Alkalichlorid-Elektrolyse einfach erklärt: Die Verfahren
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In dieser Lektion lernen wir, wie die Industrie durch die Alkalichlorid-Elektrolyse mithilfe von elektrischem Strom aus simplem Salzwasser drei extrem wichtige Chemikalien herstellt: Chlor, Wasserstoff und Natronlauge. Du wirst verstehen, welche unsichtbaren Wettkämpfe zwischen den Teilchen stattfinden und mit welchen cleveren Tricks Ingenieure verhindern, dass die ganze Anlage in die Luft fliegt.
Vorwissen
Bevor wir uns die Reaktionen im Detail ansehen, solltest du diese Grundlagen kennen:
- Elektrolyse: Die Nutzung von elektrischem Strom, um eine chemische Reaktion zu erzwingen. Beispiel: Wasser wird durch Strom in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt.
- Ionen: Geladene Teilchen. Positive Kationen wandern zur negativen Kathode, negative Anionen zur positiven Anode. Beispiel: wandert zum Minuspol, zum Pluspol.
- Autoprotolyse des Wassers: Wasser besteht nicht nur aus , sondern bildet immer winzige Mengen an Ionen. Beispiel:
Aufgabentyp 1: Elektrodenreaktionen und technische Herausforderungen
Schauen wir uns an, was bei der Alkalichlorid-Elektrolyse auf Teilchenebene passiert. In einer wässrigen Natriumchloridlösung (Salzwasser oder „Sole“) schwimmen vier Arten von Ionen: und aus dem Salz, sowie winzige Mengen und aus dem Wasser.
Wenn wir Strom anlegen, kommt es zu einem Wettkampf an den Elektroden.

An der Anode (Pluspol) konkurrieren Chlorid-Ionen () und Hydroxid-Ionen (). Eigentlich benötigt weniger Spannung () als (). Aber Sauerstoff hat an bestimmten Materialien eine Art „Startschwierigkeit“, die sogenannte Überspannung. Daher gewinnt das Chlorid:
An der Kathode (Minuspol) konkurrieren Natrium-Ionen () und Oxonium-Ionen (). Hier gewinnt , da es viel leichter Elektronen aufnimmt () als Natrium ():
Die übrig gebliebenen - und -Ionen bilden zusammen Natronlauge (). Dabei gibt es drei große technische Herausforderungen:
- Wir wollen Chlor () und keinen Sauerstoff (). Dies wird durch die Wahl des Elektrodenmaterials (Überspannung) gelöst.
- Chlor und Natronlauge dürfen sich nicht mischen, da sie sonst zu Bleichmittel (Natriumhypochlorit) reagieren.
- Chlor und Wasserstoff dürfen sich nicht mischen, um die Bildung von explosivem Chlorknallgas zu vermeiden.
Aufgabentyp 2: Industrielle Elektrolyseverfahren
Um diese Herausforderungen zu meistern, haben Ingenieure drei Verfahren entwickelt. Alle drei verhindern durch physikalische Barrieren oder spezielle Elektroden, dass sich die gefährlichen Gase oder Produkte mischen.
- Das Amalgam-Verfahren: Hier besteht die Kathode aus flüssigem Quecksilber. Der Trick: Wasserstoff hat an Quecksilber eine extrem hohe Überspannung. Plötzlich gewinnt das Natrium! Es entsteht metallisches Natrium, das sich im Quecksilber zu flüssigem „Amalgam“ verbindet. Dieses fließt in ein separates Becken und reagiert erst dort mit Wasser zu Natronlauge und Wasserstoff. So ist alles sicher getrennt.
- Das Diaphragma-Verfahren: Hier trennt eine poröse Wand (das Diaphragma) den Raum. Chlor entsteht an der Titananode. Wasserstoff und Natronlauge entstehen an der Stahlkathode. Die Wand und ein leichter Überdruck im Anodenraum verhindern, dass die Stoffe zurückfließen und sich mischen.
- Das Membran-Verfahren: Das ist der moderne Standard für neue Industrieanlagen. Statt einer einfachen Wand wird eine smarte Polymermembran genutzt.

Diese Membran ist wie ein Türsteher: Sie lässt nur positive -Ionen durch, aber keine negativen - oder -Ionen. Das Ergebnis ist eine perfekt getrennte, sehr reine Natronlauge ohne Chlorid-Reste.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Ionen identifizieren: Notiere alle Ionen aus dem gelösten Salz und der Autoprotolyse des Wassers.
- Anodenreaktion (Oxidation): Bestimme, welches negative Ion am Pluspol reagiert. Beachte dabei die Überspannung (z. B. bei Sauerstoff).
- Kathodenreaktion (Reduktion): Bestimme, welches positive Ion am Minuspol reagiert. Auch hier kann die Überspannung das Ergebnis verändern.
- Gesamtreaktion bilden: Addiere die Teilreaktionen. Fasse die übrig gebliebenen Ionen (Zuschauerionen) auf der Produktseite zu den finalen Stoffen zusammen.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Stelle die erwünschte chemische Gesamtreaktionsgleichung für die Alkalichlorid-Elektrolyse (Membranverfahren) auf.
- Schritt 1Ionen identifizieren
In der wässrigen Lösung befinden sich , , und .
- Schritt 2Anodenreaktion
Wegen der Überspannung von Sauerstoff reagiert das Chlorid:
- Schritt 3Kathodenreaktion
Wasserstoffionen nehmen viel leichter Elektronen auf als Natriumionen:
- Schritt 4 · ErgebnisGesamtreaktion bilden
Wenn verbraucht wird, liefert das Wasser neues und nach. Netto reagiert also Wasser () zu Wasserstoffgas () und Hydroxidionen (). Zusammen mit den unbeteiligten -Ionen entsteht Natronlauge ().
Wichtige Erkenntnisse
- Die Alkalichlorid-Elektrolyse erzeugt Chlor, Wasserstoff und Natronlauge aus Salzwasser.
- Überspannung ist eine „Startschwierigkeit“, die dafür sorgt, dass an der Anode Chlor statt Sauerstoff entsteht.
- Das Membran-Verfahren ist der moderne Standard, da eine smarte Membran die Gase sicher trennt und reine Natronlauge liefert.
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Häufige Fragen
Was ist die Alkalichlorid-Elektrolyse?
Die Alkalichlorid-Elektrolyse ist ein industrielles Verfahren, bei dem wässrige Natriumchloridlösung (Salzwasser) durch elektrischen Strom zerlegt wird. Dabei entstehen drei sehr wichtige Grundchemikalien: Chlor, Wasserstoff und Natronlauge. Diese Stoffe werden für die Herstellung von Kunststoffen, Seifen und Reinigungsmitteln benötigt.
Was ist der Unterschied zwischen Membranverfahren und Amalgamverfahren?
Beim Membranverfahren trennt eine smarte Polymermembran die Reaktionsräume. Sie lässt nur Natrium-Ionen durch, was eine sehr reine Natronlauge ohne Chlorid-Reste ergibt. Beim Amalgamverfahren wird eine flüssige Quecksilber-Kathode genutzt, an der metallisches Natrium entsteht. Wegen der Giftigkeit von Quecksilber ist heute das Membranverfahren der moderne Standard.
Warum entsteht an der Anode Chlor und kein Sauerstoff?
Das liegt an der sogenannten Überspannung. Eigentlich benötigen die Hydroxid-Ionen aus dem Wasser weniger Spannung, um zu Sauerstoff zu reagieren. Sauerstoff hat an den verwendeten Elektroden jedoch eine Art „Startschwierigkeit“. Deshalb reagieren stattdessen die Chlorid-Ionen und es entsteht Chlorgas.
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