Induktion durch Lorentzkraft einfach erklärt: Beispiele
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Stell dir vor, du fliegst in einem Flugzeug. Wusstest du, dass die Flügel des Flugzeugs während des Fluges wie eine riesige, fliegende Batterie wirken und eine elektrische Spannung erzeugen?

Das liegt am Magnetfeld der Erde! Bei der Induktion durch die Lorentzkraft lernen wir, wie die Bewegung durch ein Magnetfeld Elektronen verschiebt. Wir werden Schritt für Schritt herleiten, wie man diese sogenannte Induktionsspannung berechnet, und verstehen, warum sie in geschlossenen Leiterschleifen manchmal einfach wieder verschwindet.
Vorwissen
- Lorentzkraft (): Die Kraft, die auf bewegte Ladungen in einem Magnetfeld wirkt. Formel: Beispiel: Ein Elektron, das sich durch ein Magnetfeld bewegt, wird von seiner geraden Bahn abgelenkt.
- Elektrische Kraft (): Die Kraft, die auf Ladungen in einem elektrischen Feld () wirkt. Formel: Beispiel: Ein Elektron wird in einem elektrischen Feld vom Minuspol weggedrückt und zum Pluspol hingezogen.
- Spannung im homogenen Feld (): Der Zusammenhang zwischen der Stärke des elektrischen Feldes und der Strecke (). Formel: Beispiel: Zwischen zwei Metallplatten mit Spannung und Abstand herrscht ein konstantes elektrisches Feld.
Aufgabentyp 1: Herleitung der Induktionsspannung in einem bewegten Leiter
Wenn sich ein Metallstab durch ein Magnetfeld bewegt, bewegen sich die darin enthaltenen freien Elektronen automatisch mit. Auf diese bewegten Elektronen wirkt die Lorentzkraft. Sie drückt die Elektronen an ein Ende des Stabes.
Dadurch entsteht an diesem Ende ein Elektronenüberschuss (Minuspol) und am anderen Ende ein Elektronenmangel (Pluspol). Diese Ladungstrennung erzeugt ein elektrisches Feld im Stab. Dieses Feld übt nun eine elektrische Kraft auf die Elektronen aus, die genau in die entgegengesetzte Richtung der Lorentzkraft drückt.

Realitätsbezug: Für unsere Herleitung gehen wir von einem idealen, homogenen Magnetfeld aus, in dem sich der Leiter mit konstanter Geschwindigkeit bewegt.
Die Elektronen wandern so lange, bis ein Kräftegleichgewicht herrscht. Das bedeutet, beide Kräfte sind exakt gleich stark:
Wir setzen die bekannten Formeln für beide Kräfte ein ( ist die Elementarladung der Elektronen):
Da das auf beiden Seiten der Gleichung steht, können wir die Gleichung durch teilen. Die Ladung kürzt sich also heraus:
Wir wissen aus dem Vorwissen, dass die Spannung ist (wobei die Länge des Stabes ist). Wenn wir nun unser Ergebnis für in diese Formel einsetzen, erhalten wir die fertige Formel für die Induktionsspannung:
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Gegebene Werte identifizieren: Finde die Geschwindigkeit (), die magnetische Flussdichte () und die Länge des Leiters () im Text.
- Einheiten überprüfen: Stelle sicher, dass alle Werte in Standardeinheiten vorliegen: Geschwindigkeit in , Magnetfeld in (Tesla) und Länge in .
- Formel aufstellen und Werte einsetzen: Nutze die hergeleitete Formel und setze die Zahlen ein.
- Ergebnis berechnen: Multipliziere die Werte und gib das Endergebnis mit der Einheit Volt () an.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Ein langer Flugzeugflügel aus Metall bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von durch das Erdmagnetfeld. Nimm an, dass das Magnetfeld homogen ist, senkrecht auf den Flügel trifft und eine Stärke von hat. Berechne die induzierte Spannung zwischen den Flügelspitzen.
- Schritt 1Gegebene Werte identifizieren
Länge () = Geschwindigkeit () = Magnetfeld () =
- Schritt 2Einheiten überprüfen
Alle Werte sind bereits in den korrekten Standardeinheiten (, , ).
- Schritt 3Formel aufstellen und Werte einsetzen
- Schritt 4 · ErgebnisErgebnis berechnen
Die induzierte Spannung zwischen den Flügelspitzen beträgt . Der Wert ist recht klein, was physikalisch logisch ist, da das Erdmagnetfeld sehr schwach ist. Deshalb spüren Passagiere im Flugzeug keinen Stromschlag.
Aufgabentyp 2: Induktion in Leiterschleifen
Bisher haben wir nur einen einzelnen Stab betrachtet. Was passiert, wenn wir stattdessen eine rechteckige Leiterschleife (einen geschlossenen Rahmen) in ein Magnetfeld hineinbewegen?
Phase 1: Das Eintreten in das Magnetfeld
Wenn die Schleife beginnt, in das Magnetfeld einzutreten, befindet sich zunächst nur das vordere vertikale Leiterstück im Feld. Die Lorentzkraft drückt die Elektronen in diesem vorderen Stück nach unten. Dadurch entsteht eine messbare Induktionsspannung, genau wie bei unserem einzelnen Stab.

Phase 2: Vollständig im Magnetfeld
Sobald die Schleife komplett in das homogene Magnetfeld eingetaucht ist, ändert sich die Situation drastisch. Nun bewegen sich sowohl das vordere als auch das hintere vertikale Leiterstück durch das Feld. Die Lorentzkraft wirkt jetzt auf die Elektronen in beiden Stücken und drückt sie gleichermaßen nach unten.
Stell dir vor, du schaltest zwei identische Batterien rückwärts gegeneinander. Da an beiden Messpunkten der exakt gleiche Elektronenmangel (bzw. Elektronenüberschuss) entsteht, gibt es keinen Unterschied mehr zwischen den beiden Seiten. Ohne einen Unterschied (Potenzialdifferenz) gibt es auch keine Spannung. Die gemessene Gesamtspannung sinkt sofort auf null!
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 2
Eine rechteckige Leiterschleife mit einer Breite von und einer Länge von wird mit einer konstanten Geschwindigkeit von in ein homogenes Magnetfeld der Stärke hineingezogen. Das Messgerät ist an den Enden der Schleife angeschlossen.
Berechne die gemessene Spannung, während das vordere Leiterstück in das Feld eintritt, und gib an, wie groß die Spannung ist, sobald die gesamte Schleife im Feld ist.
- Schritt 1Spannung beim Eintreten berechnen
Während die Schleife eintritt, wirkt nur das vordere Leiterstück (die Breite ) als bewegter Leiter. Gegeben: , , .
- Schritt 2 · ErgebnisSpannung im vollständigen Magnetfeld bestimmen
Sobald die gesamte Schleife im homogenen Magnetfeld ist, wirkt die Lorentzkraft auf beide vertikalen Leiterstücke gleichermaßen. Es entsteht keine Potenzialdifferenz mehr.
Die gemessene Spannung beträgt dann . Dass die Spannung auf null abfällt, sobald die Schleife komplett im Feld ist, entspricht genau dem theoretischen Prinzip der fehlenden Potenzialdifferenz.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Lorentzkraft verschiebt Elektronen in einem bewegten Leiter und erzeugt so eine Ladungstrennung.
- Ein Kräftegleichgewicht zwischen Lorentzkraft und elektrischer Kraft führt zur Formel für die Induktionsspannung: .
- Tritt eine Leiterschleife in ein Magnetfeld ein, wird nur so lange eine Spannung induziert, wie sich nur ein Teil der Schleife im Feld befindet.
- Ist die Schleife vollständig im homogenen Magnetfeld, heben sich die Effekte auf beiden Seiten auf und die Spannung ist .
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Häufige Fragen
Was ist die Induktion durch die Lorentzkraft?
Die Induktion durch die Lorentzkraft entsteht, wenn sich ein elektrischer Leiter durch ein Magnetfeld bewegt. Die Lorentzkraft verschiebt die freien Elektronen im Leiter auf eine Seite, wodurch ein Elektronenüberschuss (Minuspol) und ein Elektronenmangel (Pluspol) entstehen. Diese Ladungstrennung erzeugt eine messbare elektrische Spannung, die sogenannte Induktionsspannung.
Wie berechnet man die Induktionsspannung in einem bewegten Leiter?
Du berechnest sie mit der Formel U = v · B · d. Dabei ist v die Geschwindigkeit des Leiters, B die magnetische Flussdichte des Magnetfelds und d die Länge des Leiters, der sich im Magnetfeld befindet. Wichtig ist, dass alle Werte in den Standardeinheiten Meter pro Sekunde, Tesla und Meter eingesetzt werden.
Warum ist die Spannung in einer geschlossenen Leiterschleife null?
Wenn sich eine Leiterschleife vollständig in einem homogenen Magnetfeld bewegt, wirkt die Lorentzkraft auf beide vertikalen Leiterstücke gleichermaßen. Es werden also auf beiden Seiten gleich viele Elektronen verschoben. Dadurch entsteht keine Potenzialdifferenz (kein Unterschied in der Ladung) zwischen den Enden der Schleife, und die gemessene Gesamtspannung sinkt sofort auf null.
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