Induktion durch Lorentzkraft einfach erklärt: Beispiele

Lerne, wie die Induktion durch die Lorentzkraft funktioniert. Wir leiten die Formel Schritt für Schritt her und berechnen spannende Beispiele aus dem Alltag.

📅 Aktualisiert 28. August 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Induktion durch Lorentzkraft einfach erklärt: Beispiele

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Student thinking

Stell dir vor, du fliegst in einem Flugzeug. Wusstest du, dass die Flügel des Flugzeugs während des Fluges wie eine riesige, fliegende Batterie wirken und eine elektrische Spannung erzeugen?

Flugzeug im Erdmagnetfeld
Flugzeug im Erdmagnetfeld

Das liegt am Magnetfeld der Erde! Bei der Induktion durch die Lorentzkraft lernen wir, wie die Bewegung durch ein Magnetfeld Elektronen verschiebt. Wir werden Schritt für Schritt herleiten, wie man diese sogenannte Induktionsspannung berechnet, und verstehen, warum sie in geschlossenen Leiterschleifen manchmal einfach wieder verschwindet.

Vorwissen

  • Lorentzkraft (FLF_L): Die Kraft, die auf bewegte Ladungen in einem Magnetfeld wirkt. Formel: FL=evBF_L = e \cdot v \cdot B Beispiel: Ein Elektron, das sich durch ein Magnetfeld bewegt, wird von seiner geraden Bahn abgelenkt.
  • Elektrische Kraft (FelF_{el}): Die Kraft, die auf Ladungen in einem elektrischen Feld (EE) wirkt. Formel: Fel=eEF_{el} = e \cdot E Beispiel: Ein Elektron wird in einem elektrischen Feld vom Minuspol weggedrückt und zum Pluspol hingezogen.
  • Spannung im homogenen Feld (UU): Der Zusammenhang zwischen der Stärke des elektrischen Feldes und der Strecke (dd). Formel: U=EdU = E \cdot d Beispiel: Zwischen zwei Metallplatten mit 10 V10 \text{ V} Spannung und 0.1 m0.1 \text{ m} Abstand herrscht ein konstantes elektrisches Feld.

Aufgabentyp 1: Herleitung der Induktionsspannung in einem bewegten Leiter

Wenn sich ein Metallstab durch ein Magnetfeld bewegt, bewegen sich die darin enthaltenen freien Elektronen automatisch mit. Auf diese bewegten Elektronen wirkt die Lorentzkraft. Sie drückt die Elektronen an ein Ende des Stabes.

Dadurch entsteht an diesem Ende ein Elektronenüberschuss (Minuspol) und am anderen Ende ein Elektronenmangel (Pluspol). Diese Ladungstrennung erzeugt ein elektrisches Feld im Stab. Dieses Feld übt nun eine elektrische Kraft auf die Elektronen aus, die genau in die entgegengesetzte Richtung der Lorentzkraft drückt.

Leiter im Magnetfeld mit Kräften
Leiter im Magnetfeld mit Kräften

Realitätsbezug: Für unsere Herleitung gehen wir von einem idealen, homogenen Magnetfeld aus, in dem sich der Leiter mit konstanter Geschwindigkeit bewegt.

Die Elektronen wandern so lange, bis ein Kräftegleichgewicht herrscht. Das bedeutet, beide Kräfte sind exakt gleich stark:

Fel=FL\textcolor{#9570FF}{F_{el}} = \textcolor{#08BFFF}{F_{L}}

Wir setzen die bekannten Formeln für beide Kräfte ein (ee ist die Elementarladung der Elektronen):

eE=Beve \cdot \textcolor{#9570FF}{E} = \textcolor{#08BFFF}{B} \cdot e \cdot \textcolor{#53E5D6}{v}

Da das ee auf beiden Seiten der Gleichung steht, können wir die Gleichung durch ee teilen. Die Ladung kürzt sich also heraus:

E=Bv\textcolor{#9570FF}{E} = \textcolor{#08BFFF}{B} \cdot \textcolor{#53E5D6}{v}

Wir wissen aus dem Vorwissen, dass die Spannung U=EdU = \textcolor{#9570FF}{E} \cdot d ist (wobei dd die Länge des Stabes ist). Wenn wir nun unser Ergebnis für E\textcolor{#9570FF}{E} in diese Formel einsetzen, erhalten wir die fertige Formel für die Induktionsspannung:

U=vBdU = \textcolor{#53E5D6}{v} \cdot \textcolor{#08BFFF}{B} \cdot d

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Gegebene Werte identifizieren: Finde die Geschwindigkeit (vv), die magnetische Flussdichte (BB) und die Länge des Leiters (dd) im Text.
  2. Einheiten überprüfen: Stelle sicher, dass alle Werte in Standardeinheiten vorliegen: Geschwindigkeit in m/s\text{m/s}, Magnetfeld in T\text{T} (Tesla) und Länge in m\text{m}.
  3. Formel aufstellen und Werte einsetzen: Nutze die hergeleitete Formel U=vBdU = v \cdot B \cdot d und setze die Zahlen ein.
  4. Ergebnis berechnen: Multipliziere die Werte und gib das Endergebnis mit der Einheit Volt (V\text{V}) an.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Ein 30 m30 \text{ m} langer Flugzeugflügel aus Metall bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 250 m/s250 \text{ m/s} durch das Erdmagnetfeld. Nimm an, dass das Magnetfeld homogen ist, senkrecht auf den Flügel trifft und eine Stärke von 0.00005 T0.00005 \text{ T} hat. Berechne die induzierte Spannung zwischen den Flügelspitzen.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Gegebene Werte identifizieren

    Länge (dd) = 30 m30 \text{ m} Geschwindigkeit (vv) = 250 m/s250 \text{ m/s} Magnetfeld (BB) = 0.00005 T0.00005 \text{ T}

  2. Schritt 2
    Einheiten überprüfen

    Alle Werte sind bereits in den korrekten Standardeinheiten (m\text{m}, m/s\text{m/s}, T\text{T}).

  3. Schritt 3
    Formel aufstellen und Werte einsetzen

    U=vBdU = v \cdot B \cdot d U=250 m/s0.00005 T30 mU = 250 \text{ m/s} \cdot 0.00005 \text{ T} \cdot 30 \text{ m}

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Ergebnis berechnen

    U=0.375 VU = 0.375 \text{ V}

Ergebnis:

Die induzierte Spannung zwischen den Flügelspitzen beträgt 0.375 V0.375 \text{ V}. Der Wert ist recht klein, was physikalisch logisch ist, da das Erdmagnetfeld sehr schwach ist. Deshalb spüren Passagiere im Flugzeug keinen Stromschlag.


Aufgabentyp 2: Induktion in Leiterschleifen

Bisher haben wir nur einen einzelnen Stab betrachtet. Was passiert, wenn wir stattdessen eine rechteckige Leiterschleife (einen geschlossenen Rahmen) in ein Magnetfeld hineinbewegen?

Phase 1: Das Eintreten in das Magnetfeld

Wenn die Schleife beginnt, in das Magnetfeld einzutreten, befindet sich zunächst nur das vordere vertikale Leiterstück im Feld. Die Lorentzkraft drückt die Elektronen in diesem vorderen Stück nach unten. Dadurch entsteht eine messbare Induktionsspannung, genau wie bei unserem einzelnen Stab.

Leiterschleife tritt in Magnetfeld
Leiterschleife tritt in Magnetfeld

Phase 2: Vollständig im Magnetfeld

Sobald die Schleife komplett in das homogene Magnetfeld eingetaucht ist, ändert sich die Situation drastisch. Nun bewegen sich sowohl das vordere als auch das hintere vertikale Leiterstück durch das Feld. Die Lorentzkraft wirkt jetzt auf die Elektronen in beiden Stücken und drückt sie gleichermaßen nach unten.

Stell dir vor, du schaltest zwei identische Batterien rückwärts gegeneinander. Da an beiden Messpunkten der exakt gleiche Elektronenmangel (bzw. Elektronenüberschuss) entsteht, gibt es keinen Unterschied mehr zwischen den beiden Seiten. Ohne einen Unterschied (Potenzialdifferenz) gibt es auch keine Spannung. Die gemessene Gesamtspannung sinkt sofort auf null!

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 2

Aufgabe

Eine rechteckige Leiterschleife mit einer Breite von 0.1 m0.1 \text{ m} und einer Länge von 0.2 m0.2 \text{ m} wird mit einer konstanten Geschwindigkeit von 2 m/s2 \text{ m/s} in ein homogenes Magnetfeld der Stärke 0.5 T0.5 \text{ T} hineingezogen. Das Messgerät ist an den Enden der Schleife angeschlossen.

Berechne die gemessene Spannung, während das vordere Leiterstück in das Feld eintritt, und gib an, wie groß die Spannung ist, sobald die gesamte Schleife im Feld ist.

Fortschritt
2 / 2
  1. Schritt 1
    Spannung beim Eintreten berechnen

    Während die Schleife eintritt, wirkt nur das vordere Leiterstück (die Breite d=0.1 md = 0.1 \text{ m}) als bewegter Leiter. Gegeben: v=2 m/sv = 2 \text{ m/s}, B=0.5 TB = 0.5 \text{ T}, d=0.1 md = 0.1 \text{ m}. U=vBdU = v \cdot B \cdot d U=2 m/s0.5 T0.1 mU = 2 \text{ m/s} \cdot 0.5 \text{ T} \cdot 0.1 \text{ m} U=0.1 VU = 0.1 \text{ V}

  2. Schritt 2 · Ergebnis
    Spannung im vollständigen Magnetfeld bestimmen

    Sobald die gesamte Schleife im homogenen Magnetfeld ist, wirkt die Lorentzkraft auf beide vertikalen Leiterstücke gleichermaßen. Es entsteht keine Potenzialdifferenz mehr.

Ergebnis:

Die gemessene Spannung beträgt dann 0 V0 \text{ V}. Dass die Spannung auf null abfällt, sobald die Schleife komplett im Feld ist, entspricht genau dem theoretischen Prinzip der fehlenden Potenzialdifferenz.


Wichtige Erkenntnisse

  • Die Lorentzkraft verschiebt Elektronen in einem bewegten Leiter und erzeugt so eine Ladungstrennung.
  • Ein Kräftegleichgewicht zwischen Lorentzkraft und elektrischer Kraft führt zur Formel für die Induktionsspannung: U=vBdU = v \cdot B \cdot d.
  • Tritt eine Leiterschleife in ein Magnetfeld ein, wird nur so lange eine Spannung induziert, wie sich nur ein Teil der Schleife im Feld befindet.
  • Ist die Schleife vollständig im homogenen Magnetfeld, heben sich die Effekte auf beiden Seiten auf und die Spannung ist 0 V0 \text{ V}.

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Häufige Fragen

Was ist die Induktion durch die Lorentzkraft?

Die Induktion durch die Lorentzkraft entsteht, wenn sich ein elektrischer Leiter durch ein Magnetfeld bewegt. Die Lorentzkraft verschiebt die freien Elektronen im Leiter auf eine Seite, wodurch ein Elektronenüberschuss (Minuspol) und ein Elektronenmangel (Pluspol) entstehen. Diese Ladungstrennung erzeugt eine messbare elektrische Spannung, die sogenannte Induktionsspannung.

Wie berechnet man die Induktionsspannung in einem bewegten Leiter?

Du berechnest sie mit der Formel U = v · B · d. Dabei ist v die Geschwindigkeit des Leiters, B die magnetische Flussdichte des Magnetfelds und d die Länge des Leiters, der sich im Magnetfeld befindet. Wichtig ist, dass alle Werte in den Standardeinheiten Meter pro Sekunde, Tesla und Meter eingesetzt werden.

Warum ist die Spannung in einer geschlossenen Leiterschleife null?

Wenn sich eine Leiterschleife vollständig in einem homogenen Magnetfeld bewegt, wirkt die Lorentzkraft auf beide vertikalen Leiterstücke gleichermaßen. Es werden also auf beiden Seiten gleich viele Elektronen verschoben. Dadurch entsteht keine Potenzialdifferenz (kein Unterschied in der Ladung) zwischen den Enden der Schleife, und die gemessene Gesamtspannung sinkt sofort auf null.

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