Selbstinduktion, Energie und Wirbelfelder einfach erklärt
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Hast du schon einmal den Stecker eines laufenden Staubsaugers aus der Steckdose gezogen und dabei einen kleinen, blauen Funken bemerkt?

Dieser Funke ist kein Fehler, sondern reine Physik! Er entsteht durch ein Phänomen namens Selbstinduktion. In vielen Geräten stecken Spulen. Wenn du den Stecker ziehst, unterbrichst du den Strom abrupt. Die Spule wehrt sich jedoch gegen diese plötzliche Änderung und drückt die gespeicherte Energie mit so viel Kraft aus dem Kabel, dass der Strom sogar durch die Luft springt. In diesem Artikel lernen wir, wie Spulen Energie speichern und warum sich Magnetfelder wie unsichtbare Strudel verhalten können.
Vorwissen
- Das Induktionsgesetz: Ein sich zeitlich änderndes Magnetfeld erzeugt (induziert) in einer Spule eine elektrische Spannung. Beispiel: Wenn du einen Magneten in eine Spule hineinbewegst, kannst du an den Enden der Spule eine Spannung messen.
- Die Lenzsche Regel: Der induzierte Strom ist immer so gerichtet, dass er seiner Ursache entgegenwirkt. Er wehrt sich gegen Veränderungen. Beispiel: Wenn du einen Nordpol in eine Spule schiebst, erzeugt die Spule selbst einen Nordpol, um den Magneten abzustoßen.
Aufgabentyp 1: Selbstinduktion und Magnetfeldenergie
Wir wissen bereits: Wenn sich ein Magnetfeld in einer Spule ändert, entsteht eine Spannung. Aber was passiert, wenn die Spule ihr Magnetfeld selbst erzeugt?
Wenn ein elektrischer Strom durch eine Spule fließt, baut sie ein Magnetfeld auf. Wenn du nun den Strom abschaltest (oder veränderst), ändert sich logischerweise auch dieses Magnetfeld. Dieses sich ändernde Magnetfeld induziert nun eine Spannung in der Spule selbst. Das nennt man Selbstinduktion.
Nach der Lenzschen Regel wehrt sich die Spule gegen diese Änderung. Schaltest du den Strom ab, versucht die Selbstinduktionsspannung, den Strom weiter fließen zu lassen (das verursacht den Funken beim Steckerziehen!).

Die Formel für die Selbstinduktionsspannung:
- ist die induzierte Spannung in Volt ().
- ist die Induktivität der Spule. Sie gibt an, wie stark die Spule sich gegen Änderungen wehrt. Die Einheit ist Henry (). Je mehr Windungen eine Spule hat, desto größer ist ihr .
- (gesprochen: „I Punkt von t“) ist die Änderungsrate der Stromstärke. Es bedeutet einfach, wie schnell sich der Strom ändert. Man kann es auch als schreiben.
- Das Minuszeichen steht für die Lenzsche Regel: Die Spannung wirkt der Änderung entgegen.
Energie im Magnetfeld:
Um das Magnetfeld überhaupt erst aufzubauen, muss die Stromquelle Arbeit verrichten. Diese Energie geht nicht verloren, sondern wird im Magnetfeld der Spule gespeichert. Die gespeicherte Energie hängt von der Induktivität und dem Quadrat der Stromstärke ab:
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Schritt 1: Schreibe die Induktivität , den Start-Strom, den End-Strom und die Zeitdauer auf.
- Schritt 2: Berechne, wie stark sich der Strom ändert: . Teile dies durch die Zeit, um zu erhalten: .
- Schritt 3: Setze die Werte in die Formel ein: .
- Schritt 4: Nutze den Strom , der vor der Änderung geflossen ist, und setze ihn in die Energieformel ein: .
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Eine große Spule mit einer Induktivität von wird von einem Strom von durchflossen. Der Stromkreis wird plötzlich unterbrochen, sodass der Strom innerhalb von auf abfällt. Berechne die gespeicherte Energie vor dem Abschalten und die durchschnittliche Selbstinduktionsspannung während des Abschaltens.
- Schritt 1Werte notieren
- Schritt 2Änderungsrate des Stroms berechnen
Zuerst die Änderung des Stroms: Nun die Änderungsrate (wie schnell fällt der Strom?):
- Schritt 3Selbstinduktionsspannung berechnen
Die Spule erzeugt beim Abschalten kurzzeitig eine Spannung von , um den Strom am Fließen zu halten.
- Schritt 4 · ErgebnisGespeicherte Energie berechnen
Wir nehmen den Strom, der vor dem Abschalten floss ():
Vor dem Abschalten waren Energie im Magnetfeld gespeichert. Beim Abschalten entsteht eine Selbstinduktionsspannung von . Das Minuszeichen bei der Stromänderung () und das Minus in der Formel heben sich auf. Das Ergebnis ist eine positive Spannung von , die in die gleiche Richtung drückt wie der ursprüngliche Strom. Das macht physikalisch Sinn (Lenzsche Regel).
Aufgabentyp 2: Elektrische Wirbelfelder und Wirbelströme
Bisher haben wir uns immer Spulen oder Drähte angesehen. Aber was passiert eigentlich im leeren Raum oder in einem massiven Stück Metall, wenn sich ein Magnetfeld ändert?
Die Physik sagt: Ein zeitlich veränderliches Magnetfeld erzeugt immer ein elektrisches Wirbelfeld.
Stell dir das Magnetfeld wie einen Fluss vor. Wenn sich die Fließgeschwindigkeit plötzlich ändert, entstehen im Wasser kleine Strudel. Genauso erzeugt ein sich änderndes Magnetfeld unsichtbare, kreisförmige elektrische Felder – die Wirbelfelder. Diese Felder üben eine Kraft auf Elektronen aus und wollen sie im Kreis drehen.
Was passiert nun, wenn wir Gegenstände in dieses Wirbelfeld legen?
- Offene Leiterschleife: Legen wir einen Drahtring, der an einer Stelle durchgeschnitten ist, in das Feld, drückt das Wirbelfeld die Elektronen an ein Ende des Drahtes. Da der Kreis offen ist, können sie nicht im Kreis fließen. Wir können an den Enden aber eine induzierte Spannung messen.
- Geschlossene Leiterschleife oder massives Metall: Legen wir einen geschlossenen Ring oder eine massive Metallplatte in das Feld, haben die Elektronen freie Bahn. Das Wirbelfeld treibt sie im Kreis herum. Es entsteht ein echter, kreisförmig fließender Strom. Diesen nennt man Wirbelstrom.

Real-World Context: Ein Induktionsherd nutzt genau dieses Prinzip! Unter der Glasplatte befindet sich eine Spule, die ein sich extrem schnell änderndes Magnetfeld erzeugt. Stellst du einen massiven Metalltopf darauf, entstehen im Topfboden starke Wirbelströme. Da das Metall einen Widerstand hat, wird der Topf durch diese Ströme sehr schnell heiß. Die Herdplatte selbst bleibt dabei kalt, da sie nicht aus Metall ist und sich in ihr keine Wirbelströme bilden können.
Wichtige Erkenntnisse
- Selbstinduktion: Ändert sich der Strom in einer Spule, ändert sich ihr eigenes Magnetfeld. Dadurch induziert sie in sich selbst eine Spannung, die der Änderung entgegenwirkt.
- Formel Spannung: (wobei die Änderung des Stroms pro Zeit ist).
- Formel Energie: Im Magnetfeld einer Spule ist die Energie gespeichert.
- Wirbelfelder: Ein sich änderndes Magnetfeld erzeugt kreisförmige elektrische Wirbelfelder.
- Wirbelströme: Treffen diese Wirbelfelder auf geschlossene Leiter oder massive Metalle, treiben sie die Elektronen im Kreis an. Dies wird z.B. beim Induktionsherd zum Erhitzen genutzt.
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Häufige Fragen
Was ist die Selbstinduktion?
Die Selbstinduktion tritt auf, wenn sich der elektrische Strom in einer Spule ändert. Dadurch ändert sich auch das von der Spule erzeugte Magnetfeld. Dieses veränderliche Magnetfeld induziert wiederum eine Spannung in der Spule selbst, die der ursprünglichen Stromänderung entgegenwirkt.
Wie berechnet man die Energie im Magnetfeld einer Spule?
Die gespeicherte Energie E in einer Spule hängt von ihrer Induktivität L und der Stromstärke I ab. Du berechnest sie mit der Formel E = 0,5 · L · I². Die Energie wird beim Aufbau des Magnetfelds gespeichert und beim Abschalten wieder freigesetzt.
Was sind elektrische Wirbelfelder und Wirbelströme?
Ein sich zeitlich änderndes Magnetfeld erzeugt immer ein kreisförmiges elektrisches Wirbelfeld. Trifft dieses Feld auf ein massives Stück Metall oder eine geschlossene Leiterschleife, treibt es die Elektronen im Kreis an. Diese kreisförmig fließenden Ströme nennt man Wirbelströme. Sie werden beispielsweise beim Induktionsherd genutzt, um den Topfboden zu erhitzen.
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