Michelson-Interferometer einfach erklärt: Aufbau & Formeln

Lerne die Grundlagen des Michelson-Interferometers kennen. Wir erklären dir den Aufbau, die Funktionsweise und wie du Spiegelverschiebungen berechnest.

📅 Aktualisiert 29. August 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Michelson-Interferometer einfach erklärt: Aufbau & Formeln

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Stell dir vor, du müsstest eine Längenänderung messen, die tausendmal dünner ist als ein menschliches Haar. Mit einem normalen Lineal oder selbst einem Mikroskop ist das unmöglich.

Michelson-Interferometer Prinzip
Michelson-Interferometer Prinzip

Physiker nutzen für solche extremen Messungen Lichtwellen. Das Michelson-Interferometer ist ein geniales Gerät, das einen einzigen Lichtstrahl aufteilt, ihn auf verschiedene Reisen schickt und am Ende wieder zusammenführt. Anhand des entstehenden Lichtmusters können Wissenschaftler winzigste Bewegungen erkennen – mit genau diesem Prinzip wurden sogar Gravitationswellen aus dem tiefen Weltall nachgewiesen! In diesem Artikel lernst du die Grundlagen des Michelson-Interferometers kennen, wie es funktioniert und wie du damit rechnest.

Vorwissen

  • Gangunterschied: Der Weglängenunterschied, den zwei Wellen zurückgelegt haben, bevor sie aufeinandertreffen.
  • Konstruktive Interferenz (Maximum): Treffen zwei Wellenberge aufeinander, verstärken sie sich zu einem hellen Fleck. Das passiert, wenn der Gangunterschied ein Vielfaches der Wellenlänge λ\lambda ist (0,1λ,2λ,...0, 1\lambda, 2\lambda, ...). Beispiel: Zwei Lichtwellen haben einen Wegunterschied von exakt 2λ2 \cdot \lambda. Auf dem Schirm entsteht ein heller Fleck.
  • Destruktive Interferenz (Minimum): Trifft ein Wellenberg auf ein Wellental, löschen sie sich aus (dunkler Fleck). Das passiert, wenn der Gangunterschied ein ungerades Vielfaches der halben Wellenlänge ist (12λ,32λ,...\frac{1}{2}\lambda, \frac{3}{2}\lambda, ...). Beispiel: Eine Welle reist genau 0.5λ0.5 \cdot \lambda weiter als die andere. Auf dem Schirm herrscht Dunkelheit.

Aufbau und Funktionsweise

Ein Michelson-Interferometer besteht aus vier Hauptbauteilen: Einer Lichtquelle (meist ein Laser), einem halbdurchlässigen Spiegel (dem sogenannten Strahlteiler), zwei normalen Spiegeln und einem Schirm.

Der Trick dieses Geräts ist es, einen Lichtstrahl in zwei Hälften zu schneiden und sie auf unterschiedliche Wege zu schicken:

  1. Die Aufspaltung: Das Licht der Quelle trifft auf den Strahlteiler. Eine Hälfte des Lichts wird nach oben in den ersten Arm reflektiert (wir nennen sie Teilwelle 1). Die andere Hälfte geht einfach geradeaus durch das Glas hindurch in den zweiten Arm (Teilwelle 2).
  2. Die Reflexion: Beide Teilwellen reisen zu ihren jeweiligen Spiegeln am Ende der Arme und werden dort exakt in die Richtung zurückgeworfen, aus der sie kamen.
  3. Die Zusammenführung: Zurück am Strahlteiler treffen sich Teilwelle 1 und Teilwelle 2 wieder. Ein Teil beider Wellen wird nun gemeinsam nach unten auf den Schirm gelenkt.
Strahlengang im Interferometer
Strahlengang im Interferometer

Da beide Wellen auf ihrem Weg ähnliche Reflexionen und Durchquerungen von Glas erleben, heben sich eventuelle physikalische Phasensprünge gegenseitig auf. Das bedeutet für uns: Das Muster auf dem Schirm hängt am Ende einzig und allein davon ab, wie lang die beiden Arme im Vergleich zueinander sind.

Bedingungen für Maxima und Minima

Nehmen wir an, beide Arme des Interferometers sind exakt gleich lang. Beide Teilwellen legen denselben Weg zurück und treffen gleichzeitig (phasengleich) auf dem Schirm ein. Wir sehen ein helles Maximum (konstruktive Interferenz).

Was passiert nun, wenn wir einen der Spiegel um eine winzige Strecke Δs\Delta s nach hinten verschieben?

Hier ist die wichtigste Regel des Michelson-Interferometers: Das Licht muss den Arm hin und zurück durchlaufen. Wenn du den Spiegel um Δs\Delta s nach hinten schiebst, muss das Licht diese extra Strecke auf dem Hinweg UND auf dem Rückweg fliegen. Die gesamte Weglänge ändert sich also um das Doppelte: 2Δs2 \cdot \Delta s.

Spiegelverschiebung und Weglänge
Spiegelverschiebung und Weglänge

Daraus ergeben sich zwei zentrale Merksätze für die Verschiebung des Spiegels (ausgehend von einem Maximum):

  • Verschiebung um λ4\frac{\lambda}{4} (Minimum): Wenn du den Spiegel um ein Viertel der Wellenlänge (Δs=λ4\Delta s = \frac{\lambda}{4}) verschiebst, verlängert sich der gesamte Lichtweg um 2λ4=λ22 \cdot \frac{\lambda}{4} = \frac{\lambda}{2}. Ein Gangunterschied von einer halben Wellenlänge bedeutet, dass Wellenberg auf Wellental trifft. Auf dem Schirm entsteht ein dunkler Fleck (Minimum).
  • Verschiebung um λ2\frac{\lambda}{2} (Neues Maximum): Wenn du den Spiegel um eine halbe Wellenlänge (Δs=λ2\Delta s = \frac{\lambda}{2}) verschiebst, verlängert sich der gesamte Lichtweg um 2λ2=λ2 \cdot \frac{\lambda}{2} = \lambda. Die Wellen sind wieder im Takt. Auf dem Schirm siehst du das nächste helle Maximum.

Wenn du den Spiegel kontinuierlich verschiebst und dabei kk helle Maxima auf dem Schirm vorbeiwandern siehst, lautet die Formel für die gesamte Verschiebung: Δs=kλ2\Delta s = k \cdot \frac{\lambda}{2}.

Aufgabentyp 1: Spiegelverschiebungen berechnen

Wenn du Aufgaben zu den Grundlagen des Michelson-Interferometers löst, geht es meistens darum, die genaue Verschiebung eines Spiegels zu berechnen. Nutze diesen Plan, wenn du berechnen sollst, wie weit ein Spiegel verschoben wurde oder wie viele Maxima entstehen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Schritt 1: Gegebene Werte notieren: Finde die Wellenlänge λ\lambda des Lichts. Finde heraus, ob eine Verschiebungsstrecke Δs\Delta s oder eine Anzahl von Maxima kk gegeben ist.
  2. Schritt 2: Den Zustand bestimmen: Prüfe, wonach gefragt ist. Geht es um helle Flecke (Maxima)? Dann nutze die Formel: Δs=kλ2\Delta s = k \cdot \frac{\lambda}{2}. Geht es um den ersten dunklen Fleck (Minimum)? Dann nutze: Δs=λ4\Delta s = \frac{\lambda}{4}.
  3. Schritt 3: Formel umstellen und einsetzen: Stelle die Formel nach der gesuchten Größe (meist Δs\Delta s oder kk) um. Setze die Zahlen mit ihren Einheiten ein und berechne das Ergebnis.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 0

Aufgabe

Ein Michelson-Interferometer wird mit einem roten Laser der Wellenlänge λ=632 nm\lambda = 632 \text{ nm} betrieben. Zu Beginn ist auf dem Schirm ein helles Maximum zu sehen. Der Spiegel S1S_1 wird nun langsam nach hinten verschoben, bis genau k=5k = 5 weitere Maxima auf dem Schirm durchgelaufen sind. Berechne die Strecke Δs\Delta s, um die der Spiegel verschoben wurde.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Gegebene Werte notieren

    Gegeben: Wellenlänge λ=632 nm\lambda = 632 \text{ nm}, Anzahl der Maxima k=5k = 5. Gesucht: Spiegelverschiebung Δs=?\Delta s = ?

  2. Schritt 2
    Den Zustand bestimmen

    Da es um helle Flecke (Maxima) geht, nutzen wir die Formel für konstruktive Interferenz: Δs=kλ2\Delta s = k \cdot \frac{\lambda}{2}

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Formel umstellen und einsetzen

    Die Formel ist bereits nach der gesuchten Größe Δs\Delta s umgestellt. Wir setzen die Werte ein: Δs=5632 nm2\Delta s = 5 \cdot \frac{632 \text{ nm}}{2} Δs=5316 nm\Delta s = 5 \cdot 316 \text{ nm} Δs=1580 nm\Delta s = 1580 \text{ nm}

Ergebnis:

Der Spiegel wurde um 1580 nm1580 \text{ nm} (oder 1.58μm1.58 \mu\text{m}) verschoben. (Reality Check: Die Einheit nm\text{nm} ist korrekt für eine winzige Strecke. Da jedes Maximum einer Verschiebung von einer halben Wellenlänge (ca. 316 nm316 \text{ nm}) entspricht, macht das Ergebnis für 5 Maxima physikalisch Sinn.)

Beispiel 1

Aufgabe

In einem Experiment mit einem Michelson-Interferometer wird grünes Licht mit einer Wellenlänge von λ=532 nm\lambda = 532 \text{ nm} verwendet. Der Spiegel wird um exakt Δs=133 nm\Delta s = 133 \text{ nm} verschoben. Zu Beginn war ein helles Maximum auf dem Schirm zu sehen. Bestimme rechnerisch, ob nach der Verschiebung ein helles Maximum oder ein dunkles Minimum auf dem Schirm zu sehen ist.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Gegebene Werte notieren

    Gegeben: Wellenlänge λ=532 nm\lambda = 532 \text{ nm}, Spiegelverschiebung Δs=133 nm\Delta s = 133 \text{ nm}. Gesucht: Art der Interferenz (Maximum oder Minimum).

  2. Schritt 2
    Den Zustand bestimmen

    Wir müssen prüfen, in welchem Verhältnis die Verschiebung Δs\Delta s zur Wellenlänge λ\lambda steht. Wir berechnen dazu den Quotienten Δsλ\frac{\Delta s}{\lambda}: 133 nm532 nm=0.25\frac{133 \text{ nm}}{532 \text{ nm}} = 0.25 Das bedeutet, die Verschiebung entspricht genau einem Viertel der Wellenlänge: Δs=0.25λ=λ4\Delta s = 0.25 \cdot \lambda = \frac{\lambda}{4}

  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Formel umstellen und einsetzen

    Wir wissen aus unseren Merksätzen: Eine Verschiebung des Spiegels um λ4\frac{\lambda}{4} führt zu einer gesamten Wegänderung des Lichts von 2λ4=λ22 \cdot \frac{\lambda}{4} = \frac{\lambda}{2}. Ein Gangunterschied von einer halben Wellenlänge (λ2\frac{\lambda}{2}) bedeutet, dass Wellenberg auf Wellental trifft.

Ergebnis:

Nach der Verschiebung um 133 nm133 \text{ nm} ist auf dem Schirm ein dunkles Minimum zu sehen.

Wichtige Erkenntnisse

  • Ein Michelson-Interferometer teilt eine Lichtwelle auf, schickt sie durch zwei senkrecht zueinander stehende Arme und führt sie wieder zusammen.
  • Der doppelte Weg: Verschiebst du einen Spiegel um die Strecke Δs\Delta s, ändert sich der Weg des Lichts um 2Δs2 \cdot \Delta s (Hin- und Rückweg).
  • Minimum (Dunkel): Eine Spiegelverschiebung um Δs=λ4\Delta s = \frac{\lambda}{4} erzeugt einen dunklen Fleck.
  • Maximum (Hell): Eine Spiegelverschiebung um Δs=λ2\Delta s = \frac{\lambda}{2} erzeugt das nächste helle Maximum. Für kk Maxima gilt: Δs=kλ2\Delta s = k \cdot \frac{\lambda}{2}.

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Häufige Fragen

Was ist ein Michelson-Interferometer?

Ein Michelson-Interferometer ist ein optisches Messgerät, das Lichtwellen nutzt, um extrem kleine Längenänderungen zu messen. Es teilt einen Lichtstrahl auf, schickt ihn durch zwei verschiedene Arme und führt ihn wieder zusammen, um Interferenzmuster zu erzeugen.

Wie funktioniert das Michelson-Interferometer?

Das Licht einer Quelle trifft auf einen halbdurchlässigen Spiegel (Strahlteiler) und wird in zwei Teilwellen aufgespalten. Diese reisen zu zwei Spiegeln, werden reflektiert und treffen am Strahlteiler wieder aufeinander. Das resultierende Muster auf dem Schirm zeigt, wie sich die Wellen überlagern.

Was passiert bei einer Spiegelverschiebung im Michelson-Interferometer?

Wenn du einen Spiegel um eine Strecke Δs verschiebst, ändert sich der Weg des Lichts um 2 · Δs, da das Licht den Weg hin und zurück durchlaufen muss. Diese Wegänderung beeinflusst den Gangunterschied der beiden Teilwellen und verändert das Interferenzmuster.

Wann entsteht ein Maximum oder Minimum auf dem Schirm?

Ein Maximum (heller Fleck) entsteht bei konstruktiver Interferenz, wenn der Gangunterschied ein Vielfaches der Wellenlänge ist. Ein Minimum (dunkler Fleck) entsteht bei destruktiver Interferenz, wenn der Gangunterschied ein ungerades Vielfaches der halben Wellenlänge ist.

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