Michelson-Interferometer einfach erklärt: Aufbau & Formeln
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Stell dir vor, du müsstest eine Längenänderung messen, die tausendmal dünner ist als ein menschliches Haar. Mit einem normalen Lineal oder selbst einem Mikroskop ist das unmöglich.

Physiker nutzen für solche extremen Messungen Lichtwellen. Das Michelson-Interferometer ist ein geniales Gerät, das einen einzigen Lichtstrahl aufteilt, ihn auf verschiedene Reisen schickt und am Ende wieder zusammenführt. Anhand des entstehenden Lichtmusters können Wissenschaftler winzigste Bewegungen erkennen – mit genau diesem Prinzip wurden sogar Gravitationswellen aus dem tiefen Weltall nachgewiesen! In diesem Artikel lernst du die Grundlagen des Michelson-Interferometers kennen, wie es funktioniert und wie du damit rechnest.
Vorwissen
- Gangunterschied: Der Weglängenunterschied, den zwei Wellen zurückgelegt haben, bevor sie aufeinandertreffen.
- Konstruktive Interferenz (Maximum): Treffen zwei Wellenberge aufeinander, verstärken sie sich zu einem hellen Fleck. Das passiert, wenn der Gangunterschied ein Vielfaches der Wellenlänge ist (). Beispiel: Zwei Lichtwellen haben einen Wegunterschied von exakt . Auf dem Schirm entsteht ein heller Fleck.
- Destruktive Interferenz (Minimum): Trifft ein Wellenberg auf ein Wellental, löschen sie sich aus (dunkler Fleck). Das passiert, wenn der Gangunterschied ein ungerades Vielfaches der halben Wellenlänge ist (). Beispiel: Eine Welle reist genau weiter als die andere. Auf dem Schirm herrscht Dunkelheit.
Aufbau und Funktionsweise
Ein Michelson-Interferometer besteht aus vier Hauptbauteilen: Einer Lichtquelle (meist ein Laser), einem halbdurchlässigen Spiegel (dem sogenannten Strahlteiler), zwei normalen Spiegeln und einem Schirm.
Der Trick dieses Geräts ist es, einen Lichtstrahl in zwei Hälften zu schneiden und sie auf unterschiedliche Wege zu schicken:
- Die Aufspaltung: Das Licht der Quelle trifft auf den Strahlteiler. Eine Hälfte des Lichts wird nach oben in den ersten Arm reflektiert (wir nennen sie Teilwelle 1). Die andere Hälfte geht einfach geradeaus durch das Glas hindurch in den zweiten Arm (Teilwelle 2).
- Die Reflexion: Beide Teilwellen reisen zu ihren jeweiligen Spiegeln am Ende der Arme und werden dort exakt in die Richtung zurückgeworfen, aus der sie kamen.
- Die Zusammenführung: Zurück am Strahlteiler treffen sich Teilwelle 1 und Teilwelle 2 wieder. Ein Teil beider Wellen wird nun gemeinsam nach unten auf den Schirm gelenkt.

Da beide Wellen auf ihrem Weg ähnliche Reflexionen und Durchquerungen von Glas erleben, heben sich eventuelle physikalische Phasensprünge gegenseitig auf. Das bedeutet für uns: Das Muster auf dem Schirm hängt am Ende einzig und allein davon ab, wie lang die beiden Arme im Vergleich zueinander sind.
Bedingungen für Maxima und Minima
Nehmen wir an, beide Arme des Interferometers sind exakt gleich lang. Beide Teilwellen legen denselben Weg zurück und treffen gleichzeitig (phasengleich) auf dem Schirm ein. Wir sehen ein helles Maximum (konstruktive Interferenz).
Was passiert nun, wenn wir einen der Spiegel um eine winzige Strecke nach hinten verschieben?
Hier ist die wichtigste Regel des Michelson-Interferometers: Das Licht muss den Arm hin und zurück durchlaufen. Wenn du den Spiegel um nach hinten schiebst, muss das Licht diese extra Strecke auf dem Hinweg UND auf dem Rückweg fliegen. Die gesamte Weglänge ändert sich also um das Doppelte: .

Daraus ergeben sich zwei zentrale Merksätze für die Verschiebung des Spiegels (ausgehend von einem Maximum):
- Verschiebung um (Minimum): Wenn du den Spiegel um ein Viertel der Wellenlänge () verschiebst, verlängert sich der gesamte Lichtweg um . Ein Gangunterschied von einer halben Wellenlänge bedeutet, dass Wellenberg auf Wellental trifft. Auf dem Schirm entsteht ein dunkler Fleck (Minimum).
- Verschiebung um (Neues Maximum): Wenn du den Spiegel um eine halbe Wellenlänge () verschiebst, verlängert sich der gesamte Lichtweg um . Die Wellen sind wieder im Takt. Auf dem Schirm siehst du das nächste helle Maximum.
Wenn du den Spiegel kontinuierlich verschiebst und dabei helle Maxima auf dem Schirm vorbeiwandern siehst, lautet die Formel für die gesamte Verschiebung: .
Aufgabentyp 1: Spiegelverschiebungen berechnen
Wenn du Aufgaben zu den Grundlagen des Michelson-Interferometers löst, geht es meistens darum, die genaue Verschiebung eines Spiegels zu berechnen. Nutze diesen Plan, wenn du berechnen sollst, wie weit ein Spiegel verschoben wurde oder wie viele Maxima entstehen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Schritt 1: Gegebene Werte notieren: Finde die Wellenlänge des Lichts. Finde heraus, ob eine Verschiebungsstrecke oder eine Anzahl von Maxima gegeben ist.
- Schritt 2: Den Zustand bestimmen: Prüfe, wonach gefragt ist. Geht es um helle Flecke (Maxima)? Dann nutze die Formel: . Geht es um den ersten dunklen Fleck (Minimum)? Dann nutze: .
- Schritt 3: Formel umstellen und einsetzen: Stelle die Formel nach der gesuchten Größe (meist oder ) um. Setze die Zahlen mit ihren Einheiten ein und berechne das Ergebnis.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 0
Ein Michelson-Interferometer wird mit einem roten Laser der Wellenlänge betrieben. Zu Beginn ist auf dem Schirm ein helles Maximum zu sehen. Der Spiegel wird nun langsam nach hinten verschoben, bis genau weitere Maxima auf dem Schirm durchgelaufen sind. Berechne die Strecke , um die der Spiegel verschoben wurde.
- Schritt 1Gegebene Werte notieren
Gegeben: Wellenlänge , Anzahl der Maxima . Gesucht: Spiegelverschiebung
- Schritt 2Den Zustand bestimmen
Da es um helle Flecke (Maxima) geht, nutzen wir die Formel für konstruktive Interferenz:
- Schritt 3 · ErgebnisFormel umstellen und einsetzen
Die Formel ist bereits nach der gesuchten Größe umgestellt. Wir setzen die Werte ein:
Der Spiegel wurde um (oder ) verschoben. (Reality Check: Die Einheit ist korrekt für eine winzige Strecke. Da jedes Maximum einer Verschiebung von einer halben Wellenlänge (ca. ) entspricht, macht das Ergebnis für 5 Maxima physikalisch Sinn.)
Beispiel 1
In einem Experiment mit einem Michelson-Interferometer wird grünes Licht mit einer Wellenlänge von verwendet. Der Spiegel wird um exakt verschoben. Zu Beginn war ein helles Maximum auf dem Schirm zu sehen. Bestimme rechnerisch, ob nach der Verschiebung ein helles Maximum oder ein dunkles Minimum auf dem Schirm zu sehen ist.
- Schritt 1Gegebene Werte notieren
Gegeben: Wellenlänge , Spiegelverschiebung . Gesucht: Art der Interferenz (Maximum oder Minimum).
- Schritt 2Den Zustand bestimmen
Wir müssen prüfen, in welchem Verhältnis die Verschiebung zur Wellenlänge steht. Wir berechnen dazu den Quotienten : Das bedeutet, die Verschiebung entspricht genau einem Viertel der Wellenlänge:
- Schritt 3 · ErgebnisFormel umstellen und einsetzen
Wir wissen aus unseren Merksätzen: Eine Verschiebung des Spiegels um führt zu einer gesamten Wegänderung des Lichts von . Ein Gangunterschied von einer halben Wellenlänge () bedeutet, dass Wellenberg auf Wellental trifft.
Nach der Verschiebung um ist auf dem Schirm ein dunkles Minimum zu sehen.
Wichtige Erkenntnisse
- Ein Michelson-Interferometer teilt eine Lichtwelle auf, schickt sie durch zwei senkrecht zueinander stehende Arme und führt sie wieder zusammen.
- Der doppelte Weg: Verschiebst du einen Spiegel um die Strecke , ändert sich der Weg des Lichts um (Hin- und Rückweg).
- Minimum (Dunkel): Eine Spiegelverschiebung um erzeugt einen dunklen Fleck.
- Maximum (Hell): Eine Spiegelverschiebung um erzeugt das nächste helle Maximum. Für Maxima gilt: .
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Häufige Fragen
Was ist ein Michelson-Interferometer?
Ein Michelson-Interferometer ist ein optisches Messgerät, das Lichtwellen nutzt, um extrem kleine Längenänderungen zu messen. Es teilt einen Lichtstrahl auf, schickt ihn durch zwei verschiedene Arme und führt ihn wieder zusammen, um Interferenzmuster zu erzeugen.
Wie funktioniert das Michelson-Interferometer?
Das Licht einer Quelle trifft auf einen halbdurchlässigen Spiegel (Strahlteiler) und wird in zwei Teilwellen aufgespalten. Diese reisen zu zwei Spiegeln, werden reflektiert und treffen am Strahlteiler wieder aufeinander. Das resultierende Muster auf dem Schirm zeigt, wie sich die Wellen überlagern.
Was passiert bei einer Spiegelverschiebung im Michelson-Interferometer?
Wenn du einen Spiegel um eine Strecke Δs verschiebst, ändert sich der Weg des Lichts um 2 · Δs, da das Licht den Weg hin und zurück durchlaufen muss. Diese Wegänderung beeinflusst den Gangunterschied der beiden Teilwellen und verändert das Interferenzmuster.
Wann entsteht ein Maximum oder Minimum auf dem Schirm?
Ein Maximum (heller Fleck) entsteht bei konstruktiver Interferenz, wenn der Gangunterschied ein Vielfaches der Wellenlänge ist. Ein Minimum (dunkler Fleck) entsteht bei destruktiver Interferenz, wenn der Gangunterschied ein ungerades Vielfaches der halben Wellenlänge ist.
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