Chemische Reaktionen & Stöchiometrie der Aluminiumgewinnung

Erfahre, welche chemischen Reaktionen bei der Aluminiumgewinnung ablaufen. Lerne, wie du mit Stöchiometrie den Anodenverbrauch und Energiebedarf berechnest.

📅 Aktualisiert 2. September 20265 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Chemische Reaktionen & Stöchiometrie der Aluminiumgewinnung

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Aluminium ist überall: in unseren Smartphones, Fahrrädern und als Folie in der Küche. Doch die Herstellung dieses Metalls verschlingt so unfassbar viel Strom, dass Aluminiumhütten oft direkt neben eigenen Kraftwerken gebaut werden.

Aluminiumhütte neben Kraftwerk
Aluminiumhütte neben Kraftwerk

Warum ist das so? In diesem Artikel schauen wir uns genau an, welche chemischen Reaktionen und Stöchiometrie bei der Aluminiumgewinnung ablaufen, warum sich Teile der Fabrik dabei buchstäblich in Luft auflösen und wie du den enormen Energiebedarf mathematisch berechnen kannst.

Vorwissen

  • Redoxreaktionen: Oxidation ist die Abgabe von Elektronen, Reduktion ist die Aufnahme von Elektronen. Beispiel: Ein Kupfer-Ion nimmt zwei Elektronen auf und wird zu festem Kupfer (Cu2++2 eCu\text{Cu}^{2+} + 2 \text{ e}^- \to \text{Cu}).
  • Stoffmenge und Masse: Die Masse mm berechnet sich aus der Stoffmenge nn und der molaren Masse MM mit der Formel m=nMm = n \cdot M. Beispiel: 2 mol2 \text{ mol} Kohlenstoff (M=12 g/molM = 12 \text{ g/mol}) haben eine Masse von 24 g24 \text{ g}.
  • Die Elektrolysezelle: Aus der letzten Lektion weißt du, dass Aluminiumoxid in einer heißen Schmelze gelöst wird und Graphit (Kohlenstoff) als Elektroden verwendet wird.

Aufgabentyp 1: Elektrodenreaktionen und Stöchiometrie

In der heißen Schmelze schwimmen die Bausteine des Aluminiumoxids frei herum: positiv geladene Aluminium-Ionen (Al3+\textcolor{#08BFFF}{\text{Al}^{3+}}) und negativ geladene Oxid-Ionen (O2\textcolor{#53E5D6}{\text{O}^{2-}}). Wenn der Strom eingeschaltet wird, wirken die Elektroden wie Magnete auf die Ionen.

Elektrolysezelle mit Ionenwanderung
Elektrolysezelle mit Ionenwanderung

An der Kathode (Minuspol): Die Reduktion

Die positiven Aluminium-Ionen werden vom Minuspol angezogen. Dort nehmen sie jeweils drei Elektronen auf und werden zu neutralen, flüssigen Aluminiumatomen. Das ist das Metall, das wir gewinnen wollen!

Al3++3 eAl\textcolor{#08BFFF}{\text{Al}^{3+}} + 3 \text{ e}^- \to \text{Al}

An der Anode (Pluspol): Die Oxidation

Die negativen Oxid-Ionen wandern zum Pluspol (den Graphitblöcken). Dort geben sie ihre überschüssigen Elektronen ab und verbinden sich zu gasförmigem Sauerstoff (O2\text{O}_2).

2O2O2+4 e2 \textcolor{#53E5D6}{\text{O}^{2-}} \to \text{O}_2 + 4 \text{ e}^-

Das Problem: Der Anodenverbrauch

Jetzt passiert etwas Unerwünschtes: Die Schmelze ist fast 1000 C1000 \text{ }^\circ\text{C} heiß. Bei dieser Temperatur reagiert der frisch entstandene Sauerstoff sofort mit den Graphitblöcken, die aus reinem Kohlenstoff (C\text{C}) bestehen. Der Kohlenstoff verbrennt buchstäblich zu Kohlenstoffmonoxid (CO\text{CO}) und Kohlenstoffdioxid (CO2\text{CO}_2).

Reaktion von Sauerstoff mit Graphit
Reaktion von Sauerstoff mit Graphit

Die chemischen Gleichungen für diesen Anodenverbrauch lauten:

2 C+O22 CO2 \text{ C} + \text{O}_2 \to 2 \text{ CO}

C+O2CO2\text{C} + \text{O}_2 \to \text{CO}_2

Das bedeutet, die teuren Graphitblöcke lösen sich während der Elektrolyse kontinuierlich als Gas in Luft auf und müssen in der Fabrik regelmäßig ausgetauscht werden.

In der Industrie muss man genau wissen, wie viel Rohstoff man benötigt und wie viel Strom das kostet. Dafür nutzen wir die Stöchiometrie.

Um die Massen zu berechnen, müssen wir zuerst die Gesamtreaktion der Elektrolyse betrachten. Wenn wir die Teilgleichungen von Kathode und Anode zusammenfassen, erhalten wir:

2 Al2O34 Al+3 O22 \text{ Al}_2\text{O}_3 \to 4 \text{ Al} + 3 \text{ O}_2

Aus dieser Gleichung können wir das genaue Verhältnis ablesen: Aus 2 mol2 \text{ mol} Aluminiumoxid entstehen genau 4 mol4 \text{ mol} reines Aluminium und 3 mol3 \text{ mol} Sauerstoffgas.

Der Energiebedarf

Die Spaltung von Aluminiumoxid erfordert extrem viel Energie. Chemiker haben gemessen, dass die theoretische Zersetzungsenergie für genau 1 mol1 \text{ mol} Al2O3\text{Al}_2\text{O}_3 exakt 1676 kJ1676 \text{ kJ} beträgt.

Alltagsbezug: In der Industrie wird Energie meist nicht in Kilojoule (kJ\text{kJ}), sondern in Kilowattstunden (kWh\text{kWh}) abgerechnet, genau wie auf der Stromrechnung zu Hause. Der Umrechnungsfaktor ist:

1 kWh=3600 kJ1 \text{ kWh} = 3600 \text{ kJ}

In der Realität verbraucht eine Fabrik etwa 13 kWh13 \text{ kWh} Strom, um 1 kg1 \text{ kg} Aluminium herzustellen. Dieser reale Wert ist deutlich höher als der theoretische Wert, da viel Energie als Wärme verloren geht oder durch den elektrischen Widerstand der Leitungen verbraucht wird.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Stoffmenge des Ausgangsstoffes berechnen: Berechne zuerst die molare Masse MM des gegebenen Stoffes (meist Al2O3\text{Al}_2\text{O}_3). Berechne dann die Stoffmenge nn mit der Formel: n=mMn = \frac{m}{M}.
  2. Stoffmengenverhältnis anwenden: Schau dir die Reaktionsgleichung an. Wie verhält sich die Anzahl der Moleküle des Ausgangsstoffes zum gesuchten Stoff? Multipliziere deine Stoffmenge nn mit diesem Verhältnis.
  3. Gesuchte Masse oder Energie berechnen: Für Massen multiplizierst du die neue Stoffmenge mit der molaren Masse des gesuchten Stoffes (m=nMm = n \cdot M). Für Energie multiplizierst du die Stoffmenge des Al2O3\text{Al}_2\text{O}_3 mit 1676 kJ/mol1676 \text{ kJ/mol} und teilst das Ergebnis durch 36003600, um den Wert in kWh\text{kWh} zu erhalten.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 0

Aufgabe

In einer Elektrolysezelle werden 1889 g1889 \text{ g} Aluminiumoxid (Al2O3\text{Al}_2\text{O}_3) zersetzt. a) Berechne die Masse des gewonnenen Aluminiums. b) Berechne die Masse des verbrannten Graphits (Kohlenstoff), unter der Annahme, dass der gesamte Graphit zu Kohlenstoffmonoxid (CO\text{CO}) verbrennt. c) Berechne die benötigte Mindestenergie in kWh\text{kWh} und vergleiche den Wert mit dem tatsächlichen industriellen Energieaufwand von ca. 13 kWh13 \text{ kWh} für 1 kg1 \text{ kg} Aluminium.

Fortschritt
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  1. Schritt 1
    Stoffmenge des Ausgangsstoffes berechnen

    Zuerst berechnen wir die molare Masse von Al2O3\text{Al}_2\text{O}_3 (Werte aus dem Periodensystem: Al=26.98 g/mol\text{Al} = 26.98 \text{ g/mol}, O=16.00 g/mol\text{O} = 16.00 \text{ g/mol}): M(Al2O3)=226.98+316.00=101.96 g/molM(\text{Al}_2\text{O}_3) = 2 \cdot 26.98 + 3 \cdot 16.00 = 101.96 \text{ g/mol} Nun berechnen wir die Stoffmenge nn für die gegebenen 1889 g1889 \text{ g}: n(Al2O3)=1889 g101.96 g/mol=18.527 moln(\text{Al}_2\text{O}_3) = \frac{1889 \text{ g}}{101.96 \text{ g/mol}} = 18.527 \text{ mol}

  2. Schritt 2
    Masse des gewonnenen Aluminiums berechnen

    Die Reaktionsgleichung lautet: 2 Al2O34 Al+3 O22 \text{ Al}_2\text{O}_3 \to 4 \text{ Al} + 3 \text{ O}_2 Aus 2 mol2 \text{ mol} Al2O3\text{Al}_2\text{O}_3 entstehen 4 mol4 \text{ mol} Al\text{Al}. Das ist doppelt so viel. Wir verdoppeln also unsere Stoffmenge: n(Al)=218.527 mol=37.054 moln(\text{Al}) = 2 \cdot 18.527 \text{ mol} = 37.054 \text{ mol} Nun berechnen wir die Masse des Aluminiums: m(Al)=37.054 mol26.98 g/mol=999.7 gm(\text{Al}) = 37.054 \text{ mol} \cdot 26.98 \text{ g/mol} = 999.7 \text{ g} Antwort a): Es werden rund 1000 g1000 \text{ g} (also 1 kg1 \text{ kg}) Aluminium gewonnen.

  3. Schritt 3
    Masse des verbrannten Graphits berechnen

    Zuerst müssen wir wissen, wie viel Sauerstoff (O2\text{O}_2) entstanden ist. Laut Gleichung entstehen aus 2 mol2 \text{ mol} Al2O3\text{Al}_2\text{O}_3 genau 3 mol3 \text{ mol} O2\text{O}_2 (das ist das 1,5-fache): n(O2)=1.518.527 mol=27.79 moln(\text{O}_2) = 1.5 \cdot 18.527 \text{ mol} = 27.79 \text{ mol} Die Gleichung für die Verbrennung zu Kohlenstoffmonoxid lautet: 2 C+O22 CO2 \text{ C} + \text{O}_2 \to 2 \text{ CO} Für jedes Molekül O2\text{O}_2 brauchen wir 22 Atome Kohlenstoff (C\text{C}). Wir verdoppeln also die Stoffmenge des Sauerstoffs: n(C)=227.79 mol=55.58 moln(\text{C}) = 2 \cdot 27.79 \text{ mol} = 55.58 \text{ mol} Nun berechnen wir die Masse des Kohlenstoffs (M=12.01 g/molM = 12.01 \text{ g/mol}): m(C)=55.58 mol12.01 g/mol=667.5 gm(\text{C}) = 55.58 \text{ mol} \cdot 12.01 \text{ g/mol} = 667.5 \text{ g} Antwort b): Es verbrennen etwa 667.5 g667.5 \text{ g} der Graphitanode.

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Energiebedarf berechnen und vergleichen

    Für 1 mol1 \text{ mol} Al2O3\text{Al}_2\text{O}_3 benötigt man 1676 kJ1676 \text{ kJ}. Wir haben 18.527 mol18.527 \text{ mol}: E=18.527 mol1676 kJ/mol=31051 kJE = 18.527 \text{ mol} \cdot 1676 \text{ kJ/mol} = 31051 \text{ kJ} Umrechnung in kWh\text{kWh} (geteilt durch 36003600): E=31051 kJ3600 kJ/kWh=8.625 kWhE = \frac{31051 \text{ kJ}}{3600 \text{ kJ/kWh}} = 8.625 \text{ kWh}

Ergebnis:

Die theoretische Mindestenergie beträgt 8.625 kWh8.625 \text{ kWh}. In der Realität werden jedoch ca. 13 kWh13 \text{ kWh} benötigt, um dieses 1 kg1 \text{ kg} Aluminium herzustellen. Das macht physikalisch Sinn, da in der Fabrik viel Energie in Form von ungenutzter Wärme an die Umgebung verloren geht.


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Mit welcher Formel berechnet sich die Masse aus der Stoffmenge und der molaren Masse?

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Wichtige Erkenntnisse

  • Kathode (Minuspol): Al3+\textcolor{#08BFFF}{\text{Al}^{3+}} Ionen werden zu flüssigem Aluminium reduziert.
  • Anode (Pluspol): O2\textcolor{#53E5D6}{\text{O}^{2-}} Ionen werden zu Sauerstoffgas oxidiert.
  • Anodenverbrauch: Der Sauerstoff verbrennt die Graphitanoden (Kohlenstoff) zu CO\text{CO} und CO2\text{CO}_2.
  • Energie: Der reale Stromverbrauch ist deutlich höher als der theoretisch berechnete Wert, da Energie als Wärme verloren geht.

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Häufige Fragen

Was sind die wichtigsten chemischen Reaktionen bei der Aluminiumgewinnung?

Die wichtigste Reaktion ist die Elektrolyse von Aluminiumoxid. An der Kathode (Minuspol) werden Aluminium-Ionen zu flüssigem Aluminium reduziert. An der Anode (Pluspol) werden Oxid-Ionen zu Sauerstoffgas oxidiert, welches dann mit den Graphit-Anoden reagiert.

Warum verbrennen die Anoden bei der Aluminiumherstellung?

Bei der Elektrolyse entsteht an der Anode reiner Sauerstoff. Da die Schmelze fast 1000 °C heiß ist, reagiert dieser Sauerstoff sofort mit den Graphitblöcken (Kohlenstoff). Der Kohlenstoff verbrennt zu Kohlenstoffmonoxid und Kohlenstoffdioxid, weshalb sich die Anode verbraucht und regelmäßig ausgetauscht werden muss.

Wie berechnet man den Energiebedarf der Aluminiumgewinnung mit Stöchiometrie?

Mit der Stöchiometrie berechnest du zuerst die Stoffmenge des eingesetzten Aluminiumoxids. Da die theoretische Zersetzungsenergie für 1 mol Al₂O₃ genau 1676 kJ beträgt, multiplizierst du die Stoffmenge mit diesem Wert. Anschließend teilst du durch 3600, um die Energie in Kilowattstunden (kWh) zu erhalten.

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