Selbstinduktion und Wechselstromkreise einfach erklärt: Formeln & Beispiele
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Stell dir vor, du versuchst ein riesiges, schweres Wasserrad anzuschieben. Es kostet anfangs extrem viel Kraft und Zeit, bis es sich überhaupt dreht. Aber wenn es erst einmal in Schwung ist, lässt es sich kaum noch stoppen!

Genau so verhalten sich Spulen in elektrischen Stromkreisen. Sie sind extrem „träge“ und wehren sich gegen jede Veränderung. In dieser Lektion lernst du alles über das Thema Selbstinduktion und Wechselstromkreise. Du erfährst, wie wir diese Trägheit berechnen können, wie viel Energie darin gespeichert wird und was passiert, wenn wir solche Bauteile an eine Wechselspannung anschließen, die sich ständig ändert.
Vorwissen
- Magnetfeld einer Spule: Eine stromdurchflossene Spule erzeugt ein Magnetfeld. Die Stärke hängt von der Windungszahl und dem Strom ab. Beispiel: Ein Elektromagnet auf dem Schrottplatz zieht Autos an, sobald der Strom eingeschaltet wird.
- Wechselspannung: Eine Spannung, die ständig ihre Richtung und Stärke ändert (meist wellenförmig als Sinuskurve). Beispiel: Die Steckdose zu Hause liefert Wechselspannung, die 50-mal pro Sekunde die Richtung wechselt.
Aufgabentyp 1: Selbstinduktion, Induktivität und magnetische Energie
Schauen wir uns zunächst an, wie sich die Selbstinduktion beim Einschalten eines Stromkreises verhält.
Wenn du eine Spule an eine Gleichspannung anschließt, springt die Stromstärke nicht sofort auf ihren Maximalwert. Die Spule wehrt sich!
Praxisbezug: Stell dir die Spule wie das schwere Wasserrad vor. Wenn der Strom anfängt zu fließen, muss er das System erst mühsam in Schwung bringen.
Dieses Phänomen nennt man Selbstinduktion. Die Spule baut ein Magnetfeld auf. Nach der Lenzschen Regel erzeugt dieses wachsende Magnetfeld eine Gegenspannung, die den Stromanstieg bremst. Deshalb steigt die Stromstärke in einem I(t)-Diagramm in einer typischen, gekrümmten Kurve an, bis sie ihr Maximum erreicht.

Wie stark sich die Spule wehrt, beschreibt ihre Induktivität (). Sie hängt von der Bauform ab:
Dabei ist die Windungszahl, die Querschnittsfläche und die Länge. ist die magnetische Feldkonstante und beschreibt das Material im Inneren (z. B. einen Eisenkern).
In diesem Magnetfeld wird magnetische Energie () gespeichert:
Wichtig: Erhöhst du die Windungszahl , steigt die Induktivität quadratisch an. Da die magnetische Energie direkt von der Induktivität abhängt, vervierfacht sich die gespeicherte Energie, wenn du die Windungszahl verdoppelst!
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Schritt 1: Werte notieren und Einheiten anpassen – Schreibe alle gegebenen Werte auf. Wandle Flächen zwingend in und Längen in um.
- Schritt 2: Induktivität berechnen – Setze die Werte in die Formel ein. Die Einheit des Ergebnisses ist Henry ().
- Schritt 3: Magnetische Energie berechnen – Nutze die berechnete Induktivität und die Stromstärke in der Formel . Die Einheit ist Joule ().
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
An eine Gleichspannung wird eine lange Spule ( Windungen) mit einer Querschnittsfläche von und einer Länge von angeschlossen. Im Inneren der Spule befindet sich ein Eisenkern (). Durch die Spule fließt ein Strom von .
Skizziere schematisch das I(t)-Diagramm für den Einschaltvorgang. Berechne anschließend die Induktivität der Spule und die im Magnetfeld gespeicherte Energie. Verwende .
- Schritt 1Werte notieren und Einheiten anpassen
Gegeben:
Das I(t)-Diagramm zeigt einen gekrümmten Anstieg, da die Selbstinduktion den Strom bremst, bis er erreicht.

I-t-Diagramm Einschaltvorgang Spule - Schritt 2Induktivität berechnen
- Schritt 3 · ErgebnisMagnetische Energie berechnen
Die Induktivität der Spule beträgt ca. und die gespeicherte magnetische Energie liegt bei . Realitäts-Check: Die Einheit Joule ist korrekt für Energie. Der Wert der Induktivität ist sehr hoch, was durch die extrem hohe Windungszahl und den Eisenkern physikalisch logisch ist.
Aufgabentyp 2: Phasenverschiebungen und Wechselstrom-Blindwiderstand
Im nächsten Schritt betrachten wir, wie sich Spulen und Kondensatoren in Wechselstromkreisen verhalten.
Wenn wir Bauteile an eine Wechselspannung anschließen, ändert sich die Spannung ständig wellenförmig. Wie reagieren Spule und Kondensator darauf?
Die Spule: Wegen der Selbstinduktion wehrt sich die Spule gegen Stromänderungen. Der Strom kommt also immer etwas zu spät. Man sagt: An der Spule hinkt die Stromstärke der Spannung um 90 Grad nach.
Der Kondensator: Ein Kondensator ist wie ein Eimer für elektrische Ladung. Wenn er leer ist, fließt der Strom am stärksten hinein, noch bevor die Spannung ihr Maximum erreicht hat. Man sagt: Am Kondensator eilt die Stromstärke der Spannung um 90 Grad voraus.

Beide Bauteile setzen dem Wechselstrom einen Widerstand entgegen, den sogenannten Blindwiderstand. Dieser hängt von der Frequenz () ab:
-
Spule (): Je schneller die Wechselspannung wechselt (hohe Frequenz), desto stärker wehrt sich die Spule.
-
Kondensator (): Je schneller die Wechselspannung wechselt, desto leichter fließt der Strom in den Kondensator.
Bei einer ganz bestimmten Frequenz (der Resonanzfrequenz) sind beide Widerstände exakt gleich groß. Dann sind auch die maximalen Stromstärken durch beide Bauteile gleich.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Schritt 1: Formeln gleichsetzen – Wenn die Strommaxima gleich groß sein sollen, müssen die Blindwiderstände gleich sein. Setze .
- Schritt 2: Nach der Frequenz auflösen – Ersetze durch und durch . Stelle die Gleichung mit Algebra nach um. Das führt zur Formel: .
- Schritt 3: Werte einsetzen – Setze die Induktivität () und die Kapazität () in die umgestellte Formel ein und berechne das Ergebnis in Hertz ().
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 2
Im Bild oben ist der Verlauf einer sinusförmigen Wechselspannung dargestellt. An diese Wechselspannung wird zuerst eine Spule () und anschließend ein Kondensator () angeschlossen.
Skizziere für die beiden Fälle jeweils ein I(t)-Diagramm im Vergleich zur Spannung. Berechne anschließend, bei welcher Frequenz die maximale Stromstärke (und damit der Blindwiderstand) beim Kondensator und bei der Spule gleich groß sind.
- Schritt 1Skizze der Phasenverschiebung
Für die Spule zeichnen wir die Stromkurve nach rechts verschoben (hinkt nach). Für den Kondensator zeichnen wir sie nach links verschoben (eilt voraus).

Skizze Phasenverschiebung Spule Kondensator - Schritt 2Formeln gleichsetzen
Wir fordern, dass die Blindwiderstände gleich sind:
- Schritt 3Nach der Frequenz auflösen
Wir multiplizieren beide Seiten mit und teilen durch :
Wir ziehen die Wurzel auf beiden Seiten:
- Schritt 4 · ErgebnisWerte einsetzen
Gegeben sind und .
Die maximale Stromstärke ist bei einer Frequenz von ca. bei beiden Bauteilen gleich groß. Realitäts-Check: Die Einheit Hertz () ist korrekt für die Frequenz. Der Wert liegt im Bereich der normalen Netzspannung (), was ein realistisches Ergebnis ist.
Wichtige Erkenntnisse
- Selbstinduktion: Eine Spule wehrt sich gegen Stromänderungen. Beim Einschalten steigt der Strom verzögert in einer Kurve an.
- Induktivität (): Gibt an, wie stark sich die Spule wehrt. Sie steigt quadratisch mit der Windungszahl.
- Phasenverschiebung: An der Spule hinkt der Strom der Spannung um 90° nach. Am Kondensator eilt der Strom um 90° voraus.
- Blindwiderstand: Der Widerstand der Spule () steigt mit der Frequenz, der Widerstand des Kondensators () sinkt mit der Frequenz.
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Häufige Fragen
Was ist Selbstinduktion und wie wirkt sie in Wechselstromkreisen?
Selbstinduktion entsteht, wenn sich der Stromfluss durch eine Spule ändert. Die Spule baut ein Magnetfeld auf, das nach der Lenzschen Regel eine Gegenspannung erzeugt. Diese wehrt sich gegen die Stromänderung, weshalb der Strom in Wechselstromkreisen immer verzögert ansteigt.
Wie berechnet man die Induktivität einer Spule?
Die Induktivität L hängt von der Bauform ab. Du berechnest sie mit der Formel L = μ₀ · μr · (N² · A) / l. Dabei ist N die Windungszahl, A die Querschnittsfläche und l die Länge der Spule. Je mehr Windungen, desto größer die Induktivität.
Was ist der Unterschied zwischen Spule und Kondensator bei Wechselstrom?
An der Spule hinkt der Strom der Spannung um 90 Grad nach, weil sie sich gegen Stromänderungen wehrt. Am Kondensator eilt der Strom der Spannung um 90 Grad voraus, da er sich erst aufladen muss, bevor die Spannung ihr Maximum erreicht.
Was ist der Blindwiderstand?
Der Blindwiderstand ist der Widerstand, den Spulen und Kondensatoren dem Wechselstrom entgegensetzen. Bei einer Spule steigt er mit der Frequenz, bei einem Kondensator sinkt er. Bei der Resonanzfrequenz sind beide Widerstände exakt gleich groß.
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