Allgemeine Wellentheorie und Mathematik einfach erklärt
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Hast du schon einmal eine La-Ola-Welle in einem Fußballstadion gesehen? Die Welle wandert durch das gesamte Stadion, aber die einzelnen Fans verlassen ihre Sitzplätze nicht – sie stehen nur kurz auf und setzen sich wieder hin.

Genau so funktionieren Wellen in der Physik! In dieser Lektion zur allgemeinen Wellentheorie und Mathematik lernst du, wie Wellen Energie transportieren, ohne Material zu verschieben, welche Arten von Wellen es gibt und wie wir sie mathematisch genau berechnen können.
Vorwissen
- Schwingung: Eine periodische Bewegung um eine Ruhelage. Beispiel: Ein Pendel, das hin und her schwingt.
- Amplitude (): Die maximale Auslenkung aus der Ruhelage. Beispiel: Wie weit das Pendel maximal nach links oder rechts schwingt.
- Periodendauer () und Frequenz (): ist die Zeit für eine volle Schwingung. ist die Anzahl der Schwingungen pro Sekunde (). Beispiel: Wenn ein Pendel für ein Hin- und Herschwingen braucht, ist und .
Aufgabentyp 1: Wellengrößen und Auslenkung berechnen
Eine Welle entsteht, wenn sich eine Schwingung im Raum ausbreitet. Das Wichtigste dabei ist: Wellen transportieren Energie, Impuls und Informationen, aber keine Materie. Die einzelnen Teilchen (Oszillatoren) schwingen nur an ihrem Platz, genau wie die Fans im Stadion.
Wir unterscheiden zwei Hauptarten von Wellen, je nachdem, in welche Richtung die Teilchen schwingen:
- Transversalwellen (Querwellen): Die Teilchen schwingen senkrecht (im 90-Grad-Winkel) zur Ausbreitungsrichtung der Welle. Beispiel: Lichtwellen oder eine Welle auf einem gespannten Seil.
- Longitudinalwellen (Längswellen): Die Teilchen schwingen parallel (in der gleichen Richtung) zur Ausbreitungsrichtung. Es entstehen Verdichtungen und Verdünnungen im Material. Beispiel: Schallwellen in der Luft.

Wenn eine Welle auf ein Hindernis oder das Ende ihres Mediums (z. B. das Ende eines Seils) trifft, wird sie reflektiert. Wie sie zurückkommt, hängt vom Ende ab:
- Festes Ende: Wenn das Seil fest an einer Wand angebunden ist, kann sich das Ende nicht bewegen. Die Welle wird umgedreht reflektiert. Ein Wellenberg kommt als Wellental zurück. Das nennt man einen Phasensprung.
- Loses Ende: Wenn das Seil an einem Ring befestigt ist, der frei an einer Stange gleiten kann, wird die Welle auf der gleichen Seite reflektiert. Ein Wellenberg bleibt ein Wellenberg. Es gibt keinen Phasensprung.

Aber wie breiten sich Wellen überhaupt im Raum aus? Das erklärt das Huygenssche Prinzip: Jeder Punkt einer bestehenden Wellenfront ist der Ausgangspunkt einer neuen, kreisförmigen Welle (einer sogenannten Elementarwelle). Die neue Wellenfront ergibt sich aus der Überlagerung all dieser kleinen Elementarwellen. So lässt sich erklären, wie Wellen sich ausbreiten und auch um Hindernisse herumwandern.
Um eine Welle zu berechnen, brauchen wir neben der Zeit auch den Ort. Eine Welle hat eine räumliche Länge, die Wellenlänge . Sie gibt den räumlichen Abstand zwischen zwei gleich schwingenden Punkten der Welle an (z. B. von Wellenberg zu Wellenberg).
Die Ausbreitungsgeschwindigkeit gibt an, wie schnell sich die Welle vorwärts bewegt. Sie berechnet sich aus der Wellenlänge und der Frequenz (oder der Periodendauer ):

Um die genaue Auslenkung eines Teilchens an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit zu berechnen, nutzen wir die Wellengleichung:
Diese Formel kombiniert die zeitliche Schwingung (den Teil mit ) mit der räumlichen Ausbreitung (den Teil mit ).
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Gegebene Werte notieren: Schreibe alle bekannten Größen mit ihren Einheiten auf (z. B. , , , , ).
- Fehlende Grundgrößen berechnen: Nutze die Basisformeln, um fehlende Werte zu finden (, ).
- In die Wellengleichung einsetzen: Wenn nach der Auslenkung gefragt ist, setze alle Werte in die Formel ein. Achte darauf, dass dein Taschenrechner auf Bogenmaß (RAD) eingestellt ist!
- Ausrechnen und prüfen: Berechne das Ergebnis und überprüfe, ob die Einheit (meistens Meter) Sinn ergibt.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
Alltagsbezug: Für dieses Beispiel nehmen wir an, dass sich der Schall ideal und ohne Energieverlust in ruhender Luft ausbreitet. Ein Lautsprecher sendet eine Schallwelle mit einer Frequenz von aus. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Schalls in der Luft beträgt . Berechne die Wellenlänge dieser Schallwelle.
- Schritt 1Gegebene Werte notieren
Gegeben: (entspricht ), . Gesucht: Wellenlänge
- Schritt 2 · ErgebnisFormel umstellen und berechnen
Die Formel lautet: Wir stellen nach um, indem wir durch teilen: Jetzt setzen wir die Werte ein:
Die Wellenlänge der Schallwelle beträgt . Realitätscheck: Die Einheit ist Meter, was für eine Länge korrekt ist. Etwa ist eine typische Wellenlänge für hörbaren Schall im Alltag.
Beispiel 2
Eine mechanische Welle auf einem langen Seil hat eine Amplitude von , eine Periodendauer von und eine Wellenlänge von . Berechne die Auslenkung des Seils am Ort zum Zeitpunkt .
- Schritt 1Gegebene Werte notieren
Gegeben: , , , , . Gesucht: Auslenkung
- Schritt 2In die Wellengleichung einsetzen
Die Wellengleichung lautet: Wir setzen die bekannten Werte ein:
- Schritt 3Klammerausdruck berechnen
Zuerst berechnen wir die Brüche in der inneren Klammer (die Einheiten kürzen sich weg): Jetzt multiplizieren wir mit :
- Schritt 4 · ErgebnisSinus berechnen
Achtung: Der Taschenrechner muss auf Bogenmaß (RAD) stehen! Da ist:
Die Auslenkung des Seils am Ort zum Zeitpunkt beträgt . Das bedeutet, das Seil befindet sich an diesem Ort und zu dieser Zeit genau in einem Wellenberg.
Wichtige Erkenntnisse
- Wellen transportieren Energie, Impuls und Informationen, aber keine Materie.
- Transversalwellen: Teilchen schwingen senkrecht zur Ausbreitungsrichtung.
- Longitudinalwellen: Teilchen schwingen parallel zur Ausbreitungsrichtung.
- Am festen Ende wird eine Welle mit Phasensprung reflektiert (Berg wird zu Tal), am losen Ende ohne Phasensprung.
- Huygenssches Prinzip: Jeder Punkt einer Wellenfront ist der Ursprung einer neuen Elementarwelle.
- Die Ausbreitungsgeschwindigkeit berechnet sich mit: .
- Die Wellengleichung beschreibt die Auslenkung zu jeder Zeit an jedem Ort.
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Häufige Fragen
Was ist die allgemeine Wellentheorie?
Die allgemeine Wellentheorie beschreibt, wie sich Schwingungen im Raum ausbreiten. Das Wichtigste dabei ist: Wellen transportieren Energie, Impuls und Informationen, aber keine Materie. Die einzelnen Teilchen schwingen nur an ihrem Platz, ähnlich wie die Fans bei einer La-Ola-Welle im Stadion.
Was ist der Unterschied zwischen Transversalwellen und Longitudinalwellen?
Bei Transversalwellen (Querwellen) schwingen die Teilchen senkrecht zur Ausbreitungsrichtung, wie zum Beispiel beim Licht. Bei Longitudinalwellen (Längswellen) schwingen die Teilchen parallel zur Ausbreitungsrichtung, wodurch Verdichtungen und Verdünnungen entstehen. Ein typisches Beispiel hierfür sind Schallwellen in der Luft.
Wie berechnest du die Ausbreitungsgeschwindigkeit einer Welle?
Die Ausbreitungsgeschwindigkeit c gibt an, wie schnell sich eine Welle vorwärts bewegt. Du berechnest sie, indem du die Wellenlänge λ mit der Frequenz f multiplizierst: c = λ · f. Alternativ kannst du die Wellenlänge auch durch die Periodendauer T teilen.
Was passiert bei der Wellenreflexion an einem festen Ende?
Trifft eine Welle auf ein festes Ende (zum Beispiel ein an einer Wand befestigtes Seil), wird sie mit einem sogenannten Phasensprung reflektiert. Das bedeutet, die Welle wird umgedreht: Ein ankommender Wellenberg wird als Wellental zurückgeworfen.
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