Thermodynamik galvanischer Zellen: Energie berechnen

Lerne, wie du die Thermodynamik galvanischer Zellen berechnest. Erfahre alles über Zellspannung, freie Enthalpie und die Gibbs-Helmholtz-Gleichung.

📅 Aktualisiert 2. September 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Thermodynamik galvanischer Zellen: Energie berechnen

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Student thinking

Hast du dich schon einmal gefragt, warum dein Handyakku beim Spielen manchmal warm wird? In der Thermodynamik galvanischer Zellen untersuchen wir genau diese chemischen Reaktionen. Wenn wir das Handy normal nutzen, wird die chemische Energie in elektrische Arbeit umgewandelt, um das Display zum Leuchten zu bringen. Schließen wir die Batterie aber kurz, wird dieselbe Energie nur als nutzlose Wärme frei.

Handyakku wird warm
Handyakku wird warm

In diesem Artikel lernen wir, wie wir genau berechnen können, wie viel Energie einer Batterie tatsächlich als Strom nutzbar ist und wie viel als Wärme verloren geht. Das Beste daran: Wir können diese unsichtbaren Energien einfach berechnen, indem wir die Spannung der Batterie messen!

Vorwissen

  • Galvanische Zelle: Ein Aufbau, der chemische Energie in elektrische Energie umwandelt (z. B. das Daniell-Element aus Zink und Kupfer). Beispiel: Zink gibt Elektronen ab, Kupferionen nehmen sie auf. Es fließt ein Strom.
  • Reaktionsenthalpie (ΔrH\Delta_r H): Die gesamte Energie, die bei einer Reaktion als Wärme frei wird oder aufgenommen wird. Beispiel: Bei einer Verbrennung ist ΔrH\Delta_r H negativ (exotherm, es wird warm).
  • Reaktionsentropie (ΔrS\Delta_r S): Ein Maß für die Unordnung der Teilchen. Beispiel: Wenn ein Feststoff schmilzt, nimmt die Unordnung (Entropie) zu.
  • Freie Reaktionsenthalpie (ΔrG\Delta_r G): Die Energie, die tatsächlich für Arbeit (z. B. Strom) genutzt werden kann.

Aufgabentyp 1: Thermodynamische Daten berechnen

Um die Thermodynamik galvanischer Zellen zu verstehen, betrachten wir den Weg von der Spannung zur nutzbaren Energie. Viele chemische Reaktionen können auf zwei Arten ablaufen. Werfen wir Zinkpulver direkt in eine Kupfersulfatlösung (direkte Reaktion), wird die gesamte Energie als Wärme frei. Trennen wir die Reaktion aber in einer galvanischen Zelle räumlich auf, zwingen wir die Elektronen durch ein Kabel. Jetzt wird die chemische Energie größtenteils in elektrische Arbeit umgewandelt.

Galvanische Zelle Schema
Galvanische Zelle Schema

Die maximal mögliche elektrische Arbeit, die wir aus der Zelle herausholen können, nennen wir die freie Standardreaktionsenthalpie (ΔrG\Delta_r G^\circ). Wir können sie ganz einfach berechnen, wenn wir die Spannung (ΔE\Delta E^\circ) der Zelle messen:

ΔrG=zFΔE\textcolor{#9570FF}{\Delta_r G^\circ} = -z \cdot F \cdot \textcolor{#08BFFF}{\Delta E^\circ}

  • ΔE\textcolor{#08BFFF}{\Delta E^\circ}: Die gemessene Potenzialdifferenz (Spannung) in Volt (V\text{V}). Es gilt: 1 V=1 J / As1 \text{ V} = 1 \text{ J / As}.
  • zz: Die Anzahl der übertragenen Elektronen (z. B. bei Zink/Kupfer ist z=2z = 2).
  • FF: Die Faraday-Konstante (96485 As/mol96485 \text{ As/mol}). Sie gibt die Ladung von einem Mol Elektronen an.

Das Minuszeichen in der Formel ist wichtig: Eine positive Spannung (die Batterie liefert Strom) führt zu einem negativen ΔrG\Delta_r G^\circ-Wert. Ein negatives ΔrG\Delta_r G^\circ bedeutet, dass die Reaktion freiwillig abläuft.

Selbst die beste Batterie wandelt nicht 100 % der chemischen Energie in Strom um. Ein kleiner Teil geht immer als Wärme verloren. Die Gibbs-Helmholtz-Gleichung beschreibt genau diesen Zusammenhang:

ΔrG=ΔrHTΔrS\Delta_r G^\circ = \Delta_r H^\circ - T \cdot \Delta_r S^\circ

  • ΔrH\Delta_r H^\circ: Die gesamte Reaktionsenthalpie (die totale Energie der Reaktion).
  • ΔrG\Delta_r G^\circ: Die freie Enthalpie (die nutzbare Energie für Strom).
  • TΔrST \cdot \Delta_r S^\circ: Die Energie, die aufgrund der Entropie (ΔrS\Delta_r S^\circ) bei der Temperatur TT (in Kelvin) als Wärme verloren geht.

Wenn wir die gesamte Energie (ΔrH\Delta_r H^\circ, z. B. aus einem Kalorimeter) und die nutzbare Energie (ΔrG\Delta_r G^\circ, aus der Spannungsmessung) kennen, können wir die Gleichung umstellen, um die Entropie zu berechnen. Wir bringen ΔrG\Delta_r G^\circ auf die rechte Seite und TΔrST \cdot \Delta_r S^\circ auf die linke Seite:

TΔrS=ΔrHΔrGT \cdot \Delta_r S^\circ = \Delta_r H^\circ - \Delta_r G^\circ

Teilen wir nun durch die Temperatur TT, erhalten wir die Formel für die Standardreaktionsentropie:

ΔrS=ΔrHΔrGT\Delta_r S^\circ = \frac{\Delta_r H^\circ - \Delta_r G^\circ}{T}

Bisher brauchten wir ein Kalorimeter (ein Gerät zur Wärmemessung), um ΔrH\Delta_r H^\circ zu bestimmen. Es geht aber auch viel eleganter: Wir messen einfach die Spannung der Batterie bei verschiedenen Temperaturen!

Wenn wir die Gibbs-Helmholtz-Gleichung leicht umstellen, sieht sie aus wie die Gleichung einer linearen Geraden aus dem Matheunterricht (y=mx+by = m \cdot x + b):

ΔrG=ΔrST+ΔrH\textcolor{#1E90FF}{\Delta_r G} = \textcolor{#1E90FF}{-\Delta_r S^\circ} \cdot \textcolor{#1E90FF}{T} + \textcolor{#1E90FF}{\Delta_r H^\circ}

  • yy entspricht ΔrG\Delta_r G (berechnet aus der Spannung).
  • xx entspricht der Temperatur TT.
  • mm (die Steigung) entspricht ΔrS-\Delta_r S^\circ.
  • bb (der y-Achsenabschnitt) entspricht ΔrH\Delta_r H^\circ.

Tragen wir nun unsere berechneten ΔrG\Delta_r G-Werte in ein Diagramm gegen die Temperatur TT ein, erhalten wir eine Gerade.

Diagramm dG gegen T
Diagramm dG gegen T

Aus diesem Diagramm können wir alles ablesen:

  1. Verlängern wir die Gerade bis zur y-Achse (T=0 KT = 0 \text{ K}), lesen wir dort direkt die Standardreaktionsenthalpie ΔrH\Delta_r H^\circ ab.
  2. Berechnen wir die Steigung der Geraden, erhalten wir den negativen Wert der Entropie (ΔrS-\Delta_r S^\circ).
  3. Der Wert auf der Geraden bei genau 25 C25 \text{ }^\circ\text{C} (298,15 K298,15 \text{ K}) ist unsere freie Standardreaktionsenthalpie ΔrG\Delta_r G^\circ.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Nutze die gemessene Spannung ΔE\Delta E^\circ und die Formel ΔrG=zFΔE\Delta_r G^\circ = -z \cdot F \cdot \Delta E^\circ. Achte darauf, wie viele Elektronen (zz) übertragen werden.
  2. Das Ergebnis aus Schritt 1 ist in Joule (J\text{J}). Teile durch 10001000, um Kilojoule (kJ\text{kJ}) zu erhalten, da ΔrH\Delta_r H^\circ meistens in kJ\text{kJ} angegeben ist.
  3. Setze ΔrG\Delta_r G^\circ, ΔrH\Delta_r H^\circ und die Temperatur TT (in Kelvin!) in die umgestellte Gibbs-Helmholtz-Gleichung ein: ΔrS=ΔrHΔrGT\Delta_r S^\circ = \frac{\Delta_r H^\circ - \Delta_r G^\circ}{T}.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Für das Daniell-Element (Zink und Kupfer) wird bei Standardbedingungen (T=298,15 KT = 298,15 \text{ K}) eine Spannung von ΔE=1,102 V\Delta E^\circ = 1,102 \text{ V} gemessen. Bei der Reaktion werden 22 Elektronen übertragen (z=2z = 2). Die Standardreaktionsenthalpie beträgt ΔrH=219 kJ\Delta_r H^\circ = -219 \text{ kJ}.

Berechne zuerst die freie Standardreaktionsenthalpie ΔrG\Delta_r G^\circ in kJ\text{kJ} und bestimme anschließend die Standardreaktionsentropie ΔrS\Delta_r S^\circ in J/K\text{J/K}.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Freie Enthalpie berechnen

    Wir setzen die Werte in die Formel ein (F=96485 As/molF = 96485 \text{ As/mol}):

    ΔrG=zFΔE\Delta_r G^\circ = -z \cdot F \cdot \Delta E^\circ

    ΔrG=296485 As/mol1,102 V\Delta_r G^\circ = -2 \cdot 96485 \text{ As/mol} \cdot 1,102 \text{ V}

    Da 1 V=1 J/As1 \text{ V} = 1 \text{ J/As} ist, heben sich As\text{As} und V\text{V} zu Joule auf:

    ΔrG=212653 J/mol\Delta_r G^\circ = -212653 \text{ J/mol}

  2. Schritt 2
    Einheiten anpassen

    Wir teilen durch 10001000, um auf Kilojoule zu kommen:

    ΔrG213 kJ/mol\Delta_r G^\circ \approx -213 \text{ kJ/mol}

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Entropie berechnen

    Nun nutzen wir die umgestellte Gibbs-Helmholtz-Gleichung. Wir setzen ΔrH=219 kJ/mol\Delta_r H^\circ = -219 \text{ kJ/mol} und ΔrG=213 kJ/mol\Delta_r G^\circ = -213 \text{ kJ/mol} ein:

    ΔrS=ΔrHΔrGT\Delta_r S^\circ = \frac{\Delta_r H^\circ - \Delta_r G^\circ}{T}

    ΔrS=219 kJ/mol(213 kJ/mol)298,15 K\Delta_r S^\circ = \frac{-219 \text{ kJ/mol} - (-213 \text{ kJ/mol})}{298,15 \text{ K}}

    ΔrS=6 kJ/mol298,15 K0,020 kJ/(molK)\Delta_r S^\circ = \frac{-6 \text{ kJ/mol}}{298,15 \text{ K}} \approx -0,020 \text{ kJ/(mol} \cdot \text{K)}

    Um das Ergebnis in J/K\text{J/K} anzugeben, multiplizieren wir mit 10001000:

    ΔrS=20 J/(molK)\Delta_r S^\circ = -20 \text{ J/(mol} \cdot \text{K)}

Ergebnis:

Das Ergebnis ist physikalisch sinnvoll: Die Entropie nimmt leicht ab, was typisch für diese Feststoff-Ionen-Reaktion ist.

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Quizfrage 1 zu Thermodynamik galvanischer Zellen

Was beschreibt die freie Reaktionsenthalpie in einer galvanischen Zelle?

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Wichtige Erkenntnisse

  • Spannung zu Energie: Mit ΔrG=zFΔE\Delta_r G^\circ = -z \cdot F \cdot \Delta E^\circ berechnest du die maximal nutzbare elektrische Arbeit aus der Zellspannung.
  • Gibbs-Helmholtz: ΔrG=ΔrHTΔrS\Delta_r G = \Delta_r H - T \cdot \Delta_r S verknüpft die nutzbare Energie mit der gesamten Energie und dem Wärmeverlust.
  • Grafische Auswertung: Im Diagramm ΔrG\Delta_r G gegen TT ist der y-Achsenabschnitt die Enthalpie (ΔrH\Delta_r H^\circ) und die Steigung die negative Entropie (ΔrS-\Delta_r S^\circ).

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Häufige Fragen

Was ist die Thermodynamik galvanischer Zellen?

Die Thermodynamik galvanischer Zellen beschreibt die Energieumwandlung in einer Batterie. Sie erklärt, wie viel der chemischen Energie als nutzbare elektrische Arbeit (Strom) zur Verfügung steht und wie viel als Wärme verloren geht. Das lässt sich direkt über die Zellspannung berechnen.

Wie berechnest du die freie Standardreaktionsenthalpie?

Du berechnest die freie Standardreaktionsenthalpie Δ_r G° aus der gemessenen Spannung ΔE° der Zelle. Die Formel lautet Δ_r G° = −z · F · ΔE°, wobei z die Anzahl der übertragenen Elektronen und F die Faraday-Konstante ist.

Was sagt die Gibbs-Helmholtz-Gleichung aus?

Die Gibbs-Helmholtz-Gleichung Δ_r G° = Δ_r H° − T · Δ_r S° verknüpft die nutzbare Energie (Δ_r G°) mit der gesamten Reaktionsenergie (Δ_r H°) und dem Wärmeverlust. Der Wärmeverlust entsteht durch die Entropie (Δ_r S°) bei einer bestimmten Temperatur T.

Wie ermittelst du thermodynamische Daten grafisch?

Wenn du die freie Enthalpie Δ_r G gegen die Temperatur T in ein Diagramm einträgst, erhältst du eine Gerade. Der y-Achsenabschnitt entspricht der Reaktionsenthalpie Δ_r H°, und die Steigung der Geraden entspricht der negativen Entropie −Δ_r S°.

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