Die Differentialgleichung eines Federpendels einfach erklärt

Wie stellt man die Differentialgleichung für ein Federpendel auf? Hier lernst du die Herleitung aus den Newtonschen und Hookeschen Gesetzen.

📅 Aktualisiert 28. August 20264 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion
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Die Differentialgleichung eines Federpendels einfach erklärt

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Student thinking

Stell dir vor, du beobachtest ein Gewicht, das an einer Feder auf und ab wippt. Wenn du genau vorhersagen möchtest, wo sich das Gewicht in exakt 3,5 Sekunden befindet, brauchst du mehr als nur eine einfache Formel – du brauchst den mathematischen Code dieser Bewegung.

Gewicht an einer Feder
Gewicht an einer Feder

In der Physik nutzen wir dafür die Differentialgleichung eines Federpendels. Das klingt kompliziert, ist aber eigentlich nur ein Rätsel: Wir suchen keine einzelne Zahl als Lösung (wie x=5x = 5), sondern eine komplette Funktion, die die gesamte Bewegung wie ein Film beschreibt. In dieser Lektion lernst du, wie man dieses Rätsel für ein Federpendel aufstellt und löst!

Vorwissen

  • Zweites Newtonsches Gesetz: Kraft ist Masse mal Beschleunigung.

    Formel: F=maF = m \cdot a

    Beispiel: Um ein 2 kg2 \text{ kg} schweres Auto mit 3 m/s23 \text{ m/s}^{2} zu beschleunigen, braucht man 6 N6 \text{ N} Kraft.

  • Hookesches Gesetz (Lineares Kraftgesetz): Die Rückstellkraft einer Feder hängt von ihrer Härte und der Auslenkung ab. Das Minus zeigt, dass die Kraft zurück zur Mitte zieht.

    Formel: F=DsF = -D \cdot s

    Beispiel: Zieht man eine Feder (D=10 N/mD = 10 \text{ N/m}) um 0,5 m0,5 \text{ m} nach unten, zieht sie mit 5 N5 \text{ N} nach oben.

  • Ableitungen in der Physik: Die Geschwindigkeit v(t)v(t) ist die erste Ableitung des Ortes s(t)s(t). Die Beschleunigung a(t)a(t) ist die zweite Ableitung.

    Schreibweise: v(t)=s˙(t)v(t) = \dot{s}(t) und a(t)=s¨(t)a(t) = \ddot{s}(t)

    Beispiel: Wenn der Ort s(t)=5t2s(t) = 5t^2 ist, dann ist die Beschleunigung s¨(t)=10\ddot{s}(t) = 10.

Aufgabentyp 1: Aufstellen der Differentialgleichung

Um die Bewegung eines Federpendels zu beschreiben, betrachten wir die wirkenden Kräfte. Wir haben zwei verschiedene physikalische Gesetze, die exakt dieselbe Kraft beschreiben:

  1. Die Ursache der Bewegung (Hooke): Die Feder zieht die Masse zurück. Diese Kraft hängt von der Federhärte und der Auslenkung ab: F=Ds(t)F = -\textcolor{#9570FF}{D} \cdot \textcolor{#53E5D6}{s(t)}.

  2. Die Wirkung der Bewegung (Newton): Jede Kraft führt dazu, dass eine Masse beschleunigt wird: F=ma(t)F = \textcolor{#08BFFF}{m} \cdot a(t).

Kräfte am Federpendel
Kräfte am Federpendel

Da beide Formeln dieselbe Kraft an der Feder beschreiben, können wir sie einfach gleichsetzen:

ma(t)=Ds(t)\textcolor{#08BFFF}{m} \cdot a(t) = -\textcolor{#9570FF}{D} \cdot \textcolor{#53E5D6}{s(t)}

Nun kommt der entscheidende Schritt: Wir wissen aus dem Vorwissen, dass die Beschleunigung a(t)a(t) nichts anderes ist als die zweite zeitliche Ableitung des Ortes, also s¨(t)\ddot{s}(t). Wir ersetzen a(t)a(t):

ms¨(t)=Ds(t)\textcolor{#08BFFF}{m} \cdot \ddot{s}(t) = -\textcolor{#9570FF}{D} \cdot \textcolor{#53E5D6}{s(t)}

Was bedeutet diese Gleichung?

Das ist unsere Differentialgleichung. Sie ist keine normale Gleichung, bei der man am Ende x=3x = 3 herausbekommt. Sie stellt eine Bedingung an eine Funktion: „Suche mir eine Funktion s(t)\textcolor{#53E5D6}{s(t)}, die, wenn ich sie zweimal ableite (s¨(t)\ddot{s}(t)) und mit m\textcolor{#08BFFF}{m} multipliziere, genau dasselbe ergibt, als würde ich die ursprüngliche Funktion mit -D\textcolor{#9570FF}{D} multiplizieren.“

Aufgabentyp 2: Überprüfung der Lösung und Herleitung der Periodenformel

Wie lösen wir dieses Rätsel? Wir wissen, dass ein Pendel harmonisch schwingt. Daher raten wir einfach, dass die Lösung eine Sinusfunktion ist:

s(t)=Asin(ωt)\textcolor{#53E5D6}{s(t)} = A \cdot \sin(\omega \cdot t)

Um zu prüfen, ob das stimmt, müssen wir diese Funktion zweimal ableiten. Dabei müssen wir die Kettenregel beachten (die innere Ableitung von ωt\omega \cdot t ist ω\omega):

  1. Ableitung (Geschwindigkeit): s˙(t)=Aωcos(ωt)\dot{s}(t) = A \cdot \omega \cdot \cos(\omega \cdot t)

  2. Ableitung (Beschleunigung): s¨(t)=Aω2sin(ωt)\ddot{s}(t) = -A \cdot \omega^2 \cdot \sin(\omega \cdot t)

Wenn wir genau hinsehen, erkennen wir unsere ursprüngliche Funktion s(t)\textcolor{#53E5D6}{s(t)} in der zweiten Ableitung wieder (denn Asin(ωt)A \cdot \sin(\omega \cdot t) ist ja s(t)\textcolor{#53E5D6}{s(t)}). Wir können also kürzer schreiben:

s¨(t)=ω2s(t)\ddot{s}(t) = -\omega^2 \cdot \textcolor{#53E5D6}{s(t)}

Sinusfunktion und Ableitungen
Sinusfunktion und Ableitungen

Nun setzen wir diese Erkenntnis in unsere Differentialgleichung (ms¨(t)=Ds(t)\textcolor{#08BFFF}{m} \cdot \ddot{s}(t) = -\textcolor{#9570FF}{D} \cdot \textcolor{#53E5D6}{s(t)}) ein:

m(ω2s(t))=Ds(t)\textcolor{#08BFFF}{m} \cdot (-\omega^2 \cdot \textcolor{#53E5D6}{s(t)}) = -\textcolor{#9570FF}{D} \cdot \textcolor{#53E5D6}{s(t)}

Da s(t)\textcolor{#53E5D6}{s(t)} und das Minuszeichen auf beiden Seiten stehen, können wir sie wegkürzen. Es bleibt:

mω2=D\textcolor{#08BFFF}{m} \cdot \omega^2 = \textcolor{#9570FF}{D}

Damit haben wir bewiesen: Die Sinusfunktion ist tatsächlich die richtige Lösung, aber nur, wenn diese Bedingung erfüllt ist!

Aus dieser Bedingung können wir nun die Formel für die Periodendauer TT (die Zeit für eine volle Schwingung) herleiten. Wir lösen zuerst nach ω\omega auf:

ω2=Dm\omega^2 = \frac{\textcolor{#9570FF}{D}}{\textcolor{#08BFFF}{m}}

ω=Dm\omega = \sqrt{\frac{\textcolor{#9570FF}{D}}{\textcolor{#08BFFF}{m}}}

Wir wissen aus dem Zeigermodell, dass ω=2πT\omega = \frac{2\pi}{T} ist. Das setzen wir ein:

2πT=Dm\frac{2\pi}{T} = \sqrt{\frac{\textcolor{#9570FF}{D}}{\textcolor{#08BFFF}{m}}}

Um TT nach oben zu bekommen, drehen wir auf beiden Seiten die Brüche um (Kehrwert bilden):

T2π=mD\frac{T}{2\pi} = \sqrt{\frac{\textcolor{#08BFFF}{m}}{\textcolor{#9570FF}{D}}}

Zuletzt multiplizieren wir mit 2π2\pi und erhalten die berühmte Formel für die Periodendauer:

T=2πmDT = 2\pi \cdot \sqrt{\frac{\textcolor{#08BFFF}{m}}{\textcolor{#9570FF}{D}}}

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Funktion und Differentialgleichung notieren: Schreibe die gegebene Funktion s(t)s(t) und die zugehörige Differentialgleichung (z.B. ms¨(t)=Ds(t)m \cdot \ddot{s}(t) = -D \cdot s(t)) übersichtlich auf.
  2. Zweimal ableiten: Bilde die erste Ableitung s˙(t)\dot{s}(t) und danach die zweite Ableitung s¨(t)\ddot{s}(t). Vergiss dabei die Kettenregel (innere Ableitung) nicht!
  3. In die Gleichung einsetzen: Ersetze in der Differentialgleichung das s¨(t)\ddot{s}(t) durch dein Ergebnis aus Schritt 2. Ersetze das s(t)s(t) durch die ursprüngliche Funktion.
  4. Vereinfachen und Vergleichen: Kürze alles weg, was auf beiden Seiten gleich ist (meistens die Sinus- oder Kosinusfunktion). Wenn am Ende eine wahre Aussage (wie mω2=Dm \cdot \omega^2 = D) übrig bleibt, hast du die Lösung erfolgreich bewiesen.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Ein Federpendel besteht aus einer Masse von m=0,5 kgm = 0{,}5 \text{ kg} und einer Feder mit der Federhärte D=18 N/mD = 18 \text{ N/m}. Das Pendel wird um A=0,2 mA = 0{,}2 \text{ m} ausgelenkt und losgelassen.

  1. Berechne die Periodendauer TT.
  2. Stelle die konkrete Lösungsfunktion s(t)s(t) für diese Schwingung auf.
Fortschritt
2 / 2
  1. Schritt 1
    Periodendauer berechnen

    Gegeben: m=0,5 kg\textcolor{#08BFFF}{m} = 0{,}5 \text{ kg}, D=18 N/m\textcolor{#9570FF}{D} = 18 \text{ N/m}

    Wir nutzen die hergeleitete Formel für die Periodendauer:

    T=2πmDT = 2\pi \cdot \sqrt{\frac{\textcolor{#08BFFF}{m}}{\textcolor{#9570FF}{D}}}

    Wir setzen die Werte ein:

    T=2π0,5 kg18 N/mT = 2\pi \cdot \sqrt{\frac{0{,}5 \text{ kg}}{18 \text{ N/m}}}

    T=2π0,0277 s2T = 2\pi \cdot \sqrt{0{,}0277 \text{ s}^{2}}

    T2π0,166 sT \approx 2\pi \cdot 0{,}166 \text{ s}

    T1,05 sT \approx 1{,}05 \text{ s}

  2. Schritt 2 · Ergebnis
    Konkrete Lösungsfunktion aufstellen

    Die allgemeine Form der Lösung lautet: s(t)=Asin(ωt)s(t) = A \cdot \sin(\omega \cdot t).

    Wir kennen bereits die Amplitude A=0,2 mA = 0{,}2 \text{ m}. Uns fehlt noch die Winkelgeschwindigkeit ω\omega.

    Wir wissen: ω=2πT\omega = \frac{2\pi}{T}

    ω=2π1,05 s6 1/s\omega = \frac{2\pi}{1{,}05 \text{ s}} \approx 6 \text{ 1/s}

    Nun setzen wir AA und ω\omega in die allgemeine Gleichung ein.

Ergebnis:

Die Periodendauer beträgt ca. 1,05 s1{,}05 \text{ s}. Die konkrete Lösungsfunktion für dieses Pendel lautet: s(t)=0,2 msin(6 1/st)s(t) = 0{,}2 \text{ m} \cdot \sin(6 \text{ 1/s} \cdot t). Eine Periodendauer von rund einer Sekunde für ein halbes Kilo an einer normalen Feder ist physikalisch sehr realistisch.

Wichtige Erkenntnisse

  • Eine Differentialgleichung verknüpft eine Funktion mit ihren eigenen Ableitungen. Die Lösung ist immer eine Funktion, keine einzelne Zahl.
  • Die Differentialgleichung des Federpendels lautet: ms¨(t)=Ds(t)\textcolor{#08BFFF}{m} \cdot \ddot{s}(t) = -\textcolor{#9570FF}{D} \cdot \textcolor{#53E5D6}{s(t)}. Sie entsteht durch das Gleichsetzen von Newton (F=maF=m \cdot a) und Hooke (F=DsF=-D \cdot s).
  • Die Schwingungsgleichung s(t)=Asin(ωt)\textcolor{#53E5D6}{s(t)} = A \cdot \sin(\omega \cdot t) ist die Lösung dieser Differentialgleichung.
  • Die Periodendauer eines Federpendels hängt nur von der Masse und der Federhärte ab, nicht von der Auslenkung: T=2πmDT = 2\pi \cdot \sqrt{\frac{\textcolor{#08BFFF}{m}}{\textcolor{#9570FF}{D}}}.

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Häufige Fragen

Was ist die Differentialgleichung eines Federpendels?

Die Differentialgleichung eines Federpendels lautet m · s̈(t) = -D · s(t). Sie verknüpft die Funktion des Ortes mit ihrer eigenen zweiten Ableitung (der Beschleunigung) und beschreibt die gesamte harmonische Schwingung der Masse an der Feder.

Wie leitet man die Differentialgleichung für das Federpendel her?

Du setzt zwei physikalische Gesetze gleich: Das Newtonsche Gesetz (F = m · a) für die beschleunigende Kraft und das Hookesche Gesetz (F = -D · s) für die Rückstellkraft der Feder. Da die Beschleunigung a die zweite Ableitung des Ortes s̈(t) ist, ergibt sich m · s̈(t) = -D · s(t).

Wovon hängt die Periodendauer eines Federpendels ab?

Die Periodendauer T hängt nur von der Masse m und der Federhärte D ab. Die Formel lautet T = 2π · √(m/D). Die Auslenkung (Amplitude) spielt für die Dauer einer vollen Schwingung keine Rolle.

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