Darstellung von Wellen einfach erklärt: Formel & Graph
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Stell dir vor, du bist in einem Fußballstadion und eine riesige La-Ola-Welle rollt auf dich zu. Um genau im richtigen Moment aufzuspringen, musst du zwei Dinge wissen: Wann hat die Welle auf der anderen Seite des Stadions gestartet? Und wie weit bist du von diesem Startpunkt entfernt?

Genau diese beiden Fragen beantwortet die Mathematik der Wellen. In diesem Thema lernst du, wie man mit einer einzigen Formel – und mit cleveren grafischen Diagrammen – den genauen Zustand jedes Punktes einer Welle zu jeder beliebigen Zeit vorhersagen kann. So wird die mathematische und grafische Darstellung von Wellen greifbar.
Vorwissen
- Amplitude (): Die maximale Auslenkung aus der Ruhelage. Beispiel: Eine Wasserwelle, die hoch über den normalen Wasserspiegel steigt, hat eine Amplitude von .
- Periodendauer (): Die Zeit, die für eine komplette Schwingung (einmal hoch und runter) benötigt wird. Beispiel: Ein Pendel, das für ein Hin- und Herschwingen braucht, hat .
- Wellenlänge (): Der räumliche Abstand zwischen zwei benachbarten Wellenbergen. Beispiel: Der Abstand zwischen zwei Schaumkronen auf dem Meer beträgt .
Aufgabentyp 1: Die harmonische Wellengleichung
Eine Welle ist im Grunde eine Kettenreaktion von vielen einzelnen Schwingern. Wenn du an einem langen Seil wackelst, schwingt deine Hand auf und ab. Diese Bewegung breitet sich über das Seil aus.
Um die Auslenkung (also wie hoch oder tief das Seil gerade ist) an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit zu berechnen, nutzen wir die harmonische Wellengleichung:
Diese Formel sieht kompliziert aus, besteht aber aus logischen Bausteinen:
- Der Zeit-Teil (): Dieser Teil beschreibt, wie oft die Quelle (deine Hand) schon geschwungen hat. Wenn genau so groß ist wie die Periodendauer , ist genau eine Schwingung vorbei.
- Der Orts-Teil (): Ein Punkt, der weiter weg ist (größeres ), bekommt die Bewegung erst später zu spüren. Er hinkt hinterher. Deshalb wird dieser Teil in der Klammer abgezogen (Minuszeichen). Er beschreibt die Phasenverschiebung durch die räumliche Entfernung.

Mit dieser Gleichung kannst du für jeden beliebigen Ort auf dem Seil ausrechnen, wo es sich in genau diesem Moment befindet.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Kenngrößen identifizieren: Notiere dir die Amplitude (), die Periodendauer () und die Wellenlänge () der Welle.
- Ort und Zeit festlegen: Bestimme, für welchen Ort () und für welchen Zeitpunkt () du die Auslenkung berechnen sollst.
- Werte in die Wellengleichung einsetzen: Setze alle Zahlen in die Formel ein: .
- Klammer ausrechnen und Sinus anwenden: Berechne zuerst den Wert in der inneren runden Klammer, multipliziere dann mit . Wichtig: Da wir mit rechnen, muss dein Taschenrechner unbedingt auf Bogenmaß (RAD) eingestellt sein, nicht auf Grad (DEG)!
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Eine harmonische Welle breitet sich auf einem langen Gummiseil aus. Die Amplitude beträgt , die Periodendauer ist und die Wellenlänge beträgt . Berechne die Auslenkung des Seils an der Stelle zum Zeitpunkt .
- Schritt 1Kenngrößen identifizieren
Gegeben: , , .
- Schritt 2Ort und Zeit festlegen
Gegeben: , .
- Schritt 3Werte in die Wellengleichung einsetzen
- Schritt 4 · ErgebnisKlammer ausrechnen und Sinus anwenden
Die Einheiten in den Brüchen kürzen sich weg: (Achtung: Taschenrechner auf RAD stellen!)
Die Auslenkung des Seils an der Stelle beträgt zum Zeitpunkt genau . Das Seil befindet sich dort also gerade auf einem Wellenberg. Realitätscheck: Das Ergebnis ist positiv und entspricht genau der Amplitude. Das macht Sinn, da der Sinuswert maximal werden kann.
Aufgabentyp 2: Zeiger- und Sinuskurvendarstellungen
Neben der Formel gibt es zwei grafische Methoden, um Wellen zu analysieren:
1. Das Zeigerdiagramm (Phasor) Stell dir vor, du betrachtest nur einen einzigen Punkt auf dem Seil. Anstatt eine ganze Welle zu zeichnen, können wir den Zustand dieses Punktes als einen rotierenden Pfeil (Zeiger) in einem Kreis darstellen.
- Die Länge des Pfeils entspricht der Amplitude .
- Der Winkel des Pfeils zeigt die aktuelle Phase an (also wo in der Schwingung sich der Punkt gerade befindet). Eine volle Umdrehung des Pfeils ( oder ) entspricht genau einer vollen Periodendauer .

Wenn du zwei verschiedene Punkte auf der Welle betrachtest, die einen Abstand zueinander haben, zeigen ihre Pfeile in unterschiedliche Richtungen. Das nennt man Phasendifferenz. Ist der Abstand jedoch genau ein Vielfaches der Wellenlänge (z.B. , ), zeigen beide Pfeile in exakt dieselbe Richtung. Sie schwingen im gleichen Takt (sie sind „in Phase").
2. Die Sinuskurvendarstellung (z.B. auf dem Oszilloskop) Ein Oszilloskop zeigt, wie sich ein Signal über die Zeit verändert. Wenn du zwei Signale vergleichst, siehst du oft, dass sie zeitlich verschoben sind. Diese Zeitdifferenz nennen wir .

Aus dieser Zeitdifferenz kannst du die Phasenverschiebung berechnen. Du musst nur herausfinden, welchen Anteil einer vollen Schwingung diese Verspätung ausmacht. Das Verhältnis verrät dir genau diesen Anteil.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Werte aus dem Diagramm ablesen: Lies die Periodendauer () einer vollen Welle und die zeitliche Verschiebung () zwischen den beiden Wellen ab.
- Den Anteil berechnen: Teile die Zeitdifferenz durch die Periodendauer: . Das Ergebnis sagt dir, wie viel Prozent einer vollen Schwingung die Welle verschoben ist.
- In einen Winkel umrechnen: Multipliziere diesen Anteil mit einer vollen Umdrehung. Für das Bogenmaß multiplizierst du mit . (Falls nach Grad gefragt ist, multiplizierst du mit ).
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 2
Auf einem Oszilloskop werden zwei Schallwellen angezeigt. Eine volle Schwingung dauert . Die zweite Welle ist gegenüber der ersten um verzögert. Berechne die Phasenverschiebung im Bogenmaß.
- Schritt 1Werte aus dem Diagramm ablesen
Gegeben: , .
- Schritt 2Den Anteil berechnen
Anteil = Anteil = Anteil = (oder ) Die Welle ist also um genau ein Viertel einer vollen Schwingung verschoben.
- Schritt 3 · ErgebnisIn einen Winkel umrechnen
Phasenverschiebung = Anteil Phasenverschiebung = Phasenverschiebung =
Die Phasenverschiebung zwischen den beiden Wellen beträgt (was einem Winkel von im Zeigerdiagramm entspricht).
Wichtige Erkenntnisse
- Die Wellengleichung kombiniert die zeitliche Schwingung () und die räumliche Verspätung ().
- Beim Rechnen mit der Wellengleichung muss der Taschenrechner auf Bogenmaß (RAD) stehen.
- Im Zeigerdiagramm entspricht die Länge des Pfeils der Amplitude und der Winkel der aktuellen Phase.
- Eine zeitliche Verzögerung führt zu einer Phasenverschiebung. Der Anteil der Verschiebung ist .
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Häufige Fragen
Was sind mathematische und grafische Darstellungen von Wellen?
Die mathematische Darstellung von Wellen nutzt Formeln wie die harmonische Wellengleichung, um die Auslenkung an jedem Ort und zu jeder Zeit zu berechnen. Die grafische Darstellung erfolgt oft über Zeigerdiagramme oder Sinuskurven auf einem Oszilloskop, um Phasen und Amplituden visuell greifbar zu machen.
Wie funktioniert das Zeigerdiagramm bei Wellen?
Im Zeigerdiagramm (auch Phasor genannt) wird der Zustand eines Punktes auf der Welle als rotierender Pfeil dargestellt. Die Länge des Pfeils entspricht der Amplitude, während der Winkel die aktuelle Phase der Schwingung anzeigt. Eine volle Umdrehung entspricht einer Periodendauer.
Wie berechnet man die Phasenverschiebung aus der Zeitdifferenz?
Um die Phasenverschiebung zu berechnen, teilst du zunächst die zeitliche Verzögerung Δt durch die Periodendauer T. Diesen Anteil multiplizierst du anschließend mit 2π für das Bogenmaß oder mit 360° für Grad. So erhältst du den genauen Winkel der Verschiebung.
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