Nachweis von Carbonylverbindungen einfach erklärt: Aldehyde

Lerne, wie du Aldehyde und Ketone sicher unterscheidest. Wir erklären dir die DNPH-Probe, Tollens-Probe und Fehling-Probe Schritt für Schritt.

📅 Aktualisiert 3. September 20265 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Nachweis von Carbonylverbindungen einfach erklärt: Aldehyde

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Student thinking

Der Nachweis von Carbonylverbindungen ist ein klassisches und spannendes Thema in der Chemie. Stell dir vor, du bist ein chemischer Detektiv. Vor dir stehen zwei Flaschen mit klaren, farblosen Flüssigkeiten. Du weißt, dass in der einen Flasche ein Aldehyd und in der anderen ein Keton ist. Aber die Etiketten sind abgefallen!

Zwei Flaschen ohne Etikett
Zwei Flaschen ohne Etikett

Beide Stoffe sehen gleich aus und riechen oft ähnlich, weil sie eng miteinander verwandt sind. Wie findest du heraus, was was ist, ohne dich in Gefahr zu bringen? In diesem Artikel lernst du die wichtigsten chemischen Tests kennen, mit denen Chemiker diese Stoffe aufspüren. Du wirst sehen, wie einfache Flüssigkeiten plötzlich leuchtend gelb werden, rotes Pulver bilden oder sogar echtes Silber an der Glaswand erzeugen!

Vorwissen

  • Carbonylgruppe: Eine funktionelle Gruppe, bei der ein Kohlenstoffatom über eine Doppelbindung an ein Sauerstoffatom gebunden ist (C=O\text{C=O}). Beispiel: Sowohl in Propanal (ein Aldehyd) als auch in Propanon (ein Keton) steckt eine C=O\text{C=O} Gruppe.
  • Aldehyd vs. Keton: Bei einem Aldehyd sitzt die Carbonylgruppe am Ende der Kohlenstoffkette (es hat noch ein H-Atom am C-Atom). Bei einem Keton sitzt sie in der Mitte (nur C-Atome als Nachbarn). Beispiel: R-CHO\text{R-CHO} (Aldehyd) vs. R-CO-R\text{R-CO-R} (Keton).
  • Redoxreaktion: Eine Reaktion, bei der Elektronen übertragen werden. Beispiel: Oxidation bedeutet Elektronenabgabe, Reduktion bedeutet Elektronenaufnahme.

Aufgabentyp 1: Die DNPH-Probe

Wenn wir eine unbekannte Flüssigkeit testen, müssen wir zuerst prüfen, ob überhaupt eine Carbonylverbindung (also ein Aldehyd oder ein Keton) vorliegt. Dafür nutzen Chemiker das sogenannte DNPH-Reagenz (2,4-Dinitrophenylhydrazin) in einer sauren Lösung.

Tropft man dieses Reagenz zu einer Probe, die eine Carbonylgruppe enthält, passiert etwas sehr Auffälliges: Es bildet sich sofort ein schwerlöslicher, leuchtend gelber oder oranger Niederschlag (ein Feststoff, der ausfällt).

Gelber Niederschlag im Reagenzglas
Gelber Niederschlag im Reagenzglas

Das Problem: Dieser Test ist wie ein Metalldetektor. Er schlägt an, wenn eine Carbonylgruppe da ist. Er kann uns aber nicht sagen, ob es sich um ein Aldehyd oder ein Keton handelt. Beide Stoffklassen reagieren hier völlig gleich. Um sie zu unterscheiden, brauchen wir spezifischere Tests.

Aufgabentyp 2: Die Tollens-Probe (Silberspiegelprobe)

Um Aldehyde von Ketonen zu unterscheiden, nutzen wir einen Trick: Aldehyde lassen sich leicht oxidieren, Ketone hingegen nicht. Das liegt daran, dass Aldehyde noch ein Wasserstoffatom direkt an der Carbonylgruppe haben, welches bei einer Oxidation durch eine OH-Gruppe ersetzt werden kann. Ketone haben dort kein Wasserstoffatom mehr.

Die Tollens-Probe nutzt genau diese Eigenschaft in einem alkalischen Milieu (basische Lösung). Wir geben Silber-Ionen (Ag+\textcolor{#53E5D6}{\text{Ag}^+}) zur Probe. Wenn ein Aldehyd vorhanden ist, gibt das Aldehyd Elektronen ab (es wird oxidiert) und die Silber-Ionen nehmen diese Elektronen auf (sie werden reduziert).

Schauen wir uns die Teilgleichungen an:

1. Oxidation (Das Aldehyd gibt Elektronen ab):

R-CHO+3 OHR-COO+2 H2O+2 e\textcolor{#08BFFF}{\text{R-CHO}} + 3 \text{ OH}^- \to \textcolor{#08BFFF}{\text{R-COO}^-} + 2 \text{ H}_2\text{O} + \textcolor{#9570FF}{2 \text{ e}^-}

Das Aldehyd (R-CHO\textcolor{#08BFFF}{\text{R-CHO}}) wird zu einem Carbonsäure-Anion (Carboxylat-Ion, R-COO\textcolor{#08BFFF}{\text{R-COO}^-}) oxidiert.

2. Reduktion (Das Silber nimmt Elektronen auf):

Ag++eAg\textcolor{#53E5D6}{\text{Ag}^+} + \textcolor{#9570FF}{\text{e}^-} \to \textcolor{#53E5D6}{\text{Ag}}

Da bei der Oxidation 2 e\textcolor{#9570FF}{2 \text{ e}^-} frei werden, müssen wir die Reduktionsgleichung mit 2 multiplizieren, damit alles aufgeht. Die Redox-Gesamtgleichung lautet dann:

R-CHO+2Ag++3 OHR-COO+2Ag+2 H2O\textcolor{#08BFFF}{\text{R-CHO}} + 2 \textcolor{#53E5D6}{\text{Ag}^+} + 3 \text{ OH}^- \to \textcolor{#08BFFF}{\text{R-COO}^-} + 2 \textcolor{#53E5D6}{\text{Ag}} + 2 \text{ H}_2\text{O}

Bei einem Keton passiert hier gar nichts. Die Lösung bleibt klar. Die Tollens-Probe ist bei Ketonen also negativ.

Die Silberspiegelprobe in der Praxis

Zweck: Sichtbarmachung der reduzierenden Wirkung eines Aldehyds durch die Erzeugung von elementarem Silber.

Materialien: Tollens-Reagenz (frisch hergestellte ammoniakalische Silbernitratlösung), 2 mL eines Aldehyds (z.B. verdünnte Ethanal-Lösung oder Glucose-Lösung), Reagenzglas, warmes Wasserbad (ca. 70 °C).

⚠️ Sicherheitshinweis: Silbernitrat verursacht Flecken auf Haut und Kleidung. Schutzbrille tragen! Das Tollens-Reagenz muss immer frisch hergestellt und Reste sofort nach dem Experiment entsorgt werden, da sich sonst hochexplosives Knallsilber bilden kann.

Durchführung:

  1. Fülle 2 mL des Tollens-Reagenz in das Reagenzglas.

  2. Gib 2 mL der Aldehyd-Lösung hinzu und schüttle leicht.

  3. Stelle das Reagenzglas für etwa 5 Minuten in das warme Wasserbad. Bewege es dabei nicht.

Beobachtung: Die anfangs klare Lösung verfärbt sich dunkel. Nach wenigen Minuten überzieht sich die Innenseite des Reagenzglases mit einer glänzenden, spiegelnden Schicht.

Silberspiegel im Reagenzglas
Silberspiegel im Reagenzglas

Erklärung: Das Aldehyd hat die Silber-Ionen (Ag+\text{Ag}^+) zu elementarem Silber (Ag\text{Ag}) reduziert. Dieses elementare Silber lagert sich als feiner Film an der Glaswand ab und bildet den charakteristischen "Silberspiegel".

Aufgabentyp 3: Die Fehling- und Benedict-Probe

Silber ist teuer. Daher nutzen Chemiker oft günstigere Alternativen, um Aldehyde nachzuweisen: Die Fehling-Probe oder die sehr ähnliche Benedict-Probe. Beide Tests funktionieren nach genau demselben Prinzip wie die Tollens-Probe, nutzen aber Kupfer statt Silber.

Das Reagenz enthält in beiden Fällen Kupfer(II)-Ionen (Cu2+\textcolor{#1E90FF}{\text{Cu}^{2+}}), die der Lösung eine tiefblaue Farbe verleihen. Auch diese Reaktion findet in einer alkalischen Lösung statt.

Wenn wir ein Aldehyd hinzugeben und erhitzen, passiert Folgendes:

  1. Das Aldehyd wird wieder zu einem Carbonsäure-Anion (Carboxylat-Ion) oxidiert.

  2. Die blauen Kupfer(II)-Ionen nehmen die Elektronen auf und werden zu Kupfer(I)-Ionen (Cu+\textcolor{#CE5331}{\text{Cu}^+}) reduziert.

Diese Kupfer(I)-Ionen verbinden sich sofort mit Sauerstoff zu Kupfer(I)-oxid (Cu2O\textcolor{#CE5331}{\text{Cu}_2\text{O}}). Dieser Stoff ist nicht wasserlöslich und fällt als ziegelroter Niederschlag aus.

Ziegelroter Niederschlag im Reagenzglas
Ziegelroter Niederschlag im Reagenzglas

Die Redox-Gesamtgleichung sieht so aus:

R-CHO+5 OH+2Cu2+R-COO+Cu2O+3 H2O\text{R-CHO} + 5 \text{ OH}^- + 2 \textcolor{#1E90FF}{\text{Cu}^{2+}} \to \text{R-COO}^- + \textcolor{#CE5331}{\text{Cu}_2\text{O}} + 3 \text{ H}_2\text{O}

Auch hier gilt: Ketone können nicht oxidiert werden. Bei einem Keton bleibt die Lösung einfach blau.

Aufgabentyp 4: Identifikation einer unbekannten Probe

Wenn du in einer Klausur oder im Labor eine unbekannte Flüssigkeit identifizieren musst, gehe nach diesem Plan vor, um den Nachweis von Carbonylverbindungen sicher durchzuführen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Führe die DNPH-Probe durch: Prüfe, ob sich ein gelber oder oranger Niederschlag bildet.
  2. Werte die DNPH-Probe aus: Bei einem Niederschlag liegt eine Carbonylverbindung vor.
  3. Führe die Tollens- oder Fehling-Probe durch: Teste die Probe auf reduzierende Wirkung.
  4. Werte den spezifischen Test aus: Ein Silberspiegel oder roter Niederschlag beweist ein Aldehyd, andernfalls ist es ein Keton.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Du hast durch die DNPH-Probe herausgefunden, dass deine Probe eine Carbonylverbindung ist. Anschließend führst du die Fehling-Probe durch. Es bildet sich ein ziegelroter Niederschlag. Du weißt, dass die ursprüngliche Kohlenstoffkette aus genau 3 Kohlenstoffatomen besteht. Benenne den untersuchten Stoff und stelle die Redox-Gesamtgleichung für diese Fehling-Probe auf.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Stoff identifizieren

    Die positive Fehling-Probe (roter Niederschlag) beweist, dass es sich um ein Aldehyd handelt. Ein Aldehyd mit 3 Kohlenstoffatomen heißt Propanal. Die Formel für Propanal ist CH3-CH2-CHO\text{CH}_3\text{-CH}_2\text{-CHO}.

  2. Schritt 2
    Allgemeine Gleichung anpassen

    Wir nehmen die allgemeine Gleichung der Fehling-Probe: R-CHO+5 OH+2 Cu2+R-COO+Cu2O+3 H2O\text{R-CHO} + 5 \text{ OH}^- + 2 \text{ Cu}^{2+} \to \text{R-COO}^- + \text{Cu}_2\text{O} + 3 \text{ H}_2\text{O}

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Den Rest R ersetzen

    Für Propanal ist der Rest R\text{R} gleich CH3-CH2-\text{CH}_3\text{-CH}_2\text{-}. Wir setzen dies in die Gleichung ein. Das Propanal wird dabei zum Propanoat-Ion (CH3-CH2-COO\text{CH}_3\text{-CH}_2\text{-COO}^-) oxidiert: CH3-CH2-CHO+5 OH+2 Cu2+CH3-CH2-COO+Cu2O+3 H2O\text{CH}_3\text{-CH}_2\text{-CHO} + 5 \text{ OH}^- + 2 \text{ Cu}^{2+} \to \text{CH}_3\text{-CH}_2\text{-COO}^- + \text{Cu}_2\text{O} + 3 \text{ H}_2\text{O}

Ergebnis:

Der untersuchte Stoff ist Propanal und die Redox-Gesamtgleichung zeigt die Oxidation zu Propanoat unter Bildung von Kupfer(I)-oxid.


Wichtige Erkenntnisse

  • DNPH-Probe: Weist Carbonylgruppen allgemein nach (Aldehyde UND Ketone). Positiv = gelber Niederschlag.
  • Tollens-Probe: Weist nur Aldehyde nach. Positiv = Silberspiegel (Ag+\text{Ag}^+ wird zu Ag\text{Ag} reduziert).
  • Fehling-/Benedict-Probe: Weist nur Aldehyde nach. Positiv = roter Niederschlag (Cu2+\text{Cu}^{2+} wird zu Cu2O\text{Cu}_2\text{O} reduziert).
  • Der Grund: Aldehyde lassen sich zu Carbonsäuren oxidieren, Ketone nicht.

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Häufige Fragen

Was ist der Nachweis von Carbonylverbindungen?

Der Nachweis von Carbonylverbindungen dient dazu, Aldehyde und Ketone zu identifizieren und voneinander zu unterscheiden. Zuerst nutzt man meist die DNPH-Probe als allgemeinen Nachweis für die Carbonylgruppe. Anschließend wendet man spezifische Tests wie die Tollens- oder Fehling-Probe an, um herauszufinden, ob es sich um ein Aldehyd oder ein Keton handelt.

Wie unterscheidet man Aldehyde und Ketone chemisch?

Aldehyde lassen sich im Gegensatz zu Ketonen leicht oxidieren, da sie noch ein Wasserstoffatom an der Carbonylgruppe besitzen. Diese Eigenschaft macht man sich bei der Tollens-Probe (Silberspiegelprobe) oder der Fehling-Probe zunutze. Reagiert die Probe positiv, handelt es sich um ein Aldehyd. Bleibt die Reaktion aus, liegt ein Keton vor.

Was passiert bei der Tollens-Probe?

Bei der Tollens-Probe gibt man Silber-Ionen in alkalischer Lösung zu der Probe. Ist ein Aldehyd vorhanden, wird dieses zu einer Carbonsäure oxidiert, während die Silber-Ionen zu elementarem Silber reduziert werden. Dieses Silber lagert sich an der Gefäßwand ab und bildet den charakteristischen Silberspiegel.

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