Mathematik des Doppelspalt-Interferenzmusters einfach erklärt

Wie berechnet man das Interferenzmuster am Doppelspalt? Erfahre alles über die exakte Berechnung und die Kleinwinkelnäherung mit verständlichen Beispielen.

📅 Aktualisiert 29. August 20265 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Mathematik des Doppelspalt-Interferenzmusters einfach erklärt

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Student thinking

Stell dir vor, du sollst die Länge einer Lichtwelle messen. Da sichtbares Licht winzig klein ist (weniger als ein Tausendstel Millimeter!), hilft dir ein normales Lineal hier nicht weiter. Die Mathematik des Doppelspalt-Interferenzmusters hilft uns dabei, dieses Problem zu lösen.

Doppelspalt erzeugt Interferenzmuster
Doppelspalt erzeugt Interferenzmuster

Der Doppelspalt funktioniert wie eine Lupe für die Quantenwelt. Er fächert das Licht auf und erzeugt ein riesiges Muster aus hellen und dunklen Punkten auf einer Wand. In dieser Lektion lernen wir die mathematischen Formeln kennen, mit denen wir aus dem Abstand dieser Punkte auf der Wand die exakte Größe der winzigen Lichtwellen berechnen können!

Vorwissen

  • Gangunterschied (Δs\Delta s): Bestimmt, ob ein Maximum (hell) oder Minimum (dunkel) entsteht. Bedingung Maximum: Δs=nλ\Delta s = n \cdot \lambda Bedingung Minimum: Δs=2n12λ\Delta s = \frac{2n-1}{2} \cdot \lambda Beispiel: Wenn der Gangunterschied genau eine Wellenlänge (λ\lambda) beträgt, entsteht das 1. Maximum (n=1n=1).
  • Trigonometrie im rechtwinkligen Dreieck: Sinus: sin(α)=GegenkatheteHypotenuse\sin(\alpha) = \frac{\text{Gegenkathete}}{\text{Hypotenuse}} Tangens: tan(α)=GegenkatheteAnkathete\tan(\alpha) = \frac{\text{Gegenkathete}}{\text{Ankathete}} Beispiel: Wenn die Gegenkathete 3 m3 \text{ m} und die Ankathete 4 m4 \text{ m} lang ist, ist tan(α)=34\tan(\alpha) = \frac{3}{4}.

Aufgabentyp 1: Exakte Berechnung mit zwei Dreiecken

Um die genaue Position eines Lichtpunktes auf dem Schirm zu berechnen, nutzen wir zwei rechtwinklige Dreiecke. Wir nehmen an, dass der Abstand zum Schirm (ee) viel größer ist als der Spaltabstand (gg). Dadurch verlaufen die Lichtstrahlen von beiden Spalten fast parallel.

Dreieck 1: Das Spalt-Dreieck (Die winzige Welt)

Hier ist der Spaltabstand gg die Hypotenuse und der Gangunterschied ist die Gegenkathete zum Winkel.

Es gilt: sin(α)=Δsg\sin(\textcolor{#FF7D57}{\alpha}) = \frac{\textcolor{#08BFFF}{\Delta s}}{g}

Dreieck 2: Das Schirm-Dreieck (Die große Welt)

Hier ist der Abstand zum Schirm ee die Ankathete und der Abstand des Maximums von der Mitte ist die Gegenkathete zum selben Winkel.

Es gilt: tan(α)=ane\tan(\textcolor{#FF7D57}{\alpha}) = \frac{\textcolor{#53E5D6}{a_n}}{e}

Skizze der zwei Dreiecke
Skizze der zwei Dreiecke

Da der Winkel in beiden Dreiecken gleich ist, verknüpft er die beiden Welten! Wenn wir die Formel für das Schirm-Dreieck nach α\textcolor{#FF7D57}{\alpha} auflösen, erhalten wir α=arctan(ane)\textcolor{#FF7D57}{\alpha} = \arctan\left(\frac{\textcolor{#53E5D6}{a_n}}{e}\right).

Setzen wir dies in das erste Dreieck ein und nutzen Δs=nλ\textcolor{#08BFFF}{\Delta s} = n \cdot \lambda für das n-te Maximum, erhalten wir die exakte Formel:

nλg=sin[arctan(ane)]n \cdot \frac{\lambda}{g} = \sin\left[\arctan\left(\frac{\textcolor{#53E5D6}{a_n}}{e}\right)\right]

Für das n-te Minimum ersetzen wir einfach nn durch den Term 2n12\frac{2n-1}{2}.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Wandle alle Längen in die gleiche Einheit um: Nutze meistens Meter (m\text{m}). Achte besonders auf Nanometer und Millimeter.
  2. Bestimme den Gangunterschied: Prüfe, ob ein Maximum (Δs=nλ\textcolor{#08BFFF}{\Delta s} = n \cdot \lambda) oder Minimum (Δs=2n12λ\textcolor{#08BFFF}{\Delta s} = \frac{2n-1}{2} \cdot \lambda) vorliegt.
  3. Wähle die passende Formel aus: Nutze für die exakte Lösung die Formel mit Sinus und Arkustangens.
  4. Löse auf und berechne: Stelle die Gleichung nach der gesuchten Größe um, setze die Werte ein und berechne das Ergebnis.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Bei einem Doppelspaltexperiment (g=0.1 mmg = 0.1 \text{ mm}, e=1.5 me = 1.5 \text{ m}) wird das 2. Maximum (n=2n=2) in einem Abstand von a2=1.8 cm\textcolor{#53E5D6}{a_2} = 1.8 \text{ cm} von der Mitte gemessen. Berechne die Wellenlänge λ\lambda des Lichts mit der exakten Formel.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Gegebene Werte notieren und Einheiten anpassen

    g=0.1 mm=1104 mg = 0.1 \text{ mm} = 1 \cdot 10^{-4} \text{ m} e=1.5 me = 1.5 \text{ m} a2=1.8 cm=0.018 m\textcolor{#53E5D6}{a_2} = 1.8 \text{ cm} = 0.018 \text{ m} n=2n = 2 Gesucht: λ\lambda

  2. Schritt 2
    Maximum oder Minimum?

    Es geht um ein Maximum, also nutzen wir nλn \cdot \lambda.

  3. Schritt 3
    Formel auswählen

    Die Aufgabe verlangt die exakte Formel: nλg=sin[arctan(a2e)]n \cdot \frac{\lambda}{g} = \sin\left[\arctan\left(\frac{\textcolor{#53E5D6}{a_2}}{e}\right)\right]

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Auflösen und Berechnen

    Wir stellen nach λ\lambda um, indem wir mit gg multiplizieren und durch nn teilen: λ=gnsin[arctan(a2e)]\lambda = \frac{g}{n} \cdot \sin\left[\arctan\left(\frac{\textcolor{#53E5D6}{a_2}}{e}\right)\right]

    Jetzt setzen wir die Werte ein: λ=1104 m2sin[arctan(0.018 m1.5 m)]\lambda = \frac{1 \cdot 10^{-4} \text{ m}}{2} \cdot \sin\left[\arctan\left(\frac{\textcolor{#53E5D6}{0.018 \text{ m}}}{1.5 \text{ m}}\right)\right]

    Wir berechnen zuerst den inneren Teil (den Winkel): arctan(0.012)0.6875\arctan(0.012) \approx 0.6875^\circ

    Dann den Sinus davon: sin(0.6875)0.012\sin(0.6875^\circ) \approx 0.012

    Nun multiplizieren wir alles: λ=5105 m0.012\lambda = 5 \cdot 10^{-5} \text{ m} \cdot 0.012 λ=6.0107 m\lambda = 6.0 \cdot 10^{-7} \text{ m}

Ergebnis:

Die Wellenlänge des Lichts beträgt 600 nm600 \text{ nm} (6.0107 m6.0 \cdot 10^{-7} \text{ m}). Sichtbares Licht liegt zwischen 400 nm400 \text{ nm} und 700 nm700 \text{ nm}. Das Ergebnis (600 nm600 \text{ nm}, orange-rotes Licht) ist physikalisch absolut sinnvoll.

Aufgabentyp 2: Die Kleinwinkelnäherung (Der Mathe-Trick)

Die exakte Formel mit Sinus und Arkustangens ist ziemlich kompliziert. Zum Glück gibt es einen Trick bei der Mathematik des Doppelspalt-Interferenzmusters!

Wenn der Winkel sehr klein ist (kleiner als 55^\circ), sind die Werte für Sinus und Tangens fast identisch. Probier es im Taschenrechner aus: sin(1)0.01745\sin(1^\circ) \approx 0.01745 und tan(1)0.01746\tan(1^\circ) \approx 0.01746.

Wir dürfen also für kleine Winkel sagen: sin(α)tan(α)\sin(\textcolor{#FF7D57}{\alpha}) \approx \tan(\textcolor{#FF7D57}{\alpha}).

Dadurch können wir die beiden Brüche aus unseren Dreiecken direkt gleichsetzen:

Δsg=ane\frac{\textcolor{#08BFFF}{\Delta s}}{g} = \frac{\textcolor{#53E5D6}{a_n}}{e}

Wenn wir nun wieder Δs=nλ\textcolor{#08BFFF}{\Delta s} = n \cdot \lambda für ein Maximum einsetzen, erhalten wir eine wunderbar einfache, lineare Formel:

nλ=ganen \cdot \lambda = g \cdot \frac{\textcolor{#53E5D6}{a_n}}{e}

Diese Formel wird in den meisten Aufgaben verwendet, da der Schirmabstand ee meistens im Meter-Bereich liegt, während an\textcolor{#53E5D6}{a_n} nur wenige Zentimeter beträgt. Der Winkel ist also fast immer klein genug!

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Wandle alle Längen in die gleiche Einheit um: Nutze meistens Meter (m\text{m}). Achte besonders auf Nanometer und Millimeter.
  2. Bestimme den Gangunterschied: Prüfe, ob ein Maximum (Δs=nλ\textcolor{#08BFFF}{\Delta s} = n \cdot \lambda) oder Minimum (Δs=2n12λ\textcolor{#08BFFF}{\Delta s} = \frac{2n-1}{2} \cdot \lambda) vorliegt.
  3. Wähle die passende Formel aus: Nutze für den Standardfall die einfache Kleinwinkelnäherung: Δsg=ane\frac{\textcolor{#08BFFF}{\Delta s}}{g} = \frac{\textcolor{#53E5D6}{a_n}}{e}.
  4. Löse auf und berechne: Stelle die Gleichung nach der gesuchten Größe um, setze die Werte ein und berechne das Ergebnis.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 2

Aufgabe

Ein Laser (λ=532 nm\lambda = 532 \text{ nm}) beleuchtet einen Doppelspalt (g=0.2 mmg = 0.2 \text{ mm}). Der Schirm ist e=3 me = 3 \text{ m} entfernt. Berechne den Abstand des 1. Minimums (n=1n=1) von der Mitte (a1\textcolor{#53E5D6}{a_1}) mithilfe der Kleinwinkelnäherung.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Gegebene Werte notieren und Einheiten anpassen

    λ=532 nm=532109 m\lambda = 532 \text{ nm} = 532 \cdot 10^{-9} \text{ m} g=0.2 mm=2104 mg = 0.2 \text{ mm} = 2 \cdot 10^{-4} \text{ m} e=3 me = 3 \text{ m} n=1n = 1 Gesucht: a1\textcolor{#53E5D6}{a_1}

  2. Schritt 2
    Maximum oder Minimum?

    Es geht um ein Minimum! Der Gangunterschied ist: Δs=2(1)12λ=0.5λ\textcolor{#08BFFF}{\Delta s} = \frac{2(1)-1}{2} \cdot \lambda = 0.5 \cdot \lambda

  3. Schritt 3
    Formel auswählen

    Wir nutzen die Kleinwinkelnäherung: Δsg=a1e\frac{\textcolor{#08BFFF}{\Delta s}}{g} = \frac{\textcolor{#53E5D6}{a_1}}{e}

    Wir setzen unser Δs\textcolor{#08BFFF}{\Delta s} ein: 0.5λg=a1e\frac{0.5 \cdot \lambda}{g} = \frac{\textcolor{#53E5D6}{a_1}}{e}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Auflösen und Berechnen

    Wir multiplizieren mit ee, um a1\textcolor{#53E5D6}{a_1} alleine stehen zu haben: a1=e0.5λg\textcolor{#53E5D6}{a_1} = e \cdot \frac{0.5 \cdot \lambda}{g}

    Werte einsetzen: a1=3 m0.5532109 m2104 m\textcolor{#53E5D6}{a_1} = 3 \text{ m} \cdot \frac{0.5 \cdot 532 \cdot 10^{-9} \text{ m}}{2 \cdot 10^{-4} \text{ m}} a1=3 m0.00133\textcolor{#53E5D6}{a_1} = 3 \text{ m} \cdot 0.00133 a1=0.00399 m\textcolor{#53E5D6}{a_1} = 0.00399 \text{ m}

Ergebnis:

Das 1. Minimum liegt in einem Abstand von 3.99 mm3.99 \text{ mm} von der Mitte.

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Position von Maxima und Minima lässt sich über zwei rechtwinklige Dreiecke berechnen, die über den Winkel α\textcolor{#FF7D57}{\alpha} verbunden sind.
  • Exakte Formel: Nutzt Sinus und Arkustangens. Sie gilt immer, ist aber aufwendiger zu berechnen.
  • Kleinwinkelnäherung: Für kleine Winkel gilt sin(α)tan(α)\sin(\textcolor{#FF7D57}{\alpha}) \approx \tan(\textcolor{#FF7D57}{\alpha}). Das vereinfacht die Formel zu Δsg=ane\frac{\textcolor{#08BFFF}{\Delta s}}{g} = \frac{\textcolor{#53E5D6}{a_n}}{e}.
  • Achte immer darauf, ob in der Aufgabe ein Maximum (Δs=nλ\textcolor{#08BFFF}{\Delta s} = n \cdot \lambda) oder ein Minimum (Δs=2n12λ\textcolor{#08BFFF}{\Delta s} = \frac{2n-1}{2} \cdot \lambda) gesucht ist!

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Häufige Fragen

Was ist das Doppelspalt-Interferenzmuster?

Das Doppelspalt-Interferenzmuster ist ein charakteristisches Muster aus abwechselnd hellen und dunklen Punkten, den sogenannten Maxima und Minima. Es entsteht, wenn Licht durch zwei winzige, dicht beieinanderliegende Spalte fällt. Dieses Phänomen beweist eindeutig, dass sich Licht wie eine Welle verhält, da sich die Lichtwellen hinter den Spalten überlagern und gegenseitig verstärken oder auslöschen.

Wann verwendet man die Kleinwinkelnäherung am Doppelspalt?

Die Kleinwinkelnäherung wird in der Physik verwendet, wenn der betrachtete Winkel sehr klein ist, in der Regel unter 5 Grad. Beim Doppelspalt ist das fast immer der Fall, da der Abstand zum Schirm meist im Meter-Bereich liegt, während die Abstände der Maxima nur wenige Zentimeter betragen. Sie vereinfacht die komplizierte exakte Formel erheblich.

Was ist der Unterschied zwischen Maximum und Minimum am Doppelspalt?

Ein Maximum ist ein heller Punkt auf dem Schirm, der entsteht, wenn sich zwei Wellenberge genau treffen. Das nennt man konstruktive Interferenz. Ein Minimum hingegen ist ein dunkler Punkt, bei dem ein Wellenberg exakt auf ein Wellental trifft. In diesem Fall löschen sich die beiden Lichtwellen gegenseitig aus, was als destruktive Interferenz bezeichnet wird.

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