Winkelhalbierende konstruieren – einfach erklärt

Winkelhalbierende konstruieren – mit Geodreieck oder Zirkel und Lineal. Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit vielen Beispielen für die Schule, einfach und verständlich erklärt.

📅 Aktualisiert 23. Mai 202621 Min. Lesezeit✍️ Rocket Tutor Redaktion

Die Winkelhalbierende konstruieren ist eine grundlegende Fähigkeit in der Geometrie – und leichter zu lernen, als es zunächst klingt. Stell dir vor, du spielst Billard oder Minigolf. Du willst eine Kugel genau in der Mitte zwischen zwei Banden hindurchspielen, um perfekt zu treffen. Aber wo genau musst du zielen? Die Winkelhalbierende ist dein geheimer „Cheat Code" für solche Situationen! Sie gibt dir die exakte Linie für den perfekten Schuss. Es ist ein einfacher geometrischer Trick, mit dem du Probleme, die Präzision und Fairness erfordern, super einfach lösen kannst. Kein Raten, kein Schätzen – nur reine, saubere Geometrie.

Schnellantwort

Eine Winkelhalbierende ist ein Strahl (eine Linie), der einen Winkel in zwei exakt gleich große, kleinere Winkel teilt. Wenn du einen Winkel α\alpha halbierst, erhält jede Hälfte den Wert α2\frac{\alpha}{2}. Die Winkelhalbierende lässt sich entweder mit dem Geodreieck (durch Messen und Teilen) oder klassisch mit Zirkel und Lineal (ohne jedes Messen) konstruieren.

Vorwissen

Bevor wir starten, solltest du diese Begriffe kennen:

  • Winkel: Ein Winkel wird von zwei Linien (Schenkel) gebildet, die sich an einem Punkt (Scheitelpunkt) treffen. Man misst ihn in Grad (°).

    • Beispiel: Ein rechter Winkel hat genau 90°.
  • Geodreieck: Ein Werkzeug zum Messen und Zeichnen von Winkeln.

    • Beispiel: Du legst den Nullpunkt des Geodreiecks auf den Scheitelpunkt, um einen Winkel abzumessen.
  • Zirkel und Lineal: Werkzeuge für geometrische Konstruktionen. Mit dem Zirkel zeichnest du Kreise, mit dem Lineal gerade Linien.

    • Beispiel: Du stellst den Zirkel auf einen Radius von 3 cm ein, um einen Kreis zu zeichnen.

Aufgabentyp 1: Winkelhalbierende mit dem Geodreieck konstruieren

Eine Winkelhalbierende ist ein Strahl (eine Linie), der einen Winkel in zwei exakt gleich große, kleinere Winkel teilt. Wenn du ein Geodreieck benutzen darfst, ist die Konstruktion sehr einfach: Du misst den Winkel, teilst den Wert durch zwei und zeichnest dann den neuen, kleineren Winkel ein.

Angenommen, du hast einen Winkel α=60°\textcolor{#08BFFF}{\alpha = 60°}.

Die Winkelhalbierende teilt diesen in zwei Winkel von je:

60°2=30°\frac{\textcolor{#08BFFF}{60°}}{2} = \textcolor{#53E5D6}{30°}

Du musst also nur eine Linie bei 30°\textcolor{#53E5D6}{30°} einzeichnen.

Winkelhalbierende teilt 60-Grad-Winkel bei 30 Grad
Winkelhalbierende teilt 60-Grad-Winkel bei 30 Grad

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Zeichne den gegebenen Winkel α\alpha mit deinem Geodreieck. Zeichne einen Scheitelpunkt S und den ersten Schenkel. Lege das Geodreieck an und markiere den Winkelgrad, um den zweiten Schenkel zu zeichnen.
  2. Berechne den Winkel für die Winkelhalbierende: Teile die Größe des Winkels α\alpha durch 2. Das Ergebnis ist der Winkel, bei dem die Winkelhalbierende liegen muss. Position der Winkelhalbierenden=α2\text{Position der Winkelhalbierenden} = \frac{\alpha}{2}
  3. Zeichne die Winkelhalbierende ein: Lege das Geodreieck erneut am Scheitelpunkt S und am ersten Schenkel an. Suche den in Schritt 2 berechneten Winkel auf der Skala und mache eine kleine Markierung.
  4. Schließe die Konstruktion ab: Zeichne eine Linie vom Scheitelpunkt S durch die Markierung. Diese Linie ist die Winkelhalbierende wαw_\alpha.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Konstruiere die Winkelhalbierende für einen Winkel von α=80°\alpha = 80° mit dem Geodreieck.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Gegebenen Winkel zeichnen

    Wir zeichnen einen Winkel von α=80°\textcolor{#08BFFF}{\alpha = 80°} mit dem Scheitelpunkt S.

    80-Grad-Winkel mit Scheitelpunkt S
    80-Grad-Winkel mit Scheitelpunkt S
  2. Schritt 2
    Winkel für die Winkelhalbierende berechnen

    Wir teilen den Winkel durch 2.

    80°2=40°\frac{\textcolor{#08BFFF}{80°}}{2} = \textcolor{#53E5D6}{40°}

  3. Schritt 3
    Winkelhalbierende einzeichnen

    Wir legen das Geodreieck am ersten Schenkel an und markieren einen Punkt bei 40°\textcolor{#53E5D6}{40°}.

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Konstruktion abschließen

    Wir verbinden den Scheitelpunkt S mit der Markierung. Dies ist die Winkelhalbierende wαw_\alpha.

    Winkelhalbierende bei 40 Grad eingezeichnet
    Winkelhalbierende bei 40 Grad eingezeichnet
Ergebnis:

Die Winkelhalbierende wαw_\alpha liegt bei 40°40° und teilt den 80°80°-Winkel in zwei gleiche Hälften.

Beispiel 2

Aufgabe

Konstruiere die Winkelhalbierende für einen Winkel von α=130°\alpha = 130° mit dem Geodreieck.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Gegebenen Winkel zeichnen

    Wir zeichnen einen stumpfen Winkel von α=130°\textcolor{#08BFFF}{\alpha = 130°}.

    Stumpfer 130-Grad-Winkel mit Scheitelpunkt
    Stumpfer 130-Grad-Winkel mit Scheitelpunkt
  2. Schritt 2
    Winkel für die Winkelhalbierende berechnen

    Wir teilen den Winkel durch 2.

    130°2=65°\frac{\textcolor{#08BFFF}{130°}}{2} = \textcolor{#53E5D6}{65°}

  3. Schritt 3
    Winkelhalbierende einzeichnen

    Wir messen vom ersten Schenkel aus einen Winkel von 65°\textcolor{#53E5D6}{65°} ab und markieren ihn.

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Konstruktion abschließen

    Die Verbindung von S zur Markierung ist die Winkelhalbierende wαw_\alpha.

    Winkelhalbierende bei 65 Grad im stumpfen Winkel
    Winkelhalbierende bei 65 Grad im stumpfen Winkel
Ergebnis:

Die Winkelhalbierende wαw_\alpha liegt bei 65°65° und teilt den 130°130°-Winkel in zwei gleiche Hälften.

Beispiel 3

Aufgabe

Konstruiere die Winkelhalbierende für einen Winkel von α=55°\alpha = 55° mit dem Geodreieck.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Gegebenen Winkel zeichnen

    Wir zeichnen einen Winkel von α=55°\textcolor{#08BFFF}{\alpha = 55°}.

    55-Grad-Winkel mit Scheitelpunkt S
    55-Grad-Winkel mit Scheitelpunkt S
  2. Schritt 2
    Winkel für die Winkelhalbierende berechnen

    Wir teilen den Winkel durch 2. Hier entsteht eine Kommazahl.

    55°2=27,5°\frac{\textcolor{#08BFFF}{55°}}{2} = \textcolor{#53E5D6}{27,5°}

  3. Schritt 3
    Winkelhalbierende einzeichnen

    Wir legen das Geodreieck an und markieren so genau wie möglich die Position bei 27,5°\textcolor{#53E5D6}{27,5°} (also zwischen 27° und 28°).

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Konstruktion abschließen

    Wir zeichnen die Linie von S zur Markierung. Das ist die Winkelhalbierende wαw_\alpha.

    Winkelhalbierende bei 27,5 Grad im 55-Grad-Winkel
    Winkelhalbierende bei 27,5 Grad im 55-Grad-Winkel
Ergebnis:

Die Winkelhalbierende wαw_\alpha liegt bei 27,5°27{,}5° und teilt den 55°55°-Winkel in zwei gleiche Hälften.

Beispiel 4

Aufgabe

Konstruiere die Winkelhalbierende für einen überstumpfen Winkel von α=220°\alpha = 220° mit dem Geodreieck.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Gegebenen Winkel zeichnen

    Ein Winkel von 220° ist größer als 180°. Wir zeichnen ihn, indem wir eine Gerade (180°) zeichnen und dann weitere 220°180°=40°220° - 180° = 40° hinzufügen. Der Winkel α=220°\textcolor{#08BFFF}{\alpha = 220°} ist der große Außenwinkel.

    Überstumpfer 220-Grad-Winkel mit Scheitelpunkt S
    Überstumpfer 220-Grad-Winkel mit Scheitelpunkt S
  2. Schritt 2
    Winkel für die Winkelhalbierende berechnen

    Wir teilen den Gesamtwinkel durch 2.

    220°2=110°\frac{\textcolor{#08BFFF}{220°}}{2} = \textcolor{#53E5D6}{110°}

  3. Schritt 3
    Winkelhalbierende einzeichnen

    Wir legen das Geodreieck am ersten Schenkel an und messen einen Winkel von 110°\textcolor{#53E5D6}{110°} ab.

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Konstruktion abschließen

    Die Linie vom Scheitelpunkt S durch die Markierung ist die Winkelhalbierende wαw_\alpha.

    Winkelhalbierende bei 110 Grad im überstumpfen Winkel
    Winkelhalbierende bei 110 Grad im überstumpfen Winkel
Ergebnis:

Die Winkelhalbierende wαw_\alpha liegt bei 110°110° und teilt den 220°220°-Winkel in zwei gleiche Hälften.

Beispiel 5

Aufgabe

Konstruiere die Winkelhalbierende für einen Winkel von α=180°\alpha = 180° mit dem Geodreieck.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Gegebenen Winkel zeichnen

    Ein Winkel von α=180°\textcolor{#08BFFF}{\alpha = 180°} ist ein gestreckter Winkel, also eine gerade Linie.

    Gestreckter 180-Grad-Winkel als gerade Linie
    Gestreckter 180-Grad-Winkel als gerade Linie
  2. Schritt 2
    Winkel für die Winkelhalbierende berechnen

    Wir teilen den Winkel durch 2.

    180°2=90°\frac{\textcolor{#08BFFF}{180°}}{2} = \textcolor{#53E5D6}{90°}

  3. Schritt 3
    Winkelhalbierende einzeichnen

    Wir legen das Geodreieck am Scheitelpunkt S an und markieren einen Winkel von 90°\textcolor{#53E5D6}{90°}.

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Konstruktion abschließen

    Die Linie von S zur Markierung ist die Winkelhalbierende. Sie steht senkrecht auf der ursprünglichen Geraden.

    Winkelhalbierende steht senkrecht auf der Geraden
    Winkelhalbierende steht senkrecht auf der Geraden
Ergebnis:

Die Winkelhalbierende des gestreckten Winkels steht senkrecht auf der Geraden und bildet zwei 90°90°-Winkel.

Aufgabentyp 2: Geometrischen Ort bestimmen

Manchmal wird die Aufgabe als Rätsel formuliert. Eine typische Frage beim Winkelhalbierende-konstruieren ist: „Finde die Menge aller Punkte, die von zwei sich schneidenden Geraden den gleichen Abstand haben."

Das klingt kompliziert, bedeutet aber genau dasselbe wie „Konstruiere die Winkelhalbierenden"! Der geometrische Ort aller Punkte mit gleichem Abstand zu zwei Schenkeln ist immer die Winkelhalbierende.

Wenn sich zwei Geraden schneiden, entstehen vier Winkel (zwei Paare von gleich großen Scheitelwinkeln). Deshalb gibt es auch zwei Winkelhalbierende, die zusammen die Lösung bilden. Diese beiden Winkelhalbierenden stehen immer senkrecht (im 90°-Winkel) aufeinander.

Zwei Winkelhalbierende stehen senkrecht aufeinander
Zwei Winkelhalbierende stehen senkrecht aufeinander

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Identifiziere Geraden und Winkel: Zeichne die beiden Geraden, die sich im gegebenen Winkel α\alpha schneiden. Identifiziere den zweiten Winkel β\beta, der am Schnittpunkt entsteht. Es gilt immer: β=180°α\beta = 180° - \alpha.
  2. Konstruiere die erste Winkelhalbierende: Berechne die Hälfte des ersten Winkels: α2\frac{\alpha}{2}. Konstruiere die erste Winkelhalbierende w1w_1 mit dem Geodreieck, indem du diesen halben Winkel abträgst.
  3. Konstruiere die zweite Winkelhalbierende: Berechne die Hälfte des zweiten Winkels: β2\frac{\beta}{2}. Konstruiere die zweite Winkelhalbierende w2w_2 mit dem Geodreieck.
  4. Gib die Lösungsmenge an: Die beiden konstruierten Geraden w1w_1 und w2w_2 sind zusammen die gesuchte Menge aller Punkte (der geometrische Ort).

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Zwei Geraden schneiden sich in einem Winkel von 50°50°. Ermittle die Menge aller Punkte, die von beiden Geraden gleich weit entfernt sind.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Geraden und Winkel identifizieren

    Wir zeichnen zwei Geraden, die sich in einem Winkel von α=50°\textcolor{#08BFFF}{\alpha = 50°} schneiden. Der Nebenwinkel ist β=180°50°=130°\textcolor{#53E5D6}{\beta} = 180° - 50° = \textcolor{#53E5D6}{130°}.

    Zwei Geraden schneiden sich im 50-Grad-Winkel
    Zwei Geraden schneiden sich im 50-Grad-Winkel
  2. Schritt 2
    Erste Winkelhalbierende konstruieren

    Wir halbieren den ersten Winkel: 50°2=25°\frac{\textcolor{#08BFFF}{50°}}{2} = 25°. Wir zeichnen die erste Winkelhalbierende w1w_1 bei 25°.

  3. Schritt 3
    Zweite Winkelhalbierende konstruieren

    Wir halbieren den zweiten Winkel: 130°2=65°\frac{\textcolor{#53E5D6}{130°}}{2} = 65°. Wir zeichnen die zweite Winkelhalbierende w2w_2 bei 65° (gemessen vom selben Schenkel aus).

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Lösungsmenge angeben

    Die beiden Geraden w1w_1 und w2w_2 sind die Lösung. Sie stehen senkrecht aufeinander, da 25°+65°=90°25° + 65° = 90° (bezogen auf die Winkel zwischen w1w_1, w2w_2 und den ursprünglichen Geraden).

    Beide Winkelhalbierenden senkrecht aufeinander bei 50 Grad
    Beide Winkelhalbierenden senkrecht aufeinander bei 50 Grad
Ergebnis:

Der geometrische Ort besteht aus den beiden Winkelhalbierenden w1w_1 (bei 25°) und w2w_2 (bei 65°).

Beispiel 2

Aufgabe

Zwei Geraden schneiden sich rechtwinklig (90°90°). Ermittle den geometrischen Ort aller Punkte, die von beiden Geraden den gleichen Abstand haben.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Geraden und Winkel identifizieren

    Die Geraden schneiden sich in einem Winkel von α=90°\textcolor{#08BFFF}{\alpha = 90°}. Alle vier Winkel am Schnittpunkt sind 90° groß.

    Zwei Geraden schneiden sich rechtwinklig
    Zwei Geraden schneiden sich rechtwinklig
  2. Schritt 2
    Erste Winkelhalbierende konstruieren

    Wir halbieren den Winkel: 90°2=45°\frac{\textcolor{#08BFFF}{90°}}{2} = 45°. Wir zeichnen die erste Winkelhalbierende w1w_1 bei 45°.

  3. Schritt 3
    Zweite Winkelhalbierende konstruieren

    Der Nebenwinkel ist ebenfalls 90°. Die Halbierung ergibt wieder 45°. Wir zeichnen die zweite Winkelhalbierende w2w_2.

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Lösungsmenge angeben

    Die beiden Winkelhalbierenden w1w_1 und w2w_2 sind die gesuchte Lösungsmenge.

    Winkelhalbierendes bei 45 Grad im rechten Winkel
    Winkelhalbierendes bei 45 Grad im rechten Winkel
Ergebnis:

Der geometrische Ort besteht aus w1w_1 und w2w_2, die jeweils bei 45° liegen.

Beispiel 3

Aufgabe

Zwei Straßen kreuzen sich in einem Winkel von 100°100°. Ein Denkmal soll so aufgestellt werden, dass es von beiden Straßen immer den gleichen Abstand hat. Zeichne alle möglichen Standorte ein.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Geraden und Winkel identifizieren

    Die Straßen sind zwei Geraden, die sich in einem Winkel von α=100°\textcolor{#08BFFF}{\alpha = 100°} schneiden. Der Nebenwinkel ist β=180°100°=80°\textcolor{#53E5D6}{\beta} = 180° - 100° = \textcolor{#53E5D6}{80°}.

    Zwei Straßen kreuzen sich im 100-Grad-Winkel
    Zwei Straßen kreuzen sich im 100-Grad-Winkel
  2. Schritt 2
    Erste Winkelhalbierende konstruieren

    Wir halbieren den 100°-Winkel: 100°2=50°\frac{\textcolor{#08BFFF}{100°}}{2} = 50°. Wir zeichnen die erste mögliche Standortlinie w1w_1.

  3. Schritt 3
    Zweite Winkelhalbierende konstruieren

    Wir halbieren den 80°-Winkel: 80°2=40°\frac{\textcolor{#53E5D6}{80°}}{2} = 40°. Wir zeichnen die zweite mögliche Standortlinie w2w_2.

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Lösungsmenge angeben

    Die möglichen Standorte für das Denkmal liegen auf den beiden Winkelhalbierenden w1w_1 und w2w_2.

    Zwei Winkelhalbierende als Standortlinien für Denkmal
    Zwei Winkelhalbierende als Standortlinien für Denkmal
Ergebnis:

Das Denkmal kann auf w1w_1 (bei 50°) oder auf w2w_2 (bei 40°) aufgestellt werden.

Beispiel 4

Aufgabe

Zwei Laserstrahlen kreuzen sich unter einem Winkel von 20°20°. Bestimme die Symmetrieachsen des Systems.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Geraden und Winkel identifizieren

    Der eine Winkel ist α=20°\textcolor{#08BFFF}{\alpha = 20°}. Der Nebenwinkel ist β=180°20°=160°\textcolor{#53E5D6}{\beta} = 180° - 20° = \textcolor{#53E5D6}{160°}.

    Zwei Laserstrahlen kreuzen sich im 20-Grad-Winkel
    Zwei Laserstrahlen kreuzen sich im 20-Grad-Winkel
  2. Schritt 2
    Erste Winkelhalbierende konstruieren

    Wir halbieren den 20°-Winkel: 20°2=10°\frac{\textcolor{#08BFFF}{20°}}{2} = 10°. Das ist die erste Symmetrieachse w1w_1.

  3. Schritt 3
    Zweite Winkelhalbierende konstruieren

    Wir halbieren den 160°-Winkel: 160°2=80°\frac{\textcolor{#53E5D6}{160°}}{2} = 80°. Das ist die zweite Symmetrieachse w2w_2.

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Lösungsmenge angeben

    Die beiden Symmetrieachsen sind die Geraden w1w_1 und w2w_2.

    Zwei Symmetrieachsen der Laserstrahlen als Winkelhalbierende
    Zwei Symmetrieachsen der Laserstrahlen als Winkelhalbierende
Ergebnis:

Die Symmetrieachsen des Systems sind w1w_1 (bei 10°) und w2w_2 (bei 80°).

Beispiel 5

Aufgabe

Zwei Bahngleise kreuzen sich in einem Winkel von 75°75°. Bestimme den geometrischen Ort aller Punkte, die von beiden Gleisen gleich weit entfernt sind.

Fortschritt
4 / 4
  1. Schritt 1
    Geraden und Winkel identifizieren

    Die Gleise bilden einen Winkel von α=75\textcolor{#08BFFF}{\alpha = 75^\circ}. Der Nebenwinkel ist β=18075=105\textcolor{#53E5D6}{\beta} = 180^\circ - 75^\circ = \textcolor{#53E5D6}{105^\circ}.

    Zwei Bahngleise kreuzen sich im 75-Grad-Winkel
    Zwei Bahngleise kreuzen sich im 75-Grad-Winkel
  2. Schritt 2
    Erste Winkelhalbierende konstruieren

    Wir halbieren den ersten Winkel: 752=37,5\frac{\textcolor{#08BFFF}{75^\circ}}{2} = 37{,}5^\circ. Wir zeichnen die erste Winkelhalbierende w1w_1.

  3. Schritt 3
    Zweite Winkelhalbierende konstruieren

    Wir halbieren den zweiten Winkel: 1052=52,5\frac{\textcolor{#53E5D6}{105^\circ}}{2} = 52{,}5^\circ. Wir zeichnen die zweite Winkelhalbierende w2w_2.

  4. Schritt 4 · Ergebnis
    Lösungsmenge angeben

    Der gesuchte geometrische Ort besteht aus den beiden Winkelhalbierenden w1w_1 und w2w_2.

    Zwei senkrechte Winkelhalbierende der Bahngleise
    Zwei senkrechte Winkelhalbierende der Bahngleise
Ergebnis:

Der geometrische Ort besteht aus w1w_1 (bei 37,5°37{,}5°) und w2w_2 (bei 52,5°52{,}5°).

Aufgabentyp 3: Winkelhalbierende mit Zirkel und Lineal konstruieren

Die „klassische" Methode zur Konstruktion einer Winkelhalbierenden verwendet nur Zirkel und Lineal – ganz ohne Messen! Diese Methode ist extrem präzise und basiert auf reiner Geometrie.

Der Trick besteht darin, mit dem Zirkel einen symmetrischen Aufbau zu schaffen. Du zeichnest zuerst einen Bogen vom Scheitelpunkt aus, um zwei gleiche Abstände auf den Schenkeln zu erzeugen. Von diesen beiden neuen Punkten aus zeichnest du dann zwei weitere Bögen, die sich in der Mitte schneiden. Der Schnittpunkt liegt exakt auf der Winkelhalbierenden.

Zirkel-Lineal-Konstruktion der Winkelhalbierenden Schema
Zirkel-Lineal-Konstruktion der Winkelhalbierenden Schema

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Zeichne den ersten Kreisbogen: Stich mit dem Zirkel in den Scheitelpunkt S des Winkels ein. Wähle einen beliebigen Radius und zeichne einen Kreisbogen, der beide Schenkel schneidet. Nenne die Schnittpunkte A und B.
  2. Zeichne zwei sich schneidende Kreisbögen: Stich nun mit dem Zirkel in den Punkt A ein und zeichne einen Kreisbogen in das Innere des Winkels. Wichtig: Behalte den Zirkelradius bei, stich in den Punkt B ein und zeichne einen zweiten Kreisbogen, der den ersten schneidet. Nenne den Schnittpunkt P.
  3. Zeichne die Winkelhalbierende mit dem Lineal: Verbinde den Scheitelpunkt S mit dem neuen Schnittpunkt P mit einer geraden Linie. Diese Linie ist die exakte Winkelhalbierende wαw_\alpha.

Durchgerechnete Beispiele

Beispiel 1

Aufgabe

Konstruiere die Winkelhalbierende für einen Winkel von α=60°\alpha = 60° nur mit Zirkel und Lineal.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Ersten Kreisbogen zeichnen

    Wir stechen in den Scheitelpunkt S ein und zeichnen einen Bogen, der die Schenkel in A und B schneidet.

    Kreisbogen vom Scheitelpunkt schneidet Schenkel in A und B
    Kreisbogen vom Scheitelpunkt schneidet Schenkel in A und B
  2. Schritt 2
    Zwei sich schneidende Kreisbögen zeichnen

    Wir stechen in A und dann in B ein und zeichnen mit gleichem Radius zwei Bögen, die sich im Punkt P schneiden.

    Zwei Kreisbögen von A und B schneiden sich in P
    Zwei Kreisbögen von A und B schneiden sich in P
  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Winkelhalbierende zeichnen

    Wir verbinden S und P mit dem Lineal. Die Linie wαw_\alpha ist die Winkelhalbierende.

    Winkelhalbierende als Linie von S durch P gezeichnet
    Winkelhalbierende als Linie von S durch P gezeichnet
Ergebnis:

Die Winkelhalbierende wαw_\alpha des 60°-Winkels ist konstruiert und teilt ihn in zwei 30°-Winkel.

Beispiel 2

Aufgabe

Konstruiere die Winkelhalbierende für einen Winkel von α=110°\alpha = 110° nur mit Zirkel und Lineal.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Ersten Kreisbogen zeichnen

    Wir stechen in S ein und zeichnen einen Bogen, der die Schenkel in A und B schneidet.

    Kreisbogen im 110-Grad-Winkel schneidet Schenkel
    Kreisbogen im 110-Grad-Winkel schneidet Schenkel
  2. Schritt 2
    Zwei sich schneidende Kreisbögen zeichnen

    Von A und B aus zeichnen wir zwei sich schneidende Bögen (gleicher Radius) und erhalten den Punkt P.

    Kreisbögen von A und B ergeben Schnittpunkt P
    Kreisbögen von A und B ergeben Schnittpunkt P
  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Winkelhalbierende zeichnen

    Die Linie von S durch P ist die Winkelhalbierende wαw_\alpha.

    Winkelhalbierende des 110-Grad-Winkels fertig konstruiert
    Winkelhalbierende des 110-Grad-Winkels fertig konstruiert
Ergebnis:

Die Winkelhalbierende wαw_\alpha des 110°-Winkels ist korrekt konstruiert.

Beispiel 3

Aufgabe

Konstruiere die Winkelhalbierende für einen rechten Winkel (α=90°\alpha = 90°) nur mit Zirkel und Lineal.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Ersten Kreisbogen zeichnen

    Bogen von S aus, der die Schenkel in A und B schneidet.

    Kreisbogen vom Scheitelpunkt im 90-Grad-Winkel
    Kreisbogen vom Scheitelpunkt im 90-Grad-Winkel
  2. Schritt 2
    Zwei sich schneidende Kreisbögen zeichnen

    Von A und B aus zwei sich schneidende Bögen zeichnen, die den Punkt P ergeben.

    Schnittpunkt P aus zwei Kreisbögen im rechten Winkel
    Schnittpunkt P aus zwei Kreisbögen im rechten Winkel
  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Winkelhalbierende zeichnen

    Die Linie von S durch P ist die Winkelhalbierende. Sie teilt den 90°-Winkel in zwei 45°-Winkel.

    Winkelhalbierende teilt rechten Winkel in zwei 45-Grad-Winkel
    Winkelhalbierende teilt rechten Winkel in zwei 45-Grad-Winkel
Ergebnis:

Die Winkelhalbierende teilt den 90°-Winkel in zwei gleiche 45°-Winkel.

Beispiel 4

Aufgabe

Konstruiere die Winkelhalbierende für einen überstumpfen Winkel von α=300°\alpha = 300° nur mit Zirkel und Lineal.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Ersten Kreisbogen zeichnen

    Wir stechen in S ein und zeichnen einen großen Bogen, der die Schenkel in A und B schneidet.

    Großer Kreisbogen im 300-Grad-Winkelbereich
    Großer Kreisbogen im 300-Grad-Winkelbereich
  2. Schritt 2
    Zwei sich schneidende Kreisbögen zeichnen

    Wir stechen in A und B ein und zeichnen zwei Bögen mit gleichem Radius, die sich im großen Winkelbereich bei P schneiden.

    Zwei Kreisbögen schneiden sich in P im 300-Grad-Bereich
    Zwei Kreisbögen schneiden sich in P im 300-Grad-Bereich
  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Winkelhalbierende zeichnen

    Die Linie von S durch P ist die Winkelhalbierende des 300°-Winkels.

    Winkelhalbierende des überstumpfen 300-Grad-Winkels
    Winkelhalbierende des überstumpfen 300-Grad-Winkels
Ergebnis:

Die Winkelhalbierende wαw_\alpha des 300°-Winkels ist korrekt konstruiert.

Beispiel 5

Aufgabe

Konstruiere die Winkelhalbierende für einen sehr spitzen Winkel von α=25°\alpha = 25° nur mit Zirkel und Lineal.

Fortschritt
3 / 3
  1. Schritt 1
    Ersten Kreisbogen zeichnen

    Bogen von S aus, der die Schenkel in A und B schneidet. Bei spitzen Winkeln liegen A und B nah beieinander.

    Kreisbogen im spitzen 25-Grad-Winkel, A und B nah beieinander
    Kreisbogen im spitzen 25-Grad-Winkel, A und B nah beieinander
  2. Schritt 2
    Zwei sich schneidende Kreisbögen zeichnen

    Von A und B aus zeichnen wir zwei Bögen, die sich bei P schneiden. Man muss den Zirkel eventuell weiter öffnen, damit sich die Bögen gut schneiden.

    Kreisbögen von A und B schneiden sich bei P im spitzen Winkel
    Kreisbögen von A und B schneiden sich bei P im spitzen Winkel
  3. Schritt 3 · Ergebnis
    Winkelhalbierende zeichnen

    Die Linie von S durch P ist die Winkelhalbierende wαw_\alpha.

    Winkelhalbierende des spitzen 25-Grad-Winkels fertig
    Winkelhalbierende des spitzen 25-Grad-Winkels fertig
Ergebnis:

Die Winkelhalbierende wαw_\alpha des 25°-Winkels ist korrekt konstruiert.

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Winkelhalbierende teilt einen Winkel in zwei exakt gleich große Hälften.
  • Mit Geodreieck: Miss den Winkel α\alpha, berechne α2\frac{\alpha}{2} und zeichne den neuen Winkel ein.
  • Mit Zirkel und Lineal: Zeichne einen Bogen vom Scheitelpunkt aus. Zeichne von den Schnittpunkten auf den Schenkeln aus zwei weitere Bögen, die sich kreuzen. Verbinde den Scheitelpunkt mit diesem Kreuzungspunkt.
  • Der „geometrische Ort aller Punkte mit gleichem Abstand zu zwei Geraden" ist immer das Paar der beiden Winkelhalbierenden.

Häufige Fragen

Was ist eine Winkelhalbierende?

Eine Winkelhalbierende ist ein Strahl, der von einem Scheitelpunkt ausgeht und einen Winkel in zwei exakt gleich große Teilwinkel teilt. Hat ein Winkel zum Beispiel 80°, dann liegt die Winkelhalbierende genau bei 40°. Sie ist gleichzeitig die Symmetrieachse des Winkels und der geometrische Ort aller Punkte, die von beiden Schenkeln den gleichen Abstand haben.

Wie konstruiert man eine Winkelhalbierende mit dem Geodreieck?

Mit dem Geodreieck ist es ganz einfach:

  1. Zeichne den Winkel α mit Scheitelpunkt S.
  2. Berechne α ÷ 2.
  3. Lege das Geodreieck am Scheitelpunkt an und markiere den berechneten Winkel auf der Skala.
  4. Verbinde S mit der Markierung – fertig ist die Winkelhalbierende.

Bei Kommazahlen wie 27,5° markierst du den Wert so genau wie möglich zwischen den benachbarten Gradstrichen.

Wie konstruiert man eine Winkelhalbierende mit Zirkel und Lineal?

Die klassische Methode ohne Messen funktioniert in drei Schritten:

  1. Stich in den Scheitelpunkt S ein und zeichne einen Kreisbogen, der beide Schenkel in den Punkten A und B schneidet.
  2. Stich nacheinander in A und B ein (gleicher Radius!) und zeichne zwei Bögen ins Innere des Winkels, die sich im Punkt P schneiden.
  3. Verbinde S und P mit dem Lineal – diese Gerade ist die exakte Winkelhalbierende.
Was ist der geometrische Ort gleicher Abstände zu zwei Geraden?

Wenn zwei Geraden sich schneiden, ist der geometrische Ort aller Punkte, die von beiden Geraden den gleichen Abstand haben, immer das Paar der beiden Winkelhalbierenden. Durch den Schnittpunkt entstehen vier Winkel (zwei Paare von Scheitelwinkeln), weshalb es stets zwei Winkelhalbierende gibt. Diese beiden Winkelhalbierenden stehen immer senkrecht zueinander (90°-Winkel).

Was ist der Unterschied zwischen Winkelhalbierende mit Geodreieck und mit Zirkel und Lineal?

Beim Geodreieck misst du den Winkel ab und teilst ihn durch 2 – schnell und praktisch, aber von der Messgenauigkeit des Werkzeugs abhängig. Bei der Zirkel-Lineal-Methode misst du gar nichts: Du nutzt nur die geometrische Symmetrie von Kreisbögen. Das Ergebnis ist exakt und unabhängig von Ablesefehlern. In Klausuren wird oft angegeben, welche Methode verwendet werden soll – beachte deshalb immer die Aufgabenstellung.

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