Radiometrische Datierungsmethoden erklärt: Alter bestimmen

Lerne, wie radiometrische Datierungsmethoden funktionieren. Wir erklären dir die C-14-Methode und die Uran-Blei-Methode mit durchgerechneten Beispielen.

📅 Aktualisiert 30. August 20265 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Radiometrische Datierungsmethoden erklärt: Alter bestimmen

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Stell dir vor, Archäologen finden eine alte Holztruhe und Geologen entdecken ein leuchtendes Gestein aus der Entstehungszeit der Erde. Woher wissen sie, wie alt diese Dinge sind?

Illustration einer alten Holztruhe
Illustration einer alten Holztruhe

Sie nutzen radiometrische Datierungsmethoden als eine Art eingebaute „Uhr“ der Natur: den radioaktiven Zerfall. In dieser Lektion lernst du, wie Wissenschaftler radioaktive Isotope nutzen, um das Alter von historischen Funden und uralten Gesteinen auf das Jahr genau zu berechnen!

Vorwissen

  • Das Zerfallsgesetz: Beschreibt, wie die Anzahl radioaktiver Atomkerne über die Zeit abnimmt.

    Formel: N(t)=N0eλtN(t) = N_0 \cdot e^{-\lambda \cdot t}

    Beispiel: Wenn man mit 10001000 Kernen startet, berechnet diese Formel, wie viele nach einer bestimmten Zeit tt noch übrig sind.

  • Die Zerfallskonstante (λ\lambda): Hängt direkt mit der Halbwertszeit (T1/2T_{1/2}) zusammen.

    Formel: λ=ln(2)T1/2\lambda = \frac{\ln(2)}{T_{1/2}}

    Beispiel: Ein Isotop mit einer Halbwertszeit von 1010 Jahren hat eine Zerfallskonstante von λ0,069 pro Jahr\lambda \approx 0{,}069 \text{ pro Jahr}.

Aufgabentyp 1: Radiometrische Datierungsmethoden – Die C-14-Methode

Radiometrische Datierungsmethoden wie die C-14-Methode sind entscheidend, um das Alter organischer Materialien zu bestimmen. Lebende Pflanzen und Tiere nehmen ständig Kohlenstoff aus der Atmosphäre auf (z. B. durch Atmung oder Nahrung). Ein kleiner Teil dieses Kohlenstoffs ist das radioaktive Isotop C-14. Solange ein Organismus lebt, bleibt das Verhältnis von C-14 zu normalem Kohlenstoff in seinem Körper konstant.

Stirbt der Organismus, nimmt er kein neues C-14 mehr auf. Das bereits vorhandene C-14 zerfällt nun langsam mit einer Halbwertszeit von 5730 a5730 \text{ a} (Jahren). Je weniger C-14 noch übrig ist, desto älter ist die Probe.

Diagramm zum Zerfall von C-14
Diagramm zum Zerfall von C-14

Grenzen der Methode:

  • Maximales Alter: Nach etwa 10 Halbwertszeiten (ca. 57.300 a57.300 \text{ a}) ist nur noch 11000\frac{1}{1000} des ursprünglichen C-14 übrig. Die Menge ist dann zu gering, um sie genau zu messen.

  • Der Suess-Effekt: Die Methode geht davon aus, dass der C-14-Anteil in der Luft immer gleich war. Das stimmt aber nicht ganz: Das Verbrennen von fossilen Brennstoffen (die kein C-14 mehr enthalten) hat den Anteil gesenkt. Kernwaffentests im 20. Jahrhundert haben ihn künstlich erhöht. Daher müssen Wissenschaftler ihre Ergebnisse heute mit speziellen Tabellen korrigieren.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Zerfallskonstante berechnen: Berechne λ=ln(2)T1/2\lambda = \frac{\ln(2)}{T_{1/2}}.
  2. Anteil bestimmen: Finde heraus, wie viel Prozent des ursprünglichen C-14 noch vorhanden sind. Das ist der Wert für den Bruch N(t)N0\frac{N(t)}{N_0}.
  3. In das Zerfallsgesetz einsetzen: Setze den Anteil in die umgestellte Gleichung N(t)N0=eλt\frac{N(t)}{N_0} = e^{-\lambda \cdot t} ein.
  4. Nach der Zeit auflösen: Wende den natürlichen Logarithmus (ln\ln) an, um das tt aus dem Exponenten zu holen, und löse die Gleichung auf.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Das berühmte Turiner Grabtuch wurde untersucht. Wissenschaftler stellten fest, dass der C-14-Anteil nur noch 91,7%91{,}7 \% des Niveaus von lebenden Organismen betrug. Berechne das Alter des Grabtuchs. Die Halbwertszeit von C-14 beträgt 5730 a5730 \text{ a}.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Zerfallskonstante berechnen

    λ=ln(2)5730 a\lambda = \frac{\ln(2)}{5730 \text{ a}} λ0,000121 a1\lambda \approx 0{,}000121 \text{ a}^{-1}

  2. Schritt 2
    Anteil bestimmen

    91,7%91{,}7 \% entspricht als Dezimalzahl 0,9170{,}917. N(t)N0=0,917\frac{N(t)}{N_0} = 0{,}917

  3. Schritt 3
    In das Zerfallsgesetz einsetzen

    0,917=e0,000121 a1t0{,}917 = e^{-0{,}000121 \text{ a}^{-1} \cdot t}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Nach der Zeit auflösen

    Wir wenden auf beiden Seiten den natürlichen Logarithmus an: ln(0,917)=0,000121 a1t\ln(0{,}917) = -0{,}000121 \text{ a}^{-1} \cdot t 0,0866=0,000121 a1t-0{,}0866 = -0{,}000121 \text{ a}^{-1} \cdot t t=0,08660,000121 a1t = \frac{-0{,}0866}{-0{,}000121 \text{ a}^{-1}} t716 at \approx 716 \text{ a}

Ergebnis:

Das Turiner Grabtuch ist etwa 716716 Jahre alt. Realitätscheck: Das Alter liegt weit unter der Grenze von 57.30057.300 Jahren, die Methode ist hier also sehr gut anwendbar.


Aufgabentyp 2: Radiometrische Datierungsmethoden – Die Uran-Blei-Methode

Wenn radiometrische Datierungsmethoden für extrem alte Gesteine benötigt werden, kommt die Uran-Blei-Methode ins Spiel. Für Gesteine, die Millionen oder Milliarden Jahre alt sind, ist die C-14-Methode nutzlos. Hier nutzen Geologen den Zerfall von Uran-238 zu stabilem Blei-206.

Uran-238 hat eine extrem lange Halbwertszeit von 4,47109 a4{,}47 \cdot 10^9 \text{ a} (Milliarden Jahre). Es zerfällt über viele Zwischenschritte, aber für die Altersbestimmung können wir so tun, als würde es direkt zu Blei-206 werden.

Die Grundannahme: Als das Gestein vor langer Zeit entstand, enthielt es nur Uran und kein Blei. Jedes Blei-Atom, das wir heute in der Probe finden, muss also durch den Zerfall von Uran entstanden sein.

Diagramm zum Zerfall von Uran zu Blei
Diagramm zum Zerfall von Uran zu Blei

Herleitung der Altersformel:

Wir wissen, dass die ursprüngliche Anzahl an Uran-Atomen (NU(0)\textcolor{#08BFFF}{N_U(0)}) der Summe aus dem heute noch vorhandenen Uran (NU(t)\textcolor{#08BFFF}{N_U(t)}) und dem neu entstandenen Blei (NPb(t)\textcolor{#9570FF}{N_{Pb}(t)}) entspricht:

NU(0)=NU(t)+NPb(t)\textcolor{#08BFFF}{N_U(0)} = \textcolor{#08BFFF}{N_U(t)} + \textcolor{#9570FF}{N_{Pb}(t)}

Setzen wir dies in das bekannte Zerfallsgesetz ein:

NU(t)=(NU(t)+NPb(t))eλt\textcolor{#08BFFF}{N_U(t)} = (\textcolor{#08BFFF}{N_U(t)} + \textcolor{#9570FF}{N_{Pb}(t)}) \cdot e^{-\lambda \cdot \textcolor{#53E5D6}{t}}

Um das Alter t\textcolor{#53E5D6}{t} zu berechnen, formen wir die Gleichung um. Wir teilen durch NU(t)\textcolor{#08BFFF}{N_U(t)} und bringen die e-Funktion auf die andere Seite (durch Kehrwertbildung):

NU(t)+NPb(t)NU(t)=eλt\frac{\textcolor{#08BFFF}{N_U(t)} + \textcolor{#9570FF}{N_{Pb}(t)}}{\textcolor{#08BFFF}{N_U(t)}} = e^{\lambda \cdot \textcolor{#53E5D6}{t}}

Nun wenden wir den natürlichen Logarithmus (ln\ln) an, um das t\textcolor{#53E5D6}{t} aus dem Exponenten zu holen, und teilen durch λ\lambda:

t=1λln(NU(t)+NPb(t)NU(t))\textcolor{#53E5D6}{t} = \frac{1}{\lambda} \cdot \ln\left(\frac{\textcolor{#08BFFF}{N_U(t)} + \textcolor{#9570FF}{N_{Pb}(t)}}{\textcolor{#08BFFF}{N_U(t)}}\right)

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Zerfallskonstante berechnen: Berechne λ=ln(2)T1/2\lambda = \frac{\ln(2)}{T_{1/2}} für Uran-238.
  2. Atomanzahlen identifizieren: Notiere die aktuelle Anzahl der Uran-Atome (NU(t)N_U(t)) und der Blei-Atome (NPb(t)N_{Pb}(t)).
  3. In die Altersformel einsetzen: Nutze die hergeleitete Formel: t=1λln(NU(t)+NPb(t)NU(t))t = \frac{1}{\lambda} \cdot \ln\left(\frac{N_U(t) + N_{Pb}(t)}{N_U(t)}\right).
  4. Ausrechnen: Berechne zuerst den Bruch in der Klammer, ziehe dann den Logarithmus und multipliziere mit 1λ\frac{1}{\lambda}.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 2

Aufgabe

Ein Geologe untersucht ein Gestein. Er misst 2,01020\textcolor{#08BFFF}{2{,}0 \cdot 10^{20}} Uran-238-Atome und 0,51020\textcolor{#9570FF}{0{,}5 \cdot 10^{20}} Blei-206-Atome. Berechne das Alter des Gesteins. Die Halbwertszeit von U-238 beträgt 4,47109 a4{,}47 \cdot 10^9 \text{ a}.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Zerfallskonstante berechnen

    λ=ln(2)4,47109 a\lambda = \frac{\ln(2)}{4{,}47 \cdot 10^9 \text{ a}} λ1,551010 a1\lambda \approx 1{,}55 \cdot 10^{-10} \text{ a}^{-1}

  2. Schritt 2
    Atomanzahlen identifizieren

    NU(t)=2,01020\textcolor{#08BFFF}{N_U(t)} = 2{,}0 \cdot 10^{20} NPb(t)=0,51020\textcolor{#9570FF}{N_{Pb}(t)} = 0{,}5 \cdot 10^{20}

  3. Schritt 3
    In die Altersformel einsetzen

    t=11,551010 a1ln(2,01020+0,510202,01020)t = \frac{1}{1{,}55 \cdot 10^{-10} \text{ a}^{-1}} \cdot \ln\left(\frac{\textcolor{#08BFFF}{2{,}0 \cdot 10^{20}} + \textcolor{#9570FF}{0{,}5 \cdot 10^{20}}}{\textcolor{#08BFFF}{2{,}0 \cdot 10^{20}}}\right)

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ausrechnen

    Wir vereinfachen zuerst den Bruch in der Klammer: t=6,45109 aln(2,510202,01020)t = 6{,}45 \cdot 10^9 \text{ a} \cdot \ln\left(\frac{2{,}5 \cdot 10^{20}}{2{,}0 \cdot 10^{20}}\right) t=6,45109 aln(1,25)t = 6{,}45 \cdot 10^9 \text{ a} \cdot \ln(1{,}25) t=6,45109 a0,223t = 6{,}45 \cdot 10^9 \text{ a} \cdot 0{,}223 t1,44109 at \approx 1{,}44 \cdot 10^9 \text{ a}

Ergebnis:

Das Gestein ist etwa 1,441{,}44 Milliarden Jahre alt. Realitätscheck: Das Alter liegt im Milliarden-Jahre-Bereich, was für die Uran-Blei-Methode bei alten Gesteinen typisch und physikalisch sinnvoll ist.


Wichtige Erkenntnisse

  • C-14-Methode: Nutzt den Zerfall von Kohlenstoff in organischen Materialien (z. B. Holz, Knochen). Funktioniert nur bis zu einem Alter von ca. 57.30057.300 Jahren.
  • Uran-Blei-Methode: Nutzt den Zerfall von Uran zu Blei in Gesteinen. Ideal für extrem alte Proben (Millionen bis Milliarden Jahre).
  • Das Prinzip: Beide Methoden nutzen das Zerfallsgesetz, um aus dem heute noch vorhandenen Anteil radioaktiver Isotope die vergangene Zeit rückwärts zu berechnen.

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Häufige Fragen

Was sind radiometrische Datierungsmethoden?

Radiometrische Datierungsmethoden sind physikalische Verfahren, mit denen Wissenschaftler das Alter von Materialien wie Gesteinen oder archäologischen Funden bestimmen. Sie nutzen dafür den natürlichen radioaktiven Zerfall von Isotopen als eine Art innere Uhr. Da die Halbwertszeiten dieser Isotope bekannt sind, lässt sich aus der verbleibenden Menge sehr genau auf das Alter schließen.

Wie funktioniert die C-14-Methode?

Die C-14-Methode (Radiokohlenstoffdatierung) misst den Anteil des radioaktiven Kohlenstoff-Isotops C-14 in organischen Materialien. Solange ein Lebewesen lebt, bleibt der C-14-Anteil konstant. Nach dem Tod zerfällt das C-14 mit einer Halbwertszeit von 5730 Jahren. Je weniger C-14 noch in der Probe vorhanden ist, desto älter ist sie.

Wann nutzt man die Uran-Blei-Methode?

Die Uran-Blei-Methode wird verwendet, um extrem alte Gesteine zu datieren, die Millionen oder sogar Milliarden Jahre alt sind. Sie basiert auf dem Zerfall von Uran-238 zu Blei-206. Da Uran-238 eine Halbwertszeit von etwa 4,47 Milliarden Jahren hat, eignet es sich perfekt für Zeiträume, bei denen die C-14-Methode längst an ihre Grenzen stößt.

Was ist der Suess-Effekt bei der Altersbestimmung?

Der Suess-Effekt beschreibt die Veränderung des natürlichen C-14-Anteils in der Atmosphäre durch menschliche Einflüsse. Das Verbrennen fossiler Brennstoffe hat den C-14-Anteil gesenkt, während oberirdische Kernwaffentests im 20. Jahrhundert ihn künstlich erhöht haben. Wissenschaftler müssen diese Schwankungen mit speziellen Kalibrierungstabellen ausgleichen, um genaue Ergebnisse zu erhalten.

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