Elektronenbeugung berechnen einfach erklärt: Abiturvorbereitung

Lerne Schritt für Schritt, wie du die Elektronenbeugung berechnest. Mit verständlichen Erklärungen, Formeln und durchgerechneten Beispielen fürs Abitur.

📅 Aktualisiert 29. August 20265 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Elektronenbeugung berechnen einfach erklärt: Abiturvorbereitung

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Student thinking

Stell dir vor, du wirfst einen Tennisball durch eine Wand mit zwei Schlitzen. Der Ball geht entweder durch den linken oder den rechten Schlitz und trifft dahinter auf einen einzigen Punkt. Logisch, oder?

Doppelspalt mit Tennisbällen
Doppelspalt mit Tennisbällen

In der Quantenphysik verhalten sich Elektronen aber völlig anders! Wenn wir sie durch ein feines Gitter schießen, verhalten sie sich plötzlich wie eine Welle und erzeugen ein Muster aus Ringen auf einem Schirm. Dieses Phänomen nennt man Elektronenbeugung. In dieser Lektion lernst du Schritt für Schritt, wie du für dein Abitur genau berechnest, wie schnell diese Elektronen sind und wie groß die Ringe auf dem Schirm werden. So wird das Thema Elektronenbeugung berechnen zum Kinderspiel!

Vorwissen

  • Kinetische Energie (EkinE_{kin}): Die Energie der Bewegung. Formel: Ekin=12mv2E_{kin} = \frac{1}{2} \cdot m \cdot v^2 Beispiel: Ein Auto, das mit einer bestimmten Geschwindigkeit vv fährt, besitzt kinetische Energie.
  • Elektrische Energie (EelE_{el}): Die Energie, die ein geladenes Teilchen in einem elektrischen Feld erhält. Formel: Eel=eUE_{el} = e \cdot U Beispiel: Ein Elektron (Ladung ee) gewinnt Energie, wenn es durch eine Spannung UU beschleunigt wird.

Aufgabentyp 1: Von der Spannung zur Welle

Um die Eigenschaften eines Elektrons zu berechnen, müssen wir zuerst wissen, wie schnell es ist. In einer Elektronenröhre wird ein Elektron aus dem Stillstand durch eine Beschleunigungsspannung (UB\textcolor{#08BFFF}{U_B}) extrem schnell gemacht.

Dabei wandelt sich die gesamte elektrische Energie in Bewegungsenergie (kinetische Energie) um. Wir setzen also beide Formeln gleich (Energiebilanz):

12mv2=eUB\frac{1}{2} \cdot m \cdot \textcolor{#9570FF}{v}^2 = e \cdot \textcolor{#08BFFF}{U_B}

Wenn wir diese Gleichung nach der Geschwindigkeit (v\textcolor{#9570FF}{v}) auflösen, erhalten wir:

v=2eUBm\textcolor{#9570FF}{v} = \sqrt{\frac{2 \cdot e \cdot \textcolor{#08BFFF}{U_B}}{m}}

Elektron in Beschleunigungsspannung
Elektron in Beschleunigungsspannung

Sobald das Elektron fliegt, verhält es sich wie eine Welle. Der Physiker Louis de Broglie hat herausgefunden, dass die Wellenlänge (λ\textcolor{#53E5D6}{\lambda}) direkt von der Geschwindigkeit abhängt. Je schneller das Elektron, desto kürzer die Welle:

λ=hmv\textcolor{#53E5D6}{\lambda} = \frac{h}{m \cdot \textcolor{#9570FF}{v}}

Naturkonstanten, die du hierfür brauchst:

  • ee (Elementarladung) 1,601019 C\approx 1{,}60 \cdot 10^{-19} \text{ C}
  • mm (Elektronenmasse) 9,111031 kg\approx 9{,}11 \cdot 10^{-31} \text{ kg}
  • hh (Plancksches Wirkungsquantum) 6,631034 Js\approx 6{,}63 \cdot 10^{-34} \text{ Js}

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Gegebene Werte und Konstanten notieren: Schreibe alle Werte aus der Aufgabe auf (Spannung UBU_B). Notiere dir auch die Konstanten ee, mm und hh.
  2. Elektronengeschwindigkeit berechnen: Setze die Spannung in die umgestellte Energiegleichung ein: v=2eUBmv = \sqrt{\frac{2 \cdot e \cdot U_B}{m}}.
  3. De-Broglie-Wellenlänge berechnen: Nutze die berechnete Geschwindigkeit, um die Wellenlänge zu finden: λ=hmv\lambda = \frac{h}{m \cdot v}.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

In einer Elektronenbeugungsröhre werden Elektronen durch eine Spannung von UB=2900 V\textcolor{#08BFFF}{U_B} = 2900 \text{ V} beschleunigt. Berechne die resultierende Elektronengeschwindigkeit und die zugehörige De-Broglie-Wellenlänge.

Verwende: e=1,601019 Ce = 1{,}60 \cdot 10^{-19} \text{ C}, m=9,111031 kgm = 9{,}11 \cdot 10^{-31} \text{ kg}, h=6,631034 Jsh = 6{,}63 \cdot 10^{-34} \text{ Js}.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Gegebene Werte und Konstanten notieren

    Gegeben: UB=2900 V\textcolor{#08BFFF}{U_B} = 2900 \text{ V}

  2. Schritt 2
    Elektronengeschwindigkeit berechnen

    Wir nutzen die Formel aus der Energieerhaltung:

    v=2eUBm\textcolor{#9570FF}{v} = \sqrt{\frac{2 \cdot e \cdot \textcolor{#08BFFF}{U_B}}{m}}

    Wir setzen die Werte ein:

    v=21,601019 C2900 V9,111031 kg\textcolor{#9570FF}{v} = \sqrt{\frac{2 \cdot 1{,}60 \cdot 10^{-19} \text{ C} \cdot \textcolor{#08BFFF}{2900 \text{ V}}}{9{,}11 \cdot 10^{-31} \text{ kg}}}

    v=1,0181015 m2/s2\textcolor{#9570FF}{v} = \sqrt{1{,}018 \cdot 10^{15} \text{ m}^2/\text{s}^2}

    v3,19107 m/s\textcolor{#9570FF}{v} \approx \textcolor{#9570FF}{3{,}19 \cdot 10^7 \text{ m/s}}

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    De-Broglie-Wellenlänge berechnen

    Nun setzen wir die Geschwindigkeit in die De-Broglie-Formel ein:

    λ=hmv\textcolor{#53E5D6}{\lambda} = \frac{h}{m \cdot \textcolor{#9570FF}{v}}

    λ=6,631034 Js9,111031 kg3,19107 m/s\textcolor{#53E5D6}{\lambda} = \frac{6{,}63 \cdot 10^{-34} \text{ Js}}{9{,}11 \cdot 10^{-31} \text{ kg} \cdot \textcolor{#9570FF}{3{,}19 \cdot 10^7 \text{ m/s}}}

    λ2,281011 m\textcolor{#53E5D6}{\lambda} \approx \textcolor{#53E5D6}{2{,}28 \cdot 10^{-11} \text{ m}}

Ergebnis:

Die Elektronen haben eine Geschwindigkeit von 3,19107 m/s\textcolor{#9570FF}{3{,}19 \cdot 10^7 \text{ m/s}} und eine Wellenlänge von 2,281011 m\textcolor{#53E5D6}{2{,}28 \cdot 10^{-11} \text{ m}}. Realitätscheck: Die Geschwindigkeit ist extrem hoch (etwa 10% der Lichtgeschwindigkeit), was für beschleunigte Elektronen typisch ist. Die Wellenlänge ist winzig (im Pikometer-Bereich), was ebenfalls physikalisch sinnvoll ist.


Aufgabentyp 2: Die Ringe auf dem Schirm

Wenn unsere Elektronenwelle nun auf ein hauchdünnes Kristallgitter trifft, wird sie abgelenkt (gebeugt). Auf einem Leuchtschirm am Ende der Röhre entstehen dadurch helle Ringe (Beugungsmaxima).

Beugungsringe auf dem Schirm
Beugungsringe auf dem Schirm

Um den Radius (R\textcolor{#FFCE51}{R}) dieser Ringe zu berechnen, nutzen wir die Beugungsgleichung (in der Kleinwinkelnäherung):

nλ=dRLn \cdot \textcolor{#53E5D6}{\lambda} = \frac{d \cdot \textcolor{#FFCE51}{R}}{L}

  • nn: Die Ordnung des Rings (z.B. n=1n=1 für den ersten Ring, n=2n=2 für den zweiten).
  • dd: Der Abstand der Atome im Kristall (Netzebenenabstand).
  • LL: Der Abstand zwischen dem Kristall und dem Schirm.

Der Abitur-Trick (Die zusammengesetzte Gleichung): Oft wird in Prüfungen verlangt, den Radius direkt aus der Spannung zu berechnen, ohne Zwischenschritte. Dafür setzt man die Formel für λ\textcolor{#53E5D6}{\lambda} und v\textcolor{#9570FF}{v} direkt in die Beugungsgleichung ein und löst nach R\textcolor{#FFCE51}{R} auf. Das sieht dann so aus:

R=nhLd2meUB\textcolor{#FFCE51}{R} = \frac{n \cdot h \cdot L}{d \cdot \sqrt{2 \cdot m \cdot e \cdot \textcolor{#08BFFF}{U_B}}}

Keine Panik vor dieser großen Formel! Sie macht genau das Gleiche, als würdest du die Schritte einzeln nacheinander rechnen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Gegebene Werte notieren: Schreibe den Abstand LL, den Gitterabstand dd und die Ordnung nn auf.
  2. Radius des Beugungsrings berechnen: Stelle die Beugungsgleichung nach RR um (R=nλLdR = \frac{n \cdot \lambda \cdot L}{d}) und setze deine Wellenlänge ein, oder nutze direkt die zusammengesetzte Gleichung.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 2

Aufgabe

Berechne den Radius des Beugungsmaximums zweiter Ordnung (n=2n=2) für Elektronen, die mit UB=4000 V\textcolor{#08BFFF}{U_B} = 4000 \text{ V} beschleunigt wurden. Der Abstand zum Schirm beträgt L=0,11 mL = 0{,}11 \text{ m} und der Netzebenenabstand des Kristalls ist d=1231012 md = 123 \cdot 10^{-12} \text{ m}.

Verwende die zusammengesetzte Gleichung. Konstanten: e=1,601019 Ce = 1{,}60 \cdot 10^{-19} \text{ C}, m=9,111031 kgm = 9{,}11 \cdot 10^{-31} \text{ kg}, h=6,631034 Jsh = 6{,}63 \cdot 10^{-34} \text{ Js}.

Fortschritt
2 / 2
  1. Schritt 1
    Formel aufstellen und umstellen

    Wir starten mit der Beugungsgleichung:

    nλ=dRLn \cdot \lambda = \frac{d \cdot \textcolor{#FFCE51}{R}}{L}

    Wir lösen nach dem gesuchten Radius R\textcolor{#FFCE51}{R} auf, indem wir mit LL multiplizieren und durch dd teilen:

    R=nλLd\textcolor{#FFCE51}{R} = \frac{n \cdot \lambda \cdot L}{d}

    Nun ersetzen wir λ\lambda durch die erweiterte De-Broglie-Beziehung (λ=h2meUB\lambda = \frac{h}{\sqrt{2 \cdot m \cdot e \cdot U_B}}), um die zusammengesetzte Gleichung zu erhalten:

    R=nhLd2meUB\textcolor{#FFCE51}{R} = \frac{n \cdot h \cdot L}{d \cdot \sqrt{2 \cdot m \cdot e \cdot \textcolor{#08BFFF}{U_B}}}

    Zusammengesetzte Formel
    Zusammengesetzte Formel
  2. Schritt 2 · Ergebnis
    Werte einsetzen und berechnen

    Jetzt setzen wir alle gegebenen Werte vorsichtig ein:

    R=26,631034 Js0,11 m1231012 m29,111031 kg1,601019 C4000 V\textcolor{#FFCE51}{R} = \frac{2 \cdot 6{,}63 \cdot 10^{-34} \text{ Js} \cdot 0{,}11 \text{ m}}{123 \cdot 10^{-12} \text{ m} \cdot \sqrt{2 \cdot 9{,}11 \cdot 10^{-31} \text{ kg} \cdot 1{,}60 \cdot 10^{-19} \text{ C} \cdot \textcolor{#08BFFF}{4000 \text{ V}}}}

    Wir berechnen zuerst den Wert unter der Wurzel (den Nenner):

    1,16610453,411023\sqrt{1{,}166 \cdot 10^{-45}} \approx 3{,}41 \cdot 10^{-23}

    Nun setzen wir das zurück in den Bruch ein:

    R=1,458103412310123,411023\textcolor{#FFCE51}{R} = \frac{1{,}458 \cdot 10^{-34}}{123 \cdot 10^{-12} \cdot 3{,}41 \cdot 10^{-23}}

    R=1,45810344,191033\textcolor{#FFCE51}{R} = \frac{1{,}458 \cdot 10^{-34}}{4{,}19 \cdot 10^{-33}}

    R0,0348 m\textcolor{#FFCE51}{R} \approx \textcolor{#FFCE51}{0{,}0348 \text{ m}}

Ergebnis:

Der Radius des Beugungsmaximums zweiter Ordnung beträgt ca. 0,035 m\textcolor{#FFCE51}{0{,}035 \text{ m}} (oder 3,5 cm3{,}5 \text{ cm}). Realitätscheck: Ein Radius von 3,5 cm3{,}5 \text{ cm} auf einem Schirm, der 11 cm11 \text{ cm} entfernt ist, ist eine realistische und gut sichtbare Größe für ein Laborexperiment.


Wichtige Erkenntnisse

  • Der Ablauf: Spannung erzeugt Geschwindigkeit \to Geschwindigkeit bestimmt Wellenlänge \to Wellenlänge bestimmt den Radius der Ringe.
  • Energiebilanz: 12mv2=eUB\frac{1}{2} \cdot m \cdot \textcolor{#9570FF}{v}^2 = e \cdot \textcolor{#08BFFF}{U_B}
  • De-Broglie-Wellenlänge: λ=hmv\textcolor{#53E5D6}{\lambda} = \frac{h}{m \cdot \textcolor{#9570FF}{v}}
  • Beugungsgleichung: nλ=dRLn \cdot \textcolor{#53E5D6}{\lambda} = \frac{d \cdot \textcolor{#FFCE51}{R}}{L}

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Häufige Fragen

Was ist die Elektronenbeugung?

Die Elektronenbeugung ist ein quantenphysikalisches Phänomen, bei dem sich Elektronen wie Wellen verhalten. Wenn sie durch ein feines Kristallgitter geschossen werden, werden sie abgelenkt und erzeugen auf einem Leuchtschirm ein charakteristisches Muster aus hellen Ringen.

Wie berechnet man die Geschwindigkeit eines Elektrons?

Du nutzt die Energieerhaltung, indem du die elektrische Energie mit der kinetischen Energie gleichsetzt: e · U = 1/2 · m · v². Wenn du diese Formel nach v auflöst, erhältst du die Geschwindigkeit in Abhängigkeit von der Beschleunigungsspannung U.

Was sagt die De-Broglie-Wellenlänge aus?

Die De-Broglie-Wellenlänge beschreibt die Welleneigenschaft von Materie. Sie besagt, dass jedem bewegten Teilchen eine Wellenlänge λ = h / (m · v) zugeordnet werden kann. Je schneller das Elektron fliegt, desto kürzer ist seine Wellenlänge.

Wie berechnet man den Radius der Beugungsringe?

Den Radius berechnest du mit der Beugungsgleichung in der Kleinwinkelnäherung: n · λ = (d · R) / L. Wenn du die Wellenlänge λ, den Netzebenenabstand d und den Abstand zum Schirm L kennst, kannst du die Formel einfach nach dem Radius R umstellen.

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