoff“ ist oft irreführend, weil er zwei völlig unterschiedliche Eigenschaften in einen Topf wirft. Um Kunststoffe richtig zu beurteilen, müssen wir zwei Fragen stellen: Woher kommt der Rohstoff? und Was passiert am Ende des Lebenszyklus?

1. Die Herkunft des Rohstoffs:

  • Fossile Rohstoffe: Das klassische Erdöl oder Erdgas.

  • Nachwachsende Rohstoffe: Pflanzen (wie Mais oder Zuckerrohr), Tiere oder Mikroorganismen.

2. Das Verhalten am Ende des Lebenszyklus:

  • Biologisch abbaubar: Mikroorganismen können den Kunststoff vollständig in natürliche Stoffe (wie Wasser und Kohlenstoffdioxid) zersetzen.

  • Biologisch nicht abbaubar: Der Kunststoff bleibt dauerhaft in der Umwelt bestehen (z. B. als Mikroplastik).

Klassifizierung von Biokunststoffen Diagramm
Klassifizierung von Biokunststoffen Diagramm

Die wichtigste Regel: Nur weil ein Kunststoff aus Pflanzen gemacht ist, ist er nicht automatisch abbaubar! Ein gutes Beispiel ist Bio-Polyethylen (Bio-PE). Es wird aus Bioethanol (gewonnen aus Zuckerrohr) hergestellt. Chemisch gesehen ist es aber exakt dasselbe Polyethylen wie aus Erdöl. Es ist also biobasiert, aber nicht biologisch abbaubar. Auch naturfaserverstärkte Materialien oder Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffe gehören oft zu den nicht abbaubaren Kunststoffen.

Umgekehrt gibt es sogar Kunststoffe, die aus fossilem Erdöl hergestellt werden, aber aufgrund ihrer speziellen chemischen Struktur trotzdem biologisch abbaubar sind (z. B. bestimmte synthetische Polyester).

Das bekannteste Beispiel für einen Kunststoff, der sowohl aus nachwachsenden Rohstoffen stammt als auch biologisch abbaubar ist, ist Polymilchsäure (oft PLA genannt, vom englischen Polylactic acid).

Der Grundbaustein (das Monomer) von PLA ist die Milchsäure. Sie wird nicht aus Erdöl gewonnen, sondern durch die Fermentation (Gärung) von Kohlenhydraten wie Stärke, Glucose oder Lactose durch Bakterien.

Milchsäure ist ein besonderes Molekül, denn sie besitzt zwei verschiedene funktionelle Gruppen: eine Hydroxylgruppe und eine Carboxylgruppe. Dadurch kann sie mit sich selbst reagieren.

Strukturformel von Milchsäure
Strukturformel von Milchsäure

Es gibt zwei Hauptwege, um aus der Milchsäure den langen Kunststoff PLA herzustellen:

Weg 1: Direkte Polykondensation

Hierbei reagiert die Carboxylgruppe des einen Milchsäure-Moleküls direkt mit der Hydroxylgruppe eines anderen. Es entsteht eine Esterbindung und Wasser (H2O\text{H}_2\text{O}) wird abgespalten. Das Problem: Das entstehende Wasser kann die Bindungen teilweise wieder spalten, weshalb auf diesem Weg meist nur kurze Polymerketten entstehen.

Weg 2: Ringöffnungspolymerisation (Der industrielle Weg)

Um sehr lange, stabile Kunststoffketten zu erhalten, nutzt man einen Trick. Zuerst verbindet man nur zwei Milchsäure-Moleküle zu einem Ring. Dieses ringförmige Dimer nennt man Lactid. Das Lactid-Molekül enthält genau zwei Estergruppen. In einem zweiten Schritt wird dieser Ring durch spezielle Katalysatoren geöffnet und die Moleküle hängen sich wie Waggons aneinander (Polymerisation). Da hierbei kein Wasser mehr abgespalten wird, entstehen sehr lange und hochwertige PLA-Ketten.

Warum verschwindet PLA in der Natur, während normales Plastik bleibt? Der Abbau von PLA erfolgt in zwei aufeinanderfolgenden Schritten:

1. Der chemische Abbau (Hydrolyse):

PLA wird durch Feuchtigkeit und Wärme in der Umgebung angegriffen. Das Wasser spaltet die Esterbindungen in der langen Polymerkette. Dieser Vorgang heißt Hydrolyse (griechisch für „Spaltung durch Wasser“). Die lange Kette zerfällt dadurch wieder in ihre ursprünglichen Einzelteile: die Milchsäure-Monomere.

2. Der biologische Abbau:

Jetzt kommen die Mikroorganismen (Bakterien und Pilze) im Boden oder Kompost ins Spiel. Sie erkennen die Milchsäure als Nahrung. Sie fressen die Monomere und verstoffwechseln sie vollständig zu Kohlenstoffdioxid (CO2\text{CO}_2) und Wasser (H2O\text{H}_2\text{O}).

Abbau von Polymilchsäure PLA
Abbau von Polymilchsäure PLA

Aufgrund dieser tollen Eigenschaften wird PLA in vielen Bereichen eingesetzt:

  • Lebensmittelindustrie: Als Verpackungsmaterial, z. B. für durchsichtige Becher, Schalen oder kompostierbare Folien.

  • Landwirtschaft: Als Mulchfolien. Diese Folien werden über Felder gespannt, um Unkraut zu verhindern. Nach der Ernte müssen sie nicht mühsam eingesammelt werden, sondern können einfach untergepflügt werden, wo sie sich natürlich zersetzen.

  • Medizintechnik: Als bioresorbierbares Nahtmaterial. Wenn ein Arzt eine Wunde im Körperinneren näht, verwendet er Fäden aus PLA. Der Körper baut den Faden durch Hydrolyse von selbst ab, sodass keine zweite Operation zum Fädenziehen nötig ist.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Wenn du in einer Prüfung die direkte Polykondensation von Milchsäure zu PLA zeichnen sollst, gehe so vor:

  1. Das Monomer zeichnen: Zeichne das Milchsäure-Molekül. Achte darauf, dass du die Hydroxylgruppe (-OH\text{-OH}) an das zweite Kohlenstoffatom und die Carboxylgruppe (-COOH\text{-COOH}) an das Ende zeichnest.
  2. Die Wasserabspaltung markieren: Markiere das H\text{H}-Atom der Hydroxylgruppe und die OH\text{OH}-Gruppe der Carboxylgruppe. Diese beiden verbinden sich zu Wasser (H2O\text{H}_2\text{O}).
  3. Das Polymer zeichnen: Verbinde den verbleibenden Sauerstoff der einen Gruppe mit dem Kohlenstoff der anderen Gruppe zu einer Esterbindung. Setze eckige Klammern um die Wiederholungseinheit und schreibe ein nn dahinter, um zu zeigen, dass sich dies viele Male wiederholt.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Formuliere die allgemeine Reaktionsgleichung für die direkte Polykondensation von nn Milchsäure-Molekülen zu Polymilchsäure (PLA).

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Das Monomer zeichnen

    Wir starten mit nn Molekülen Milchsäure:

    n HO-CH(CH3)-COOHn \text{ HO-CH(CH}_3\text{)-COOH}

  2. Schritt 2
    Die Wasserabspaltung markieren

    Bei jedem Zusammenschluss spaltet sich ein Molekül Wasser ab. Bei nn Monomeren entstehen (n1)(n-1) Moleküle Wasser. Zur Vereinfachung schreibt man oft einfach n H2On \text{ H}_2\text{O}.

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Das Polymer zeichnen

    Die Monomere verknüpfen sich über Esterbindungen. Die fertige Reaktionsgleichung lautet:

    n HO-CH(CH3)-COOHH-[O-CH(CH3)-CO]n-OH+(n1) H2On \text{ HO-CH(CH}_3\text{)-COOH} \to \text{H-[O-CH(CH}_3\text{)-CO]}_n\text{-OH} + (n-1) \text{ H}_2\text{O}

Ergebnis:

Die Reaktionsgleichung zeigt die Bildung von PLA unter Abspaltung von Wasser.


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Wichtige Erkenntnisse

  • Biobasiert \neq Biologisch abbaubar: Kunststoffe aus Pflanzen (wie Bio-PE) können dauerhaft in der Umwelt bleiben. Kunststoffe aus Erdöl können abbaubar sein.

  • PLA (Polymilchsäure): Ist biobasiert (aus Stärke/Zucker) UND biologisch abbaubar.

  • Synthese: PLA wird entweder durch direkte Polykondensation von Milchsäure oder durch Ringöffnungspolymerisation von Lactid hergestellt.

  • Abbau: PLA wird zuerst chemisch durch Wasser gespalten (Hydrolyse) und danach von Mikroorganismen zu CO2\text{CO}_2 und H2O\text{H}_2\text{O} abgebaut.

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Häufige Fragen

Was sind biologisch abbaubare Kunststoffe und Biokunststoffe?

Biokunststoffe ist ein Überbegriff, der oft zwei Dinge vermischt: die Herkunft (aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais) und das Ende des Lebenszyklus (ob sie biologisch abbaubar sind). Biologisch abbaubare Kunststoffe können von Mikroorganismen vollständig in natürliche Stoffe wie Wasser und Kohlenstoffdioxid zersetzt werden, unabhängig davon, ob sie aus Erdöl oder Pflanzen bestehen.

Ist jeder Kunststoff aus Pflanzen automatisch biologisch abbaubar?

Nein, das ist ein häufiger Irrtum. Ein gutes Beispiel ist Bio-Polyethylen (Bio-PE). Es wird aus Zuckerrohr hergestellt, ist chemisch aber identisch mit herkömmlichem Polyethylen aus Erdöl. Es ist also biobasiert, aber nicht biologisch abbaubar und verbleibt dauerhaft in der Umwelt.

Wie wird Polymilchsäure (PLA) abgebaut?

Der Abbau von PLA erfolgt in zwei Schritten. Zuerst spaltet Wasser durch Hydrolyse die langen Polymerketten in einzelne Milchsäure-Monomere. Anschließend fressen Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze diese Monomere und verstoffwechseln sie vollständig zu Kohlenstoffdioxid und Wasser.

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