Nachweis von Alkoholen, Carbonsäuren und Estern einfach erklärt
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Stell dir vor, du stehst im Labor vor drei Reagenzgläsern. In allen dreien befindet sich eine klare, farblose Flüssigkeit. Du weißt, dass es sich um einen Alkohol, eine Carbonsäure und einen Ester handelt – aber welches ist was?

Genau hier kommt die analytische Chemie ins Spiel! Wie ein Detektiv kannst du bestimmte chemische Reagenzien als „Werkzeuge“ nutzen. Wenn du diese Werkzeuge zu deinen unbekannten Proben gibst, verraten sie dir durch beeindruckende Farbwechsel, welche funktionelle Gruppe sich im Glas versteckt. In dieser Lektion lernst du die drei wichtigsten Tests für den Nachweis von Alkoholen, Carbonsäuren und Estern zweifelsfrei kennen.
Vorwissen
- Funktionelle Gruppen: Die reaktiven Teile eines organischen Moleküls.
- Alkohole haben eine Hydroxygruppe ().
- Carbonsäuren haben eine Carboxygruppe ().
- Ester haben eine Estergruppe ().
- Säuren und Basen:
- Säuren geben Protonen () ab.
- Basen (alkalische Lösungen) enthalten Hydroxid-Ionen ().
- Wenn eine Säure und eine Base reagieren, neutralisieren sie sich.
Aufgabentyp 1: Nachweis von Alkoholen (Cer(IV)-ammoniumnitrat-Test)
Um einen Alkohol nachzuweisen, nutzen wir eine spezielle, salpetersaure Lösung namens Cer(IV)-ammoniumnitrat. Diese Lösung enthält ein komplexes Ion mit dem Metall Cer im Zentrum, an das sechs Nitrat-Ionen () wie kleine Anhängsel gebunden sind. Dieser Ausgangskomplex hat eine gelb-orange Farbe.
Wenn wir nun einen Alkohol () hinzugeben, passiert ein sogenannter Ligandenaustausch. Das bedeutet einfach, dass ein Nitrat-Ion seinen Platz verlässt und stattdessen das Alkoholmolekül an das Cer-Ion andockt.

Durch diesen Platztausch verändert sich die Lichtaufnahme des Moleküls drastisch: Die Lösung schlägt sofort in ein tiefes Dunkelrot um.
Die Reaktionsgleichung sieht so aus:
Wichtig für die Prüfung: Obwohl sich die Farbe ändert, findet hier keine Redoxreaktion statt! Das Cer-Ion behält während des gesamten Vorgangs seine Oxidationsstufe von +IV.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
So führst du den Cer-Test im Labor durch:
- Fülle in beide Reagenzgläser jeweils 2 mL der gelb-orangen Cer(IV)-ammoniumnitrat-Lösung.
- Gib in das erste Glas 5 Tropfen Wasser (als Negativkontrolle).
- Gib in das zweite Glas 5 Tropfen Ethanol.
- Schüttle beide Gläser leicht und beobachte den Farbumschlag.

Aufgabentyp 2: Nachweis von Carbonsäuren (Bromthymolblau-Probe)
Carbonsäuren (wie Essigsäure) können wir nachweisen, indem wir ihre saure Eigenschaft ausnutzen. Dafür verwenden wir den Farbindikator Bromthymolblau (BTB). Dieser Indikator ist wie eine chemische Ampel:
- In sauren Lösungen ist er gelb.
- In neutralen Lösungen (pH ca. 7) ist er grün.
- In alkalischen Lösungen ist er blau.

Für den Test verwenden wir ein BTB-Reagenz, das absichtlich leicht alkalisch eingestellt ist und daher blau leuchtet. Es enthält also Hydroxid-Ionen ().
Wenn wir nun eine Carbonsäure hinzugeben, gibt diese Protonen () ab. Diese Protonen reagieren mit den Hydroxid-Ionen und neutralisieren sie zu Wasser:
Weil die Hydroxid-Ionen verbraucht werden, sinkt der pH-Wert. Die Lösung wird neutral oder sauer, und die Farbe schlägt von Blau nach Grün oder Gelb um.
Wichtige Einschränkung: Dieser Test beweist nur, dass eine Säure vorhanden ist. Er funktioniert als Nachweis für Carbonsäuren nur dann, wenn wir sicher wissen, dass keine anorganischen Säuren (wie Salzsäure oder Schwefelsäure) in der Probe sind, da diese den Indikator genauso verfärben würden.
Aufgabentyp 3: Nachweis von Estern (Rojahn-Probe)
Ester reagieren weder sauer noch basisch. Um sie nachzuweisen, müssen wir sie chemisch aufbrechen. Diesen Vorgang nennt man alkalische Esterhydrolyse (oder Verseifung), und der Test dazu heißt Rojahn-Probe.
Wir starten mit einer alkalischen Lösung, die reich an Hydroxid-Ionen () ist. Ein Indikator zeigt uns an, dass die Lösung alkalisch ist. Wenn wir nun einen Ester hinzugeben und die Mischung erhitzen, passiert Folgendes:
Die Hydroxid-Ionen greifen das Estermolekül an und spalten es in zwei Teile: ein Carboxylat-Anion und einen Alkohol.

Die Reaktionsgleichung lautet:
Das Entscheidende hierbei ist: Genau wie bei der Carbonsäure werden bei dieser Reaktion die Hydroxid-Ionen verbraucht. Dadurch sinkt die Konzentration der Hydroxid-Ionen in der Lösung. Die Lösung wird allmählich neutral (oder fast neutral), was wir durch einen Farbumschlag des Indikators deutlich sehen können.
Aufgabentyp 4: Unbekannte Proben identifizieren
Wenn du in einer Prüfung eine unbekannte organische Flüssigkeit (Alkohol, Carbonsäure oder Ester) identifizieren sollst, gehe nach diesem Plan vor:
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Säure-Test (Bromthymolblau): Gib alkalisches BTB-Reagenz zur Probe. Schlägt die Farbe von Blau nach Gelb/Grün um, ist es eine Carbonsäure.
- Alkohol-Test (Cer(IV)-ammoniumnitrat): Gib die Probe zur gelb-orangen Cer-Lösung. Schlägt die Farbe nach Dunkelrot um, ist es ein Alkohol.
- Ester-Test (Rojahn-Probe): Wenn die Probe weder sauer reagiert noch den Alkohol-Test besteht, führe die alkalische Esterspaltung durch. Verbraucht die Probe beim Erhitzen in alkalischer Lösung Hydroxid-Ionen, ist es ein Ester.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Du erhältst eine unbekannte, farblose Flüssigkeit. Du weißt, dass es sich entweder um Propanol (ein Alkohol), Propansäure (eine Carbonsäure) oder Essigsäureethylester (ein Ester) handelt. Du gibst einige Tropfen der Flüssigkeit in eine blaue, alkalische Bromthymolblau-Lösung. Die Lösung bleibt blau. Danach gibst du die Flüssigkeit zu einer gelb-orangen Cer(IV)-ammoniumnitrat-Lösung. Die Lösung färbt sich dunkelrot. Identifiziere die unbekannte Flüssigkeit und begründe deine Entscheidung.
- Schritt 1Auswertung des Bromthymolblau-Tests
Die BTB-Lösung bleibt blau. Das bedeutet, es wurden keine Hydroxid-Ionen verbraucht. Die Probe ist also keine Säure. Propansäure kann ausgeschlossen werden.
- Schritt 2Auswertung des Cer(IV)-ammoniumnitrat-Tests
Die gelb-orange Cer-Lösung färbt sich dunkelrot. Dies ist der positive Nachweis für eine Hydroxygruppe (Ligandenaustausch).
- Schritt 3 · ErgebnisSchlussfolgerung
Da der Alkohol-Test positiv ist, handelt es sich bei der unbekannten Flüssigkeit um Propanol.
Die unbekannte Flüssigkeit ist Propanol.
Wichtige Erkenntnisse
- Alkohole: Cer(IV)-ammoniumnitrat-Test. Farbumschlag von Gelb-Orange nach Dunkelrot durch Ligandenaustausch (Oxidationsstufe +IV bleibt gleich).
- Carbonsäuren: Bromthymolblau-Probe. Farbumschlag von Blau nach Grün/Gelb, weil die Säure die Hydroxid-Ionen neutralisiert.
- Ester: Rojahn-Probe. Farbumschlag zeigt eine neutrale Lösung an, weil die alkalische Esterspaltung Hydroxid-Ionen verbraucht.
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Häufige Fragen
Was ist der Nachweis von Alkoholen, Carbonsäuren und Estern?
Der Nachweis von Alkoholen, Carbonsäuren und Estern umfasst spezifische chemische Tests im Labor, um diese funktionellen Gruppen zu identifizieren. Durch Zugabe bestimmter Reagenzien kommt es zu charakteristischen Farbumschlägen, die dir verraten, um welche Stoffklasse es sich handelt.
Wie funktioniert der Cer-Test für Alkohole?
Beim Cer(IV)-ammoniumnitrat-Test gibst du den Alkohol zu einer gelb-orangen Cer-Lösung. Es findet ein Ligandenaustausch statt, bei dem sich das Alkoholmolekül an das Cer-Ion bindet. Dadurch schlägt die Farbe der Lösung sofort nach Dunkelrot um. Es handelt sich dabei nicht um eine Redoxreaktion.
Warum nutzt man Bromthymolblau für Carbonsäuren?
Bromthymolblau (BTB) ist ein Indikator, der in alkalischer Lösung blau und in saurer Lösung gelb ist. Gibt man eine Carbonsäure zu einer leicht alkalischen, blauen BTB-Lösung, neutralisiert die Säure die Hydroxid-Ionen. Der pH-Wert sinkt und die Farbe schlägt nach Grün oder Gelb um.
Was passiert bei der Rojahn-Probe für Ester?
Bei der Rojahn-Probe wird der Ester in einer alkalischen Lösung erhitzt. Dabei kommt es zur alkalischen Esterhydrolyse (Verseifung): Der Ester wird in einen Alkohol und ein Carboxylat-Anion gespalten. Da bei diesem Prozess Hydroxid-Ionen verbraucht werden, wird die Lösung neutraler, was ein Indikator durch einen Farbumschlag anzeigt.
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