Strahlungsgesetze des schwarzen Körpers einfach erklärt

Lerne alles über die Strahlungsgesetze des schwarzen Körpers. Das Stefan-Boltzmann-Gesetz und das Wiensche Verschiebungsgesetz einfach und verständlich mit Beispielen erklärt.

📅 Aktualisiert 31. August 20265 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Strahlungsgesetze des schwarzen Körpers einfach erklärt

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Student thinking

Hast du schon einmal gesehen, wie ein Schmied ein Stück Eisen erhitzt? Zuerst spürst du nur die Hitze, dann beginnt das Metall tiefrot zu glühen und schließlich leuchtet es blendend weiß.

Glühendes Eisen beim Schmied
Glühendes Eisen beim Schmied

Warum ändert das Eisen seine Farbe und warum wird die Hitze plötzlich so extrem? Die Antwort liegt in den Gesetzen der Wärmestrahlung. In diesem Artikel lernst du, wie man die enorme Strahlungsleistung heißer Objekte berechnet und warum Sterne in unterschiedlichen Farben leuchten!

Vorwissen

  • Absolute Temperatur (Kelvin): Die wissenschaftliche Temperaturskala beginnt beim absoluten Nullpunkt.

    Formel: T=ϑ+273,15T = \vartheta + 273,15

    Beispiel: Eine Raumtemperatur von 20 C20 \text{ }^\circ\text{C} entspricht 293,15 K293,15 \text{ K}.

  • Elektromagnetisches Spektrum: Licht ist eine Welle. Die Farbe hängt von der Wellenlänge ab.

    Beispiel: Sichtbares Licht liegt etwa zwischen 400 nm400 \text{ nm} (Violett) und 800 nm800 \text{ nm} (Rot). Infrarotstrahlung (Wärme) hat größere Wellenlängen.

Aufgabentyp 1: Das Stefan-Boltzmann-Gesetz

Ein idealer schwarzer Körper ist ein Objekt, das alle auftreffende Strahlung schluckt (absorbiert) und bei Erhitzung die maximal mögliche Wärmestrahlung abgibt. Ein gutes Modell dafür ist ein Hohlraum mit einer winzigen Öffnung.

Hohlraum als schwarzer Körper
Hohlraum als schwarzer Körper

Wenn dieser Körper erhitzt wird, strahlt er Energie ab. Das Stefan-Boltzmann-Gesetz beschreibt, wie die abgestrahlte Leistung PP (in Watt) von der absoluten Temperatur TT (in Kelvin) abhängt. Die Regel lautet: Die Leistung steigt extrem schnell an, nämlich mit der vierten Potenz der Temperatur!

Formel: P=σAT4P = \sigma \cdot A \cdot T^4

Dabei ist AA die Oberfläche und σ\sigma (Sigma) die Stefan-Boltzmann-Konstante. Um dieses Gesetz im Experiment zu überprüfen, misst man PP und TT. Wenn man den Quotienten PT4\frac{P}{T^4} berechnet, muss das Ergebnis für alle Messungen konstant sein.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Messwerte erfassen: Notiere die gemessene Strahlungsleistung PP und die Temperatur.
  2. Temperatur in Kelvin umrechnen: Falls die Temperatur in Celsius gegeben ist, addiere 273,15273,15.
  3. Quotienten berechnen: Berechne für jedes Messwertpaar den Wert PT4\frac{P}{T^4}.
  4. Konstanz prüfen: Vergleiche die Ergebnisse. Sind sie (im Rahmen der Messgenauigkeit) gleich, ist das Gesetz bestätigt.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Ein Ofen mit einer winzigen Öffnung von A=0,001 m2A = 0,001 \text{ m}^2 verhält sich wie ein schwarzer Körper. Bei einer Temperatur von T1=1000 KT_1 = 1000 \text{ K} wird eine Strahlungsleistung von P1=56,7 WP_1 = 56,7 \text{ W} gemessen. Bei T2=2000 KT_2 = 2000 \text{ K} sind es P2=907,2 WP_2 = 907,2 \text{ W}. Zeige, dass der Quotient PT4\frac{P}{T^4} konstant ist, und berechne daraus die Stefan-Boltzmann-Konstante σ\sigma.

Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Messwerte erfassen

    Messung 1: P1=56,7 WP_1 = 56,7 \text{ W}, T1=1000 KT_1 = 1000 \text{ K} Messung 2: P2=907,2 WP_2 = 907,2 \text{ W}, T2=2000 KT_2 = 2000 \text{ K}

  2. Schritt 2
    Temperatur in Kelvin umrechnen

    Die Temperaturen sind bereits in Kelvin gegeben.

  3. Schritt 3
    Quotienten berechnen

    Für Messung 1: P1T14=56,7 W(1000 K)4\frac{P_1}{T_1^4} = \frac{56,7 \text{ W}}{(1000 \text{ K})^4} =56,7 W1012 K4= \frac{56,7 \text{ W}}{10^{12} \text{ K}^4} =5,671011 W/K4= 5,67 \cdot 10^{-11} \text{ W/K}^4

    Für Messung 2: P2T24=907,2 W(2000 K)4\frac{P_2}{T_2^4} = \frac{907,2 \text{ W}}{(2000 \text{ K})^4} =907,2 W161012 K4= \frac{907,2 \text{ W}}{16 \cdot 10^{12} \text{ K}^4} =5,671011 W/K4= 5,67 \cdot 10^{-11} \text{ W/K}^4

  4. Schritt 4
    Konstanz prüfen

    Beide Quotienten sind exakt gleich. Das Gesetz ist bestätigt!

  5. Schritt 5 · Ergebnis
    Konstante berechnen

    Wir wissen, dass P=σAT4P = \sigma \cdot A \cdot T^4. Umgestellt nach σ\sigma: σ=PAT4\sigma = \frac{P}{A \cdot T^4} Da wir PT4\frac{P}{T^4} schon berechnet haben, teilen wir das Ergebnis nur noch durch die Fläche AA: σ=5,671011 W/K40,001 m2\sigma = \frac{5,67 \cdot 10^{-11} \text{ W/K}^4}{0,001 \text{ m}^2} σ=5,67108 W/(m2K4)\sigma = 5,67 \cdot 10^{-8} \text{ W}/(\text{m}^2 \cdot \text{K}^4)

Ergebnis:

Der Quotient ist konstant, und die Stefan-Boltzmann-Konstante beträgt σ=5,67108 W/(m2K4)\sigma = 5,67 \cdot 10^{-8} \text{ W}/(\text{m}^2 \cdot \text{K}^4).


Aufgabentyp 2: Das Wiensche Verschiebungsgesetz

Warum ändert glühendes Eisen seine Farbe von Rot zu Weiß? Das erklärt das Wiensche Verschiebungsgesetz. Es besagt: Je heißer ein Körper ist, desto kürzer ist die Wellenlänge λmax\lambda_{\max}, bei der er die meiste Strahlung abgibt.

Verschiebung der Wellenlänge
Verschiebung der Wellenlänge

Die Formel lautet: λmaxT=b\lambda_{\max} \cdot T = b

Dabei ist bb die Wiensche Verschiebungskonstante (b2,898103 mKb \approx 2,898 \cdot 10^{-3} \text{ m} \cdot \text{K}). Wenn die Temperatur TT steigt, muss λmax\lambda_{\max} kleiner werden, damit das Produkt konstant bleibt. So verschiebt sich die Hauptstrahlung von langwelligem Infrarot über Rot bis hin zu kurzwelligem Blau oder UV-Licht. Reale Strahler (wie Wolfram in einer Glühlampe) weichen oft minimal von dieser idealen Konstanten ab.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Temperatur in Kelvin ermitteln: Stelle sicher, dass die Temperatur TT in Kelvin gegeben ist.
  2. Formel umstellen: Nutze das Wiensche Verschiebungsgesetz und stelle es nach der Wellenlänge um: λmax=bT\lambda_{\max} = \frac{b}{T}.
  3. Wellenlänge berechnen: Setze b=2,898103 mKb = 2,898 \cdot 10^{-3} \text{ m} \cdot \text{K} und TT ein.
  4. Spektralbereich zuordnen: Vergleiche das Ergebnis mit dem elektromagnetischen Spektrum (z.B. Sichtbares Licht: 400 nm400 \text{ nm} bis 800 nm800 \text{ nm}).

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Der Stern Sirius hat eine Oberflächentemperatur von etwa 9900 K9900 \text{ K}. Berechne die Wellenlänge λmax\lambda_{\max}, bei der Sirius die maximale Leistung abstrahlt, und ordne sie dem passenden Spektralbereich zu.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Temperatur in Kelvin ermitteln

    Gegeben ist T=9900 KT = 9900 \text{ K}.

  2. Schritt 2
    Formel umstellen

    λmax=bT\lambda_{\max} = \frac{b}{T}

  3. Schritt 3
    Wellenlänge berechnen

    λmax=2,898103 mK9900 K\lambda_{\max} = \frac{2,898 \cdot 10^{-3} \text{ m} \cdot \text{K}}{9900 \text{ K}} λmax2,93107 m\lambda_{\max} \approx 2,93 \cdot 10^{-7} \text{ m} Um das besser lesen zu können, rechnen wir in Nanometer (nm\text{nm}) um (1 m=109 nm1 \text{ m} = 10^9 \text{ nm}): λmax293 nm\lambda_{\max} \approx 293 \text{ nm}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Spektralbereich zuordnen

    Sichtbares Licht beginnt erst bei ca. 400 nm400 \text{ nm} (Violett). Da 293 nm293 \text{ nm} kleiner (also kurzwelliger) als 400 nm400 \text{ nm} ist, liegt diese Strahlung im ultravioletten Bereich (UV-Strahlung).

Ergebnis:

Die maximale Wellenlänge beträgt λmax293 nm\lambda_{\max} \approx 293 \text{ nm}. Diese Strahlung liegt im UV-Bereich. (Reality Check: Sehr heiße Sterne leuchten bläulich-weiß und strahlen viel unsichtbare UV-Strahlung ab. Das Ergebnis ist physikalisch sinnvoll.)


Aufgabentyp 3: Reale Strahler im Vergleich zum schwarzen Körper

In der Realität ist kein Material ein perfekter schwarzer Körper. Reale Strahler, wie der Wolframdraht in einer alten Glühlampe, strahlen bei gleicher Temperatur immer etwas weniger Energie ab.

Kurven realer und schwarzer Körper
Kurven realer und schwarzer Körper

Wenn wir ein Diagramm zeichnen, das die Strahlungsleistung für jede einzelne Wellenlänge zeigt, erhalten wir eine Kurve. Die gesamte Fläche unter dieser Kurve entspricht der gesamten abgestrahlten Leistung (das ist das Prinzip der Integralrechnung).

Da die Kurve des realen Strahlers immer unter der Kurve des idealen schwarzen Körpers liegt, ist auch seine Fläche kleiner. Wenn wir die Fläche des realen Strahlers durch die Fläche des schwarzen Körpers teilen, erhalten wir den Gesamtabsorptionsgrad (auch Emissionsgrad genannt). Er gibt an, wie viel Prozent der idealen Leistung der reale Körper tatsächlich abstrahlt.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Ein Diagramm zeigt die Emissionskurven eines schwarzen Körpers und von Wolfram bei 2000 K2000 \text{ K} auf Kästchenpapier.

Durch Zählen der Kästchen unter den Kurven schätzt du ab: Die Fläche unter der Kurve des schwarzen Körpers beträgt ca. 5050 Kästchen. Die Fläche unter der Wolfram-Kurve beträgt ca. 1313 Kästchen. Berechne den Gesamtabsorptionsgrad von Wolfram bei dieser Temperatur.

Emissionskurven auf Kästchenpapier
Emissionskurven auf Kästchenpapier
Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Flächen identifizieren

    Fläche (Schwarzer Körper) = 5050 Kästchen Fla¨che (Wolfram)=13\text{Fläche (Wolfram)} = 13 Kästchen

  2. Schritt 2
    Verhältnis aufstellen

    Der Gesamtabsorptionsgrad ist das Verhältnis der beiden Flächen: Absorptionsgrad=Fla¨che (Wolfram)Fla¨che (Schwarzer Ko¨rper)\text{Absorptionsgrad} = \frac{\text{Fläche (Wolfram)}}{\text{Fläche (Schwarzer Körper)}}

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Berechnen

    Absorptionsgrad=1350\text{Absorptionsgrad} = \frac{13}{50} Absorptionsgrad=0,26\text{Absorptionsgrad} = 0,26

Ergebnis:

Der Gesamtabsorptionsgrad von Wolfram bei 2000 K2000 \text{ K} beträgt 0,260,26 (oder 26 %26 \text{ \%}). Das bedeutet, Wolfram strahlt nur 26 %26 \text{ \%} der Leistung eines idealen schwarzen Körpers ab.


Wichtige Erkenntnisse

  • Stefan-Boltzmann-Gesetz: Die Strahlungsleistung wächst extrem stark mit der Temperatur (PT4P \sim T^4).
  • Wiensches Verschiebungsgesetz: Je heißer ein Körper, desto kurzwelliger (bläulicher) ist seine Hauptstrahlung (λmaxT=konstant\lambda_{\max} \cdot T = \text{konstant}).
  • Fläche unter der Kurve: In einem Strahlungsdiagramm entspricht die Fläche unter der Kurve der gesamten abgestrahlten Leistung.
  • Reale Strahler: Sie strahlen immer weniger Energie ab als ein idealer schwarzer Körper bei gleicher Temperatur.

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Häufige Fragen

Was sind die Strahlungsgesetze des schwarzen Körpers?

Die Strahlungsgesetze des schwarzen Körpers beschreiben, wie ein idealisiertes Objekt (der schwarze Körper) Wärmestrahlung abgibt. Ein schwarzer Körper absorbiert alle auftreffende Strahlung komplett und strahlt bei Erhitzung die maximal mögliche Energie ab. Die wichtigsten Gesetze hierzu sind das Stefan-Boltzmann-Gesetz und das Wiensche Verschiebungsgesetz.

Was besagt das Stefan-Boltzmann-Gesetz?

Das Stefan-Boltzmann-Gesetz besagt, dass die abgestrahlte Leistung eines schwarzen Körpers extrem schnell mit seiner Temperatur ansteigt. Genauer gesagt wächst die Leistung mit der vierten Potenz der absoluten Temperatur (P = σ · A · T⁴). Verdoppelt sich die Temperatur, steigt die Strahlungsleistung also um das 16-fache.

Wie funktioniert das Wiensche Verschiebungsgesetz?

Das Wiensche Verschiebungsgesetz erklärt, warum heiße Objekte ihre Farbe ändern. Es besagt: Je heißer ein Körper ist, desto kürzer ist die Wellenlänge, bei der er die meiste Strahlung abgibt. Deshalb leuchtet Eisen erst rot (längere Wellenlänge) und bei stärkerer Hitze weiß oder bläulich (kürzere Wellenlänge).

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