Grundlagen des radioaktiven Zerfalls einfach erklärt
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Stell dir vor, du machst Popcorn in einem großen Topf. Du hörst es ständig ploppen, aber du kannst unmöglich vorhersagen, welches einzelne Maiskorn als Nächstes aufplatzt. Was du aber sehr wohl messen kannst, ist, wie viele Körner pro Sekunde ploppen.

Genau so verhält es sich mit radioaktiven Stoffen! Wir wissen nicht, wann ein bestimmter Atomkern zerfällt. Aber wenn wir Milliarden von Kernen haben, können wir sehr genau berechnen, wie viele davon in einer bestimmten Zeit zerfallen. In dieser Lektion lernst du, wie man diese Zerfallsrate misst, was die berühmte Halbwertszeit bedeutet und wie du mit dem Zerfallsgesetz exakt berechnen kannst, wie viel von einem radioaktiven Stoff nach einer bestimmten Zeit noch übrig ist.
Vorwissen
- Die natürliche Exponentialfunktion: Beschreibt Prozesse, die exponentiell wachsen oder schrumpfen. Formel: Beispiel: Wenn negativ ist, nimmt der Wert von immer langsamer ab, je größer wird.
- Die Ableitung als Änderungsrate: Die erste Ableitung einer Funktion gibt an, wie schnell sich ein Wert zu einem bestimmten Zeitpunkt ändert. Formel: (Die Geschwindigkeit ist die zeitliche Ableitung der Strecke). Beispiel: Wenn ein Auto bremst, ändert sich seine Position . Die Ableitung sagt uns, wie viele Meter pro Sekunde es genau in diesem Moment zurücklegt.
Aufgabentyp 1: Grundlagen des radioaktiven Zerfalls berechnen
Um die Grundlagen des radioaktiven Zerfalls mathematisch zu erfassen, schauen wir uns die Aktivität, die Halbwertszeit und das Zerfallsgesetz genauer an.
Ein radioaktiver Zerfallsprozess kann gemessen werden, indem man zählt, wie viele Kerne in einer bestimmten Zeit zerfallen. Dafür nutzt man oft ein Geiger-Müller-Zählrohr. Die gemessene Zählrate sagt uns, wie aktiv der Stoff ist.
Die Aktivität ist also ein Maß für die Zerfallsgeschwindigkeit. Sie gibt an, wie viele Kerne pro Zeitintervall zerfallen.

Wenn in einer Zeitspanne insgesamt Kerne zerfallen, berechnet man die mittlere Aktivität so:
Die Einheit der Aktivität ist das Becquerel (Bq). Es gilt: .
Wenn wir die Zeitspanne extrem kurz machen (), erhalten wir die momentane Aktivität zu einem exakten Zeitpunkt . Mathematisch ist das die zeitliche Ableitung der Kernanzahl. Da die Anzahl der Kerne abnimmt, setzen wir ein Minuszeichen davor, damit die Aktivität positiv bleibt:
Ein häufiger Fehler ist zu glauben, dass radioaktiver Zerfall linear abläuft. Wenn in der ersten Minute 100 Kerne zerfallen, zerfallen in der zweiten Minute nicht wieder 100 Kerne! Da nun weniger Kerne vorhanden sind, zerfallen auch weniger.
Der Prozess ist exponentiell. Das bedeutet, es dauert immer gleich lang, bis sich die Menge der noch vorhandenen Kerne halbiert hat. Diese charakteristische Zeitspanne nennt man Halbwertszeit (). Jeder radioaktive Atomkern hat seine eigene, unveränderliche Halbwertszeit.

- Nach einer Halbwertszeit () ist noch der ursprünglichen Menge vorhanden.
- Nach zwei Halbwertszeiten () ist noch vorhanden (die Hälfte der Hälfte).
- Nach zehn Halbwertszeiten () sind nur noch etwa der ursprünglichen Kerne übrig.
Da die Aktivität direkt von der Anzahl der Kerne abhängt, halbiert sich nach jeder Halbwertszeit auch die Aktivität.
Mit der Halbwertszeit können wir leicht im Kopf rechnen, aber was ist, wenn wir wissen wollen, wie viele Kerne nach exakt 17 Minuten übrig sind? Dafür brauchen wir eine kontinuierliche mathematische Funktion: das Zerfallsgesetz.

Das Gesetz berechnet die Anzahl der noch nicht zerfallenen Kerne zu einem beliebigen Zeitpunkt :
- ist die Anzahl der Kerne ganz am Anfang (bei ).
- ist die Eulersche Zahl (eine feste mathematische Konstante auf deinem Taschenrechner).
- (Lambda) ist die Zerfallskonstante. Sie gibt an, wie wahrscheinlich der Zerfall eines Kerns pro Sekunde ist. Ihre Einheit ist .
Die Zerfallskonstante und die Halbwertszeit hängen fest zusammen. Wenn du das eine kennst, kannst du das andere berechnen:
Wichtig: Genau dieselbe Formel gilt auch für die Aktivität! Du kannst einfach durch ersetzen: .
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Notiere gegebene und gesuchte Werte: Lies die Aufgabe und schreibe Startwert, Zeit, Halbwertszeit oder Konstante auf.
- Berechne die Zerfallskonstante: Falls nur die Halbwertszeit gegeben ist, berechne zuerst .
- Stelle die Formel auf: Schreibe das Zerfallsgesetz auf und setze alle bekannten Zahlen ein.
- Rechne das Ergebnis aus: Tippe die Werte in den Taschenrechner ein und achte auf das Minuszeichen im Exponenten.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Eine radioaktive Substanz besteht zu Beginn aus Kernen. Die Zerfallskonstante beträgt . a) Berechne die Anzahl der verbleibenden Kerne nach . b) Berechne die Halbwertszeit der Substanz.
- Schritt 1Gegebene und gesuchte Werte notieren
Gegeben: Startanzahl , Zerfallskonstante , Zeit . Gesucht: a) Verbleibende Kerne , b) Halbwertszeit .
- Schritt 2Zerfallskonstante berechnen
Dieser Schritt entfällt für Teilaufgabe a), da bereits gegeben ist.
- Schritt 3Formel aufstellen und Werte einsetzen (Teilaufgabe a)
- Schritt 4Ausrechnen (Teilaufgabe a)
Zuerst den Exponenten berechnen: .
- Schritt 5 · ErgebnisHalbwertszeit berechnen (Teilaufgabe b)
Wir nutzen die Formel für den Zusammenhang zwischen und :
a) Nach sind noch etwa Kerne übrig. b) Die Halbwertszeit der Substanz beträgt etwa . (Realitätscheck: Da fast 9 Halbwertszeiten entsprechen, sinkt die Anzahl stark, was physikalisch absolut Sinn ergibt.)
Wichtige Erkenntnisse
- Aktivität (): Gibt an, wie viele Kerne pro Sekunde zerfallen. Die Einheit ist das Becquerel ().
- Halbwertszeit (): Die Zeitspanne, in der genau die Hälfte der ursprünglich vorhandenen Kerne zerfällt. Der Zerfall ist exponentiell, nicht linear!
- Zerfallsgesetz: Berechnet die verbleibenden Kerne zu jedem beliebigen Zeitpunkt: .
- Zusammenhang: Die Zerfallskonstante und die Halbwertszeit hängen über zusammen.
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Häufige Fragen
Was sind die Grundlagen des radioaktiven Zerfalls?
Die Grundlagen des radioaktiven Zerfalls beschreiben, wie instabile Atomkerne im Laufe der Zeit zerfallen. Dieser Prozess ist zufällig für den einzelnen Kern, aber für Milliarden von Kernen lässt sich exakt vorhersagen, wie viele in einer bestimmten Zeit zerfallen. Das wird durch das Zerfallsgesetz beschrieben.
Was ist die Halbwertszeit?
Die Halbwertszeit ist die Zeitspanne, in der genau die Hälfte der ursprünglich vorhandenen radioaktiven Atomkerne zerfällt. Da der Zerfall exponentiell abläuft, halbiert sich die Menge der Kerne (und damit auch die Aktivität) nach jeder weiteren Halbwertszeit erneut.
Wie berechnet man die Aktivität eines radioaktiven Stoffes?
Die Aktivität gibt an, wie viele Atomkerne pro Sekunde zerfallen. Sie wird in der Einheit Becquerel (Bq) gemessen. Du berechnest sie, indem du die Anzahl der zerfallenen Kerne durch die dafür benötigte Zeitspanne teilst, oder über das Zerfallsgesetz.
Was besagt das Zerfallsgesetz?
Das Zerfallsgesetz N(t) = N₀ · e^(-λt) berechnet, wie viele Kerne nach einer bestimmten Zeit noch übrig sind. Dabei ist N₀ die Anfangsanzahl, λ die Zerfallskonstante und t die vergangene Zeit. Es zeigt, dass der Zerfall exponentiell und nicht linear abläuft.
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