Grundlagen der radikalischen Polymerisation einfach erklärt

Erfahre alles über die Grundlagen der radikalischen Polymerisation. Lerne den Mechanismus aus Kettenstart, Wachstum und Abbruch Schritt für Schritt kennen.

📅 Aktualisiert 4. September 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Grundlagen der radikalischen Polymerisation einfach erklärt

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Hast du dich schon einmal gefragt, wie aus unsichtbaren Gasen oder flüssigen Chemikalien feste Plastikflaschen oder Legosteine werden? Die Antwort sind die Grundlagen der radikalischen Polymerisation – eine chemische Kettenreaktion, bei der winzige Moleküle wie Puzzleteile zu riesigen Ketten zusammengefügt werden.

Moleküle werden zu Polymerketten
Moleküle werden zu Polymerketten

In dieser Lektion lernen wir, wie die sogenannte radikalische Polymerisation funktioniert. Du wirst sehen, wie aus kleinen Bausteinen riesige Makromoleküle entstehen und wie man diese Reaktionen Schritt für Schritt aufschreibt.

Vorwissen

  • Alkene: Kohlenwasserstoffe mit mindestens einer Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindung (C=C\text{C=C}). Beispiel: Ethen (CH2=CH2\text{CH}_2\text{=CH}_2) ist ein einfaches Alken.
  • Radikale: Teilchen mit einem ungepaarten Elektron. Sie sind extrem reaktiv und suchen dringend einen Reaktionspartner. Beispiel: Ein Chlor-Radikal (Cl\text{Cl}^\bullet) greift sofort andere Moleküle an, um eine Bindung einzugehen.

Aufgabentyp 1: Reaktionsmechanismus und Gleichungen aufstellen

Um die Grundlagen der radikalischen Polymerisation vollständig zu beherrschen, schauen wir uns die Prinzipien, den dreistufigen Mechanismus und die Kettenverzweigung im Detail an.

1. Prinzipien und Atomökonomie Um einen Kunststoff herzustellen, benötigen wir kleine Bausteine, die sogenannten Monomere. Damit diese sich verbinden können, müssen sie mindestens eine Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindung (C=C\text{C=C}) besitzen.

Bei der radikalischen Polymerisation klappt diese Doppelbindung auf. Die frei werdenden Bindungsarme verknüpfen die Monomere zu einer riesigen Kette, dem Polymer (Makromolekül).

Monomere verbinden sich zum Polymer
Monomere verbinden sich zum Polymer

Da diese Ketten aus Tausenden gleichen Bausteinen bestehen, schreibt man nicht die ganze Kette auf, sondern nutzt Repetiereinheiten. Für Polyethen schreibt man das so: [-CH2-CH2-]n[\text{-CH}_2\text{-CH}_2\text{-}]_n. Das „n“ steht für die unbestimmte Anzahl der Wiederholungen.

Atomökonomie (Atomeffizienz): Stell dir vor, du baust ein Haus und hast am Ende absolut keinen Müll übrig. Genau das passiert hier! Die Atomökonomie beschreibt, wie viel Prozent der Atome der Ausgangsstoffe im gewünschten Endprodukt landen. Bei der radikalischen Polymerisation liegt die Atomeffizienz bei 100 %. Alle Atome der Monomere werden in das Polymer eingebaut – es entstehen keine Abfallprodukte.

Zusatzinfo: Wenn man bei einem Monomer ein Wasserstoffatom durch eine andere Gruppe ersetzt, nennt man das ein Derivat. So entstehen aus ähnlichen Grundbausteinen völlig verschiedene Kunststoffe.

2. Der dreistufige Reaktionsmechanismus Die Verknüpfung der Monomere passiert nicht einfach so. Es braucht einen „Zündfunken“ – ein Radikal. Die Reaktion verläuft als Kettenreaktion in drei klaren Schritten:

Kettenstart: Zuerst wird ein Startradikal (R\text{R}^\bullet) benötigt. Dieses entsteht oft durch das Zerfallen von speziellen Molekülen bei Hitze. Das Startradikal ist so aggressiv, dass es die Doppelbindung eines Monomers (z. B. Ethen) aufbricht. Das Radikal bindet sich an das Monomer, aber das ungepaarte Elektron bleibt am anderen Ende übrig. Es ist ein neues, längeres Radikal entstanden!

R+CH2=CH2R-CH2-CH2\text{R}^\bullet + \text{CH}_2\text{=CH}_2 \to \text{R-CH}_2\text{-CH}_2^\bullet

Kettenwachstum: Das neue Radikal greift sofort das nächste Monomer an. Die Kette wird immer länger, und das ungepaarte Elektron wandert immer an das Ende der wachsenden Kette. Dieser Schritt wiederholt sich tausendfach in Sekundenbruchteilen.

R-CH2-CH2+CH2=CH2R-CH2-CH2-CH2-CH2\text{R-CH}_2\text{-CH}_2^\bullet + \text{CH}_2\text{=CH}_2 \to \text{R-CH}_2\text{-CH}_2\text{-CH}_2\text{-CH}_2^\bullet

Kettenwachstum der radikalischen Polymerisation
Kettenwachstum der radikalischen Polymerisation

Kettenabbruch: Die Kettenreaktion stoppt, wenn zufällig zwei Radikale aufeinandertreffen. Ihre beiden ungepaarten Elektronen verbinden sich zu einer festen Elektronenpaarbindung. Das Molekül ist nun „neutral“ und wächst nicht mehr weiter.

Da dieser Abbruch rein zufällig passiert, entstehen Ketten unterschiedlicher Länge. Man kann den Polymerisationsgrad (die durchschnittliche Kettenlänge) steuern: Gibt man viele Startradikale hinzu oder erhöht die Temperatur, gibt es mehr Kettenabbrüche und die Ketten bleiben insgesamt kürzer.

3. Kettenverzweigung Manchmal läuft die Reaktion nicht perfekt geradeaus. Ein Radikal am Ende einer wachsenden Kette kann sehr „gierig“ sein. Anstatt ein neues Monomer anzugreifen, klaut (abstrahiert) es sich einfach ein Wasserstoffatom aus der Mitte einer bereits fertigen, benachbarten Polymerkette.

R-CH2-CH2+-CH2-CH2-CH2-R-CH2-CH3+-CH2-CH-CH2-\text{R-CH}_2\text{-CH}_2^\bullet + \text{-CH}_2\text{-CH}_2\text{-CH}_2\text{-} \to \text{R-CH}_2\text{-CH}_3 + \text{-CH}_2\text{-CH}^\bullet\text{-CH}_2\text{-}

Was passiert dadurch? Die angreifende Kette hat nun ihr fehlendes Elektron und hört auf zu wachsen. Aber die benachbarte Kette hat jetzt mitten in ihrem „Rückgrat“ ein ungepaartes Elektron (CH\text{CH}^\bullet). An dieser Stelle können nun neue Monomere andocken. Es wächst eine Seitenkette heran – das Polymer verzweigt sich wie ein Baum.

Kettenverzweigung bei der Polymerisation
Kettenverzweigung bei der Polymerisation

Diese Verzweigungen haben große Auswirkungen auf das Material: Die Moleküle können sich nicht mehr dicht und ordentlich aneinanderlegen. Sie verknäuelen sich. Dadurch wird der Kunststoff ungeordnet (amorph), weicher und flexibler.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Startradikal und Monomer identifizieren: Notiere das Startradikal (meist als R\text{R}^\bullet abgekürzt) und das Monomer mit seiner Doppelbindung.
  2. Kettenstart formulieren: Lass das Radikal die Doppelbindung aufbrechen. Verbinde R\text{R} mit dem Monomer und setze den Radikalpunkt (\bullet) an das letzte Kohlenstoffatom.
  3. Kettenwachstum zeigen: Nimm das Produkt aus Schritt 2 und addiere ein weiteres Monomer. Verlängere die Kette und verschiebe den Radikalpunkt wieder ans Ende.
  4. Kettenabbruch darstellen: Lass zwei beliebige Radikale (z. B. zwei wachsende Ketten) miteinander reagieren. Verbinde sie an den Stellen, wo sich die Radikalpunkte befinden, zu einer durchgehenden Kette ohne Punkt.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Formuliere die drei Schritte der radikalischen Polymerisation für das Monomer Chlorethen (CH2=CHCl\text{CH}_2\text{=CHCl}). Verwende R\text{R}^\bullet als Startradikal. Zeige beim Kettenabbruch die Kombination von zwei identischen, kurzen Radikalketten aus dem ersten Wachstumsschritt.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Kettenstart

    Das Startradikal bricht die Doppelbindung von Chlorethen auf:

    R+CH2=CHClR-CH2-CHCl\text{R}^\bullet + \text{CH}_2\text{=CHCl} \to \text{R-CH}_2\text{-CHCl}^\bullet

  2. Schritt 2
    Kettenwachstum

    Das entstandene Radikal reagiert mit einem weiteren Chlorethen-Molekül:

    R-CH2-CHCl+CH2=CHClR-CH2-CHCl-CH2-CHCl\text{R-CH}_2\text{-CHCl}^\bullet + \text{CH}_2\text{=CHCl} \to \text{R-CH}_2\text{-CHCl-CH}_2\text{-CHCl}^\bullet

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Kettenabbruch

    Zwei dieser kurzen Radikalketten treffen aufeinander und verbinden sich über ihre ungepaarten Elektronen zu einem fertigen Molekül:

    R-CH2-CHCl-CH2-CHCl+CHCl-CH2-CHCl-CH2-RR-CH2-CHCl-CH2-CHCl-CHCl-CH2-CHCl-CH2-R\text{R-CH}_2\text{-CHCl-CH}_2\text{-CHCl}^\bullet + ^\bullet\text{CHCl-CH}_2\text{-CHCl-CH}_2\text{-R} \to \text{R-CH}_2\text{-CHCl-CH}_2\text{-CHCl-CHCl-CH}_2\text{-CHCl-CH}_2\text{-R}

Ergebnis:

Die Reaktionsgleichungen für den Kettenstart, das Kettenwachstum und den Kettenabbruch von Chlorethen sind damit vollständig aufgestellt.

Wichtige Erkenntnisse

  • Monomere für diese Reaktion benötigen zwingend eine C=C\text{C=C}-Doppelbindung.
  • Die Atomökonomie liegt bei 100 %, da alle Atome der Edukte im Polymer landen und keine Nebenprodukte entstehen.
  • Der Mechanismus besteht immer aus Kettenstart, Kettenwachstum und Kettenabbruch.
  • Kettenverzweigung entsteht durch das Abstrahieren eines H-Atoms und führt zu ungeordneten (amorphen) Kunststoffen.

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Häufige Fragen

Was ist die radikalische Polymerisation?

Die radikalische Polymerisation ist eine chemische Kettenreaktion, bei der sich viele kleine Moleküle (Monomere) zu riesigen Makromolekülen (Polymeren) verbinden. Sie wird durch reaktive Teilchen mit einem ungepaarten Elektron, den sogenannten Radikalen, gestartet und dient der Herstellung vieler bekannter Kunststoffe.

Wie funktioniert der Mechanismus der radikalischen Polymerisation?

Der Mechanismus läuft in drei Schritten ab:

  1. Kettenstart: Ein Startradikal bricht die Doppelbindung eines Monomers auf.
  2. Kettenwachstum: Das entstandene Radikal greift immer neue Monomere an, wodurch die Kette rasant wächst.
  3. Kettenabbruch: Treffen zwei Radikale aufeinander, verbinden sie sich und das Wachstum stoppt.
Was bedeutet Atomökonomie bei der Polymerisation?

Die Atomökonomie (oder Atomeffizienz) gibt an, wie viel Prozent der Atome der Ausgangsstoffe im Endprodukt landen. Bei der radikalischen Polymerisation liegt sie bei 100 %, da alle Atome der Monomere in das Polymer eingebaut werden und keine Abfallprodukte entstehen.

Warum kommt es zur Kettenverzweigung?

Eine Kettenverzweigung entsteht, wenn ein gieriges Radikal am Ende einer wachsenden Kette ein Wasserstoffatom aus der Mitte einer bereits fertigen Polymerkette „klaut“ (abstrahiert). Dadurch entsteht ein neues Radikal in der Mitte der Kette, an dem neue Monomere andocken können. Das führt zu ungeordneten, weicheren Kunststoffen.

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