Schwebung einfach erklärt: Entstehung & Berechnung
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Stell dir vor, du sitzt in einem zweimotorigen Propellerflugzeug. Plötzlich hörst du ein seltsames, rhythmisches Geräusch: ein lautes, tiefes „Wumm... wumm... wumm...“, das regelmäßig an- und abschwillt. Die Motoren laufen scheinbar einwandfrei, aber der Ton schwankt ständig in seiner Lautstärke.

Dieses Phänomen nennt man in der Physik Schwebung. Es tritt immer dann auf, wenn zwei Wellen fast, aber nicht exakt gleich schnell schwingen. In dieser Lektion lernst du, wie diese faszinierende Überlagerung entsteht, wie man sie mit dem Zeigermodell erklärt und wie du sie in Diagrammen auswerten kannst!
Vorwissen
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Konstruktive und destruktive Interferenz: Wenn zwei Wellenberge aufeinandertreffen, verstärken sie sich (konstruktiv). Treffen Wellenberg und Wellental aufeinander, löschen sie sich aus (destruktiv).
Beispiel: Zwei exakt gleiche Wasserwellen, die im gleichen Takt schwingen, erzeugen eine doppelt so hohe Welle.
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Frequenz () und Periodendauer (): Die Frequenz gibt an, wie viele Schwingungen pro Sekunde stattfinden. Die Periodendauer ist die Zeit für eine volle Schwingung ().
Beispiel: Eine Welle mit schwingt zweimal pro Sekunde. Eine Schwingung dauert .
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Das Zeigermodell: Eine Schwingung kann als rotierender Pfeil (Zeiger) dargestellt werden. Die Länge des Pfeils ist die Amplitude, seine Drehung stellt den zeitlichen Verlauf der Welle dar.
Aufgabentyp 1: Schwebungsdiagramme auswerten
Eine Schwebung entsteht, wenn sich zwei Wellen überlagern, die fast, aber nicht ganz die gleiche Frequenz haben. Das Ergebnis ist eine neue Welle, deren Amplitude (Auslenkung) nicht konstant bleibt, sondern periodisch an- und abschwillt. In der Akustik hörst du das als schwankende Lautstärke.
Die Zeitspanne zwischen zwei Momenten maximaler Lautstärke nennt man die Schwebungsdauer (). Die äußere Form der resultierenden Welle, die wie eine Kette von Würstchen aussieht, nennt man die Einhüllende.

Warum schwankt die Amplitude? Das Zeigermodell
Wir können uns die beiden Wellen als rotierende Zeiger vorstellen.
- Der blaue Zeiger steht für die langsamere Welle.
- Der violette Zeiger steht für die etwas schnellere Welle.
Stell dir vor, die beiden Zeiger sind wie der Stunden- und Minutenzeiger einer Uhr. Um 12:00 Uhr liegen beide exakt übereinander. Sie sind „in Phase“. Ihre Längen addieren sich zu einem sehr langen Gesamtzeiger. Das bedeutet: Konstruktive Interferenz (maximale Lautstärke).
Da der violette Zeiger aber etwas schneller rotiert, eilt er dem blauen Zeiger langsam voraus. Die Phasendifferenz (der Winkel zwischen ihnen) wird immer größer. Irgendwann stehen sie sich genau gegenüber (wie um 12:30 Uhr). Sie heben sich gegenseitig auf. Das bedeutet: Destruktive Interferenz (Stille).

Der schnellere Zeiger dreht sich weiter, bis er den langsameren wieder „überrundet“ hat und beide wieder übereinanderliegen. Der Zyklus beginnt von vorn.
Je größer der Frequenzunterschied der beiden Wellen ist, desto schneller überrundet der eine Zeiger den anderen. Die Schwebungsfrequenz () berechnet sich daher ganz einfach aus der Differenz der beiden Einzelfrequenzen:
Experiment: Schwebung mit Stimmgabeln
Zweck: Sichtbarmachen der periodischen Amplitudenänderung bei leicht unterschiedlichen Frequenzen.
Materialien: Zwei identische Stimmgabeln (z.B. ) auf Resonanzkästen, ein kleines Zusatzgewicht (Reiter), ein Mikrofon, ein Oszilloskop.
Durchführung:
- Befestige das kleine Zusatzgewicht an einer Zinke der zweiten Stimmgabel. Dadurch wird sie etwas schwerer und schwingt minimal langsamer.
- Schlage beide Stimmgabeln gleichzeitig an.
- Nimm den Ton mit dem Mikrofon auf und betrachte das Signal auf dem Oszilloskop.

Beobachtung: Du hörst einen Ton, der regelmäßig lauter und leiser wird („Wau-wau-wau“). Auf dem Bildschirm des Oszilloskops siehst du keine gleichmäßige Welle mehr, sondern eine Welle, deren Höhe (Amplitude) periodisch an- und abschwillt.
Erklärung: Die erste Stimmgabel schwingt mit . Durch das Gewicht schwingt die zweite Stimmgabel vielleicht nur noch mit . Die Überlagerung dieser beiden leicht unterschiedlichen Frequenzen erzeugt die sicht- und hörbare Schwebung.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Schwebungsdauer ablesen: Suche im Diagramm (Oszilloskop-Bild) zwei benachbarte Stellen mit maximaler Amplitude (die dicksten Stellen der „Wurstkette“). Lies die Zeitpunkte auf der x-Achse ab und berechne die Differenz. Das ist die Schwebungsdauer .
- Schwebungsfrequenz berechnen: Nutze die Formel , um die Schwebungsfrequenz zu berechnen.
- Unbekannte Frequenz bestimmen: Nutze die Formel . Wenn eine Frequenz bekannt ist, gibt es immer zwei mögliche Lösungen für die andere Frequenz (eine höhere und eine niedrigere).
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 0
Ein Mikrofon zeichnet die Überlagerung zweier Schallwellen auf. Auf dem Oszilloskop-Bildschirm ist eine Schwebung zu erkennen. Das erste Maximum der Einhüllenden liegt bei , das nächste Maximum bei . Berechne die Schwebungsfrequenz.
- Schritt 1Schwebungsdauer ablesen
Das erste Maximum liegt bei , das zweite bei .
- Schritt 2 · ErgebnisSchwebungsfrequenz berechnen
Die Schwebungsfrequenz beträgt .
Beispiel 1
Realitätsbezug: Beim Stimmen einer Gitarre wird eine bekannte Stimmgabel mit angeschlagen. Gleichzeitig wird die A-Saite der Gitarre gezupft. Du hörst eine Schwebung mit einer Frequenz von . Welche zwei Frequenzen könnte die Gitarrensaite aktuell haben?
- Schritt 3 · ErgebnisUnbekannte Frequenz bestimmen
Gegeben: , . Gesucht: (Frequenz der Gitarrensaite).
Wir nutzen die Formel für die Schwebungsfrequenz:
Wir setzen die bekannten Werte ein:
Da es sich um einen Betrag handelt (die Differenz kann positiv oder negativ sein, bevor der Betrag genommen wird), gibt es zwei Möglichkeiten. Die Gitarrensaite kann entweder höher oder tiefer schwingen als die Stimmgabel.
Möglichkeit A (Saite schwingt höher):
Möglichkeit B (Saite schwingt tiefer):
Die Gitarrensaite könnte aktuell eine Frequenz von oder haben. Realitätscheck: Beide Frequenzen liegen sehr nah an den . Das macht physikalisch Sinn, da Schwebungen nur bei sehr geringen Frequenzunterschieden deutlich wahrnehmbar sind.
Wichtige Erkenntnisse
- Eine Schwebung entsteht bei der Überlagerung zweier Wellen mit leicht unterschiedlichen Frequenzen.
- Die resultierende Welle hat eine periodisch schwankende Amplitude (Lautstärke).
- Im Zeigermodell rotiert ein Zeiger etwas schneller als der andere. Dadurch wechseln sie kontinuierlich zwischen konstruktiver (gleichphasig) und destruktiver (gegenphasig) Interferenz.
- Die Schwebungsdauer () ist die Zeit zwischen zwei maximalen Amplituden.
- Die Schwebungsfrequenz ist die Differenz der Einzelfrequenzen: .
- Es gilt der Zusammenhang: .
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Häufige Fragen
Was ist eine Schwebung?
Eine Schwebung entsteht in der Physik, wenn sich zwei Wellen überlagern, die fast, aber nicht exakt die gleiche Frequenz haben. Das Ergebnis ist eine neue Welle, deren Amplitude (Auslenkung) periodisch an- und abschwillt. In der Akustik nimmst du das als schwankende Lautstärke wahr.
Wie berechnet man die Schwebungsfrequenz?
Die Schwebungsfrequenz fS berechnet sich aus dem Betrag der Differenz der beiden Einzelfrequenzen. Die Formel lautet: fS = |f1 - f2|. Alternativ kannst du sie auch über die Schwebungsdauer TS mit fS = 1 / TS berechnen.
Was ist die Schwebungsdauer?
Die Schwebungsdauer TS ist die Zeitspanne zwischen zwei aufeinanderfolgenden Momenten maximaler Amplitude (Lautstärke). Im Diagramm ist das der zeitliche Abstand zwischen den dicksten Stellen der sogenannten Einhüllenden.
Wie erklärt das Zeigermodell die Schwebung?
Im Zeigermodell werden die Wellen als rotierende Pfeile dargestellt. Da eine Welle eine leicht höhere Frequenz hat, rotiert ihr Zeiger schneller. Die Zeiger überlagern sich abwechselnd gleichphasig (maximale Verstärkung) und gegenphasig (Auslöschung), was das An- und Abschwellen erklärt.
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