Quanteninterferenz einfach erklärt: Welcher-Weg-Info
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Wenn du die Quanteninterferenzregeln und Welcher-Weg-Information verstehen willst, stell dir vor, du siehst dir einen fantastischen Zaubertrick an. Solange du nicht weißt, wie er funktioniert, bist du fasziniert von der Illusion. Aber in dem Moment, in dem du das Geheimnis erfährst und genau siehst, was der Zauberer macht, verschwindet die Magie.

In der Quantenphysik gibt es einen ganz ähnlichen Effekt! Lichtteilchen (Photonen) können wunderschöne, wellenartige Muster (Interferenz) erzeugen. Aber sobald wir versuchen herauszufinden, welchen genauen Weg ein Photon genommen hat, verschwindet dieses Muster augenblicklich. In dieser Lektion lernst du die wichtigste Grundregel der Quantenwelt kennen und erfährst, wie Physiker mit einem sogenannten „Quantenradierer“ die Magie sogar wieder zurückholen können!
Vorwissen
- Das Mach-Zehnder-Interferometer: Ein Versuchsaufbau mit zwei Strahlteilern und zwei Spiegeln. Ein Photon kann zwei Wege nehmen, bevor es auf einen Detektor trifft. Beispiel: Ein Photon trifft auf den ersten Strahlteiler und wird in eine Überlagerung aus Weg A und Weg B aufgeteilt.
- Welle-Teilchen-Dualismus: Einzelne Photonen werden als punktförmige Teilchen gemessen (ein „Klick“ im Detektor), aber ihre Verteilung über viele Messungen hinweg zeigt ein wellenartiges Interferenzmuster.
- Polarisation: Die Schwingungsrichtung einer Lichtwelle. Beispiel: Ein vertikaler Polarisationsfilter lässt nur Lichtwellen durch, die auf und ab schwingen.
Aufgabentyp 1: Interferenzmuster vorhersagen
Um die Quanteninterferenzregeln und Welcher-Weg-Information richtig anzuwenden, müssen wir das Grundprinzip der Quantenphysik betrachten. In der klassischen Physik hat ein Objekt immer einen eindeutigen Ort und Weg. In der Quantenphysik gilt jedoch ein besonderer Merksatz:
Auch einzelne Quantenobjekte (wie Photonen) können zu einem Interferenzmuster beitragen. Voraussetzung ist, dass es mehr als eine klassisch denkbare Möglichkeit für das Eintreten desselben Ergebnisses gibt.
Was bedeutet „klassisch denkbare Möglichkeit“? Es bedeutet einfach: „Welchen Weg hätte das Teilchen aus unserer Alltagssicht nehmen können?“
Schauen wir uns das am Mach-Zehnder-Interferometer an:
Szenario 1: Der normale Aufbau (mit zweitem Strahlteiler) Wenn ein Photon im Detektor ankommt, wissen wir nicht, wie es dorthin gekommen ist. Es hätte Weg A oder Weg B nehmen können. Es gibt also mehrere Möglichkeiten. Weil wir den Weg nicht kennen, verhält sich das Photon wie eine Welle, die beide Wege gleichzeitig nimmt. Die Wege überlagern sich am zweiten Strahlteiler. Ergebnis: Wir beobachten Interferenz.

Szenario 2: Der zweite Strahlteiler wird entfernt Ohne den zweiten Strahlteiler führt Weg A direkt in Detektor 1 und Weg B direkt in Detektor 2. Wenn nun Detektor 1 klickt, wissen wir zu 100 %, dass das Photon Weg A genommen haben muss. Es gibt für dieses Ereignis nur genau eine Möglichkeit. Da der Weg eindeutig ist, verhält sich das Photon wie ein klassisches Teilchen. Ergebnis: Das Interferenzmuster verschwindet.
Wir können das Interferenzmuster auch zerstören, ohne den Aufbau umzubauen. Wir müssen dem Photon nur eine Art „Namensschild“ anheften, das uns verrät, welchen Weg es genommen hat. Das nennt man Welcher-Weg-Information. Dafür nutzen wir Polarisationsfilter.
- Parallele Filter: Setzen wir in beide Wege einen vertikalen Filter, werden zwar einige Photonen blockiert, aber die durchgelassenen Photonen sehen auf beiden Wegen gleich aus. Wir wissen immer noch nicht, welchen Weg sie genommen haben. Ergebnis: Interferenz bleibt erhalten.
- Orthogonale (gekreuzte) Filter: Jetzt setzen wir in Weg A einen vertikalen Filter und in Weg B einen horizontalen Filter.

Jetzt trägt jedes Photon eine eindeutige Spur! Wenn ein Photon am Detektor ankommt und wir messen, dass es vertikal polarisiert ist, wissen wir sicher: Es muss über Weg A gekommen sein. Die Wege sind nun unterscheidbar. Ergebnis: Das Interferenzmuster verschwindet.
Der Quantenradierer (Quantum Eraser) Was passiert, wenn wir diese Information wieder vernichten? Wir platzieren einen dritten Polarisationsfilter direkt vor den Detektoren, der um 45° gedreht ist. Dieser Filter lässt sowohl vertikales als auch horizontales Licht teilweise durch, zwingt aber alle Photonen, die ihn passieren, in eine neue, diagonale Schwingungsrichtung.
Dadurch wird die ursprüngliche Markierung (vertikal oder horizontal) „gelöscht“. Wenn ein Photon nun den Detektor erreicht, ist es diagonal polarisiert. Wir können nicht mehr zurückverfolgen, ob es vorher vertikal (Weg A) oder horizontal (Weg B) war. Die Welcher-Weg-Information ist radiert, die Wege sind wieder ununterscheidbar. Ergebnis: Das Interferenzmuster taucht wieder auf!
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Mit diesem Plan kannst du bei jedem Versuchsaufbau entscheiden, ob ein Interferenzmuster entsteht:
- Identifiziere die Wege: Prüfe, ob es vom Start bis zum Ziel mehr als einen möglichen Weg für das Photon gibt.
- Suche nach Markierungen: Kontrolliere, ob das Photon auf einem Weg eine Spur hinterlässt (Welcher-Weg-Information), die die Wege unterscheidbar macht.
- Suche nach Radierern: Prüfe, ob die Markierung vor dem Detektor wieder gelöscht wird (z. B. durch einen 45°-Filter).
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 0
In einem Mach-Zehnder-Interferometer (mit beiden Strahlteilern) wird ein lichtundurchlässiges Stück Pappe in Weg A gestellt. Weg B bleibt frei. Erkläre mithilfe des Grundprinzips der Quantenphysik, ob an den Detektoren ein Interferenzmuster zu beobachten ist.
- Schritt 1Wege identifizieren
Das Photon startet an der Quelle. Da Weg A durch die Pappe blockiert ist, kann kein Photon über diesen Weg den Detektor erreichen.
- Schritt 2 · ErgebnisNach Markierungen suchen
Es gibt nur noch genau eine klassisch denkbare Möglichkeit für ein Photon, den Detektor zu erreichen: Es muss Weg B genommen haben.
Da es nur eine einzige Möglichkeit für das Eintreten des Ergebnisses gibt, sind die Wege nicht ununterscheidbar. Es entsteht kein Interferenzmuster.
Beispiel 1
Ein Mach-Zehnder-Interferometer ist vollständig aufgebaut. In Weg A wird ein horizontaler Polarisationsfilter eingesetzt, in Weg B ein vertikaler Polarisationsfilter. Vor den Detektoren befindet sich kein weiterer Filter. Entscheide, ob Interferenz auftritt, und begründe deine Antwort.
- Schritt 1Wege identifizieren
Beide Wege (A und B) sind offen und führen zu den Detektoren. Es gibt also mehrere Wege.
- Schritt 2Nach Markierungen suchen
Die Photonen in Weg A werden horizontal polarisiert, die Photonen in Weg B vertikal. Diese orthogonalen Filter wirken wie eine Markierung. Wenn ein Photon am Detektor ankommt, verrät seine Polarisation eindeutig, welchen Weg es genommen hat.
- Schritt 3 · ErgebnisNach Radierern suchen
Es gibt keinen weiteren Filter vor den Detektoren, der diese Information löschen könnte.
Da eine eindeutige Welcher-Weg-Information vorliegt und die klassisch denkbaren Möglichkeiten somit unterscheidbar sind, tritt kein Interferenzmuster auf.
Wichtige Erkenntnisse
- Grundregel: Interferenz entsteht nur, wenn es mehrere ununterscheidbare Wege zum Ziel gibt.
- Welcher-Weg-Information: Sobald wir (z. B. durch orthogonale Polarisationsfilter) herausfinden können, welchen Weg ein Photon genommen hat, verschwindet die Interferenz.
- Quantenradierer: Löschen wir diese Weg-Information vor der Messung (z. B. mit einem 45°-Filter), taucht das Interferenzmuster wieder auf.
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Häufige Fragen
Was ist die Welcher-Weg-Information in der Quantenphysik?
Die Welcher-Weg-Information gibt an, welchen genauen Pfad ein Quantenobjekt (wie ein Photon) genommen hat. Sobald diese Information durch eine Messung oder Markierung (z. B. Polarisationsfilter) bekannt ist, verhält sich das Photon wie ein klassisches Teilchen und das typische wellenartige Interferenzmuster verschwindet.
Wie funktioniert ein Mach-Zehnder-Interferometer?
Ein Mach-Zehnder-Interferometer ist ein Versuchsaufbau mit zwei Strahlteilern und zwei Spiegeln. Ein Photon wird am ersten Strahlteiler in eine Überlagerung zweier Wege aufgeteilt. Wenn beide Wege ununterscheidbar bleiben, überlagern sie sich am zweiten Strahlteiler wieder und erzeugen ein Interferenzmuster.
Was macht ein Quantenradierer?
Ein Quantenradierer (Quantum Eraser) ist ein Aufbau, der eine zuvor gewonnene Welcher-Weg-Information wieder löscht. Dies geschieht oft durch einen 45°-Polarisationsfilter vor dem Detektor. Sobald die Information radiert ist und die Wege wieder ununterscheidbar sind, taucht das Interferenzmuster wieder auf.
Warum verschwindet das Interferenzmuster bei einer Messung?
Das Interferenzmuster verschwindet, weil die Unterscheidbarkeit der Wege das Verhalten des Photons verändert. Nach dem Grundprinzip der Quantenphysik entsteht Interferenz nur, wenn es mehr als eine klassisch denkbare Möglichkeit für das Eintreten desselben Ergebnisses gibt. Ist der Weg eindeutig, gibt es keine Überlagerung mehr.
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