Heisenbergsche Unschärferelation erklärt: Formel & Beispiele

Lerne, was die Heisenbergsche Unschärferelation in der Quantenphysik bedeutet, wie du die Orts- und Impulsunschärfe berechnest und warum Teilchen keine festen Bahnen haben.

📅 Aktualisiert 29. August 20265 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Heisenbergsche Unschärferelation erklärt: Formel & Beispiele

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Student thinking

Stell dir vor, du fährst mit dem Auto an einer Radarfalle vorbei. Die Polizei misst deine Geschwindigkeit extrem genau. In unserer Alltagswelt wissen sie nun exakt, wie schnell du warst und wo du geblitzt wurdest.

Auto an einer Radarfalle
Auto an einer Radarfalle

In der Welt der kleinsten Teilchen, der Quantenphysik, funktioniert das jedoch nicht. Wenn man die Geschwindigkeit eines Elektrons perfekt misst, verschwimmt sein Aufenthaltsort völlig. Das ist kein Fehler des Messgeräts, sondern ein fundamentales Gesetz des Universums: Die Heisenbergsche Unschärferelation. In diesem Artikel lernen wir, warum Teilchen keine festen Bahnen haben und wie wir diese Unschärfe berechnen können!

Vorwissen

  • Impuls ((p)): Die Wucht eines bewegten Körpers, berechnet aus Masse mal Geschwindigkeit.

    Formel: p=mvp = m \cdot v

    Beispiel: Ein Elektron mit Masse mem_{\text{e}} und Geschwindigkeit (v) hat den Impuls p=mevp = m_{\text{e}} \cdot v.

  • De-Broglie-Wellenlänge (λ\lambda): Bewegte Teilchen verhalten sich wie Wellen.

    Formel: λ=hp\lambda = \frac{h}{p} (wobei (h) das Plancksche Wirkungsquantum ist).

    Beispiel: Je schneller ein Elektron fliegt (größerer Impuls), desto kleiner ist seine Wellenlänge.

  • Beugung am Einzelspalt: Wenn eine Welle durch einen Spalt der Breite (d) tritt, fächert sie sich auf. Das erste Minimum liegt beim Winkel α\alpha.

    Formel: sin(α)=λd\sin(\alpha) = \frac{\lambda}{d}

    Beispiel: Ein schmalerer Spalt (kleines (d)) führt zu einer breiteren Auffächerung (größeres α\alpha).

Die statistische Natur der Quantenphysik

In der klassischen Physik nutzen wir oft Statistik, wenn uns Informationen fehlen. Wenn wir eine Münze werfen, sagen wir, die Chance auf 'Kopf' ist 50%. Das liegt aber nur daran, dass wir die genaue Kraft der Hand, den Luftwiderstand und den Winkel nicht kennen. Hätten wir all diese Daten, könnten wir das Ergebnis exakt berechnen. Die klassische Unschärfe entsteht also nur durch mangelndes Wissen oder Messfehler.

In der Quantenphysik ist das völlig anders. Nach der Wahrscheinlichkeitsinterpretation von Max Born ist die Natur im kleinsten Maßstab grundsätzlich statistisch.

Wenn wir den Ort oder den Impuls eines Elektrons messen, streuen die Ergebnisse. Wir können diese Streuung mit mathematischen Begriffen wie dem Mittelwert und der Standardabweichung beschreiben. Die Standardabweichung des Ortes nennen wir Ortsunscha¨rfe (Δx)\textcolor{#08BFFF}{\text{Ortsunschärfe } (\Delta x)} und die des Impulses Impulsunscha¨rfe (Δp)\textcolor{#9570FF}{\text{Impulsunschärfe } (\Delta p)}.

Das Revolutionäre daran ist: Diese Unschärfe verbirgt keinen 'wahren' Ort oder 'wahren' Impuls. Ein Quantenobjekt besitzt schlichtweg nicht gleichzeitig einen exakten Ort und einen exakten Impuls. Es ist eine Eigenschaft der Natur, kein Fehler unseres Messgeräts.

Abschätzung der Unschärfe am Einzelspalt

Wir können diese fundamentale Unschärfe sehr gut abschätzen, indem wir Elektronen durch einen Einzelspalt schießen.

Wenn ein Elektron durch einen Spalt der Breite (d) fliegt, wissen wir in diesem Moment ziemlich genau, wo es sich befindet. Die Spaltbreite ist also unsere Ortsunschärfe: (\textcolor{#08BFFF}{\Delta x} = d).

Da sich Elektronen wie Wellen verhalten, werden sie am Spalt gebeugt. Sie fliegen nicht alle geradeaus weiter, sondern streuen in einen Winkelbereich (\alpha). Durch diese Ablenkung erhalten die Elektronen plötzlich einen Impuls zur Seite (Transversalimpuls). Die Breite dieser Streuung ist unsere Impulsunschärfe ((\Delta p_x)).

Elektronenbeugung am Einzelspalt
Elektronenbeugung am Einzelspalt

Aus der Geometrie der Ablenkung wissen wir, dass der Winkel mit dem seitlichen Impuls zusammenhängt: (\sin(\alpha) = \frac{\textcolor{#9570FF}{\Delta p_x}}{p}).

Aus der Wellenlehre kennen wir die Formel für das erste Beugungsminimum: (\sin(\alpha) = \frac{\lambda}{\textcolor{#08BFFF}{d}}).

Da beide Gleichungen (\sin(\alpha)) beschreiben, können wir sie gleichsetzen:

(\frac{\textcolor{#9570FF}{\Delta p_x}}{p} = \frac{\lambda}{\textcolor{#08BFFF}{d}})

Nun ersetzen wir die Wellenlänge (\lambda) durch die De-Broglie-Gleichung ((\lambda = \frac{h}{p})):

(\frac{\textcolor{#9570FF}{\Delta p_x}}{p} = \frac{h}{p \cdot \textcolor{#08BFFF}{d}})

Wenn wir auf beiden Seiten mit (p) multiplizieren, kürzt sich der Gesamtimpuls weg:

(\textcolor{#9570FF}{\Delta p_x} = \frac{h}{\textcolor{#08BFFF}{d}})

Da unsere Spaltbreite (\textcolor{#08BFFF}{d}) genau der Ortsunschärfe (\textcolor{#08BFFF}{\Delta x}) entspricht, erhalten wir durch Umstellen unsere berühmte Näherung:

(\textcolor{#08BFFF}{\Delta x} \cdot \textcolor{#9570FF}{\Delta p_x} \approx h)

Das bedeutet: Je kleiner wir den Spalt machen (kleines (\textcolor{#08BFFF}{\Delta x})), desto stärker fächert der Strahl auf (großes (\textcolor{#9570FF}{\Delta p_x})). Man kann niemals beide Werte gleichzeitig beliebig klein machen.

Die exakte Formel und der Verlust der Teilchenbahn

Die Abschätzung am Einzelspalt liefert uns eine gute Näherung. Die exakte mathematische Formulierung, die Werner Heisenberg fand, ist noch etwas präziser.

Merksatz zur Heisenbergschen Unschärferelation: Es ist grundsätzlich nicht möglich, Quantenobjekte in einen Zustand zu bringen, in dem das Produkt aus Ortsunschärfe und Impulsunschärfe kleiner ist als h4π\frac{h}{4\pi}.

Exakte Formel: ΔxΔpxh4π\textcolor{#08BFFF}{\Delta x} \cdot \textcolor{#9570FF}{\Delta p_{\text{x}}} \ge \frac{h}{4\pi}

Diese Formel hat eine dramatische Konsequenz für unser Verständnis der Physik: Das Konzept einer klassischen Teilchenbahn verliert seine Gültigkeit.

In der klassischen Mechanik (z.B. bei einem geworfenen Ball oder einem Planeten) ist eine 'Bahn' (Trajektorie) dadurch definiert, dass wir zu jedem Zeitpunkt exakt wissen, wo das Objekt ist (Ort) und wohin es sich wie schnell bewegt (Impuls). Da die Unschärferelation verbietet, beide Werte gleichzeitig exakt zu kennen, existiert so etwas wie eine feste Flugbahn für ein Elektron schlichtweg nicht.

Warum sehen wir das im Alltag nicht?

Wenn Elektronen keine festen Bahnen haben, warum erzeugt dann eine alte Elektronenstrahlröhre (wie in alten Röhrenfernsehern) ein perfektes, scharfes Bild? Müssten die Elektronen nicht wild umherstreuen?

Der Grund liegt in den Größenordnungen. Die quantenmechanische Unschärfe ist so unvorstellbar klein, dass sie sich auf makroskopischen Distanzen (wie den 20 Zentimetern in einem Fernseher) kaum bemerkbar macht. Die seitliche Abweichung (Verbreiterung) des Strahls über die kurze Flugzeit ist so winzig, dass sie technisch nicht messbar ist. Daher scheint das Elektron einer klaren, deterministischen Bahn zu folgen, obwohl es auf mikroskopischer Ebene der Unschärferelation unterliegt.

Aufgabentyp 1: Berechnung der quantenmechanischen Strahlaufweitung

Um zu beweisen, wie klein die Unschärfe im Alltag ist, können wir die Aufweitung eines Strahls berechnen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Ortsunschärfe bestimmen: Identifiziere die Breite, auf die der Strahl gebündelt wird. Das ist dein Δx\textcolor{#08BFFF}{\Delta x}.
  2. Impulsunschärfe berechnen: Nutze die Heisenbergsche Unschärferelation, um die minimale Streuung des Impulses zur Seite zu berechnen: Δpx=h4πΔx\textcolor{#9570FF}{\Delta p_{\text{x}}} = \frac{h}{4\pi \cdot \textcolor{#08BFFF}{\Delta x}}.
  3. Geschwindigkeitsunschärfe berechnen: Teile die Impulsunschärfe durch die Masse des Teilchens, um die seitliche Geschwindigkeitsunschärfe zu erhalten: Δvx=Δpxm\Delta v_{\text{x}} = \frac{\textcolor{#9570FF}{\Delta p_{\text{x}}}}{m}.
  4. Flugzeit berechnen: Berechne, wie lange das Teilchen bis zum Ziel fliegt (t=Lvyt = \frac{L}{v_{\text{y}}}).
  5. Makroskopische Aufweitung berechnen: Multipliziere die seitliche Geschwindigkeitsunschärfe mit der Flugzeit (b=Δvxtb = \Delta v_{\text{x}} \cdot t).

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

In einer Elektronenstrahlröhre wird ein Elektronenstrahl an der Anode auf eine Breite von 0.1 mm0.1 \text{ mm} gebündelt. Die Beschleunigungsspannung beträgt 1 kV1 \text{ kV}. Der Schirm ist L=20 cmL = 20 \text{ cm} entfernt. Berechne die quantenmechanische Verbreiterung des Strahls auf dem Schirm und bewerte das Ergebnis. (Nutze h=6.61034 J sh = 6.6 \cdot 10^{-34} \text{ J s}, me=9.11031 kgm_{\text{e}} = 9.1 \cdot 10^{-31} \text{ kg}, e=1.61019 Ce = 1.6 \cdot 10^{-19} \text{ C}).

Fortschritt
5 / 5
  1. Schritt 1
    Ortsunschärfe bestimmen

    Die Bündelung des Strahls gibt uns die Ortsunschärfe vor: Δx=0.1 mm=0.1103 m\textcolor{#08BFFF}{\Delta x} = 0.1 \text{ mm} = 0.1 \cdot 10^{-3} \text{ m}

  2. Schritt 2
    Impulsunschärfe berechnen

    Wir stellen die Unschärferelation um: Δpx=h4πΔx\textcolor{#9570FF}{\Delta p_{\text{x}}} = \frac{h}{4\pi \cdot \textcolor{#08BFFF}{\Delta x}} Δpx=6.61034 kg m2/s4π0.1103 m\textcolor{#9570FF}{\Delta p_{\text{x}}} = \frac{6.6 \cdot 10^{-34} \text{ kg m}^{2}\text{/s}}{4\pi \cdot \textcolor{#08BFFF}{0.1 \cdot 10^{-3} \text{ m}}} Δpx5.31031 kg m/s\textcolor{#9570FF}{\Delta p_{\text{x}}} \approx \textcolor{#9570FF}{5.3 \cdot 10^{-31} \text{ kg m/s}}

  3. Schritt 3
    Geschwindigkeitsunschärfe berechnen

    Wir teilen durch die Elektronenmasse, um die seitliche Geschwindigkeit zu finden: Δvx=Δpxme\Delta v_{\text{x}} = \frac{\textcolor{#9570FF}{\Delta p_{\text{x}}}}{m_{\text{e}}} Δvx=5.31031 kg m/s9.11031 kg\Delta v_{\text{x}} = \frac{\textcolor{#9570FF}{5.3 \cdot 10^{-31} \text{ kg m/s}}}{9.1 \cdot 10^{-31} \text{ kg}} Δvx0.58 m/s\Delta v_{\text{x}} \approx 0.58 \text{ m/s}

  4. Schritt 4
    Flugzeit berechnen

    Zuerst berechnen wir die Vorwärtsgeschwindigkeit vyv_{\text{y}} durch die Spannung von 1000 V1000 \text{ V}: vy=2eUmev_{\text{y}} = \sqrt{\frac{2 \cdot e \cdot U}{m_{\text{e}}}} vy=21.61019 C1000 V9.11031 kgv_{\text{y}} = \sqrt{\frac{2 \cdot 1.6 \cdot 10^{-19} \text{ C} \cdot 1000 \text{ V}}{9.1 \cdot 10^{-31} \text{ kg}}} vy1.9107 m/sv_{\text{y}} \approx 1.9 \cdot 10^{7} \text{ m/s}

    Nun berechnen wir die Zeit für die Strecke L=0.2 mL = 0.2 \text{ m}: t=Lvy=0.2 m1.9107 m/s1.1108 st = \frac{L}{v_{\text{y}}} = \frac{0.2 \text{ m}}{1.9 \cdot 10^{7} \text{ m/s}} \approx 1.1 \cdot 10^{-8} \text{ s}

  5. Schritt 5 · Ergebnis
    Makroskopische Aufweitung berechnen

    Die Verbreiterung bb ist die seitliche Geschwindigkeit mal die Flugzeit: b=Δvxtb = \Delta v_{\text{x}} \cdot t b=0.58 m/s1.1108 sb = 0.58 \text{ m/s} \cdot 1.1 \cdot 10^{-8} \text{ s} b6109 mb \approx 6 \cdot 10^{-9} \text{ m}

Ergebnis:

Die quantenmechanische Verbreiterung des Strahls auf dem Schirm beträgt ca. 6109 m6 \cdot 10^{-9} \text{ m} (oder 6 nm6 \text{ nm}). Diese Verbreiterung liegt im Nanometerbereich und ist damit viel kleiner als die ursprüngliche Strahlbreite von 0.1 mm0.1 \text{ mm}. Sie ist makroskopisch absolut nicht nachweisbar. Deshalb scheint das Elektron einer perfekten Bahn zu folgen.

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Quantenphysik ist von Natur aus statistisch. Unschärfe entsteht nicht durch schlechte Messgeräte, sondern ist eine fundamentale Eigenschaft der Teilchen.
  • Je genauer der Ort (Δx\textcolor{#08BFFF}{\Delta x}) eines Teilchens bestimmt ist, desto ungenauer wird sein Impuls (Δpx\textcolor{#9570FF}{\Delta p_{\text{x}}}) – und umgekehrt.
  • Heisenbergsche Unschärferelation: ΔxΔpxh4π\textcolor{#08BFFF}{\Delta x} \cdot \textcolor{#9570FF}{\Delta p_{\text{x}}} \ge \frac{h}{4\pi}.
  • Wegen dieser Unschärfe gibt es in der Quantenphysik keine klassischen Teilchenbahnen.
  • Im Alltag (makroskopische Welt) bemerken wir diese Unschärfe nicht, da die Auswirkungen (z.B. die Strahlaufweitung) extrem winzig sind.

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Häufige Fragen

Was ist die Heisenbergsche Unschärferelation?

Die Heisenbergsche Unschärferelation ist ein fundamentales Gesetz der Quantenphysik. Sie besagt, dass man den Ort und den Impuls (die Geschwindigkeit) eines Teilchens niemals gleichzeitig beliebig genau bestimmen kann. Je genauer du den Ort misst, desto ungenauer wird der Impuls – und umgekehrt.

Warum haben Elektronen keine festen Bahnen?

Für eine feste Bahn (Trajektorie) wie bei einem geworfenen Ball müsstest du zu jedem Zeitpunkt exakt wissen, wo das Elektron ist und wohin es sich bewegt. Da die Unschärferelation genau das verbietet, verliert das Konzept einer klassischen Teilchenbahn in der Quantenphysik seine Gültigkeit.

Wie lautet die Formel der Heisenbergschen Unschärferelation?

Die exakte Formel lautet Δx · Δp ≥ h / (4π). Dabei ist Δx die Ortsunschärfe, Δp die Impulsunschärfe und h das Plancksche Wirkungsquantum. Das Produkt der beiden Unschärfen kann also niemals kleiner als dieser feste Wert werden.

Warum bemerken wir die Unschärfe im Alltag nicht?

Die quantenmechanische Unschärfe ist extrem klein, da das Plancksche Wirkungsquantum h winzig ist. Bei makroskopischen Objekten wie einem Auto oder sogar bei Elektronen in einem alten Röhrenfernseher sind die Abweichungen so gering, dass sie technisch kaum messbar sind. Daher scheinen sich Objekte im Alltag auf perfekten Bahnen zu bewegen.

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